Arthur I. von Anjou                         Herzog der Bretagne (1186-1203)
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13.4.1187 3.4.1203
                   Rouen
 

Einziger und nachgeborener Sohn des Herzogs Gottfrieds II. von Bretagne aus dem Hause PLANTAGENET und der Konstanze von Bretagne, Erb-Tochter von Herzog Conan IV.; Enkel von König Heinrich II. von England
 

Lexikon des Mittelalters: Band I, Spalte 1067
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1. Arthur I., Graf der Bretagne
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* 1187, genauer Zeitpunkt des Todes unbekannt

Posthumer Sohn des Grafen Geoffroy (Godfredus), des dritten Sohnes König Heinrichs II. von England, und der Constance, Erbin der Bretagne

Arthur I. empfing die Erbschaft seines Vaters. König Richard bestimmte ihn 1191 zu seinem Erben, enterbte ihn jedoch später zugunsten Johanns »Ohneland«.
A
rthur I. beanspruchte weiterhin das Erbe Richards, da sein Vater älter als Johann war. Während der Kriege zwischen Johann und König Philipp August von Frankreich stellte sich Arthur I. in den Dienst des französischen Königs. Ein Teil der Barone von Anjou und Maine erkannte ihn an, er leistete Philipp August den Lehnseid und führte Krieg gegen seinen Onkel. Ein erstes Mal bereits von Guillaume des Roches, Seneschall von Anjou, an Johann ausgeliefert, vermochte er zu fliehen. Er wurde vom französischen König im Vertrag von Goulet (1200) preisgegeben, der ihn später allerdings erneut als Parteigänger und Werkzeug benutzte.
1202 wurde er von seinem Onkel gefangengenommen, als er seine Großmutter, Eleonore von Aquitanien, belagerte. Er wurde anschließend vielleicht von Johann ermordet. - Sein Schicksal gab Anlaß zur Entstehung von Sagen.
J. Boussard


Lexikon des Mittelalters:
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Bretagne
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II. Hochmittelalter:
Die Heirat der Tochter Conans III., Berta, mit Alan (Alain) dem Schwarzen, einem der Erben aus der jüngeren Linie des Hauses RENNES, hatte keineswegs, wie sich hätte vermuten lassen, die politische Einigung des Herzogtums, sondern das Gegenteil zur Folge:
Nach dem Tode Conans III. ( 1148) gerieten sein Sohn Hoël und seine Tochter in Konflikt; Hoël erlangte die Anerkennung in der Grafschaft Nantes; die Ansprüche der Berta und ihres Sohnes Conan (IV.) aus der Ehe mit Alain fanden einen eifrigen Vorkämpfer in Odo (Eudes), Vicomte von Porhoët, der Berta in zweiter Ehe heiratete und bei diesen Auseinandersetzungen vorrangig eigene Interessen verfolgte.
Es gelang Heinrich II. Plantagenêt, den Machtkampf zu seinem Vorteil auszunutzen:
Er verheiratete schließlich seinen Sohn Geoffroy mit Constance, der Erb-Tochter Conans IV., und nötigte diesen, schon zu Lebzeiten zugunsten seines Schwieger-Sohnes auf die Herzogswürde zu verzichten. Damit war die Bretagne in den Einflußbereich der PLANTAGENET geraten, und sie blieb trotz wiederholter Aufstände bretonischer Adliger bis zu dem von König Johann Ohneland zu verantwortenden Mord an Arthur I. (1203), dem Sohn von Constance und Geoffroy, im Verband des Reiches der PLANTAGENET.
H. Guillotel

www.wikipedia.de
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Arthur I.
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* 1187, 1203

war der posthume (nach dem Tod seines Vaters geborene) Sohn von Gottfried II., Herzog von Bretagne, und Konstanze von der Bretagne, und der designierte Erbe des englischen Throns als Nachfolger von Richard Löwenherz.

Leben

Als Richard auf dem Dritten Kreuzzug war, regierte Konstanze für ihren Sohn, den sie 1194 zum Herzog ausrufen ließ, mit größerer Unabhängigkeit. Als Richard 1199 starb und sein Bruder Johann Ohneland die Nachfolge für sich reklamierte, weigerte sich ein großer Teil des französischen Adels, ihn anzuerkennen, da sie Arthur bevorzugten, der sich wiederum dem französischen König Philipp II. unterwarf. Dies war für Johann Grund genug, 1202 in Frankreich einzufallen.

