Philipp I. der Schöne                                König von Kastilien (1504-1506)
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22.7.1478-25.9.1506                                Herzog von Burgund und Graf von Flandern
Brügge    Burgos

Begraben: Granada
 

Einziger Sohn des Kaisers MAXIMILIAN I. aus dem Hause HABSBURG und der Maria von Burgund, Tochter von Herzog Karl dem Kühnen
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2070
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Philipp der Schöne, Erzherzog, Fürst der Niederlande (Burgund)
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* 22. Juni 1478, + 26. September 1506
Brügge                 Burgos

Sohn von MAXIMILIAN I. und Maria, Herzogin von Burgund, Erbtochter Karls des Kühnen

Die Öffentlichkeit der burgundischen Niederlande begrüßte Philipps Geburt als die des angestammten Fürsten (‚prince naturel‘). Nach dem frühen Tod der Mutter (1482) brach zwischen MAXIMILIAN und den ‚Staten‘ (Ständen) von Flandern der offene Konflikt aus, da vor allem die Vertreter Gents dem HABSBURGER die Vormundschaftsrechte vehement bestritten. Infolge des Friedens von Arras (23. Dezember 1482) wurde Philipp der Schöne am 10. Januar 1483 (im Juli in Brügge) als Graf von Flandern eingesetzt.
Als es im Oktober 1483 zum Bruch MAXIMILIANS mit dem ihm aufgenötigten Regentschaftsrat kam, usurpierte der Rat die Regierung im Namen des jungen Prinzen, der in Gent unter Aufsicht festgehalten wurde. Nach der Rückeroberung Flanderns durch MAXIMILIAN (Juli 1485) wurde ihm sein Sohn zurückgegeben, der Vater führte in beider Namen fortan die Regierung. Philipp wurde in Mecheln unter Obhut der Herzogin-Witwe Margarete von York durch einheimische Adlige und Humanisten erzogen. Frucht dieser Erziehung war wohl die spätere Hinwendung Philipps des Schönen zu einer genuin burgundisch-niederländischen Politik. Nachdem während der langen Gefangenschaft des Vaters (Brügge, 1488) beide Seiten in Philipps Namen agiert hatten, ist seit 1492 seine Anwesenheit bei den Tagungen der Generalstaaten festzustellen. Die anläßlich des Erreichens der Volljährigkeit (15 Jahre)  von den Generalstaaten geforderte Einsetzung Philipps in die vollen Herrschaftsrechte wurde von MAXIMILIAN hinausgezögert; ab 1494 (Brabant: 9. September 1494) erfolgte seine offizielle Inthronisation in den verschiedenen Fürstentümern, wobei MAXIMILIAN bestrebt war, die 1477 durchgesetzten Privilegien wieder aufzuheben. Eine Inauguration Philipps für Flandern erfolgte erst 1497 (letzte Sanktion für den flandrischen Aufstand). Durch die Vermeidung einer Reichsinvestitur Philipps behielt sich MAXIMILIAN bestimmte Herrschafstrechte in den Niederlanden vor.
Der persönliche Herrschaftsantritt Philipps wurde als Rückkehr zu inneren und äußeren Frieden, stabiler Währung, freiem Handel, maßvoller Besteuerung und regulärer ständischer Regierungsweise von der Öffentlichkeit gefeiert. Philipp der Schönehielt in der Tat engen Kontakt mit den Generalstaaten, die er sogar gelegentlich bei eigener Unsicherheit zu Hilfe rief. Seine "niederländische" Haltung brachte ihm wiederholt in Gegensatz zu den politischern Intentionen des Vaters, der für seine vornehmlich gegen Frankreich gerichtete Politik keineswegs die geforderte Hilfeleistungen von seiten der Generalstände erhielt (1498-1499). Die Diskordanz erwies sich als total, als Philipp der Schöne am 5. Juli 1499 dem König von Frankreich das Homagium leistete. Demgegenüber bedeutete die Allianz mit Spanien (Doppelhochzeit der Erb-Prinzen bzw. Prinzessinnen Spaniens und der Niederlande) einen enormen diplomatischen Erfolg MAXIMILIANS, der so auf den französischen Druck in Italien zu reagieren verstand (1495). Philipp der Schöne und Prinzessin Johanna (Juana) von Kastilien vermählten sich im Rahmen dieses Bündnisses am 20. Oktober 1496 zu Lier. Infolge der aufeinanderfolgenden Todesfälle aller anderen Thronanwärter wurde Philipp der Schöne 1500 über seine Gemahlin zum präsumptivenErben der spanischen Kronen. In dieser Eigenschaft wurde das Paar am 22. Mai 1502 zu Toledo anerkannt. Nach dem Tode der Königin Isabella von Kastilien (26. November 1504) bereiteten sich Philipp der Schöne und Johanna auf einen längeren Augfenthalt in ihren spanischen Erblänmdern vor; sie hatten bereits drei Kinder, unter ihnen der künftige Kaiser KARL V. Doch erkrankte Philipp der Schöne bei der Einsetzungszeremonie in Burgos am 19. September 1506 und verstarb eine knappe Woche darauf.
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Reifenscheid, Richard: Seite 97
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

