Ludwig XII.                                            König von Frankreich (1498-1515)
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27.6.1462-1.1.1515                                 Herzog von Mailand
Blois         Paris

Begraben: St-Denis
 

Einziger Sohn des Herzogs Karl I. von Orleans aus seiner 3. Ehe mit der Maria von Kleve, Tochter von Graf Adolf I.; Ur-Enkel des Königs Karl V. der Weise von Frankreich
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2189
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Ludwig XII., König von Frankreich 1498-1515
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* 27 Juni 1462, + 1. Januar 1515
Blois

Spätgeborener Sohn seiner schon bejahrten Eltern Charles d’Orleans (des Dichters) und der Maria von Kleve [Persönlicher Einwurf: Für den am 26.5.1391 geborenen Vater ist diese Einschätzung zutreffend, für die am 19.9.1426 geborene Mutter aber keinesfalls.]

Da König Ludwig XI. (dem selbst der männliche Erbe fehlte) verhindern wollte, dass Ludwig XII. Nachkommenschaft hatte, ließ er ihn mit seiner verwachsenen Tochter Johanna verheiraten. Ludwig, nach dem Tode Karls VIII. selbst König geworden, erreichte bei Papst Alexander VI. die Annullierung der erzwungenen Ehe und heiratete die Königin-Witwe Anna von Bretagne.
Der König nahm das "italienische Abenteuer" seines Vorgängers wieder auf, im Zeichen der von seiner Großmutter Valentina Visconti ererbten Ansprüche auf Mailand. Er stützte sich auf Cesare Borgia, der dabei eigene politische Ziele (Eroberung der Romagna) verfolgte. Nach dem Tode Francescos I. Sforza ließ sich Ludwig XII. zum Herzog von Mailand proklamieren [Persönlicher Einwurf: Da Francesco I. Sforza im Jahre 1466 starb, muß hier eine Verwechslung vorliegen, da Ludwig nicht im Alter von 4 Jahren Mailand erobert haben kann. Dies geschah erst im Jahre 1499.] und zog feierlich in die Stadt ein. Es folgten mit rücksichtsloser Härte gefürte Kämpfe gegen MAXIMILIAN I. War Ludwigs XII. Eroberung des Königreiches Neapel zunächst erfolgreich, so mußte er seine Gewinne mit Ferdiand 'dem Katholischen' von Aragon teilen, um zuletzt alle Besitzungen wieder zu verlieren.
Der König hatte aus seiner Ehe mit Anna von Breatagne (+ 1514) zwei Töchter, von denen Claude (durch Vermittlung des führenden Ratgebers Georges von Amboise) den Herzog von Valois-Angeloume vermählt wurde, der als Franz I. die Nachfolge antreten sollte. Ludwig XII., der bald nach seiner Wiederverheiratung mit der jungen TUDOR-Prinzessin Maria einer schweren Krankheit erlag, galt wegen seiner milden Fiskalpolitik als 'Pater patriae'.
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Lexikon der Renaissance: Seite 429
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Ludwig XII., König von Frankreich seit 1498
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* 27.6.1462, + Nacht 31.12.71.1..1515
Blois             Paris

Haus VALOIS, Nebenlinie Valois-Orleans

Ludwig XII. nahm die Expansionspolitik Karls VIII. in Italien wieder auf: 1499 eroberten seine Truppen Mailand.
Er heiratete nach der Scheidung (1498) seiner seit 1476 bestehenden kinderlsoen Ehe mit Jeanne de France die Witwe Karls VIII., Anna (* 1476), auf deren Sonderstellung als Herzogin von Bretagne er große Rücksicht nehmen mußte. Gegen Papst Alexander VI. verwirklichter er die Herrschaft des Königtums über das französische Kirchenvermögen durch Wiederinkraftsetzung (1499) der Pragmatischen Sanktion von Bourges, die 1438 von Karl VII. erlassen worden war. Ludwigs Versuch, seinen Hauptratgeber, Georges d'Ambois (1460-1510), nach dem Tode Alexanders VI zum Papst wählen zu lassen, scheiterte jedoch am Widerstand besonders Spaniens, das ihm auch 1504 die Beute Neapel entriß, und des deutschen Kaisers MAXIMILIAN I. Intrigen Annas verhinderten lange Zeit die Regelung der Nachfolgefrage; sie erforderte die Heirat des jungen Grafen Franz von Angouleme (der spätere Franz I.) mit Annas Tochter Claude (* 1499) [Persönlicher Einwurf: Als Urenkel des Herzogs Ludwig von Orleans (+ 1407) waren beide Ehepartner im 6. Verwandtschaftsgrad unzulässig miteinander verwandt.]. Ein Ehevertrag mit dem Hause HABSBURG, der dagegen die Heirat Claudes mit dem zukünftigen Kaiser KARL vorsah, wobei die Bretagne, Mailand und Neapel als Brautschatz Claudes vorgesehen waren, wurde aber 1506 annulliert, wozu Ludwig XII. die Farce mit den Generalständen inszenieren mußte. Seite der Liga von Cambrai (Dezember 1508), der Ludwig XII. sich anschloß, obwohl sie sich gegen seinen zuverlässigsten Bundesgenossen Venedig richtete, geriet Ludwig XII. in wachsende außenpolitische Isolierung. Im Dezember 1512 wurden die Franzosen aus Mailand vertreiben. Nach diesem Scheitern seiner Italienpolitik wandte sich Ludwig XII. zunehmend von Spanien und Österreich ab und schloß am 7.8.1514 einen Bündnisvertrag mit England. Im gleichen Jahr heiratete er nach dem Tde Annas die englische Prinzessin Maria.
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Als Schwiegersohn des Königs Ludwig XI. war Ludwig durch seine Ehe mit dessen Tochter Johanna der ausersehene Nachfolger seines Schwagers Karl VIII. Er rebellierte 1484 gegen den Beschluß der Stände wegen der Regentschaft, auf die er hoffte und stachelte die Bretagne zum Aufruhr an. 1488 siegten die Truppen des Königs in der Schlacht von Saint-Aubin-du-Cormier in der Bretagne, und Ludwig geriet in Gefangenschaft. Karl VIII. verzieh ihm jedoch und ließ ihn 1491 wieder frei. Ludwig beeinflußte König Karl VIII. sehr, brachte dessen Heirat mit der Erbin der Bretagne zustande und förderte entschieden Karls abenteuerliche Italienpolitik. Während des Italienfeldzuges 1494/95 war er Statthalter der Lombardei. 1498 folgte er seinem Gönner als Ludwig XII. auf dem Thron und galt als anständig, ohne Arglist, einmalig für VALOIS-Könige. Um zu verhindern, dass sich eine fremde Macht die Bretagne aneignete, ließ er seine Ehe mit Johanna von Frankreich von Papst Alexander VI. annullieren und heiratete sofort darauf die Witwe Karls VIII., Anna von der Bretagne. Seine größten Ambitionen waren allerdings nach Italien gerichtet. Durch seine Großmutter Valentina war er mit den Herzögen Visconti aus Mailand verwandt und erhob Ansprüche auf N-Italien, denen der Gedanke einer Beherrschung ganz Italiens zugrunde lag. Er eroberte 1500 Mailand und danach Neapel. Hier geriet er jedoch mit den Aragoniern in Schwierigkeiten, so dass sein Unternehmen 1504 scheiterte. Er empfand diesen Mißerfolg jedoch keineswegs als Warnzeichen, sondern sah 1507 in einer Revolte der Genueser erneut einen Vorwand zum Eingreifen in Italien. Inzwischen regierte im Vatikan Papst Julius II., der sich die Ziele Ludwigs XII. zunutze machte, um durch ihn die Städte zurückerobern zu lassen, welche die Venezianer dem Heiligen Stuhl geraubt hatten. Nachdem dies mit Erfolg geschehen war, beeilte sich der Heilige Vater, seinen lästigen Verbündeten loszuwerden. Er gründete gegen Ludwig XII. eine Heilige Liga, der sich italienische, spanische und sogar englische Fürsten anschlossen. Nach zwei Jahren zermürbender Kämpfe (1512-1514) mußte Ludwig trotz einiger Erfolge auf seine hochtrabenden Pläne verzichten und mit seinen Gegnern Verzichtfrieden schließen. Er brachte die Renaissance ins Land und hinterließ horrende Schulden.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Ludwig XII. (1498-1515) befand sich in einer peinlichen Lage, denn er hatte eben wieder begonnen, gegen Karl VIII. zu konspirieren. Er glaubte deshalb bei der Ankunft der königlichen Boten im Schloß Montils lez Blois, wo er sich verschanzt hatte, man käme, um ihn gefangenzunehmen. Als er erfuhr, dass er den französischen Thron besteigen solle - was für einen Seitenverwandten immerhin nicht ganz unproblematisch war -, bewies er Geistesgegenwart und sprach die berühmten Worte: "Es ziemt sich nicht für einen König von Frankreich, die Schmähungen eines Herzogs von Orleans zu rächen". Dies gewann ihm mit einem Schlag die Sympathien all seiner Gegner und begründete seine Popularität. Sie erwies sich als so beständig, dass sie auch dann nicht beeinträchtigt wurde, als er einen Scheidungsprozeß gegen seine Gattin, die überaus fromme und äußerst häßliche Johanna von Frankreich, anstrengte. Nachdem er die Annullierung der Ehe wegen Nichtvollzugs erreicht hatte, heiratete er die Witwe Karls VIII., um den Besitz der Bretagne zu sichern.
Ludwig XII. nahm die Italienpolitik seines Vorgängers wieder auf und entsandte eine 24.000 Mann starke Armee unter dem Befehl Trivulces, die Mailand eroberte und Ludovico il Moro vertrieb. Dann begab er sich in eigener Person nach Mailand, um seine Eroberung in Besitz zu nehmen. Ludovico il Moro versuchte Mailand wieder in seine Gewalt zu bringen, wurde jedoch von Trivulce geschlagen und verbrachte den Rest seines Lebens als Gefangener des Königs in der Festung Lys Saint-Georges in Berry. Nachdem Mailand annektiert war, nahm Ludwig XII. die Eroberung des Königreiches Neapel in Angriff; sein Plan wurde jedoch durch einen Verrat des Königs von Aragon vereitelt. Da befiel Ludwig XII. eine lebensgefährliche Krankheit. Königin Anna unterzeichnete in dieser Zeit den Vertrag von Blois, durch den sie ihre Tochter mit dem späteren KARL V. verheiratete, eine Wahnsinnstat, die einer Isabeau von Bayern würdig gewesen wäre. Ludwig XII. erholte sich wieder und ließ den Vertrag am 14. Mai 1506 von den Generalständen in Tours für nichtig erklären. Diese gaben ihrer Zufriedenheit dadurch Ausdruck, dass sie dem König dem Beinamen "Pere du Peuple", Vater des Volkes, verliehen. Dies war wohl die einzige Zeit in der Geschichte, in der Frankreich sich mit seiner Regierung einverstanden erklärte. Die Generalstände ließen nicht nur die Ehe Claudias von Frankreich, der Tochter Ludwigs XII. und Annas von Bretagne annullieren, sondern bekundeten darüber hinaus den Wunsch, sie mit dem Herzog von Angouleme zu verloben, einem Cousin des Königs und Thronanwärter für den Fall, dass der Monarch ohne männliche Nachkommen sterben sollte. Damit war das Problem der Thronfolge gelöst, und der König konnte, gestützt auf die Zustimmung des Volkes, seine italienischen Pläne wiederaufgreifen.
Um dem Kaiser die Stirn zu bieten, entsandte er Trivulce zur Unterstützung der Venezianer, doch diese verrieten ihn. Daraufhin löste er das Bündnis und schloß mit Papst Julius II., dem Nachfolger Alexanders VI. Borgia, die Liga von Cambrai (10. Dezember 1508). Diese Allianz war zunächst erfolgreich, und Ludwig XII. brachte den Venezianern bei Agnadel die vernichtende Niederlage vom 14. Mai 1509 bei.
Julius II., über die Erfolge des französischen Königs beunruhigt, wechselte daraufhin auf die Gegenseite über, schloß sich in der "Heiligen Liga" mit Venedig zusammen und bot das französische Reich dem englischen König Heinrich VII. Tudor an. Ludwig XII. blieb keine andere Wahl, als gegen den Papst Krieg zu führen. Der legendäre Feldzug stand unter dem Oberbefehl Gastons de Foix. Nach der Eroberung von Brescia und Bologna kam Gaston de Foix bei der Belagerung von Ravenna 1517 ums Leben. Das Blatt wendete sich, die unter La Tremouille entsandten Hilfstruppen wurden am 6. Juni 1513 bei Novara vernichtet.
Mailand war verloren; es galt nun, über die Alpen zurückzukehren. Der Tod Julius' II. ermöglichte es dem französischen König, einen Waffenstillstand zu schließen und sich einem Invasionsversuch der Engländer entgegenzustellen, die in Calais gelandet waren und Guines erobert hatten. Mittlerweile war Königin Anna gestorben, und Ludwig XII. heiratete, um die Einigung mit dem König von England vollständig zu machen, dessen 17-jährige Schwester Maria. Er war in sie so feurig verliebt, dass er zweieinhalb Monate nach der Hochzeit starb (1. Januar 1515). Damit fiel die Krone an seinen Schwiegersohn Franz von Valois-Angouleme, der den Namen Franz I. annahm.

