Ingeborg von Dänemark                             Königin von Frankreich
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1176-29.7.1236
         Corbeil

Begraben: Corbeil

Tochter des Königs Waldemar I. von Dänemark und der Sophie von Nowgorod, Tochter von Fürst Wladimir III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 414
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Ingeborg von Dänemark, Königin von Frankreich
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* um 1175, + um 1237 oder 1238
                    Corbeil

Begraben: Corbeil

Tochter von König Waldemar I. (+ 1182) und Sophia, wohl von Minsk (+ 1198)

  oo 14. August 1193 König Philipp II. August von Frankreich

Die wohl auf französische Initiative geschlossene Ehe wurde von dänischer Seite als Stütze gegen HEINRICH VI. betrachtet. Doch betrieb Philipp II. aus rasch zutage getretener Abneigung (vielleicht im Zusammenhang mit einer nervösen Erkrankung des Königs) die Scheidung, für die sich eine Versammlung der Großen (5. November 1193) unter Hinweis auf eine Verwandtschaft Ingeborgs mit der verstorbenen Gattin des Königs erklärte. Ingeborg von Dänemark verweigerte aber ihre Zustimmung und appellierte an den Papst; die dänische Monarchie, die die Anerkennung Ingeborgs als französische Königin in den folgenden Jahren zu einem ihrer außenpolitischen Hauptziele machen sollte, richtete ihrerseits eine Gesandtschaft an den Heiligen Stuhl, der daraufhin dem französischen König die Aufrechterhaltung der Ehe gebot. Philipp II., der sich mit für die Zeit ungewöhnlichen Entschlossenheit über die kanonischen Rechtsvorschriften hinwegsetzte, ging gleichwohl eine neue Ehe ein. Bald nach der Amtseinführung (1198) wandte sich Papst Innozenz III. entschieden gegen den König und entsandte einen Legaten, der schließlich das Interdikt über Frankreich verhängte (Dezember 1199), das aber wieder aufgehoben wurde, nachdem der König die Absicht bekundet hatte, die mittlerweile auf Etampes internierte Ingeborg von Dänemark künftig korrekt zu behandeln. Nach dem Mißlingen eines durch den König initiierten Scheidungsprozesses (Soissons, 121) versuchte Philipp, Ingeborgs Widerstand durch strenge Haft und unwürdige Behandlung zu brechen. 1208 ersuchte er den Papst um die Scheidung. Der Papst, der stets auf Einhaltung der kanonischen Rechtsvorschriften bestand, teilte erst im Juni 1212 dem König abschließend mit, daß er die Ehe nicht scheiden könne, da Ingeborg von Dänemark unter Eid den Vollzug der Ehe erklärt hatte. Im April 1213 wurde Ingeborg endlich freigelassen und wieder als Königin anerkannt, lebte aber vom König getrennt. Ihr tragisches Schicksal, das die Königin in tiefer Religiosität und im Bewußtsein ihres königlichen Ranges und der Unauflöslichkeit des Ehesakraments mit Würde ertrug, war eng mit dem Wechselspiel der großen Politik verflochten; ihre Freilassung muß im Licht der französisch-päpstlichen Entente gegenüber der welfisch-flandrisch-englischen Koalition am Vorabend von Bouvines gesehen werden. - Der berühmte Ingeborg-Psalter ist ein Hauptwerk der französischen Kunst an der Schwelle der Gotik.
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Ingeborg wurde aus unbekannten Gründen nach der Hochzeitsnacht von Philipp II. August verstoßen. Willige Prälaten schieden das Paar wegen zu naher Verwandtschaft und der König heiratete 1196 Agnes von Meran. Daraufhin verhängte der Papst, an den sich Ingeborg gewandt hatte, das Interdikt über Frankreich. 1213 nahm der König Ingeborg wieder als Gemahlin zu sich, die seit 1196 als Gefangene in Etampes gesessen hatte. Dafür legitimierte der Papst die Kinder von Agnes.

Ehlers Joachim: Seite 161
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"Die französischen Könige"

Von Anfang an war diese Ehe durch eine unverhohlen zur Schau gestellte Abneigung des Königs gegen seine Frau belastet, die ihrerseits jeden Gedanken an Scheidung von sich wies und auf den Rechten einer Königin von Frankreich bestand. Als Philipp sie dennoch vom Hof entfernen ließ, appellierte Ingeborg an den Papst. Der König heiratete trotz erdrückender Rechtsbedenken Coelestins III. und der Öffentlichkeit wegen seiner nach wie vor bestehenden Ehe im Juni 1196 Agnes von Meran. Dies brachte Frankreich im Januar 1198 das Interdikt ein. Als im Mai 1201 endlich die Versammlung zur Klärung der königlichen Eheprobleme zusammentrat, stellte sich bald heraus, dass es kaum positive Stimmen für Philipp geben würde; der König holte deshalb, um einer förmlichen Verurteilung zuvorzukommen, Ingeborg an den Hof zurück, und als Agnes von Meran wenige Wochen später starb, waren die Rechtsgründe für eine künftige päpstliche Pression entfallen.

