Begraben: Sevilla, Kathedrale
Ältester Sohn des Königs
Alfons IX. von Leon aus seiner 2. Ehe mit der Berengaria
von Kastilien, Tochter von König
Alfons VIII. dem Edlen
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 359
********************
Ferdinand III. ‚el Santo‘, König von Kastilien und
Leon, 1217 (1230)-1252
------------------------------
* Ende (24.?) Juni 1201, + Ende (31.?) Mai 1252
zw. Zamora und Salamanca
Begraben: Sevilla, Kathedrale
Heiliggesprochen durch Papst Clemens X. (Festtag: 13. Juni)
Sohn König Alfons‘ IX. von Leon und der Berenguela von Kastilien, Tochter Alfons‘ VIII.
1. oo 30.11.1219 Beatrix (genannt Elisabeth/Isabella), Tochter des STAUFERS PHILIPPS von Schwaben und der Irene
2. oo 1237 Johanna von Ponthieu und Montreuil
Insgesamt 13 Kinder:
--------------------------
darunter die Infanten Alfons X.
Fadrique (Friedrich)
Ferdinand
Heinrich
Philipp
Sancho
Manuel
Nachdem Ferdinand III.,
der aus einer von der Kirche wegen zu naher Verwandtschaft aufgelösten
Ehe stammte, die ihm durch den vorzeitigen Tod König
Heinrichs I. überraschend zugefallene Nachfolge im Königreich
Kastilien gegen den Widerstand einer Adels- und Städteopposition unter
Führung des Reichsverwesers Alvar Nunez de Lara sowie die Ansprüche
seines eigenen Vaters mit Hilfe seiner auf ihre Rechte Verzicht leistenden
Mutter (Vertrag von Leon vom 26. November 1217) durchgesetzt hatte, konnte
er 1230 bei Tod Alfons' IX., sich sogar
den Thron des Königreiches Leon sicher, indem er seine beiden, ebenfalls
aus einer aufgelösten Ehe stammenden Halbschwestern, den Infantinnen
Sancha und Dulcia, mit Geld
auszahlte. Neben der damit eingeleiteten endgültigen Vereinigung von
Kastilien und Leon zu einem unteilbaren Gesamtreich Kastilien, die indes
erst zu Beginn des 14. Jh. mit der Zusammenlegung der Cortes abgeschlossen
war, gehörte das energische Vorantreiben der Reconquista gegen das
nach der Niederlage von Las Navas de Tolosa geschwächte arabische
Lager zu den großen Leistungen seiner Regierungszeit. Das Erlöschen
der Macht der ALMOHADEN nutzte Ferdinand
III. der Heilige zur systematischen Einverleibung der eroberten
Reiche in seine Krone, der nacheinander die Reiche von Cordoba (29. Juni
1236), das Guadalquivir-Tal (zwischen 1236 und 1244), die strategisch wichtigen
Stützpunkte Arjona, Priego und Jaen (zwischen 1244 und 1246), das
Reich von Sevilla (23. November 1248) sowie - als direkte Folge davon -
alle bedeutenderen Städte der Baja Andalucia mit Ausnahme von Niebla
angegliedert wurden. Der Inkorporation folgte die Repoblacion, die nun
im großen und ganzen ausschließlich als Angelegenheit des Königtums
durchgeführt wurde, wobei sich Ferdinand
III. der Heilige nicht nur eigener Amtsträger, sondern
auch der Ritterorden bediente und darüber hinaus umfangreiche Seniorios
der Kirche (so den Adelantamiento de Cazorla dem Erzbischof Rodrigo Jimenez
de Rada) sowie als Apanagen Mitglieder des Königshauses übertrug.