Verwandtschaft zu Johanna von Frankreich

                                                 Karl V. König von Frankreich
                                                          21.1.1337-16.9.1380
 

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                      Karl VI. König von Frankreich                                  Ludwig I. Herzog von Orleans
                      3.12.1368-21.10.1422                                                  13.3.1372-23.11.1407
 

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                      Karl VII. König von Frankreich                                Karl I. Herzog von Orleans
                      22.2.1403-22.7.1461                                                   26.5.1391-4.1.1465
 

                                        ---                                                                          ---
                              Ludwig XI. König von Frankreich                             Ludwig XII. König von Frankreich
                              3.7.1423-30.8.1483                                                    27.6.1462-1.1.1515
 

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                             Johanna von Frankreich ------------------------------------------ oo
                   23.4.1464-4.2.1505

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Verwandtschaft zu Anna von Bretagne

                                             Ludwig I. Herzog von Orleans
                                             13.3.1372-23.11.1407
 

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                            Margarete von Orleans                                     Karl I. Herzog von Orleans
                            1406-24.4.1466                                               26.5.1391-4.1.1465

                           oo Richard Graf zu Etampes
                               1395-2.6.1438
 

                               ---                                                                   ---
                         Franz II. Herzog der Bretagne                   Ludwig XII. König von Frankreich
                         1433-9.9.1488                                          27.6.1462-1.1.1515
 

                            ---
                         Anna von Bretagne  3. --------------------- oo  2. -----------
                         25.1.1476-9.1.1514

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8.9.1476
  1. oo Johanna von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig XI.
   -1498 23.4.1464-4.2.1505       Cousine

   8.1.1499
  2. oo 3. Anna von der Bretagne, Tochter des Herzogs Franz II.
              25.1.1476-9.1.1514

  9.10.1514
  3. oo 1. Maria von England, Tochter des Königs Heinrich VII.
               März 1496-25.6.1533
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Claudia de France Erbin der Bretagne
  14.10.1499-20.7.1524

20.7.1514
   oo Franz I. König von Frankreich
       12.9.1494-31.3.1547

  Sohn
  21.1.1508- jung

  Renata
  25.10.1510-12.6.1575
  Blois

28.6.1528
   oo Ercole II. d'Este Herzog von Ferrara
        4.4.1508-3.10.1559

  Sohn
  21.1.1512 totgeboren

Illegitim

  Michael "von Bucy" Erzbischof von Bourges (1505-1511)
         -   1511
 
 
 
 

Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 26, 32,40,47,49,51 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 355,368,381-385 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 252,337,358,363,366,370,376,379,382 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 439-442,453-458,468 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 24,34 - Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 10,24-52,61,63,71,78 - Horst, Eberhard: Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa Claasen Verlag GmbH Düsseldorf, 1989 Seite 169,173,177,186,223 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 83-456 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 220,259 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 20 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 254,320 - Pernoud Regine: Die Kapetinger. in: Die großen Dynastien. Karl Müller Verlag 1996 Seite 11-29 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 30,34,43,79,82-85,89,94,97-191,109,115,122,142-146,152,157, 160,163,179,200,257,271 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 15,223 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 151,213,217,248 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich. Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 20,27,34,36,38,42,45,48,51,55,60,76,83,86,89,95,97,117,122,131,133,164,181,226,279 - Treffer Gerd A.: Johanna von Valois begegnen. Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2000 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 478,511,525 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. Verlag C. H. Beck München 1998 Seite 15,34 -
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Hartmann P.C.: Seite 24-51
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"Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit"

Neithard Bulst

LUDWIG XII., König von Frankreich 1498-1515
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* 27. Juni 1462, + 31. Dezember 1514
Blois                  Paris

Begraben: Saint-Denis

1465 Herzog von Orleans
7. April 1498König von Frankreich
27. Mai 1498 Salbung in Reims

Vater:
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Herzog Karl von Orleans (* 26.5.1391, + 4.1.1465), Sohn von Ludwig I. von Orleans (+ 23.11.1407) und Valentine Visconti, Tochter des Herzogs von Mailand Giangaleazzo Visconti

Mutter:
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Maria von Cleve (* 19.9.1426, + 7.1486), Tochter von Adolf von Cleve und Maria von Burgund

Geschwister:
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Maria (* 1457, + 1493), Gemahlin des Vizegrafen von Narbonne, Jean de Foix
Anna (* um 1464, + 9.11.1491), Äbtissin von Fontevrault
 
 

  1. oo 8.9.1476
          JOHANNA VON FRANKREICH
          * 23.4.1464, + 4.2.1505

Tochter des Königs Ludwig XI. von Frankreich

Ehe kinderlos am 22. Dezember 1498 annulliert

  2. oo 8.1.1499
          ANNA Herzogin der Bretagne
          * 25.1.1476, + 9.1.1514

Witwe König Karls VIII. von Frankreich
 

  3. oo 9.10.1514
          MARIA VON ENGLAND
          * März 1496, + 25.6.1533

Schwester König Heinrichs VIII. von England

Ehe kinderlos

Kinder:
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a. Claude (* 15.10.1499, + 20.7.1524)
Heirat am 18. Mai 1514 mit Herzog Franz von Angouleme, als Franz I. Nachfolger von Ludwig XII.
b. Renne (* 25.10.1510, + 12.6.1575)
Heirat am 20. Juli 1527 mit dem Herzog von Ferrara, Hercules von Este

Illegitim:  von einer bürgerlichen Frau
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 Michel de Bucy (Bussy) (* 1485, + 1511) Erzbischof von Bourges (1505-1511)
 

