Begraben: Toledo, Kathedrale
Ältester Sohn des Königs
Alfons II. der Dicke von Portugal und der Urraca
von Kastilien, Tochter von König
Alfons VIII.
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1360
********************
Sancho II., König von Portugal
--------------
* 1209, + nach dem 3. Januar 1248 (Testament)
Coimbra Toledo
Begraben: Toledo, Kathedrale
Ältester Sohn Alfons‘ II.
oo 1240/42 seine Verwandte Mecia (Mencia) aus dem
kastilischen Geschlecht HARO
(ihre Mutter war als uneheliche Tochter Alfons‘ IX. von Leon eine Urenkelin
seines Urgroßvaters Alfons‘ I.)
Sancho II. trat die
Nachfolge seines in der Exkommunikation verstorbenen Vaters an; das Königreich
lag unter Interdikt und wurde vom Kampf zwischen bischöflicher und
königlicher Gewalt erschüttert. Im Juni 1223 gelang in Coimbra
ein Ausgleich, zum einen mit dem Klerus (vor allem mit dem Erzbischof von
Braga: starke finanzielle Entschädigung), zum anderen mit den von
Sancho
I. reich ausgestatteten "Königinnen"
Teresa und Sancha, die -
ebenfalls gegen aufwendige Entschädigungen - einem weitgehenden Verzicht
auf ihre Besitzungen (nach langfristigem Zeitplan) zustimmten, was die
Unveräußerlichkeit der königlichen Rechte und Güter
wiederherstellte. Die erfolgreiche Reconquista fast des gesamten Algarve
war nicht eigentlich die persönliche Leistung des Königs (Niederlage
bei Elves [1226], Sieg bei Aiamonte [1239/40]), sondern stärker das
Verdienst der Ritterorden und Adligen; letztere bildeten im übrigen
durch ihre Umtrriebe und Fehden ein Element der sozialen Anarchie, das
den königlichen Richter Sancho II.
überforderte. Destabilisierung ging auch wieder von den Bischöfen
aus (besonders Lissabon und Porto; heftige Konflikte mit Kathedralkapiteln,
Bischofsstädten, Königtum), die darüberhinaus bei Papst
Gregor IX. Unterstützung fanden: 1231 wurde Portugal interdiziert,
1238 Sancho II. durch den Bischof von
Salamanca exkommuniziert, gegen Opposition des Erzbischofs von Braga, des
Bischofs von Coimbra sowie der Franziskaner und Dominikaner. Angesichts
der Verschlechterung der Zustände arbeiteten Mitglieder des Klerus
und des Adels sowie die Kurie auf eine Ablösung Sanchos
als
König durch dessen jüngeren Bruder Alfons
III. hin. Am 12. Februar 1245 befahl Innozenz IV. dem Erzbischof
von Santiago de Compostela, die Ehe des Königs, die ohne päpstliche
Dispens geschlossen worden sei, zu trennen; Sancho
II. sollte keine eheliche Nachkommen haben können. Im März
1245 klagte der Papst in der Bulle "Inter alia desiderabilia" den König
schlimmster Vergehen an, am 24. Juli erklärte ihn in "Grandi non immerito"
zum "rex inutilis" und Alfons
zum "Verwalter und Verteidiger" des Königreiches, das in einen schweren
Bürgerkrieg gestürzt wurde. Bis ins Jahr 1247 hielt sich Sancho
II. mit seinen Anhängern, dann zog er nach Toledo. Da er
kinderlos starb, fiel das Reich nun auch im Sinne des Testaments seines
Vaters dem jüngeren Bruder Alfons
zu. Der vielleicht wirklich den ihm gestellten Aufgaben nicht gewachsene
Sancho
II. soll zu Lebzeiten (und/oder als Leichnam) eine Art Ordensgewand
getragen ahben - ein Hinweis auf sein gutes Verhältnis zu den Franziskanern.
Er ist daher in die von seinen Gegnern geprägte portugiesische Geschichtsschreibung
als 'Rei Capelo' (Mönchskapuzenkönig) eingegangen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Im Gegensatz zum Vater asketisch und verschlossen, beendete
Sancho
II. der Mönch mit Zugeständnissen vorerst den portugiesischen
Investiturstreit, setzte die Eroberung der Algarve fort, sicherte Verwaltung
und Rechtspflege weiter und geriet mit seiner harten Politik mehr und mehr
gegen Adel und Kirche, die Alfons III.
um Hilfe baten. Seit 1244 herrschte Bürgerkrieg und
Alfons,
der auch vom Papst gefördert wurde, verjagte 1246 seinen Bruder Sancho,
der im Exil in Toledo starb.
Vones Ludwig:
*************
“Geschichte der Iberische Halbinsel”
Alfons' Sohn und Nachfolger
Sancho II., der wegen seiner Eigenart, das Ordensgewand der
Augustiner oder Franziskaner häufig anzulegen und sich nach seinem
Tod in einem solchen Habit begraben zu lassen, den Beinamen Rei Capelo
erhielt,
fehlte Einiges, um einen derartigen Anspruch gerecht werden zu können.
Folglich mußte er, dem sein Vater das Reich "com toda a paz e inteireza"
hinterlassen, aber gleichzeitig verfügt hatte, falls er ohne Nachkommen
stürbe, solle die Krone auf seinen jüngeren Bruder übergehen,
letztlich scheitern.
Es kamen viele Faktoren zusammen - die Infantinnen und
die in ihrer Freiheit eingeschränkte Landeskirche machten ihm das
Leben schwer, unter dem Regiment eines schwachen Kanzlers bildeten sich
einander befehdende, vor allem in der Frage des königlichen Zentralismus
uneinige Adelsgruppen; das handelsorientierte Bürgertum verlangte
genauso nach sicheren Verhältnissen wie die Landbevölkerung,
die zum Teil durch die anarchischen Zustände gebeutelt war: alles
Anzeichen für eine tiefgreifende Krise der Sozialordnung, die in den
politischen Bereich durchschlägt. Entscheidend für die Möglichkeit
zur Behebung dieser Krise wurde jedoch die augenblickliche Konstellation
der europäischen Machtpolitik.
1246
oo Mencia Lopez de Haro, Tochter des Grafen Lope
Diaz II.
- 1270
Literatur:
-----------
Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 Seite 122,144 -