Chlodwig I.                                                König der Franken (481-511)
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466-27.11.511
Doornik Paris

Begraben: Pariser Apostelbasilika
 

Sohn des Franken-Königs Childerich I. und der Basena von Thüringen
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1863
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Chlodwig I. (Chlodovechus)
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* 466, + 27. November 511

Sohn des salfränkischen Teilkönigs Childerich von Tournai aus dem Geschlecht der MEROWINGER und seiner Gattin Basina

Begründer des fränkischen Großreiches, nach der Chronologie Gregors von Tours 466 geboren.
Das Bestimmungswort des Namens weist auf Chlodio hin, den ersten zuverlässig bezeugten MEROWINGER, unter dessen Führung die Salfranken um 448 aus Toxandrien nach Cambrai und Arras vorstießen und den Norden der Provinz Belgica II bis zur Somme besetzten.
Merowech, der Vater Childerichs, war anscheinend ein gleichzeitig lebender Verwandter Chlodios. Er war wohl der erste König von Tournai. Childerich scheint als föderierter Heerführer bereits aus der bescheidenen Stellung eines Kleinkönigs von Tournai herangewachsen zu sein.
Das erste zeitgenössische Zeugnis zur Geschichte ist ein Glückwunschschreiben des Bischofs Remigius von Reims anläßlich der Übernahme der "administratio secundae Belgica" durch den jungen König. Wenn sich der Glückwunsch, wie nach der Terminologie anzunehmen, auf den "Regierungsantritt" Chlodwigs im Jahre 481 oder 482 bezog, so folgte Chlodwig I. dem Vater nicht nur als Kleinkönig von Tournai, sondern auch als Föderatengeneral in der Belgica II. Das Schreiben läßt zugleich gute Beziehungen der noch heidnischen Könige von Tournai zum Metropoliten der Belgica II. erkennen.
486 oder 487 kam es zu einem Kampf zwischen Chlodwig I. und Syagrius. Syagrius unterlag: Er floh zum Westgoten-König Alarich II., wurde aber von diesem ausgeliefert und auf Befehl Chlodwigs getötet. Der Sieg entschied unmittelbar über die Herrschaft Chlodwigs bis zur Seine. Das Gebiet zwischen Seine und Loire wurde anscheinend erst nach weiteren Kämpfen in das werdende fränkische Großreich einbezogen. Chlodwig I. trat hier das Erbe der nordgallischen Heermeister an, deren Hauptquartier Soissons er zu seiner Residenz machte, aber - und das war entscheidend - als rex Francorum. Einer Legitimation durch den Kaiser in Konstantinopel bedurfte er nicht.
Chlodwig I. war 486/87 noch ein Frankenkönig naben anderen, doch dürfte ihm der Sieg über Syagrius wenigstens die Hegemonie im gesamtfränkischen Bereich gesichert haben. Nach Gregor von Tours unterwarf Chlodwig I. 491/92 die "Thoringi" seiner Herrschaft. Die Nachricht kann sich nur auf ein Kleinreich im heutigen Belgien beziehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in dieser Zeit mehrere salfränkische Kleinkönige beseitigt wurden. Gregor von Tours berichtet davon zwar erst anläßlich der Einbeziehung der rheinischen Franken von Köln in das fränkische Großreich (zwischen 509 und 511), doch könnte dies auf seine raffende Erzähltechnik zurückzuführen sein. Allerdings läßt die Nachricht, daß Chlodwig I. den Chararich, einen der fränkischen Kleinkönige, zuerst zu Priester und Chararichs Sohn zum Diakon scheren ließ, in diesem Fall eher auf eine spätere Beseitigung schließen.
Zu Beginn der 90-er Jahre hatte Chlodwig I. seine Herrschaft in N-Gallien konsolidiert. Ein Zeichen seines Eintritts in den Kreis der germanischen Großkönige des lateinischen Okzident war die Heirat mit Chrodechilde (Chrotchildis), einer Nichte des burgundischen Ober-Königs Gundobad. 493 vermählte sich der Ostgoten-König Theoderich, der damals gerade seine Herrschaft in Italien begründet hatte, mit Chlodwigs Schwester Audofleda. Wenige Jahre darauf hatte der Frankenkönig indessen noch einmal eine schwere Bewährungsprobe zu bestehen: den Kampf mit den Alamannen.
Die Auseinandersetzung mit den Alamannen ist Gegenstand heftiger Kontroversen gewesen. Gregor von Tours erwähnt beiläufig, daß Sigibert, der König der Kölner Franken, in einem Kampf mit den Alamannen bei Zülpich verwundet wurde. Von einem entscheidenden Sieg Chlodwigs, der nach einigen Handschriftengruppen der "Historia Francorum" 496 oder 497 errungen wurde, berichtet er ohne Ortsangabe nur im Zusammenhang mit Chlodwigs Bekehrung zum Christentum. Einwandfrei bezeugt durch ein Schreiben Theoderichs des Großen in den "Variae" Cassiodors ist aber ein Alamannensieg Chlodwigs im Jahr 506. Der Streit geht darum, ob zwei Alamannenkriege stattgefunden haben oder nur einer: der von 506. Obwohl die Kontroverse von Zeit zu Zeit neu aufzuleben pflegt, setzte sich in der Forschung immer wieder die durch einleuchtende Argumente gestützte Meinung durch, daß Chlodwig I. zwei Alamannenkriege führte (so gegen de Vijver und Weiss zuletzt Tessier, Lippold, Schäferdiek, Anton). Die Hintergründe sind freilich dunkel, da man bisher weder von der Westexpansion der Alamannen, noch von der Ausdehnung des Kölner Frankenreiches ein klares Bild gewonnen hat. Einigermaßen gesichert ist jedoch, wie zuletzt Schäferdiek zeigte, daß die Alamannen nach ihrer ersten Niederlage nur in Abhängigkeit von den Franken gerieten, während sie nach dem zweiten Sieg Chlodwigs ihre Selbständigkeit verloren und in das Frankenreich einbezogen wurden.