Die Nachkommen Kaiser MAXIMILIANS I

1. PHILIPP I. "der Schöne, Erzherzog, König von Kastilien 1504-1506
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   * 22.7.1478, + 25.9.1506
     Schloß zu Brügge Burgos

Grabstätte: Krypta der königlichen Kapelle in der Kathedrale in Granada

  oo 21.8.1496 in Lille
      JOHANNA, Infantin von Kastilien-Aragon
      * 6.11.1479, + 13.4.1555
        Toledo         Tordesillas

Grabstätte: Krypta der königlichen Kapelle in der Kathedrale in Granada

Eltern: Die katholischen Könige Ferdinand I., König von Aragonien, und Isabella I., Königin von Kastilien, Tochter Johanns II., König von Kastilien

Nach dem Tode seiner Mutter, Maria von Burgund, erbte Philipp I. die burgundischen Länder und wurde 1482 mit vier Jahren Herzog von Burgund. Der von den burgundischen Ständen eingerichtete Regentschaftsrat wurde von MAXIMILIAN I., der als Vormund Philipps I. die Regierung übernahm, ausgeschaltet. Von seinem Vater mit 16 Jahren für volljährig erklärt, übergab dieser seinem Sohn die Regierung in den Niederlanden. Die Bemühungen MAXIMILIANS I., eine gegen Frankreich gerichtete Verbindung zu Spanien herzustellen, führten zu der habsburgisch-spanischen Doppelheirat Philipps I. mit Johanna von Kastilien-Aragonien und der Tochter MAXIMILIANS I. mit Johann von Kastilien-Aragonien. Da dieser bereits 1497 starb, wurde Johanna Erbin von Kastilien-Aragonien [Richtigstellung: Johanna wurde erst 1500 nach dem Tod ihrer älteren Schwester Isabella und deren Sohn Miguel Erbin der genannten Reiche.].
Nach dem Tode Isabellas I. von Kastilien beanspruchte deren Gemahl König Ferdinand von Aragonien die alleinige Regentschaft, die er jedoch mit Philipp I. und seiner Gemahlin teilen mußte. Mit Unterstützung des kastilischen Adels erreichte Philipp I. 1506 die alleinige Regierung, die ohne praktische Bedeutung blieb, da der König wenige Monate später starb. Seine Söhne, Kaiser KARL V. und Kaiser FERDINAND I., sollten das 16. Jahrhundert entscheidend beeinflussen.
Nach dem Tode Philipps I. verfiel seine Gemahlin Johanna dem Wahnsinn und lebte bis zu ihrem Tode zurückgezogen in Tordesillas. Ihr Vater übernahm für die unglückliche Johanna die Regierung und danach dessen Tod ihr Sohn Kaiser KARL V.
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Nach dem Tode seiner Mutter wurde er Regent der Niederlande. Für ihn führte sein Vater bis 1494 die ständig angefochtene Regentschaft. Zu seiner Aussicht auf die Nachfolge in den übrigen habsburgischen Ländern und im Kaisertum gesellte sich bald auch die Aussicht auf die Nachfolge in Spanien. Der Tod seiner SchwiegermutterIsabella I. brachte ihm 1504 die Krone Kastiliens. Philipp I. der Schöne war gebildet, stattlich und ein hemmungsloser Galan und starb an einer jähen und geheimnisvollen Krankheit. Sein früher Tod rief bei seiner Gemahlin eine völlige geistige Umnachtung hervor.
 
