Pippin III. der Kleine                                Frankenkönig (751-768)
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714-24.9.768
Jupille    Paris

Begraben: St-Denis
 

Sohn des fränkischen Hausmeiers Karl Martell aus seiner 1. Ehe mit der Chrodtrud
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2167
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Pippin III. der Jüngere, König der Franken 751/52-768
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* 714/15, + 24. September 768

Begraben: St-Denis, wo er auch erzogen worden war

Eltern: Karl Martell und Chrotrud

  oo Bertrada

Söhne:
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KARL DER GROSSE
Karlmann

Vor seinem Tode hatte der Hausmeier Karl Martell, der seit 737 ohne König regiert hatte, das fränkische Reich mit Zustimmung der Großen unter seine Söhne geteilt: der ältere Karlmann erhielt Austrien mit Alemannien und Thüringen, Pippin der Jüngere  Neustrien, Burgund und die Provence. Ihr zunächst übergangener Stiefbruder Grifo, Sohn der Swanhilt (AGILOLFINGER), wurde nachträglich mit einem Landesteil um Langres bedacht, doch lehnten die Hausmeier seine Mitherrschaft ab und setzten ihn gefangen. Gleichzeitig warfen die Brüder Aufstände der Aquitanier, Alemannen und Bayern nieder, die den Wechsel benutzten, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Gegen die Sachsen, die sich den Aufständischen angeschlossen hatten, führten sie Straffeldzüge durch und bereiteten damit ihre spätere Unterwerfung durch KARL DEN GROSSENvor. Erneute Aufstände der Alemannen wurde 746 von Karlmann bei Cannstatt blutig bestraft, das alemannische Herzogtum beseitigt und die fränkische Grafschaftsverfassung eingeführt. Da die Aufständischen ihren Widerstand mit dem Fehlen eines legitimen Königs begründeten, setzten beide Hausmeier 743 in Childerich III. erneut einen merowingischen König ein, in dessen Namen datiert und geurkundet wurde, während die Hausmeier sich auch weiterhin die Herrschaft vorbehielten.
Nachdem Karl Martell Bonifatius für sein Missionswerk auf päpstliche Empfehlung seinen Schutz zugesichert hatte, vertrauten seine Söhne dem angelsächsischen Missionar bereits 741 die Reform der frankischen Kirche an. In seinem Sinne leitete zunächst Karlmann 743 mit dem Concilium Germanicum die Reform ein, der sich Pippin der Jüngere anschloß, um sie zusammen mit seinem Bruder bis 746 in mehreren austrischen und neustrischen Reformkonzilien voranzutreiben. Die vom Geist des Bonifatius geprägten Beschlüsse wurden von den Hausmeiern als Kapitularien verkündet. Pippin der Jüngere hat diese Bemühungen noch als König zielstrebig fortgeführt.
Als Karlmann 747 der Herrschaft entsagte und sich als Mönch auf das von ihm auf dem Monte Soracte errichtete Kloster zurückzog, war Pippin der Jüngere unter den merowingischen Scheinkönigen praktisch der tatsächliche und alleinige Herrscher des Frankenreichs. Nach der Niederwerfung erneuter Aufstände Grifos und seiner Helfer in Sachsen, Bayern und Aquitanien ging Pippin der Jüngere daran, klare Verhältnisse zu schaffen. Das Problem, das es zu lösen galt, lag in dem Mißverhältnis, das zwischen dem machtlosen König und dem Inhaber der tatsächlichen Macht bestand, der keinem Königsgeschlecht angehörte. An diesem Mißverhältnis war 662 der Versuch des Hausmeiers Grimoald I., die MEROWINGER zu entthronen, gescheitert. Es kam darauf an, die fehlende Legitimität seines Geschlechts auf andere Weise zu ersetzen. Pippin der Jüngere sandte deshalb mit Zustimmung einer Reichsversammlung Bischof Burchard von Würzburg und seinen obersten Kapellan Fulrad nach Rom, um den Papst als höchste geistliche Gewalt zu befragen, ob es gut sei, daß die fränkischen Könige ohne königliche Gewalt regieren. Papst Zacharias antwortete, es sei besser, der Inhaber der Gewalt heiße König als derjenige, der keine Gewalzt besäße, und beschied kraft apostolischer Autorität, daß Pippin III. der Jüngere König werden solle, damit die Ordnung nicht gestört werden solle (Ann. regni Franc. ad 749). Daraufhin wurde Pippin der Jüngere 751 in Soissons von den Franken zum König gewählt, Childerich III. abgesetzt und in ein Kloster verbannt. Der Wahl durch die Franken folgte die Salbung durch die Bischöfe, angeführt von Bonifatius. Die Salbung, die Pippin der Jüngere als Frankenkönig empfing, galt als Sakrament, das ihn als 'Erwählten Gottes' auswies. Sie wurde 754 von Papst Stephan II. in St. Denis wiederholt und auf das gesamte Königsgeschlecht ausgedehnt. Mit Pippin III. dem Jüngeren waren auch seine Nachkommen Könige von Gottes Gnaden.
Die Hilfe des Papstes forderte Pippin schon bald zur Gegenhilfe heraus, veranlaßt durch den Langobarden-König Aistulf, der 753 nach Eroberung des Exarchats von Ravenna das Gebiet von Rom bedrohte. Von Byzanz im Stich gelassen, wandte sich Papst Stephan II. um Hilfe an Pippin den Jüngeren, suchte ihn im Frankenreich auf und bestellte ihn nach wiederholter Salbung als patricius Romanorum zum Schutzherrn der römischen Kirche (754), woraufhin Pippin der Jüngere ihm das erbetene Schutzversprechen abgab und zu seinem ersten Italienfeldzug aufbrach, der zum Sieg über Aistulf führte. Da dieser gegen die vereinbarten Bedingungen erneut den römischen Dukat angriff, folgte 756 ein zweiter Italienfeldzug, siegreich wie der erste, jetzt jedoch gesichert durch die Übergabe des Exarchats und der weiteren Eroberung bis zum Dukat von Rom an den Papst: die Begründung des Kirchenstaates. Die folgenden Jahre sind vor allem dem Kampf um den SW des Frankenreichs gewidmet. Er führt 759 zur Eroberung von Septimanien und 760-768 zur Eroberung von Aquitanien mit der Sicherung der Pyrenäengrenze: das letzte bleibende Verdienst Pippins des Jüngeren um das Frankenreich. Doch auch im Aufbau von Hofkapelle und Kanzlei und in der Einleitung der Liturgieform erwies er sich als ein bedeutender Wegbereiter KARLS DES GROSSEN.

