Ferdinand I. (ital. Ferrante)                     König von Neapel (1458-1494)
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1423-25.1.1494
        Genua
 

Natürlicher Sohn des Königs Alfon V. von Aragon von der Giraldona Carlino
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 365
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Ferdinand I. von Aragon (Ferrante), König von Neapel
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* 2. Juni 1431, + 25. Januar 1494
Valencia           Neapel

Eltern: Alfons I. (V.) und Giraldona Carlino, Frau des Gaspare Revertit, aus Barcelona

1. oo 1445 Isabella Chiaromonte

Kinder:
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Alfons II.
Eleonora, oo 1473 Herzog Ercole d’Este
Federico (Friedrich von Aragon)
Giovanni (1477 Kardinal)
Beatrice, 1. oo 1476 Matthias Corvinus und 2. oo 1490 Ladislaus, König von Ungarn und Böhmen
Francesco, Herzog von Monte Sant‘ Angelo (1484) und Markgraf von Bisceglie

2. oo 1477 Johanna, Tochter Johanns II. von Aragon

Tochter:
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Johanna, oo 1496 Ferdinand II. von Aragon (Ferrandino)

Daneben 9 illegitime Kinder

Am 17. Februar 1440 bereits durch seinen Vater legitimiert, am 26. Februar 1443 als Nachfolger im Königreich Neapel durch das Parlament anerkannt, Herzog von Kalabrien. Von Pius II. investiert (25. Juli und 10. November 1458), wurde er am 4. Februar 1459 in Barletta gekrönt und nahm den Titel König von Sizilien, Jerusalem und Ungarn an.
1452-1454 kämpfte er in der Toskana, 1458 und 1459 unterwarf er den unbotmäßigen Feudaladel in den Abruzzen und in Apulien, von September-November. 1459 unterdrückte er den Aufstand in Kalabrien. 1459-1464 kämpfte er gegen den von Calixtus III. favorisierten Kronprätendenten Johann von Anjou, und die Barone, die auf angevinischer Seite standen, wurde bei Sarno geschlagen (7. Juli 1461), konnte jedoch nach dem Sieg bei Troia (18. Mai 1462) seine Herrschaft sichern. Von da an zog er selbst nicht mehr ins Feld, schaltete sich aber aktiv in das Spiel der Kräfte ein, die Italien beherrschten. Zur Unterstützung der Liga von Mailand und Florenz schickte er 1467 Truppen gegen Bartolomeo Colleoni in das Gebiet von Bologna; er stand auf der Seite der Mächte, die das System der "pace d'Italia" vertraten (25. April 1468), leistete 1469 Roberto Malatesta, dem Paul II. Rimini streitig machte, militätrische Hilfe und sandte 1467-1472 Johann II. von Aragon, der von Rene und Johann von Anjou bekämpft wurde, ein Schiffsaufgebot; bei dem Versuch, seinen illegitimen Sohn Alfonso auf den Thron von Zypern zu setzen, brach er den Friedensvertrag mit Venedig (19. April 1471), zog aber in der Levante seine Flotte gegen die Türken im venezianisch-türkischen Krieg nicht ab (1468-1472); 1475 schloß er mit Sixtus IV. ein Bündnis gegen die MEDICI und ließ 1478-1479 die Gebiete am Fluß Elsa in Streifzügen verwüsten; vorwiegend um Beitragsleistungen für die Befreiung Otrantos von der türkischen Belagerung (11. August 1480-10. September 1481) zu erhalten, gab er jedoch die eroberten toskanischen Gebiete an Florenz zurück. 1482-1484 unterstützte er seinen Schwiegersohn Ercole I. von Ferrara im Krieg gegen Venedig, im Gegenzug besetzte die Seerepublik Gallipolis und Nardo. Es gelang ihm, die gefährliche Opposition des vom Papst unterstützten Feudaladels zu unterdrücken (Verschwörung der Barone). 1489 von Innozenz VIII. exkommuniziert, legte er die Kontroverse mit dem Papst um die Oberhoheit im Regno jedoch 1492 bei, so daß er der Isolierung, in die ihn die antineapolitanische und profranzösische Liga von S. Marco (25. April 1493) trieb, trotzte.
Ferdinand I. von Aragon führte zahlreiche Reformen durch: 1477 regelte er auf der Basis des angevinischen "Ritus" das Prozeßrecht. In der Finanzverwaltung bediente er sich der Geschäftsführung der Bankhauses Strozzi, dem er die Funktionenn der Hofkasse übertrug (1466-1487). Durch Liberalisierung des Handels mit Erzeugnissen aus Lehensgrundbesitz (1466), Aufhebung von mißbräuchlich eingezogenen Wege- und Ufergeld (1466,1469), Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten (1480) sowie Förderung des Unternehmertums (Gründung mehrerer Korporationen unter anderem für Seide, Brokat und Wolle) trug er zum Aufschwung der Wirtschaft bei. 1467 und 1470 ließ er durch die universitates eine Reform des "apprezzo" (Verteilung der Steuerlast) durchführen. Der Stadt Neapel, die er 1484 und 1492 befestigte, gestand er Steuerfreiheit und eigene Gerichtsbarkeit zu (1476) und förderte de Universität durch Errichtung neuer Lehrkanzeln (1465,1468). Er stritt energisch gegen Mißbrauch der Amtsgewalt bei Amtsträern (1469), Baronen (1467) und Klerus einm (1469) und ekämpfte das Verbrechertum (1468,1480).
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Ferdinand I. wurde 1443 zum Prinzen von Kalabrien und Thronfolger ernannt und vom Papst bestätigt. Er gelangte 1458 in den Besitz Neapels und war einer der grausamsten und barbarischsten Despoten Italiens überhaupt. Er war ein primitiver Rohling, hemmungsloser Hedonist und Prasser und wurde enorm dick und träge. Er war mit einem brutalen Machtinstinkt begabt, ließ rücksichtslos Gegner exekutieren und die mumifizierten und ausgestopften Opfer als mieser Perversling in seinem Schloß ausstellen. Er bereicherte sich am Besitz seiner Opfer, schlug 1459-1462 etliche Eroberungsversuche der jüngeren ANJOUS zurück und wurde von Papst Calixt III. Borgia nicht anerkannt, aber von dessen Nachfolger Pius II. Piccolomini. Er rottete viele der alten normannisch-sizilianischen Sippen aus und stärkte damit nochmals den königlichen Zentralismus. Er stritt viel mit den Päpsten, besonders Sixtus IV. della Rovere und besetzte zeitweise den Kirchenstaat. Sixtus plante die Absetzung Ferdinands zugunsten von Nepoten, da Neapel formal Papstlehen war. Er stand wie der Vater auch gegen MEDICI-Florenz, trotzdem besuchte ihn Lorenzo I. in Neapel und erreichte 1480 Frieden, ein aufsehenerregendes Ereignis bei der bekannten Hinterlist Ferdinands, in einer Zeit, in der Diplomatie oft mit Gift und Dolch bewerkstelligt wurde. 1480/81 besetzten die Osmanen Ortranto. Sein glanzvoller Hof war ein Mittelpunkt der italienischen Renaissancekultur.
 
