Karl V. der Weise                                     König von Frankreich (1364-1380)
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21.1.1338-16.9.1380                                Herzog von Normandie seit 1355
Vincennes Schloß Beaute-sur-Marne

Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris
 

Ältester Sohn des Königs Johann II. der Gute von Frankreich aus seiner 1. Ehe mit der Bona von Luxemburg-Böhmen, Tochter von König Johann dem Blinden
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 975
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Karl V., König von Frankreich 1364-1380
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* 21. Januar 1338, + 16. September 1380
Schloß Vincennes

Sohn von König Johann II. dem Guten und Guda (Bonne) von Luxemburg, Tochter König Johanns von Böhmen

  oo Johanna (Jeanne) von Bourbon (+ 1378)

8 Kinder, doch überlebten nur Karl VI. und Ludwig von Orleans

Als erster Thronanwärter trug Karl V. den Titel eines Dauphin (aufgrund des Erwerbs der Dauphine, 1349). Karl V. erhielt 1355 das Herzogtum Normandie; damit wurde er aufs engste in den Kampf des Königtums gegen Karl den Bösen und seine Anhänger einbezogen. Nach Poitiers (19. September 1356), wo er das Schlachtfeld verließ und so der Gefangenschaft entging, stand er an der Spitze der Regierung und war konfrontiert mit der Opposition der Etats generaux, der Agitation Karls von Navarra und dem Pariser Aufstand unter Etienne Marcel. Nachdem zwei Marschälle vor den Augen Karls ermordet worden waren, suchte Etienne Marcel die Autorität des Dauphin auszunutzen, indem er ihn zum Regenten ausrief (März 1358). Doch verließ Karl unmittelbar darauf Paris. Die Spaltung der Opposition, nicht zuletzt infolge der ausbrechenden Jacquerie (Mai-Juni 1358), und die Ermordung Etienne Marcels durch frühere Anhänger (31. Juli 1358) ermöglichten Karl die Rückkehr in die Hauptstadt (4. August 1358). Der König von Navarra erklärte ihm den Krieg, der bis zum Frieden von Pontoise (August 1359) dauern sollte. Nachdem ein Waffenstillstand den Krieg zwischen Frankreich und England unterbrochen hatte, wurden die Friedensverhandlungen unter Übergehung des Dauphins geführt, der aber im Mai 1359 einen vom gefangenen Vater angenommenen Friedensvertrag durch die Etats genereaux ablehnen ließ. Karl zog die Weiterführung des Krieges einer Zerstückelung Frankreichs vor. Nach einem verheerenden Streifzug (chevauchee) Eduards III. sah er sich jedoch genötigt, den Frieden von Bretigny-Calais (Mai/Oktober 1360) mit hohen Gebietsverlusten und Lösegeldzahlungen abzuschließen. Nach der Heimkehr König Johanns wieder ins zweite Glied zurückgedrängt, wurde Karl anläßlich der freiwilligen Rückkehr des Vaters nach London (Januar 1364) erneut zum Regenten ernannt und erhielt nach dem Tod Johanns (8. April 1364) den Thron.
Am Anfang der Regierung Karls V. standen Krieg und Verwüstung; der Kampf, den Karl V. durch seinen Heerführer Bertrand Du Guesclin gegen Karl von Navarra (Cocherel) und die von den Engländern unterstützten MONTFORT in der Bretagne führte, endete zwar mit Friedensschlüssen (1365,1366), doch war damit das Problem der im Lande stehenden Kompanien nicht gelöst. Um diese Söldnerverbände aus dem Gebiet des Königreiches zu entfernen, setzte er sie unter Du Guesclin in Kastilien ein (1366-1369), bis sie mit der Wiederaufnahme des Kampfes gegen England neue Betätigung fanden. Der infolge der Appellationen aus der Guyenne wiederaufgeflammte Krieg wurde 1369-1374 von Du Guesclin mit einem kleinen  Berufsheer, unter Vermeidung offener Schlachten und in zähem Ringen um einzelne Festungen, insgesamt erfolgreich geführt, doch konnte in den Verhandlungen von Brügge zwar ein Waffenstilstand, aber kein dauerhafter Friede mit England erreicht werden. Am Ende der Regierung Karls V. traten erneut Spannungen auf (Konfiskationen der Besitzungen des Königs von Navarra, Konflikt mit dem Herzog von Bretagne, 1380 englischer Streifzug unter Buckingham).
Karl V., der mit den LUXEMBURGERN, der Familie seiner Mutter, stets verbunden blieb, und am Bündnis mit dem Deutschen Reich festhielt, empfing 1378  den Besuch seines verehrten Onkels, Kaiser KARLS IV., und erlangte - für den Dauphin - die Übertragung des Reichsvikariats des Arelat. 1378 brach das Abendländische Schisnmma auf, in dem Karl V. den avignonischen Papst, Clemens VIII., unterstützte. Die innere Politik des Königreicxhes war von militärischen Erfordernissen bestimmt (Ordonnanzen 1374-1375; Aufbau einer Flotte auf Clos des Galees). Die anläßlich der Lösegeldzahlungen für Johann II. ausgeschriebene indirekte und direkte Steuer wurde unter Karl V. permanent erhoben und von den elus et generaux conseiellers des aides verwaltet. Umgeben von einem Beraterstab aus Legisten, denen das Wachstum  des monarchischen Staates oberstes Gebot war, führte Karl V. in den Krönungseid den Passus ein, nie die Krondomäne zu veräußern. Mit den Ordonnanzen von 1374, die die Volljährigkeit des Königs (auf 14 Jahre festgelegt) und die Vormundschaftsregierung für den minderjährigen König regelten, traf Karl V. eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen der Person des Königs und der Krone als überdauernder souveräner Institution der Monarchie. Durch seine Ordonnanzen hat Karl V. die großen Hofämter der Monarchie organisiert.
Die Persönlichkeit des Königs wird verherrlicht durch das "Livre des fais et bonnes meurs du sage roy Charles V" (1404) der Christine de Pisan, seine politischen Ideen durch den in seinem Umkreis entstandenen "Songe du vergier". Der König umgab sich mit Intellektuellen (Nikolaus Oresme, Raoul de Presle, Philippe de Mezieres) und ließ Aristoteles, Augustinus und Johannes von Salisbury übersetzen. Er war der Begründer der Bibliothek des Louvre und ein großer Bauherr (Louvre, Bastille, Hotel Saint-Pol, Ste-Chapelle in Vincennes) und Förderer der Künste. Zeitlebens von schwacher Gesundheit, hob der König kurz vor seinem Tode die verhaßten fouages auf. Schon zu Lebzeiten bildete sich der Mythos eines in seiner Weisheit und Umsicht herausragenden Königs von Frankreich.
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Karl V. der Weise war kränklich, häßlich, unritterlich, aber von hoher Geistigkeit, trug als Dauphin den Titel eines Herzogs der Normandie und übernahm 1356-1360 die Regierung für seinen in englischer Gefangenschaft befindlichen Vater, dem er vollkommen unähnlich war. Der von geschulten Beamten umgebene, selbst geistig überaus interessierte Karl erreichte bedeutende Fortschritte in der Stabilisierung der inneren Verhältnisse. Sein Königtum war eine Zeit der harten Proben, denn die Engländer hielten den Westen seines Reiches besetzt, Paris war dem Ruf von Etienne Marcel gefolgt und befand sich im Zustand der Rebellion, und bei der Landbevölkerung sah es nicht viel anders aus. Die Schatzkammern waren leer, und einige Aristokraten machten es Karl II. dem Bösen von Navarra nach: Sie intigrierten gegen die Krone und strebten nach Unabhängigkeit. In dieser Lage bewies Karl V. Überlegenheit und Scharfsinn und verdiente sich den Beinamen "der Weise", der ihm für immer blieb. 1360 schloß er als Dauphin den Vertrag von Bretigny, der trotz harter Bedingungen die Fortsetzung des unglückseligen Krieges verhindern sollte. Mit Hilfe des großen Strategen Bertrand du Guesclin (aus niederem bretonischen Adel) machte er den Ambitionen Karls II. von Navarra ein Ende. Seit seiner Thronbesteigung hatte der junge Monarch durch sein kluges Verhalten die königliche Autorität überall im Lande wiederherstellen können. Anschließend machte er sich daran, die Finanzlage in Ordnung zu bringen und die Engländer aus Frankreich zu vertreiben. Wieder half ihm Du Guesclin, der mit der traditionellen Verachtung des Ritters gegenüber nichtadligen Kriegern brach und  sich vor allem auf eine starke Artillerie stützte, mit deren Hilfe er im Laufe der Zeit zahlreiche befestigte Städte eroberte und ohne große Schlachten die Engländer zurückdrängte, denen im Waffenstillstand von 1375 nur noch Calais und ein Küstenstreifen in der Gascogne mit Bordeuax blieb. 20 Jahre angestrengter Bemühungen genügten, den Ruf des Hauses VALOIS wiederherzustellen, den Städten zu neuem wirtschaftlichem Aufschwung sowie der Kunst und der Literatur zu hoher Blüte zu verhelfen und die Touraine und die Dauphine dem Kronland anzuschließen.
Karl erlag einem Herzanfall.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Karl V. (1364-1380) stellte die durch seinen Vater und Großvater so stark beeinträchtigte Ordnung fast vollständig wieder her. Er behielt nicht nur die Sondersteuern bei, welche zur Aufbringung des Lösegeldes für König Johann eingeführt worden waren - die maltote, eine Abgabe auf alle Verkäufe, und die gabelle, die Salzsteuer -, sondern fügte noch eine neue Steuer hinzu, die foiage, eine Vorgängerin der Grundsteuer. Gestützt auf solcherart wohlgeordnete Finanzen, konnte er eine reguläre Armee aufstellen und die Marine wiederaufbauen. Dabei stand ihm in der Person des Connetable Du Guesclin ein militärischer Führer von außergewöhnlichem Format zur Seite.
Du Guesclin hatte mit seinem Sieg bei Cocherel im Jahre 1365 das Seine-Gebiet unter seine Kontrolle gebracht. Darauf versuchte er, dem Hause MONTFORT die Bretagne streitig zu machen, geriet jedoch in Gefangenschaft. Nachdem er seine Freiheit wiedererlangt hatte, befreite er Frankreich von den großen Kompagnien, indem er sie in den Dienst Heinrichs von Trastamara stellte, eines illegitimen Sohnes des Königs von Kastilien, der gegen seinen mit England verbündeten Halbbruder Peter den Grausamen Krieg führte. Indirekt bedeutete dies eine Wiederaufnahme des Kampfes gegen Eduard III., wenn auch auf ausländischen Boden. Als Du Guesclin in der Schlacht von Najera (3. April 1367) gefangengenommen wurde, beteiligte sich ganz Frankreich an der Aufbringung des Lösegeldes für ihn. Mit Unterstützung des Königs versuchte er dann, die Provence zu erobern, um das Languedoc mit der Dauphine zu verbinden. Er konnte diesen Plan nicht verwirklichen, doch erzielte er andere ansehnliche Erfolge und eroberte mit seinem Sieg bei Pontvallain den Westen zurück. Mit der von Admiral Jean de Vienne wiederaufgebauten und befehligten Flotte konnte er auch die Normandie wieder in französischen Besitz bringen. Der König leistete ihm beständigen Beistand und bediente sich mancher List und auch vereinzelter Grausamkeiten, um sein Gebiet unter Kontrolle zu bringen und seine Autorität zu festigen. Insgesamt war das Werk Karls V. so bedeutend, dass es "die erste Rückeroberung" in die Geschichte eingegangen ist.
Leider standen Diplomatie und Finanzpolitik in einem unheilvollen Gegensatz zu seinen unbestreitbaren militärischen Erfolgen. In der Absicht, die geplante Verbindung zwischen der Tochter des Grafen von Flandern und dem Sohn Eduards III. zu verhindern, veranlaßte er die Heirat dieser Prinzessin mit seinem Bruder Philipp dem Kühnen, Herzog von Burgund. Um die Zustimmung beider Parteien zu erlangen, mußte er die von Philipp den Schönen eroberten Gebiete, insbesondere Lille und Douai, zurückerstatten. Der König hatte geglaubt, Flandern durch die Verbindung mit Burgund französisch machen zu können. Das Gegenteil trat jedoch ein: Burgund öffnete sich dem flandrischen Einfluß, seine Herzöge zogen es vor, in Brügge zu leben, anstatt in Dijon. So ergaben sich aus der burgundischen Heirat für Frankreich Probleme, an denen es ein Jahrhundert später fast zugrunde gegangen wäre.
In der Religionspolitik zeigte sich Karl V. ebenso ungeschickt. Frankreich hatte durch die Übersiedlung des Papsttums nach Avignon einen bedeutenden Prestigezuwachs erfahren. Unter den Einfluß der heiligen Katharina von Siena jedoch erwogen die Päpste eine Rückkehr nach Rom. Auf dem 1378 in Rom zusammengetretenen Konzil wurde Kardinal Pignano im Konklave als Urban VI. zum Papst gewählt. Karl V. ergriff Partei für die französischen Kardinäle und betrieb die Wahl eines Gegenpapstes, Robert von Genf, der sich Klemens VII. nannte. Ohne die Unterstützung des Königs vermochte der Papst nichts, mit seiner Unterstützung aber schien er die Oberhand zu gewinnen. Die katholische Kirche spaltete sich in zwei Lager, bis das Konzil zu Konstanz im Jahre 1415 die Einheit wiederherstellte. So trug Karl V. einen großen Teil der Verantwortung für das große abendländische Schisma, wenngleich er in dieser peinlichen Angelegenheit in gutem Glauben gehandelt zu haben scheint.
Ein letzter Aspekt mag das Bild Karls V. abrunden. Dieser König, der ein Budget aufgestellt und der Krone stabile Einnahmequellen verschafft hatte, geriet gegen Ende seines kurzen Lebens in Zweifel über die Rechtmäßigkeit der von ihm eingeführten Steuern. Aus diesen Skrupeln heraus schaffte er sie vor seinem Tode wieder ab und hinterließ dadurch eine um so schwierigere Lage, als sein Nachfolger erst 12 Jahre alt war, was die mit einer Regentschaft ohnehin verbundenen Risiken noch erhöhte. Trotz dieser - wenig bekannten - Fehlhandlungen blieb sein Ruf ungeschmälert, wohl zum Teil dank der Lobpreisungen der Geschichtsschreiber und mehr noch deshalb, weil er der Anarchie ein Ende gesetzt hatte, die er bei seinem Regierungsantritt vorgefunden hatte und die nach seinem Tode wieder Raum griff. Dadurch genießt die Zeit des inneren Friedens unter seiner Regierung ein übertrieben erscheinendes Renommee.