Pernoud Regine: Seite 20-21,101-102
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"Herrscherin in bewegter Zeit"

Am 13. Januar hatte der päpstliche Legat den Bann über das Königreich Frankreich verhängt, Grund dafür war eine Frau.
Am französischen Königshof hatte sich eine Tragödie abgespielt. Philipp August, dessen erste Gemahlin gestorben war, hatte erfolgreich um die Hand Ingeborgs, der Schwester des dänischen Königs Knut VI., angehalten und sich am 15. August 1193 in Paris feierlich mit ihr vermählt. Was in der Hochzeitsnacht geschah, ist ein Geheimnis geblieben. Jedenfalls brach König Philipp am nächsten Tag, als er seine junge Frau erblickte, die übrigens jedermann sehr liebreizend fand, der kalte Schweiß aus, und er wurde von einem nervösen Zittern befallen. Unverzüglich äußerte er seine Absicht, sie zu verstoßen. Es ist eines der Rätsel unserer Geschichte geblieben. Wie auch immer die dänische Prinzessin ausgesehen haben mag, das Verhalten des Königs war in jedem Fall unentschuldbar. Nicht genug damit, dass er sich weigerte, Ingeborg als seine Gemahlin anzuerkennen, er ging sogar so weit, sie gefangenzusetzen. Um sich wiederverheiraten zu können, mußte er sich offiziell von ihr scheiden lassen. Dafür benötigte er jedoch einen plausiblen Grund. Er behauptete einfach, Ingeborg sei mit seiner ersten Frau, Elisabeth von Hennegau, verwandt, und heiratete kurze Zeit später Agnes von Meran, die Tochter eines deutschen Reichsfürsten - die übrigens in einem nicht gestatteten Grad mit ihm verwandt war. Gefällige Prälaten hatten seine zweite Heirat annuliert und die dritte gutgeheißen.
Doch Ingeborg wandte sich an den Papst, der nicht anders konnte, als für sie Partei zu ergreifen. Coelestin III. ließ es aber bei einer Ermahnung und einem verbalen Verbot bewenden. Als Innocenz III. ihm auf den Heiligen Stuhl folgte, zog sich die Angelegenheit bereits zwei Jahre hin - Philipps Hochzeit mit Agnes war am 7. Mai 1196 gefeiert worden. Der neue Papst beschwor den König, sein Unrecht wiedergutzumachen. Da Philipp sich unbeugsam zeigte, wurde über sein Reich der Kirchenbann verhängt. Bis zum folgenden September sollte der Bann auf dem Reich lasten. Erst dann war Philipp bereit, sich von Agnes zu trennen, so dass der Papst den Bann aufheben konnte.
10 Jahre vor seinem Tod, 1213, hatte Philipp seiner Gemahlin, Königin Ingeborg, die ihr zustehende Stellung am französischen Hof zurückgegeben. Um sie zu verstoßen, hatte er seinerzeit sämtliche Hintertreppen des weltlichen und des kanonischen Rechts benutzt, sie eingeschüchtert, bedroht, schließlich zuerst in der Abtei Cisoing zu Tournai, dann in einem Turm in Etampes gefangengehalten. Gefällige Prälaten hatten die Ehe annulliert, und Legaten des Papstes hatten sie wieder für gültig erklärt. 20 Jahre lang hatte Ingeborg mit eisernem Willen durchgehalten und mit solcher Hartnäckigkeit ihr Recht gefordert, dass Philipp schließlich nachgeben mußte.
Königin war sie und Königin wollte sie auch bleiben. Und tatsächlich blieb sie bis zu ihrem Tod, der sie 1236, also sehr viel später als ihren Gemahl, ereilte. Während ihrer letzten Lebensjahre nannte man sie "die Königin von Orleans", denn nachdem sie Witwe geworden war, hielt sie sich am liebsten in Orleans und Corbeil auf. Eine starke Persönlichkeit, diese Königin von Orleans, wie übrigens viele fürstliche Frauen jener Zeit. König Philipp scheint ihr während seiner letzten Lebensjahre treu gewesen zu sein. Er bedachte sie in seinem Testament und nennt sie darin seine "carissima uxor", seine sehr treue Frau. Was Ludwig anging, so behandelte er sie, wie Zeitzeugen einstimmig erklärten, "nicht wie eine Stiefmutter, sondern wie seine Mutter."
 
 
 
 

15.8.1193
  oo 2. Philipp II. August König von Frankreich
  x      21.8.1165-14.7.1223
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 142-144,150 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 130 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 155,161 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 161 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 75,80,304,414,514-515,622,791,797 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 354,355,357 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 20,85,101,112,205 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 257 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 113-118 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 151,212,214,215,529 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 154,251-253,357,369,387 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 482 -
 
 
 
 



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