                                                              Der Herzog von Orleans

Die Ständeversammlung von 1506 gab ihm den Ehrentitel "Pere du Peuple" - "Vater des Volkes", sein jüngster Biograph Bernhard Quilliet (1986) nannte ihn medioker und seine Herrschaft unauffällig aber doch bedeutender, als man gemeinhin annimmt.
Wer war dieser König, bei dessen Geburt am 27.6.1462 auf dem väterlichen Schloß in Blois die Voraussage, dass er einmal den französischen Königsthron besteigen würde, obwohl er hinter dem Bruder des Königs und seinem Vater in der Reihe der Thronanwärter an dritter Stelle stand, nicht wahrscheinlich war - selbst wenn für Ludwig XI. die Geburt dieses "Thronfolgers" ein offen bekanntes Ärgernis war, und er die Legitimiät dieser späten Geburt im privaten Kreis - wenn auch nie offiziell - offen in Frage stellte?
Sein Vater Karl, Herzog von Orleans (+ 1465), bei Ludwigs Geburt schon 22 Jahre mit Maria von Cleve verheiratet, fast 70 Jahre alt und kränkelnd, war ein Enkel König Karls V. von Frankreich. Wie der regierende König Ludwig XI. (1461-1483) war Ludwig XII. also ein Ur-Enkel König Karls V. Diese Herkunft begründet seinen Thronanspruch unter der Voraussetzung, dass König Ludwig XI. und sein Bruder sterben würden, ohne männliche Erben zu hinterlassen, oder diese Erben wiederum ohne Erben vor Ludwig sterben würden. Dieser Thronerbe König Ludwigs, der zukünftige Karl VIII. (1483-1498), wurde am 30.6.1470 als einziger Sohn Ludwigs XI. geboren. Wohl in der Hoffnung auf den französischen Thron nährte Ludwig vielleicht doch einen anderen Anspruch, der nach dem Tode seines Vaters 1465 auf ihn übertrug: die Anwartschaft auf das Herzogtum Mailand. Über seine Mutter Valentine Visconti, die Tochter des Mailänder Herrschers Giangaleazzo Visconti, der nach dem Tode ihres Bruders Filippo Maria (gestorben 1447) das Herzogtum hätte zufallen müssen, da Filippo Maria keine Söhne hatte, betrachtete sich Karl von Orleans als rechtmäßiger Erbe Mailands ebenso wie nach ihm sein Sohn Ludwig. Die Realisierung dieses Erbanspruchs sollte eines der wichtigsten Anliegen Ludwigs nach seiner Thronbesteigung sein.
Die Abneigung König Ludwigs XI. gegen das Haus ORLEANS hatte zwei Ursachen:
1. dessen Nähe zum Thron und
2. dessen Machtposition als eines der größten Lehnsfürstentümer, die das Königtum in seiner Machtausübung einschränkten.
Diese Abneigung fand einen beinahe diabolischen Weg, die Zukunft des Hauses ORLEANS zu kompromittieren. Als dem König bald nach Ludwigs Geburt am 23.4.1464 eine mißgestaltete Tochter Jeanne geboren wurde, gelang es ihm, bevor die körperlichen Defekte allgemein bekannt geworden waren, mit dem nichtsahnenden Vater Ludwigs eine Heirat der beiden Kinder zu vereinbaren. Dass diese Ehe nicht glücklich sein und vielleicht auch kinderlos bleiben würde, stand zu erwarten. Als der Zustand der unglücklichen Königstochter offenbar geworden war, und Mutter und Sohn später versuchten, die geplante Heirat zu annullieren, blieb der König unerbittlich und erzwang schließlich gegen alle Widerstände 1476 die Eheschließung. Was er nicht erzwingen konnte, war die Akzeptanz dieser Ehe durch den Herzog von Orleans. Jeanne, die ihren Gatten wohl aufrichtig liebte und ihn, als er 1483 an Blattern erkrankte - der Beginn einer langen Serie von Krankheiten - ungeachtet des hohen Ansteckungsrisikos pflegte, gelang es nie, die demütigende Abneigung des Herzogs zu überwinden. Das Erscheinungsbild der Brautleute beim prächtigen Essen am Tag der Hochzeit, als der junge Herzog aus Wut und Ohnmacht ohne zu essen unentwegt weinte, desgleichen seine Braut aus Enttäuschung über die Zurückweisung, versprach nichts Gutes. Nur die Drohungen des Königs zwangen den jungen Ehemann zu seltenen und kurzen Besuchen an der Seite seiner Frau, die getrennt von ihm auf Schloß Lignieres lebte. In dem Prozeß der Annullierung dieser Ehe, den Ludwig wenige Monate nach seiner Thronbesteigung anstrengte, um die Königs-Witwe Anna, die Herzogin der Bretagne, heiraten zu können, behauptete er, gegen den Widerspruch seiner Frau, in den 22 Jahren ihres Zusammenseins die Ehe nicht vollzogen zu haben.
Zahlreiche Liebschaften, Jagden und andere "standesgemäße" Vergnügungen scheinen das Leben des durch den König politisch kaltgestellten Herzogs, der sich deshalb in öffentliche Ausschweifungen und Luxus flüchtete, bestimmt zu haben. Doch der Tod von König Ludwigs XI. Bruder, der keine Erben hinterließ, und die Tatsache, dass Karl der einzige Sohn des Königs blieb, steigerten erheblich die Bedeutung des Herzogs von Orleans, der nun die Stelle als zweiter Thronanwärter unmittelbar hinter dem Thronfolger Karl einnahm. Welche Gefahr daraus dem noch unmündigen Thronerben erwuchs, war dem zunehmend schwächer werdenden Ludwig XI. wohl bewußt, als er den Herzog im Oktober 1482 zu einem Treueid gegenüber dem Thronfolger und zum Verzicht auf eine Regentschaft, auf die er zu Recht Anspruch erheben konnte, eidlich verpflichtete. Diese sollte vielmehr nach dem Tode des Königs der Obhut der Tochter und des Schwiegersohns Ludwig XI., Anne und Pierre de Beaujeu, anvertraut werden. Ludwig von Orleans fühlte sich jedoch durch einen Eid auf die Evangelien ebensowenig gebunden wie später als König. Die zahlreichen von ihm abgeschlossenen Verträge von ihm ebenso häufig wie von den übrigen Vertragspartnern gebrochen.
Vor allem in den traditionell guten Beziehungen des Hauses ORLEANS zum bretonischen Herzog Franz II., dem Feind Ludwigs und Verbündeten des Burgunder-Herzogs Karls des Kühnen, sowie zu Ludwigs Bruder Karl - während der Auseinandersetzungen um den Besitz der Normandie in den Jahren 1467 und 1468 - sah Ludwig XI. eine potentielle Gefahr für seinen Sohn, vor der er ihn durch eidliche Verpflichtungen des Herzogs zu schützen suchte.
Diese Befürchtungen waren keineswegs grundlos. Sobald mit dem Tode des Königs am 30.8.1483 der Druck vom Herzog gewichen war, begann er, wenn auch zuerst noch verdeckt, politische Aktivität im Bündnis mit den alten Gegnern des verstorbenen Königs gegen seinen Nachfolger und dessen Platzhalter, die Beaujeu, zu entwickeln und ein eigenes Profil zu gewinnen. Wie eilig es ihm damit war zeigen Geheimverhandlungen, die er noch im August 1483 mit dem bretonischen Herzog anstrengte, um sich von der lästigen Bürde, die ihm Ludwig XI. auferlegt hatte, zu befreien, nämlich von seiner Frau Jeanne.
Nach Annullierung seiner Ehe mit Jeanne wollte er Anna, die einzige Tochter des Herzogs und Erbin des Herzogtums Bretagne heiraten - ein Angebot, worauf der Herzog bereitwillig einging. Erst 15 Jahre später sollte es ihm gelingen, diese Absicht zu verwirklichen, nachdem zuerst die Beaujeu seine Pläne durchkreuzt hatten und 1491 eine Heirat ihres Schützlings Karl VIII. mit Anna durchzusetzen vermochten, um so der Krone die Anwartschaft auf das Herzogtum Bretagne zu sichern.
Auch bei seinem zweiten Versuch, politische Macht und Einfluß zu gewinnen, scheiterte der noch unerfahrene junge Herzog an seinen ihm weit überlegenen Gegenspielern. Diesen gelang es durch scheinbar großzügige Vergabe von Ämtern, Titeln, Pensionen und anderer Vergünstigungen an den durch Ludwig XI. entmachteten hohen Lehnsadel, den ersten Manifestationen offener Gegnerschaft gegen die Fortsetzung des verhaßten Regimes des verstorbenen Königs die Spitze zu nehmen. Auch Ludwig von Orleans kam in den Genuß dieser Freigebigkeit. Ein militärisches Kommando, eine hohe Pension von 24.000 Pfund, der Zugriff auf eigentlich dem König zustehende Einkünfte sowie die Aufnahme in den von König Ludwig gegründeten Michaelsorden waren Auszeichnungen, die seinem Rang als Ersten Prinzen von Geblüt nach außen Rechnung trugen, ohne ihm allerdings den Weg zur Mitsprache bei Regierungsgeschäften zu öffnen. Diesen erhoffte sich Ludwig von den Generalständen, die allein in der Lage waren, den jungen König dem Einfluß der Beaujeu zu entziehen und einen in seinem Sinne zusammengesetzten Rat und eine Regentschaft unter seiner Führung einzusetzen. Dies zumindest dürften seine Zielvorstellungen gewesen sein, als er noch im September 1483 die Einberufung der Generalstände forderte und auch durchsetzte. In seiner Unerfahrenheit entging es ihm ebenso wie der sich um ihn versammelnden Opposition, an ihrer Spitze die Mitglieder des königlichen Rats, der Herzog Johann II. von Bourbon, der ältere Bruder von Pierre de Beaujeu, Francois d'Orleans, der Graf Dunois, der Graf von Comminges sowie die Bischöfe von Perigueux und Coutances, dass die Beaujeu ein Wahlverfahren zu den Generalständen durchgesetzt hatten, das letztlich auf den vom Januar bis März tagenden Generalständen ihren Interessen zum Durchbruch verhalf. Nachteilig für Ludwig war auch die praktisch in letzter Minute erfolgte Verlegung des Tagungsorts von Orleans in das königstreue Tours. Der dem Herzog von Orleans von der Ständeversammlung zuerkannte Vorsitz im königlichen Rat hatte nur formalen Charakter, da er nur in Abwesenheit des Königs gelten sollte. Als schließlich auch ein weiterer propagandistisch untermauerter Anlauf Ludwigs, dem sich auch der bretonische Herzog anschloß, zu einer erneuten Einberufung einer Generalständeversammlung im Januar 1485 scheiterte, sah Ludwig von Orleans nur noch den Ausweg, den schon andere Große unter Ludwig XI. zur Durchsetzung ihrer Ansprüche gefunden hatten, die offene Auflehnung bis hin zum bewaffneten Kampf gegen den König. Ein Erfolg blieb ihm allerdings ebenso versagt wie der Adelsopposition gegen Ludwig XI. Bündnispartner in diesem Kampf, mit unterschiedlichem Engagement und jeweils anderen Zielen, was nicht gerade den Erfolg förderte, waren der Graf von Dunois, der Prinz von Orange, der bretonische Herzog und Alain d'Albret sowie als "ausländische" Partner der englische König und der deutsche König, MAXIMILIAN. Wie Ludwig von Orleans versuchten auch MAXIMILIAN und Alain d'Albret sich durch eine Heirat mit Anna, der Tochter des bretonischen Herzogs, in den Besitz der Bretagne zu setzen.
Die schon in der Geschichtsschreibung des frühen 16. Jahrhunderts als "unsinniger Krieg" - "insana militia" (französisch guerre folle) bezeichneten kriegerischen Zusammenstöße endeten für Ludwig beinahe tödlich. In der Schlacht bei Saint-Aubin-du-Cormier, einer kleinen Stadt in der Bretagne, unterlag am 28.7.1488 die schlecht ausgerüstete und ihrem Gegner auch zahlenmäßig unterlegene Armee der Verbündeten dem königlichen Heer, das unter dem Oberbefehl des 27-jährigen Louis II. de La Tremoille, des Grafen von Benon und Guines und Prinzen von Talmond, stand, der später einer der bedeutendsten und Ludwig treu ergebenen Heerführer in den italienischen Feldzügen werden sollte. Ludwig, der in den vergangenen Jahren militärische Erfahrungen sammeln konnte, fehlte es nicht an Sachverstand und persönlicher Tapferkeit. Nur die Umsicht von La Tremoille bewahrte ihn vor dem Tod durch die aufgebrachten Schweizer Landsknechte, die ihn unter großen eigenen Verlusten schließlich noch mit der Waffe in der Hand überwältigen konnten.
