Einziger Sohn des Königs
Heinrich III. der Kränkliche von Kastilien und der Katharina
von Lancaster, Tochter von Herzog Johann
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 500
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Johann II., König von Kastilien 1407-1454
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* 6. März 1405, + 21. Juli 1454
Toro
Valladolid
Sohn Heinrichs III. von Kastilien und Katharinas von Lancaster
1. oo 1420 Maria von Aragon
2. oo 1447 Isabella von Portugal
Während seiner Minderjährigkeit wurde die Regentschaft
in offener Rivalität von seiner Mutter und vom übermächtigen
Onkel Ferdinand von Antequera, 1412-1416
König von Aragon, geführt. Der Toledaner Erzbischof Sancho de
Rojas setzte nach dem Tod Ferdinands
(1416) und Katharinas (1418) durch,
die sich anbahnende Regentschaftskrise durch das Zugeständnis der
Volljährigkeit für Johann II. zu
beenden (März 1419). Die Regierung Johanns
II. war mit zwei schweren Hypotheken belastet, dem Aufstieg
und Machtmißbrauch seines Günstlings Alvaro de Luna und der
unkontrollierbaren Maschtstellung des Infanten von Aragon, der in Kastilien
verbleibenden drei Söhne Ferdinands
(Johann, der spätere König
Johann II. von Navarra und Argon, Heinrich
und Pedro). Die ersten Jahrzehnte der
Regierung Johanns II. waren durchsetzt
von Staatsstreichen (zum Beispiel in Tordesillas am 24. Juli 1420) und
Aufstandsversuchen der Infanten, deren mächtigster Gegner Luna je
nach Erfolg oder Mißerfolg seiner Politik, die Infanten zu entmachten,
zwar zum allmächtigen Condestable aufstieg, aber - wie merhrfach geschehen
- in die Verbannung gehen mußte. Nachdem ein Krieg von Aragon und
Navarra, wo jetzt der Infant Johann
König war, gegen Kastilien Johann II. und
Luna nicht hatte stürzen können, aber die Position der Infanten
gestärkt hatte (Vertrag von Majano), setzte sich Luna nach großen
Erfolgen gegen Granada (Schlacht von Higueruela) auf den Cortes von Vallodolid
(1433) durch und konnte durch die Heirat des kastilischen
Thronfolgers Heinrich IV. mit der Infantin
Blanca zwischen Kastilien und Navarra Frieden stiften sowie
die Infanten Heinrich und Pedro
vertreiben.
Neue Adelsaufstände gegen das Regiment Lunas, zwangen Johann
II. zum Nachgeben und leiteten den Aufstieg Juan Pachecos, des
Günstling des Thronerben, ein. Die Entscheidungsschlacht von Olmedo
(19. Mai 1445) brachte Johann II. und
Luna den Sieg, beendete die Machtstellung der Infanten, konnte aber die
inneren Kämpfe der einzelnen Adelsfaktionen nicht beenden. Die neue
Königin (1447) tolerierte die Machtstellung Lunas nicht mehr, und
schließlich führte eine Verschwörung zu dessen Sturz; am
2. Juni 1453 wurde er hingerichtet. Johann II.
überlebte Luna kaum mehr als ein Jahr und hinterließ ein Reich,
das durch seine Finanzpolitik am Rande des Ruins war und dessen innere
Zerissenheit größer war als je zuvor.
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Johann II. folgte
1406 unter der Vormundschaft seines Onkels Ferdinand,
den 1419 sein Günstling und Majordomus Alvaro de Luna, Neffe Benedikts
XIII., ablöste. Dieser drängte den Adel entscheidend zurück
und kann als Wegbereiter der spanischen absoluten Monarchie angesehen werden.
Es war eine Zeit verheerender Bürgerkriege gegen den Hochadel, der
von Johanns Verwandten unterstützt
wurde. Johann wurde 1444/45 von Johann
II. von Aragon gefangengenommen und mußte letztlich 1453
Alvaro de Luna entlassen und hinrichten. Er schloß mit seinen Nachbarn
Frieden, anerkannte 1411/31 das Haus AVIZ und
behauptete die Kanaren. Johann II.
war schlaff, unselbständig, wenig gewinnend, ein typischer Schattenkönig.
1420
1. oo Marie von Aragon, Tochter des Königs
Ferdinand I.