Die Kontroverse über den ersten Alamannensieg Chlodwigs ist unlösbar verquickt mit der weit wichtigeren über die Bekehrung Chlodwigs zum katholischen Christentum. Der einschlägige Bericht Gregors von Tours beruht, wie von den Steinen zeigte, auf Mitteilungen der Königin Chrodechilde und ist daher glaubwürdig.
Die Franken waren an Rhein und Somme früh in Berührung mit der orthodoxen Kirche Galliens getreten. Dem zitierten Remigiusbrief kann man entnehmen, daß schon Chlodwigs Vater Childerich gute Beziehungen zum belgischen Episkopat, namentlich zum Metropoliten von Reims, unterhielt. Der katholische Einfluß wurde durch Chlodwigs Heirat mit Chrodechilde, einer engagierten katholischen Christin, verstärkt. Die Königin setzte sogar die Taufe ihrer beiden ältesten Söhne Ingomer und Chlodomer durch. Indessen machte sich nach der Aufnahme der beziehungen zu den Ostgoten auch arianischer Einfluß bemerkbar. Lantechilche, eine Schwester Chlodwigs, trat zum Arianismus über.
Der König zögerte eine Entscheidung hinaus, die von größter politischer Tragweite sowohl ggegenüber den Franken und Galloromanen wie gegenüber den Goten sein mußte. Doch spielten auch religiöse Erwägungen, geprägt von heidnischer Furcht vor dem Tremendum, eine erhebliche Rolle. Der frühe Tod des Sohnes Ingomer sprch für die Macht - den Zorn - der alten Götter. Auch Chlodomer erkrankte, genas jedoch wieder. Der König erwartete ein Zeichen, das ihm nach Gregor in der Alamannenschlacht gegeben wurde, als er in schwerer Bedrängnis Christus, den Gott Chrodechildes, anrief und darauf den Sieg errang. Die Glaubwürdigkeit des Berichts wird durch Parallelen aus anderen germanischen Bereichen erhärtet (Schäferdiek).
Ein zeitgenössisches Zeugnis für die weiteren Vorgänge ist ein leider undatierter Glückwunschbrief des Metropoliten Avitus von Vienne im Burgunderreich zur Taufe Chlodwigs. Aus einem um 565 verfaßten Schreiben des Bischofs Nicetius von Trier an Chlodwigs Enkelin Chlodoswinth geht hervor, daß der König ein öffentliches Taufversprechen in der Martinsbasilika von Tours ablegte. Nach den Forschungen von W. von den Steinen ergibt sich folgender Ablauf für den Übertritt Chlodwigs: Nach dem (in foro interiori?) gegebenen Gelübde der Alamannenschlacht ging Chlodwig I. mit der Königin heimlich zu Rate, die heimlich die Verbindung mit Remigius von Reims zum Zwecke einer ersten Glaubensbelehrung herstellte. Da der Übertritt des Königs zum Christentum die gens Francorum unmittelbar tangierte, holte Chlodwig I. (auf einem Märzfeld?) die Zustimmung seines populus ein (Gregor) und wurde dann von Remigius in den Katechumenenstand aufgenommen. In St- Martin von Tours (Nicetius) gab er (an einem Martinsfest des 11. November?) die "Kompetenzerklärung" (Anmeldung zur Taufe) ab (Avinus, Nicetius). Die Taufe erfolgte durch Remigius von Reims (Gregor) am folgenden Weihnachtsfest (Avitus). Zwischen Alamannenschlacht und Taufe lag also ein Zeitraum von 1-2- Jahren. Die Taufe kann Weihnachten 497,498 oder 499 stattgefunden haben. Die Datierung auf Weihnachten 498 hat die größte Wahrscheinlichkeit.
Die historische Bedeutung der Konversion Chlodwigs wird nicht durch die Feststellung geschmälert, daß die Bekehrung der Franken damit nur eingeleitet und erst im 7. Jh. abgeschlossen wurde. Wie mit der Reichsgründung setzte Chlodwig I. auch mit der Annahme des katholischen Christentums einen neuen Anfang, hinter dem die ältere fränkische Vergangenheit allmählich versank. Im Epilog der Lex Salica erscheint er daher als primus rex Francorum.
Daß die Entscheidung Chlodwigs I. für die christliche Orthodoxie über den fraänkisch-gallischen Bereich hinaus für den gesamten germanisch-romanischen Okzident von größter Bedeutung war, hat schon Avitus von Vienne erkannt. Sie leitet eine Wendung gegen die auf Stabilisierung der germanisch-romanischen Reiche gerichtete Politik Theoderichs des Großen ein und führte das Ende der gotisch bestimmten "subrömischen" Übergangszeit zwischen "Antike" und "Mittelalter" herbei. Nicht durch Gregor von Tours, sondern durch eine Fortsetzung der Chronik Prospers von Aquitanien ("Prosper Havniensis") erfahren wir von einem ersten Krieg zwischen Alarich II. und Chlodwig I., in dessen Verlauf die Franken 498 bis nach Bordeaux vordrangen (eine andere Nachricht der gleichen Quelle, nach der die Westgoten 496 Saintes einnahmen, ist mit Lippold eher auf eine Auseinandersetzung der Westgoten mit sächsischen Piraten zu beziehen, die sich an der Atlantikküste festgesetzt hatten). Auf diesem Feldzug dürfte Chlodwig I. in Tours die "Kompetenzerklärung" abgegeben haben, von der Nicetius berichtet (von den Steinen, Schäferdiek, anders Lippold). Der Feldzug brachte den Franken noch keinen Gewinn. In dem anscheinend von Theoderich dem Großen vermittelten Frieden wurde der Status quo bestätigt.
