Ferdinand II. von Kastilien                       König von Leon (1157-1188)
---------------------------------                      König von Galicien seit 1154
1137-28.1.1188
        Benavente
 

Jüngerer Sohn des Königs Alfons VII. von Kastilien aus seiner 1. Ehe mit der Berengaria von Barcelona, Tochter von Graf Raimund Berengar III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 364
********************
Ferdinand II. ‘el Baboso‘, König von Leon 1157-1188
--------------------------------
* 1137, + 22. Januar 1188
            Benavente

Zweitgeborener Sohn König Alfons‘ VII. von Kastilien-Leon und seiner ersten Gattin Berengaria, Tochter Graf Raimund Berengars III. von Barcelona

1. oo 1165 Uracca, Tochter Alfons‘ I. von Portugal

2. oo 1178 Teresa Fernandez, Tochter des Grafen Fernando Perez von Traba (+ Februar 1180)

3. oo 1187 Uracca Lopez de Haro

Erzogen von dem gallischen Grafen Fernando Perez von Traba und seit 1154 König in Galicien, trat Ferdinand II. nach dem Tod seines Vaters (21. August 1157) die Nachfolge im Königreich Leon sowie in Galicien, Asturias de Oviedo, Astorga, Toro, Zamora, Salamanca und den angrenzenden Regionen an. Unruhen innerhalb des leonesischen Adels, die bald nach der Regierungsübernahme ausbrachen und Sancho III. von Kastilien, Ferdinands älteren Bruder, auf den Plan riefen, wurden am 23. Mai 1158 endgültig durch den Vertrag von Sahagun beigelegt (Abgrenzung der beiderseitigen Einfluß- und Eroberungszonen, Richtlinien für die gegenseitige Nachfolge im Todesfall). Der überraschende Tod Sanchos III. am 31.8.1158 schuf jedoch eine völlig neue Situation, da Ferdinand II. die Vormundschaft über seinen minderjährigen Neffen Alfons VIII. zufiel und es ihm, seit November 1158 den Titel eines "rex Hispaniae" bzw. (etwas später) eines "rex Hispanorum" führte, durch den Gegensatz zwischen den Adelsfamilien der CASTRO und LARA möglich wurde, in Kastilien einzufallen, sich Segovias sowie weiterer Städte der kastlischen Estremadura und der Transierra zu bemächtigen, am 9. August 1162 gar seinen Einzug in Toledo zu halten und hinfort im Bunde mit den CASTRO seinen politischen Einfluß abzusichern. Seit dieser Zeit hielt der "Hispanorum rex" seinen Anspruch auf Suprematie aufrecht, der noch gefestigt wurde durch Verträge mit Aragon und Portugal: In Agreda (27. September 1162) nahm Ferdinand II. nach dem Tode Raimund Berengars IV. dessen unmündigen Sohn Alfons II. sowie dessen Reich unter seine Schutzgewalt (tutela) und gab ihm seine Schwester Sancha zur Frau; in Pontevedra (30. April 1165) wurde der Ausgleich mit Portugal durch die Heirat des Königs mit der Infantin Urraca besiegelt. Die neugewonnene Stellung fand ihren Ausdruck in der Annahme des Titels eines "rex Hispaniarum". Parallel zu seinen außenpolitischen Bestrebungen trieb Ferdinand II. die Repoblacion der Estremadura leonesa voran, wo unter anderem 1161 durch die Besiedlung von Ciudad Rodrigo und Ledesma wichtige Stützpunkte befestigt werden konnten, aber auch ein Konflikt mit Salamanca, das seine Rechte in dieser Ausdehnungszone geschmälert sah, heraufbeschworen wurde. In der Folgezeit häuften sich die territorialen Auseinandersetzungen, vor allem mit Kastilien, wo die LARA am 26. August 1166 Toledo zurückgewinnen konnten, und mit Portugal, mit dem die Eroberung des Reiches von Badajoz einen Streitpunkt bildete. Im Zuge des stets vorangetriebenen Maurenkampfes wurde 1166 die Burg Alcantara eingenommen: 1170 erfolgte die Gründung des Ritterordens von Santiago (1170), der zuerst als Gemeinschaft in Caceres Bestand hatte.
Zwei Ereignisse beeinflußten zu dieser Zeit die außenpolitische Konzeption Ferdinands nachhaltig:
zum einen die Erlangung der Alleinregierung durch Alfons VIII. von Kastilien, schrittweise bis 1177;
zum anderen die Verweigerung der wegen naher Verwandtschaft erforderlichen Dispens durch Papst Alexander III., was - trotz der Geburt eines Thronfolgers, Alfons IX. - 1175 zur Auflösung der Ehe mit Urraca führte.
Zwar ergab im Juni 1177 eine Zusammenkunft in Tarazona einen Gebietsaustausch zwischen Leon und Kastilien, so daß Ferdinand II. 1178 dir Kirchenordnung einer Revision unterziehen und durch seine Heirat mit Teresa, der Witwe des Grafen Nuno Perez von Lara, neue politische Beziehungen knüpfen konnte, doch führten die permanenten Reibereien mit Kastilien schließlich zum Krieg (1178-1181). Nach den nur temporär wirksamen Friedensschlüssen von Castronuno (Ende Februar 1181) und Medina de Riosecco (21. März 1181) ermöglichte die Übereinkunft von Fresno-Lavandera (Juni 1183) eine längere Atempause. In seiner letzten Regierungsphase geriet Ferdinand II. immer mehr unter den Einfluß seiner Geliebten und - seit 1187 - Gemahlin Urraca Lopez aus der kastilischen Adelsfamilie HARO, deren Verwandte allmählich in wichtige Positionen aufrückten. Ferdinand II. hinterließ seinem Sohn Alfons IX. eine schwierige Nachfolge, zumal Urraca Thronansprüche für ihren nach Ferdinands Tod geborenen Sohn Sancho stellte. Das Ende der Regierung Ferdinands II. sah bürgerkriegsähnliche Zustände heraufziehen, die dem König von Kastilien Möglichkeiten zum direkten Eingreifen eröffneten.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Brandenburg Erich: Tafel 16 Seite 33
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 231a. Ferdinand II., König von Leon 1157
--------------------------------
                    * ca. 1138, + 1188 21. I.

