Begraben: Batalha
Illegitimer Sohn des Königs
Pedro I. der Grausame von Portugal und der Teresa Gille Lourenco
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 502
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Johann I.‘der Große‘, König von Portugal
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* 11. April 1357, + 14. August 1433
Lissabon
Lissabon
Begraben: Batalha
Außerehelicher Sohn König Peters I. und der Teresa Lourenzo
oo 2. Februar 1387 Philippa von Lancaster, Schwester des späteren Königs Heinrich IV. von England
8 Kinder:
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darunter Eduard
Peter
Heinrich der Seefahrer
Ferdinand
Isabella oo Philipp der Gute von Burgund
Großmeister (seit 1363) des Avis-Ritterordens, Begründer
des Hauses AVIS, Ahnherr des Hauses
BRAGANZA, diente seinem Halbbruder,
König Ferdinand, zum Beispiel bei dessen Bemühungen,
die Tochter Beatrix gut zu verheiraten.
Ferdinands
Frau, Leonor Telles, und ihr Graf Andeiro,
die um die Macht im Reich kämpften, sahen nachdem die Infanten
Dinis und
Johann ins Exil
geflohen waren, in
Johann I. den Großen
ihren größten Gegner. Auf ihr Betreiben hin eingekerkert, ließ
König
Ferdinand ihn erst wieder frei, als die im Rahmen des Hundertjährigen
Krieges in Portugal stationierten Engländer sich für ihn einsetzten,
woraufhinJohannI. sie auf einem Kriegszug
gegen Johann von Katilien begleitete. Als nach
Ferdinands
Tod Andeiro die Macht übernahm, forderte
Johann mit anderen zusammen Johann
von Kastilien auf, sein portugiesisches Erbe anzutreten. Dann
sorgte er für Andeiros' Ermordung, wenn er ihn nicht selbst umbrachte
(6. Dezember 1383). Nachdem er sich gegen Kastiliens Ansprüche auf
Portugal erklärt hatte, wurde er angesichts des kastilischen Einmarsches
zum 'Regenten und Verteidiger des Vaterlandes' ausgerufen (16. Dezember
1383). 1384 belagerten die Kastilier ihn 6 Monate lang in Lissabon, bis
die Pest sie zum Rückzug zwang. Die Cortes von Coimbra (3. März-10.
April 1385) erklärten Johann zum
König (6. April 1385) - nicht ganz frei vom Druck seiner Waffen und
unter dem Eindruck vor allem der von Johann das Regras vorgetragenen Argumente.
Sein Sieg von Aljubarrato bekräftigte Portugals Eigenständigkeit
und Johanns I. Königsherrschaft.
Der Erneurung der portugiesisch-englischen Allianz (Vertrag von Windsor
9. Mai 1386) folgten ein gemeinsamer Kriegszug gegen Kastilien und
Johanns Eheschließung mit Philippa,
der Tochter des Herzogs von Lancaster, der auf den kastilischen Thron spekulierte.
Nach dem auf 15 Jahre angelegten Frieden von Lissabon (15. Mai 1393) begann
schon 1396 ein neuer Waffengang. Die Portugiesen marschierten in Kastilien
ein, die Kastilier und Exilportugiesen in Portugal. Erst 1402 (Vertrag
von Segovia, erneuert 1411) schlossen Portugal und Kastilien einen länger
anhaltenden Frieden. Bis 1418 rief König
Johann I. der Große auffallend häufig die Cortes
ein, um dem politischen Gewicht des etablierten Klerus, der alten Feudalherren
und der vom Krieg begünstigten Emporkömmlinge das der Städte
und des Bürgertums entgegenzustellen. Im Ausland suchte er Gold und
Handelsplätze, im Innern erteilte er viele Marktrechte und erließ
antijüdische Gesetze. Als Johann I.