Außenpolitisch sicherte Ferdinand III. seine
Machtstellung durch eine durchdachte und weitgespannte Heiratspolitik ab,
durch die außer verwandtschaftlichen beziehungen zu Frankreich, England
und Norwegen aufgrund seiner Bindung zur STAUFER-Dynastie
sogar Ansprüche auf Sizilien, den deutschen Königsthron und das
römische Kaisertum begründet wurden.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ferdinand III. der Heilige wurde
1217 durch den Verzicht der Mutter, die ihn aufopfernd stützte, König
von Kastilien. Seine ersten Regierungsjahre waren geprägt von Bürger-
und Thronkriegen gegen den Vater, der ihn haßte, und besonders gegen
die mächtige Sippe DE LARA; seine Position war gefährdet, galt
doch die Ehe seiner Eltern als unkanonisch (zu nahe Verwandtschaft). Er
befriedete energisch das Land, anerkannte den Vater in Kastilien als einflußlosen
Mitkönig und schmetterte alle Teilungswünsche des Bruders ab,
indem er die Unteilbarkeit beider Reiche festlegte. Er wurde 1230 auch
König von Leon-Galizien, wo zwei Halbschwestern von seiner Mutter
zum Verzicht bewogen wurden. Ferdinand III.
nahm nach 1230 mit aller Energie die Reconquista wieder auf, unterbrochen
von etlichen Adelsrevolten, eroberte bis 1236 Cordoba, Quesada, Pilos,
Medellin, Montiel und Ubeda, danach Teile des Königreiches Murcia,
womit Kastilien das Mittelmeer erreichte. Der Streit um Murcia mit Aragon
wurde durch vorläufige Grenzverträge bereinigt, wodurch Aragon
von der weiteren unmittelbaren Reconquista ausgeschlossen blieb. Er gewann
nach der Seeschlacht bei Cadiz 1248 auch Sevilla, Jaen und Teile der Algarve,
beherrschte damit ganz Andalusien außer Granada und Malaga, die tributpflichtig
wurden. Er gründete die Universität von Salamanca neu, berief
erstmals die Gesamtcortes ein und schuf die Basis für eine einheitliche
Rechtsprechung, sorgte als guter Organisator und Verwalter für Ordnung
und Gerechtigkeit, schränkte die Gewalt des Adels entscheidend ein
und schuf mit dem Rat von Kastilien ein erstes kollektives Organ der Rechtsprechung.
Ferdinand
starb während intensiver Vorbereitungen zur Eroberung von Marokko
an Wassersucht. Er war ein Mann von majestätischer, mitreißender
Ausstrahlung, klug, maßvoll, auf Ausgleich bedacht und schon zu Lebzeiten
verehrt und verklärt. Er gründete die Bistümer Baeza, Badajoz,
Cordoba und das Erzbistum Sevilla und ließ die Juden blutig verfolgen,
so daß sogar der Papst vermittelnd eingriff.
30.11.1219
1. oo Beatrix von Schwaben, Tochter des Königs
PHILIPP
um 1203-5.11.1235
1237
2. oo Johanna de Dammartin, Erb-Tochter des Grafen
Simon von Aumale
- 1279
Kinder:
1. Ehe
Alfons X. der Weise
23.11.1221-4.4.1284
Ferdinand
-
Heinrich der Senator
-11.8.1304
Philipp Senor de Valdecorneja
um 1232-28.9.1274
vor 1269
oo Leonor de Castro, Tochter des Grafen Alvar
-27.4.1275
Sancho
-
Berengaria Nonne
1230- 1288
Friedrich
1224- 1277
Juan Manuel Graf von Pennafiel
1234- 12.1283
Eleonore
-
Maria
-
2. Ehe
Eleonore
-29.11.1290
18.10.1254
oo 1. Eduard I. König von England
17.6.1239-7.7.1307
Ludwig Senor de Marchena
- nach 1269
oo Johanna Gomez de Manzanedo
-
Ferdinand Graf von Aumale
nach 1239- vor 1269
Frankreich
Literatur:
-----------
Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin
am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1994 Seite 26, 27,182 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens
Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite
265 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin
der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 62,75 - Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 102-105,107,114,126,130,144-146,150,152
-
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Vones Ludwig:
*************
„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Die endgültige Vereinigung von Kastilien und Leon
sowie das energische Vorantreiben der kastilischen Reconquista nach 1212
waren die zwei großen Leistungen seiner Regierungszeit. Hatte es
Alfons
VIII. verstanden, seinem Reich einen ersten Platz im Konzert
der europäischen Mächte zu sichern, indem er seine Töchter
Urraca
und
Blanca
mit dem portugiesischen Thronerben Alfons (II.)
sowie dem französischen Thronerben Ludwig
(VIII.), Sohn König Philipps II.