Ein Konflikt zwischen dem burgundischen Unterkönig Godegisel von Genf und seinem Bruder, dem burgundischen Oberkönig Gundobad von Lyon, bot dem MEROWINGER bald darauf die Möglichkeit einer Machterweiterung im Saoneraum. Godegisel gewann Chlodwigs Hilfe durch die Zusage jährlicher Tribute und die Abtretung nicht näher bezeichneter Gebiete. Die Verbündeten siegten im Jahre 500 an der Ouche bei Dijon (Gregor, Marius von Avenches), aber der nach Avignon geflüchtete Gundobad konnte 501 (mit westgotischer Unterstützung?) die Lage wenden und Godegisel beseitigen, an dessen Stelle in Genf Gundobads Sohn Sigismund trat. Der fränkische Expansiosndrang wurde so ein zweites Mal gedämpft.
Nach den beiden fränkischen Mißerfolgen hielten die Alamannen anscheinend die Gelegenheit für günstig, die fränkische Oberhoheit abzuschütteln. Nach der zweiten, entscheidenden Niederlage von 506 wurden sie von den Franken bis ins Alpenvorland verfolgt, wo Theoderich den Siegern Einhalt gebot. Damals wohl leiteten fränkische Herren in den linksrheinischen Gebieten von Worms und Speyer  und ihrem rechtsrheinischen Vorland nördlich der Oos einen Einfrankungsprozeß ein, der in merowingischer Zeit zum Abschluß kam. Aber auch das Elsaß, in dem sich das alemannische Volkstum behauptete, kam unter direkte fränkische Verwaltung, während das rechtsrheinische Alamannien südlich der Oos unter merowingischer Hoheit ein stärkeres Eigenleben bewahrte.
Chlodwig I. hatte unterdessen sein eigentliches Ziel, die Auseinandersetzung mit den Westgoten um Gallien, nicht aufgegeben. Bevor er zum entscheidenden Schlag ausholte, nahm er Verbindung mit den Burgundern und dem Kaiser auf. Spannungen zwischen Kaiser Anastasios I. und Theoderich wegen Sirmium, das die Ostgoten in Besitz genommen hatten, kamen ihnen dabei zugute 507 eröffnete der MEROWINGER den zweiten Gotenkrieg, den er im Zeichen eines Kampfes gegen die häretischen Arianer führte. Sympathien gewann er damit in Tours, kaum aber bei der Mehrheit des katholischen Episkopats im Reich von Toulouse, die sich mit der Gotenherrschaft ausgesöhnt hatte (Schäferdiek).
Die Franken Chlodwigs, verstärkt durch rheinische Franken unter der Führung von Sigiberts Sohn Chloderich, stießen wie 498 über Tours in Richtung Bordeaux vor. Als Sieghelfer rief Chlodwig I. Martin von Tours und Hilarius von Poitiers, Vorkämpfer gegen den Arianismus im 4. Jh. an. Beide, besonders aber Martin, wurden in der Folge als Königs- und Reichspatrone verehrt. In campo Vogladinse (wohl Vouille nördlich von Poitiers) kam es zur entscheidenden Schlacht, in der Alarich von der Hand Chlodwigs fiel. Der Sieger überwinterte in Bordeaux. 508 eroberte er gemeinsam mit den verbündeten Burgundern unter der Führung Sigismunds von Genf, der 506 zum Katholizismus übergetrten war, die gotische Königsstadt Toulouse, wo ihm große Teile des reichen Gotenschatzes in die Hand fielen. Während Chlodwigs ältester Sohn Theuderich die Auvergne besetzte, marschierte der Frankenkönig selbst über Angouleme nach Tours zurück.
In Tours überbrachten kaiserliche Gesandte die Ernennung zum Honorarconsul und eine vestis regia (tunica blattea, chlamys, Diadem). Kaiser Anastasios erkannte damit den Franken als König im gleichen Rang wie Theoderich an (Ensslin), anscheinend mit dem Recht auf Akklamation (K. Hauck, anders Lippold). Nach diesen Ehrungen verlegte Chlodwig I. seinen Sitz nach Paris, das er zur cathedra regni erhob.
Unterdessen hatte Theoderich der Große im Sommer 508 in den Krieg eingegriffen. Die Ostgoten verdrängten die Burgunder aus der Provence und vereinigten sich in Septimanien (Provinz Narbonne) mit den geschlagenen Westgoten, die Gesalech, einen Bastard oder Fridelsohn Alarichs II., zum König ausgerufen hatten. Chlodwig unterstützte die Burgunder zwar mit Hilstruppen, vermied aber die direkte Konfrontation mit den Ostgoten. Er begnügte sich mit der Behauptung seiner Eroberungen (Aquitania I und II, Toulouse, Teil der Novempopulana südlich der Garonne), die ihm die Ostgoten nicht streitig machten. Ob er noch vor seinem Tod einen formellen Frieden mit den Goten schloß, ist ungewiß.
