Einziger Sohn des Königs
Garcias IV. der Zitternde von Navarra und der Jimena
de Cea, Tochter von Graf Ferdinand Bermudez
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1356
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Sancho III. Garces ‚el Mayor‘ (‚der Große‘), König
von Navarra (Pamplona) 1004-1035
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* 990, + 18. Oktober 1035
Erbte 1000, erst 10-jährig, nach dem Tode des Vaters Garcia Sanchez II. das Königreich, das zunächst unter der Vormundschaftsregierung seines Onkels von väterlicher Seite, Sancho Ramirez, stand. Der frühzeitig als ‚el Mayor‘ gerühmte König führte seit ca. 1004 selbständig die Regierung.
oo 1011 Mumadona (Dona Munia) von Kastilien
Als Schwager und Enkel der Grafen von Kastilien und (über
seine Schwester Urraca) Schwager des
Königs Alfons V. von Leon nahm
er an der Seite der kastilischen und leonischen Herrscher an zahlreichen
Kriegszügen gegen al-Andalus teil. Doch kamen infolge des Zerfalls
des Kalifats von Cordoba (1031) die muslimischen Razzien fast völlig
zum Erliegen, andererseits war die Zeit der großen christlichen Reconquista
noch nicht gekommen - Sanchos Regierung
stand daher stärker im Zeichen der inneren Herrschaftsorganisation
und der Bemühungen um Frieden zwischen den einzelnen Reichen der Iberischen
Halbinsel und des Pyrenäenraumes.
Um 1018 befreite Sancho III.
Garces 'el Mayor' die Grafschaft Ribagorza, östlich von
Aragon, von den letzten muslimischen Garnisionen unf gliederte sie seiner
Herrschaft an; 1025 setzte er hier seinen Sohn Gonzalo
ein. Sancho III. Garces unterstützte
als Verbündeter des Grafen von Barcelona, Berengar Raimund I. (1017-1035),
diesen bei der Vereinigung der Grafschaften Kataloniens unter barcelonesischer
Herrschaft. Im Westen griff Sancho III. in
die Politik Kastiliens ein, dessen Graf Garcia Sanchez 1029 ermordet
worden war und dessen hoher Adel den König von Navarra als unmittelbaren
Oberherrn anerkannte. Als enger Verbündeter des Königs von Leon
setzte Sancho III. Garces die Vermählung
der leonesischen Erb-Tochter Sancha
mit dem eigenen Sohn Ferdinand durch
(1032). Herzog Wilhelm Sancho von Gascogne (1009-1032), ein enger Verwandter
des navarresischen Königshauses, besuchte häufig den Hof Sanchos
III. zu Najera (Unterzeichnung von Urkunden). Nach dem Tode
Wilhelm Sanchos, ohne direkte Nachkommen, mußte Navarra zwar den
Anfall des Großteils des Herzogtums Gascogne an Herzog Eudo aus dem
Hause von Aquitanien hinnehmen, behielt aber die Kastellanei St-Jean-Pied-de-Port.
Die Machtstellung Sanchos wurde als
'regnando' in Pamplona, Aragon, Sobrarbe, Ribagorza, Gascogne und
Kastilien, als 'imperator' in Leon und Asturien anerkannt.
Der Hof des Königs, zentriert auf die Pfalz Najera,
umfaßte mehrere Hofämter (Majordomus, Buticukar, Seneschall,
Pincerna, Kanzler). Die geistlichen Herren (Bischöfe von Najera und
Pamplona, Äbte von S. Juan de la Pena, S. Salvador de Leire, Irache
und S. Martin de Albelda) waren eng an der Regierung beteiligt. Als Zeitgenosse
der großen Äbte Oliba von Ripoli und Odilo von Cluny förderte
Sancho III. Garces 'el Mayor' in seinen Herrschaftsgebieten
bewußt die Ablösung der Liturgieformen und monastischen Regeln
traditionell westgotischer Prägung durch die römisch-westeuropäischen
Gebräuche. Diese Reform wurde, mit aktiver Unterstützung des
Abtes Paterno, auf den Konzilien von S. Juan de la Pena und S. Salvador
de Leire vorangetrieben. Der König schützte auch im Königreich
Navarra wie in seinem übrigen Machtbereich die Pilgerfahrt nach Santiago
de Compostela.