Quellen:
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RI I, 1908² [Nachdr. 1966] - Q. zur Entstehung des Kirchenstaates, hg. H. Fuhrmann, 1968 -

Literatur:
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H. Hahn, Jbb. des frk. Reiches 741-752, 1863 - L. Oelsner, Jbb. des frk. Reiches unter Kg. P.,1871 - E. Caspar, P. und die röm. Kirche, 1914 - F. Kern, Gottesgnadentum und Widerstandsrecht, 1954² - Das Kgtm. Seine geistigen und rechtl. Grundlagen (VuF 3, 1956 [Nachdr. 1963]) - W. H. Fritze, Papst und Frankenkg. (VuF, Sonderbd. 10, 1973) - P. Riche, Les Carolingiens, 1983 [dt. 1987] - R. Schieffer, Die Karolinger, 1992, 50ff. -
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Althoff Gerd: Seite 370
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                                 K 34

Me:     24.9. Pippinus rex pater magni Karoli  +  768    König Pippin, Vater KARLS DES GROSSEN

(Es.)   Die KAROLINGER-Könige im Merseburger Necrolog wurden beim Beginn des ottonischen Gedenkens aus älteren Vorlagen ünernommen; siehe dazu oben wie bei K 22
Vgl. allgemein Biographisches Wörterbuch 2, Spalte 2183ff; FW K 5.
Zum Todesdatum: BM² Nr. 115a.
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Biographien zur Weltgeschichte: Seite 455
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Pippin III., der Jüngere, Fränkischer Hausmeier seit 741, fränkischer König seit 751
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* um 714/15, + 24.9.768
                      St-Denis

Sohn Karl Martells

Als Hausmeier leitete Pippin der Jüngere zunächst bis 747 gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann, die fränkische Reichspolitik, die vor allem auf die Sicherung der fränkischen Herrschaft in Bayern und Alemannien (742-746) und die Durchführung einer Kirchenreform (742 bis 747) gerichtet war. Mit päpstlicher Zustimmung setzte er  751 den letzten MEROWINGER-König Childebert III. ab und ließ sich in Soissons zum fränkischen König erheben und salben. Damit begründete Pippin III. der Jüngere die Königsherrschaft der karolingischen Dynastie im Frankenreich und das Bündnis des fränkischen Königtum mit dem Papsttum. In dessen Interesse unternahm Pippin der Jüngere zwei erfolgreiche Feldzüge gegen die Langobarden (754 und 756) und schuf mit der sogenannten Pippinschen Schenkung (754) die Grundlage des Kirchenstaats. Feldzüge gegen die Sachsen (753 und 758) und gegen Septimanien (759) sowie die Unterwerfung des selbständig gewordenen Herzogtums Aquitanien (760-768) trugen zur Festigung und Erweiterung des fränkischen Reiches bei. Damit schuf Pippin III. der Jüngere wichtige Grundlagen dafür, daß sein Sohn KARL DER GROSSE das fränkische Großreich zur höchsten Machtentfaltung führen konnte.
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Hlawitschka Eduard: Seite 81
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"Die Vorfahren Karls des Großen"