Während Theoderich die Burgunder und Franken vom Mittelmeer abriegelte, baute Chlodwig I. seine Stellung im gesamtfränkischen Bereich aus. Nachdem er durch ränkevolle Diplomatie die Beseitigung der Kölner Könige Sigibert und Chloderich erreicht hatte, erhoben ihn die rheinischen Franken zu ihrem König. Soweit sie noch bestanden, wurden auch die fränkischen und nichtfränkischen Kleinreiche im belgisch-niederländischen Raum dem großfränkischen Reich einverleibt. Nur as Kleinreich der Warnen im Rheinmüngungsbiet behauptete nach dem Zeugnis Prokops noch über Chlodwig hinaus eine freilich prekäre Autonomie.
Innerhalb von rund 25 Jahren ist Chlodwig I. so vom Kleinkönig und Sprengelkommandanten zum mächtigsten Herrscher Galliens aufgestiegen. Der Sieg über Syagrius brachte ihm die kaiserlichen Domänen N-Galliens, einem (wenn auch reduzierten) Verwaltungsapparat und die Befehlsgewalt über den exercitus Gallicanus ein. Mit dem Sieg über Alarich II. gewann er den Gotenschatz und die Herrschaft über Länder, in denen die römischen Strukturen noch kaum verändert fortbestanden. Dies alles mußte sich auf seine Stellung in der gens Francorum auswirken, deren oberster Repräsentant der König auch als der Herr eines gallischen Reiches war und blieb.
N-Gallien, das sich schon in spätrömischer Zeit vom Süden in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung unterschied, ist durch Chlodwig zur "Francia" geworden. Im Land zwischen Rhein und Loire, aus dem die senatorischen Familien des 5. Jh. größtenteils abgewandert waren, bestimmten die neuen fränkischen Herren, denen sich die hier seit längeerer Zeit angesiedelten barbari (laeti, gentiles, Söldnergruppen) und bald auch die eingesessenen Romani zuordneten, künftig das Geschichtsbewußtsein.
Die fränkische Siedlung hat allerdings die gesamte "Francia" erfaßt, sie dünnte zur Seine hin allmählich aus. Nach der Eroberung Aquitaniens, aber vielleicht noch vor der Eingliederung der rheinischen Franken, ließ Chlodwig I. nach westgotisch-burgundischem Vorbild das Recht seines Vlkes kodofizieren, das anscheinend für alle barbari der "Francia" Rechtskraft erhielt. Der "Pactus legis Salicae" weist altertümlichere Züge auf asl die anderen "Volksrechte" der zeit. Doch hat der König die Aufzeichnung im monarchischen Sinne beeinflußt. Der Adel fehlt unter den Rechtsstaänden ; dagegen nehmen die Antrustionen (Gefolgsleute des Königs), die Romanen, soweit sie convivae regis (Tischgenossen des Königs) waren, und die Amtsträger (grafiones, pueri regis) eine Sonderstellung mit dem dreifachen Wergeld ihres Geburtstandes ein. Chlodwig I. hat die Grafschaft als Institution ausgebaut, indem er die Grafen, die ursprünglich nur polizeiliche Funktionen hatten, als Vertreter des Königs in den pagi mit umfassenden Vollmachten ausstattete.
Träger der römisch fränkischen Kontinuität im Chlodwig-Reich war vor allem der Episkopat. Anscheinend hat der fränkische Reichsgründer schon versucht, Bistümer in den salfränkischen Siedlungsgebieten (Arras, Tournai) zu reorganisieren oder neu einzurichten, freilich ohne durchschlagenden Erfolg. Die kirchliche Restitution zwischen Rhein und Somme machte erst unter den Nachfolgern, die dabei auf den aquitanischen Klerus zurückgriffen, entscheidende Fortschritte. Die Voraussetzungen dafür hat jedoch Chlodwig durch dei Begründung der sogenannten merowingischen "Landeskirche" geschaffen, die sich im Juli 511 auf dem ersten Konzil von Orleans nach westgotischem Vorbild (Konzil von Agde 506) konstituierte. Das Konzil wurde von Chlodwig I. einberufen, der auch das Programm der Beratungen entworfen hatte. Da dem König nach Kan. 4 der Reichssynode in der Regel die Zustimmung bei der Ordinierung von Laien zu Klerikern vorbehalten blieb, darf man a fortiori annhemen, daß er "auch bei Bischofserhebungen entscheidend mitwirkte" (Lippold).
Wenige Monate nach Beendigung des Konzils (10. Juli 511) ist Chlodwig I. am 27. November 511 gestorben. Er wurde in der von ihm erbauten Pariser Basilika beigesetzt, die ursprünglich den Aposteln respektive den Apostelfürsten Petrus geweiht war, aber schon bald das Patrozimium der hier gleichfalls bestatteten heiligen Genoveva (Genevieve) annahm. Die Verbundenheit mit Rom bekundete Chlodwig durch die (letztwillig angeordnete?) Übersendung einer Votivkrone, die Papst Hormisdas nach dem Tod des fränkischen Reichsgründers entgegennahm. Chlodwigs Söhne Theuderich (aus einer vor der Ehe mit Chrodechilde geschlossenen Verbindung), Chlodomer, Childebert und Chlothar teilten nach dem Tod des Vaters das Reich in der Weise, daß jeder von ihnen Anteil an der Francia und an den 507/11 neu erworbenen Gebieten S- Galliens erhielt. Ob diese Reichsteilung auf eine Verfügung Chlodwigs zurückging oder zwischen Theuderich und den Söhnen Chrodechildes ausgehandelt wurde, ist unewiß.