 
 
 

 21.8.1496
   oo Johanna I. die Wahnsinnige, Tochter des Königs Ferdinand II. von Aragon
       6.11.1479-13.4.1555
      Toledo    Tordesillas
 
 
 
 

Kinder:

  KARL V.
  24.2.1500-21.9.1558

  FERDINAND I.
  10.3.1503-25.7.1564

  Eleonore
  15.11.1498-18.2.1558
  Brüssel       Talaveruela

   7.3.1519
  1. oo 3. Manuel I. König von Portugal
              1.6.1469-13.12.1521

   5.8.1530
  2. oo 2. Franz I. König von Frankreich
      x      12.9.1494-31.3.1547

  Isabella
  18.7.1501-19.1.1526
  Gent      Lierre

12.8.1515
  oo Christian II. König von Dänemark
       2.7.1481-25.1.1559

  Maria
  17.9.1505-18.10.1588
  Brüssel   Cigales

13.1.1522
   oo Ludwig II. König von Ungarn
       1.7.1506-29.8.1526
       Prag     Mohacs

  Katharina
  14.1.1507-12.2.1578
  Torquameda Lissabon

15.2.1525
  oo Johann III. König von Portugal
      6.6.1502-11.6.1557
      Lissabon Lissabon
 
 
 
 
 

Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 12, 14,16-20,23,25-32,34,37-56,59-81,83-92,95,103,105,118,125,140,180,192,195,202,205 - Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 46,65,157,204,293,348 - Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 117,123,125,246 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 11,13-18,20-30,38 - Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 40,46,52 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 138,181,217,221,248-254,258-260 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 195,249,251,312-317,319 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite 91,94,97,99,101,107,116,125 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 22,26,29,32,35,40,44,48,50,54,74,77-82,84,89,93-103,109, 114-122,125,130,133,136,140,146,161,164,166,171,177,179,182,188,193,198, 204,210,251,259,284,286,288,290 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 9,32,42,58,125,158,178,180,212, 222,245,248,263,275,290 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich. Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 19,27,29,33,106 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 241 - -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Philipp, der in der HABSBURGER Bildergalerie mit seiner vorspringenden Lippe und dem kalten Blick nicht durch besondere Schönheit glänzt, war zum Unglück Johannas kein treuer Gatte. Der venezianische Gesandte Querini rühmt seine kräftige, geschmeidige Gestalt, spricht von seiner Geschicklichkeit bei allen ritterlichen Übungen jener Zeit und von der Stämmigkeit und Widerstandsfähigkeit seines Körpers; ein anderer Chronist, Lorenzo de Padilla, schildert seine helle, rosige Hautfarbe und seine goldblonden Haare. Dieser Flamländer liebte es, sich prächtig zu kleiden: das Gewand aus Samt und Seide, goldgestickt und mit seltenem Pelzwerk verbrämt, in dem er sich 1502 vor Toledo seinen Schwiegereltern vorstellte, setzte die Spanier in Erstaunen, die an die strenge Einfachheit ihrer gewöhnlich nur in Wollstoffe gekleideten Herrscher gewöhnt waren.
Die schönen Damen am flämischen Hof konnten diesem wenig intelligenten, aber glänzenden und unverschämten "sportsman" mit unersättlichen Begierden, dem "homo eroticus" schlechthin, wohl kaum widerstehen. Immer war er auf der Jagd nach Sinnenlust, ohne Bedenken, ob sie ihm von einer wunderschönen Geliebten aus dem Kranze der Hofdamen seiner Gemahlin befriedigt wurde oder von einer Frau aus den Bordellen, die er sich nicht genierte nächtlich in der lustigen Gesellschaft ausschweifender Edelmänner zu besuchen.

Brouwer Johan: Seite 13
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"Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin."

