2. Tochter des Königs Ferdinand
II. von Aragon und der Isabella I.
der Katholischen von Kastilien, Tochter von König
Johann II.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 522
********************
Johanna I. ‚la Loca‘ (‚die Wahnsinnige‘), Königin
von Kastilien und Aragon
--------------------------------------------------
* 6. November 1479, + 12. April 1555
Toledo
Tordesillas
Tochter Ferdinands II. von Aragon und Isabellas der Katholischen
oo 1496 Philipp der Schöne, Sohn Kaiser MAXIMILIANS I.
Durch den frühen Tod ihrer Geschwister und deren
Nachkommen wurde Johanna Erbin der
Kronen Kastilien und Aragon. Obwohl sie schon bald Anzeichen geistiger
Verwirrung zeigte, empfing sie nach dem Tod der Mutter (26. November 1504)
in Toro den Eid der Cortes, wurde allerdings von ihrem Vater für regierungsunfähig
erklärt. Vom Februar 1509 bis zu ihrem Tode wurde Johanna
in Tordesillas gepflegt, während die Führung der Regierungsgeschäfte
Ferdinand
oblag, nach dessen Tod Johannas Sohn
KARL
I. (V.) den Königstitel annahm. Außer KARL
hatte Johanna die Wahnsinnige einen
weiteren Sohn FERDINAND (I., Erzherzog von Österreich,
König von Böhmen und Ungarn, dann deutscher König
und Kaiser) und vier Töchter.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Frauen der Weltgeschichte: Seite 245
**********************
Johanna von Kastilien
---------------------------
6.XI.1479-11.IV.1555
"La Loca d'amor" - die Wahnsinnige aus Liebe
- nennt der spanische Volksmund der großen Isabella
unglückliche Tochter, die rechtmäßige Königin Kastiliens,
deren Lebensgeschichte wie ein schönes Märchen begann und wie
eine attische Tragödie endete. Eine Armada von 120 festlich geschmückten
Schiffen geleitete im August 1496 die 17-jährige nach Flandern, wo
Herzog
Philipp "der Schöne" ihrer harrte, der Sohn des Kaisers
und letzten Ritters MAXIMILIAN I. Aus
der politischen Heirat wurde eine Liebesehe - aber schon die erste gemeinsame
Reise zeigte die tiefe Kluft zwischen den Interessen der spanischen Krone
und des frankreichfreundlichen Philipp.
Gegen den Willen Isabellas begab sich
ihr Schwiegersohn allein nach Flandern, wohin ihm
Juana folgte. Sie überraschte den Gemahl in den Armen einer
anderen. Zerrissen von Liebe und Haß kehrte die Betrogene in die
Heimat zurück, in Begleitung ihres Mannes, der bald einem tödlichen
Fieber erlag. Nun folgte die abenteuerliche Reise Juanas
mit dem bleiernen Sarg des Toten durch Andalusien - eine Flucht vor dem
Zugriff ihres Vaters, die neuerdings weniger als Beweismittel für
Juanas
geistige
Umnachtung, denn als ein wohlüberlegter politischer Schachzug gewertet
wird. Aber ihre Gegner waren zu mächtig; König
Ferdinand
verbannte die Tochter auf die Festung Torsedillas,
wo sie die letzten 42 Jahre ihres Lebens verbrachte und mit Hungerstreiks
und Selbstmordversuchen gegen die widerrechtliche Isolierung protestierte.
In ihre Einsamkeit drang kaum ein Widerschein vom Weltruhm ihres Sohnes,
der als KARL DER FÜNFTE die Römische
Kaiserkrone errang, ein Weltreich schuf, in dem die Sonne nicht unterging,
und schließlich selbst, müde und voller Zweifel, Krone und Reich
wie eine lästige Bürde dahingab - im gleichen Jahr, in dem seine
unglückliche Mutter starb.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
21.8.1496
oo Philipp I. der Schöne König
von Kastilien
22.7.1478-25.9.1506
Brügge
Burgos
Kinder:
KARL V.
24.2.1500-21.9.1558
FERDINAND I.
