Alfons V.                                               König von Leon-Asturien (999-1028)
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996-5.7.1028 gefallen
      Belagerung von Viseo
 

Einziger Sohn des Königs Bermudo III. der Gichtbrüchige von Leon aus seiner 2. Ehe mit der Elvira Garcia von Kastilien, Tochter von Graf Garcias I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 398
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Alfons V., König von Leon 999-1028
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     + 1028

Sohn von Vermudo II. und Elvira Garcia
 

Gekrönt mit fünf Jahren, wurde für ihn bis 1008 von seiner Mutter und dem galicischen Grafen Menendo Gonzales die Regentschaft geführt. In diese Zeit fällt die letzte größere Expansionsphase des islamischen Spanien; ebenso litt das Königreich unter normannischen Angriffen und dem Ausdehnungsdrang Kastiliens, das seine Grenzen auf Kosten von Leon nach Westen verschob. Als 1008 mit dem Tod Abdelmaliks, des Sohnes von al-Mansur, der Druck Cordobas endgültig nachließ, begann zwischen den christlichen Reichen der Kampf um die Vorherrschaft. Alfons V. nutzte dabei die Minderjährigkeit des kastilischen Grafen Garcia aus, um 1017 einen Teil der eroberten Gebiete zurückzugewinnen; dadurch geriet Alfons V. in Gegensatz zu dem Vormund Garcias, Sancho III. von Navarra. Dieser Konflikt wurde 1022 durch einen Kompromiß beigelegt. Auf innenpolitischen Gebiet verdienen die ersten Gesetze Beachtung, die für das gesamte Königreich Geltung hatten; sie wurden auf einer vom König geleiteten Versammlung von Bischöfen und Adligen feierlich verkündet. Den Bürgern seiner Hauptstadt verlieh der König den Fuero von Leon.
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Alfons V. folgte 999 unter der Regentschaft der Mutter und des Grafen Menendo von Galizien, der ihn gut erzog und führte. Er regierte später mit großem Einfühlungsvermögen und Geschick, baute das entvölkerte und verwüstete Land wieder auf und die zerstörte Residenz Leon. Er förderte Ackerbau, Gewerbe und Verwaltung, stritt viel mit Kastilien und Navarra, verlor an letzteres die Vorrangstellung Leons unter den christlichen Königreichen. Alfons nahm die Reconquista wieder auf, nützte die nach dem Tode des allmächtigen Schwagers beginnenden Zwistigkeiten im maurischen Spanien aus, stieß weit nach Süden vor und fiel bei der Belagerung von Viseo.
 
 
 
 

  1. oo Elvira von Galizien, Tochter des Grafen Menendo Gonzales
                  -   1022

    1023
  2. oo Urraca von Navarra, Tochter des Königs Garcias IV.
                  -
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Bermudo III.
  um 1018-4.9.1037 gefallen

  Sancha
  1013-13.12.1067

  oo Ferdinand I. der Große König von Kastilien
       1016-27.12.1065
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 46,50,81 -
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Vones Ludwig:
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“Geschichte der Iberischen Halbinsel”

Der Antagonismus zwischen den verschiedenen Adelsgrupen innerhalb des Reiches setzte sich auch in der Anfangszeit Alfons V. fort, als der galicische Graf Menendo Gonzales (Mendo Goncalves) die Vormundschaft über den minderjährigen Thronfolger ausübte und sich während seiner Regentschaft der dauernden Gegnerschaft des kastilischen Grafen Sancho Garcia gegenübersah. Wiederum drückte sich die Unversöhnlichkeit der inneren Gegensätze in wechselnden Bündnissen mit Cordoba aus, führte zur schweren Niederlage von Medinaceli (1000) und gipfelte darin, dass Abd-al-Malik, dem Sohn al-Mansurs, wie einem Oberherrn die Entscheidung darüber angetragen wurde, ob die Tutela über Alfons V. Menendo Gonzales oder Sancho Garcia zukommen sollte. Abd-al-Malik urteilte zugunsten des galicischen Grafen, dessen Tochter Elvira als Gemahlin des Thronfolgers auftaucht, und konnte trotz heftiger kastilischer Angriffe bis zu seinem Tode (1008) die dadurch geschaffene Ordnung erhalten. Da im gleichen Jahr auch Menendo starb, stand in der Folgezeit dem Aufstieg des kastilischen Grafen nichts mehr im Wege, doch sollte seit 1017, als ihn selbst der Tod erteilte und er ebenfalls einzig einen unmündigen Sohn hinterließ, ein letztes Aufbäumen des leonesischen Reichszentralismus erfolgen.
Als Alfons V. im Jahre 1017 oder 1020 nach westgotischem Vorbild eine allgemeine Reichsversammlung aller Bischöfe, Äbte und bedeutenden Adligen einberief, die gleichzeitig den Charakter einer Synode trug, zeigte er sich entschlossen, die Neuordnung der Reichsorganisation, soweit es in seinen Kräften stand, voranzutreiben.
Durch die Verabschiedung eines allgemeinen Dekrets, dessen Reaktionen später in der Forschung die Bezeichnung Fuero de Leon oder Leyes leonesas erhielten, sollten der Reichseinheit die Autorität des Königs und der Vertreter der königlichen Gewalt, vor allem bei der Rechtsprechung, gestärkt, die Rechte der Kirche geschützt, die Lebensbedingungen der Bauern und einfachen Leute gesichert sowie insbesondere der sich im Wiederaufbau befindlichen Hauptstadt Leon und ihrem Territorium, aber auch andere Siedlungszentren, ein Rahmen der Reichssicherheit gegeben werden. Obwohl sich die Regierungsgewalt Alfons V. insgesamt als zu schwach erwies, um das in Leon angedeutete Programm in allen Reichsteilen durchzusetzen, sollte dem Fuero von Leon infolge seiner Verbreitung in Asturien-Leon und Galicien, aber auch durch spätere Bestätigungen und Übernahmen in Rechtssammlungen eine große Fernwirkung beschieden sein. Als bezeichnend für die Strukturprobleme innerhalb der leonesischen Machtsphäre muß andererseits angesehen werden, auf welch strikte Ablehnung der Fuero in Kastilien stoßen mußte.
Weitere Reichsversammlungen nach Art der 1017/20 abgehaltenen, die gewiß beabsichtigt waren und deren Modus procedendi man bereits festgelegt hatte, sollten nicht mehr zustande kommen, da dem leonesischen König mit Sancho III. Garces el Mayor von Navarra (1004-1035), dem Gatten von Garcias Schwester Mayor, den der kastilische Adel in seiner Bedrängnis zu Hilfe gerufen hatte, ein Gegner erwuchs, der letzten Endes die Kräfte des christlichen Nordens seinen weitreichenden Plänen gefügig machen konnte. Als Alfons V., der 1024 aus politischen Erwägungen eine Ehe mit Sanchos Schwester Urraca eingehen mußte, 1028 bei der Belagerung der portugiesischen Stadt Visen fiel und im darauffolgenden Jahr der junge kastilische Graf ohne Nachkommen starb, ergriff der König von Navarra in der Grafschaft die Macht und verband sein Haus der leonesischen Dynastie durch eine kluge Heiratspolitik.