Veldtrup Dieter:
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

Karl V. der Weise König von Frankreich
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* 21.1.1337, + 16.9.1380
Vincennes     Chateau de Beaute bei Vincennes

Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris

Sohn von König Johann II. dem Guten und seiner 1. Frau Bona von Luxemburg-Böhmen
 

~ Lyon 7.1349, oo Tain-en-Viennois 8.4.1350

        Johanna von Bourbon
        * 3.2.1338, + 6.2.1377
        Bois de Vincennes Paris

Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris

Tochter von Herzog Peter I. und der Isabella von Valois
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Verwandtschaft mit Johanna von Bourbon

                                                    Karl Graf von Valois
                                                   12.3.1270-15.12.1325
 
 

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                                  Isabella von Valois                                         Philipp VI. König von Frankreich
                                  1313-26.7.1383                                             1293-22.8.1350

                                  oo Peter I. Herzog von Bourbon
                                      1311-19.9.1356
 

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                   Johanna von Bourbon                                                   Johann II. der Gute König von Frankreich
                          3.2.1338-6.2.1377                                                           26.4.1319-8.4.1364
 

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                                ------------------------------------------------------- oo ----  Karl V. König von Frankreich
                                                                                                       21.1.1337-16.9.1380
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8.4.1350
  oo Johanna von Bourbon, Tochter des Herzogs Peter I.
     3.2.1338-6.2.1377        Cousine
     Vincennes Paris
 
 
 
 

Kinder:

  Johanna
   9.1357-21.9.1360

  Bona
          -7.11.1360

  Johanna
  7.6.1366-21.12.1366

  Karl VI. der Wahnsinnige
  3.12.1368-21.10.1422

  Marie
  27.2.1370- 6.1377

  Ludwig I. Herzog von Orleans
  13.3.1372-23.11.1407

  Isabella
  1373-   1378

  Katharina
  4.2.1377- 10.1388

5.8.1386
  oo Johann II. Herzog von Berry
              - vor 15.6.1416

Illegitim

  Johann "von Montaigu"
  1363-   1409 hingerichtet

  Oudard "d'Attainville"
         - nach 1415
 
 
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 41,44-51,63,65,70,76,84,102,117, 119,126,135,185,219,223,41,251,309 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite  227-230,232-234,241-249,251-262,268,270-272,279,281,290,292-295,371,378 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite  9,264,267,270, 274-283,284-302,303,305,308,320 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 118,243,252,293,296,306,319,321,324,327-330,332,337,340-354,358,360-363,365,367, 372,412,419,452 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 151,160,171,194,202,208,316 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 17,23,41,549,553 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 10,12,18,64,149 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 73,108,367,500,513,518,649,668,791 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 348,352, 356-358 - Taillandier Saint-Rene: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 218, 235,257,370,422,465 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 21,186,189,191,198,206,247 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 145,153,157, 161,165,175,178,189,220,229,241,248,259,275,298,301,305,310,314,322 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 175,191 -
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 285-302
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Heinz Thoma

KARL V., König von Frankreich 1364-1380
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* 21.1.1338, + 16.9.1380
Vincennes      Beaute bei Vincennes

Beigesetzt am 26.9.1380 in St-Denis

1349 Graf von Vienne (Dauphin)
1355 Herzog der Normandie
1356 Statthalter des englischer Gefangenschaft geartenen Vaters
1358 Regent
Salbung und Krönung in Reims am 22.5.1364

Vater:
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Johann II. König von Frankreich

Mutter:
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Bonne (Guta) von Luxemburg-Böhmen(* 20.5.1315, + 11.9.1349), Tochter König Johanns von Böhmen undd er Elisabeth von Böhmen

Geschwister:
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Ludwig, Graf (1350) und Herzog von Anjou (1360), König von Sizilien-Neapel (1383) (* 23.7.1339, + 21.9.1384)
Johann, Herzog von Berry nd Auvergne (* 30.11.1340, + 15.6.1416)
Philipp der Kühne, Herzog von Burgund (* 15.1.1342, + 27.4.1404)
Johanna (* 24.6.1343, + 3.11.1373), Gemahlin König Karls II. von Navarra
Maria (* 18.9.1344, + 10.1404), Gemahlin Herzog Roberts von Bar
Margarete (* 20.9.1347, + 25.4.1352)
Isabella (* 1.10.1348, + 11.9.1372), Gemahlin des Herrn von Mailand, Gian Galeazzo Visconti
 

  oo 8.4.1350 in Tain-en-Viennois
      JOHANNA VON BOURBON
      * 3.2.1338, + 6.2.1377

Tochter des Herzogs Peter I. von Bourbon (* 1311, + 19.9.1356) und der Isabella von Valois (* 1313, + 26.7.1383 )