48 König Pippin
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Eigene Zeugnisse Pippins zu seiner Abstammung in MG. DD Kar., Register; erzählende Quellen bei Nr. 33 und Nr. 45. BM² 53g-115a.
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Pippin wurde entsprechend dem Wunsche seines Vaters nach dessen Tode (741) Hausmeier in dem westlichen, vorwiegend romanischen Gebieten des Frankenreiches, nämlich in Neustrien, Burgund und der Provence. Mit seinem Bruder Karlmann hatte er sich geeinigt, den illegitimen Bruder Grifo  von der Erbfolge auszuschließen. Nach einem vergeblichen Aufstandsversuch wurde er eingesperrt. Bis 744 leitete er gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann, der die Hausmeierwürde in den östlichen, germanischen Gebieten erhalten hatte, die Politik des Reiches, die zunächst vorwiegend auf die Sicherung der fränkischen Herrschaft in Bayern und Alamannien (742-746), die Durchführung einer Kirchenreform (742-747) und die Wiedereinsetzung eines merowingischen Schattenkönigs (743) auf den seit 737 verwaisten Thron gerichtet war. Nach Karlmanns Abdankung (747) übernahm Pippin auch das Hausmeieramt in Austrasien. Mit der Absetzung des letzten MEROWINGER-Königs Childebert III. und seiner eigenen Erhebung zum fränkischen König in Soissons (Ende 751), wofür Pippin vorher die päpstliche Zustimmung eingeholt hatte, begründete er die Königsherrschaft der karolingischen Dynastie im Frankenreich und das Bündnis des fränkischen Königtums mit dem Papsttum. 754 wurde Pippin vom Papst persönlich in St. Denis gesalbt und zum Patricius Romanorum ernannt. Anschließend zog er gegen die Rom bedrohenden Langobarden in Oberitalien und besiegte sie nach längeren Kämpfen (754 und 756). Das zum Exarchat von Ravenna und zum Dukat von Rom gehörige Gebiet, das die Langobarden teilweise erobert hatten, überließ er dem Papst ("Pippinsche Schenkung"); es wurde zur Grundlage des Kirchenstaates. Während seiner Königsherrschaft zog Pippin außerdem zweimal gegen die Sachsen (753 und 758), zwang Herzog Tassilo III. von Bayern zur Huldigung (757) und unterwarf Septimanien (759) sowie nach acht Feldzügen (760-768) auch das unter eigenen  Herzögen weitgehend unabhängig gewordene Aquitanien. So schuf Pippin wichtige Grundlagen, auf denen sein Sohn und Nachfolger KARL DER GROSSE aufbauen konnte, als er das fränkische Großreich zu seiner höchsten Machtentfaltung führte.

Schnith Karl: Seite 17
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"Die Karolinger"