Gemahlinnen: a) 1164 Uraca,, Tochter König Alfons I. von Portugal (siehe XIV 391)
                       - vor 1171  + ...

                     b) 1176 Theresia, Tochter des Nuno Perez de Lara
                                        + 1180 7. II.

                    c) Konkubine Uraca, Tochter des Lope Diaz de Haro, Graf von Biscaya
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ferdinand II. von Kastilien folgte nach der Erbteilung von 1157 mit seinem Bruder als König von Leon und Galizien, geriet sofort mit dem Bruder in Streit, da er sich zurückgesetzt fühlte. 1158 griff er, von den DE CASTRO gegen die DE LARA zu Hilfe gerufen, in die kastilischen Regentschaftsstreitigkeiten ein, besetzte den Raum Estremadura und andere Teile von Kastilien und versuchte vergeblich Kastilien völlig unter Leons Hoheit zu bringen. 1163 kam es nach etlichen gegenseitigen verwüstenden Feldzügen zu einem Waffenstillstand. 1168/69 wurde er aus Kastilien verdrängt, die kastilischen Reichsstände erklärten den hochbegabten Neffen vorzeitig für volljährig, doch behauptete Ferdinand noch einen Großteil seiner Eroberungen, zeitweise sogar Toledo. Er nahm auch an der Reconquista teil, eroberte unter anderem Alcantara, Albuquerque und Elvas, geriet mit Portugal in Streit, das Badajoz eroberte, obwohl es Ferdinand haben wollte. 1171 nahm er den Schwiegervater gefangen, zwang ihn damit zum Nachgeben und kämpfte danach mit ihm gemeinsam gegen die Mauren, siegte gegen die ALMOHADEN 1174 und 1184 bei Santarem, gründete Ciudad Rodrigo als Konkurrenz gegen Salamanca, das 1164 rebelliert hatte und stiftete 1176 den Ritterorden von St. Pereira und förderte den Orden von Santiago. Ferdinand sorgte als fähiger Organisator und Verwalter für die Besiedlung des Landes, erwarb sich mit seiner ritterlichen und tapferen Art große Anhänglichkeit und verhielt sich gegenüber Besiegten fair, was damals nicht unbedingt üblich war. 1187 pilgerte er nach Santiago de Compostela und starb auf dem Rückweg.
 
 
 
 

    1165
  1. oo Urraca von Portugal, Tochter des Königs Alfons I.
  - 1175     -   1188

        geschieden wegen zu naher Verwandtschaft
        der Sohn galt trotzdem als legitim

    1178
  2. oo 2. Therese de Trava, Tochter des Grafen Ferdinand Perez von Trastamara
                      -7.2.1180

    1187
  3. oo Urraca Lopez de Haro, Tochter von Graf Lope Diaz I.
                 - nach 1226
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Alfons IX. König von Leon
  1171-24.9.1230

3. Ehe

  Sancho Senor de Aguilar
  1188-   1220

  oo Theresia Lopez de Haro, Tochter des Grafen Diego
             -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Seite 16 Tafel 33 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 94-98,120,151 A 22 -
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------