10.3.1503-25.7.1564
Eleonore
15.11.1498-18.2.1558
Brüssel Talaveruela
7.3.1519
1. oo 3. Manuel I. König von Portugal
1.6.1469-13.12.1521
5.8.1530
2. oo 2. Franz I. König von Frankreich
x
12.9.1494-31.3.1547
Isabella
18.7.1501-19.1.1526
Gent Lierre
12.8.1515
oo Christian II. König von Dänemark
2.7.1481-25.1.1559
Maria
17.9.1505-18.10.1588
Brüssel Cigales
13.1.1522
oo Ludwig II. König von Ungarn
1.7.1506-29.8.1526
Prag
Mohacs
Katharina
14.1.1507-12.2.1578
Torquameda Lissabon
15.2.1525
oo Johann III. König von Portugal
6.6.1502-11.6.1557
Lissabon Lissabon
Literatur:
-----------
Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München
1995 - Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund.
Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 348 - Ferdinandy
Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 110,117,199,230,420-431-
Giardini
Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München
1994 Seite 11-22,25-33-37,44,90,137 - Große Frauen der Weltgeschichte.
Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 245
- Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit.
Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München
1994 Seite 40 - Horst, Eberhard: Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa
Claasen Verlag GmbH Düsseldorf, 1989 - Leicht Hans: Isabella
von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag
Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 43,44,139,181,217,218,221,248-254
- Perez Joseph: Ferdinand und Isabella. Spaniens Katholische Könige.
Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 104,140,249,251,312-319,
323 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin
der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 50-54,59,74,77-80,82,84,89,94-97,100-103,109,114-123,125,
133,150,161,179,199,203,259 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn.
Ein Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln
1998 Seite 9,37,157,173,178,197,216,222,231,233, 248,262,267 -
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Durch den Tod ihres Bruders Johann
(+ 4.10.1497), ihrer älteren Schwester Isabella
(+ 3.8.1498) und deren Sohn Miguel
(+ 20.7. 1500) wurde sie 1500 die alleinige Erbin der Spanischen
Reiche. Ihre übersteigerte, krankhafte Liebe schlug nach Philipps
I. Tod, den sie aus rasender Eifersucht eventuell selbst durch
Gift verursachte, in völlige geistige Umnachtung um. Nach dem Tod
ihrer Mutter 1504 wurde sie nominell Königin von Kastilien und
reiste jahrelang mit dem eingesargten, einbalsamierten Mann durch das Land
und wurde von ihrem Sohn KARL, den
sie in Gent "bei Gelegenheit eines Hoffestes auf dem heimlichen Gemache
geboren hatte", in Schloß Tordesillas eingesperrt.
Perez Joseph: Seite 312-313
***********
"Ferdinand und Isabella. Spaniens Katholische Könige."
Nun liegt das Schicksal der Monarchie in den Händen von Prinzessin Johanna, der Gattin Philipps des Schönen. Es kursieren Gerüchte über die Thronerbin, die als Johanna die Wahnsinnige in die Geschichte eingehen wird. Ihr Leben hat viel Aufmerksamkeit erregt. Historiker oder Spezialisten für kleine Episoden am Rande der Weltgeschichte, Romanautoren und sogar Cineasten haben sich für sie interssiert und die phantastischsten Deutungen vorgenommen. Man stellte Johanna als eine von der religiösen Intoleranz ihres Landes und ihrer Zeit gezeichnete Ketzerin, als eine Hystikerin, die aufgrund ihrer Sinnlichkeit wahnsinnig geworden war, und schließlich als ein Opfer der Staatsräson dar. Der Tochter der Katholischen Könige fehlte es weder an Intelligenz noch an Sensibilität. Sie sprach fließend Französisch und Latein, was die Bewunderung des Humanisten Juan Luis Vives erregte. Sie liebte Musik und spielte selbst mehrere Instrumente, insbesondere das Klavichord, das man noch in Tordesillas sehen kann. Sie war auch für andere Künste begabt, wie zum Beispiel den Tanz. Seite ihrer Heirat mit Philipp dem Schönen (1496) zeigt sich die erste geistige Verwirrung. Johanna ist sehr schön und leidet darunter, daß sie von ihrem Mann vernachlässigt und betrogen wird. Sie ist eidfersüchtig, scheint sich außerdem in den Niederlanden, wo sie seit ihrer Heirat lebt, nicht wohl zu fühlen. Sie glaubt, von Rivalinnen umgeben zu sein, die sie bei ihrem Gemahl ausstechen wollen, und von Spionen, die ihren Briefwechsel und ihre Gespräche mit ihren Landsleuten überwachen. Sie scheut Gesellschaft, Vergnügen, Feste, führt ein einsames Leben, das ihren Hang zur Melancholie noch verstärkt.