 
 
 
 

    1445
  1. oo Isabella von Clermont, Tochter des Grafen Tristan von Cupertino und der Katharina Orsini
                -   1465

    1477
  2. oo Johanna von Aragon, Tochter des Königs Johann II.
                 -   1517
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Alfons II.
  4.11.1448-19.11.1495

  Friedrich IV. von Altamura
  19.4.1452-9.9.1504

  Johann Erzbischof von Tarent 1477
  1456-   1484  Kardinal 1478

  Eleonore
  23.6.1450-11.10.1493

3.7.1473
  oo Ercole I. d'Este Herzog von Modena
      26.10.1431-25.1.1505

  Beatrix
  14.11.1457-13.9.1508

   1476
  1. oo 3. Matthias König von Ungarn
              23.2.1443-6.4.1490

    1490
  2. oo Wladyslaw II. König von Ungarn
 - 1500 11.3.1456-13.3.1516

  Franz Herzog di Monte Sant'Angelo
          -   1486

2. Ehe

  Johanna
         -   1518

 1496
  oo Ferdinand II. König von Neapel
     26.7.1469-7.10.1496

Illegitim

  Johanna
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  oo Lionardo della Rovere, Bruder Julius' II.
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  Lucrezia
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  oo Onorato III. Caetani Graf von Fondi
             -   1528

  Maria
         -

  oo Antonio Todeschini-Piccolomini von Amalfi
             -   1493

  Alfons Fürst von Galiläa
        -   1510  Bischof

  Arrigio Marchese Gerace
        -   1478

  Ferdinand d'Aragona 1. Herzog von Montalto
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Cleugh James: Die Medici. Macht und Glanz einer europäischen Familie. Bechtermünz Verlag 1996 Seite 113-383 - Ehlers Joachim/ Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 372,376 - Simon Kate: Die Gonzaga. Eine Herrscherfamilie der Renaissance. Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln 1991 Seite 131 -