im Großen Schisma zu Johannes XXIII. hielt, dankte dieser es ihm
unter anderem damit, daß er ihm für gerechte Kriege die Ritterorden
seines Reiches zur Verfügung stellte. Nach dreijährigen Vorbereitungen
eroberte Johann I. der Große zusammen
mit seinen Infanten Eduard, Peter
und
Heinrich
die Stadt Ceuta (1415). Zur Hilfe gegen marokkanische und granadinische
Rückeroberungspläne gab Martin V. ihm eine Kreuzzugsbulle. Ceuta
wurde zwar gehalten, aber die Versuche, den Mauren Gibraltar und den Kastiliern
die Kanarischen Inseln abzunehmen, mißlangen. Dafür kolonisierten
Johanns
Untertanen
die Inseln Madeira und Porto Santo, und er schickte Expeditionen der Küste
Afrikas entlang und zu den Azoren. Johann I. der
Große mag seine Devise 'Zum Wohl' ('Per bem') sehr allgemein
verstanden haben: Er hat sich auch um den Kirchen- und Klösterbau
verdient gemacht (zum Beispiel Kathedralen von Lissabon und Batalha), um
die Übersetzung eines Stundenbuches ins Portugiesische (auch seine
Gesetze ließ er in der Volkssprache abfassen) und um die Erstellung
eines vielseitigen Buches über die Reiterei ("Livro da Montaria").
In Portugals Geschichte gilt er als 'König des guten Angedenkens'
('de Boa Memoria').
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Johann I. der Unechte,
erzogen in einem seltsamen Gemisch von Ritter-, Christen- und Mönchspflichten,
wurde 1365 Großmeister des Ordens St. Bernhard von Avis. Er war stattlich
und kraftvoll, geistig sehr beweglich, gewann sich mit seiner offenen,
ungezwungenen Art bald große Zuneigung im Volk, hob sich wohltuend
von seinem ungeliebten königlichen Halbbruder ab, der ihn aber gegen
die üblen Machenschaften der Königin, die ihn haßvoll um
jeden Preis zu beseitigen versuchte, schützte. 1383 nützte er
geschickt die antikastilische Stimmung aus, erschlug im königlichen
Schloß den kastilischen Günstling der Königin Graf Juan
Fernandez von Ourem und wurde durch die Cortes zum Regenten von Portugal
ausgerufen. In den nun folgenden Thronkriegen konnte er sich sogar auf
den Bruder der Königin und besonders seinen Freund Nuno Alvarez Pereira,
den er zum Connetable von Portugal und Graf von Ourem machte, stützen.
Johann
zeigte
große politische Fähigkeiten und Maß im Handeln und setzte
sich als geschickter Stratege im Thronkrieg durch. 1384/85 hielt er das
belagerte Portugal und siegte bei Aljubarotta (14.8.1385) und bei Valverde,
worauf ihn die Cortes zum König von Portugal ausriefen. Er wurde von
einer vorher nie dagewesenen Volkszustimmung getragen und förderte
daher besonders den Dritten Stand, nahm Vertreter der Städte in die
Cortes auf und machte Lissabon zur ständigen Hauptstadt. Nur Einheimische
durften oberste Staatsämter einnehmen und die Cortes bestimmten mit
über Krieg und Frieden. Nach und nach eroberte er alle von Kastilien
besetzten Orte zurück, erzwang 1389 einen Waffenstillstand und 1411
nach langjährigen weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen definitiven
Frieden und Anerkennung seines Königtums.
Johann I. hatte zeitweilig seinen Schwiegervater gegen Kastilien
unterstützt, verjagte 1393 den Prinzen Diniz,
in dessen Namen er ursprünglich vorgab, die Regentschaft zu führen,
eroberte 1415 nach vierjähriger Vorbereitung, gestützt auf eine
päpstliche Kreuzzugsbulle, die Stadt Ceuta, womit Portugal in Afrika
Fuß faßte. Im Schisma anerkannte er zuerst den Avignon-Papst,
ging aber zur römischen Obödienz über und legte endgültig
die jahrhundertelangen Streitigkeiten mit den Päpsten bei. Er erneuerte
das englisch-portugiesische Bündnis, stritt sich jahrelang mit der
Familie DE CASTRO, die auch Thronansprüche verfocht und stellte als
geschickter Verwalter die Staatsordnung wieder her, sicherte das Land und
seine Dynastie durch eine geschickte Heiratspolitik ab und führte
1422 die Jahreszählung "nach Christi Geburt" ein, erzwang 1431 erneut
Frieden und Anerkennung von Kastilien, hatte als Faustpfand Badajoz und
Albuquerque besetzt und gewann Madeira und die Azoren durch das Wirken
seines Sohnes Heinrich. Er ging gegen
Aberglauben und viele andere Mißstände vor, legte festere Bestimmungen
für Weltlichkeit und Geistlichkeit fest, schuf die Basis zum umfassenden
Gesetzeswerk der "Lei mental", zog sich zuletzt kränkelnd zurück,
starb sehr betrauert an der Pest und galt neben seinem Connetable
Pereira als großer Nationalheros. Er war sehr beliebt und volkstümlich
und erhielt den Beinamen "König guten Angedenkens".