Charakter

Der berühmte Humanist Petrus Martyr Anglerius sagt über Philipp von Burgund, daß es ihm angeblich an nichts fehlte, was sich eine Frau von einem Mann nur wünschen könnte. Philipp war jung, äußerlich anmutig, sanftmütig, freundlich und aufgeweckt. Ein junger Zeitgenosse, der große Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts Zurita, nennt Philipp einen fröhlichen und willfährigen Mann, einen leidenschaftlichen Jäger, einen Mann ohne jeglichen Ehrgeiz und den Staatsgeschäften abhold. Am liebsten überließ er, so sagt Zurita, die Sorge hierfür anderen. Als Folge davon war er sehr launenhaft, denn als Mann ohne Interesse für und ohne Einsicht in die Politik richtete er sich jedesmal aufs neue nach denjenigen, welchen er sein Vertrauen schenkte. Ein anonymer Autor aus jener Zeit der Katholischen Könige und ihrer Tochter Johanna spricht von Philipps kraftvoller Gestalt, seinem anmutigem Auftreten und seinen vornehmen Manieren. Er preist seine Freundlichkeit und seinen Sinn für Gerechtigkeit und sagt, daß er begabt sei und tugendsame Anlagen habe, "ad omnes virtutes pronus", sich aber allzu viel dem widme, was wir Sport nennen, und zuviel intimen Umgang mit Frauen suche. Der venezianische Gesandte Quirini hielt Philipp für intelligent und einfallsreich, erblickte jedoch seinen größten Fehler in seinem Mangel an Beharrungsvermögen, und zwar infolge der Launenhaftigkeit seines Charakters.

Brouwer Johan: Seite 77-79
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"Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin."

Tod

In jenen Tagen zunehmender Unruhe und Unsicherheit erkrankte Philipp plötzlich. Er bekam Fieber, übergab sich und starb unter den Händen der Ärzte, die ihm nach den Bräuchen der damaligen Zeit Abführmittel gaben und Blut abzapften, binnen einer Woche.
Für einen natürlichen Tod gibt es zuverlässige Hinweise:
Erstens herrschte in jenen Tagen eine bösartige Fieberepedemie in Burgos.
Zweitens existiert ein ausführliches ärztliches Attest über Philipps Krankheit und Tod.
Drittens waren die allgemeinen sanitären Zustände zu jener Zeit schlecht und die medizinische sowie hygienische Versorgung sehr mangelhaft. Als Folge davon war die Sterblichkeit unter den jungen Menschen viel höher als gegenwärtig.