1396- 1445 Cousine
22.7.1447
2. oo Isabella von Portugal, Tochter des Infanten
Johann von St. Jago
1431-15.8.1496
Kinder:
1. Ehe
Heinrich IV. der Impotente
5.1.1425-14.12.1474
2. Ehe
Isabella I. die Katholische
22.4.1451-26.11.1504
Alfons Gegenkönig von Kastilien 1465
15.11.1453-5.7.1468
Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 89 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien.
Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 12,22,136,207 - Leicht
Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht.
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 34,44,48,131,164 - Perez
Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen
Diederichs Verlag München 1995 Seite 22,24,54,58,65,67,69,73, 80,87,107,117,172,252,256,268,326
- Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der
Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 56 - Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 190,193
A. 21, 196,203-209,220,223,230,239 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Wie sehr eine stabile Absicherung des Reichsaufbaus gegenüber
den zentrifugalen Kräften im Inneren not tat, solte sich erweisen,
als nach dem vorzeitigen Tod Heinrichs III. nochmals
eine längere Regentschaft unumgänglich wurde und gleichzeitig
ein Krieg mit Granada drohte. Diesmal teilten sich die Regentschaft Katharina
von Lancaster, die Mutter des Thronfolgers
Johann (II.), und Ferdinand von Antequera,
der jüngere Bruder Heinrichs III.,
der seinen Ehrennamen (el de Antequera) allerdings erst 1410 nach
der Eroberung der gleichnamigen granadinischen Festung erhielt.
Ferdinand, der zwischen
1390 und 1401 - dem Geburtsjahr des Infanten Johann
-
als präsumptiver Erbe des kastilischen Thrones gegolten hatte
und einst von Erzbischof Pedro Tenorio gefördert worden war, um ein
Gegengewicht gegen die Machenschaften der TRASTAMARA-Epigonen
zu schaffen, war als Herzog von Penafiel aufgrund seiner Eigengüter
und seiner Heirat (1393) mit Leonor von Albuquerque la Ricahembra,
der reichsten Erbin Kastiliens, der mit Abstand mächtigste Mann im
Königreich. Seine Besitzungen bildeten eine Territorialbrücke
von Navarra bis Portugal. Seine Einkünfte erreichten die zu dieser
Zeit enorme Höhe von ungefähr 400.000 Maravedis. Angesichts dieser
Voraussetzungen kann das Angebot der Königskrone, das ihm eine Adelsgruppe
sogleich machte, nicht verwundern, doch war er zu klug, ein solches Abenteuer
vorschnell zu wagen. Eingedenk des Übergewichts der MENDOZA, VELASCO
und STUNIGA im Consejo Real begnügte er sich vielmehr damit, eine
Aufteilung der Krone in Einflußgebiete durchzusetzen, durch die Katharina
von Lancaster Altkastilien und Leon zugestanden wurden, die
ihm selbst aber durch die Übertragung der Frontzonen Neukastilien,
Andalucia, Murcia und der Extremadura die Möglichkeit einräumte,
durch kriegerische Unternehmungen nicht nur einen beträchtlichen Machtzuwachs
zu erwerben, sondern auch eine weitere Steigerung seiner Autorität
zu erreichen.
Die wohldurchdachte Rechnung, in der einzig das Kriegsglück
gegenüber Granada und die Reaktionen des kastilischen Adels Unbekannte
waren, ging letztlich auf. Seit September 1408 hatte Ferdinand
die
Königin-Witwe und ihre Anhänger in den Hintergrund gedrängt,
so dass er seine eigene Stellung durch eine vorsichtige, jegliche radikale
Lösung und zentralistische Tendenzen vermeidende Reichsverwaltung
festigen konnte. Adelsgruppen, aber auch Juden, Mudejares und Conversos
zog er so auf seine Seite hinüber. Er zementierte darüber hinaus
seinen Herrschaftsvorsprung, indem er seinen minderjährigen Sohn Sancho
und Heinrich nominell den Maestrazgo
der Ritterorden von Alcantara (1408) und Santiago (1409) übertragen,
aber die reichen Einkünfte seiner eigenen Schatulle zufließen
ließ. Bis 1410, als ihm mit der Eroberung der Burg Antequera
ein
überragender Reconquista-Erfolg gelang, hatte sich Ferdinand
als
starker Mann des TRASTAMARA-Hauses
profiliert und allen Zeitgenossen vor Augen geführt, wie sehr er durch
seine Herkunft, seine Regierungskunst, seine überlegte Einstellung
gegenüber den unterschiedlichen gesellchaftlichen Gruppen und seine
Fortführung des Heidenkampfes königfähig war.