Kinder:
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Johanna (* 9.1357, + 21.9.1360)
Bonne (*  , + 7.11.1360)
Johanna (* 7.6.1366, + 21.12.1366)
Karl VI. König von Frankreich (* 3.12.1368, + 21.10.1422)
Maria (* 27.2.1370, + 6.1377)
Isabella (* 1373, + 1378)
Ludwig (* 13.3.1372, + 23.11.1407) 1376 Graf von Valois, 1386 Herzog von Touraine, 1392 Herzog von Orleans
Katharina (* 4.2.1377, + 10.1388)
 

Karls erster Auftritt auf der politischen Bühne war ein für die Geschichte des französischen Königtums epochales Ereignis: Am 16. Juli 1349 verzichtete der Dauphin Humbert II. in Lyon auf sein Fürstentum, die Grafschaft Vienne, und investierte damit den Enkel König Philipps VI. So wurde Karl zum ersten Dauphin aus dem Königshaus. Der bereits zum Titel der Grafen von Vienne avancierte Tiername Delphin wurde freilich erst unter Karls gleichnamigem Sohn und dann unter seinem Enkel Karl VII. zur quasiamtlichen Bezeichnung des Thronfolgers. Im Zusammenhang mit der Übernahme der Grafschaft stand Karls Verlobung mit der nahezu gleichaltrigen Johanna, Tochter Herzog Peters von Bourbon: Die Hälfte von deren Mitgift - 100.000 fl. - war zur Begleichung des Kaufpreises für den Dauphine bestimmt. Die Hochzeit wurde ein Jahr später, am 8. April 1350, in Tain an der Rhone gefeiert. Johanna muß eine sehr schöne Frau gewesen sein, die allerdings des öfteren von Unwohlsein befallen wurde und zumindest einmal Anzeichen einer Geisteskrankheit erkennen ließ. Das erste Kind, eine nach der Mutter benannte Tochter, wurde ein Jahr nach der Katastrophe von Poitiers, neun Monate nach Karls Rückkehr von der Reise zum Kaiser nach Metz im September 1357 geboren. Johanna und ihre etwa ein Jahr jüngere, auf den Namen der Großmutter Bonne getaufte Schwester starben kurz nacheinander im Herbst 1360, unmittelbar vor der Rückkehr von Karls Vater aus der englischen Gefangenschaft.
Karl hat sein erstes Fürstentum kurz nach dem Tode des Großvaters verlassen und es zeitlebens nicht wieder betreten: Der Dauphine wurde von nun an durch Statthalter verwaltet. Selbständig hätte Karl die Grafschaft fürs erste ohnehin nicht regieren können: Zwar wurde er bei Gelegenheit von Johanns Krönung in Reims am 26. September 1350 zum Ritter gemacht, jedoch scheint der Vater gezögert zu haben, die Geschäftsfähigkeit des Sohnes durch eine Mündigkeitserklärung zu dekretieren. Erst der mit dem Mord am Konnetabel von La Cerda (Februar 1354) ausgebrochene Konflikt mit Karl von Navarra scheint eine Änderung seiner Position bewirkt zu haben: Der Vater gewährte ihm zunächst die Grafschaft Poitiers als Apanage, die Ende 1354 durch das Herzogtum Normandie ersetzt wurde.
Im März 1355 wurde der Thronfolger vom Vater als dessen Statthalter in dieses von den Engländern bedrohte Fürstentum geschickt, um die Stände zur Zahlung einer Subsidie zu veranlassen. Spätestens im September muß Karl von Navarra im Bunde mit Robert Le Coq sein Komplott gegen König Johann geschmiedet haben. Mit welchen Argumenten die beiden den Dauphin für das Vorhaben zu gewinnen wußten, bleibt im dunkeln. Der Vater, so soll Le Coq ihm suggeriert haben, hege Haß gegen ihn. Das Motiv dieses Hasses wird nicht genannt. Sicher ist aber, dass der Bischof die Gerüchte um den Tod von Karls Mutter ins Spiel brachte undJohann des Mordes an seiner Gemahlin bezichtigte: Wurde dabei dem Vater unterstellt, Karls Existenz als Folge eines Ehebruchs zu verdächtigen? Der unversöhnliche Groll, mit dem Karl später Le Coq verfolgte, läßt jedenfalls auf ein sehr tief sitzendes Ressentiment gegen den Bischof schließen.
Die Verschwörer haben Karl offenbar einzureden gewußt, dass er die Hauptperson des Komplotts sei und dessen erstes Ziel ins einer Flucht zum Kaiser nach Prag bestehen solle, wobei ihn sein Schwager von Navarra begleiten würde. Kurz vor dem Beginn des Unternehmens hat Karl dem Vater seine Absichten offenbart. Dieser scheint sich mit dem Geständnis des Sohnes zufriedengegeben zu haben - oder er tat so, als ob er die Geschichte glaube und tatsächlich den Sohn als den Hauptschuldigen ansehe. Jedenfalls hat er ihm spätestens am 7. Dezember verziehen und das Herzogtum Normandie definitiv übertragen. Danach scheint es weitere Überlegungen gegeben zu haben: Am 6. und am 23. Januar 1356 gewährte der König dem Sohn und seinen Komplizen, darunter auch Karl von Navarra und dem normannischen Grafen Johann von Harcourt, in Gestalt von zwei Gnadenbriefen Straffreiheit für das gescheiterte Unternehmen.
Ohne dass es eine ausdrückliche Erklärung darüber gegeben zu haben scheint, galt Karl nunmehr, mit der Vollendung des 18. Lebensjahres, als volljährig. Er begab sich in sein Herzogtum, um hier die Huldigung der Vasallen entgegenzunehmen. Am 5. April 1356 kam es in Rouen zu dem schrecklichen, in der Skizze von Johanns Biographie geschilderten Drama: Karls Vater überfiel den im Schloß an der Tafel des Sohnes versammelten Adel der Normandie. Karl von Navarra wurde gefangengesetzt, Graf Johann von Harcourt zusammen mit drei anderen Herren in Karls Gegenwart enthauptet. Es folgten die Allianz Philipps von Navarra mit den Engländern sowie die Schlacht bei Maupertuis, in deren Verlauf Karl von mit seinem Schutz beauftragten Herren in Sicherheit gebracht wurde. Am 29. September 1356 zog er als Generalstatthalter des Königs in Paris ein und übernahm die Regierung des Landes.
Christine de Pisan, die allerdings erst 1368 nach Paris kam, hat Karls äußere Erscheinung, so beschrieben: "Sein Körper war gerade gewachsen, groß und wohlgestaltet, breit in den Schultern, schmal in den Hüften. Der König hatte kräftige Arme und schöne Gliedmaßen... Das Gesicht war schön, ein wenig länglich. Er hatte eine ausgeprägte Stirn, bogenförmige Augenbrauen. Auch die Augen hatten eine schöne Form, waren gut plaziert, kastanienbraun und ruhig beim Blick. Die Nase war recht lang, der Mund nicht zu klein und mit feinen Lippen. Ein wenig zeichneten sich die hohen Wangenknochen ab. Der König trug einen Bart, das Haar weder blond noch schwarz, die Haut war hellbraun, das Gesicht eher ein wenig blaß. Ich glaube, dass dies sowie die schmale Gestalt von einer Krankheit verursacht waren und eigentlich nicht seiner sonstigen Erscheinung entsprachen." Karl war in der Tat wie sein Vater von sehr kränklicher Konstitution, litt vermutlich wie sein Oheim, Kaiser KARL IV., an der Gicht. Eine wandernde Fistel, anfangs im linken Arm, muß ihm zeitweise arg zugesetzt haben. Anders als der im Alter etwas füllig gewordene Vater Johann II. hat Karl auch in seiner hochgewachsenen Gestalt den Zeitgenossen das Bild eines wahrhaften Edelmannes vermittelt.
Johann der Gute hatte sich in der Schlacht so verhalten, wie er es seinen Sternrittern zur Pflicht gemacht hatte, während der Thronfolger, wie einst sein Großvater Philipp, noch vor der Niederlage davongeritten war. Die Kritik am Verhalten der französischen Armee konzentrierte sich zwar auf den Adel und Karls Onkel Philipp von Orleans, aber ritterlichen Ruhm hatte der Thronfolger ganz anders als sein Bruder Philipp nicht an sein Banner geheftet. Er war mithin zum Zeitpunkt, da er die Regierung Frankreichs übernahm, für die Masse der Bevölkerung ein Jüngling, der geflohen war, während der Vater in Gefangenschaft geriet; dem Adel aber galt er obendrein noch als unreifer, leicht beeinflußbarer und daher unzuverlässiger Sproß einer Sippe, deren Häupter das Königreich binnen eines Jahrzehnts zweimal in eine Katastrophe geführt hatten.
Zunächst war es erforderlich, die Gelder für eine neue Armee aufzubringen. Nicht der Statthalter, sondern der königliche Conseil berief am 27. September die Stände ein, die am 17. Oktober im großen Saal des Parlaments zusammentraten: Klerus, Adel und der Rest, das heißt im wesentlichen die Vertreter der königlichen Städte. Der Name "Generalstände" für eine derartige Versammlung ist zwar erst aus dem Jahre 1484 bezeugt, wäre jedoch auch für einige der voraufgegangenen Konvente zutreffend gewesen, ganz gewiß aber für die vom Oktober 1356. Karl wurde sofort vor Augen geführt, dass es diesmal nicht nur um die Bewilligung von Sondersteuern gehen werde. Zwei Gruppierungen traten hervor, ein Teil der Kaufmannschaft unter dem Vorsteher der Pariser Kaufmanns Gilde, dem "pevot des marchands" Etienne Marcel, sowie eine Adelsfronde, die in dem nach wie vor inhaftierten Karl von Navarra eine Alternative zum Dauphin oder zum gefangenen König selbst sah. Wortführer dieser Partei war König Johanns einstiger Günstling Robert Le Coq. Etienne Marcel vertrat demgegenüber eine dem Hause VALOIS durchaus gewogene Haltung: Ihm und seiner Klientel ging es zunächst einmal um eine Konsolidierung der Finanzen, die nur durch eine dauerhafte Kontrolle des königlichen Monopols im Geldwesen und darüber hinaus der gesamten Regierung des Landes gewährleistet schien. Man einigte sich auf eine Kommission von 80 Vertretern (elus), deren Funktion man mit der eines modernen Parlaments vergleichen kann. Der Statthalter wurde aufgefordert, die königlichen Amtsträger zu entlassen. Zwar räumte man ihm das Recht ein, die neuen Räte selbst auszuwählen, allerdings nur aus dem Kreis der Ständevertreter. Außerdem beschlossen diese die Periodizität ihrer Tagungen: zweimal im Jahr wollten sie sich versammeln, bei Bedarf waren zusätzliche Tagungen vorgesehen. Le Coq insistierte unterdessen auf der Freilassung des nach wie vor inhaftierten Königs von Navarra.