Ludwig wurde, ohne dass ihm der Prozeß gemacht wurde, eingekerkert und verbrachte die nächsten drei Jahre in verschiedenen Gefängnissen unter entwürdigenden Bedingungen und einem Kerkermeister, der ihn durch schlechte Behandlung quälte, bis er schließlich nach Bourges in das am sichersten geltende Verlies des Königreichs kam. Dass er allein unter den Führern der Opposition auf Dauer gefangengesetzt wurde, zeigt erneut, welche Gefahr in den Augen der Beaujeu für den König, der noch immer unter ihrem Einfluß stand, darstellte, dennoch fehlte es bei Hofe nicht an Fürsprechern für seine Freilassung. Doch dürfte sie letztlich erst der Intervention seiner ungeliebten Frau Jeanne zu danken sein. Nach vergeblichen Versuchen bei ihrer Schwester, Anne de Beaujeu, wandte sie sich direkt an ihren Bruder Karl VIII. und hatte schließlich Erfolg. Knapp drei Jahre nach seiner Gefangennahme, am 27.6.1491, entschloß sich Karl, ohne die Zustimmung von Anne de Beaujeu einzuholen, Ludwig persönlich freizulassen, ihn in Gnaden aufzunehmen und wieder in seine angestammten Rechte einzusetzen.
Anders als seine Schwester Anne, die dem Herzog ganz offensichtlich feindlich gesinnt war, hegte der König Ludwig gegenüber wohl eher freundschaftliche Gefühle. Nicht zuletzt war es ja auch Ludwig gewesen, der ihn bei seiner Krönung zum Ritter geschlagen hatte, ein zweifellos, gemessen an dem gesellschaftlichem Ehrenkodex, höchst bedeutsames persönliches Band. Die Befreiung ohne Vorankündigung und ohne Vorbedingungen und die Versöhnung mit dem König, der von Tours nach Vierzon geritten war, von wo er den Befehl erteilte, den im nahen Bourges gefangenen zu ihm zu bringen, dürfte auf Ludwig wie ein beglückender Schock gewirkt haben. Das mit großer Bewegung gefeierte Wiedersehen, wonach der König und der Herzog nachts im selben Bett schliefen, kann zugleich als doppelter Wendepunkt im Leben Ludwigs angesehen werden.
Mit der Wiedereinsetzung in seine Güter und dem Oberbefehl über die Normandie, die ihm anstelle der Ile-de-France übertragen wurde, gewann er nicht nur seine alte Position als Erster Prinz von Geblüt zurück, sondern, was er so lange vergeblich angestrebt hatte, auch der König öffnete sich nun seinem Rat und Einfluß. Eine Gegenleistung war allerdings zu erbringen, die er, wenn auch nur sehr widerstrebend, akzeptierte. Alle Versuche, sich von seiner Frau Jeanne zu trennen, mußten unterbleiben. Dies bedeutete, so mußte es zumindest erscheinen, einen endgültigen Verzicht auf eine Heirat mit Anna, die nun nach dem Tode ihres Vaters, der bald nach der vernichtenden Niederlage in Saint-Aubin-du-Cormier und einem demütigenden Friedensvertrag gestorben war, Herzogin der Bretagne geworden war. Dabei ging Ludwig in seiner neuen Rolle als loyaler Ratgeber seines Königs sogar soweit, bei Anna als Fürsprecher einzutreten, als Karl unter doppelter Brüskierung MAXIMILIANS seinerseits eine Heiratsverbindung mit Anna anstrebte, um so einen möglichen Gegner an den Grenzen Frankreichs zu vermeiden und die Bretagne dem Königreich eingliedern zu können. Denn um Anna zu heiraten, mußte Karl die noch unter seinem Vater beschlossene Heirat mit MAXIMILIANS Tochter Margarete, die schon 1483 als Dreijährige nach Frankreich gekommen war und dort auf ihre zukünftige Stellung als Königin vorbereitet wurde, widerrufen. Außerdem hatte Anna, wenn auch unter Bruch der Bestimmungen des Friedensvertrages von 1488, MAXIMILIAN die Ehe versprochen und hatte 1490 zu diesem Zweck mit einem Bevollmächtigten des deutschen Königs an dessen Stelle das Verlöbnis gefeiert. Dass Karl sich durchsetzte, sollte zumindest für Ludwig nachteilige Folgen haben, da Margarete als Regentin der Niederlande eine nicht unbedeutende Gegnerin Ludwigs XII. werden sollte. Die Ehe zwischen Karl VIII. und Anna wurde im Dezember 1491 gefeiert. Ob Ludwig hinter der Klausel des Ehevertrags stand, wonach Anna nach dem Tod des Königs nur dessen Nachfolger oder den nächsten Thronerben heiraten durfte, sei dahingestellt. Dass Ludwig noch immer an eine Heirat mit Anna dachte und trotz seiner vielen Krankheiten den acht Jahre jüngeren König zu überleben hoffte, ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich, auch wenn sich an seiner ablehnenden Haltung gegenüber seiner Frau Jeanne trotz ihres Eintretens für seine Befreiung nichts geändert hatte.
In dieser Hinsicht war Ludwig sich gleichgeblieben. Im übrigen aber - und dies ist die zweite, wichtige Veränderung in seinem Leben infolge seiner langen Gefangenschaft - scheint Ludwig in seinem ganzen Wesen durch diese drei Jahre nachhaltig geprägt worden zu sein. Nicht nur lenkte ihn die erzwungene Muße auf die Bahn seines gebildeten Vaters Karl, der selbst gedichtet, Prosatexte verfaßt und Übersetzungen gemacht hatte, und ließ ihn zur Lektüre von Froissarts Chroniken, zu den "Tröstungen durch die Philosophie" von Boethius sowie den Heiligenleben des Jacobus de Voragine, der "Legenda aurea", greifen, sein ganzes Wesen schien verändert, die frühere Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit abgelegt. Selbst wenn Turniere, Festivitäten, Verschwendung und Ausschweifungen und infolgedessen Finanzprobleme auch jetzt in seinem Leben nicht fehlten, so traten sie doch in den Hintergrund und hinderten ihn zum Beispiel nicht daran, sich ernsthaft und effizient um die Verwaltung der ihm übertragenen Normandie zu kümmern. So war es auch seinen umsichtigen Vorsichtsmaßnahmen zu danken, dass die Engländer von einer wohl in der Normandie geplanten Landung Abstand nahmen und statt dessen nach Calais übersetzten.
Als die Königin Anna am 11.10.1492 einen gesunden Sohn zur Welt brachte, der auf den Namen Charles-Orland getauft wurde, schienen Ludwigs Hoffnungen auf den Thron, so er denn bis dahin solche noch gehegt hatte, in weite Ferne gerückt zu sein. Der geplante Italienzug Karls, mit dem der König die auf die Königsfamilie vom Haus ANJOU übergegangenen Ansprüche auf das Königreich Neapel durchsetzen wollte, war für Ludwig die Gelegenheit, so hoffte er wenigstens, seinerseits die Ansprüche seines Hauses auf das Herzogtum Mailand, das sich in der Hand von Ludovico Sforza, genannt "il Moro", befand, einzulösen. Durch ein klug eingefädeltes Bündnis Ludovicos mit Karl VIII., den er bei seinem Zug nach Neapel zu unterstützen sich verpflichtete, wurden solche Pläne jedoch vereitelt. Eine derartige Mehrung seiner Macht, wie sie der Zugewinn des Herzogtums Mailand für Ludwig bedeutet hätte, konnte dem König und seinen Beratern nicht wünschenswert erscheinen. Die Krankheit, die Ludwig während des Italienzugs an der weiteren Begleitung seines Königs nach S-Italien hinderte und es ihm erlaubte, in seinem Lehnsbesitz Asti zu bleiben, dürfte für Ludwig nicht ungelegen gekommen sein. Denn Karl hatte ihm statt des erhofften Oberbefehls über das Heer nur den Oberbefehl über die Flotte übertragen, eine für ihn ungewohnte und sicherlich nicht als Gunstbeweis zu verstehende Aufgabe. Durch erfolgreiche Gegenwehr gegen Ludovico Sforza ermutigt, der unter Vertragsbruch Asti, das einen wichtigen Brückenkopf auf dem Weg von Frankreich nach Italien bildete, vergeblich gegen den geschickt verteidigenden Ludwig zu erobern suchte, gelang es Ludwig, im Handstreich seinerseits beinahe kampflos Novara einzunehmen, wo er von der Bevölkerung freudig begrüßt wurde. Die Chance, nun dem von seinen Untertanen nicht geliebten Usurpator Ludovico zu stürzen, ließ er jedoch ungenutzt verstreichen, so dass es diesem gelang, Truppen zusammenzustellen und ihn in Novara einzuschließen.
Obwohl Karl VIII. in Neapel erfolgreich und bei seiner Rückkehr als Sieger aus der Schlacht bei Forenovo gegen die Truppen der lombardischen Liga am 6.7.1495 hervorgegangen war, ließ er mehr als einen Monat verstreichen, ehe der dem belagerten und noch an einem ersten Ausbruch von Syphilis leidenden Ludwig in seiner mißlichen und zunehmend gefährlicher werdenden Lage zu Hilfe kam. In der Stadt machten sich die Folgen der Belagerung immer spürbarer, Krankheiten breiteten sich aus und Stadtbevölkerung und Truppen litten unter einer gravierenden Hungersnot, da die Lebensmittelvorräte schnell aufgebraucht waren und außerdem nicht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stand. Obwohl Karl schon am 27.7. im nahen Asti eingetroffen war, begann er erst am 8.9., seine Truppen gegen Ludovico in Bewegung zu setzen, ohne allerdings dabei eine große Eile an den Tag zu legen. Erst am 22.9. konnte Ludwig die Stadt verlassen, nachdem sich Karl und Ludovico kampflos auf den Abbruch der Belagerung und freien Truppenabzug geeinigt hatten, wofür der Herzog von Mailand im Gegenzug wieder besetzen durfte. Dieses Verhalten Karls, das einem Verrat an Ludwig gleichkam, war dazu angetan, erneut die beiden Männer zu entzweien, obwohl sich Ludwig auch in der Folgezeit keine Verfehlungen gegen den König zuschulden kommen ließ. Zusätzlich trug auch der plötzliche Tod von Karls einzigen Sohn, der nach kurzer Krankheit im Dezember 1495 starb, zur Entfremdung bei. Nachdem die Königin Anna in den folgenden Jahren 1496 und 1497 noch zwei Söhne geboren hatte, die aber beide bald nach der Geburt starben, und Anfang 1498 noch mit einer totgeborenen Tochter niederkam, rückte die Thronfolge Ludwigs in immer greifbarere Nähe, zumal auch der Gesundheitszustand des Königs sich deutlich verschlechterte. Nur durch taktisches Verhalten, wobei er alles unterließ, was das Königspaar und seine Gegner bei Hofe gegen ihn hätte aufbringen können, vermied Ludwig den erneuten Ausbruch offener Feindseligkeiten und jeglichen Anlaß, der Sanktionen gegen ihn gerechtfertigt hätte.
Mit dem Tode Karls VIII., der am 7. April 1498 starb, war der Weg zum Thron für Ludwig frei und damit auch zur Verwirklichung seiner weiteren Ziele, die er seit mehr als zwei Jahrzehnten vor Augen hatte: die Trennung von seiner mißgestalteten und ungeliebten Frau Jeanne sowie die Rückeroberung des Herzogtums Mailand, als dessen rechtmäßigen Herrscher er sich betrachtete. Schließlich waren auf ihn nun auch die ehemaligen Rechtstitel des Hauses ANJOU übergegangen, das heißt das Königreich Neapel.