2.2.1387
oo Philippa von England, Tochter des Herzogs Johann
von Lancaster
1360-19.7.1415
Sie war eine bedeutende Frau, hatte großen Einfluß
auf ihren Mann und starb tief betrauert an der Pest.
9 Kinder:
Blanka
13.7.1388- 1389
Alfons Ersterbe
30.7.1390-22.11.1400
Eduard I.
31.10.1391-9.9.1438
Peter
9.12.1392-20.5.1449
Heinrich der Seefahrer
24.3.1394-31.11.1460
Isabella
21.2.1397-17.12.1472
10.1.1429
oo 3. Philipp der Gute Herzog von Burgund
31.7.1396-15.6.1467
Johann
13.1.1400-18.10.1442
Ferdinand
29.9.1402-5.6.1443
Illegitim von Ines Pires Esteves
Beatrix
-
1439
1405
1. oo Thomas I. Fitz Graf von Arundel
- 1415
2. oo Johann II. Holland Herzog von Exeter
- 1447
Alfons Herzog von Braganza
10.8.1377-15.12.1461
Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 320,364 - Ferdinandy Michael de: Philipp
II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 340,363 - Schnith
Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien
Köln 1997 Seite 448 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen
Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1993 Seite 183-185,208,211,214 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Leitfigur des sich in Portugal formierenden Widerstandes
wurde somit mit Joao, dem Großmeister
des Ritterordens von Avis, der jüngste Bastard Peters
I., der nicht Ines de Castro als Mutter und folglich
auch keine galicisch-kastilischen Verbindungen hatte. Getragen von einem
das ganze Land ergreifenden Aufruhr des Adels und der Städte, die
die als städtefeindlich verschrieene TRASTAMARA-Herrschft
fürchteten, konnte Jaoa d'Avis
nach der Ermordung Andeiros und der Vertreibung der Königin
Leonor blutig in Lissabon die Macht übernehmen, wobei der
clementistische, also kastilienfreundliche Klerus ebenfalls nicht geschont
wurde - ein Beispiel mag dafür der Todessturz des aus Zamora stammenden
Bischofs vom Glockenturm der Kathedrale sein.
Man hat diese Vorgänge, deren Zentrum Lissabon war,
nicht zu Unrecht als Ergebnis einer 'nationalen' Krise, als revolutionäre
Bewegung oder schlicht als revolucao de 1383 gekennzeichnet. Im Gegensatz
zum restaurativem Charakter der Machtübernahme durch die TRASTAMARA-Dynastie
wurden sie von einem Volksaufstand begleitet, der durchaus Züge sozialer
Unzufriedenheit trug. Die Wurzeln dieser Unzufriedenheit sind vielleicht
bis auf die Jahre nach der Pestepidemie von 1348 zurückzuverfolgen.
Die demographischen Folgen dieser schwierigen Zeit - Landflucht, Überbevölkerung
der Städte mit einhergehender Arbeitslosigkeit, Verödung der
landwirtschaftlich wichtigen Regionen - hatten gelindert, aber nicht beseitigt
werden können. Selbst der berühmten Lei das Sesmarias, am 28.
Mai 1375 in Santarem von Ferdinand I.
erlassen, die unter Strafe der Enteignung die ausreichende Kultivierung
und Bearbeitung der Böden erzwingen sowie die Arbeiter an ihren Beruf
und Standort binden sollte, war vorerst nur begrenzter Erfolg beschieden.
Vornehmlich das Lissaboner Stadtbürgertum profilierte sich, um seine
Handels- und Wirtschaftsinteressen bangend, in Wiederaufnahme seiner Rolle,
die es schon bei der Rückkehr Alfons' III.
gespielt
hatte, als tragende politische Schicht, auf deren Wünsche zukünftige
Herrscher Rücksicht nehmen mußten. Inwieweit darüber hinaus
ein Ausbruch portugiesischen Nationalgefühls vorlag, mag dahingestellt
bleiben. Auf jeden Fall bildete die Abwehr fremder Einflüsse aus Galicien
und Kastilien wie schon im 12. Jahrhundert ein wesentliches Element.