Als Philipp II. Arthurs Recht auf die Bretagne, Anjou, Maine und Poitou anerkannte, marschierte dieser in Poitou ein. Er wurde jedoch am 31. Juli 1202 von König Johann bei der Belagerung von Mirabeau überrascht, wo sich seine Großmutter Eleonore von Aquitanien aufhielt, gefangen genommen und in Falaise unter der Aufsicht von Hubert de Burgh eingekerkert. Seine Schwester Eleonore wurde ebenfalls verhaftet und in Corfe eingesperrt. Im folgenden Jahr wurde er von William de Braose nach Rouen überführt, wo er im April des Jahres unter ungeklärten Umständen verschwand.

Die Geschichte seines Verschwindens gab zu verschiedenen Geschichten Anlass. Eine war, dass Arthur Wärter sich davor fürchteten, ihn zu töten, so das König Johann dies selbst machte, und seinen Körper anschließend in die Seine warf. Die Margam Annals hingegen liefern den folgenden Bericht über Arthurs Tod:

Nachdem König Johann Arthur gefangen genommen und ihn lebend für einige Zeit im Gefängnis festgehalten hatte, schließlich in der Burg von Rouen, erschlug er ihn nach dem Abendessen am Donnerstag vor Ostern, als er betrunken und vom Teufel besessen war (ebrius et daemonio plenus), mit eigener Hand, band den Körper an einen schweren Stein und warf ihn in die Seine. Er wurde von einem Fischer in seinem Netz gefunden, auf eine Sandbank geschleppt und erkannt, und aus Angst vor dem Tyrannen zur geheimen Beerdigung in die Priorei von Le Bec genannt Notre-Dame-des-Prés gebracht.

William de Braose stieg nach Arthurs Verschwinden so stark in Johanns Gunst, dass er der Komplizenschaft verdächtigt wurde, und tatsächlich klagte Williams Frau Maud de Braose König Johann viele Jahre später und nach Streit mit dem König des Mordes an Arthur an, woraufhin Maud und ihr ältester Sohn ins Gefängnis geworfen wurden, wo sie verhungerten. William floh nach Frankreich, wo er vermutlich ein Papier zum Tod Arthurs verfasste, von dem jedoch kein Exemplar gefunden wurde.

Arthur in der Literatur

Arthurs Tod ist ein zentraler Bestandteil von Shakespeares Schauspiel König Johann, in dem Arthur als Kind dargestellt wird, dessen Unschuld Hubert de Burgh davon abhält, ihn im Auftrag Johanns zu ermorden. Arthur stirbt wenig später auf der Flucht.

Darüber hinaus:

Arthur in der Musik

Quellen


Thiele, Andreas: Tafel 200
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

ARTHUR I.
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postum 1186, 1203 ermordet

Herzog der Bretagne, Prätendent für England und Aquitanien


Thiele, Andreas: Tafel 93
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

ARTHUR I. D'ANJOU
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* 1187, 1203

Arthur I. wurde von bretonischen Großen an den französischen König ausgeliefert, da die englische Herrschaft sehr verhaßt war. Nach dem Tode Richards I. Löwenherz galt er als nächstberechtigter Thronerbe von England. Arthur gelang es, Anerkennung in den Erblanden seines Hauses in Anjou, Maine und Tourraine zu finden, wofür er Philipp II. August von Frankreich den Lehnseid leisten mußte, während sich in den übrigen Gebieten sein Onkel Johann durchsetzte. Als Arthur Aquitanien forderte und deshalb seine Großmutter bekriegte, wurde er gefangengenommen und von seinem Onkel ermordet.