                                                              Der König

Die Nachricht vom Tod des Königs in Amboise erreichte Ludwig im nahen Blois. Sein Anspruch auf den Thron stand zweifelfrei fest. Keiner machte ernsthafte Anstrengungen, ihn zu bestreiten. Im Gegenteil: viele, die vorher gegen ihn gearbeitet hatten, beeilten sich, ihm ihre Ergebenheit zu versichern. Andere, die mit Recht erwarten konnten, im politischen Abseits zu verschwinden oder noch Schlimmeres zu befürchten hatten, gewann er durch großzügigen Gesten und machte sie so zu verläßlichen Stützen seiner Herrschaft - so etwa Louis de La Tremoille, seinen Bezwinger in Saint-Aubin-du-Cornier, was seine dreijährige Kerkerhaft zur Folge gehabt hatte, oder Anne und Pierre de Beaujeu, denen der Verlust ihres Lehensfürstentums, des Bourbonnais drohte, da ein männlicher Erbe fehlte. Ihnen gestattete er, ihre Tochter als Erbin einsetzen zu dürfen. Auch der königliche Rat erfuhr keine einschneidenden Veränderungen, selbst wenn sein Schwager, Jean de Foix, der Mann seiner Schwester Maria, in der Rangfolge an die Spitze rückte. Diese Politik, über die Ludwig gesagt haben soll, "der König von Frankreich hat das dem Herzog von Orleans angetane Unrecht vergessen", gestaltete den Thronwechsel von der Hauptlinie der VALOIS auf die Nebenlinie Orleansreibungslos.
Schon in den letzten Jahren König Karls VIII., nach dem Tode des Thronfolgers Charles-Orland, als die Wahrscheinlichkeit größer wurde, dass die Thronfolge ihm zufallen würde, hatte Ludwig begonnen, sich intensiver auf die Aufgaben vorzubereiten, die auf ihn als König warten würden, und sich Kenntnisse über das geltende Recht sowie über die Geschichte und Bewohner des Königreiches anzueignen. Sein wichtigster Berater war dabei Georges d'Amboise (1460-1510), dem seine Nähe zu Ludwig schon 1487 Verfolgung und Kerkerhaft eingetragen hatte. Wieder in Gnaden bei Hofe aufgenommen, war er einer der eifrigsten Fürsprecher des in Bourges gefangenen Ludwig. Mit Erfolg konnte er schließlich auch Karl dazu bewegen, Ludwig im belagerten Novara zu helfen. Nachdem er mit Unterstützung Ludwigs eine der reichsten Pfründen Frankreichs, das Erzbistum Rouen, 1493 erhalten hatte, bot die Normandie, wo Ludwig Gouverneur war, ein erstes gemeinsames Betätigungsfeld für den Herzog und seinen einflußreichsten Berater, dem Ludwig 1494 auch das Amt seines Stellvertreters ('lieutenant') in der Normandie übertrug. Angesichts des engen Verhältnisses beider ist kaum entscheidbar, wann und in welchem Ausmaß in den folgenden Jahren Georges d'Amboise den König beeinflußte und lenkte, und wann er sich vernehmlich um die Umsetzung der Wünsche und Beschlüsse seines Königs bemühte.
Die finanzielle Situation der Krone, die Ludwig vorfand, war schlecht. Das italienische Abenteuer Karls VIII. hatte die Kassen geleert. Gleichwohl verzichtete Ludwig darauf, was in dieser Situation wohl durchsetzbar gewesen wäre, das Land mit neuen Steuern zu belasten, sondern gewährte sogar noch eine Reduzierung von 200.000 Pfund.
Es war sicher nicht der Ausdruck eines geschickten politischen Kalküls, sondern auch eines ehrlichen Gefühls, wenn die von ihm angeordneten Feierlichkeiten zum Begräbnis Karls VIII. äußerst aufwendig und prunkvoll gestaltet und geradezu als Modell für die letzte Ehrerweisung gegenüber dem Vorgänger gerühmt wurden. Vollends zu seinen Gunsten mußte für ihn einnehmen, dass er mit den Kosten nicht, was rechtens gewesen wäre, die ohnehin leeren Staatskassen belastete, sondern selbst aus eigenen Mitteln dafür aufkam. Auch für die Salbung in Reims mit dem heiligen Öl am 27.5.1498, die Krönungsfeierlichkeiten und schließlich den Einzug in Paris am 2.7. ließ er im Bruch mit der Tradition keine zusätzlichen Steuern erheben. Seinem Vorgänger zum Beispiel hatten die Generalstände von 1484 noch 300.000 Pfund zu diesem Zweck als "don de joyeux avenement" bewilligt. Unter den Teilnehmern an diesen Feierlichkeiten fehlte nur eine Person, die Frau des Königs, Jeanne de France. Ihr Fehlen machte deutlich, was kommen würde. Ohne Zeit zu verlieren ging Ludwig nun daran, sein nächstes Ziel zu erreichen, die Trennung von seiner Frau. Sie schien in doppelter Hinsicht auch staatspolitisch erforderlich zu sein. Zum einen war es im Interesse einer reibungslosen Thronfolge sicherlich von Vorteil, wenn die Krone vom Vater auf den Sohn übergehen konnte, weshalb Ludwig an einer Ehe, aus der Kinder hervorgehen konnten, interessiert sein mußte - ganz abgesehen von seiner unüberwindlichen Abneigung gegen seine Frau. Zum anderen aber galt es, durch eine Verheiratung des Königs mit der Königin-Witwe Anna, zu der Anna vertraglich auch verpflichtet war, den drohenden Verlust des Herzogtums Bretagne abzuwehren. Denn schon war Anna in die Bretagne zurückgekehrt und hatte begonnen, dort wieder ihre Stellung als Souverän einzunehmen.
Sollte zumindest dem Anschein nach den geltenden Gesetzen Genüge getan werden, war der einzig gangbare Weg nur die Annullierung der Ehe durch den Papst. Gegen diese unheilige Allianz des Königs mit dem skrupellosen Papst aus dem Hause Borgia, Alexander VI. (1492-1503), der hier die Chance sah, sich eine Entscheidung zugunsten des Königs reichlich entgelten zu lassen, blieb der unglücklichen Jeanne kaum eine realistische Chance auf den Erhalt ihrer Ehe. Gleichwohl widerstand sie ersten Angeboten des Königs zu einer einvernehmlichen Trennung und setzte sich auch im Prozeß unerwartet heftig zur Wehr. Alle vom Papst angeführten möglichen Ehehindernisse erklärte sie als in ihrem Fall unzutreffend und bestätigte unter Eid, dass die Ehe vollzogen worden war. Der Ausgang des am 10.8.1498 eröffneten Prozesses war absehbar. Die Zusammensetzung des Gerichts mit den drei vom Papst ausgewählten Richtern, dem Vorsitzenden, dem Kardinal und Bischof von Le Mans, Philippe de Luxembourg, schon auf den Generalständen in Tours einer der hochrangigen Interessenvertreter Ludwigs von Orleans, dann dem Bruder von Ludwigs engstem Berater, Georges d'Amboise, dem Bischof, Louis d'Amboise, sowie einem weiteren, dem Papst ergebenen Bischof ließen an dem Ausgang des Prozesses keinen Zweifel. Nachdem der König schließlich unter Eid die Aussagen seiner Frau zum Vollzug ihrer Ehe geleugnet hatte, wurde am 17.12. 1498 vom Gericht die Annullierung der Ehe verkündet. Um Jeanne gleichwohl ein standesgemäßes Leben und Einkommen zu sichern, verlieh ihr Ludwig das Herzogtum Berry zum Lehen. In Bourges, wo sie in der Folgezeit lebte, gründete sie den Orden der Annuntiatinnen (1501), in den sie dann auch eintrat und wo sie kurz vor ihrem Tode das Ordensgelübde ablegte.
Gegenleistungen Ludwigs an den Papst waren die Übergabe der Grafschaft Valentinois und Diois (August 1498) - die einige Monate später zum Herzogtum erhoben wurde (April 1499) - an den Sohn des Papstes, Cesare Borgia, dessen Verheiratung mit Charlotte d'Albret und schließlich seine Ernennung zum Ritter des Michaelsordens sowie als höchste Auszeichnung die Adoption durch den König mit dem Recht, als Mitglied der königlichen Familie den Namen "de France" tragen zu dürfen und die drei goldenen königlichen Lilien im Wappen zu führen. Georges d'Ambois, der maßgeblichen Anteil am Prozeß und an den Verhandlungen mit dem Papst hatte, wurde zum Kardinal ernannt. 1501 wurde er päpstlicher Legat in Frankreich, was ihn zur höchsten kirchlichen Autorität im Lande machte. Nachdem schließlich der Papst auch den nötigen Ehedispens für die Heirat von Ludwig und Anna, die wegen ihrer engen Verwandtschaft nach dem kanonischen Recht verboten war - im Falle der Annullierung der Ehe mit Jeanne war die enge Verwandtschaft als eines der Ehehindernisse angeführt worden! -, schon vor der Annullierung der ersten Ehe mit dem neuen König grundsätzlich vorlag, das heißt nach einer Annullierung der Ehe des Königs, stand dieser Ehe nichts mehr im Wege. Schon am 8.1.1499 wurde die Hochzeit gefeiert. In einem ausführlichen Ehevertrag war festgelegt worden, dass Anna weiterhin allein die Herrschaft der Bretagne, verbunden mit allen Einkünften, innehaben würde und nach ihrem Tod durch eine detaillierte Erbschaftsregelung die Unabhängigkeit der Bretagne vom Königreich gewahrt bliebe. Die Zustimmung der bretonischen Stände gewann der König durch die Zusicherung, ihre angestammten Rechte nicht anzutasten. Ganz wie bei der Beerdigung Karls VIII. und wie bei seiner Krönung verstand Ludwig es auch dieses Mal, aus diesem Ereignis Kapital zu schlagen. Nicht nur verzichtete er auf die ihm zustehende Bezahlung der Hochzeitsfeierlichkeiten aus Steuermitteln, sondern er verfügte aus diesem Anlaß noch eine einmalige Reduzierung der Steuerbelastung um 10 Prozent und ließ die schon voreilig von übereifrigen Amtsträgern eingezogenen Summen wieder zurückzahlen. Zudem wartete er bis zum Jahre 1504, ehe er mit Rücksicht auf einen öffentlichen Skandal, den trotz aller gerichtlichen Absicherungen die Annullierung seiner ersten Ehe hervorgerufen hatte, Anna zur Königin krönen zu lassen.
Zwar gebar Anna in dieser Ehe noch einmal vier Kinder, doch überlebten nur die beiden Töchter Claude (* 15.10.1499) und Renee (* 15.10.1510), während von den beiden 1503 und 1512 geborenen Söhnen der eine nur wenige Stunden seine Geburt überlebte und der andere tot geboren wurde. Mit dieser Ehe ging auch eine Veränderung im Lebenswandel des Königs einher, der nun seinen zahlreichen Liebschaften zu entsagen schien. Ob dies mehr aus Liebe zu seiner Frau geschah oder ob auch die körperliche Verfassung des Königs, der, von vielen Krankheiten gezeichnet, in der zeitgenössischen Chronistik als "altersschwach" beschrieben wird, dafür verantwortlich war, sei dahingestellt. Insgesamt scheint die Ehe, folgt man der Überlieferung, relativ harmonisch gewesen zu sein, wenn auch Zerwürfnisse nicht ausblieben.
Anlaß boten vor allem zwei Vorhaben Ludwigs:
1. die Ehe ihrer gemeinsamen Tochter Claude mit Ludwigs Neffen (2. Grades) und Mündel, Franz von Angouleme, der, sollte Ludwig XII. ohne männlichen Erben sterben, der erste Anwärter auf den Thron war
2. die Wiederaufnahme der Italienpolitik, die schon bei Karl VIII. auf den Widerstand Annas gestoßen war
Ludwigs erstes Regierungsjahr, bevor am 18.7.1499 französische Truppen ins Herzogtum Mailand einmarschierten, stand neben der Regelung seiner Eheangelegenheiten auch im Zeichen grundlegender innenpolitischer Maßnahmen, die vom König wohl aus dem richtigen Bemühen heraus eingeleitet wurden, dass ein stabiles, wirtschaftlich florierendes Frankreich, in dem Recht und Ordnung herrschten, die notwendige und verläßliche Basis für seine außenpolitische Ambitionen darstellte. So fallen in diese Zeit - wie auch in die folgenden Jahre - ein Reihe von Maßnahmen, die, wenn auch kaum ein strukturiertes Gesamtkonzept, so doch den Willen zu grundlegenden Verbesserungen und Reformen im Bereich von Recht und Verwaltung sowie von Finanzen und Wirtschaft erkennen lassen. Ohne im allgemeinen grundlegende neue Ideen zu entwickeln wurden hierbei zum Teil schon unter Karl VIII. begonnene Ansätze weitergeführt, erweitert oder intensiver vorangetrieben. Im Juli 1498 wurde der schon von Karl VIII. konzipierte "Grand Conseil", als oberster Gerichtshof mit 20 Mitgliedern, 10 Geistlichen und 10 Laien, mit außerordentlichen Kompetenzen eingerichtet. Alle auf Befehl des Königs den zuständigen Gerichten entzogene Fälle wurden ihm zugewiesen. Ein solcher Fall war zum Beispiel die Verfolgung sogenannter Waldenser im Dauphine durch den Erzbischof von Ambrun, die schon bald nach seiner Einrichtung dem "Grand Conseil" vorgelegt wurde, und nach langer Untersuchung mit einem Freispruch der beschuldigten "Waldenser" endet. Die Zahl der Parlamente, der regionalen obersten Gerichtshöfe, wurde um den Echiquier der Normandie in Rouen (1499) und das Parlament der Provence in Aix (1501) auf sieben erweitert. Die großen, in Anschluß an die Beratung in einer Notabelnversammlung erlassene Ordonnanz mit 162 Artikeln zu "justice et police" des Königreichs vom März 1499 griff viele der Reformanliegen wieder auf, die 15 Jahre zuvor als Forderungen der Generalstände an den König formuliert worden waren, ohne jedoch trotz der Zustimmung Karls und seines Rats in den meisten Fällen tatsächlich umgesetzt worden zu sein. Weniger und besser qualifizierte Amtsträger, wobei zum ersten Mal bestimmte Universitätsgrade als Mindestqualifikation für den Richter und andere hohe Ämter festgelegt wurden, sollten die Effizienz von Justiz und Verwaltung stärken, die Kosten des teuren Apparates senken und damit zur steuerlichen Entlastung führen und schließlich auch eine schnellere Rechtsprechung ermöglichen. Auch wichtige Detailfragen wurden hier geregelt, wie etwa die Befragung von Angeklagten unter Folter, was in der Vergangenheit Anlaß zu Willkür und Mißbrauch gewesen war. Eines der strukturellen Hemmnisse bei der Rekrutierung geeigneter Amtsträger war die Ämterkäuflichkeit. Ihr verbot wurde erneuert. Wieweit der König sich mit diesen Vorschriften durchzusetzen vermochte - die Ordonnanz wurde erst 1512 vom Pariser Parlament akzeptiert und registriert - ist fraglich. Einiges wurde in späteren Ordonnanzen wieder aufgegriffen. Vor allem aber in Fragen der Käuflichkeit und des Amtserwerbs durchbrach der König selbst die von ihm gesetzten Vorschriften, indem er zum Beispiel fortfuhr, hohe Amtsträger zu ernennen, anstatt sie, wie vorgeschrieben, wählen zu lassen. So blieb die Erlangung von Ämtern über Geld, Beziehungen und Verwandtschaft ein gängiger Weg, der nicht unbedingt jeweils die Geeignetsten in die richtigen Positionen brachte.