Der Thronfolger entzog sich seit dem 3. November weiteren Pressionen durch eine Reise zu seinem Oheim, dem römischen Kaiser KARL IV., der gerade einen Hoftag nach Metz ein berufen hatte, um hier den zweiten Teil der Goldenen Bulle zu verkünden. Im Grunde war der Kaiser noch immer mit Eduard III. verbündet, denn seine im Frühjahr 1348 geschlossene Offensivallianz hatte er nie aufgekündigt, indes war er auch nie in die Verlegenheit versetzt worden, den vorgesehenen Verpflichtungen nachkommen zu müssen. Unmittelbar nach der Kaiserkrönung hatte er einen von ihm bereits besiegelten Vertrag nach Paris geschickt, den König Johann jedoch wegen einiger ihm zugemuteter Konzessionen nicht akzeptierte und im Mai 1356 mit einem eigenen Entwurf beantwortete, der in vager Form den Status quo beider Reiche garantieren sollte, ohne die von KARL IV. benannten konkreten Streitpunkte zu berücksichtigen. Der Kaiser nutzte jetzt die veränderte Lage, indem er einige kleinere Probleme im Grenzraum zwischen Regnum und Imperium bereits vor der Ankunft des Neffen in seinem Sinne regelte. Als Karl dann am 23. Dezember zusammen mit dem Kardinal Helie Talleyrand von Perigord in Metz erschien, wurde ihm bedeutet, dass eine Bestätigung des französischen Vertragsentwurfs erst nach Regelung zweier Vorbedingungen erfolgen könne: Er habe für die Grafschaft Vienne persönlich, der noch minderjährige Herzog Philipp von Burgund durch einen Stellvertreter für die Grafschaft Burgund die Huldigung zu leisten. Beides geschah am Weihnachtsfest 1356. Am selben Tag wurde Karl die Ehre zuteil, im Metzer Teil der Goldenen Bulle als Zeuge für die Verkündigung dieses Reichsgrundgesetzes erwähnt zu werden. Erst drei Tage später ließ der Kaiser den Vertrag mit König Johann besiegeln. Obendrein gewährte er dem Neffen eine Anleihe von 50.000 fl. In den Tagen von KARLS IV. Vater war das noch ganz anders gewesen: Da hatte der König von Frankreich gezahlt und derjenige von Böhmen als Söldner gedient - bis hin zur Opferung seines Lebens.
Am 14. Januar 1357 war Karl wieder in Paris. Als erstes hatte er eine zuvor dekretierte Geldentwertung zu widerrufen, am 3. März fügte er sich den Forderungen der Stände, entließ die alten Räte, garantierte die Periodizität der Ständetage, versprach Sparsamkeit bei Regierung und Hofhaltung und erhielt dafür die Zusage einer Sondersteuer in Höhe von 5 Millionen Pfund, die allerdings von den Ständen selbst erhoben werden sollte und zur Besoldung von 30.000 Schwergewappneten vorgesehen war. Als Erfolg konnte der Dauphin verbuchen, dass der Fall seines Schwagers von Navarra offenbar als quantite negligeable angesehen wurde: Der König blieb weiterhin in Haft.
Bei der schon sehr weit fortgeschrittenen Institutionalisierung der französischen Monarchie war es kaum zu vermeiden, die verwaisten Ämter mit neuen Leuten zu besetzen, wobei aber auch Marcel Können und Erfahrung als Einstellungskriterien nicht missen wollte. So wurde zum neuen Kanzler der Bischof von Therouanne, Gilles Aycelin de Montagut, bestellt, der sich dann als loyaler Diener der Valois erwies, obwohl der Dauphin ihm mit einiger Reserve begegnet zu sein scheint. In Karls Umkreis dominierten nach dem Sturz der alten Räte die Militärs: Die Marschälle von Normandie und Champagne, Robert von Clermont und Johann von Conflans, nahmen dabei eine herausragende Position ein.
Mittlerweile waren die Verfassungsänderungen in London bekannt geworden, woraufhin König Johann die Aufhebung der Stände dekretierte. Indes war dieses Mandat schwerlich der entscheidende Grund dafür, dass die ständische Bewegung in den folgenden Monaten ins Stocken geriet. Die relative Ruhe fand ihr jähes Ende, als in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1357 Karl von Navarra gewaltsam befreit wurde. Wenig später erschlug in Paris ein Anhänger von Etienne Marcel einen Schatzbeamten des Dauphin. Der Mörder wurde von Leuten des königlichen Prevot ergriffen und aufgehängt. Die Beisetzungen von Täter und Opfer gerieten zu Parteidemonstrationen. Marcels Leute präsentierten sich in rot und hellblau gefärbten Hüten. Am 22. Februar 1358 tobte der Aufruhr durch die Straßen. Ein königlicher Anwalt wurde umgebracht, dann stürmte ein Trupp unter Marcel das Palais. In Karls Gegenwart wurden seine wichtigsten Vertrauensleute, die Marschälle Robert von Clermont und Johann von Conflans, massakriert. Marcel soll dem Dauphin dazu erklärt haben: "Herr, fürchtete Euch nicht vor dem, was Ihr seht. Das ist so angeordnet und es ist gut so."
In den folgenden Tagen versuchte er, seine Stellung durch Absprachen mit Städten im Umkreis von Paris zu sichern. Währenddessen änderte der Dauphin seinen Titel: Er bezeichnete sich nicht mehr als Statthalter des Königs, sondern als Regent des Königreichs. Damit mag er beabsichtigt haben, seine Macht auf eine eigene Basis zu stellen, um neuerlichen Einsprüchen des Vaters einen Riegel vorzuschieben. Es kann sein, dass Marcel ebenfalls diesen Vorteil erkannte und die ohne seine Zustimmung kaum mögliche Änderung des Titels akzeptierte. Mitte März aber vollzog Karl den Bruch mit dem Revolutionär, flüchtete aus der Hauptstadt aufs Land und demonstrierte seine Freiheit durch die Ernennung des Jean de Dormans zum "Kanzler des Regenten", während Montagut weiterhin den Titel "Kanzler von Frankreich" führte.
Karl fand sofort Unterstützung beim Adel der Pikardie, des Artois und der Champagne, wo die Ermordung des Marschalls Conflans Empörung ausgelöst hatte. Marcel scheint zunächst noch gehofft zu haben, angesichts der Machenschaften Karls von Navarra den Regenten zum Einlenken bewegen zu können und versicherte ihn seiner Loyalität. In diese ohnehin aufs äußerste gespannte Situation platzte ein weiterer Aufruhr: Am 28. Mai erschlugen bei dem Dörfchen St-Leu-d'Esserent nahe Chantilly einige Bauern vier Ritter und fünf Edelknechte, die Abgaben einzutreiben oder - was aufs selbe hinauslief - zu plündern versuchten. Die Tat löste innerhalb weniger Tage den ersten großen Bauernaufstand Frankreichs aus, die Jacquerie, so genannt nach dem damaligen Spitznamen für die Bauern, Jacques Bonhomme - wobei der Name Jacques zugleich das charakteristische Kleidungsstück des Landmanns, die "jacque", bezeichnet. Erfaßt wurden das Pariser Becken, Teile der Pikardie und Champagne bis hin nach Lothringen. Geführt wurde der Aufstand kaum von armen Bauern, sondern von reicheren Grundbesitzern. Einer ihrer Führer, Guillaume Cale, verfügte über militärische Erfahrungen, indes erwies er sich gegenüber den Gegnern als zu treuherzig: Karl von Navarra, der rasch die Gelegenheit erkannte, sich als Retter der adeligen Ordnung zu erweisen, nahm ihn unter Bruch freien Geleits gefangen und ließ dann das Bauernaufgebot niedermetzeln. Das geschah bereits am 10. Juni, zwei Wochen nach dem Beginn des Aufruhrs. Schon diese kurze Zeitspanne läßt Skepsis angebracht erscheinen, ob die Horrorberichte über die zahllosen Morde der Bauernbanden nicht als Propagandaprodukte der Sieger zu werten sind, da diese allein über den Verlauf der Ereignisse berichten konnten.
Indes hat der Aufstand enormes Aufsehen erregt und weitreichende Auswirkungen gehabt, die am Ende freilich nicht Karl von Navarra, sondern dem Regenten zugute kamen. Etienne Marcel seinerseits verbündete sich zwar nicht mit den Bauern, nutzte aber die Lage dazu, einige Besitzungen des Adels im Umkreis von Paris verwüsten zu lassen. Den Städten, auf deren Hilfe er hoffte, versuchte er einzureden, der Dauphin habe sich an die Spitze des Adels gesetzt, um den Nichtadel zu verderben. Dem wolle sich der König von Navarra nicht anschließen. Er selbst mißbillige das Wüten der Bauern, wobei er darauf verweisen konnte, dass Tausende von Adeligen in Paris Zuflucht gefunden hatten.