Sancho III. Garces
forderte von allen Rittern, die von ihm Burgen und Grundbesitz zu Lehen
hatten, den Treueid. Die Eigenklöster ('monasteriolos') der großen
Grundherrenfamilien in den durch agro-patorale Wirtschaftsformen geprägten
Ländern Navarra und Aragon wurden von Sancho
der Kontrolle der großen, von ihm geförderten Abteien unterstellt.
Nach dem Tode Sanchos III. Garces
wurde sein ältester Sohn Garcia
III. König von Navarra, Ferdinand
I. König von Leon und Graf von Kastilien, Gonzalo
Graf (König) von Sobrarbe-Ribagorza und Ramiro
I., wohl ein illegitimer Sohn, Graf von Aragon und Begründer
des aragonesischen Königtums.
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Sancho III. der Große
folgte seinem Vater in Navarra und Aragon und wurde auch Graf von Kastilien.
Er gewann damit die Vormachtstellung unter den christlich-spanischen Reichen
für Navarra und nahm zeitweilig sogar den Kaisertitel an. Er gewann
die Hoheit über Barcelona und Kastilien, eroberte Ribagorza und Sobrarbe,
La Rioja und Najera, vernachlässigte dabei völlig die Reconquista
und eroberte gegen Leon-Asturien Kantabrien und Grenzgebiete Asturiens
dazu.
1010
oo Munia Mayor von Kastilien, Erb-Tochter des
Grafen Sancho Garcias und Schwester Garcias III.
- nach 1066
Erbin von Ribagorza und Sobrarbe
Kinder:
Ferdinand I. der Große König von Kastilien
1016/18-27.12.1065
Gonzalo König von Ribagorza und Sobrarbe
-
1045 ermordet
Garcias V. von Najera König von Navarra
nach 1020-1.9.1054
Illegitim
Ramiro I. König von Aragon
-8.5.1063
Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 Seite 47,49-52,66,74 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Bedeutendster Erbe dieser vielfältigen, unter Sancho
I. grundgelegten Beziehungen, wozu noch Bindungen mit den Grafen
der Gascogne und von Barcelona traten, war zu Beginn des 11. Jahrhunderts
Sancho III. Garces, selbst Sohn einer
leonesischen Königstochter. Unter seiner Regierung vollzog sich zwischen
1017 und 1025 die allmähliche Eingliederung der Grafschaft Ribagorza
und Sobrarbe, die zwischen 920 und 930 von Pallars abgetrennt worden waren
und nur nach dem Tod des letzten Grafen Isam (1003) infolge heftiger Nachfolgestreitigkeiten
durch Abtretung an den navarresischen König gelangten. Seit 1025 zählte
man in den Urkunden die Regierungsjahre Sanchos
III., während die herkömmliche Datierung nach dem
französischen König Robert
langsam verschwand. Darüber hinaus gelang es Sancho
III., sich 1017 zum Vormund und Protektor seines Schwagers,
des unmündigen Infanten Garcia von Kastilien, aufzuschwingen,
was mit den Interessen des zu dieser Zeit wiedererstarkenden Königreichs
Leon nur schwer in Einklang zu bringen war, aber durch eine Ehe zwischen
Alfons V. von Leon und Sanchos
Schwester Urraca 1024 erreicht
werden konnte. Auf längere Sicht wurde damit die faktische Machtübernahme
in der Grafschaft Kastilien vorbereitet, die mit der Ermordung des Infanten
1029 in dem Augenblick Wirklichkeit wurde, als eine Heirat Garcias
mit Sancha, einer Tochter Alfons'
V. und Schwester des neuen leonesischen
Thronfolgers Vermudo III., die gegenseitigen Bindungen wieder
vertiefen und gleichzeitig die überhandnehmenden Gegensätze zwischen
dem galicischen, leonesischen und kastilischen Adel zu überbrücken
helfen sollte. Der navarresische Herrscher übernahm daraufhin im Juli
1029 die Grafschaft als Erbe seiner Gemahlin Mayor
von Kastilien, die die älteste Schwester Garcias gewesen
war, übertrug den Grafentitel jedoch auf seinen zweitgeborenen Sohn
Ferdinand.