Noch ins Jahr 1498 fallen die wohl besonders von George d'Amboise angestrengten  Bemühungen zu Reformen im Mönchtum und in der Universität. Falsche Studenten, die ohne zu studieren aus ihrem privilegierten geistlichen Stand Nutzen zogen, sollten ebenso ihren Sonderstatus verlieren wie Studierende, die über die für einzelne Studien festgelegten Zeiten studierten und sich folglich nicht länger den für sie zuständigen ordentlichen Gerichten entziehen können sollten. Die für das Generalkapitel der Prämonstratenser ausgestellte Ordonnanz - in den folgenden Jahren wurden noch andere Orden mit Reformen konfrontiert - verpflichtete den Orden zur Einhaltung seiner Regeln, nachdem üppiges Leben, Umgang mit Frauen und andere Mißstände offensichtlich weite Verbreitung gefunden hatten. In beiden Fällen bedurfte es der ganzen Autorität des Königs, den massiven Widerstand von seiten der betroffenen Institutionen und ihrer Mitglieder zu brechen.
Eine dichte Serie von königlichen Ordonnanzen dieser ersten Regierungsjahre betraf Fragen der Wirtschaft und der Finanzen. Ordonnanzen zum Geldumlauf, zur Münzprägung, zur Besteuerung, zu Zöllen, zum Handel und anderen zeugen von dem Bemühen, durch Vereinheitlichung, klarere Vorschriften und Straffung der Verfahrensabläufe den Reichtum des Landes und seiner Bewohner zu mehren. So führte, wie Claude de Seyssel in seinem "Lob auf König Ludwig XII." (1508) ausführte, die Zunahme der Bevölkerung nicht zur Verarmung, sondern zu einem Wachstum an Gütern, Einkünften und Reichtum.
Zu den obrigkeitlichen Bemühungen um Systematisierung, Rationalisierung und Vereinheitlichung, die schon vielfach unter Ludwig XI. eingesetzt hatten, ohne jedoch zum Erfolg zu kommen, gehörte auch die Kodifizierung des außerhalb des Geltungsbereichs des - im Süden Frankreichs geltenden - römischen Rechts angewandten Gewohnheitsrechts. Auch hier scheint der Kardinal von Amboise die treibende Kraft gewesen zu sein. Jedenfalls war er bei der Verabschiedung der Coutumes von Tours durch die drei Stände, die 1505 erfolgte, als Zeuge beteiligt. Wenn es auch nicht gelang, während der Regierungszeit Ludwigs dieses große Unternehmen, das allein schon durch sein Verfahren kompliziert war, da die Vertreter der drei Stände sich auf einen Text einigen mußten, zum Abschluß zu bringen, so wurden doch wesentliche Fortschritte erzielt. Das Corpus von 9 Kodifizierungen seit der Ordonnanz Karls VIII. vom Januar 1499 bis zu Karls Tod wurde bis zum Ende der Herrschaft Ludwigs um 25 erweitert.
Als Ergebnis dieser Politik erlebte Frankreich eine Periode innerer Ruhe und wirtschaftlicher Konsolidierung. In vielen Bereichen läßt sich sogar auch ein ökonomischer Aufschwung feststellen. Dabei ist nicht auszumachen, inwieweit Frankreich ganz allgemein von der günstigen Gesamtentwicklung Europas an der Wende zum 16. Jahrhundert profitierte und inwieweit die geschilderten und andere Maßnahmen der Regierung Ludwigs diesen Aufschwung bedingten. Festzuhalten ist, dass es während der gesamten Regierungszeit gelang, die jährliche Steuerlast etwa auf einer Höhe von 1.500.000 Pfund festzuschreiben, was im Vergleich mit Ludwigs beiden Vorgängern, unter denen die Steuerlasten ständig angestiegen waren, eine von der Bevölkerung nicht zu Unrecht geschätzte Leistung war. Die Verbesserung des Straßennetzes kam dem Handel zugute, der Warenaustausch weitete sich aus. Der Produktanbau in der Landwirtschaft diversifizierte sich, das Gewerbe florierte.
Der Regierungsstil Ludwigs unterschied sich allerdings nicht von dem seiner Vorgänger. Er, der 1483 beim Regierungsantritt Karls die Einberufung der Generalstände gefordert hatte, der in seiner großen Ordonnanz von 1499 sich ausdrücklich auf die Generalstände berief, vermied es, während seiner Herrschaft zu diesem Instrument der Befragung und Mitsprache seines Volkes zu greifen. Anstelle der Generalstände begnügte er sich mit Notabelnversammlungen oder ständischen Versammlungen mit begrenztem Teilnehmerkreis. Zusammen mit wenigen engen Beratern leitete er die Regierungsgeschäfte. Neben George d'Amboise waren dies vor allem der Marschall von Gie, Pierre de Rohan, der vor allem die Reform des Militärwesens betrieb, eine wichtige Voraussetzung für Ludwigs Erfolge in Italien, bis er 1504 in Ungnade fiel. Vor allem sein Eintreten für Franz von Angouleme, den noch unmündigen möglichen Thronfolger, solange der König keinen Sohn hatte, dessen Obhut ihm vom König anvertraut worden war, zog dem Marschall die Feindschaft der Königin zu. Hinzu kamen Rivilitäten mit Georges d'Amboise, dessen Einfluß auf den König ebenfalls durch den vor allem innenpolitische sehr tätigen Marschall geschmälert wurde. Unter den mit Abstand am häufigsten nachgewiesenen Teilnehmern an den Sitzungen des königlichen Rats figurierten diese beiden Männer zusammen mit dem Bruder von Georges d'Amboise, dem Bischof von Albi, Louis d'Amboise (gestorben 1530), sogar noch der vor dem Kanzler, Guy de Rochefort, den Ludwig aus den Diensten seines Vorgängers übernommen hatte. Besonders nach dem Tode von George d'Amboise (1510) schlug die Stunde des Mannes, der schon vom Sturz des Marschalls profitiert hatte, als dieser nach dem Ende seines Prozesses (1506), in dem er von den wesentlichen Punkten der Anklage freigesprochen worden war, für immer den Hof verließ: Florimond Robertet, Notar der Königin Anna, Karls VIII. und schließlich Ludwigs XII., bevor er nach dessen Tod in den Dienst von Franz I. wechselte.
Wesentlich ereignisreicher, wenn auch nicht gerade ergebnisreicher - nimmt man die gesamte Regierungszeit Ludwigs in den Blick - war die Außenpolitik. Hier lag das eigentliche Interesse Ludwigs. Sie hat auch in der Geschichte das Bild dieses Königs geprägt. Trotz dieser Interessen konnte jedoch vermieden werden, dass das Königreich selbst unmittelbar in den Sog der kriegerischen Ereignisse geriet. Das Land selbst blieb vom Krieg verschont, auch wenn der Blutzoll der französischen Truppen in Italien hoch war und die Liste der Adelsfamilien, aus denen einzelne oder mehrere Mitglieder auf den italienischen Schlachtfeldern den Tod fanden, lang ist. Das Königreich blieb auch weitgehend von den Kosten dieser Kriege entlastet, da die Mittel des reichen Herzogtums Mailand ausreichten, die teuere Kriegsführung und Truppenbeschaffung zu bezahlen.
Nachdem Ludwig seine innenpolitischen Ziele erreicht hatte und die ihm am wichtigsten erscheinenden Maßnahmen zur Neuordnung des Königreichs eingeleitet waren, konnte er, dieses Mal mit der ganzen Machtfülle des französischen Königtums ausgestattet, endlich das Vorhaben in Angriff nehmen, das dem Herzog von Orleans wieder seinen rechtmäßig ererbten Besitz zuführen würde, die Wiedereroberung Mailands und die Vertreibung von Ludovico Sforza. Als am 18.7.1499 französische Truppen ins Herzogtum einmarschierten, hatte Ludwig in den vorausgegangenen 15 Monaten seit seinem Regierungsantritt die notwendigen diplomatischen Schritte unternommen, um diesem Kriegszug zum Erfolg zu verhelfen. Veränderungen in der politischen Landschaft Italiens konnten kaum einer europäischen Macht gleichgültig sein, zumal wenn das französische Königtum durch Gebietszuwachs in Italien eine Ausdehnung seiner Macht erfahren sollte. Unmittelbar betroffen waren in Italien selbst das Papsttum mit seinen Ansprüchen, auch als Territorialstaat aufzutreten, und Venedig, das sein eigenes Herrschaftsgebiet sowohl auf Kosten Mailands als auch des Papstes zu erweitern trachtete. Venedig bot sich mithin als Bündnispartner für Frankreich an. Die Schweiz als "Anrainerstaat" war in doppelter Hinsicht insolviert. Zum einen kämpften Schweizer Söldner trotz der vielen Anwerbeverbote in fast allen europäischen Heeren, zum Beispiel bei den Franzosen, bei Ludovico Sforza, in den Truppen des Papstes oder MAXIMILIANS, und zum anderen bestanden Gebietsansprüche beziehungsweise Annexionswünsche auf das Tessin mit Locarno und Bellinzona. Der Kaiser als oberster Lehnsherr Mailands war in der Person MAXIMILIANS auch persönlich vom Angriff Ludwigs auf Lucovico Sforza betroffen. Er hatte 1494 Bianca Sforza, die Nichte Ludovicos, geheiratet. Völlig unerwartet und für Ludovico sehr gelegen - ganz offen wurde vermutet, dass er für diesen Tod verantwortlich war - starb wenige Monate nach MAXIMILIANS Hochzeit Biancas Bruder Giovanni-Galeazzo, als dessen Vormund Ludovico fungiert hatte, der eigentlich der rechtmäßige SFORZA-Erbe des Mailänder Herzogtums war - wenn man den SFORZA überhaupt Erbansprüche zugestehen wollte, was Ludwig XII. natürlich nicht tat. Mit der Belehnung durch den Kaiser, die sich unmittelbar anschloß, war Ludovico nun auch rechtlich unangreifbar zum Herzog von Mailand geworden - de facto war er es schon während seiner Vormundschaft gewesen. Die fünf, von jedem Italienkonflikt tangierte Macht schließlich waren die spanischen Königreiche Kastilien, Katalonien und Aragon, die seit der Heirat Isabellas von Kastilien mit Ferdinand von Aragon 1469 in Personalunion vereint waren. Mit MAXIMILIAN hatten sie über die Doppelhochzeit ihrer Kinder 1496 ein Bündnis geschlossen. Der spanische Erbprinz Johann wurde mit Margarete von Österreich, der ehemaligen Braut Karls VIII., und die Tochter Johanna, die später gemütskrank wurde und den Beinamen "die Wahnsinnige" erhielt, mit Philipp dem Schönen verheiratet. Margarete und Philipp stammten aus der ersten Ehe MAXIMILIANS mit der früh verstorbenen Maria von Burgund (1457-1482), der einzigen Tochter und Erbin des Burgunder-Herzogs Karls des Kühnen. Ihnen fiel das burgundische Erbe ihrer Mutter zu. Diese Doppelhochzeit zielte jedoch keineswegs auf eine dynastische Verschmelzung der HABSBURGER mit den "katholischen Königen", wie Ferdinand und Isabella vom Papst nach dem erfolgreichen Abschluß der Reconquista, der Eroberung Granadas, der letzten islamischen Herrschaft in Spanien, genannt wurden, und auch nicht auf eine Vereinigung der spanischen Königreiche mit dem Reich. Wohl niemand hätte vorhergesagt, dass KARL, dem Sohn Philipps und Johannas, dem späteren KARL V., beide Reiche zufallen sollten: Der spanische Thronfolger Johann starb fünf Monate nach seiner Hochzeit mit Margarete. Isabella und Ferdinand blieben ohne weitere Erben, so dass die Erbansprüche ihrer Tochter Johanna aufgrund ihrer Krankheit zuerst auf ihren Vater Ferdinand und dann, nach dessen Tod (1516) - Isabella war schon 1504 gestorben -, auf ihren Sohn KARL(* 1500) überging. Da KARLS Vater, Philipp der Schöne, 1506 lange vor seinem Vater MAXIMILIAN starb, fiel KARL 1519 beim Tod seines Großvaters MAXIMILIAN auch das habsburgische Erbe zu. Die letzte Macht, die, wenn auch nicht direkt betroffen, da ohne italienische Interessen, so doch auf dem Hintergrund des Hundertjährigen Krieges als potentieller Feind Frankreich und Verbündeter seiner Gegner anzusehen war, war England unter den TUDOR-Königen Heinrich VII. (1485-1509) und Heinrich VIII. (1509-1547).
Unter den einzelnen Schritten, die Ludwigs Italienzug absichern sollten, ist vor allem die Erneuerung des Vertrages von Etaples (1492) mit Heinrich VII. (1498) zu nennen, der Frankreich den Rücken freimachen sollte. Wichtiger jedoch war es, wenn möglich, die Zustimmung des als Lehnsherrn Mailands unmittelbar betroffenen Königs MAXIMILIAN zu gewinnen. Nach einem fehlgeschlagenen Kriegszug MAXIMILIANS gegen das französische Burgund, auf das der deutsche König Anspruch erhob, schien seine Situation so geschwächt, dass von ihm kein militärisches Eingreifen zu befürchten war. Der Vorstoß gegen Burgund war gescheitert, nachdem die angemieteten Söldner das Heer verlassen hatten, so dass es gar nicht zu einer militärischen Konfrontation mit französischen Truppen kam. Außerdem hatte Ludwig sich noch mit einem klassischen Mittel der Diplomatie gegen den deutschen König abzusichern versucht, indem er ein Bündnis mit den Mächten im Rücken des Gegners abschloß. Wie im Falle Englands, dessen Neutralität sich Ludwig zusätzlich noch durch ein Bündnis mit König Jakob IV. von Schottland zu versichern suchte, schloß Ludwig im Juli 1498 ein Bündnis mit König Hans von Dänemark ab. Wichtiger war zweifellos aber die Einigung mit MAXIMILIANS Sohn Philipp, der zur gleichen Zeit Ludwig als seinen Lehnsherrn für Flandern, das Artois und das Charolais den Lehnseid leistete. Auch mit den spanischen Königen war es zu einer vertraglichen Einigung gekommen (Juli 1498), wobei man sich nicht nur gegenseitiger Freundschaft versicherte, sondern sogar auch bei Angriffen vertragliche Hilfe versprach. Während all diese Abmachungen und Verträge im Ernstfall zu wenig verpflichteten, war Ludwig darüber hinaus auf konkrete Hilfe angewiesen. In langwierigen Verhandlungen mit Venedig gelang es schließlich im Vertrag von Blois am 9.2.1499, sich mit der Republik auf eine gemeinsames militärisches Vorgehen gegen Mailand zu einigen.