August, verheiratete, so eiferte ihm Ferdinand
nach. Er selbst nahm 1219 die STAUFERIN Beatrix-Isabella,
Tochter PHILIPPS von Schwaben und Cousine
FRIEDRICHS
II., zur Frau und verheiratete seine Tante Eleonore
von Kastilien mit
König Jakob
I. von Aragon sowie seine Schwester Berenguela
mit
Johann
von Brienne, dem König von Jerusalem und Kaiser von Konstantinopel.
Da aus seiner Verbindung mit
Beatrix,
nach deren Tod (1235) er noch die aus dem französischen Königshaus
stammende
Gräfin Johanna von Ponthieu und
Montreuil heiraten sollte, eine zahlreiche Nachkommenschaft
- darunter 7 legitime Söhne - sproß, war die männliche
Erbfolge in seinem Reich bereits frühzeitig sichergestellt. Darüber
hinaus sollte die enge Verwandtschaft zum staufischen
Haus seiner Dynastie dereinst Ansprüche auf Sizilien und sogar auf
den deutschen Königsthron sowie das römische Kaisertum bescheren.
Demgegenüber ergaben sich im leonesischen Nachbarreich
erhebliche Nachfolgeprobleme, da Alfons IX. außer
den Kindern, die er mit Berenguela gemeinsam
hatte, nur die beiden unverheirateten Infantinnen
Sancha und Dulcia aus der
aufgehobenen Ehe mit Teresa von Portugal
geblieben waren. Zwar unternahm der leonesische König noch kurz vor
seinem Tod den Versuch, Sancha und
Dulcia
an
der Regierung zu beteiligen, doch konnte dies nicht verhindern, daß
Ferdinand
III. nur verhältnismäßig geringen Widerstand
überwinden mußte, als er auch in Leon die Thronfolge für
sich beanspruchte. Die beiden Infantinnen fand er mit einer beträchtlichen
Summe Geldes ab, wofür sie ihm gegenüber auf alle ihre Ansprüche
verzichteten. Auf solch spektakuläre Weise wurde jene erneute Vereinigung
der Reiche vollzogen, die gleichzeitig die letzte sein sollte. Denn niemals
wieder wurden Kastilien und Leon getrennt - im Gegenteil, das Königreich
Leon wurde, wie schon in Tordehumos als Möglichkeit in Erwägung
gezogen, inkorpiert und verlor seine Eigenständigkeit; das Gesamtreich
hieß jedenfalls fortan Kastilien. Allerdings ist dies als Ergebnis
eines langdauernden Prozesses zu verstehen, der zur Bildung einer einheitlichen
Bewußtseinslage innerhalb des Adels, des Klerus sowie der städtischen
Concejos führte, seinen äußeren Abschluß aber zu
Beginn des 14. Jahrhunderts erreichte, als die Ständeversammlung der
Cortes endgültig zusammengelegt wur-de.
Die Geldzahlungen an seine Halbschwestern stellten zwar
einen finanziellen Aderlaß für Ferdinand
III. dar, doch konnte er dies leicht verkraften, da ihm die
Erfolge bei der Reconquista in dieser Hinsicht reich ausgestattet hatten.
Durch die Niederlage von Navas de Tolosa war das almohadische
Herrschaftssystem, dessen Zentrum Marrakesch war, brüchig geworden.
Der in N-Afrika residierende Kalif, in seiner Autorität schwer erschüttert
durch wiederholt aufflammende Thronstreitigkeiten, mußte sich seither
immer öfter der Aufstände seiner spanischen Statthalter in Murcia,
Baeza, Valencia, Cordoba, Granada und Sevilla erwehren, so daß schließlich
Abu l-Ula (1227-1232), der almohadische
Stathalter in Sevilla, die überkommenen Traditionen abstreifen und
den Bruch mit Ifriqiya vollziehen konnte. Diese Ausgangssituation hatte
der kastilische König mit Geschick in seinem Sinne ausgenutzt, indem
er die rebellierenden Gouverneure durch ein vasallitisches Verhältnis
an sich band und sich erbetene Hilfeleistungen entweder durch die Abtretung
strategisch wichtiger Festungen oder durch reichliche Goldlieferungen bezahlen
ließ, was auf ein kräftiges Wiederaufleben der nie völlig
verschwundenen parias und der sie begleitenden lehnsrechtlichen Abhängigkeitsrmen
hinauslief.