Nach einem Bericht des Hofarztes de la Parra, den dieser unmittelbar an König Ferdinand sandte, vollzogen sich Krankheit und Tod Philipps wie folgt:
"Zwei oder drei Tage, bevor er erkrankte, hatte König Philipp höchst leidenschaftlich 'poleta' [Spanisches Schlagballspiel] an einem kühlen Ort gespielt und hatte sich abkühlen lassen, ohne sein Haupt zu bedecken. Donnerstag den 17. September stand der König schon einigermaßen indisponiert auf. Man glaubt jetzt, daß er damals schon Fieber hatte. Dieses Fieber hielt bis zu seinem Tod an. An jenem Donnerstag sprach er nicht mit seinen Ärzten. Er aß wie gewöhnlich, wenn er auf die Jagd ging, und ging auch wie sonst auf die Jagd. Freitags darauf sagte er seinen Ärzten ebenfalls nichts, obwohl das Fieber anhielt. Er aß beinahe wie ein gesunder Mensch, aber mit wenig Appetit. Der Sonnabend verlief auf dieselbe Weise bis mittags. Dann begann er zu frösteln, und zwar so arg, daß er es vor seinen Mitmenschen nicht zu verbergen vermochte. Er ließ seine beiden Ärzte rufen, sagte ihnen, was ihm fehle und was er bis jetzt verschwiegen hatte, nämlich daß er am Donnerstag und Freitag zuvor um dieselbe Stunde auch bereits gefroren habe, sei es auch im geringeren Maß. Diesen Sonnabend bekam er außerden noch hohes Fieber.
Sonntag morgen hatte er immer noch Fieber und bekam Schmerzen in der Seite. Auch spie er Blut. Man ließ ihn auf der anderen Seite zur Ader. Die Schmerzen verminderten sich unverzüglich und verschwanden nachmittags sogar ganz. Bis zwei Uhr nachmittags blieb das Fieber niedrig, aber dann fror es den König abermals, und gleichzeitig stieg das Fieber wieder an. Am Montag, dem fünften Tag seiner Erkrankung, hatte der König frühmorgens Fieber, und sein Zäpfchen war so dick geschwollen und schlaff, ebenso seine Zunge und Gaumen, daß er kaum seinen Speichek hinunterschlucken und auch nur mit Mühe sprechen konnte. Das behinderte ihn dermaßen, daß er sagte, es sei das einzige Übel, an dem er litt, und daß dies das einzige sei, wovon man ihn heilen müsse. Er sagte, daß, wenn dies vorbei sei, er auch wiederhergestellt sein würde. Dann setzte man ihm Schröpfköpfe an aufseinem Rücken und hinten im Hals. Das erquickte ihn augenblicklich, so daß man sie wieder abnham. Die Ärzte waren übereingekommen, bei ihm am folgenden Tag, Dienstag, abzuführen, denn an diesem Montag konnte er es nicht ertragen.
Diesen Dienstag, am sechsten Tag seiner Erkrankung also, hatte er auf natürliche Weise Stuhlgang. Man sah deshalb von weiteren Purgierungen ab. Nachmittags begann er wiederum zu frieren, und das Fieber nahm erneut zu wie an den vorangegangenen Tagen. Am folgenden Tag, Mittwoch, also am siebenten Tag seiner Erkrankung - man war dessen nicht sicher, weil man am ersten Tag kein Fieber bei ihm festgestellt hatte -, erstattete man mir Bericht, da das Fieber anhielt und auch die anderen Erscheinungen ernsthafter wurden. Ich weiß nicht, ob man auch anderen Ärzten Bericht erstattet hat. Ich bin allein gekommen. Wohl hat man dann in aller Eile einen Arzt aus Burgos herbeigerufen sowie einen des Erzbischofs von Toledo, damit diese allein an Hand der Urinuntersuchung und auf Grund des Berichts der behandelnden Ärzte ihr Urteil über den Fall abgeben sollten, ohne den König zu untersuchen. Sie wurden sich alle darüber einig, daß man den Patienten zur Ader lassen müsse. Das tat man auch, und es kam dickes, schlechtes Blut aus dem Körper. An jenem Mittwoch begann der König zur gewohnten Stunde zu frieren, aber schlimmer als an den Tagen zuvor. Darauf wurde ihm wieder warm, und er fing stark zu schwitzen an. Die Doktoren dachten, dies sei ein Zeichen der Besserung, von bemerkenswertem Fortschritt. Ungefähr sechs Stunden lang dürfte er geschwitzt haben. Alsdann erschlaffte er ganz und gar. Er verlor das Bewußtsein und konnte nicht mehr sprechen. Von diesem Augenblick an hat man ihn nichts Vernehmliches mehr äußern hören. Er ist ohne Bewußtsein geblieben, in einer Art Dämmerzustand, woraus man ihn ab und zu mit ziemlicher Mühe, aber niemals ganz, weckte.
Am Donnerstag darauf verharrte er in diesem Zustand. Ich bin diesen Donnerstag nachts angekommen, um ihn zu untersuchen. Um zwei Uhr nachts traf ich ein. Ich fand ihn in einem derartigen Zustand vor, daß ich den Eindruck gewann, die Krankheit sei bereits so weit fortgeschritten und die Kräfte hätten schon derart abgenommen, daß keine Hoffnung mehr bestand und ich auch kein Mittel zur Wiedergenesung mehr für wirksam hielt. Ich wollte deshalb meine Zustimmung nicht mehr erteilen, ihn mit irgendwelchem kräftigen Mittel zu behandeln, womit man, wie zu erwarten war, sein Leben nur verkürzt hätte. Ich bestand mit aller Kraft darauf, daß man ihm die Letzte Ölung erteile. Fünf Stunden lang bin ich bei ihm geblieben und um sieben Uhr weggegangen mit dem Gedanken, daß er höchstens noch bis zu der Stunde würde aushalten können, zu der ihn, wie üblich, das Kältegefühl überkam. Es heißt, er habe ungefähr um zwei Uhr mittags den Geist aufgegeben, an diesem Freitag, dem 23. September 1506."