Leicht Hans: Seite 251
**********
"Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der
spanischen Weltmacht."
Von ihrer Mutter fast wie ein Aschenputtel in die Ecke
verwiesen, hatte Johanna echte Liebe
nicht erfahren. Überwältigt und betäubt wie in einem Rausch
warf sie sich nun in eine Leidenschaft, die sie kaum mehr Grenzen kennen
ließ. Ihre Auftritte, im Verein mit den Erbanlagen, brachten ihr
das Wort von der "Wahnsinnigen" - "Juana
la Loca" - ein. Warum "die Wahnsinnige?" Es berührte
Johanna
kaum, daß sie in Flandern von den Ministern ihres Gemahls so kurz
gehalten wurde, daß ihr kaum kleine Münzen blieb, um ein paar
Armen helfen zu können. Ihr ganzer Alltag war nur auf den "schönen"
Gemahl, den blonden, blauäugigen Erzherzog ausgerichtet. Im Spätherbst
1497 brachte sie ihr erstes Kind, Eleonore,
die später Franz I. von Frankreich
heiratete, zur Welt. Etwas über ein Jahr danach, am 24. Februar 1500,
wurde KARL geboren, nach dem Namen
des letzten burgundischen Herzogs benannt. Mit Isabella
(1501) und FERDINAND (1503), zu Ehren
der Großeltern, schenkte sie zwei weiteren Kindern das Leben. Schließlich
folgten 1505 noch Maria und vier Monate
nach dem Tode Philipps die Tochter
Katharina.
Dankbare, glückliche Eheleute? Ein Trugschluss,
denn bereits nach der Geburt Eleonores
konnte Johanna die fortwährenden
Liebesabenteuer Philipps kaum mehr
verkraften. Es kam zu skandalösen Auftritten mit ihrem Gemahl, die,
versöhnlichen Szenen zum Trotz, beim nächsten Seitensprung erneut
und verstärkt ausbrachen. Immer deutlicher trat jener Zustand ein,
der als Geisteskrankheit von vielen Autoren breit verarbeitet wurde. Johanna
hatte im Gegensatz zu ihrer Mutter eine gute Ausbildung erfahren. Sie war
hochintelligent, sprachgewandt und musikalisch, Eigenschaften, die jedoch
bald nicht mehr zum Tragen kamen.
Giardini Cesare: Seite 13
*************
"Don Carlos. Infant von Spanien."
Bei Johanna wurde
die Neigung zum Wahnsinn durch eine übererregte Sinnlichkeit, eine
Art Erotomanie kompliziert. In Philipp
schien sie den idealen Gatten gefunden zu haben. Ihr erstes Zusammentreffen
war nicht das zweier fürstlicher Personen gewesen, welches die Staatsraison
einander in die Arme trieb, sondern das zweier leidenschaftlich Verliebter.
Auf den ersten Blick hatte die Begierde derartig ihre Sinne entflammt,
dass sie mit größter Nichtachtung der Etikette und Schicklichkeit,
ohne den für die Hochzeit festgesetzten Tag abzuwarten, sich zu einem
Priester begaben, um so schnell wie möglich das Recht zu erwerben,
sich ohne Bedenken lieben zu können.
Bald kam es zu Zwistigkeiten zwischen den Ehegatten,
wobei Johannas Kummer durch die vielen
Liebesabenteuer ihres Gatten hervorgerufen wurde. Philipp
hatte sich, von ihren Jeremiaden und dem Zwang, mit einer beständig
schwangeren Frau zusammenzuleben, angewidert, allmählich von ihr zurückgezogen,
und dies war Johannas tiefster Kummer,
der alle anderen Sorgen aufsog und unwichtig erscheinen ließ und
der Grund ihres ganzen Unglücks war.
1501 war das Paar nach Spanien gereist, um den Treueschwur
der Cortes von Toledo und Zaragoza entgegenzunehmen. Als Philipp
Ende
1502 Spanien verließ und Johanna
schwanger zurückließ, machten sich erste Anzeichen von Johannas
Geistesstörung bemerkbar. Dass die Trennung von ihrem Gatten und die
von ihrer unheilbaren Eifersucht aufgewühlten Einbildungen dazu beitrugen,
Johannas
Verstand zu verwirren, geht klar aus dem Bericht hervor, den die Hofärzte
im Juni 1503 an Ferdinand sandten.