In dieses Bild paßt seine Nähe zu den Adelsschichten,
die ihren einstigen Aufstieg jenen Initiativen Alfons'
XI. verdankten, durch die die Caballero-Schicht begünstigt
worden war. Demententsprechend ist es weder als Zufall zu werten, dass
einer seiner engsten Berater mit Alfonso Enriquez ein Vertreter der Caballeros
war, noch dass er vor seiner Regentschaft 1403 den Ritterorden de la Jarra
y el Grifo gegründet hatte. Seine Ambitionen auf einen Königsthron
waren unverkennbar, doch sollten sie sich nicht in Kastilien, sondern infolge
eines dynastischen Zufalls in Aragon erfüllen.
Als Johann II. von Kastilien
1419 im Alter von 14 Jahren die Volljährigkeit erlangte und nach dem
Tod der Königin Katharina (1418)
die Regierung in die eigenen Hände nahm, sah er sich mit politischen
Verhältnissen konfrontiert, die unwillkürlich die Erinnerung
an die Zeiten der Herrschaftsübernahme durch Peter
I. wachrufen. Ähnlich wie 1350 existierte mit den 'Infanten
von Aragon', den vier Söhnen Ferdinands I.
- Alfons V. als König von Aragon,
Johann,
Heinrich
und Pedro -, innerhalb des Königshauses
eine Gruppe, deren starke Machtposition ihr das Streben nach dem Königtum
und die Bildung eines eigenen Anhanges ermöglichte. Die Infanten nahmen
aufgrund ihrer dynastischen Zugehörigkeit zum Königshaus die
beherrschende Stellung gegenüber einem Adel ein, in dessen Mitte wiederum
15 Familien, die den Großteil des Reiches kontrollierten, den Ton
angeben. Als Zentren für die Machtausübung durch die Infanten
haben die umfangreichen Ländereien des Santiagoordens, die Heinrich
als Ordensmeister in der Hand hatte, und die ehemaligen Besitzungen Ferdinands
von Antequera mit Medina del Campo als Mittelpunkt zu gelten.
Diese waren auf Johann als Herzog von
Penafiel übergegangen, dem damit die Mesta und der Wollhandel die
Möglichkeit boten, Einfluß auszuüben und gleichzeitig die
Finanzmittel für kostspielige Unternehmungen lockerzumachen. Da
Johann zudem durch die Heirat mit Blanca,
der Erb-Tochter des Königreichs Navarra (10. Juli 1420), einen berträchtlichen
Machtzuwachs verzeichnen konnte, obwohl er die Regierung in Händen
seiner Gattin lassen und der direkten Nachfolge des erstgeborenen Sohnes
zustimmen mußte, schien das politische Übergewicht der Infanten
und der ihnen zuneigenden aragonesischen Partei schier derart erdrückend,
dass Ladero Queseda davon sprechen kann, sie symbolisierten ebenso wie
einst ihr Vater die "concepion de un Estado conquistado por el estamento
arstocratico". Zudem gelang es Heinrich
zwischen Juli und November 1420 durch den Staatsstreich von Tordesillas
die Ehe mit Katharina von Kastilien,
der Schwester Johanns II., zu erzwingen,
um im Einverständnis mit den Städten und dem Adel zweiten Ranges
die Regierungsgewalt an sich zu reißen. Diese Absicht schlug letzten
Endes nicht nur deshalb fehl, weil mittlerweile lediglich noch 17 Städte
Sitz und Stimme in den Cortes hatten, sondern auch weil mit Alvaro de Luna
ein Gegenspieler die politische Bühne betreten hatte, dessen Zielstrebigkeit
über die oft konfusen und schlecht koordinierten Pläne der Infanten
die Oberhand behalten sollte.
Alvaro de Luna, 1420 zum Grafen von San Esteban de Gormaz
erhoben, entstammte als Bastard einem Nebenzweig des besagten aragonesischen
Geschlechts, das eng mit der ALBORNEZ-Familie verwandt war, und sollte,
obwohl selbst illegitimer Herkunft, diese Beziehungen zu seinem Vorteil
nutzen können. Ein wichtiger Schritt nach vorn war darüber hinaus
sein Einheirat in die PORTOCARRERO-, später in die PIMENTEL-Familie
(1430) - Rodrigo Alfonso Pimentel, der Vater der Braut, gehörte als
Graf von Benavente zu den mächtigsten Magnaten des Reiches.