Joao d'Avis gelang
es, sich an die Spitze dieses heterogenen Zusammengehens von Adel, Bürgertum
und unteren Volksschichten zu setzen und Nuno Alvares Pereira, den nachmals
berühmten Condestavel von Portugal, als Parteigänger zu gewinnen.
Bezeichnend für sein kluges Taktieren zwischen den einzelnen Gruppen
war, dass er zunächst streng legitimistisch als Statthalter
für seinen Halbbruder, den in Kastilien gefangengehaltenen Infanten
Johann, auftrat und sich lediglich als Regent und Verteidiger
des Reiches verstand. Gute Argumente, seine Haltung zu begründen,
hatte der Großmeister, als die Königin
Leonor aus ihrer Zuflucht Santarem heraus im Gefühl ihrer
Ohnmacht die Regentschaft auf Johann I. von Kastilien
übertrug und die kastilische Invasion begann. Der seit Januar 1384
herrschende allgemeine Bürgerkrieg erlaubte es zwar den kastilischen
Truppen, bis vor Lissabon zu gelangen und die Stadt von März bis September
zu belagern, doch eben zu der Zeit, als die Pest den Abzug der Invasoren
erzwang, konnte Joao die Unterstützung
der Engländer mobilisieren und den Rückzug zu einem Triumph gestalten.
Trotz oder wegen dieses Erfolges, der eine Atempause
ermöglichte, wurde die Klärung der Thronfolge ein immer dringenderes
Problem, zu dessen Lösung Ende März 1385 die Cortes nach Coimbra
einberufen wurden. Mit Joao d'Avis
und dem Infanten Johann standen zwei
von verschiedenen Gruppen favorisierte, männliche Kandidaten zur engeren
Wahl, während die prokastilische, das heißt die Vereinbarungen
von Salvatierra verteidigende Partei nur schwach vertreten war. Die legitimistische
Partei, die vornehmlich aus Teilen des Adels bestand, schaute auf die Abstammungslinie
und sah dort die entscheidenden Vorzüge des abwesenden Infanten
Johann; die dritte, 'portugiesische' Partei - einige Große
sowie inbesondere die Vertreter der Städte und Gemeinden - sah in
Joao
d'Avis aufgrund der bisher demonstrierten Fähigkeiten die
beste Garantie für die Zukunft des Reiches. Den Ausschlag zugunsten
des Großmeisters gab letztlich die Argumentationskunst des von ihm
zum Großkanzler bestellten Legisten Joao das Regras, der als an der
Universität Bologna ausgebildeter Jurist mit seinen razoes die vermeintliche
Rechtsposition der AVIS-Gegner zerstörte.
Der eloquente Anwalt focht die Gültigkeit der nachträglich bezeugten
Ehe Peters I. mit Ines de Castro
mit Nachdruck an und präsentierte, als dies allein nicht ausreichte,
Dokumente, durch die das Papsttum die nötige Dispens wegen des zu
nahen Verwandtschaftsgrades beider verweigert haben sollte. Joao das Regras
scheint dabei nicht vor einer Fälschung zurückgeschreckt zu sein,
erreichte aber sein Ziel. Als die legitime Geburt des Infanten
Johann fragwürdig geworden, dessen jüngerer BruderDinis
als Kreatur Kastiliens denunziert und zudem der kastilische König
als Anhänger Clemens' VII. zum Ketzer erklärt worden war, zogen
die Cortes von Coimbra die notwendige Konsequenz und wählten am 6.
April 1385 Joao d'Avis als Johann
I. (1385-1433) zu ihrem König. Damit hatte die mehr als
250 Jahre währende Herrschaft der BURGUND-Dynastie
ihr Ende gefunden. Nachdem schon am 29. Mai ein Gefecht bei Trancoso erfolgreich
verlaufen war, erfuhr die Entscheidung der Cortes am 14. August 1385 auf
dem Schlachtfeld von Aljubarotta ihre endgültige Bestätigung,
als die portugiesischen Truppen, verstärkt durch einige englisch-gascognische
Kontingente, das kastilische Invasionsheer unter Johann
I. vernichtend schlugen. Als immerwährendes Zeichen für
den Sieg ließ Johann I. von Portugal nahe
dem Schlachtfeld das Dominikanerkloster Batalha (Santa Maria da Vitoria)
erbauen und dort die Grablege für seine Dynastie einrichten. Um den
Bestand seines Reiches abzusichern, schloß er am 9. Mai 1386 mit
England den Bündnis- und Schutzvertraag von Windsor, den er durch
die Eheschließung mit Philippa,
der Tochter des Herzogs von Lancaster von seiner 1. Gattin Blanche,
bekräftigte. Portugal löste sich damit aus dem inmittelbaren
Bannkreis der TRASTAMARA-Politik, mußte
sich allerdings nach wie vor kastilischer Angriffe erwehren und bis zum
Abschluß des Vertrages von Medina del Campo (1431) auf die endgültige
Anerkennung seines territorialen Bestandes durch das Nachbarreich warten.