in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern

Um seine Alleinherrschaft gegen seine nächsten Verwandten abzusichern, entschloß sich Pippin dazu, das Schattenkönigtum der MEROWINGER endgültig beiseite zu schieben und selbst König zu werden. Da schon das alleinige Hausmeiertum Pippins auf Ablehnung stieß, gab es sicher auch erheblichen Widerstand gegen seinen Plan, sich zum König erheben zu lassen, wenn auch der Umfang der Gegnerschaft nicht deutlich wird. Um seine Gegner auszumanövrieren, sicherte Pippin sich gleich mehrfach ab: Zuerst wurde "nach dem Rat und mit Zustimmung aller Franken" eine Gesandtschaft nach Rom geschickt, die den Papst zu einer Pippins Vorhaben unterstützenden Aussage veranlassen sollte, die dieser auch mit den berühmten Worten gab: "Es ist besser, dass derjenige König heißt, der die Macht hat, als der, dem keinerlei königliche Gewalt mehr verblieben ist; daher soll kraft apostolischer Autorität Pippin König werden, damit die Ordnung nicht gestört wird."
Aufgrund dieses päpstlichen Spruchs wurde Pippin zum König gewählt und auf den Thron erhoben; ob eine Krönung und eine Schilderhebung wie zu merowingischer Zeit stattfanden, wissen wir nicht. Zur Absicherung seines Königtums ließ sich Pippin von den Bischöfen (vielleicht von Bonifatius persönlich) zum König salben. Damit übernahm er eine Form der Legitimierung des Königtums, die bisher bei den Franken nicht praktiziert worden war, sondern die wahrscheinlich von den Westgoten, den Angelsachsen oder den Iren übernommen wurde, die eine Königssalbung nach dem Vorbild des Alten Testaments kannten. Der letzte MEROWINGER Childerich III. wurde zum Mönch geschoren und verschwand im Kloster St. Bertin; sein Sohn wurde dem Kloster St. Wandrille zur Verwahrung übergeben.
Die Legitimität des neuen Königs wurde noch erhöht, als im Jahr 754 Papst Stephan II. persönlich ins Frankenreich kam, um von Pippin Unterstützung gegen die Langobarden zu erbitten. Zum erstenmal hatte damit ein Papst eine Reise ins Gebiet nördlich der Alpen angetreten, während in früherer Zeit die römischen Bischöfe höchstens gelegentlich nach Konstantinopel gereist waren. Während der KAROLINGER-Zeit sind die Päpste noch mehrfach ins Frankenreich gereist, wenn sie in Rom Schwierigkeiten hatten. Pippin behandelte den Papst mit großem Selbstbewußtsein; er nahm ihn nicht persönlich an der Grenze seines Reiches in Empfang, sondern ließ ihm durch Boten mitteilen, dass er ihn in seiner Pfalz Ponthion (20 km südöstlich von Chalons-sur-Marne) erwarte. Die Begegnung zwischen Papst und Frankenkönig am 6.1.754 ging in strengen Formen vonstatten, die sicher mit den Beauftragten des Papstes abgesprochen worden waren: Der ältere Sohn Pippins, KARL, damals wohl erst sechs Jahre alt, wurde Stephan II. entgegengeschickt; der König selbst ritt ihm mit Familie und Gefolge 3.000 Schritt entgegen. In Sichtweite des Papstes stieg Pippin vom Pferd, warf sich auf den Boden und leistete den Marschallsdienst, das heißt der König führte das Pferd des Papstes am Zügel. Eine fränkische Quelle berichtet, dass der Papst vor Pippin und seinen Söhnen fußfällig um Hilfe gegen die Langobarden gefleht habe. In Ponthion wurde durch Pippin die Schenkung des Dukats von Rom und des Exarchats von Ravenna an den Papst in Aussicht gestellt; aus diesen Gebieten ist der Kirchenstaat entstanden. Dabei muß allerdings beachtet werden, dass Pippin damals über diese Gebiete gar nicht verfügen konnte; sie gehörten zweifellos zum byzantinischen Kaiserreich, und Pippin hatte nicht einmal das Recht des Eroberers, weil er noch gar nicht in Italien gekämpft hatte.
Der Kriegszug gegen die Langobarden sollte nach dem Willen Pippins noch 754 stattfinden; zuvor mußte aber der erhebliche Widerstand des fränkischen Adels überwunden werden, was auf einer Reichsversammlung in Quierzy (Ostern 754) geschah. In Quierzy ist dann das Schenkungsversprechen über die von den Langobarden der römischen Kirche entrissenen Güter an den Papst abgegeben worden. Da jetzt ein Kampf zwischen den Franken und den Langobarden unausweichlich schien, griff der langobardische König Aistulf zu einem merkwürdigen Mittel: Er veranlaßte den 747 ins Kloster eingetretenen Karlmann dazu, sein Refugium zu verlassen und ins Frankenreich zu reisen, um seinen Bruder vom Krieg abzuhalten. Möglicherweise war diese Reise auch ein Versuch Karlmanns, Pippin zu bewegen, seinen Söhnen einen Teil des ihnen vorenthaltenen Erbes am Reich abzutreten. Papst und Frankenkönig hatten das gemeinsame Interesse, diese Intervention möglichst rasch zu beenden. Die Quellen berichten nur, der Papst habe Karlmann befohlen, in sein Kloster zurückzukehren, weil er sonst gegen sein Gelübde verstoße. Karlmann ist wenige Monate später in Vienne gestorben; aber nicht einmal den Toten wollte Pippin im Frankenreich dulden; der Leichnam wurde nach Monte Cassino gebracht; für so bedeutend und bedrohlich sah Pippin anscheinend die Anhängerschaft seines Bruders an. Karlmanns Söhne wurden jetzt ebenfalls ins Kloster eingewiesen, um ihnen die Möglichkeit zu politischer Aktion zu nehmen.