Was Leon anbetraf, wo der unmündige Vermudo
noch nicht regierungsfähig war und die politische Macht durch seine
Stiefmutter Urraca, die erwähnte
Schwester Sanchos III., verwaltet wurde,
versuchte der navarresische König ebenfalls als Garant der inneren
Ordnung aufzutreten. Ein Abkommen sicherte ihm Ende 1029 ähnliche
Vollmachten wie in Kastilien zu, während der junge leonesische König
und sein Anhang auf Galicien und Asturien beschränkt wurden. Wiederum
sollte drei Jahre später ein Heiratsprojekt, diesmal zwischen Vermudos
Schwester San0cha und Ferdinand
von Kastilien, dem Zweitgeborenen Sanchos
III., dazu dienen, das Ordnungsgefüge des Königreiches,
vor allem das Verhältnis zwischen Leon und Kastilien, im Sinne der
navarresischen Vorstellungen zu gestalten.
In welche Richtung diese Vorstellungen wiesen, sollte
sich bald zeigen. Sancho III. begann
nach der Eheschließung von 1032 und der konkreten Machtübernahme
in Leon (10. Januar 1034) in Najera Münzen mit dem imperator-Titel
prägen zu lassen und einen Kaisertitel zu führen, der aus der
ihm zugefallenen, realen Herrschaft über Stadt und Reich abgeleitet
war, somit seine auf einen Hegemonialanspruch hinauslaufende Vollgewalt
als Friedensstifter innerhalb der christlichen Reiche des Nordens zum Ausdruck
brachte. Mit dieser Auffassung stand auch die einzige konkrete Regierungsmaßnahme
mit größerer Fernwirkung in Einklang, die er während seines
kaum zweijährigen Aufenthalts in Leon traf. Um den immer aufs neue
auftretenden Gebietsstreitigkeiten zwischen Leon und Kastilien um den Besitz
der Region zwischen den Flüssen Cea und Pisuerga die Grundlage zu
entziehen, gründete er unter Aufnahme bereits länger gehegter
Pläne das Bistum Palencia, wodurch die brisanten Reibungspunkte zwischen
dem Bischof von Leon und dem Bischof von Burgos, der sich als Bischof von
Kastilien verstand, entfielen.
Als Vermudo III.,
mittlerweile ungefähr 16 Jahre alt und damit regierungsfähig,
im Laufe des Jahres 1034 in seine Herrschaftsrechte eintrat, zog sich Sancho
el Mayor freiwillig nach Navarra zurück, wo er von nun
den die göttliche Einsetzung betonenden Titel "Dei gratia Pampilonensium
rex" annahm und am 18. Oktober 1035 starb.
Der rex ibericus, wie ihn der katalanische Bischof Oliba
von Vic bereits vor 1032 in einem Schreiben anredet, muß gewiß
als eine der überragenden Herrscherpersönlichkeiten des an großen
Gestalten nicht armen spanischen 11. Jahrhundert gelten. Seine spezifische
Leistung war es gewesen, ein friedenssicherndes Schutzsystem als Herrschaftsmittel
ausgebaut zu haben, das seine Anlehnung an Vorbilder der spätkarolingischen
Zeit nicht verleugnen konnte. Zeitweilig hatten diesem System nicht nur
alle bedeutenden Machtgebilde im christlichen Norden der Iberischen Halbinsel
angehört, sondern auch für die kurze Spanne der Jahre 1032/33
die Grafschaft Gascogne nördlich der Pyrenäenkette und in lockerer
Form vielleicht vorübergehend selbst die Grafschaft Pallars und Barcelona.
Sancho el Mayor hinterließ
bei seinem Tod 3 legitime Söhne - den Erstgeborenen Garcia,
den Zweitgeborenen Ferdinand sowie
den Drittgeborenen Gonzalo - und einem
ursprünglich illegitimen Sohn - Ramiro,
der als ältester von seinem Vater jedoch in seinen Rechten voll anerkannt
und ebenso wie seine Brüder an der Herrschaftsausübung beteiligt
worden war.