Nachdem die Franzosen einige Wochen später die Schweiz hatten dazu überreden können, Schweizer Landsknechte für das französische Heer anwerben zu lassen, der Papst und vor allem sein Sohn, die ebenfalls auf Landgewinn in Italien aus waren, ohnehin zu den Verbündeten der Franzosen zählten, war Ludovico Sforza nicht nur politisch isoliert, sondern auch militärisch, da er ohnehin kein großer Heerführer war, gegen den gemeinsamen französisch-italienischen Angriff ohne Chance. Den Oberbefehl über die französischen Truppen erhielt Gian Giacomo Trivulzio, ein von Ludovico exilierter Mailänder, der schon 1495 erfolgreich Asti, wo sich auch Ludwig aufhielt, gegen Ludovico verteidigt hatte.
Ohne auf großen Widerstand zu treffen, wurde Mailand knapp zwei Monate nach dem Einmarsch ins Herzogtum eingenommen. Ludovico hatte sich nach Deutschland geflüchtet. Als es ihm zu Anfang des folgenden Jahres mit deutschen und schweizerischen Söldnern gelang, Mailand und Novara wieder einzunehmen, stellte Ludwig ihm Georges d'Amboise als Gesamtverantwortlichen für die italienische Kriegsführung und La Tremoille als militärischen Oberbefehlshaber entgegen. Als sich in Novara die Heere gegenüberstanden, befanden sich auf beiden Seiten Schweizer Landsknechte. Gegeneinander wollten sie nicht kämpfen, so dass es La Tremoille schließlich gelang, den von seinen Truppen verlassenen Ludovico am 8.4.1500 gefangenzunehmen. Der Gefangene wurde nach Frankreich gebracht, wo er schließlich in Loches in strenger Kerkerhaft und völliger Vergessenheit wahrscheinlich 1508 starb. In Mailand ließ Ludwig schon nach der ersten Eroberung am 11.11.1499 eine große Ordonnanz verkünden, in der ein Militär- und ein Zivilgouverneur sowie ein Senat als oberstes Entscheidungsgremium eingesetzt wurden. Zwar wurden je 13 Italiener und Franzosen zu Mitgliedern ernannt, doch konnten sich im Konfliktfall jeweils die Franzosen durchsetzen. Gleichwohl verblieb dem Herzogtum auf diese Weise eine gewisse Autonomie. 13 Jahre sollte es dauern, ehe Ludwig Mailand wieder verlieren sollte.
Um allerdings die tatsächliche Inbesitznahmen des Herzogtums auch rechtlich zu untermauern, bedurfte es noch der Belehnung durch den deutschen Kaiser, denn Ludovico war, obgleich gefangengenommen, der vom Kaiser eingesetzte Herzog von Mailand.
Die Situation zwischen Frankreich und dem Reich war gespannt, zumal Ludwig auch noch im Juli 1500 einen Vertrag mit Ladislaus, dem König von Ungarn und Böhmen, und König Johann I. Albrecht von Polen schloß, der zwar in erster Linie den gemeinsamen Kampf gegen die Türken zum Ziel hatte und das Reich als Gegner ausdrücklich ausschloß, aber auch als Einkreisung des Reichs verstanden werden konnte. Im Gegensatz zu anderen, die wie MAXIMILIAN häufig vom Kreuzzug redeten, aber kaum etwas unternahmen, war es Ludwig mit dem Kampf gegen die Türken durchaus ernst, wie er es schon mit einem ersten, 1499 gescheiterten Feldzug bewiesen hatte. Das gemeinsame Kreuzzugsinteresse zwischen Ludwig und MAXIMILIAN schien eine Basis für ein gemeinsames Vorgehen zu bieten. Vielleicht hegte Ludwig bei den Vorbereitungen seines zweiten Türkenzuges, der ihm und Anna ein wirkliches Anliegen war, so dass sie auch bereit waren, ihm mit den Großeinsatz von Schiffen und Truppen zum Erfolg zu verhelfen, den Wunsch, sich über einen Kreuzzug mit MAXIMILIAN zu verständigen. Die Situation schien günstig zu sein. Im August 1500 wurde ein sechsmonatiger Waffenstillstand zwischen Ludwig und MAXIMILIAN vereinbart, der danach noch bis Ende 1502 verlängert wurde. Obwohl alle Herrscher des christlichen Europas sich verbal dem Kreuzzugsunternehmen angeschlossen hatten, blieb praktische Hilfe aus. Als 1501 die französische Flotte die türkische Festung auf Lesbos einzunehmen suchte, kämpften lediglich die Genueser an ihrer Seite. Venedig hielt sich ebenso zurück wie die Johanniter, die Unterstützung zugesagt hatten. Damit war der Kreuzzug gescheitert. Die Flotte mußte sich zurückziehen und wurde auf der Rückfahrt durch Stürme fast völlig aufgerieben. Auch Philipp von Ravenstein, der Bruder von Ludwigs Mutter, dem der König den Oberbefehl über die Flotte übertragen hatte, entging nur mit knapper Not dem Tod.
Trotz all dieser diplomatischen und militärischen Aktivitäten verlor Ludwig jedoch nicht sein zweites italienisches Ziel aus den Augen, nämlich das Königreich Neapel, das schon Karl VIII. erobert, aber wenig später wieder verloren hatte, zurückzugewinnen. Ob das Königreich Neapel Ludwig ebenso wichtig war wie seinerzeit Karl, den er ja nicht nach Neapel begleitet hatte, oder ob hier seine Berater stärker engagiert waren als der König selbst, sei dahingestellt. Zweifellos war ihm Mailand, das er als sein Hauserbe betrachtete, wichtiger als das Königserbe Neapel. Dies mag auch erklären, dass er sich mit dem Verlust Neapels schnell abfinden sollte. Da Ludwig wußte, dass eine Eroberung des Königreichs Neapel eine Verletzung spanischer Interessen bedeutete und wohl auch, weil er einen Verbündeten suchte, schloß er mit König Ferdinand von Aragon in Granada am 11.11.1500 einen Geheimvertrag, indem sie eine gemeinsame Eroberung verabredeten und die Teilung des eroberten Landes vereinbarten. An Frankreich sollte mit Neapel und Gaeta der Norden fallen, während der Süden mit Sizilien unter spanische Herrschaft gestellt werden sollte. Vor dem gemeinsamen Vorgehen der Spanier und Franzosen mußte Friedrich von Neapel, der versuchte, die Städte gegen die Eindringlinge zu halten, schnell kapitulieren. Nach dem Fall Gaetas und Capuas ergab er sich dem französischen Heerführer in Neapel und zog es vor, nach Frankreich zu Ludwig zu gehen und nicht zu seinem engen Verwandten Ferdinand nach Spanien. Gegen eine hohe Pension von 50.000 Pfund, die ihm Ludwig aussetzte, und die Übertragung der Grafschaft Maine stimmte Friedrich im Mai 1502 den Regelungen des Vertrags von Granada zu und verzichtete auf sein Königreich.
Damit stand Ludwig am Ziel seiner Wünsche. In nur vier Jahren hatte er seine zentralen außenpolitischen Ziele verwirklicht, sieht man einmal von der noch ausstehenden Investitur mit Mailand ab. Die Eroberungen schienen  vertraglich gut abgesichert. Keine der europäischen Mächte drohte, mit kriegerischen Aktionen gegen Frankreich und seine Eroberungen vorzugehen.
Doch der Schein trog. Ob die Truppen der Eroberer im Königreich Neapel geplant oder eher zufällig aneinandergerieten, ist nicht entscheidbar. Jedenfalls entwickelte sich aus gelegentlichen Zusammenstößen schnell ein regelrechter Krieg. Im Februar 1503 sollte - in einem in die Geschichte eingegangenen Massenkampf zwischen 11 spanischen und 11 französischen Rittern, unter denen sich auch berühmte Namen wie La Palisse, d'Urfe und vor allem der Ritter Bayard befanden - vor Trani vor den Augen Tausender von Zuschauern eine Entscheidung gesucht werden. Ohne Sieger und Besiegte trennte man sich nach langem Kampf. In den über das ganze Jahr 1503 andauernden Kämpfen mußten die Franzosen trotz bravouröser Einzeltaten ihrer Anführer, die aber untereinander ihre Aktionen kaum koordinierten, gegen den spanischen Großkapitän Gonzalo de Cordoba nach Niederlagen in Cerignola und Garigliano sich nach Gaeta, ihren letzten an den Grenzen zum Kirchenstaat gelegenen Stützpunkt zurückziehen. Auf die Dauer war aber auch Gaeta nicht zu halten. Die Franzosen mußten kapitulieren. In einem zunächst auf drei Jahre abgeschlossenen Waffenstillstandsvertrag akzeptierte Ludwig im März 1504 die Niederlage und den Verlust Neapels. Die Schuldigen am Desaster fielen in Ungnade und wurden nach Mailand verbannt, allerdings mit Ausnahme von Georges d'Amboise. Ihn hatte Ludwig mit der Führung eines starken Entsatzheeres beauftragt, das aber erst viel zu spät herangeführt wurde.
Inzwischen war auf dem politischen Parkett eine Wende eingetreten, die sich sehr zum Nachteil der bisherigen Vormachtstelllung Frankreichs auswirken und alles bisher Erreichte in Frage stellen sollte. Papst Alexander VI. starb nach langer Krankheit am 18.8.1503. Damit verlor Ludwig einen wichtigen Bündnispartner. Sein Tod machte außerdem deutlich, wie stark Einzelpersonen in führenden Positionen die Machtkonstellation und den Gang der Ereignisse bestimmten. Ein plötzlicher Tod konnte sehr schnell grundlegende Veränderungen in einem scheinbar stabil wirkenden System zur Folge haben.
Unter den Anwärtern auf die Nachfolge Alexanders gab es vor allem einen Mann, dessen Erfolg Ludwig sicher den entscheidenden Rückhalt bei der Sicherung seiner italienischen Herrschaftsgebiete gewährt hätte, Kardinal Georges d'Amboise, sein langjähriger Berater. Mit einem Heer im Rücken, dem französischen Entsatzheer für Neapel, einer Mehrheit von Kardinälen auf seiner Seite - so glaubte er wenigstens - schien sich Georges d'Amboise seiner Wahl sicher sein zu können. Im Konklave erwiesen sich jedoch die politischen Gegnerschaften als so dominant, dass es ihm nicht gelang, gegen die gegnerische Partei, die vor allem aus den deutschen, römischen und spanischen Kardinälen bestand, sich durchzusetzen. Besonders ein Mann, der als Freund Frankreichs galt, wo er lange gelebt hatte, dürfte mit ausschlaggebend für das Scheitern von Georges d'Ambois gewesen sein, Giuliano della Rovere, der spätere Julius II. Schließlich einigte man sich auf Pius III., der wegen seiner Krankheit sicher als Interimskandidat zu gelten hat. Ganz im Stil der Zeit gab Georges 'Ambois gegen die Zusicherung der Verlängerung seines Amtes als päpstlicher Legat und eines Kardinalshuts für einen Neffen seine Zustimmung. Sollte er gehofft haben, nach dem Tod von Pius III. erfolgreicher zu sein, so mußte er sich bald eines Besseren belehren lassen. Als Pius nach einigen Wochen starb, einigte sich das Konklave schon nach einem Tag auf Julius II. (1503-1513) als neuen Papst. Georges d'Amboise wurde mit der Ernennung zum päpstlichen Legat auf Lebenszeit abgefunden.
Damit war ein Mann gewählt worden, der in den 10 Jahren seines Pontifikats vor allem zwei Ziele verfolgte, Ausbau und Stärkung des Kirchenstaats, wozu Ludwig unwillentlich schon durch seine Zugeständnisse und militärische Unterstützung von Alexander VI. und Cesare Borgia beigetragen hatte, und die Vertreibung der "Barbaren" aus Italien, womit wohl in erster Linie die Franzosen und Deutschen gemeint waren. Im Gegensatz zu Ludwig, dem zur Finanzierung seiner Feldzüge vor allem die Finanzkraft des reichen Herzogtums Mailand zugutekam, war MAXIMILIAN in seinem Handeln stark eingeschränkt. Ohne Zustimmung der Reichsstände war er nicht in der Lage, militärisch mit Aussicht auf Erfolg gegen den französischen König in Oberitalien vorzugehen. Diese Einsicht mag ihn bewogen haben, dem Drängen seines Sohnes, Philipps des Schönen, nachzugeben und mit Ludwig eine dauerhafte vertragliche Einigung zu suchen. Die Basis dieses Vertrages, der am 22.9.1504 in Blois geschlossen wurde, sollte wie so oft eine Heiratsverbindung sein. Gegen die Zusicherung der Investitur mit dem Herzogtum Mailand durch MAXIMILIAN versprach Ludwig die Ehe seiner Tochter Claude mit MAXIMILIANS Enkel KARL. Die Anwartschaft auf das Herzogtum Mailand, Burgund und die Bretagne sowie weitere Gebiete wurde dem Paar in Aussicht gestellt. Diese Abmachung, die Frankreich um fast all das gebracht hätten, was es seit Ludwig an territorialem Zugewinn erreicht hatte, ist vielfach in der Forschung als staatspolitisch desaströs beurteilt worden. Nicht zu Unrecht sah man dahinter Anna als treibende Kraft, die dem zu dieser Zeit schwerkranken König das Vertragszugeständnis abgerungen habe. Ihr war ohnehin nicht an einer Verbindung Frankreichs mit der Bretagne gelegen, und außerdem schien dieser Vertrag ein anderes Heiratsprojekt verhindern zu können, gegen das sie sich wohl aus persönlichen Animositäten heraus Zeit ihres Lebens wandte. Gemeint ist die Ehe zwischen Claude und dem Neffen des Königs und möglichen Thronfolger, Franz von Angouleme. Zwar hatte es schon in den Jahren vor dem Vertragsabschluß Verhandlungen über eine mögliche Verbindung von KARL und Claude gegeben, doch standen diese Verhandlungen einer geheimen Erklärung Ludwigs entgegen, dass Claude mit Franz zu verheiraten sei. Aber auch MAXIMILIAN hatte seine Vorbehalte gegen Ludwig keineswegs aufgegeben und zögerte immer wieder die zugesicherte Investitur hinaus, bis er sich schließlich Mitte April des folgenden Jahres dazu bereit fand.
Eine erneute Annäherung an Spanien bot sich nach dem Tode von Ferdinands Frau, Isabella von Kastilien, 1504 an. Im Ehevertrag zwischen Ferdinand und Germaine von Foix, der Nichte Ludwigs, übertrug der König von Frankreich seine Rechte am ohnehin verlorenen Königreich Neapel auf seine Nichte, wofür ihm der spanische König die gewaltige Summe von 900.000 Florin zahlte.
Um sich nach der Investitur mit Mailand der Verpflichtung des Vertrages von Blois zu entledigen, bedurfte es einer etwas aufwendigeren Inszenierung. Von einer nach Tours im Mai 1506 einberufenen Ständeversammlung - keine Generalständeversammlung - ließ sich der König autorisieren, die Abmachungen zur Eheschließung von KARL und Claude für ungültig zu erklären und statt dessen Claude mit Franz von Angouleme zu verheiraten. Dem deutschen Vertragspartner wurde dieser Bruch der Abmachungen mit dem Hinweis erklärt, dass ein älterer Eid des Königs im Interesse der Staatsräson nicht durch später eingegangene vertragliche Verpflichtungen invalidiert werden könne.