Der Sicherung seiner Dynastie diente auch die Salbung und Weihe der Königssöhne KARL und Karlmann durch den Papst, die am 28.7.754 in St. Denis vorgenommen wurde. Auch die Königin Bertrada (Bertha) wurde geweiht, und die anwesenden Großen wurden vom Papst verpflichtet, "niemals aus der Nachkommenschaft eines anderen einen König zu wählen". Das karolingische Königtum wurde unter der Drohung von Exkommunikationn und Interdikt auf Pippin und seine leiblichen Nachkommen beschränkt; nicht gegen die MEROWINGER war diese Aktion gerichtet, sondern darauf, die Söhne Karlmanns endgültig von der Nachfolge auszuschließen. Pippin erhielt den Titel eines Patricius Romanorum; dies war ein byzantinischer Amtstitel, den der Vertreter des Kaisers in Italien, der Exarch von Ravenna, getragen hatte. Nach der Sicherung der Rechte seiner Dynastie zog Pippin im August 754 nach Italien, nachdem Aistulf noch mehrere Angebote zu friedlicher Beilegung des Konflikts abgelehnt hatte. Nach einem erstaunlich schnellen Sieg zog Pippin wieder aus Italien ab; Aistulf hatte zugesagt, dem Papst das Exarchat von Ravenna und andere Gebiete auszuliefern. Er dachte aber nicht daran, dieses Versprechen zu erfüllen, vielmehr ging er zum Angriff auf die päpstlichen Besitzungen über und belagerte im Jahr 756 auch Rom. Papst Stephan II. mußte mehrere Hilferufe an Pippin ergehen lassen, bis dieser sich zu einem neuen Italienzug entschloß (Mai 756). Aistulf erlitt abermals eine Niederlage, mußte wieder die Eroberungen im Exarchat herausrücken und sein Reich aus der Hand des Siegers entgegennehmen. Als Aistulf kurz darauf starb, verließ sein Bruder Ratchis das Kloster Monte Cassino, in dem er seit 749 gelebt hatte, um den Thron zu besteigen. Der Herzog Desiderius von der Toskana konnte sich aber als neuer König der Langobarden durchsetzen; Ratchis kehrte ins Kloster zurück; der Fall Ratchis ist also eine Parallele zum Schicksal Karlmanns.
Nach 754 hat Pippin auf Reichsversammlungen und Synoden durch mehrere Jahre hindurch (755-757) Vorschriften erlassen, um die Reform des Klerus wiederaufzunehmen und die Christianisierung der Laien voranzutreiben. Der wichtigste Helfer des Königs war dabei Erzbischof Chrodegang von Metz, den der Papst auf Bitten Pippins zu einer Art Oberbischof des Frankenreichs erhoben hatte. Im Zentrum stand dabei die Schaffung einer hierarchisch gegliederten Kirchenorganisation, wobei die Unterordnung des Klerus unter den Diözesanbischof, die Errichtung einer Metropolitanverfassung und die Forderung, zweimal jährlich Synoden durchzuführen, nichts anderes waren als Erneuerungen der Vorschriften, die Bonifatius auf seinen Konzilien von 742 bis 744 bereits erlassen hatte. Andere Kapitularien befaßten sich vor allem mit dem Eherecht; das Verbot der Verwandtenehe und die genaue Regelung der Ehescheidung standen hierbei im Vordergrund. Man muß sich fragen, warum es Pippin so wichtig war, gerade diese Materien zu regeln. Es ging erstens darum, die Laien zur Einhaltung der christlichen Familiengesetze zu zwingen. Weiterhin verfolgte Pippin aber auch die Absicht, die Heiratspolitik der fränkischen Adelsclans zu beeinflussen und sie daran zu hindern, durch Heirat innerhalb ihrer Verwandtschaft geschlossene Besitzkomplexe aufzubauen. Eine weitere wichtige Reformmaßnahme Pippins muß noch erwähnt werden, nämlich die Ersetzung der Goldwährung durch die Silberwährung. KARL DER GROSSE hat dann jene Regelung geschaffen, die bis 1971 noch in England galt: 1 Pfund Silber = 20 Schillinge = 240 Pfennige. Für die Verfassung des Reiches bedeutete auch die Verlegung des Termins der jährlichen Heerschau im Frühjahr vom März auf den Mai einen wichtigen Einschnitt: Möglicherweise war ein wesentlicher Grund für diese Veränderung, dass ein beträchtlicher Teil der militärischen Gefolgschaft jetzt aus Reitern bestand, die erst im Mai den Treffpunkt ohne Schwierigkeiten erreichen konnten, da es in diesem Monat leicht war, die Pferde auf den schon grünen Wiesen weiden zu lassen. In den letzten 10 Jahren seiner Regierung war Pippin mit der Konsolidierung der fränkischen Herrschaft im SW befaßt. 759 wurde Septimanien mit der Hauptstadt Narbonne ins Frankenreich eingegliedert. Dieses Gebiet hatten die MEROWINGER nie erobern können; es war nach 711 als Teil des Westgotenreichs von den Arabern besetzt worden.
In den Jahren 760-763 und 766-768 führte Pippin 8 Feldzüge gegen Aquitanien durch, wobei - im Gegensatz zu früheren Versuchen, die Herrschaft über dieses Gebiet zu sichern - diesmal ganz planmäßig vorgegangen wurde. Von N nach S fortschreitend eroberte Pippin die Städte, brach die Burgen und wandte auch die Taktik der verbrannten Erde an. Nur die schwere Hungersnot im Reich, die im Jahr 764 herrschte und sich auch noch im folgenden Jahr fortsetzte, führte zu einer Unterbrechung der Eroberungszüge. Die langjährige und noch bis in die Zeit KARLS DES GROSSEN reichende Eroberungstätigkeit in Aquitanien ist nur mit den noch längeren Kämpfen KARLS DES GROSSEN in Sachsen zu vergleichen. Die Feldzüge hatten aber die Gesundheit des Königs untergraben. Am 24.9.768 starb er mit erst 54 Jahren in St. Denis; dort wurde er auch bestattet. Vor seinem Tod hatte er noch die Nachfolge geregelt, dass seine beiden Söhne KARL und Karlmann das Reich  zu gleichen Teilen erben sollten: für KARL waren Aquitanien und Neustrien, für Karlmann Burgund mit der Provence und Septimanien, das Elsaß und Alemannien vorgesehen; das erst kürzlich ganz eroberte Aquitanien sollte unter den beiden Söhnen aufgeteilt werden.
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Schieffer Rudolf:
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"Die Karolinger"