Karl von Navarra war am 14. Juni in der Hauptstadt erschienen und von Marcel zum Hauptmann ausgerufen worden, was den König bei einem Großteil des Adels um jeden Kredit brachte. Die Kreise der Pariser Bevölkerung, die bis dahin Marcels Politik neutral begegnet waren, trieb der Navarrese ins Lager seiner Gegner, als er Söldner, darunter einige Engländer, in die Stadt einrücken ließ, deren Treiben bereits nach 10 Tagen zu Unruhen führte. Marcel und sein Kapitän versuchten, die Leute zu beschwichtigen, aber am 31. Juli wurde er während einer gut vorbereiteten Revolte umgebracht. Am 4. August konnte der Regent wieder in die Hauptstadt einziehen. Den Racheaktionen der ersten Tage fielen manche Anhänger Marcels zum Opfer. Danach aber erließ Karl eine allgemeine Amnestie, die allerdings dem Kanzler des Königs von Navarra nichts half: Beim Transport in ein geistliches Gefängnis wurde er totgeschlagen.
In mancher Hinsicht wirkt Etienne Marcels Umsturzversuch wie die Vorwegnahme der Großen Revolution von 1789: Da war das auslösende Moment, die Finanzkrise, da war das Ziel einer Einschränkung der monarchischen Allgewalt, da gab es den Treibsatz, die Großstadt Paris, die sich - ob sie nun 200.000 Bewohner hatte oder nur 80.000 - zu einem nur schwer beherrschbaren Moloch entwickelt hatte, und es gab die Revolte der Bauern auf dem Land. Aber daneben lassen sich selbstverständlich auch enorme Unterschiede zu den Vorgängen am Ende des 18. Jahrhunderts registrieren: das Einebnen der Schranken zwischen den Ständen war um 1358 wohl noch ganz unvorstellbar. Karl von Navarra war kein Mirabeau, und einen Abbe Sieyes hat Marcel nicht vorgefunden. Die Revolution von 1789 gründete in einer über Jahrzehnte hinweg entwickelten theoretischen Basis. Etienne Marcel versucht zwar gelegentlich, sein Tun als Fürsorge für das gesamte Königreich zu rechtfertigen, aber eine umfassende politische Ideologie hat er nicht kreieren, geschweige denn verbreiten können. So blieb und bleibt die Revolte von 1358 zu Recht allein mit seinem Namen verknüpft.
Der erwähnte Mord an dem Kanzler des Königs von Navarra erklärt sich aus der Haltung von dessen Herrn: Der außerhalb von Paris verbliebene König hatte sich unmittelbar nach dem Verlust der Stadt den Engländern in die Arme geworfen, für die er freilich kaum mehr als eine Schachfigur im Spiel gegen den Regenten war. Das scheint der Navarrese schon bald eingesehen haben, jedenfalls wurde im Juli 1359 ein Vertrag ausgehandelt, und wenig später kam es in Pontoise zu einem rührseligen Treffen beider Kontrahenten: Karl von Navarra erklärte, von nun an ein "bon Francois" sein zu wollen. An dieser Loyalitätserklärung erhoben sich allerdings schon im Dezember Zweifel, als in Paris eine Verschwörung gegen den Regenten aufgedeckt und der Verdacht geäußert wurde, dass Karls Schwager der Drahtzieher gewesen sei.
Nur wenige Wochen nach dem Vertrag von Pontoise eröffnete Eduard III. aufs neue den Krieg: Der König, der Schwarze Prinz und Herzog Heinrich von Lancaster führten gleich drei Armeen ins Feld, die im Herbst die Champagne heimsuchten, bis nach Burgund und in die Umgebung von Paris vorstießen. Indes brachte auch dieser Feldzug keine strategische Entscheidung. Mitte April begannen Verhandlungen, die am 8. Mai 1360 in Bretigny zum vorläufigen Frieden, zur Freilassung des Königs und damit zum Ende von Karl Regentschaft führten. Der Thronfolger verlor fürs erste nahezu jeden Einfluß auf die Regierung des Landes, das er in den voraufgegangenen Jahren durch bis dahin kaum für möglich gehaltene Stürme geführt hatte.
Ein Erbe aus der Regentenzeit sollte den zurückgekehrten Vater, von 1364 an aber auch Karl selbst wieder, vor allem aber die Bevölkerung des besiegten Landes in fast unerträglicher Weise bedrängen: die nach dem Waffenstillstand von 1357 umherstreifenden Söldner, die sich ihre Einkünfte nun auf eigene Faust besorgten. Als vereinzelter Straßenräuber hätten sie keine ungewöhnliche Gefahr dargestellt, aber sie traten als geschlossene Einheiten, als Kompanien in Erscheinung, die, von oft adeligen und stets kriegserfahrenen Hauptleuten geführt, ganze Landstriche ihrer Herrschaft unterwarfen und die Bewohner fast wie Sklaven hielten. Jean Froissart, der große Chronist der Zeit, rühmte die ritterlichen Tugenden einiger dieser Herren über die Maßen. Besonders schätzte er den Hennegauer Eustache d'Auberchicourt, der 1359 die Champagne ausplünderte und zugleich wegen seiner Romanze mit einer jungen Witwe aus dem Hause JÜLICH das Interesse der vornehmen Welt auf sich zog. Im Juni 1359 wurde Eustache vom Statthalter des Herzogs von Lothringen, Burchard von Fistingen, gefangengenommen, wenig später aber von seinen Leuten für 22.000 fl. ausgelöst. Da der Regent den mit dem Fistinger vereinbarten Sold nicht zahlen konnte, malträtierte nun dieser die Bewohner der O-Champagne noch ärger als zuvor Auberchicourt und zog sich erst zurück, als ihm die Zahlung von 90.000 fl. zugesagt wurde. Der berüchtigste dieser Söldnerführer, Arnold von Cervole, sollte ursprünglich Kleriker werden und verdankte einer früh erworbenen Pfründe seinen Kriegsnamen "Erzpriester". Zunächst diente er als Söldner des Königs, wurde dann Hauptmann eines den "Grandes Compagnies" zugerechneten Trupps und plünderte 1357/58 in der Provence, was ihm den Zorn des Papstes zuzog. Aber Herren wie erließen sich vom Kirchenbann noch weniger schrecken als in den Jahrhunderten zuvor die Könige und Kaiser der Christenheit. Gefährlicher waren da die eigenen Kumpane: 1366 brachte einer von ihnen den "Erzpriester" um.
Der Thronfolger trat auf königlicher Ebene erst wieder Erscheinung, als sein Vater in Herbst 1362 eine Reise in den Süden unternahm, um die burgundische Erbschaft zu sichern. Johannernannte den Sohn zum Statthalter, jedoch scheinen die in Paris verbliebenen Räte des Königs die Ordonnanz anfangs ignoriert zu haben. Karl konzentrierte inzwischen sein Interesse auf die Normandie, wo der von ihm zum Hauptmann ernannte Bertrand Du Guesclin zusammen mit Philipp von Navarra gegen englische Briganten operierte. Als kurz nach Philipps frühem Tod (29. August 1363) König Johann das nach Ansicht Karls von Navarra ihm zustehende Herzogtum Burgund definitiv auf seinen Sohn Philipp übertrug, war ein Wiederaufflammen der Fehde mit dem Navarresen abzusehen. Es war der Thronfolger, der sie in Abwesenheit des Vaters eröffnete: Anfang April 1364 befahl er Du Guesclin, die festen Plätze Karls von Navarra in der Nähe von Paris zu nehmen. Mantes und Meulan wurde erobert. Am 16. April erreichte die Nachricht von König Johanns Tod Paris, am Tage danach urkundete Karl zum ersten Mal als König und ließ wenig später die navarresische Besatzung von Mantes, die ihn vor ihrer Gefangennahme verhöhnt hatten, nach Paris führen und wegen Beleidigung der königlichen Majestät exekutieren.
Karl hat von Anfang an kaum einen Zweifel daran gelassen, dass er die Nachfolge des Vaters antreten werde. Ein gewisses Zögern gegenüber den von Johann II. eingesetzten oder bestätigten Amtsträgern erklärt sich möglicherweise aus der noch ungesicherten Lage im Kampf gegen Karl von Navarra. Am 22. Mai fanden Salbung und Krönung in Reims statt. Am Tage zuvor soll frohe Botschaft eingetroffen sein: Du Guesclin hatte am 16. Mai Karls von Navarra Heerführer, den Captal von Buch, Jean de Grailly, einen Sieger von Maupertuis, bei Cocherel geschlagen und gefangengenommen.
