Sancho II. der Mönch                            König von Portugal (1213-1248)
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8.11.1207-3.1.1248
              Toledo

Begraben: Toledo, Kathedrale
 

Ältester Sohn des Königs Alfons II. der Dicke von Portugal und der Urraca von Kastilien, Tochter von König Alfons VIII.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1360
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Sancho II., König von Portugal
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* 1209, + nach dem 3. Januar 1248 (Testament)
Coimbra  Toledo

Begraben: Toledo, Kathedrale

Ältester Sohn Alfons‘ II.

  oo 1240/42 seine Verwandte Mecia (Mencia) aus dem kastilischen Geschlecht HARO
                  (ihre Mutter war als uneheliche Tochter Alfons‘ IX. von Leon eine Urenkelin seines Urgroßvaters Alfons‘ I.)

Sancho II. trat die Nachfolge seines in der Exkommunikation verstorbenen Vaters an; das Königreich lag unter Interdikt und wurde vom Kampf zwischen bischöflicher und königlicher Gewalt erschüttert. Im Juni 1223 gelang in Coimbra ein Ausgleich, zum einen mit dem Klerus (vor allem mit dem Erzbischof von Braga: starke finanzielle Entschädigung), zum anderen mit den von Sancho I. reich ausgestatteten "Königinnen" Teresa und Sancha, die - ebenfalls gegen aufwendige Entschädigungen - einem weitgehenden Verzicht auf ihre Besitzungen (nach langfristigem Zeitplan) zustimmten, was die Unveräußerlichkeit der königlichen Rechte und Güter wiederherstellte. Die erfolgreiche Reconquista fast des gesamten Algarve war nicht eigentlich die persönliche Leistung des Königs (Niederlage bei Elves [1226], Sieg bei Aiamonte [1239/40]), sondern stärker das Verdienst der Ritterorden und Adligen; letztere bildeten im übrigen durch ihre Umtrriebe und Fehden ein Element der sozialen Anarchie, das den königlichen Richter Sancho II. überforderte. Destabilisierung ging auch wieder von den Bischöfen aus (besonders Lissabon und Porto; heftige Konflikte mit Kathedralkapiteln, Bischofsstädten, Königtum), die darüberhinaus bei Papst Gregor IX. Unterstützung fanden: 1231 wurde Portugal interdiziert, 1238 Sancho II. durch den Bischof von Salamanca exkommuniziert, gegen Opposition des Erzbischofs von Braga, des Bischofs von Coimbra sowie der Franziskaner und Dominikaner. Angesichts der Verschlechterung der Zustände arbeiteten Mitglieder des Klerus und des Adels sowie die Kurie auf eine Ablösung Sanchos als König durch dessen jüngeren Bruder Alfons III. hin. Am 12. Februar 1245 befahl Innozenz IV. dem Erzbischof von Santiago de Compostela, die Ehe des Königs, die ohne päpstliche Dispens geschlossen  worden sei, zu trennen; Sancho II. sollte keine eheliche Nachkommen haben können. Im März 1245 klagte der Papst in der Bulle "Inter alia desiderabilia" den König schlimmster Vergehen an, am 24. Juli erklärte ihn in "Grandi non immerito" zum "rex inutilis" und Alfons zum "Verwalter und Verteidiger" des Königreiches, das in einen schweren Bürgerkrieg gestürzt wurde. Bis ins Jahr 1247 hielt sich Sancho II. mit seinen Anhängern, dann zog er nach Toledo. Da er kinderlos starb, fiel das Reich nun auch im Sinne des Testaments seines Vaters dem jüngeren Bruder Alfons zu. Der vielleicht wirklich den ihm gestellten Aufgaben nicht gewachsene Sancho II. soll zu Lebzeiten (und/oder als Leichnam) eine Art Ordensgewand getragen ahben - ein Hinweis auf sein gutes Verhältnis zu den Franziskanern. Er ist daher in die von seinen Gegnern geprägte portugiesische Geschichtsschreibung als 'Rei Capelo' (Mönchskapuzenkönig) eingegangen.
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Im Gegensatz zum Vater asketisch und verschlossen, beendete Sancho II. der Mönch mit Zugeständnissen vorerst den portugiesischen Investiturstreit, setzte die Eroberung der Algarve fort, sicherte Verwaltung und Rechtspflege weiter und geriet mit seiner harten Politik mehr und mehr gegen Adel und Kirche, die Alfons III. um Hilfe baten. Seit 1244 herrschte Bürgerkrieg und Alfons, der auch vom Papst gefördert wurde, verjagte 1246 seinen Bruder Sancho, der im Exil in Toledo starb.

Vones Ludwig:
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“Geschichte der Iberische Halbinsel”

Alfons' Sohn und Nachfolger Sancho II., der wegen seiner Eigenart, das Ordensgewand der Augustiner oder Franziskaner häufig anzulegen und sich nach seinem Tod in einem solchen Habit begraben zu lassen, den Beinamen Rei Capelo erhielt, fehlte Einiges, um einen derartigen Anspruch gerecht werden zu können. Folglich mußte er, dem sein Vater das Reich "com toda a paz e inteireza" hinterlassen, aber gleichzeitig verfügt hatte, falls er ohne Nachkommen stürbe, solle die Krone auf seinen jüngeren Bruder übergehen, letztlich scheitern.
Es kamen viele Faktoren zusammen - die Infantinnen und die in ihrer Freiheit eingeschränkte Landeskirche machten ihm das Leben schwer, unter dem Regiment eines schwachen Kanzlers bildeten sich einander befehdende, vor allem in der Frage des königlichen Zentralismus uneinige Adelsgruppen; das handelsorientierte Bürgertum verlangte genauso nach sicheren Verhältnissen wie die Landbevölkerung, die zum Teil durch die anarchischen Zustände gebeutelt war: alles Anzeichen für eine tiefgreifende Krise der Sozialordnung, die in den politischen Bereich durchschlägt. Entscheidend für die Möglichkeit zur Behebung dieser Krise wurde jedoch die augenblickliche Konstellation der europäischen Machtpolitik.
 
 
 
 

 1246
  oo Mencia Lopez de Haro, Tochter des Grafen Lope Diaz II.
               -   1270
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 122,144 -