Karl Martell, der für sich selbst zeitlebens nichts als die Alleinherrschaft erstrebt hatte, muß es am Ende im Vollgefühl seiner Erfolge für hinnehmbar, vielleicht sogar im Hinblick auf die Praxis der merowingischen Könige für inzwischen "standesgemäß" gehalten haben, das Reich zu teilen und jedenfalls seinen beiden erwachsenen Söhnen aus 1. Ehe, dem mindestens 33-jährigen Karlmann und dem vielleicht 25-jährigen Pippin dem Jüngeren, gleichberechtigt den "Prinzipat" zu hinterlassen; er ließ sich aber eindeutig darüber hinaus noch für den dynastisch konsequenten Gedanken gewinnen, auch seinen höchstens 15jährigen Sohn Grifo aus 2. Ehe, der samt seiner Mutter besonderer Sympathien in Bayern gewiß sein durfte, mit einem eigenen Anteil auf Kosten der älteren Halbbrüder auszustatten. Die absehbaren Verwicklungen mit Swanahilds agilolfingischen Verwandten wurden noch dadurch prinzipiell verschärft, dass ihnen ebenso wie dem aquitanischen Herzog erstmals zugemutet wurde, eine Übertragung des Hausmeieramtes im reinen Erbgang, ohne jede Legitimierung durch einen König, mitzuerleben. Ob Karl an die Durchführbarkeit des Teilungsplans auch in seiner modifizierten Form geglaubt hat, steht dahin, doch muß auffallen, dass nur für das ursprüngliche Konzept zugunsten Karlmanns und Pippins eine förmliche Zustimmung der Großen bezeugt ist, während die Einbeziehung Grifos allgemeine Besorgnis ausgelöst haben soll. An dieser tendenziösen Überlieferung scheint so viel richtig zu sein, dass die beiden älteren Brüder zusammen auf den bei weitem größeren Rückhalt in der fränkischen Führungsschicht vertrauen konnten, was hauptsächlich erklären dürfte, warum es Grifo anders als einst seinem Vater und trotz einer besser begründeten Ausgangsposition nicht gelang, die "Hausordnung" umzustoßen.
In einem sehr zügigen Drama zog die "bayerische Partei" der letzten Jahre Karl Martells rasch den kürzeren: Hiltrud eilte zu Herzog Odilo nach Bayern und heiratete nun den Vater ihres kleinen Sohnes Tassilo gegen den Willen ihrer Brüder. Falls Swanahild von dort Unterstützung für Grifo erwartete, blieb dies vergebens, denn Karlmann und Pippin haben anscheinend noch vor der Jahreswende 741/42 den Versuch ihres Halbbruders im Keim erstickt, sein zentral gelegenes Teilreich (oder mehr?) an sich zu reißen. Grifo wurde in Laon umzingelt und schließlich auf dem Chevremont bei Lüttich gefangengesetzt, während seine Mutter im alten Königskloster Chelles bei Paris verschwand, das hier erstmals in den Händen der KAROLINGER begegnet. Die Abqualifizierung der zweiten Gemahlin Karls als Konkubine bildete offenbar die moralische Rechtfertigung dieses Vorgehens und dürfte sich von daher in der Überlieferung ausgebreitet haben. Bevor die beiden Hausmeier dann den Kampf nach Bayern selbst trugen, unternahmen sie im Frühjahr 742 einen gemeinsamen Vorstoß in das (ebenfalls keinem von ihnen ausdrücklich zugesprochene) Aquitanien, wo sie dem dux Hunoald vornehmlich durch die Einnahme von Bourges ihre militärische Stärke erwiesen. Zusammen traten sie ferner im Herbst in Alemannien auf, um an der Donau wiederum gegnerische Kräfte einzuschüchtern. Der Vorbereitung auf die kommende Auseinandersetzung mit einer Koalition aller Unzufriedenen diente sichtlich auch die Entscheidung, Anfang 743 noch einmal einen merowingischen König namens Childerich III. einzusetzen, was zwar in den erzählenden Quellen verschwiegen wird, aber aus urkundlichen Zeugnissen hervorgeht und keinen anderen Zweck gehabt haben kann, als die Position der beiden Hausmeier unanfechtbar zu machen.
Nach einer lange verkannten Nachricht der Reichsannalen hatten Karlmann und Pippin 742 auf dem Rückweg aus Aquitanien in Vieux-Poitiers eine abermalige Reichsteilung vereinbart, die offenbar der Ausschaltung Grifos Rechnung tragen sollte.