Indes brachte auch in diesem Bereich die Vereinigung
der Reiche einen Wandel, denn von diesem Zeitpunkt an, der mit dem Erlöschen
der almohadischen Macht zusammenfiel,
ging Ferdinand III. von seinem Konzept
des Eingreifens bei jeder sich bietenden Gelegenheit ab. Fortan betrieb
er aus seiner Position neugewonnener Stärke die Reconquista systematisch
mit dem Ziel, die eroberten Reiche seiner Krone einzuverleiben. Nach anfänglichen
Unternehmungen gelang ihm am 29. Juni 1236 mit der Eroberung von Cordoba,
der ein handstreichartiges Unternehmen der Almogavares, einer aragonesischen
Söldnertruppe, am 23. Januar vorausgegangen war, der erste überwältigende
Erfolg. Er sollte weitere nach sich ziehen. Zwischen 1236 und 1244 folgte
die militärische Inkorporation des Guadalquivir-Tales, zwischen 1244
ud 1246 die sukzessive Einnahme von Arjona, Priego und Jaen, am 23. November
1248 dann der größte Triumph: die Einnahme von Sevilla nach
langer Belagerung und der Besetzung seines Hinterlandes.
Dieser letzte Sieg führte dann gewissermaßen
zu einem Erdrutsch, da im Anschluß daran alle anderen Städte
der Baja Andalucia fielen, darunter Jerez, Medina-Sidonia, Cadiz und Arcos
de la Frontera. Einzig Niebla behielt unter seinem König
Ibn Mahfuz, der Vasall des kastilischen Königs wurde, seine
Autonomie. In diesem Zusammenhang erhielten indes grundlegende Veränderungen,
die die mit der Reconquista einhergehende Landnahme betrafen, eine neue
Bedeutung. Konnte früher die Reconquista ähnlich wie der Kreuzzug
vom einzelnen Adligen getragen werden, und genügte zum Beispiel im
katalanisch-aragonesischen Raum eine testamentarische Erklärung, zu
Lebzeiten ein Eroberungsziel in Angriff genommen zu haben, um den späteren
Erben noch ein Recht auf Teilbesitz an der errungenen Beute zu sichern,
so verengte sich die Möglichkeit, rechtlicher Träger der Reconquista
zu sein, im 12. und 13. Jahrhundert auf das Königtum. Der seit 1151
zu beobachtenden Abgrenzung der Reconquistazonen durch die einzelnen Herrscher
entsprach auf der Ebene der Landnahme das Ausklingen der Presura/Aprisio,
die es auch dem ein-zelnen Adligen unter Wahrung gewisser Frmen erlaubt
hatte, von herrnlosen land auf eigenen Rechnung Besitz zu ergreifen
und so das Patrimonialgut zu erweitern. In den Vordergrund traten zu dieser
Zeit die von offizieller Seite geförderte Landnahme aufgrund von Besiedlungsprivilegien
und jene Art der Repoblacion, die wie in der Extremadura von den großen
Concejos (zum Beispiel Avila, Segovia, Salamanca und andere) durchgeführt
wurde und die schrittweise Kultivierung eines zugewiesenen, großzügigen
Termins zum Ziel hatte. Die Entwicklung ging eindeutig dahin, die Repoblacion
- sieht man von vereinzelten Beteiligungen des Adels in Neukastilien ab
- zu einer ausschließlichen Angelegenheit des Königtums zu machen,
dem mit den Ritterorden bald schlagkräftige militärische Truppen
zur Verfügung standen, die imstande waren, neben der Wahr-nehmung
von Siedlungsaufgaben auch das schwierige Problem der Akkulturation und
der herrschaftlichen Durchdringung im Sinne der monarchischen Spitze zu
lösen.