Es gibt Anzeichen dafür, dass Sancho
die Einrichtung einer Samtherrschaft der Brüder, eines
corpus fratrum, vorschwebte, innerhalb der Ferdinand,
Gonzalo und Ramiro
in einem Abhängigkeitsverhältnis vom legitimen Erstgeborenen
Garcia, dem als einzigenm ein Königstitel
mit längerer Tradition zukam, stehen sollten. Zwar erhielt Garcia
bei der ausstehenden Einweisung in die jeweiligen Teile des väterlichen
Reiches mit Pamplona-Navarra sozusagen das "Stammkönigtum", das die
Machtgrundlage für alle anderen Erwerbungen gebildet hatte und dessen
Besitz Zeichen für einen gewissen Vorrang vor seinen Brüdern
war, doch sollte sich schon bald erweisen, wie wenig diese bereit waren,
die von ihnen ausgeübte Regierungsgewalt als einfache Teilhabe an
der Machtfülle Garcias aufzufassen.
Ramiro wurde damit entschädigt,
dass ihm die um das Gebiet von Serrrablo erweiterte Grafschaft Aragon übertragen
wurde und er dort den Königstitel führen durfte. Ferdinand
konnte hingegen die Grafschaft Kastilien, die rein rechtlich gesehen vom
Infanten Garcia direkt auf ihn übergegangen war, endlich voll
in Besitz nehmen und war durch seine Ehe mit Sancha
sowie auf das Königreich Leon fixiert. Gonzalo mußte
sich mit der Grafschaft Ribagorza und Sobrarbe zufriedengeben, fungierte
aber bis zu seinem gewaltsamen Tod 1046 ebenfalls in seiner Herrschaft
als König.
Von der äußeren Würde her geurteilt,
hatte Ferdinand von Kastilien schlechter
als alle seine Brüder abgeschnitten, da ihm als einzigen der Königstitel
versagt geblieben war und er in einem politisch nur schwer zu fassenden,
aber auf der rechtlichen Ebene zweifellos existenten Abhängigkeitsverhältnis
zum König von Leon stand. Doch auch Vermudo
III., der den leonesischen Kaisertitel wieder aufnahm, konnte
kaum zufrieden sein mit seinem nach völliger Autonomie strebenden
Grafen, der nun als Vorposten navarresischer Interessen einem Adel vorstand,
dessen Feindschaft gegenüber dem leonesischen Adelsfamilien mittlerweile
Tradition geworden war.
Der Funke entzündete sich an einem alten Zankapfel,
dem Gebiet zwischen Cea und Pisuerga, das Ferdinand
als Mitgift seiner Braut ansah und seinem Machtbereich zuschlug. In dem
schnell entbrennenden Konflikt kam es am 4. September 1037 zur Schlacht,
die Ferdinand dank der Unterstützung
durch seinen Bruder Garcia für
sich entscheiden konnte, während Vermudo
III. erschlagen wurde. Da der leonesische König kinderlos
war, trat der Erbfall ein, so dass Ferdinand
das Reich als Erbschaft seiner Gattin Sancha
in Besitz nehmen konnte. Am 22. Juni 1038 erhielt auch der letzte Sohn
Sanchos III. in der Kathedrale von
Leon die Königsweihe und sollte in seinem Reich den Dei gratia-Titel
einführen. Der Preis war allerdings hoch. Für die brüderliche
Hilfe mußte Ferdinand einen ausgedehnten
Teil Kastiliens an Navarra abtreten, darunter die Gebiete von Alava, Vizcaya,
Durango und Guipuzcoa.
Die zukünftige politische Ordnung des Nordens der
Iberischen Halbinsel zeichnete sich in Umrissen ab. Ferdinand
erschien als König von Leon und Burgos, Garcia
als König von Pamplona und Najera sowie neuerdings von Altkastilien
(Castella Vetula), wozu noch bald, sieht man von den katalanischen Territorien
ab, das Königreich Aragon hinzutreten sollte, dem nach 1046 die Grafschaft
Sobrarbe und Ribagorza einverleibt wurden.