Christine de Pisan hat die Weihe von Reims als Wendepunkt in Karls Leben erscheinen lassen: Der König habe sich von den Sitten der Jugend abgewandt, die Augen geöffnet und die Lage seines geschlagenen, verzweifelten Volkes und Reiches erkannt. Diese Deutung gehört zu dem Königskult, wie er in Karls Umkreis kreiert und verbreitet wurde. Karl hat der Propagierung von Rang und Würde seines Herrschertums einen enormen Wert beigemessen: Miniaturmaler, Literaten und Historiographen sorgten in seinem Auftrag dafür, seine majestätische Erscheinung, seine Weisheit, seine Leistungen ins rechte Licht zu setzen. Der theoretischen Untermauerung der Herrschaft widmete er große Aufmerksamkeit. So ließ er Nicolas Oresme, der in den Tagen Johanns II. einen Traktat zugunsten der Unantastbarkeit des Geldes geschrieben hatte, die einschlägigen Werke des Aristoteles ins Französische übersetzen. Raoul de Presles, vom König legitimierter Sohn eines Klerikers, sorgte für eine Übersetzung der "Civitas Dei" des Augustinus und einiger Staatsschriften aus der Zeit Philipps IV. Philippe de Mezieres, einst Kanzler des Königs von Zypern, später Verfasser eines großen, dem jungen Karl VI. gewidmeten Königsspiegels, gehörte zu Karls V. bevorzugten Gesprächspartnern. Dem Interesse an der Sternkunde verdankte Karl einen nicht unbedeutenden Teil seines Nachruhms: Mit ihrem Vater, einem in Venedig tätigen Mediziner und Astrologen, kam 1368 die damals dreijährige Christine de Pisan an den Pariser Hof, wo sie die Eindrücke empfangen sollte, die sie 1404 im "Livre des fais et bonnes meurs du sage roy Charles V." festhielt. Kurzum: Karls V. Hof war ein Zentrum höfisch geprägter Wissenschaft, das im Europa jener Zeit seinesgleichen suchte. Zum Grundstock der heutigen Bibliotheque Nationale gehört vor allem auch die von Karl im Louvre eingerichtete Büchersammlung. Seine Vorliebe für luxuriöses und repräsentatives Wohnen schlug sich unter anderem im Ausbau des Hotel St-Pol nieder, das er gegenüber den mit den schlimmen Erinnerungen an die Morde von 1358 behafteten Palais auf der Ile-de-Cite bevorzugte.
Im Bereich der Staatsverwaltung knüpfte Karl nahtlos an die Tradition des Vaters an, die ja teilweise schon die eigene gewesen war: Jean de Dormans, einst sein Kanzler als Regent, 1361 von Johann II. als Nachfolger Gilles Aycelins zum Kanzler berufen, behielt dieses Amt bis 1372. Nach einem kurzen Intermezzo unter Jeans Bruder Guillaume folgte Pierre d'Orgemont, der seine Karriere bereits unter Philipp VI. begonnen und unter Johann fortgesetzt hatte. Eine ähnliche Kontinuität läßt sich auch bei anderen Ämtern und Würden beobachten. Eine beachtliche Rolle spielte dabei eine Personengruppe aus Sens um den Erzbischof dieser Stadt, Guillaume de Melun, zu der auch Orgemont gehörte.
Das Königreich war mit dem Vertrag von Bretigny beträchtlich verkleinert worden. Zu beachten sind ferner die Folgen von König Johanns Kindersegen. Die Ausstattung der jüngeren Söhne mit Apanagen (appanare = mit Brot versehen) war zwar keine Erfindung der VALOIS, allerdings nahm diese Tradition nunmehr besorgniserregende Ausmaße an: Johanns Bruder Philipp(+ 1375) bezog aus dem 1342 eigens für ihn geschaffenen Herzogtum Orleans mehr Einkünfte als der König aus den Regionen der langue d'oc. Johann hatte die Gefahren der Apanagen offenbar erkannt und 1362 die Inkorporation der Normandie, Burgunds und der Champagne in die königliche Domäne dekretiert, verstieß allerdings sofort wider die eigene Regelung, als er seinen jüngsten Sohn Philipp mit dem Herzogtum Burgund belehnte. Alles in allem verblieb dem König ein breiter Streifen von der Ile-de-France bis zur Grenze an der Maas, der im Norden von der Grafschaft Flandern begrenzt wurde. Dazu kam das Herzogtum Normandie, das aber entgegen den Absichten König Johanns seine selbständige Stellung weitgehend bewahrte. Nicht zu vergessen sind die Regionen der langue d'oc, insbesondere die Grafschaft Toulouse, sowie der Dauphine. Indes beschränkte Karl V. seine Reisen auf einen engen Kreis um Paris, der mit den Städten Rouen, Chartres, Orleans und Reims umschrieben werden kann. Seinem Bruder Ludwig, der zugunsten der Engländer auf den Poitou verzichten mußte, wurde als Herzog von Anjou ein Großteil der nach 1369 zurückgekommenen Regionen zugeschlagen. Johann und Philipp erhielten die Herzogtümer Berry und Burgund.
Auf den ersten Blick unterschied sich der Zustand Frankreichs kaum noch von dem des römisch-deutschen Reiches, dessen Oberhaupt sich ja auch mit einem Teil des Landes begnügen mußte, während der größere Rest unter der Herrschaft der Territorialfürsten stand. Indes gab es doch beträchtliche Unterschiede: Zum einen waren im Westen die meisten Fürsten Angehörige der Königsfamilie; auch Karl von Navarra berief sich auf die Abstammung von den KAPETINGERN. Im Osten gab es demgegenüber, trotz aller Verwandtschaft und Verschwägerung, zumindest drei königsfähige Häuser, die auf ihre Eigenständigkeit großen Wert legten. Aber das war nicht alles: Der König von Frankreich verfügte über ein nahezu vollendetes Monopol im Bereich von Währung und Münze, während im römisch-deutschen Reich das Münzrecht bereits seit langem praktisch in die Hände der Fürsten übergegangen war. Außerdem gab es in Frankreich ein erstaunlich präzise funktionierendes Gerichtssystem, das im Pariser Parlament seine oberste Instanz hatte. Nur der burgundische Gerichtshof von Beaune war und blieb ihr gegenüber souverän. Schon während des von den Kompanien bewirkten Chaos erwies sich das Parlament als schlagkräftiges Machtinstrument des Königtums, und einige Jahre später sollte der sich als souveräner Herr des Herzogtums Guyenne wähnende Schwarze Prinz es mit diesem Gericht zu tun bekommen.
Der Niedergang der Monarchie hatte sich binnen weniger Monate vollzogen, der Wiederaufbau erwies sich als ein sehr langwieriges Unterfangen mit manchen Rück- und Fehlschlägen, dessen Erfolge den Zeitgenossen zum Teil wohl erst im Rückblick erkennbar wurden. Schon kurz nach dem Triumph über das Aufgebot Karls von Navarra bei Cocherel (16. Mai) erlitt Du Guesclin eine seiner nicht eben wenigen Niederlagen: Am 29. September 1364 zog er mit Karl von Blois, Herzog von Bretagne, in die Schlacht bei Auray und wurde gefangengenommen. Der Herzog selbst fiel; damit war der Weg frei für den bis dahin von Eduard III. unterstützten Johann von Montfort. Zwar erkannte dieser im Frieden von Guerrande am 12. April 1365 die Lehnshoheit des Königs von Frankreich an, im Rahmen der Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Krieges mußte Johann jedoch nahezu zwangsläufig als potentieller Bundesgenosse Eduards III. eingeschätzt werden. Einen Monat nach der Übereinkunft mit dem Montfort konnte auch mit Karl von Navarra Frieden geschlossen werden. In Pamplona gelobte der König aufs neue, ein "bon Francois" sein zu wollen, wurde zum Kammerherrn des Königs von Frankreich ernannt und erhielt als Ausgleich für manchen Verlust die Herrschaft Montpellier. Diesmal hielt der Friede zwischen Frankreich und Navarra länger als bis dahin üblich. Karls Schwager konzentrierte sein Wirken fortan auf das eigene Land und begann erst 10 Jahre später wieder, im Reich Karls V. als Störenfried aufzutreten, ohne aber nennenswerte Erfolge erzielen zu können.
Entlang der O-Grenze Frankreichs konnte die dominierende Stellung des Königtums rasch wiederhergestellt werden: Unmittelbar nach der Krönung im Reims heiratete Karls Schwester Maria den Herzog Robert von Bar. Drei Jahre später wurde Herzog Johann von Lothringen für die Untaten einiger seiner Amtsleute vor dem Conseil zur Rechenschaft gezogen. Den gewichtigsten Erfolg erzielte Karls Diplomatie im Norden: Am 19. Juni 1369 heiratete sein Bruder Philipp in Gent Margarete, die Tochter und Erbin Graf Ludwigs von Flandern. Zuvor hatte Karl mit Hilfe des Papstes gegen eine Ehe Margaretes mit Eduards III. dritten Sohn, Johann von Gent, seit 1362 Herzog von Lancaster, gewirkt: Urban V. verweigerte dem Paar die erforderliche Dispens wegen zu naher Verwandtschaft und verhinderte damit den Übergang Flanderns an die PLANTAGENET.
Die Genter Hochzeit konnte als Sieg in dem wiederaufgeflammten Krieg gegen England gefeiert werden. Der Konflikt war zunächst auf einem Nebenschauplatz fortgesetzt worden: in Spanien, wo Heinrich von Trastamara, ein unehelicher Sohn König Alfons' XI., mit seinem Stiefbruder Peter I. um die Krone Kastiliens kämpfte. Heinrich konnte mit Hilfe Du Guesclins und seiner "Weißen Kompanie" den mit Eduard III. verbündeten Rivalen zunächst zur Flucht in die Gascogne zwingen und sich krönen lassen. Dann aber schlug ihn der Schwarze Prinz am 3. April 1367 bei Najera. Du Guesclin geriet wieder einmal in Gefangenschaft, aus der ihn Karl V. und einige andere für 100.000 fl. freikaufen mußte. Trastamara nahm den Kampf wieder auf, erschlug den Bruder (23. März 1369) und konnte die Krone erfolgreich gegen den mit einer Tochter Peters verheirateten Johann von Gent behaupten.