Erst im Frühjahr 1504 konnte sich die Fürstin nach Flandern einschiffen.
In Brüssel trat sie in Anwesenheit des ganzen Hofes einer Hofdame,
von der sie glaubte ihre Rivalin zu sein, entgegen, beschimpfte, schlug
sie und richtete ihr Haar und Gesicht mit Scherenstößen zu.
Nach dem Tod ihrer Mutter landete das Paar am 26. April 1506 im Hafen von
Coruna, um die Nachfolge anzutreten. Doch bereits am 25. September starb
Philipp völlig unerwartet.
Das Eheleben Philipps und
Johannas
war während seiner 10-jährigen Dauer durch die hitzige Erotik,
besonders von seiten der Frau, gekennzeichnet. Pfandl berichtet in seinem
Buch über Johanna die Wahnsinnige,
dass Philipp, wenn er etwas bei seiner
Gattin erreichen wollte, "ihr mit Entzug des ehelichen Beilagers drohte",
und er fügt hinzu: "Johanna hat
jene Eigenart, die sich sonst nur bei Frauen von minderwertigem Intellekt
zeigt: sie sieht in ihrem Gatten nicht den Mann, sondern bloß das
Männchen; sie kennt an ehelichen Pflichten nur das Bett." In 10 Jahren
hatte das königliche Paar zwei männliche und vier weibliche Nachkommen,
mit denen alle Throne Europas besetzt werden konnten. So befestigte das
Geschlecht HABSBURG dank der Fruchtbarkeit
dieser dem Wahnsinn geweihten Frau mehr und mehr seine Macht in allen Ländern.
Johannas
Fruchtbarkeit machte übrigens einen so günstigen Eindruck auf
die europäischen Höfe, dass
Heinrich
VII. von England sie nach dem Tode Philipps
des Schönen heiraten wollte.
DAS NEUE vom 11.12.1999
Johann, Königin von Kastilien
Die Liebe trieb sie in den Wahnsinn
Sie gilt als „schönste Prinzessin“ Europas, ovales
Gesicht, rotblondes Haar, etwas melancholisch blicken die blaugrünen
Augen: Juana, Königin
von Kastilien. Sie ist 16 Jahre alt, als sie dem Mann vorgestelt
wird, den sie heiraten soll – und es ist auf der Stelle um sie geschehen:
Philipp der Schöne von Burgund.
Die Hofberichterstatter notieren: Augenblicklich entbrennt
die Leidenschaft. Wider jede Etikette greift sich das Paar den nächstbesten
Priester, zwingt ihn die Trauung zu vollziehen – um dann sofort in den
Privatgemächern zu verschwinden.
Der Leidenschaft des ersten Augenblicks folgt schnell
die Ernüchterung: Während Juana ihrem
Gatten in abgöttischer Liebe verfallen ist, kehrt er bald nach den
Flitterwochen zu seinem Junggesellen-Lotterleben zurück.
Juana, die immer
wieder von seinen Seitensprüngen erfährt, rastet jedes Mal aus
(schon in ihrer Jugend war sie für ihre Wutausbrüche berüchtigt).
Sie geht sogar handgreiflich auf ihre Rivalinnen los.
Aber trotz aller amourösen Abenteuer: Philipp
der Schöne kommt auch seinen ehelichen Pflichten nach:
Juana
bekommt 6 Kinder. Als er 1506 in Burgos stirbt, verliert ihr Leben jeden
Sinn, sie wird wahnsinnig. Wochenlang zieht sie mit Philipps
Sarg,
den sie zwischendurch angeblich sogar mehrmals wieder öffnen läßt,
durch Spanien.
Ihr Vater fürchtet, die spanischen Adligen könnten
erzwingen, dass sie als Königin eingesetzt wird und ihn so vom Thron
verdrängt. Er versuchte deshalb, Johanna
durch eine erneute Eheschließung außer Landes zuschaffen. Die
mißlang - Johanna weigerte sich
ganz schlicht. Ihr Vater läßt sie schließlich in der Festung
von Tordesillas festsetzen. Dort sitzt sie bis zu ihrem Tod, 46 Jahr lang,
in Gefangenschaft. „Gekreuzigter Jesus, hilf mir“, sind ihre letzten Worte.
Unter den Namen „Johanna die
Wahnsinnige“ geht sie in die Geschichte ein.