Die ungewöhlich lange Regierungszeit Johanns
I. (1383-1433) bedeutete für das erschöpfte Reich
eine Epoche der inneren Konsolidierung, die durch die Abwehr äußerer
Feinde und den Aufbau eines neuen Herrscherhauses gekennzeichnet war. Aus
der Ehe Johanns mit Philippa
von Lancaster ging eine reiche Nachkommenschaft hervor, die
von englischem Einfluß geprägt war und durch den Dichter Luis
de Camoes den Schöpfer der Lusiaden, später als 'inclita Geraco'
charakterisiert werden sollte. Die bedeutendsten Mitglieder dieser 'berühmten
Nachkommenschaft' Johanns I. waren
neben dem
Thronfolger Duarte,
der 1428 Eleonore von Aragon heiraten
sollte,
der Infant Peter,
der mit Isabella, der Tochter des aragonesischen
Thronprätendenten Jakob II. von Urgell, vermählt wurde
und zwischen 1439 und 1446 die Regentschaft innehaben sollte,
der Infant Heinrich,
der als 'Heinrich der Seefahrer' und
Begründer der portugiesischen Seemacht in die Geschichte einging,
der Infant Ferdinand,
der später als Infante Santo heiliggesprochen wurde,
der Infant Johann,
seit 1418 Verwalter des Hochmeisteramtes des Ritterordens Santiago da Espada,
die Infantin Isabella,
die nach ihrer Eheschließung mit Philipp
dem Guten, dem Herzog von Burgund, großen Einfluß
auf die europäische Politik ausüben konnte, und - nicht zuletzt
-
der illegitime Sohn Alfons,
der als Graf von Barcelos Begründer des mächtigen Herzogshauses
von BRAGANZA wurde und spätestens seit 1449 fast allein bestimmend
auf die portugiesische Politik einwirken konnte.
Als wichtige Voraussetzung für die innere Konsolidierung
der neuen Monarchie stellte sich natürlich nach der Abwehr des kastilischen
Nachbarn die Sicherung der Grenzverhältnisse dar. Da vorerst in Anbetracht
des damit verbundenen Verzichtes noch kein endgültiger Friedensvertrag
erreichbar war, geschah dies in der Form von Waffenstillstandsverträgen,
deren Laufzeit nach Möglichkeit verlängert werden sollte. So
wurde der Waffenstillstand von Monaco (1389), letztlich 1392 besiegelt,
abgelöst von neuen Vereinbarungen im Mai 1393, die 1396 durch die
Einnahme von Badajoz und einen nachfolgenden Krieg unterbrochen wurden.
Schließlich wurde im Vertrag von Santarem (15. August 1402) ein dauerhafter
Ausgleich gefunden, der allerdings auf zehn Jahre begrenzt war.
Ein Friedensvertrag im eigentlichen Sinne, ein "primer
fundamento de la amistad hispano-portuguesca", wurde erst unter Beteiligung
Frankreichs und Aragons am 31. Oktober 1411 in Ayllon geschlossen, ein
Jahrzehnt später durch Johann II. von Kastilien
erneut
ratifiziert (30. April 1423), so dass sich seine Laufzeit bis zum 6. März
1434 verlängerte. Ging die Ratifizierung von 1423 schon auf das Wirken
des Alvaro de Luna zurück, so vollzog sich in den folgenden Jahren
auf Betreiben des Condestable eine weitere Annäherung zwischen Kastilien
und Portugal, die in den endgültigen Friedensvertrag von Medina del
Campo mündete (30. Oktober 1431). Luna benötigte in seiner Auseinandersetzung
mit den 'Infanten von Aragon' nicht nur Rückendeckung, sondern mußte
auch einer bedrohlichen politischen Umklammerung vorbeugen. Vor allem der
Infant
Peter von Portugal, durch seine Heirat mit der Tochter Jakobs
II. von Urgell als Gegner der TRASTAMARA-Legitimität
in Aragon ausgewiesen, sollte für ihn ein wichtiger Verbündeter
werden.