Pernoud Regine: Seite 293-295
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"Königin der Troubadoure"

Obwohl Eleonore ihren Entschluß wirklich schnell gefaßt hatte, kam ihr Arthur zuvor. Zusammen mit dem Vizegrafen Hugues de Chatellerault hatte er Tours bereits hinter sich gelassen und Lourdon erreicht. Die Königin konnte sich noch in die Burg Mirebeau flüchten. Das Städtchen wird sofort im Sturm genommen, aber der Burgfried hält stand. Dort ist Eleonore nun mit einer Handvoll Leuten eingeschlossen. Sollte sie die Gefangene ihres Enkels werden.
Eleonore schickte in aller Eile einen Boten zu Guillaume des Roches, der sich in Chinon aufhielt, und einen zweiten an Johann Ohneland, der zu jener Zeit in Le Mans ist. Johann kam in Windeseile; der Bote hatte ihn in der Nacht zum 30. Juli erreicht, und in der Morgenfrühe des 1. August war Johann bereits dicht vor Mirebeau. Arthur und seine Leute hatten alle Tore des von ihnen besetzten Städtchens zumauern lassen, damit keiner der Belagerten entkommen sollte. Nur ein Tor ließ er für ihren eigenen Nachschub offen. Sie hielten das für sehr klug und glaubten, ihrer Beute sicher zu sein. Man erzählt, dass Ritter Geoffroy de Lusignan sich gerade mit einer Schüssel gebratener Tauben zu Tisch gesetzt habe, als ihm gemeldet wurde, dass die Truppen des Königs von England mit wehenden Fahnen herannahten. Geoffroy lachte nur und schwor, er sich durch eine solche Lappalie nicht stören lassen und erst seine Mahlzeit beenden. Doch dazu kam er nicht mehr. Er wurde samt Arthur und den etwa tausend Leuten, die die Burg belagerten, buchstäblich wie in einer Mausefalle gefangen. Es blieb ihnen nicht einmal mehr Zeit, sich zu wehren.
Damit war Eleonore gerettet und in Sicherheit. Aber niemand konnte die harte Behandlung vorausahnen, die die vielen Gefangenen anschließend erleiden mußten. Den unglücklichen gefangenen Rittern blieb keine Demütigung erspart. Johann ließ sie an Karren binden und so auf ihre eigenen Güter bringen, wo sie in den Burgverliesen eingekerkert wurden.
Den jungen Arthur von Bretagne übergab er zunächst Hubert de Bourgh, einem seinen Vertrauten, mit dem Befehl, ihn zu blenden und zu entmannen. Aber Hubert de Bourgh lehnte ein solches Verbrechen ab. Arthur blieb als Gefangener im Festungsturm von Rouen bis zum Gründonnerstag, dem 3. April 1203. An diesem Tag drang Johann begleitet, in den Kerker ein, in dem der Jüngling saß. Er hieß ihn mitkommen, bestieg mit ihm ein Boot, nur von einem einzigen Mann, seinem Vertrauten Guillaume de Briouze erdrosselte ihn und warf seinen Leichnam in die Seine. Niemand erfuhr etwas von dieser Tragödie. Erst etwa sieben Jahre später berichtete Guillaume de Briouze, der einzige Augenzeuge, der sich inzwischen mit Johann tödlich verfeindet hatte und an den französischen Hof geflüchtet war, von der scheußlichen Freveltat.