Der unaufhaltsame Aufstieg Alvaros de Luna, der durch
seinen Onkel, den Toledaner Erzbischof Pedro de Luna, gefördert und
durch seinen Verwandten Gomez Carrillo in die königliche Kammer eingeschleust
worden war, als Günstling und enger Berater, schließlich in
den Augen seiner Gegner der böse Geist Johanns
II. vollzog sich parallel zum Niedergang der 'Infanten von Aragon'.
Eine solche Karriere konnte nur gelingen, da es Luna verstand, jene Adelskreise,
die seit Alfons XI. als staatstragende
Schicht unterhalb des hohen Adels und der direkten Verwandten des Königshauses
anzusprechen sind, an sich zu ziehen und letztlich gegen die Infanten und
ihren Anhang zu mobilisieren. Er erkannte die Bewegung, die innerhalb des
breiten Adels infolge der Machtsteigerung durch die Vergabe von Mercedes
und Mayorazgoa eingesetzt hatte, setzte auf die Letrados und die Corregidores,
deren Einfluß er erneut stärkte, band die königlichen Amtsträger
wieder enger an die Monarchie. Immer deutlicher trat Alvaro de Luna
in die Fußstapfen Ferdinands von Antequera, nachdem es ihm gelungen
war, den Infanten Heinrich zu entmachten. Das Instrument seiner Machtausübung
wurde neben dem Amt des Condestable, das erst seit dem 10. September 1423
innehatte und das ihm die Kontrolle über das Heerwesen erlaubte,
der Consejo Real, dessen Zusammensetzung die Machtströmungen innerhalb
des Reiches spiegelte. Selbst ein zeitweiliges Exil, auf Druck der Infanten
ausgesprochen, konnte ihn nicht mehr bremsen. Als die Infanten als Häupter
der aragonesichen Partei 1429 von Navarra und Aragon aus militärischen
Aktionen starteten, um ihre verlorenen Machtpositionen in Kastilien wiederherzustellen,
endete dies mit ihrer Niederlage und Vertreibung aus dem Königreich,
die durch den Vertrag von Majano (16. Juli 1430) besiegelt wurde - ein
völliger Sieg Alvaros, der durch die Einziehung ihrer Ländereien
un den Verlust ihrer Einkünfte abgerundet wurde. Die Cortes erlebten
darüberhinaus nach einer Periode des ständigen Niedergangs seit
1416 mit dem Jahr 1429 einen vorläufigen Tiefpunkt. Im Unterschied
zu Julio Valdeon Baruque, der übertreibend von der "muerte pratica
de la institucion" spricht, trifft Ladero Quesada allerdings die Situation
genauer, wenn er statt dessen die "apoteosis monarquica" des Jahres 1429
betont.
Dass durch diese Vorgänge auch die Stellung des
Königtums gefestigt wurde, war durchaus im Sinne Lunas, der jedoch
mit festem Zugriff die Verwaltung des Santiagoordens für sich reservierte
und sich so ein zentrlaes Stück der einstigen Machtbasis Heinrichs
und, blicken wir weiter zurück, Ferdinands von Antequera aneignete.
In dieses Bild paßt zudem die enge politische Verbindung mit der
Burgenser CONVERSO-Familie Santa Maria, die die führenden Geschlechter
der Sarracin und Bonifaz abgelöst hatte und deren wichtigster Vertreter
zu dieser Zeit Alvar Garcia, Regidor von Burgos und bedeutender Chronist,
war. Brachte die SANTA MARIA-Familie, die über ihre parallele Linie
der CARTAGENA auch die Bischofswürde besetzt und verwandtschaftliche
Beziehungen zu den ALVAREZ DE TOLEDO und den MENDOZA geknüpft hatte,
Luna die Kontrolle über das wirtschafts- und finanzstarke Burgos,
so sollte ein Erbvertrag mit Maria de Albornez zumindest große Teile
des Patrimoniums dieser Familie sicherstellen. Ohne alle, oft vereinfachend
aus Habsucht erklärten Transaktionen Alvaros de Luna hier durchleuchten
zu können, wird doch die politische Linie mit ihren Parallelen bis
hin zu den Regierungshandlungen Alfons' XI.
