Einzige Tochter des Königs
Johann II. von Kastilien aus seiner 2. Ehe mit der Isabella
von Portugal, Tochter von Infant Johann
von St. Jago
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 669
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Isabella I. die Katholische, Königin von Kastilien
und Aragon 1474-1504
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* 22. April 1451, + 26. November 1504
Madrigal de las
Altas Torres
Tochter König Johanns II. von Kastilien und seiner 2. Gemahlin Isabella von Portugal
Durch ihre Heirat mit Ferdinand,
dem Thronerben von Aragon, Begründerin der modernen Spanien. Von ihrem
Halbbruder König Heinrich IV.
zunächst für politische Heiratsprojekte vorgesehen wurde Isabella
I. nach dem frühen Tod ihres Bruders Alfonso
von der Adelsopposition gegen den König als Thronerbin gegen
dessen Tochter Johanna ‚la Beltraneja‘
als Kandidatin für die Thronfolge erkoren und im Pakt von Toros de
Guisando als legitime Thronfolgerin anerkannt (18. September 1468), mußte
König
Heinrich aber versprechen, sich nicht ohne sein Einverständnis
zu verheiraten. Angesichts verschiedener Heiratspläne des Königs
(Alfons V. von Portugal oder Herzog
von Guyenne) entschloß sich Isabella
zur Verbindung mit dem aragonesischen Thronerben
Ferdinand. Unter Mithilfe von Fadrique Enriquez und des Erzbischofs
von Toledo, Carrillo, heirateten die beiden heimlich am 19. Oktober 1469
in Valladolid. König Heinrich
suchte danach vergeblich, Johanna 'la Beltraneja'
wieder
die Erbfolge zu sichern. Nach Heinrichs
Tod wurde Isabella I. am 12. Dezember
1474 in Segovia zur Königin ausgerufen. Nun beanspruchte
Ferdinand, der legitime König Kastiliens zu sein. In der
Concordia von Segovia einigte man sich, daß zu Lebzeiten Isabellas
beide Ehepartner gemeinsam herrschen und alle Dokumente in beider Namen
ausgestellt werden sollten. Im folgenden Erbfolgekrieg organiserte Isabella
I. den Nachschub für die von ihrem Gemahl befehligten Truppen.
Nach dem Sieg Ferdinands in der Schlacht
bei Toro beteiligte sich Isabella I. die Katholische
an der inneren Befriedung des Reiches (Cortes von Madrigal 1476, Reisen
nach Extremadura und Andalusien), bevor 1479 im Frieden von Alcacovas Portugal
die Herrschaft Isabellas und Ferdinands
in
Kastilien anerkannte. Im gleichen Jahr starb König
Johann II. von Aragon, und das Paar vereinigte nunmehr Kastilien
und Aragon in Matrimonialunion. Institutionen und Verwaltung beider Königreiche
blieben jedoch getrennt, und die Könige lehnten einen Vorschlag ab,
sich in ihrer Herrrschertitular 'Könige von Spanien' zu nennen,
obwohl sich zunächst von außen, zunehmend auch im Innern, die
Bezeichnung 'Spanien' für den neuen Reichsverband durchsetzen sollte.
Die Befriedung Kastiliens mit Hilfe der Santa Hermandad, die Intensivierung
der überseeischen Expansion durch die Eroberung der großen Kanaren,
die Wiedererrichtung der Inquisition unter königlicher Kontrolle und
entschlossenes Vorgehen gegen 'oberflächlich' bekehrte Juden, die
Anfänge einer Kirchenreformpolitik und die Reform der Verwaltung und
Rechtspflege anläßlich der Cortes von Toledo bildeten die Schwerpunkte
der Innenpolitik von 1478-1482. 1481 entzündete sich durch einen maurischen
Überfall auf die Feste Zahara erneut der Krieg gegen Granada, aus
dem sich 1482-1492 der vor allem von Isabella
I. der Katholischen betriebene, planmäßige Rückeroberungskrieg
gegen das letzte muslimische Reich der Halbinsel entwickelte. Auf Betreiben
Isabellas
erfolgte auch die Eingliederung der Ritterorden von Santiago, Calatrava
und Alcantara in die Krone. 1491/92 brachte mit dem Fall Granadas, der
Vertreibung der Juden und der erfolgreichen, von Isabella
I. begünstigten Fahrt des Kolumbus das erfolgreichste Jahr
für die nachdrücklich von Isabella I.
geprägte
Innenpolitik. Weiterhin erschien in diesem Jahr die erste Grammatik einer
europäischen Volkssprache. Die späteren Jahre brachten in der
von Ferdinand betriebenen Außen-
und Heiratspolitik zahlreiche Rückschläge, die die Gesundheit
Isabellas unterminierten. Nach dem Tod ihres Sohnes, des
Thronfolgers Johann, starb 1500 ihr Enkel
Michael, der Sohn ihrer ältesten Tochter
Isabella und Thronfolger Portugals, Kastiliens und Aragons.