Gefährliche Reibungspunkte zwischen den beiden Mächten
existierten - sieht man von den Grenzfragen ab - hauptsächlich bei
ihren Expansionsbestrebungen außerhalb des iberischen Raumes. Schon
der Friede von Ayllon hatte Portugal instand gesetzt, den Maurenkampf in
N-Afrika als ungebrochene Fortsetzung der Reconquista voranzutreiben. Da
Kastilien darauf bestand, dass die Eroberung von Granada allein seine Sache
sei, richteten sich die portugiesischen Bestrebungen auf Ceuta und tangierten
damit ebenfalls die schon von Alfons X.
und wiederum von Alfons XI. erhobenen
Rechtsansprüche. Mit der Eroberung dieser nordafrikanischen Stadt
am 25. August 1415 setzt man den Beginn des portugiesischen "Seaborne Empire"
gleich und kann für den nachfolgenden unermüdlichen Expansionsdrang
gleich eine Reihe von Motivationen vorbringen, die sich überlappten
und abwechselten: den vom Papsttum unterstützten Kreuzzugseifer, der
anfangs gewiß im Vordergrund stand, die Gier nach dem afrikanischen
Gold - Ceuta war ein Knotenpunkt für den transsaharischen Goldhandel
- und die von der Krone geförderte Sicherung beträchtlicher Handelsvorteile
gegenüber dem kastilischen Nachbarn, die sich zu jenen Phänomen
auswuchs, das Manuel Nunes Dias als "capitalismo monarquico portugues"
gekennzeichnet hat, die Suche nach dem sagenhaften Reich des Priesters
Johannes und nicht zuletzt das Bedürfnis, an die orientalischen Gewürze
ohne den Umweg über den mittelmeerischen und nahöstlichen Zwischenhandel
zu kommen.
Als bestimmende Persönlichkeit, die sich die Zeitströmungen
zunutze machte, den portugiesischen Ausgriff in den Süden, nach N-
und W-Afrika, aber auch in den Südosten, wo man in Äthiopien
das Traumreich des Priesters Johannes vermutete, ankurbelte und in geordnete
Bahnen lenkte, hat die Nachwelt den Infanten Heinrich
den Seefahrer gesehen, dabei aber sein Wirken üer Gebühr
glorifiziert. Zu seinem Aufgabenbereich als Verwalter des Hochmeisteramtes
des Christusordens auf Lebenszeit gehörte seit 1420 schlicht die Organisation
des Heidenkampfes, wozu selbstverstänflich die Konfrontationen in
den neu entdeckten Gebieten ebenfalls zählten. Sein überdurchschnittlicher
Ideenreichtum und sein wissenschaftliches, nautisches und astronomisches
Interesse sollen gewiß nicht geleugnet werden. Die Ausbildung der
portugiesischen Seeleute erfuhr unter seiner Ägide eine unverkennbare
Verbesserung, wodurch ihr zu Beginn des 15. Jahrhunderts eher bescheidenes
Wissen auf den besten Stand in Europa gebracht wurde. Andererseits sollte
man von der häfig geäußerten Vorstellung, Heinrich
habe in seinem Palast in Sagres eine Art Marineakademie eingerichtet, Abschied
nehmen. Der Infant, seit der Eroberung von Ceuta mit der reichen Herrschaft
Covilha ausgestattet, war mehr Realpolitiker als Innovator, sein älterer
Bruder Duarte wesentlich gebildeter.
Allerdings wurde mit dem Mallorquiner Jaime (Jacome) einer der besten Kartenzeichner
an den Hof des Infanten zu Sagres gezogen, der identisch war mit dem Conservo
Jafuda Cresques, dem Sohn des berühmten Abraham Cresques, des Verfassers
des Weltatlasses von 1375. Darüber hinaus wurde die Verwendung von
(Magnetnadel) Kompaß und Seekarten eingeführt, die traditionelle
Schiffahrt mit Landsicht aufgegeben, benutzte man das seit der Antike zur
Berechnung der Tageszeit verwandte Astrolabium zur Bestimmung des Breitengrades
und entwickelte man in der Karavelle ein hochseetüchtiges Schiff,
wodurch immer weiter ausgreifende Entdeckungsfahrten möglich wurden.