- deutlich sichtbar. Und wenn der Condestable von Kastilien schließlich
die Beziehungen zur MENDOZA-Familie, die mit den ALBORNEZ verwandt, aber
in der Herrschaftskrise von 1428/31 den Infanten von Aragon gefolgt war,
durch die Gewährung von Gnaden und Titel an Inigo de Mendoza, den
berühmten Marques de Santillana, besonders eng gestalten will (1445),
dann nähert er sich zielstrebig einer humanistisch gebildeten Schicht
innerhalb des kastilischen Adels, Träger jener caballero-Renaissance,
die Helen Nader als aristoktratische Variante der Rezeption des neuen Bildungsideals
auf der Iberischen Halbinsel ausgemacht hat. Die MENDOZA hatten ihrerseits
als Zweig der AYALA einst zu den eifrigsten Anhängern Ferdinands von
Antequera gehört, bildeten gemeinsam mit den GUZMAN, ALVAREZ DE TOLEDO
und VELASCO einen politischen Block und unterstützten das Königtum
seit den 20-er Jahren, sieht man von zeitweiligen Ausnahmesituationen ab,
gegen die Ambitionen der Infanten, hatten deshalb sporadisch Alvaro de
Luna zur Seite gestanden, um die Monarchie zu stärken, waren andererseits
manchmal Opfer der Intrigen des Condestable geworden.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich zu dieser
Zeit das gesellschaftliche Erscheinungsbild des Adels grundlegend änderte
und dass die Politik Lunas sich dies zunutze machte, ja sogar der Condestable
selbst diese Entwicklung vorantrieb. Die Geschlechter an der Spitze der
nobleza de Segunda fila erlebten infolge der wiederholten Regierungskrisen
einen rasanten sozialen Aufstieg, durch den sie letztlich unter Verdrängung
des alten Hochadels unmittelbar unterhalb der Verwandten des Königshauses
angesiedelt wurden.
Hatte Luna in den Jahren 1431 bis 1437 seine Herrschaft
im Namen Johanns II. und in Anlehnung
an die Grandes im wesentlichen stabilisieren und zudem seinen Bruder zum
Erzbischof von Sevilla, dann gar von Toledo bestellen können, so leiteten
die Ereignisse von 1437 eine Periode innerer Zerwürfnisse ein,
die sich zum Bürgerkrieg auswuchsen. Äußerer Anlaß
sollte die Aussöhnung zwischen Johann von Navarra und dem kastilischen
König sein, die durch die Cortes - sie verlangten eine Stabilisierung
der inneren Ordnung und vor allem die Sanierung der Finanzen - erzwungen
worden war und durch die Eheschließung des Infanten
Heinrich (IV.), des Erben der Krone, mit der navarresischen
Königs-Tochter Blanca besiegelt werden sollte. Dieses Ereignis,
durch das Johann von Navarra seine
Machtstützpunkte Medina del Campo, Olmedo, Roa, Coca und Aranda de
Duero zurückerhielt, wurde von den Parteigängern der Infanten
und Gegnern Lunas - dem Adelantado Pedro Manrique, dem Admiral Fadrique
Enriquez und Pedro de Stuniga, dem Grafen von Ledesma - zur Klageführung
benutzt. Während Manrique zuerst verhaftet und später befreit
wurde, konnte sich der Admiral durch sofortige Flucht jeder Gegenmaßnahme
de Lunas entziehen. Der Hochadel, der sich nochmals als allein führende
politische Kraft des Reiches verstand, formierte sich und ermöglichte
den Wiederaufstieg der 'Infanten von Aragon'. Ein zweites Mal mußte
de Luna ins Exil gehen, nicht ohne im Consejo Real eine ergebene Partei
mit dem Dominikaner Lope Barrientos als Kopf zu hinterlassen, kehrte zurück,
wurde erneut vertrieben und mußte Johann
von Navarra für mehr als zwei Jahre die Regentschaft in
Kastilien überlassen, bevor er 1443 durch eine Allianz mit dem
Infanten Heinrich (IV.) wieder Fuß fassen konnte, nicht
zuletzt durch die Vermittlung des nun auf seiten des Thronerben agierenden
Barrientos, der mittlerweile vom Bischofsstuhl von Segovia auf den von
Avila transferriert worden war. Ein Jahr später konnte der Infant
für seine Partei einen zusätzlichen Machtgewinn verbuchen, als
er mit dem Principado de Asturias ausgestattet wurde (3. März
1444), der seit 1388 als reiche Apanage dem erstgeborenen Sohn des kastilischen
Königs reserviert war.