Berg Dieter: Seite 58,69-71,81,87,93-99
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Hinzu kam, daß der französische König nach dem Tode Gottfrieds gegenüber Heinrich nicht mehr nur auf der Heirat Alices mit Richard und den Entschädigungszahlungen an Margarethe bestand, sondern auch die Vormundschaft für die unmündigen Kinder des verstorbenen bretonischen Fürsten - Eleonore und später Arthur - und die Verwaltung der Bretagne für sich beanspruchte.
Die Wirkung dieser Aktion auf Tankred war beachtlich, da er umgehend Johanna freiließ und dem PLANTAGENET als Rechtsnachfolger Heinrichs II. 20.000 Unzen Gold als Kompensation für das Wittum Johannas überstellte; zudem unterbreitete er das Angebot eines Heiratsbündnisses, wonach eine seiner Töchter mit dem Neffen Richards, Arthur von der Bretagne, die Ehe eingehen und 20.000 Unzen Gold als Mitgift erhalten sollte. Der englische König akzeptierte wahrscheinlich im Oktober 1190 diese Offerten und erklärte sich bereit, Arthur als Thronerben zu benennen, sollte er - Richard - kinderlos sterben. Dieser Vertrag, für dessen Vermittlung Philipp beachtliche Gelder kassierte, führte nicht nur zu einer baldigen Beruhigung der innenpolitischen Lage in Sizilien, sondern besaß auch beträchtliche innen- wie außenpolitische Implikationen, da die überraschende Erbregelung zugunsten Arthurs die Kräfteverhältnisse in Frankreich verschieben und zugleich die Hoffnungen Johanns auf die Thronfolge in England beeinträchtigen musste.
Zudem wird einsichtig daß die nahezu gleichzeitige Auflösung der Verlobung mit Alice und das Auftreten von Berengaria exakt geplant waren, so daß die frühere Erbfolgeregelung Richards zugunsten seines Neffen Arthur von der Bretagne nur als taktisches Manöver erscheinen kann.
Obwohl nicht anzunehmen ist, dass Löwenherz den Forderungen des Kaisers entsprach, ist dennoch von dessen ungebrochenen Willen zur Fortsetzung des Krieges gegen Philipp auszugehen, da er nach dem Ausbruch von Konflikten zwischen der bretonischen Fürstin Konstanze und ihrem Gatten Ranulf, Earl von Chester, im April 1196 in der Bretagne intervenierte, aber die Übergabe des Thronerben Arthur an den KAPETINGER nicht verhindern konnte.
Insofern war es nicht überraschend, dass sich Johann mit konkurrierenden Erbrechtsansprüchen von Arthur I., Herzog der Bretagne und Sohn Gottfrieds, des vierten Sohnes Heinrichs II., auseinandersetzen musste. Konstanze erreichte hingegen zu Ostern 1199 in Angers die Anerkennung ihres Sohnes Arthur als Erbe durch Große aus Anjou, Maine und Touraine sowie durch König Philipp, der zwar die Huldigung des Prinzen für Anjou, Maine und Touraine entgegennahm, aber umgehend in der Grafschaft Evreux einfiel.
So konnte Johann im Sommer 1199 die militärische Konfrontation mit dem KAPETINGER wagen, der schon im September eine Schwächung seiner Position hinnehmen musste, als Wilhelm des Roches und Konstanze mit Arthurüberraschend ins angevinische Lager wechselten.
Zwar unterblieben in der Folgezeit Kampfhandlungen zwischen den Monarchen, dennoch eskalierten die Spannungen wegen des dilatorischen Verhaltens Johanns gegen den LUSIGNAN, so dass sich Philipp zum Konflikt entschloss und auf einem Treffen am 24./25. März 1202 bei Le Goulet in Anwesenheit der Großen beider Reiche von Johann verlangte, auf sämtliche Lehen im französischen regnum zu verzichten, die an Arthur von der Bretagne fallen sollten.
Obwohl sich anfangs die militärischen Kampagnen Philipps und Arthurs unter anderem durch Unterstützung rebellischer Barone in Poitou günstig entwickelten, gelang Johann im Kampf um Mirabeau wo die Königin-Mutter Eleonore angegriffen wurde, ein überraschender Erfolg, da er am 1. August die Belagerer besiegte und außer ca. 200 Rittern seinen Neffen Arthur und Hugo von Lusignan gefangen nehmen konnte.
Hingegen konzentrierte sich Johanns Zorn auf Arthur als angeblichen Kristallisationspunkt für weitere Revolten und Widerstände, so dass er beschloss, den Kontrahenten endgültig auszuschalten. Obwohl die genauen Umstände des Verschwindens von Arthur ungeklärt sind, ist dennoch davon auszugehen, dass der Bretone nach einer verbalen Auseinandersetzung mit dem ANGEVINEN in Rouen entweder von diesem selbst oder wahrscheinlicher auf dessen Anweisung ermordet wurde.
 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutgart 1962 Seite 320 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 58,69-71,81,87,93-99 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 125 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 128 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 145,147 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 160,169,171 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 144,164 - Hucker Bernd Ulrich: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser. insel taschenbuch 2557 2003 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 351 - Pernoud Regine: Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England. Diedrichs Verlag München 1994 Seite 64,114,200, 245,255,265 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 29,32,44,55,57,86 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 812,885 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 93,200 - Toeche Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 154,264 -