Die wichtigsten Punkte, die man dabei erreichte und in Besitz nehmen konnte,
waren das lange Zeit als geheimnisvolle Hemmschwelle geltende Kap Nao (1416),
die Madeira-Inseln (1419/20/25, durch Joao Gancalves Zarco und Tristao
Vaz Teixeira), die Azoren (1431/32/39), die 1449 besiedelt wurden, das
Kap Bojador (1434, durch Gil Eanes), das Kap Branco (1441, durch Nuno Tristao),
das Kap Verde (1444, durch Dinis Dias) und die Kapverdischen Inseln (1455/56,
durch Ca'da Mosto und Usodimare), das Kap Roxo (1446, durch Alvaro Fer-nandes),
der Senegal-, der Gambia-Strom und Guinea (1446, durch Nuno Tristao; 1455
durch Ca'da Mosto), Sierra Leone, der Golf von Guines, die Goldküste
(1470, durch Soaira da Costa).
Es konnte nicht ausbleiben, dass die hohe Gewinne bringenden
portugiesischen Unternehmungen, die gleichzeitig auf einer unsicheren Rechtsgrundlage
beruhten, auch andere Reiche auf den Plan riefen. An erster Stelle wäre
die Krone Kastilien zu nennen, die seit 1403/18 die Kanarischen Inseln
in Besitz hatte, sich nach wie vor auf die frühere westgotische Herrschaft
in Afrika berief, aber auch die Bestimmungen des Vertrages von Monteagudo
(1291) auszulegen begann, und schon 1454 den Anspruch erheben sollte, Guinea
gehöre ebenfalls zu ihrem Eroberungsgebiet. Demgegenüber hatte
Heinrich
der Seefahrer bereits 1442/43 das Papsttum für seine Zwecke
begeistern können. Die päpstliche Kanzlei hatte verschiedene
Bullen ausgestellt, die die Fahrten nach W-Afrika als Kreuzzugsunternehmen
privilegierten, die Schenkungen an Heinrich und den Christusorden sanktionierten
und die Aufrichtung einer kirchlichen Organisation sicherstellten. Die
Schiffe der Entdecker und Eroberer führten folgerichtig immer eine
Kreuzzugsflagge und das Banner des Christusorden mit sich. Mißt man
dem Heidenkampf im Denken des Infanten Heinrich,
der selbst zu seinen Lebzeiten nie weiter als bis Marokko vorgedrungen
ist, größere Bedeutung zu, dann nähert man sich zugleich
der eigentlichen Motivation für die expansiven Pläne des Königssohns.
Wichtigstes Ziel war für ihn die Kontaktaufnahme mit dem sagenhaften
Priesterkönig Johannes und seinem Reich, das man in Äthiopien,
keineswegs in Indien suchte. Wenn von Indien in den zeitgenössischen
portugiesischen Chroniken und Dokumenten die Rede war, meinte man die India
tertia, worunter Äthiopien zu verstehen ist. Heinrich wollte in erster
Linie in Übereinstimmung mit seinen christlichen Vorstellungen einen
mächtigen Verbündeten für seinen Kampf gegen die Mauren
in Afrika finden. Erst in zweiter Linie dachte er an finanzielle und wirtschaftliche
Vorteile - vor allem durch den Skalvenhandel -, die gewissermaßen
eher als Nebenprodukt betrachtet werden müssen. Dies bedeutet natürlich
nicht, dass der Infant keine Sorge dafür trug, die neuen Gebiete besitzrechtlich
abzusischern. Bereits zwischen 1433 und 1439 hatte er sich auf Lebenszeit
oder für längere Zeiträume von der Krone umfangreiche Fischfangrechte,
die Befreiung von Abgaben, die Inseln Porto Santo, Madeira und Deserta
sowie die Azoren zugestehen, dem Christusorden zudem die geistliche Gewalt
wie auch Einkünfte aus der Fischerei übertragen lassen und so
diese zukunftsträchtigen Bereiche dem direkten Zugriff des Königtums
entzogen - Privilegien, die ihre entscheidende Abrundung erfuhren, als
Papst Eugen IV. 1443 dem Infanten die volle geistliche und weltliche Verfügungsgewalt
über den Christusorden zugestand und gleichzeitig der Krone jede Fahrt
über das Kap Bojador hinaus ohne ausdrückliche Erlaubnis Heinrichs