Quellen:
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Briefe des Bf.s Remigius v. Reims (Epp. Austr. 1-3, MGH Epp. III 112ff.), des Bf.s Avitus v. Vienne (Aviti Epp. 46, MGH AA VI 2, 75ff.), des Bf.s. Nicetius v. Trier (Epp. Austr. 8, MGH Epp. III119ff.), Theoderichs d. Gr. Cassiodor, Variae II 40 und 41, III 1-4, MGH AA XII 70ff. und 78ff.), Chlodwigs (MGH Cap. I Nr. 1) - Pactus legia Salicae (MGH, Leges, Sectio I, LNG IV 1) - Akten des Konzils von Orleans (MGH, Conc. I 1ff.) - Gregor v. Tours, Hist. Franc.II 27-43 (MGH SRM I²) und spätere merow. Chroniken: Pseudo-Fredegar III 15-30, Liber Hist. Franc. (MGH SRM II 98ff.) - Prokop, Bellum Goticum - Prosper Havniensis ad 496 und 498 (MGH AA IX 331) - Marius v. Avenches ad 500 (MGH AA XII 234) - Vita Caesarii Eptadii, Vedastis, Genovefae (MGH SRM III 433ff., 184ff, 399ff., 294ff.) -

Zur Kritk:
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Wattenbach-Levison , 1952 - R. Buchner, Einl. zu Gregor v. Tours, Zehn Bücher Geschichten I, 1970 (AusgQ) -