Inzwischen war der Krieg in Frankreich wieder ausgebrochen. Es war Karl V. der ihn ausgelöst hatte. Am 28. Dezember 1368 akzeptierte er die Klage des seit Bretigny unter englische Oberherrschaft geratenen Grafen Johann I. von Armagnac gegen die Erhebung einer Sondersteuer. Prinz Eduard wurde vor den königlichen Conseil geladen, was einen offenen Verstoß gegen einen der Zusatzartikel des Vertrags von Bretigny bedeutete, wonach dem König von England die volle Souveränität über die abgetretenen Gebiete zustehen sollte. Indes war diese Klausel ja nie ratifiziert worden. Eduard reagierte auf die Vorladung mit den Worten, er werde in Paris erscheinen, und zwar mit dem Helm auf dem Kopf. Am 2. Mai erklärte das Parlament den Prinzen zum Rechtsverweigerer und verfügte die Konfiskation der von der Krone rührenden Lehen.
Karl V. und seine Fachleute hatten den Krieg vermutlich von allem Anfang an systematisch vorbereitet. Dazu gehörte die Sicherung von Städten und Burgen, die, zum Teil mit Zuschüssen aus königlichen Kassen, besser befestigt werden sollten, führte zur Preisgabe einiger bereits blühender Vororte (faubourgs) von Paris, das damit auf den Bereich der großen Mauern zurückgeworfen wurde. Über die Defensivmaßnahmen hinaus wurden die Städte angewiesen, in verstärktem Maße Bogner auszubilden. Die in einigen Städten zu beobachtende Vermehrung von mit Pulver betriebener Artillerie war zunächst durchaus beachtlich, indes spielten die Feuerwaffen damals noch eine eher periphere Rolle. Als bedrohlich mußten die Engländer allerdings den in der Normandie forcierten Bau von eigens Kriegszwecken bestimmten Galeeren ansehen. Indes blieb die offenbar ins Auge gefaßte Invasion Englands schon im Stadium der Vorbereitung stecken, als Johann von Gent Ende 1369 von Calais aus eine chevauchee in Richtung auf Rouen und Harfleur begann.
Die Kosten für Vorbereitung und Weiterführung des Krieges stellten eine enorme Bürde für die Bevölkerung dar: Im Durchschnitt wurden allein für nahezu ständig unter Waffen gehaltenen Söldner 800.000 fl. pro Jahr ausgegeben, damit konnten ab 1369 zwischen 3.400 und 5.200 Mann besoldet werden. Zum Vergleich: Der Ertrag der Städtesteuer, der einzigen nennenswerten Einkommensquelle des römischen Kaisers aus dem deutschen Teil seines Reiches, belief sich um 1370 auf nicht mehr als 13.000 fl. Allerdings gab es hier auch nicht die zwingende Notwendigkeit der Abwehr eines auswärtigen Feindes, die es dem Kaiser vielleicht ermöglicht hätte, außerordentliche Steuern von Untertanen und Vasallen zu verlangen. Demgegenüber verstärkten in Frankreich Krieg, Chaos und Not die seit langem wirksame Entwicklung hin zum modernen Staat, der bis heute nicht zuletzt auf einem funktionsfähigen, dauerhaften Steuersystem ruht.
Zu Beginn der neuen Kämpfe war König Eduard III. 58 Jahre alt, der Schwarze Prinz zwar erst 40, dafür jedoch krank. Johann von Gent erstickte zwar mit seinem Feldzug den Versuch einer Invasion Englands im Keim, aber die Art, wie er dabei einer Begegnung mit dem ebenso vorsichtig agierenden Philipp von Burgund auswich, löste in England Entrüstung aus. Die allmähliche Zernierung der englischen Festlandsbesitzungen verlief für die Franzosen freilich nicht ohne herbe Fehlschläge.
Bei der Rückeroberung von Limoges im September 1370 ließ Prinz Eduard die Stadt einäschern und einen Großteil der Bevölkerung massakrieren.
Zur selben Zeit operierte weiter im Norden der Söldnerführer Robert Knolles und gelangte bis in die Nähe von Paris, woraufhin Du Guesclin zum Konnetabel ernannt wurde. Knolles mußte sich in die Bretagne absetzen, wo ihm der Herzog Aufnahme gewährte und seine Karl V. geleistete Huldigung widerrief. Jedoch emigrierte er dann nach England, als Du Guesclin mit Ausnahme von Brest und drei weiteren Festungen die gesamte Bretagne eroberte. Im September 1372 wurde mit Hilfe der kastilischen Flotte La Rochelle isoliert und zur Kapitulation gezwungen. 1374 waren mit Ausnahme von Calais und einiger Gebiete um Bordeaux die englischen Bastionen auf dem Festland zurückgewonnen.
Im März 1375 begannen in Brügge unter Vermittlung des Grafen Ludwig von Flandern Verhandlungen, die am 27. Juni mit einem zunächst auf ein Jahr terminierten, später bis 1377 verlängerten Waffenstillstand abgeschlossen wurden. In dieser Zeit starben der Schwarze Prinz (+ 8. Juni 1376) und König Eduard (+ 21. Juni 1377). Prinz Eduards 10-jähriger Sohn Richard bestieg den Thron und übernahm zugleich den Anspruch auf die Krone Frankreichs. Die Wiederaufnahme der Kämpfe nach Eduards III. Tod führte nicht zu den erhofften Erfolgen. Weitere Einbrüche in die Gascogne konnten nicht erzielt werden. Der nach dem Muster des Verfahrens gegen den Prinz Eduard geführte Prozeß gegen Herzog Johann von Bretagne endete zwar am 18. Dezember 1378 mit der Konfiskation von dessen Lehen, dies trieb jedoch den Teil des bretonischen Adels, der bis dahin die französische Besetzung des Landes akzeptiert oder doch ohne offenen Widerstand hingenommen hatte, ins gegnerische Lager. Der Herzog kehrte aus dem Exil zurück und konnte seine Herrschaft im Westen der Bretagne durchsetzen.
Gleichwohl durfte Karl V. um die Jahreswende 1377/78 der Meinung sein, sein Reich wieder zur dominierenden Position in der lateinischen Christenheit geführt zu haben. Damals, Anfang Januar 1378, erschien in Paris unverhoffter Besuch: der römische Kaiser und sein bereits zum römischen König gewählter Sohn WENZEL. Der Staatsbesuch sollte nach den Vorstellungen KARLS IV. ganz allgemein die Entente cordiale zwischen den Häusern Böhmen-LUXEMBURG und Frankreich-VALOIS stärken oder wiederherstellen, die nur selten und kurzfristig die bei der Gründung (1323) in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hatte. Der Kaiser hatte einige konkrete Wünsche: Karl V. sollte WENZEL keine Steine in den Weg legen und des Kaisers Pläne zum Gewinn der Krone Polens unterstützen. KARL IV. wußte, dass seine Hausmachtpläne im Osten des römisch-deutschen Reiches mit den Interessen seines Neffen verflochten waren und dass er dies nutzen konnte: Polen stand seit 1370 unter der Herrschaft König Ludwigs des Großen von Ungarn. Des Kaisers zweiter Sohn SIEGMUND(* 1368) war 1372 mit Ludwigs zweitältester Tochter Maria (* 1371) verlobt worden, während König Karls zweiter Sohn Ludwig (* 1372) seit 1374 mit Ludwigs ältester Tochter Katharina (* 1370) verlobt war und demgemäß ebenfalls auf einen Teil des polnisch-ungarischen Erbes hoffen konnte. Dazu gehörten auch Ansprüche auf das Königreich Sizilien-Neapel und die Grafschaft Provence.
Im Hinblick auf die Provence hatte der Kaiser einen beachtlichen Trumpf in der Hand: Die Grafschaft gehörte zum Römischen Reich, und er wußte, dass Frankreich spätestens seit dem Erwerb des Dauphine die Rechte über das Königreich Burgund oder Arelat zu erlangen wünschte, zu dem auch die zum Erbe von Karls V. Schwägerin Margarete von Flandern zählende Grafschaft Burgund gehörte. Als dritter Teil des Arelats hoffte Karl V. mit Hilfe Ludwigs von Ungarn nunmehr auch noch die mit Sizilien-Neapel verbundene Provence an sein Haus ziehen zu können. Und er hatte Erfolg: Unter dem Datum vom 7. Januar 1378 ernannte der Kaiser den 7-jährigen Dauphin auf dessen Lebenszeit und unwiderruflich zu seinem Vikar im gesamten Arelat. Schon einige Zeitgenossen haben über die Gegenleistung Karls V. gerätselt. Dass ein Einvernehmen im Hinblick auf die Erbfolge in Ungarn und Polen zu den Voraussetzungen des kaiserlichen Privilegs für den Dauphin gehörte, kann unterstellt werden, auch wenn Karl V. in einem Brief an Ludwig von Ungarn erklärte, dass er in dieser Frage dem Kaiser keinerlei Zugeständnisse gemacht habe. Ohne eine vom Kaiser als halbwegs ausreichend angesehene Versicherung, dessen polnische Interessen respektieren zu wollen, hätte der sonst stets nach dem Dout-des-Prinzip verfahrenden Oheim aus Prag schwerlich seine Rechte über ein ganzes Reich über ein ganzes preisgegeben, so vage diese auch sein mochten.
Wahrscheinlich wird jedoch noch eine weitere Konzession des Königs von Frankreich bei diesem Geschäft eine Rolle gespielt haben, von der Karl V. freilich behaupten konnte, sie bereits erbracht zu haben: die Zulassung der Rückkehr von Papst und Kurie nach Rom. Dass diese vom Kaiser als irreversibler Vorgang gewertet wurde, kann schon aus der Übertragung des Vikariats über das Arelat geschlossen werden. Denn das Gebiet von Avignon hatte Clemens VI. 1348 zwar von der Königin Johanna gekauft, womit aber die Zugehörigkeit zum Arelat und damit zum Amtsbereich des Kaisers oder eines von diesem ernannten Vikars nicht berührt worden war. Wenn KARL IV. nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass der Aufenthalt von Papst und Kurie in Avignon mit Papst Gregors XI. in Rom (1377) wirklich sein Ende gefunden hatte, hätte er schwerlich dem König von Frankreich seine Stellvertretung anvertraut, die ein mächtiger Vikar auch an diesem Ort ins Spiel bringen konnte.