Nach der Konsolidierung der Verhältnisse in der inneren Francia traten die Hausmeier 743 den gemeinsamen Feldzug gegen ihren ungeliebten Schwager Odilo von Bayern an, der sich sächsische, alemannische und slawische Hilfstruppen gesichert hatte. Am Lech fiel die Entscheidung, als die Franken den Flußübergang erzwingen und das bayerische Heer schlagen konnten; Odilo floh ebenso wie sein Verbündeter Theudebald, der Bruder des früheren Alemannen-Herzogs Lantfrid, und mußte sic beim Friedensschluß, wahrscheinlich unter Gebietsverlusten, erneut der karolingischen Oberhoheit beugen. Nach diesem Erfolg gingen die Hausmeier gegen die übrigen Feinde in sorgsam abgestimmter Weise vor: Während Karlmann 743 und nochmals 744 bis ins östliche Sachsen hinein Schrecken verbreitete, setzte sich Pippin wohl 744 mit Theudebald auseinander, der von Alemannien her ins Elsaß eingedrungen war. Das Jahr 745 sah dann wieder beide Brüder zusammen beim Heereszug gegen Hunoald von Aquitanien, der während des bayerischen Unternehmens einen Einfall in Neustrien gewagt hatte und nun zur Kapitulation gezwungen wurde. Man ließ ihn seine Tage im Kloster beschließen, gestattete ihm aber, seinem Sohn Waifar den aquitanischen Dukat zu übertragen. Den Abschluß dieser neuen Welle der Zentralisierung des Frankenreiches bildete das Einschreiten Karlmanns in Alemannien, der dort 746 eine letzte Empörung blutig niederschlug und das Herzogtum endgültig beseitigte.
Die unterschiedliche Haltung der beiden regierenden Brüder gegenüber Bonifatius gehört zu den wichtigsten Aspekten bei der Beurteilung der Frage, woran der erste Versuch einer Doppelherrschaft von KAROLINGERN schließlich gescheitert ist. Die loyal gestimmten Quellen vermitteln 6 Jahre hindurch das Bild eines einträchtigen Miteinander der Hausmeier, bei dem anfangs sogar eher Karlmann die aktivere Rolle spielte; gemeinsam setzten sie den ererbten Führungsanspruch innerhalb der Familie - gegen Grifo wie auch die schattenhaften Halbbrüder von eindeutig illegitimer Abkunft - durch und wiesen ebenso die peripheren Herzöge in die Schranken. Während Karlmann offenbar schon länger verheiratet war (mit einer Frau, deren Namen wir nicht kennen) und zumindest einen heranwachsenden Sohn Drogo hatte, wählte der jüngere Pippin wohl 744 seine Gattin Bertrada, die Tochter des Grafen Heribert von Laon, aus einem der führenden Geschlechter Austriens, der Stifterfamilie des Eifelklosters Prüm. Mit der Geburt ihres Sohnes KARL, des späteren Kaisers, am 2.4.747 kündigte sich gerade an, dass die Aufspaltung des KAROLINGER-Hauses in zwei Linien von längerem Bestand sein würde, als im Herbst 747 der Hausmeier Karlmann mit dem Entschluß hervortrat, "aus brennendem Verlangen nach frommer Hingabe" der Herrschaft zu entsagen und sich in Rom dem geistlichen Leben zu widmen. Die ausschließlich religiöse Begründung der Abdankung, die in den Quellen vereinzelt auch als Reue über die blutige Unterdrückung der Alemannen im Vorjahr präzisiert wird, verdient eine gewisse Skepsis, doch ist es der Forschung nicht gelungen, konkrete politische Differenzen der Brüder (etwa in der Behandlung des Adels, in der Königsfrage oder im Verhältnis zu den Langobarden) einsichtig zu machen. So bleibt wohl nichts übrig, als auf den besonderen Eifer Karlmanns für die Sache des Bonifatius hinzuweisen und eine persönliche Entscheidung aus dem Geist einer strengeren christlichen Herrscherethik anzunehmen, wozu neben dem Vorbild früherer angelsächsischer Könige auch eine gewisse Enttäuschung über die akuten Widerstände gegen die fränkische Kirchenreform beigetragen haben mag. Karlmann "übergab", so wird uns versichert, "sein Regnum und seinen Sohn Drogo in die Hände seines Bruders Pippin", bevor er sich von Papst Zacharias in den römischen Klerus aufnehmen ließ und auf dem Monte Soratte nördlich der Stadt ein Kloster gründete, von wo er etwa 750 als Mönch nach Montecassino auswich, angeblich weil ihm der häufige Besuch fränkischer Pilger, darunter wohl auch politischer Gegner sines Bruders, lästig wurde.