Literatur:
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Zusammenfassende Darstellungen
Hoops² IV, 478-485 [H. H. Anton] - RE Suppl. XIII, 1973, 239-174 [A. Lippold, ausführl. Diskussion von Q. und Lit.] - G. Kurth, Clovis, 2 Bände, 1923 - G. Tessier, Le bapteme de Clovis, 1964 [grundlegende frz. Darstellung] - E. Zöllner, Gesch. der Franken bis zur Mitte des 6. Jh., 1970 [grundlegende dt. Darstellung] - HEG I, 250-266 [E. Ewig] -
Zu Einzelfragen
W. von den Steinen, Ch.s Übergang zum Christentum, 1932 [MIÖG Ergbd. 12) [grundlegend] - W. Ensslin, Nochmals zur Ehrung Chlodowechs durch Kaiser Anastasius, HJb 56, 1936, 499-507 [grundlegend] - A. van de Vijver, RBPH 15, 1936, 859ff.; 16, 35ff: 17, 793ff; M-A 53, 1947, 177ff. [abweichend von der herrschenden Meinung] - K.F. Strohecker, Der senator. Adel im spätantiken Gallien, 1948 [Nachdr. 1970] - E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMZ 9, 1953 (abgedruckt in Ders.: Spätantikes und frk. Gallien I, Francia-Beih. 3/I, 1976, 114ff.) - J.M. Wallach-Hadrill, The longhaired Kings, 1962 - K. Hauck, Von einer spätantiken Randkultur zum karol. Europa, FrühMASt I, 1967, 3-93 - H. Wolfram, Intitulatio I. Lat. Königs- und Fürstentitel bis zum Anfang des 8. Jh., 1967 (MIÖG Ergbd. 21) - R. Weiss, Ch.s Taufe: Reims 508, 1971 [abweichend von der herrschenden Meinung] - K. Schäferdiek, Ein neues Bild der Gesch. Ch.s, ZKG 84, 1973, 270-277 - E. Ewig, Stud. zur merow. Dynastie, FrühMASt 8, 1974, 36ff. - K. Schäferdiek, Germanenmission, RAC X, 1977, 536ff. - A. Angenendt, Das geistl. Bünndnis der Päpste mit den Karolingern, Hjb 100, 1980, 2-9. -
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Chlodwig I., der stärkste der fränkischen Kleinkönige, folgte seinem Vater als König in Tournai. Er beseitigte - vor allem im 1. Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts - durch List und Gewalt die übrigen ripuarischen und salischen Kleinkönige und wurde so zum Herrscher aller Franken und damit zum Begründer des frühfränkischen Staates. Er begann nach dem Tod des energischen Westgoten-Königs Eurich 486 seine Eroberungspolitik: in der Schlacht bei Soissons besiegte er mit einem salfränkischen Heer den römischen Statthalter Syagrius und eroberte dessen Reich, das spätere Neustrien. Er verlegte seine Residenz zuerst nach Soissons, dann nach Paris und verschärfte damit den Gegensatz zu den Westgoten, die ebenfalls auf Neustrien reflektierten. Er eroberte 491 Friesland (= Thoringien"), besiegte 496/97 die Alemannen, unterwarf sie und wurde Christ. Er verschärfte damit die Gegensätze zu den anderen, arianischen, Germanenreichen, die vom berühmten Schwager angeführt wurden. Er griff 500 in die burgundischen Bruderkriege ein und brachte Burgund in fränkische Abhängigkeit, begann mit den Burgundern Krieg gegen die Westgoten und siegte 507 in der Schlacht bei Vougle. Er eroberte alle westgotischen Besitzungen südlich der Loire außer Narbonne/Septimanien, das Theoderich den Westgoten behauptete. Die Gegensätze zum Schwager und dessen germanischer Bündnispolitik spitzten sich zu und Chlodwig nahm daher Beziehungen zu Byzanz auf und erhielt 508 den Konsulstitel und ein Königsdiadem zugestanden. Chlodwig unterwarf 506/07 endgültig die Alemannen (Raum Schwaben/Elsaß) und drang auch in die Räume Hessen, Thüringen und Mainfranken ein. Er beseitigte das germanische Heereskönigtum, gab seinem Reich mit der "Lex Salica" eine einheitliche Rechtsgrundlage und legte mit der Synode von Orleans 511 die Grundlagen der fränkischen Kirchenorganisation. Sein Übertritt zum Christentum brachte die Versöhnung mit der römisch-christlichen Landbevölkerung.