So verlief des Kaisers Besuch in Paris, von kleineren Unstimmigkeiten abgesehen, in familiärer Harmonie. Nur vier Wochen nach der Abreise des Oheims starb am 6. Februar 1378, zwei Tage nach der Geburt ihrer Tochter Katharina, Karls V. Gemahlin Johanna von Bourbon. Ebenso unerwartet folgte am 27. März der Tod Papst Gregors XI., der eine der folgenreichsten Krisen der europäischen Geschichte auslöste: Unter dem Druck der Römer wählten die mit Gregor in die alte Hauptstadt gezogenen Kardinäle am 8. April den Erzbischof von Bari, Bartolomeo Prignano, zum Papst. Urban VI. entpuppte sich binnen weniger Tage als einer der herrischsten Vertreter der in dieser Hinsicht nicht eben armen Schar von Nachfolgern des heiligen Petrus. Manche gewannen den Eindruck, er habe den Verstand verloren. Indes boten die anfangs keineswegs als anomal gewerteten Umstände der Wahl einen überzeugenden Grund, die Legitimität dieses Papstes in Frage zu stellen.
Die Dauer einer Hin- und Rückreise von Prag oder Paris nach Rom reduzierte zwar die Möglichkeit der Einwirkung auf die Kurie für Karl V. und seinen Onkel in beträchtlichem Ausmaß, gleichwohl vollzog sich die am 2. August vollendete Sezession der Kardinäle und die Wahl des Gegenpapstes am 20. September keineswegs als ein gegenüber Einwirkungen ferner Mächte abgeschirmter Vorgang. Karl V. verfügte im Kardinal Jean de la Grange, Bischof von Amiens, über einen zuverlässigen Rat und Informanten, der überdies den Vorzug hatte, erst nach Urbans Wahl in Rom eingetroffen zu sein, wo er da im Bunde mit anderen die Fronde gegen den Papst organisierte. Es soll einen Versuch des Kaisers gegeben haben, den Neffen  in Paris zu einer gemeinsamen Aktion zu gewinnen, der aber, wenn er denn unternommen wurde, im Sande verlief. Am 25. September erkannte KARL IV. öffentlich Urban VI. als den rechten Papst an, nachdem er die französischen Kardinäle bezichtigt hatte, den Stuhl des heiligen Petrus zurückzuerobern und selbst nach Avignon zurückkehren zu wollen, dies alles zum Schaden seines Heilgen Reiches. Fünf Tage vorher hatten die Kardinäle mit der Wahl ihres Kollegen Robert von Genf (Clemens VII.) den Rubikon definitiv überschritten.
Karl V. hat die Ereignisse in Italien zwar keineswegs als Glücksfall empfunden, scheint aber schon früh entschlossen gewesen zu sein, den Kardinälen Unterstützung zu gewähren. Zwar hielt er seine Absicht vor den Untertanen zunächst verborgen, und eine Versammlung von mehr als 30 Erzbischöfen und Bischöfen sowie Vertretern der Universitäten Paris und Orleans konnte noch Mitte September nicht zu einer einmütigen Beurteilung der Lage kommen. Der König setzte sich über die Bedenken jedoch hinweg und erkannte am 16. November Clemens VII. als den rechten Papst an. Damit war die Entente familiale zwischen Böhmen und VALOIS, nur 11 Monate nach ihrer Wiederbelebung, erneut zerbrochen: Der Kaiser, so mußte Karl V. befürchten, würde im Bunde mit seinem Papst ein Konzil einberufen, das dann leicht in ein Gericht über Frankreichs Rolle an der Kurie verwandelt werden konnte. Fortuna entschied jedoch zu Karls V. Gunsten, denn am 29. November starb Kaiser KARL IV. an den Folgen eines kurz zuvor erlittenen Beinbruchs. Sein Sohn und Nachfolger WENZEL aber erwies sich als unfähig, das zu tun, was Aufgabe eines künftigen Kaisers und Vogts der römischen Kirche gewesen wäre, nämlich für die Einberufung eines Konzils zu sorgen.
Indes zeichnete sich schon bald ab, dass Karl V. einen Pyrrhus-Sieg errungen hatte: Urban VI. konnte sich mitsamt dem von ihm kreierten Kardinalskollegium in Rom behaupten, während Clemens VII. nach einiger Zeit dorthin zurückkehren mußte, von wo aus er als Kardinal aufgebrochen war: nach Avignon. Damit verfügte die lateinische Kirche über zwei Päpste und zwei Kurien. Manche Fürsten und Könige erklärten sich erst nach längerem Zögern für diesen oder jenen Papst, aber schon bald begann sich abzuzeichnen, dass sich im Westen Europas die Mächte je nach ihrer Haltung gegenüber dem König von Frankreich gruppieren würden. England bekannte sich sofort zu Urban VI., König WENZEL hielt sich an die Entscheidung des Vaters. Zwar brachen die Kontakte zwischen Paris und Prag nicht ab, das änderte aber nichts daran, dass der König von Frankreich den trotz der militärischen Katastrophen bewahrten dominierenden Einfluß auf die Spitze der Christenheit eingebüßt hatte. Denn nunmehr gab es zwei Päpste, von denen einer sich nicht scheute, den allerchristlichen König von Frankreich als Schismatiker mit dem Bann zu belegen.
Die politische Verhärtung der Kirchenspaltung hat Karl V. nicht mehr erleben müssen. Am 13. Juli 1380 war sein Konnetabel Bertrand Du Guesclin gestorben, den er in der Grabkirche der Könige Frankreichs beisetzen ließ. Mittlerweile hatten die chronischen Krankheiten den Kreislauf des erst 42 Jahre alten Herrschers in Mitleidenschaft gezogen. Während die Engländer unter dem Herzog von Buckingham wieder einmal plündern in Richtung Paris zogen, hatte Karl sich in das Schlößchen Beaute an der Marne zurückgezogen. Am Morgen des 16. September raffte er sich noch einmal auf und hielt vor seinen Räten eine Rede, in der er erklärte, von der Rechtmäßigkeit seiner Entscheidung zugunsten Clemens' VII. überzeugt zu sein. Dann verwies er darauf, dass die unter ihm angehäuften Schätze geringer seien, als man gemeinhin glaube, und anschließend verfügte er die Aufhebung des fouage, der 1363 von Karls Vater eingeführten Herdsteuer, die wohl als besonders drückend empfunden wurde. Gegen Mittag empfing er das Sterbesakrament und verschied in den Armen seines Kammerherrn Bureau de la Riviere. Nach höchst beeindruckenden Trauerfeiern wurde er am 26. September 1380 in St-Denis beigesetzt, die Eingeweide waren in die Klosterkirche von Maubuisson gebracht worden, wo seine Mutter ruhte; das Herz ging nach Rouen, der Hauptstadt seines Fürstentums.
Noch mit dem Tode hatte Karl die virtus demonstriert, die sein Handeln geleitet und geprägt hatte. Diesmal setzte er allerdings das Gesetz außer Kraft, das bis dahin Wohl und Würde des Königtums rigoros über Interessen und Not des "pueple de France" gestellt hatte. Die Aufhebung des "fouage" war ein Vermächtnis, das die Regierung Frankreichs in den folgenden Jahren vor beträchtliche Probleme stellen mußte. Aber wie schon bei der Entscheidung zugunsten des Gegenpapstes setzte er sich auch in der letzten Minute seiner Herrschaft über die Bedenken der Räte hinweg, die er natürlich kannte, ohne dass sie geäußert werden mußten.
Von der theokratischen Würde seines Amtes war Karl selbst vielleicht am meisten fasziniert, und er wußte diese Faszination seiner Umgebung zu vermitteln, obwohl oder weil Leutseligkeit nicht seine Sache war. Wie einst Christine de Pisan gerät noch heute mancher Autor bei der Bilanz von Karls V. Herrschaft ins Schwärmen: 10 Jahre nach Bretigny stand der größte Teil der verlorenen Regionen wieder unter der Herrschaft des Königs von Frankreich. Aber einen Friedensschluß hatte Karl nicht erreicht. Die Übernahme der eigenständigen Regierung durch den Sohn zu einem sehr frühen Zeitpunkt schien er mit einer Ordonnanz gesichert zu haben, die das erforderliche Alter auf den Beginn des 14. Lebensjahrs festsetzte. Aber die Gegebenheiten der Familie machten einen Strich nicht nur durch diese Rechnung: Karls Brüder behielten zusammen mit seinem Schwager bis zum 20. Lebensjahr Karls VI. das Ruder in ihren Händen, und dann ließ die Geisteskrankheit den jungen König zur Marionette anderer werden. Die allem Anschein nach ohne Rücksicht auf den Oheim in Prag und gegen die Bedenken mancher Räte weitgehend eigenmächtig vollzogene Anerkennung Papst Clemens' VII. zog nahezu zwangsläufig den Verlust der dominierenden Stellung Frankreichs an der Kurie nach sich - auch das gehört zu der Bilanz seiner Herrschaft. Das eine Ziel aber, die Wiederherstellung des in sich ruhenden Status der französischen Monarchie im Kräftespiel Europas, hatte Karl V. erreicht und so in maßgeblicher Weise dazu beigetragen, dass dieser über viele weitere Katastrophen hinweg der Maßstab blieb, dem der französische Staat bis heute verpflichtet ist.