Als nunmehr alleiniges Famillienoberhaupt war Pippin indes kaum gesonnen, die Macht abermals zu teilen, weshalb der junge Drogo nur ganz kurzfristig als Inhaber eines eigenen Herrschaftsbereichs in Austrien erscheint, dann aber beiseite geschoben wurde. Im unklaren Zusammenhang damit steht die Nachricht, dass der früher schon ausgeschaltete Halbbruder Grifo 747 gleich nach Karlmanns Verzicht von Pippin auf freien Fuß gesetzt wurde, eine Versöhnung jedoch ablehnte und mit "sehr vielen jungen Männern aus fränkischem Adel, die ihren eigentlichen Herrn verließen", zu den feindlichen Sachsen eilte. Als der Hausmeier auf die kaum verhüllte Rebellion mit einem raschen Feldzug bis zum Harz reagierte, floh Grifo weiter nach Bayern, wo er sich nach dem Tod des Herzogs Odilo (748) neue politische Chancen ausrechnete. Im Namen von dessen Witwe, seiner Halbschwester Hiltrud, und ihres unmündigen Sohnes Tassilo, die er in seine Gewalt brachte, begann er - als AGILOLFINGER und KAROLINGER zugleich - über diesen Dukat zu herrschen, unterstützt nicht bloß von bayerischen, sondern auch fränkischen und alemannischen Großen. Pippin war dadurch herausgefordert, 749 erneut mit starker Macht nach Bayern zu ziehen, warf seine Gegner bis hinter den Inn zurück und zwang sie zur Ergebung. Während Hiltrud die Vormundschaft über Tassilo in Bayern belassen wurde, erschienen Grifos Herrschaftsansprüche in der Francia offenbar immer noch als fundiert und sein Anhang als gewichtig genug, um Pippin zu veranlassen, ihm eine Abfindung mit 12 Grafschaften um Le Mans zu gewähren. Auch damit nicht zufrieden, wandte sich Grifo bald als letzter Zuflucht innerhalb des Reiches Aquitanien zu, dessen Herzog Waifar ihn jedoch nur für begrenzte Zeit schützen konnte. Beim Versuch, zu den Langobarden nach Italien durchzubrechen, wurde er 753 in den Alpen von Pippins Leuten im Kampf getötet und damit vollends zum Opfer des dynastischen Rangstreits mit dem älteren Stiefbruder.
Zu den Ungewißheiten im Hintergrund des Familienzwistes nach 741 gehört nicht zuletzt, ob die Brüder verschiedene Ansichten über das Festhalten am (743 nochmals erneuerten) Königtum der MEROWINGER hatten, oder anders gesagt: seit wann Pippin sich das Ziel setzte, selber offen an die Spitze des Reiches zu treten. Jedenfalls schufen erst der Rücktritt Karlmanns und die Überwindung Grifos die Bedingungen, unter denen der verbliebene Hausmeier daran gehen konnte, den eigentümlichen Bann zu brechen, der seit dem Scheitern seines Urgroßonkels Grimoald fast 100 Jahre zuvor über dem Verhältnis eines immer mächtiger gewordenen Hauses zur fränkischen Monarchie lag.
Das Ansehen des ersten karolingischen Königs begann also nicht nur über das Frankenreich, sondern bereits über die Grenzen des Abendlandes hinauszuwachsen, doch war es Pippin nicht mehr beschieden, auch in diesem abermals erweiterten Rahmen selbst noch wirksam zu werden. Auf dem Rückweg vom letzten aquitanischen Feldzug traf ihn im Juni 768 die tödliche Krankheit, die ihn zwang, sein Haus zu bestellen. Von den 6 Kindern, die Bertrada ihm geschenkt hatte, waren 2 Töchter und ein 759 zur Welt gekommener Sohn namens Pippin im Kindesalter gestorben, so dass ihm außer Gisela nur die beiden Nachkommen KARL und Karlmann blieben, denen die päpstliche Salbung schon 754 das Erbe der Herrschaft verbürgt hatte. Um ihre künftigen Machtbereiche gegeneinander abzugrenzen, verfügte Pippin mit Zustimmung der Großen, unter denen anders als 27 Jahre zuvor nun auch die fränkischen Bischöfe genannt werden, wiederum eine Reichsteilung, die vom Grundsatz der Gleichberechtigung ausging und in gewisser Anlehnung an die Vereinbarung von Vieux-Poitiers (742) KARL ein nördliches Teilreich von der unteren Loire bis nach Thüringen und Karlmann ein südliches von Septimanien bis nach Alemannien zusprach, während das jüngst gewonnene Aquitanien ihnen je zur Hälfte zufallen sollte. Das eigene Heil im Jenseits suchte der König zu befördern, indem er während seiner letzten Lebensmonate dem heiligen Martin von Tours und dem heiligen Hilarius von Poitiers, vor allem aber dem Kloster Saint-Denis und seinen Abt Fulrad Schenkungen und Rechte zukommen ließ, zuletzt noch am 23.9. 768,  einen Tag also bevor er in Paris im Alter von etwa 54 Jahren seinem Leiden erlag. An der Seite merowingischer Könige, deren Geschlecht er endgültig von der Führung der Franken verdrängt hatte, fand er nach dem Vorbild des Vaters Karl Martell sein Grab in Saint-Denis.
 
 
 
 

 744
  oo Bertha von Laon, Tochter des Grafen Heribert
             -4.7.783
     (um 725-12./13.7.783)
 
 
 
 

Kinder:

  KARL I. DER GROSSE
  2.4.742/47-28.1.814

  Karlmann
  751-4.12.771

  Bertha
        -

  oo Milon von Anglaut
              -

  Gisela
  757-   810
 
 
 
 

Literatur:
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