Die Erbfolge ging an ihre Tochter Johanna I. 'La
Loca' über, die Anzeichen von Wahnsinn erkennen ließ.
In ihrem Testament setzte Isabella I. die Katholische
daher
Ferdinand
als Regenten über Kastilien ein in der Hoffnung, Tochter und Schwiegersohn
von der Erbfolge fernzuhalten bis zur Volljährigkeit ihres Enkels
KARL.
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Isabella I. die Katholische
lebte ab 1455 bei ihrer Mutter in Arevalo und kam 1464 an den Hof in Segovia.
Sie war, obwohl nur mangelhaft gebildet, eine beeindruckende, bedeutende
Regentin und Frau, von klarem Geist, ausgeprägtem sittlichen Gefühl,
festem Willen und auch musisch begabt und interessiert. Sie bestieg 1474
den durch den Tod ihres Stiefbruders Heinrichs
IV. erledigten Thron Kastiliens, da Johanna,
Tochter der Königin Johanna von
Beltran de la Cueva, von der Thronfolge ausgeschlossen worden war. Die
portugisische Einmischung wurde in der Schlacht bei Toro 1476 zurückgewiesen.
Durch ihre Ehe mit Ferdinand II. von Aragon erfolgte
die dynastische Vereinigung Spaniens, wenn auch vorerst beide Königreiche
rechtlich selbständig blieben. Im Bunde mit den Städten, dem
Kleinadel und der Kirche brach das Herrscherpaar den Widerstand des separatistischen
Hochadels und festigte die Macht des Königtums. 1481 wurde die Inquisition
eingeführt (Großinquisitor Thomas de Torquemeda). 1482 wurden
die wichtigsten Ritterorden der Krone unterstellt, womit das Königtum
ein schlagkräftiges Heer gewann. Mit der Eroberung von Granada (1492)
wurde die Reconquista zum Abschluß gebracht. Unter dem Einfluß
des religiösen Fanatismus der Kirche begann die Verfolgung und Massenaustreibung
von Juden und Mauren, die sich wirtschaftlich sehr negativ auswirkte. Während
ihrer Regierung begann die Begründung des amerikanischen Kolonialreiches
und die Festigung des Absolutismus. Sie starb an der Wassersucht.
Frauen der Weltgeschichte: Seite 240
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Isabella von Kastilien
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22.IV. 1451-26.XI.1504
Unheimlich modern steht die Gestalt dieser Königin
an der Schwelle der Neuzeit vor uns: Die 18-jährige Erb-Tochter Johanns
II. - vom König von Portugal ebenso umworben wie vom Herzog
von Aquitanien - flieht vor ihrem Halbbruder Heinrich
nach Madrigal de las Altas Torres, ihrem Geburtsort, und bietet in einem
Schreiben dem Erb-Prinzen Ferdinand von Aragonien
Herz und Hand. Ferdinand
benutzt die
willkommene Gelegenheit, die beiden christlichen Landesteile Spaniens zu
vereinen, und sendet den unterzeichneten Heiratsvertrag zusammen
mit einem Rubinhalsband zurück an die zukünftige Gattin. Ihr
Bruder Heinrich "der Ohnmächtige"
läßt die Grenzen sperren, um Ferdinand
das
Betreten kastilischen Bodens zu verwehren; aber die Wachen übersehen
den zerlumpten Maultiertreiber, der seinen schmutzigen Karren an den Grenzsteinen
vorüberzerrt und sich erst im Palast von Valladolid wieder in den
von Isabella sehnsüchtig erwarteten
Prinzen verwandelt. Am Traualtar steht eine geeinte Nation, das Spanien
der Neuzeit. Fünf Jahre später wird Isabella
allein
- der Gemahl ist im Felde - in Segovia gekrönt.
