Ferdinand Gonzales                                Graf von Kastilien (932-970)
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um 910-   970
 

Einziger Sohn des Grafen Gonzalo Fernandez von Kastilien und der Muniadomna von Kastilien, Tochter von Graf Nuno Nunez
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 376
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Fernan Gonzalez, Graf von Kastilien und Alava 931/32-970
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     + Juni 970

Sohn des Grafen Gonzalo Fernandez von Burgos und Kastilien sowie seiner Gattin Mumadonna, deren Abstammung ungewiß ist (aus Navarra?; nach Ansicht von Perez de Urbel aus dem asturischen Königshaus)

1. oo Sancha, Tochter von König Sancho I. Garces von Pamplona und Witwe von König Ordono II. von Leon sowie des
                                                 Magnaten Alvaro Herrameliz

2. oo Uracca, Tochter von König Garcia I. Sanchez von Pamplona

Nachdem die bisherigen Partikulargrafschaften Burgos, Kastilien, Lara, Cerezo, Lantaron, Cerlorigo, Granon, Amaya und Alava um 931/32 wohl durch Übertragung durch den König von Leon, Ramiro II., in der Hand des Fernan Gonzalez vereinigt worden waren (entspricht in etwa den heutigen Provinzen Burgos und Vizcaya sowie dem größeren Teil von Santander und Alava und einigen kleineren Gebieten in Guipuzcoa, Logrono, Soria, Palencia), betrieb dieser in der Folgezeit tatkräftig den Maurenkrieg sowie den Landesausbau und versuchte, durch die Anknüpfung enger Beziehungen zum Königreich Pamplona-Navarra und gegegebenenfalls zum Kalifat von Cordoba in die politischen Belange des leonesischen Königtums einzugreifen, wobei durchaus die Grenze zur offenen Rebellion überschritten und zudem die Grundlage für eine eigenständige Machtstellung gelegt wurde. Selbst das Scheitern der mit Graf Diego Munoz von Carrion und Saldana gemeinsam unternommenen Rebellion von 943 sowie eine anschließenden Gefangenschaft konnten seinen Herrrschaftsanspruch nicht erschüttern, da sein Verschwinden eine zu große Lücke im Machtgefüge hinterlasen hatte. Wohl Ende 944/Anfang 945 wurde Fernan Gonzales von Ramiro II. wieder in seine Grafenrechte eingesetzt und gleichzeitig durch die Verheiratung seiner Tochter Urraca mit Ordono III., später noch mit Ordono IV. an das leonesische Königshaus gebunden, ohne daß seine politischen Absichten berechenbarer geworden wären. Ordono IV. (958-960) sollte seine Nachfolge im Königtum sogar hauptsächlich seinem Schwiegervater verdanken und unter seinem Einfluß stehen, bis eine Koalition des oppositionellen Adels mit Pamplona-Navarra beide stürzen und den Grafen abermals vorübergehend in Gefangenschaft bringen sollte. Die Bedrohung durch das Kalifat bewirkte die baldige Restituierung des Fernan Gonzales, der durch seine Heirat mit der pamplonesischen Infantin Urraca und die Verheiratung seiner Tochter Urraca mit dem pamplonesischen Infanten Sancho, dem künftigen König Sancho II. Garces Abarca, seine Stellung entscheidend festigen konnte, ohne jemals die oft behauptete verfassungsrechtliche Unabhängigkeit erreichen zu können. Seinem politischen Einfluß entsprach seine Leistung bei der Reconquista und der Landesverteidigung, wobei vor allem seine Mitwirkung an der Repoblacion hervorzuheben ist. Die größte Bedeutung kam in diesem Zusammenhang der strategisch wichtigen Wiederbesiedlung von Sepulveda (940) zu. Obwohl die abenteuerliche Gestalt des Fernan Gonzales in die kastilische Epik eingehen sollte und er dort als Heros und Gründer Kastiliens gefeiert wird, muß sein politisches Wirken nüchterner und ohne jede Verklärung als zeitbedingte Folge des Niedergangs des leonesischen Königtums betrachtet werden.
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Ferdinand Gonzales wurde 929 Graf von Lara, 932 Graf von Kastilien und Alava und dehnte damit seine Herrschaft bis zur Atlantik-Küste aus. Er geriet mit seinen aggressiven Expansionsbestrebungen mit Navarra und Leon-Asturien in Konflikt, regte in Leon-Asturien etliche Rebellionen an, nutzte diese aus und erreichte 941 einen günstigen Vergleich, 961 die de facto-Unabhängigkeit. Es ging auch um die Vorherrschaft im Baskenland. Ferdinand regierte fast mit königlicher Macht, bekämpfte die Mauren und wurde als klug und tapfer überliefert.
 
 
 
 

  1. oo 3. Sancha von Navarra, Tochter des Königs Sancho I.
                     -   959

     960
  2. oo Uracca von Navarra, Tochter des Königs Garcias III.
                  -   997  Nichte der Sancha
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Gonzalo Fernandez Graf
          - nach 959

  oo Fronilde, Tochter des Grafen Gome
             -   1009

  Munia Fernandez
          -

  oo Gome Diaz Graf de Saldana-Carrion
              -

  Nuno Fernandez Mönch
         - nach 968

  Garcias I. Fernandez
         -   995

  Urraca
         -
 

  1. oo Ordogno III. König von Leon
                  -   955

  2. oo Ordogno IV. König von Leon
                  -   962

  3. oo Sancho II. König von Navarra
                 -   994

  Fronilde Fernandez
        -

  oo Rodanio de Asturias Graf de Santillana
              -

2. Ehe

  Pedro Fernandez Graf de Lara
        -
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 41-44,45 A. 14,64,74 -