Versuche der Schadensbegrenzung der französischen Diplomatie nach diesem Vertragsbruch waren insofern von Erfolg gekrönt, als es dem Kaiser nicht gelang, gegen Ludwig militärische Sanktionen einzuleiten, weder in Italien noch in Burgund. Doch bewirkten personelle Veränderungen im Kreis der Herrschaftsträger eine Verschiebung der Gewichte zu Lasten Ludwigs. An die Stelle des eher um Ausgleich bemühten Philipps des Schönen trat nach seinem plötzlichen Tod seine Schwester Margarete, die aufgrund ihrer Vergangenheit keine Freundin Frankreichs war. Als Regentin der Niederlande und als Vormund ihres Neffen KARL verstand sie es, eine vom Vater MAXIMILIAN unabhängige Politik zu betreiben, bei der die Interessen der Niederlande eindeutig Priorität vor denen des Reiches genossen. Auch der englische Thronwechsel (1509) von Heinrich VII., zu dem gute Beziehungen bestanden, zu Heinrich VIII., der den Krieg gegen Frankreich wieder aufnahm, verstärkte den Kreis der Gegner Frankreichs.
Ein Aufstand der Genuesen gegen die französische Herrschaft im Februar 1507, bei dessen Niederschlagung König Ferdinand mit vier Galeeren Ludwig zu Hilfe kam, verstärkte die Differenzen mit MAXIMILIAN, da Genua zum Reichsgebiet zählte. Nachdem die Nachricht von der schnellen Niederschlagung des Aufstandes und dem feierlichen Zusammentreffen Ludwigs mit König Ferdinand und seiner französischen Frau in Savona sich verbreitet hatte, glaubte MAXIMILIAN vor dem Konstanzer Reichstag (April bis August 1507) vor der Gefahr, die dem Reich durch Ludwig XII. drohe, warnen zu können. Der französische König strebe nach der Kaiserkrone, verkündete er. Ob er selbst daran glaubte, darf bezweifelt werden. Jedenfalls erhielt er, wenn auch nicht in dem gewünschten Maße, Hilfe für einen Krönungszug. Da die Grenzsperren Venedigs und der Franzosen einen weiteren Vormarsch nicht gestatteten, ließ MAXIMILIAN sich Anfang Februar 1508 in Trient mit Zustimmung des Papstes zum "erwählten römischen Kaiser" ausrufen. Weiteres militärisches Vorgehen gegen Venedig scheiterte an dem Mangel an Truppen und Geld.
Die Jahre nach 1506/07 waren gekennzeichnet durch einen ständigen Wechsel der Allianzen und Bündnisse der verschiedenen direkte oder indirekt in die Auseinandersetzungen um Italien verwickelten Parteien. Am Ende sollte Ludwig der große Verlierer sein. Das erste große Bündnis dieser Jahre, das eine Veränderung der bisherigen Fronten brachte, war der in Cambrai im Dezember 1508 zwischen MAXIMILIAN und Ludwig XII. geschlossene Vertrag. Diese sogenannte Liga von Cambrai, in der außer Ludwig und MAXIMILIAN noch der Papst und König Ferdinand sowie die Könige von England und Ungarn zusammengeschlossen waren, richtete sich gegen Venedig, den alten Verbündeten Frankreichs, dessen Machtzuwachs in Italien als bedrohlich angesehen wurde, und dem Ludwig mit einem gewissen Recht fehlende Bündnistreue vorwerfen konnte. Konkrete Kriegsziele wurden benannt: Ravenna für den Papst, Brescia für Ludwig XII., Verona für den Kaiser und Otranto für Ferdinand. Gleichwohl darf man annehmen, dass für Ludwig das Bündnis selbst, die Einigung mit dem Kaiser, vor dem Territorialgewinn von Bedeutung war. Wie so oft in der Vergangenheit hatte Frankreich die eigentlichen Kriegslasten zu tragen. Während MAXIMILIAN sich gar nicht am Kampf beteiligte, zog Ludwig XII. zum vierten und letzten Mal während seiner Königsherrschaft nach Italien, wobei er sich wegen seiner fortschreitenden Gicht sogar tragen lassen mußte. Im Unterschied zu früher kamen die Fußsoldaten im wesentlichen aus Frankreich, da die Schweizer eigene politische Ambitionen zu entwickeln begannen und sich den französischen Versuchen zur Anwerbung von Söldnern widersetzten. Nach dem Sieg der Franzosen über das Heer der Venezianer bei Agnadello (Mai 1509) gelang es Venedig, seinen Hauptgegner Frankreich mehr und mehr zu isolieren, indem es seine übrigen Angreifer mit Territorialabtretungen beziehungsweise der Herausgabe eroberter Territorien auf seine Seite zog. Gegen den Widerstand der deutschen und französischen Kardinäle willigte Julius in die Aufhebung des gegen Venedig verhängten Interdikts ein (24.2.1510), was ein eindeutiger Verstoß gegen die Liga von Cambrai war und den Beginn eines neuen, diesmal gegen Ludwig gerichteten Bündnisses darstellte. König Ferdinand wurde vom Papst durch die Belehnung mit dem Königreich Neapel zum Seitenwechsel bewogen. Die Schweizer schlossen sich dem Papst in der Erwartung territorialer Zugewinne im Norden des Herzogtums Mailand an. Wichtigster Fürsprecher des Papstes war dabei der Kardinalbischof von Sitten, Matthäus Schiner. Der Papst bot geistlichen Schutz. Die Schweizer verpflichteten sich, dem Papst ein Heer mit 6.000 Landsknechten zu stellen (1510). Heinrich VIII. wurde gleich nach seiner Thronbesteigung vom Papst umworben und schloß sich den Gegnern Ludwigs an. Zwar stand der Kaiser noch auf Seiten Ludwigs, doch war es Julius II. gelungen, sowohl das Herzogtum Mailand von drei Seiten einzukreisen als auch gegen Ludwig im Süden Frankreichs den spanischen König zu mobilisieren, der dort Navarra an sich zu bringen suchte, und im Norden den englischen König, der bereit war, den Krieg gegen Frankreich wieder aufzunehmen.
Ludwig war damit zum erstenmal praktisch isoliert und in die Defensive gedrängt, wenn auch MAXIMILIAN, allerdings ohne ihn zu unterstützen, noch auf seiner Seite stand. Die Auseinandersetzung mit dem Papst erforderte zudem andere als nur militärische Hilfe. Da der machthungrige, ungeistliche Papst nur wenige Anhänger im französischen Klerus gewonnen hatte, stellte sich die von Ludwig nach Tours einberufene Versammlung des französischen Klerus (September 1510) hinter den König und billigte dessen Vorgehen gegen den Papst. Darüber hinaus wurden ihm von der Versammlung noch 240.000 Pfund aus Mitteln des Klerus bewilligt. Ein weiteres Druckmittel des Königs gegen den Papst war eine ausführliche Ordonnanz, die unter Berufung auf die Konzilien in Konstanz und Basel gallikanische Prinzipien neu verkündete und Regelungen der pragmatischen Sanktion von Bourges wieder einführte (Juni 1510). Auf einer weiteren Versammlung des Klerus im März des folgenden Jahres wurde die Einberufung eines allgemeinen Konzils gefordert, das am 1.11. mit Zustimmung des Kaisers in Pisa zusammentrat. Neben diesem Angriff auf die päpstliche Autorität, mit dem auch die Legitimation des Papsttums von Julius II. in Frage gestellt wurde, sah sich Julius auch militärisch in die Defensive gedrängt, da die päpstlichen Truppen dem französischen Gegner nicht gewachsen waren. Diese wurden von Charles de Chaumont, dem Neffen des kurz zuvor verstorbenen Kardinals von Amboise, geführt. Nach dessen Tod wurde der junge Gaston de Foix, der Neffe des Königs, der sich als genialer Heerführer erwies, eingesetzt.
Die Antwort des Papstes war die sogenannte Heilige Liga, in der er sich mit Venedig und Spanien am 4.10.1511 vereinigte. Wie schon der Name andeutet, hatte der Konflikt jetzt endgültig die Ebene der rein militärischen Auseinandersetzungen verlassen. Schon am 18.7. hatte Julius II. in Reaktion auf die französische Konzilseinberufung seinerseits für den April 1512 ein allgemeines Konzil nach Rom einberufen. Wenig später schloß sich der englische König der Heiligen Liga an, dessen offizielles Ziel die Rückeroberung der Territorien des Kirchenstaates, nur vorgeschoben war. Was man wollte, war die Vertreibung der Franzosen aus Italien und, weitergehend, der Sturz Ludwigs XII. Gleichzeitig planten die Bündnispartner der Liga, Spanien und England, die Eroberung der Guyenne und einen Angriff Frankreichs im Norden. Der Sieg, den der geschickt manövrierende Gaston de Foix im April 1512 bei Ravenna  mit seinem deutsch-französischen Heer gegen die päpstlich-spanischen Truppen errang, war mit seinem Tod in dieser Schlacht für die Franzosen zu teuer erkauft. Vor den vorrückenden Schweizern mußten sie sich, nachdem sie über keinen Gaston de Foix vergleichbaren militärischen Führer mehr verfügten, zurückziehen. In dem wiedereroberten Mailand wurde Maximilian Sforza, der Sohn Ludovicos, als Herzog eingesetzt. Maximilian erkannte die Zeichen der Zeit, wechselte die Seiten und schloß sich im November 1512 der Heiligen Liga an. Ludwig stand allein. Der Krieg an allen Fronten, dem sich Frankreich jetzt ausgesetzt sah, schien seine Kräfte endgültig zu übersteigen. Überall erlitten die französischen Heere, die jetzt auf sich allein gestellt waren, Niederlagen: gegen die Spanier in Navarra (Dezember 1512), das endgültig dem Königreich und dem Haus ALBRET verlorenging, gegen die in Calais gelandeten Engländer bei Guinegatte (August 1513), gegen die Schweizer in Novara im Juni 1513, nachdem im Monat zuvor Ludwig mit einem neuen Heer noch einmal den Versuch einer Wiedereroberung des Herzogtums befohlen hatte. Schließlich drohte eine Invasion auch im Osten des Königreichs durch die von Margarete herbeigeholten Schweizer. Mit ihrer Hilfe hoffte sie, das Burgund ihres Großvaters, Karls des Kühnen, wieder für sich gewinnen zu können. Am 7. September 1513 stand ein großes Heer schweizerischer Landsknechte vor Dijon und drohte es einzunehmen. Ein weiteres Vorrücken in Richtung Paris war nicht auszuschließen.
So bedrohlich die Situation auch erschien, so hatte das Jahr 1513 neben all den Niederlagen seiner Heere noch ein für Ludwig erfreuliches Ereignis zu verzeichnen, nämlich den Tod des Papstes Julius II. im Februar 1513. Sein Nachfolger wurde Leo X., ein friedfertiger und weniger machtbesessener Papst als seine beiden Vorgänger. Zwar brachte er kurz nach seiner Inthronisation noch einmal in Malines eine Liga zwischen dem Papsttum, MAXIMILIAN, Heinrich VIII., Ferdinand und den Schweizern zusammen, um die Rückkehr Ludwigs nach Italien zu verhindern, nachdem es diesem gelungen war, Venedig aus der Heiligen Liga im März 1513 herauszubrechen und wieder auf seine Seite zu ziehen. Doch war der Papst grundsätzlich zu einer Einigung mit Ludwig bereit, zumal dieser Italien nach der Niederlage in Novara hatte räumen müssen. Ein Ausgleich mit dem Papst konnte auch die Basis für eine allgemeinere Friedensordnung unter Einbeziehung der übrigen Bündnispartner der Heiligen Liga bieten.
So kam es Ende Dezember 1513 zu einer Versöhnung zwischen Leo X. und Ludwig XII. Als Zugeständnis mußte Ludwig von den Entscheidungen des Konzils von Pisa, das Julius II. für abgesetzt erklärt hatte, abrücken und sich hinter die Entscheidung des Laterankonzils von Julius II. stellen. Leo X. vermittelte eine Einigung zwischen MAXIMILIAN und Venedig. Ein Waffenstillstand beendete den Krieg Frankreichs mit Spanien. Als letzter Partner der Heiligen Liga einigte sich Heinrich VIII. trotz heftiger diplomatischer Störmanöver Margaretes, die diesen Bundesgenossen gegen Frankreich nicht verlieren wollte, mit Ludwig. Über einen bloßen Friedensvertrag hinaus kam es sogar zu einer sehr viel engeren Allianz, da Ludwig, der durch Annas Tod im Januar 1514 verwitwet war, noch einmal heiraten wollte, da ihm noch immer ein Thronerbe fehlte. Seine Wahl fiel auf Maria, die junge, lebenslustige und schöne Schwester Heinrichs VIII. Am 9.10. fand die Hochzeit statt. Am 31.12. starb der König. Viele Zeitgenossen meinten, die Heirat mit der jungen Frau habe das Ende des kranken Mannes beschleunigt. Böse Zungen sprachen von einem perfiden Schachzug Heinrichs VIII. Nach Annas Tod war die lange aufgeschobene Hochzeit zwischen Claude und Franz von Angouleme gefeiert worden. Da Ludwig keinen Erben hinterließ und Maria bei Ludwigs Tod kein Kind erwartete, konnte Franz als König Franz I. den Thron besteigen.
Versucht man das Lebenswerk Ludwigs XII. zu umreißen, so ist festzuhalten, dass Frankreich alles das, was zu Beginn der Regierungszeit unter hohem Einsatz in Italien erobert worden war, am Ende wieder verloren hatte. Dazwischen lag ein "scheinbar regellose(s) großes Hin und Her der Bündnisse, die nach den Bedürfnissen des Augenblicks geschlossen wurden" (W. P. Fuchs, S.10). Man könnte resümieren, Ludwigs Lebenswerk war gescheitert. Doch greift ein solches Urteil zweifellos zu kurz. Richtiger sah ihn zweifellos seine Nachwelt im 16. Jahrhundert, die anderes in den Vordergrund stellte: die wirtschaftliche Blüte, die Frankreich unter Ludwig erlebt hatte, und der bis auf die letzten Jahre ungetrübte innere Friede. Das Bild des Königs, der als gerecht und sparsam, was seinen eigenen Aufwand betraf, aber freigebig gegenüber anderen galt, ließ nicht zu Unrecht seine Regierungszeit in späteren Jahrzehnten als Referenz für gesellschaftliche Zustände erscheinen, nach denen sich das durch innere Kriege zerrissene Land wieder zurücksehnte. Seine Zeitgenossen haben ihn, was nicht überrascht, in höchsten Tönen gelobt, wie auch sein Hofhistoriograph, Claude de Seyssel. Spätere Historiker, beginnend mit Michelet, der von einer "royale stupidite" (Quilliet, S. 448) sprach, glaubten, stärker eine gewisse Beschränktheit herausstellen zu sollen. Zweifellos waren manche seiner Gegner skrupelloser in der Wahl ihrer Mittel, raffinierter bei deren Anwendung und ideenreicher in ihrem Vorgehen. Gleichwohl scheinen Beurteilungen wie charakterschwach, mittelmässig intelligent, engstirnig und unflexibel ungerechtfertigt zu sein. Gerade in den Zeiten äußerster Bedrängnis in den Jahren 1512 bis 1514 hat Ludwig XII. bewiesen, dass er fähig war, Frankreich aus einer ausweglos erscheinenden Lage, in der ihn seine Gegner sogar vom Thron zu vertreiben hofften, herauszuführen. Franz I. konnte ein wohlgeordnetes Erbe antreten.