Isabella
erweist sich in Taten und Leiden als wahrhafte Königin: Wie Jeanne
d'Arc bekämpft sie gewappnet und hoch zu Roß die eindringenden
portugiesischen Truppen; in kluger Zurückhaltung aber krönt sie
nach der Entscheidungsschlacht ihren Mann mit dem Lorbeer des siegreichen
Feldherrn. Als 1481 die Mauren von Granada aus das Reich bedrohen, verpfändet
sie Krone und Schmuck, um Waffen, Munition und Nahrung für ihre
Truppen zu beschaffen. Nach dem Siege findet die Königin endlich Zeit
für die Pläne des Kolumbus, der nach seiner Rückkehr dem
Herrscherpaar eine Neue Welt zu Füßen legt. Als er nach seiner
letzten Fahrt am Sarkophag seiner toten Königin niederkniet, trauert
mit ihm ein Weltreich um
Isabella die Katholische.
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Verwandtschaft zu Ferdinand II. von Aragon
Johann I. König von Kastilien
20.8.1358-9.10.1390
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Heinrich III. König von Kastilien
Ferdinand I. König von Aragon
4.10.1379-25.12.1406
27.6.1380-2.4.1416
---
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Johann II. König von Kastilien
Johann II. König von Aragon
6.3.1405-21.7.1454
28.6.1397-19.1.1479
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Isabella I. die Katholische ---
oo
---------------------- Ferdinand
II. König von Aragon
21.4.1452-26.11.1504
10.3.1452-23.1.15156
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Perez Joseph: Seite 67
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Aussehen
Die Fähigkeit des jungen Mädchen, sich nicht
in die Karten sehen zu lassen, ist erstaunlich. Nichts an ihr erregte Aufmerksamkeit.
Ohne ausgesprochen häßlich zu sein, scheint sie ihre Zeitgenossen
nicht durch ihre Schönheit geblendet zu haben. Man weiß nur,
daß sie mittelgroß war und etwas mollig. Sie hatte hellblondes
Haar, einen hellen Teint, blaue Augen und eine Stupsnase. Doch wichtiger
als ihr Aussehen war die Tatsache, daß sie die nötigen Voraussetzungen
für eine Königin besaß. Sie hatte eine hohe Auffassung
von ihrem Amt, dessen Größe und Würde. Zudem besaß
sie ein ungewöhnliches politisches Gespür und einen eisernen
Willen, was ihre Anhänger und Gegner zu spüren bekamen, als sie
1468 beschloß, Ferdinand von Aragon
zu heiraten.
19.10.1469
oo Ferdinand II. König von Aragon
10.3.1452-23.1.1516
Kinder:
Isabella
2.10.1470-23.8.1498
Toledo
Sie starb im Kindbett.
24.11.1490
1. oo Alfons Erb-Infant von Portugal
18.5.1475-13.7.1491
1497
2. oo 1. Manuel I. König von Portugal
1.6.1469-13.12.1521
Johann Infant von Asturien
28.6.1478-4.10.1497
Burgos Burgos
Johanna I. die Wahnsinnige
6.11.1479-13.4.1555
21.8.1496
oo Philipp I. der Schöne König
von Kastilien
22.7.1478-25.9.1506
Maria
29.6.1482-7.3.1517
30.10.1500
oo 2. Manuel I. König von Portugal
31.5.1469-13.12.1521
Katharina
15.12.1485-7.1.1536
14.11.1501
1. oo Arthur Prinz von Wales
19.9.1486-2.4.1502
3.6.1509
2. oo Heinrich VIII. König von England
28.6.1491-28.1.1547
Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 12, 14,18,23,31,36,40,44,47,52,62,68,76,89,105,126,153,159,164,196,198,205
- Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München
1994, Seite 219-220 - Geschichte mit Pfiff, Heft 4/2001 Seite 63-65
- Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg
1996 Seite 32,59,110,346,363,367,371 - Fraser Antonia: Die sechs
Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 17-22,24-27,29-32,35,39,44,45,47,48,57,60,70,77,89,91,112,114,124,168,171,181,249,280,331,407
- Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs
Verlag München 1994 Seite 11,17-20,22,29,50,59,76,99 - Große
Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer
Kaiser Verlag 1987 Seite 240 - Hartmann P.C.: Französische
Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870.
Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 40,46 - Horst, Eberhard:
Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa Claasen Verlag GmbH Düsseldorf,
1989 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend
der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 - Perez
Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen
Diederichs Verlag München 1995 - Ridley Jasper: Heinrich VIII.
Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 18,28-31,81 -
Tamussino
Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 39,50,56-69,71-77,84,89,92,95-98,101,109,114,119,121,125,127,161,172,210,
224,259 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst
der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 10, 12,14,203,222,231,263,276,
287 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter
711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1993 Seite 214,216,219,221-223,225-227,232,236,241-
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Mit dem Tod Heinrichs IV. war
der innerkastilische Bürgerkrieg nicht beendet gewesen. Zwar war Isabella
sofort
am 13. Dezember 1474 in Segovia zur Königin ausgerufen worden, zwar
hatten sich die beiden Ehepartner im Schiedsspruch von Segovia (15. Januar
1475) gegenseitig in ihren Reichen die gleichen Rechte zugesichert, doch
sollte sich nach anfänglicher Lähmung eine Opposition, angeführt
von den Mitgliedern der Familien Pacheco, Stuniga und Carrillo-Acuna, formieren,
die sich die Sache der Infantin Johannazu
eigen machte. Als mächtiger Verbündeter bot sich König
Alfons V. von Portugal an, der über eine Eheschließung
mit seiner Nichte eine Vereinigung von Portugal und Kastilien anstrebte
und am 25. Mai 1475 in Plasencis die Thronbesteigung seiner Braut durchsetzte.
Der sich entspinnende Nachfolgekrieg in Kastilien wurde erst durch die
Schlacht von Toro (1. März 1476) sowie den Friedensvertrag von Alcacovas
(4. September 1479) beigelegt, nicht ohne dass die Kämpfe einer Allianz
zwischen Kastilien, Aragon, England, Burgund und Neapel gegen Frankreich
zum kastilischen Protektorat über Navarra und seinen König
Francois Phebus von Foix, einen Urenkel Johanns
II. von Aragon, geführt hätten (Vertrag von St-Jean
de Luz vom 9. Oktober 1478).
Geschichte mit Pfiff, Heft 4/2001
Seite 63-65
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Isabella von Kastilien
Hinter vielen Legenden verblasst die wirkliche Persönlichkeit Königin Isabellas von Kastilien (* 22.4.1451, + 16.11.1504). Für die einen ist sie die Begründerin des modernen Spanien, andere sehen sie "nur" als "Königin des Kolumbus", und für Dritte ist "die Katholische" Beispiel einer frommen, wenn nicht bigotten Herrscherin
Hinter diesen Etiketten verbirgt sich das faszinierende
Schicksal einer Frau, die bei ihrer Geburt nur als eine weitere Figur im
Heiratsspiel konkurrierender Fürstenhäuser galt.
Isabella wurde 1451 als Halbschwester des kastilischen
Königs Heinrich IV. geboren, dem die Geschichte den wenig
schmeichelhaften Beinamen "el Impotente" verliehen hat. Und als
1462 seine portugiesische Gattin Juana eine
Tochter gebar, nannten böse Zungen den hübschen Höfling
Don Beltran de Cueva als Vater, weshalb die Thronerbin nicht nur hinter
verborgener Hand "La Beltraneja"
genannt wurde.
So wird Isabella
für intrigante Adelige interessant, die sie als Schachfigur gegen
die Beltraneja einsetzen zu können
glauben. 1468 gelingt es dem Erzbischof Carillo von Toledo, dem Kopf der
kastilischen Adelsopposition, Heinrich IV.
dazu zu zwingen, seine Tochter zu enterben und statt ihrer seine Halbschwester
als Thronfolgerin einzusetzen - seine Gegner sehen in der jungen Frau lediglich
ein Werkzeug ihrer Politik. Und weil sie den portugiesischen Einfluss am
kastilischen Hofe zurückdrängen wollen, denken sie an ein Heiratsbündnis
mit Aragon, wo der junge Königs-Sohn Ferdinand
zu haben ist. Isabella stimmt der Ehe
mit dem etwa gleichaltrigen Ferdinand zu,
nicht zuletzt deshalb, weil der Kandidat immerhin einigermaßen attraktiv
ist ...
Vor allem aber, es ist ihre einzige Chance, selbst Einfluß
zu gewinnen! Heinrich IV. kann dieser
Verbindung nicht recht sein; sie muß ihn also vor vollendete Tatsachen
stellen und das ganze trotzdem legitim erscheinen lassen. Die Umstände
der Hochzeit erinnern an eine Ritterromanze: Isabella
verschwindet
vom Hof, informiert ihren Halbbruder brieflich und wartet in Vallodolid
auf Ferdinand. Der kommt als Maultiertreiber
verkleidet in die Stadt, wo sie Erzbischof Carillo am 19. Oktober 1469
in kleinstem Kreise traut.