Ewig Eugen:
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"Die Merowinger"

Der 16-jährige Chlodwig folgte 482 seinem Vater in der Herrschaft in der Belgica secunda. Er mußte aber wohl auch seine Autorität im Macht- und Einflußbereich seines Vaters erst einmal festigen - nicht alle salfränkischen Civitaskönige sind ihm schließlich in den Kampf gegen Syagrius gefolgt. Wenn die "Konkubine", mit der sich der jugendliche König wohl in einer Friedelehe verband, aus rheinfränkischem Königsgeschlecht stammte, wie man unlängst nicht ohne Grund vermutet hat, dann hat Chlodwig Rückendeckung bei den rheinischen Franken gesucht. Nach dem Tod des Westgoten-Königs Eurich (466-484) ging Chlodwig, gefolgt von Ragnachar von Cambrai, zum Angriff über. Syagrius wurde 486 (oder 487) geschlagen und floh zu Alarich II., der seinem Vater Eurich als Goten-König in Toulouse gefolgt war. Der Frankenkönig verlegte seine Residenz von Tournai nach Soissons und nahm die geschlagenen Truppen des Gegners in seinen Dienst. Der Sieg brachte ihm unmittelbar die Herrschaft über die Lande bis zur Seine ein. Die Gallorömer der Aremorica zwischen Seine und Loire, die wie die Franken in einem Föderatenverhältnis zu den nordgallischen Heermeistern gestanden hatten, wurden erst in den folgenden Jahren unterworfen. Ob die salischen Civitaskönige nördlich der Somme noch eine analoge Autonomie bewahrten oder damals vom Sieger über Syagrius beseitigt wurden, ist umstritten. Chlodwig festigte jedenfalls seine Herrschaft zwischen Somme und Kohlenwald durch die Annektion des thüringischen Kleinreichs in der Belgica (um 491). Er trat nach dem Abschluß dieser Auseinandersetzungen in den Kreis der germanischen Großkönige des Westens ein.
Der kometenhafte Aufstieg Chlodwigs ist nicht denkbar ohne die schon von seinem Vater Childerich vorbereitete Übernahme des Erbes der nordgallischen Heermeister. Die Auseinandersetzung zwischen den MEROWINGERN von Tournai und Syagrius erscheint in gewisser Hinsicht als ein Kampf spätrömischer Generäle um die Macht in N-Gallien. Aber man erfaßt damit nur einen Aspekt der 486/87 gefallenen Entscheidung, die über einen bloßen Herrschaftswechsel hinausging. Childerich und Chlodwig waren zugleich Frankenkönige. Der Sieg über Syagrius war auch der Sieg des rex Francorum über einen rex Romanorum, und insofern der Franken über die Gallorömer. Er sicherte zugleich die Vormacht, wenn nicht gar die Herrschaft Chlodwigs im gesamten salfränkischen Bereich. Aus dem nordgallischen Militärsprengel wurde die Francia zwischen Kohlenwald und Loire.
Es kam zu einer Annäherung zwischen Franken und Burgundern und Chlodwig erhielt vom Burgunder-König Gundobad die Hand seiner Nichte Chrodechilde, die sich zum katholischen Glauben bekannte. Den im Zuge einer Entspannungspolitik von Alarich II. ausgelieferten Syagrius ließ er heimlich töten.
Chlodwig wurde bald darauf - 496 und 497 - in einem Krieg mit den Alamannen verwickelt. Den Anlaß boten wohl alamannische Einfälle in die rheinische Francia über die Römerstraßen, die von Worms und Straßburg nach Metz führten. Ob alle Alamannen an diesem Unternehmen beteiligt waren, ist ungewiß. In jedem Fall aber handelt es sich um starke Verbände, denen die rheinischen Franken nicht gewachsen waren. Sie schwenkten vermutlich an der Mosel auf die von Toul über Metz und Trier nach Köln führende Straße ein. Gregor von Tours berichtet, dass der König Sigibert von Köln in einer Schlacht gegen die Alamannen bei Zülpich verwundet wurde. Es ist wahrscheinlich, wenn auch nicht unbestritten, dass Chlodwig von Reims aus den rheinischen Franken zu Hilfe zog und die entscheidende Schlacht bei Zülpich stattfand. Nach lange unentschiedenem Ringen wurden die Alamannen geschlagen. Die Besiegten mußten die Oberhoheit Chlodwigs anerkennen. Ob sie damals schon die Gebiete nördlich des Elsasses und der Ooslinie, aus denen die Angriffe vermutlich vorgetragen wurden, den Franken zedieren mußten, ist zweifelhaft. Sicher wurde durch den Alamannensieg die Autorität Chlodwigs auch bei den rheinischen Franken gefestigt.
Nach Gregor von Tours hat Chlodwig auf dem Höhepunkt der Schlacht Christus, den Gott der Königin Chrodechild, angerufen und gelobt, sich taufen zu lassen, wenn er den Sieg erringe. Gregors Darstellung ist oft, aber zu Unrecht angezweifelt worden. Sie beruht anscheinend auf Berichten der Königin, die nach dem Tod Chlodwigs in Tours lebte und dort 548 verstarb, und ist auch vereinbar mit anderen Zeugnissen über die Bekehrung Chlodwigs, einem Glückwunschschreiben des Metropoliten Avitus von Vienne zur Taufe des Königs Nicetius von Trier an Chlodwigs Enkelin Chlodoswinth.
Der katholische Einfluß am fränkischen Hof wuchs durch die Heirat Chlodwigs mit Chrodechild, die beim König die Taufe ihrer ersten Söhne Ingomer und Chlodomer durchsetzte. Gleichzeitig machte sich nun aber auch über Theoderich arianischer Einfluß bemerkbar: Lantechild, eine Schwester Chlodwigs, nahm die "Religion der Goten" an. Die Wahl zwischen Katholizismus und Arainismus war von großer politischer Tragweite. Die Entscheidung für den Katholizismus war dem häuslichen Frieden ebenso dienlich wie der Festigung des Reiches; sie lag auf der Linie der bisherigen Politik und eröffnete bei einer etwaigen Expansion in Gallien ein weites Feld der Propaganda.
Wie und wann es zum ersten Krieg gegen die Westgoten kam, in dessen Verlauf die Franken 498 bis Bordeaux vorstießen, ist unbekannt. Vielleicht handelt es sich um einen Konflikt um Tours, wo man Sympathien für die Franken empfand. Die Kämpfe sind schließlich versandet, da Chlodwig sich auf einem anderen Feld engagierte und im Jahre 500 ein Bündnis mit dem burgundischen Unterkönig Godegisel von Genf gegen dessen Bruder, den regierenden König Gundobad, schloß. Die Verbündeten siegten an der Ouche bei Dijon. Godegisel zog in Vienne ein, Gundobad verschanzte sich in Avignon. Aber 501 wandte sich das Blatt. Die Franken konnten nicht verhindern, dass Gundobad mit westgotischer Hilfe das Reich zurückgewann. Godegisel wurde getötet, an seiner Stelle in Genf trat Gundobads Sohn Sigismund. In dem von Theoderich den Großen vermittelten Frieden wurde der Status quo zwischen den Franken einerseits, den Westgoten und Burgundern andererseits bekräftigt.