untersagte, ja dieses Verbot später sogar noch ausweitete. Man kann
davon ausgehen, dass der Infant fortan "auf Lebenszeit das Monopol des
Handels mit W-Afrika" innehatte, ein Monpol, das natürlich mit seinem
Tod an das Königshaus zurückfallen mußte und deshalb geduldet
werden konnte. Hier bereitete sich der zukünftige Handelskapitalismus
der portugiesischen Krone vor, dem seit 1474 König
Alfons V. Vorschub leistete, als er das Handelsmonopol wieder
an das Königshaus zog. Zuvor hatten bereits die Päpste Nikolaus
V. (1452 und 1455), Calixt III. (1456) und Pius II. (1461) auf Drängen
Alfons'
V. unter Ausschluß kastilischer Ansprüche den Besitzstand
der Krone Portugal in W-Afrika und Guines verbrieft, ihr die weiterhin
noch zu entdeckenden und zu erobernden Inseln, Meere und Länder als
unantastbares Krongut zugestannden, dem Christusorden die Ausübung
der geistlichen Gewalt übertragen und schließlich in Zukunft
die Verwaltung des Hochmeisteramtes bei Eintreten einer Vakanz, damit auch
die anfallenden Einkünfte, dem König überlassen. Mit der
Ernennung des Herzogs Ferdinand, Bruder
Alfons' V., zum Hochmeister des Christusordens (11. Juli 1461)
waren nach dem Tod Heinrichs die Grundlagen
für die staatliche und geistliche Kontrolle eines weitverzweigten
überseeischen Imperiums gelegt.
Natürlich war die Entwicklung während des 15.
Jahrhunderts nicht immer gradlinig verlaufen. Der Einnahme von Ceuta -
das Unternehmen soll von König Johann I.
als
'Heilige Wallfahrt" bezeichnet worden sein - folgte 1418 die Erhebung der
Stadt zum Bistum durch Papst Martin V. und 1419 eine opferreiche Belagerung
der Stadt durch maurische Truppen, die nur unter Aufbietung aller Kräfte
gehalten, dann aber fast mühelos entsetzt werden konnte. Es entwickelte
sich ein kostspieliger Kleinkrieg, der sich über Jahre hinzog nd primär
eine Angelegneheit des Infanten Heinrich war, nachdem ihn Johann
I. 1416 mit der Wahrnehmung aller Maßnahmen zur Verteidigung
und Verwaltung der Stadt beauftragt hatte.
Nachdem Unternehmungen, die noch unbesiedelten Eilande
der Kanarischen Inseln - sie galten als wichtige Zwischen- und Versorgungsstation
für die Entdeckungsfahrten - in Besitz zu nehmen (1425/25,1434), gescheitert
waren und 1436/37 weder die Kurie noch das Basler Konzil als mögliche
Appelationsinstanzen letztlich eindeutig Stellung bezogen hatten, konzentrierten
sich die portugiesischen Expansionsbestrebungen vornehmlich auf den Maurenkrieg
in Marokko und fanden in der Stadt Tanger unter Wiederaufnahme früherer
Pläne ihr bevorzugtes Angriffsziel. Hatte man ursprünglich
Kastilien im Kampf gegen Granada helfen wollen, um als Lohn die Abtretung
der Kanarischen Inseln zu erlangen, so verstand man nun Marokko prononvciert
als portugiesische Interessensphäre und Conquistagebiet, wenn auch
die eigentliche Ermächtigung nur aus einer Kreuzzugsbulle Papst Eugens
IV. gezogen werden konnte, die vielleicht sogar kurze Zeit später
von der Kurie wieder eingeschränkt worden war. Der schlecht vorbereitete
Feldzug unter Führung der Infanten Heinrich
und Ferdinand endete in einem Desaster,
welches letzterer mit Geiselhaft bis an sein Lebensende (5. Juli 1443)
bezahlen mußte. Dies trug ihm zwar später den Ruf ein, als Märtyrer
für den Glauben gestorben zu sein, und führte zu seiner Heiligsprechung
(o Infante Santo), doch muß als ursprüngliche Motivation zuvorderst
angenommen werden, dass er seine unzureichenden und in den Grenzen des
Königreichs nicht mehr zu erweiternden Einkünfte durch lukrative
Zugewinne aus Beute und Belohnung kräftig steigern wollte.