Die Entscheidungsschlacht von Olmedo brachte am 19. Mai
1445 die endgültige Niederlage der 'Infanten von Aragon' und bedeutete
ihr Ende als politische Kraft in Kastilien. Da Heinrich
von Kastilien starb, konnte Luna nun ofiziell das Amt eines
Meisters des Santiagoordens übernehmen, wurde darüber hinaus
mit der Grafschaft Albuquerque belohnt, mußte aber gleichzeitig den
Aufstieg eines mächtigen Rivalen hinnehmen: Juan Pacheco, Günstling
des Infanten Heinrich (IV.), wurde
mit dem wichtigen Marquesado von Villena - dem früheren Machtzentrum
des Adelsführers Juan Manuel -
ausgestattet, während sein Bruder Pedro Giron den Maesrazgo des Ordens
von Calatrava erhielt und sich viele Güter der Infanten (darunter
Penafiel) aneignete. Überhaupt erreichte der Prozeß der aristocratizacion
Kastiliens mit den Nachwirkungen von Olmedo einen Höhepunkt. Es wurde
weiterhin geschaffen oder neu vergeben: die Marquesados von Medina Sidonia,
Santillana, Frias, die Grafschaft Trastamara, die Senorios von Feria und
Luna (in Asturien). Obwohl der regierungserfahrene Condestable im politischen
Geschäft fortan alle Register zog - bereits früher hatte er mit
großem Gespür unter Nutzung mannigfacher Gegensätze Rückhalt
gegen Aragon beim Papsttum und Portugal gesucht, nun unterstützte
er die Rebellion des Principe von Viana gegen seinen Vater Johann
von Navarra -, zog er auf längere Sicht den kürzeren.
Von Pacheco und dem Infanten Heinrich (IV.) gegenüber
dem oppositionellen Adel ausmanövriert, von der Feindschaft der Königin
Isabella von Portugal verfolgt, deren Ehe mit Johann
II. er nach dem Tod der Königin
Maria er selbst vermittelt hatte (22. Juli 1447), schließlich
auch den ihm wohlgesonnenen Adelsschichten entfremdet, geriet er immer
mehr in die Isolation, bis seine Stellung allein noch von der Gunst des
Königs abhing. Sein Versuch, seinen Neffen Rodrigo de Luna auf den
Erzstuhl von Santiago de Compostela zu bringen (1449), führte dort
zu einer Frontstellung mit dem lokalen Adel. Lunas Sturz vollzog sich rasch,
als er mit der Ermordung des Alonso Perez de Vivero, des Contador Mayor
del Reino, die Schmerzgrenze überschritt und sich unter Beteiligung
des Principe de Asturias (Heinrich IV.),
des Königs von Navarra, des Admirals von Kastilien (Fadrique Enriquez),
der Herzöge von Villena (Juan Pacheco) und Santillana (Inigo Lopez
de Mendoza), der Grafen von Castro, Haro und Palencia sowie des Rodrigo
Manrique, dem Alfons V. von Aragon
die Rechte auf den Maestrazgo des Santiagoordens übertragen hatte,
und des Meisters des Calatravaordens (Pedro Giron) eine übermächtige
Koalition zusammenfand. Von Johann II.
in Haft genommen, wurde Alvaro de Luna am 3. Juni 1453 als "cruel tirano
e usurpador de la Corona Real", der die Einkünfte der Krone geraubt
und anstelle von treuem Dienst deservicio ausgeübt habe, ohne offiziellen
Prozeß hingerichtet. Die Vorwürfe der "tyrania e anbicion" und
des "deservixio del rey" sowie der "destruycion de sus reynos" waren indes
schon 1446 vom Infanten Heinrich als
Principe von Asturien gegen Luna vorgebracht worden und gingen auf die
Argumentation der Aragon-Partei zurück!
Stabilität wurde durch die Beseitigung des Condestable
nicht gewonnen, eher trat das Gegenteil ein, denn der König, schon
früher oftmals als Gefangener wechselnder Adelsgruppen starkem Druck
nicht gewachsen, blieb weiterhin abhängig von seinen Ratgebern. Johann
II., dessen prachtvolle, dem literarischen Mäzenatentum
verschriebene Hofhaltung von Menendez Pelayo als "portico de nuestro Renacimiento"
bezeichnet wurde, starb ein Jahr nach seinem Condestable, am 21. Juli
1454. Er hinterließ ein Reich, dessen innere Zerrissenheit infolge
seiner Führungsschwäche und ungeachtet des gerade von ihm betonten
poderio real absoluto größer war denn je zuvor.