Bei der Reconquista Andalusiens sind erstmals zwei Formen
der Landnahme zu beobachten, die jedoch beide auf die unangefochtene Spitzenstellung
des Königtums verweisen. Wurde die Eroberung durch den Einsatz massiver
Waffengewalt und damit unter Beteiligung adliger Kämpfer bewerkstelligt
(zum Beispiel Baeza, Ubeda, Cordoba, Arjona, Jaen, Sevilla, später
Niebla, Jerez, Tarifa), so erfolgte die Repoblacion in der Form der sogenannten
Repartimientos. Dies waren systematische Besitzaufteilungen, die - zurückgehend
auf ähnliche, weniger systematische Vorformen solcher Aufteilungen
in Neukastilien des 12. Jahrhunderts - unter Aufsicht des Königs bzw.
seiner Amtsträger vorgenommen wurden und die eroberten Häuser,
Gutshöfe und Besitzungen unter Wahrung der königlichen Interessen
auf die Teilnehmer des Unternehmens gemäß ihrem sozialen Stand
als donadios (große Schenkungebn für die Lehnsleute des Königs,
die vasallos del Rey) oder auf die eigentlichen Siedler als hereda-mientos
(weitergegebene Anteile der donadios) übertrugen. Geschah die Besitzergreifung
von Festungen, ja ganzen Reichen hingegen aufgrund von weitgehend gewaltlosen
Übergabeverhandlungen, so wurden die zurückbleibenden Muslimen
und Mudejares sowie die ihnen garantierten beziehungsweise die anderweitigen
Besitzungen direkt der Souveränität der Krone unterstellt. Dadurch
erhielt der König die Möglichkeit, eine herrschaftsbegründende
Kolonisation in seinem Sinne einzuleiten. Hier zeigt der anfänglich
hohe Anteil der Ritterorden bei den Besitzübertragungen - vor allem
wurden die Orden von Calatrava und Santiago, weniger die Johanniter herangezogen
- nicht nur das Bedürfnis zur Grenzsicherung an, sondern auch die
Tendenz zur Machterhaltung. Zwar ist in solchen Gebieten schon frühzeitig
das rasche Fortschreiten der herrschaftlichen Durchdringung in der Form
der senorializacion zu beobachten, doch wurde dies aufgefangen, indem jene
Senorios, die nicht dem Ritterorden anvertraut waren, entweder zuverlässigen
kirchlichen Institutionen als Herrschaftsbereich oder Mitgliedern der königlichen
Famile als eine Art Apanage unterstellt wurden. So erhielt Erzbischof Rodrigo
Jimenez de Rada für die Mitra von Toledo bereits 1231 jene Senorios
am oberen Guadalquvir zugesprochen, die den Kern des sogenannten Adelantamiento
de Cazorla ausmachen sollten, während die Königsgattin Johanna
von Ponthieu mit Carmona, der Infant
Luis mit Marchena, der Infant Heinrich
mit Moron und Cote, später mit Jerez, Lebrija, Arcos und Medina Sidona,
sein Halbbruder Rodrigo Alfonso mit
Baena, Luque, Zuheros und Cabra ausgestattet wurden. Darüber hinaus
wurde der Infant Sancho 1251 zum Erzbischof von Toledo gewählt und
erhielt somit die Verfügungsgewalt über den Adelantamiento von
Cazorla. Die großen maurischen Reinos von Cordoba, Sevilla und Jaen
sowie später Niebla und Murcia gliederte man einfach der Krone und
ihrer Gesamtheit an, ohne ihnen ihren vorherigen Reichscharakter zu nehmen.
Der Zugriff des laikalen Hochadels auf diese Herrschaftsbereiche wurde
erst zwischen 1284 und 1310 spürbarer, als es ihm gelang, die eigenständige
Seorios zu bilden und schließlich sogar Großgrundbesitz aufzubauen.
Für die Epoche Ferdinands III.
der am 30. Mai 1252 starb und in der Kathedrale von Sevilla beigesetzt
wurde, gilt hingegen, daß er die Eroberungszonen im Süden zu
einer starken militärischen und wirtschaftlichen Machtposition für
das Königtum ausbauen konnte und damit die allmähliche Verlagerung
des Reichsschwerpunktes im Spätmittelalter nach Andalusien eingeleitet
hat.