Die fränkische Expansion war an beiden Fronten gescheitert, aber Chlodwig gab das Spiel nicht verloren Im Blick auf eine entscheidende Auseinandersetzung mit den Westgoten näherte sich den Burgundern, die die westgotische Hilfe mit der Zession von Avignon bezahlt, aber den Verlust nicht verschmerzt hatten. Die Annäherung wurde wohl erleichtert durch die Konversion Sigismunds von Genf zum Katholizismus (um 505). Die Verbündeten nahmen Beziehungen auf mit dem Kaiser Anastasius, der 504 wegen des Grenzverlaufs im Abschnitt von Sirmium in Konflikt mit den Ostgoten geraten war.
506 trat indes ein unvorhergesehenes Ereignis ein. Die Alamannen erhoben sich gegen die fränkische Oberherrschaft unter der Führung eines Heerkönigs, der anscheinend den größten Teil des Volkes mobilisierte. Chlodwig brachte ihnen eine vernichtende Niederlage (bei Straßburg?) bei, die der politischen Autonomie der Alamannen, deren König in der Schlacht fiel, ein Ende setzte und zu erheblichen Umwälzungen im Lande führte. Spätestens damals sind die Territorien Worms und Speyer und die Lande nördlich der Oos der Francia zugeschlagen worden. Die Franken verfolgten die Besiegten, die in Scharen nach Raetien in ostgotisches Hoheits- und Einflußgebiet flüchteten. Der Regent Italiens bot den fränkischen Verfolgern offenbar Einhalt an Hochrhein und Iller. Theoderich gratulierte Chlodwig zu seinem Sieg, mahnte ihn aber zugleich, die ostgotische Hoheits- und Interessenssphäre zu respektieren.
Chlodwig hatte indessen kaum die Absicht, seine Herrschaft nach Raetien hinein auszudehnen. Seine Interessen lagen in Gallien, nicht an der Donau. Für die Auseinandersetzung mit den Westgoten hatte er auch die rheinischen Franken gewonnen. 507 eröffnete Chlodwig den Kampf, den er als Religionskrieg gegen die Arianer proklamierte, ohne freilich damit das erwartete Echo bei den Gallorömern im Reich von Toulouse zu finden. Die Franken stießen wie 498 über Tours in Richtung auf Bordeaux vor. Bei Vouille, 17 km nordwestlich von Poitiers, trafen sie auf die Goten und errangen einen vollständigen Sieg. Alarich fiel in der Schlacht, seine Treuen zogen sich auf Toulouse und Narbonne zurück. Chlodwig überwinterte in Bordeaux. Im Frühjahr 508 beauftragte er seinen ältesten Sohn Theuderich, über Albi und Rodez in die Auvergne zu marschieren und das Land zu unterwerfen. Der König selbst vereinigte sich mit den Burgundern, die Ende 507 in den Krieg eingetreten waren. Die Verbündeten nahmen die gotische Königsstadt Toulouse, dann  trennten sich ihre Wege wieder. Chlodwig überließ den durch ein fränkisches Hilfskorps verstärkten Burgundern die Eroberung der gotischen Mittelmeerprovinzen (Narbonne, Arles), die wohl König Gundobad zufallen sollten. Die westgotische Königsstadt Toulouse blieb in fränkischer Hand. Chlodwig zog 508 von dort über Angouleme nach Tours, wo er durch reiche Gaben an die Martinsbasilika seinen Dank dem heiligen Martin abstattete, den der Sieghelfer verehrte. In Tours erwartete ihn eine kaiserliche Gesandtschaft, die ihm seine Ernennung zum Ehrenkonsul mit dem Akklamationsrecht und einen königlichen Ornat (Purpurtunica, Chlamys, Diadem) überbrachte. Kaiser Anastasius legalisierte so die Reichsgründung Chlodwigs und erhob den Frankenkönig in den Rang Theoderichs, dem er 497 entsprechende ornamenta palatii verliehen hatte. Mit der kaiserlichen Sanktion war vielleicht auch eine Adoption verbunden, die ein Vater-Sohn-Verhältnis begründete, ohne die Souveränität des Frankenkönigs zu berühren. Nach der Anerkennung durch den Kaiser verlegte Chlodwig seinen Sitz von Soissons nach Paris, das er zur cathedra regni erhob. Als Palast diente ihm ein öffentliches Gebäude der Römerzeit auf der Ile de la Cite, an der Stelle des heutigen Palais de Justice.
Nach dem Sieg über die Westgoten und der Anerkennung durch den Kaiser ordnete Chlodwig nach dem Beispiel Eurichs, Alarichs II. und Gundobads die Aufzeichnung des Frankenrechts an, das für alle "Barbaren" N-Galliens Geltung haben sollte. Die Lex salica scripta enthält in der Substanz germanisches Recht, das teils auf Weistümern Rechtskundiger, teils auf königlicher Satzung beruhte.
Ob Chlodwig nach 508 einen förmlichen Frieden mit Theoderich schloß, ist zweifelhaft. Es kam in diesen Jahren aber auch nicht zu größeren Kriegshandlungen zwischen Franken und Goten gekommen sein.
Die kirchliche Ordnung mußte nach den Kriegswirren in Aquitanien neu gefestigt werden. Die Synode, die auf Anordnung Chlodwigs im Juli 511 in Orleans zusammentrat, hatte jedoch überregionales Bedeutung: auf ihr konstituierte sich die merowingische Reichskirche. Der König hatte das Programm dieses ersten fränkischen Reichskonzils ausarbeiten lassen und bestätigte auch seine Dekrete. Das Konzil von Orleans war ein letzter Höhepunkt in der Regierung Chlodwigs. Der König starb vier Monate später, am 27. November 511, im Alter von 45 Jahren. Er wurde beigesetzt in der von ihm errichteten Pariser Apostelbasilika, die später nach der ebenfalls dort bestatteten Pariser Patronin Genofeva benannt wurde. Vor seinem Tod hatte er als Zeichen seiner Verehrung gegenüber dem Apostelfürsten die Übersendung einer Votivkrone an die Kirche von Rom angeordnet, die dort nach dem Friedensschluß zwischen Franken und Ostgoten eintraf und von Papst Hormisdas (514-523) in Empfang genommen wurde.
 
 
 
 

 493
  oo Chrodechilde von Burgund, Tochter des Königs Chilperich II.
       um 480- um 548
 
 
 
 

Kinder:

  Chrodechilde
          -   531

um 526
  oo Amalarich König der Westgoten
       502-   531

  Ingomer
  494-   497?

  Chlodomer
  495-   524

  Childebert I
  497-   558

  Chlothar I.
  500-   561

Illegitim

  Theuderich I.
  um 485-   534
 
 
 
 

Literatur:
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