Statt Flitterwochen folgt Flucht; die Zahl der Getreuen
wird immer kleiner, vor allem als der König nun für seine Beltraneja
eine glanzvolle Verlobung mit einem französischen Prinzen feiert und
seine "Tochter" nun doch wieder als Thronerbin ausrufen lässt. Immerhin
sorgen nun einige mächtige Adelssippen dafür, dass Isabella
im Spiel bleibt. Und die setzt alles auf eine Karte. Sie schleicht sich
heimlich ins Königsschloss und bittet ihren Halbbruder um Versöhnung.
Isabella
weiß um dessen Harmoniesucht und präsentiert ihren Gatten bei
einem schönen Festmahl. Der Coup gelingt, und der wankelmütige
Heinrich
bestätigt erneut die Thronfolge seiner Halbschwester.
Als Heinrich IV. unerwartet
stirbt, greift Isabella mit Resolutheit
nach der Krone. Schon einen Tag, nachdem sie die Todesnachricht erhält,
am 13. Dezember 1474, lässt sie sich krönen, und sofort überbringen
Herolde und Kuriere den Befahl an Adel und Städte, der neuen Königin
den Kroneid zu schwören - den Befehl, keine Bitte! Sie macht unmissverständlich
klar, dass sie einen anderen Regierungsstil pflegen will als ihr wankelmütiger
Vorgänger.
Verblüfft gehen ein Teil des Adels und ein Großteil
des Bürgertums auf das Begehren der jungen Königin ein, während
sich die Gegner Isabellas mit dem König
von Portugal verbünden, der einmarschiert, um die Interessen der Beltraneja
durchzusetzen. Ferdinand verteidigt
als Feldherr das Land, während Isabella
von Stadt zu Stadt reitet und den Widerstandswillen entfacht. Die junge
Königin hat Charisma, sie wird zum Symbol für eine fast allen
Kastiliern nötig erscheinende Veränderung, und deshalb kommt
sie an. Fast zwei Jahre dauert der Krieg, der 1476 in einer blutigen Zermürbungsschlacht
endet. Portugal kann und will sich nicht weiter engagieren; Kastilien interpretiert
das Unentschieden als Sieg.
Was Ferdinand und
Isabella
verbindet,
ist gemeinsames Interesse, nicht Liebe. Beide streben eine Stärkung
ihrer Länder und der Königsmacht an, dazu vereinigen sie beide
Länder, Spanien, dessen Fundament sie damit bauen, ist jedoch nur
ein geographischer Begriff, wird erst zum politischen Konzept.
Nun kann sich Isabella der
Innenpolitik zuwenden. Und sie erfüllt die Hoffnungen, die in sie
gesetzt werden: Sie verschafft der Krone wieder Respekt, schafft Rechtssicherheit,
räumt mit den kastilischen Räuberbanden auf, saniert die Finanzen
und funktioniert die Staatsorgane wie die Ständeversammlung der Cortes
oder den Staatsrat nach ihren Bedürfnissen um. Eine ebenso klare Handschrift
zeigt auch der Kampf der Königin gegen die zahlreichen Auswüchse
im Kirchenwesen.
Letztlich erreicht sie so den Übergang von einem
chaotischen, feudal geprägten zu einem für die damalige Zeit
modernen "absolutistischen" Staat. Ihre Leistung besteht darin, dass sie
die richtigen Ratgeber holt und sie schalten und walten lässt, ohne
allerdings ihre Kontrolle zu vergessen. Dass dabei aus heutiger Sicht auch
gewaltige Fehler passierten, wie in der Wahl eines Torquemada zum Großinquisitor
und sie damit die Verantwortung für die grausame Judenvertreibung
von 1492/93 trägt, gehört auch zu ihrer Persönlichkeit.
In diesem Jahr 1492 endet auch die Reconquista: Am 2. Januar reiten Isabella
und Ferdinand in Granada ein und erhalten
vom letzten maurischen Herrscher die Schlüssel zur Alhambra ...
Ach ja, fast hätten wir's vergessen: Da war ja noch
Kolumbus - ein Glücksfall für Isabella
und
Spanien, wie sich später herausstellt. Jahrelang hat er sich auf das
Ende der Reconquista vertrösten lassen und dann doch nur eine Abfuhr
erhalten. Erst als Isabella realisiert,
dass der "amüsante Spinner" tatsächlich auf dem Weg nach Frankreich
ist, lässt sie sich überzeugen, dass drei Schiffe, der Titel
eines Admirals und ein Zehntel des Gewinns für die halbe Welt so viel
nicht sind. Wäre Kolumbus gescheiter, wären das "Unternehmen
Santa Maria" nur eine historische Fußnote und Isabella
trotz ihrer großen innenpolitischen Leistungen ein nur Spanienspezialisten
geläufiger Name geblieben ...