Begraben: Santes Creus
Ältester Sohn des Königs
Jakob I. der Eroberer von Aragon aus seiner 2. Ehe mit der Jolanthe
von Ungarn, Tochter von König
Andreas II.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1923
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Peter III. (‚el Gran‘), König von Aragon und Valencia,
Graf von Barcelona
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* Juli/August 1240, + 11. November 1285
Valencia
Vilafranca del Penedes
Begraben: Santes Creus
Sohn König Jakobs I. von Aragon und seiner Gattin Violante von Ungarn
oo 13. Juni 1262 Konstanze von Sizilien, Tochter König Manfreds (STAUFER)
Kinder:
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Alfons III. von Aragon
Friedrich III., König von Sizilien-Trinacria
Isabella (oo König Dinis I. von Portugal)
Violante (oo Robert I. von Neapel)
I. ALS KÖNIG VON ARAGON
Nachdem Peter III.,
der zweitgeborene Sohn, als Ergebnis der Nachfolgeregelungen Katalonien
erhalten hatte und dort 1257 Prokurator geworden war, rückte er 1262
nach dem Tode Halbbruders Alfons an
die Spitze der Erbfolge und wurde unter Ablegung allseitiger Mannschaftsleistung
mit Aragon, Valencia und Katalonien ausgestattet, während sein Bruder
Jakob II. das Königreich Mallorca mit den Grafschaften
Roussillon und Cerdana sowie den Seniorat von Montpellier übertragen
bekam, allerdings seit 1272 seinen Herrschaftsbereich als freies Eigen
betrachten konnte. Nach seiner Krönung in Zaragoza reklamierte Peter
III. das mallorquinische Reich dennoch für seine Krone
und sollte die Zugehörigkeit unter Leistung eines Lehnseides am 19.
Januar 1279 durch den Vertrag von Montpellier erzwingen, ohne jedoch den
fortdauernden Widerstand seines Bruders brechen zu können. Durch die
Heirat mit Konstanze im Besitz der
staufischen
Erbansprüche auf Sizilien, gelang es ihm, der parallel eine intensive
N-Afrikapolitik trieb, unter Ausnutzung der Sizilianischen Vesper dieses
Reich in seine Hand zu bekommen (1282), was ihm jedoch die Exkommunikation
durch den Papst, die Auflösung der Treueide, die Weitergabe seiner
Krone an den französischen Königs-Sohn
Karl von Valois und einen Kreuzzug Philipps
III. von Frankreich gegen sein Reich eintrug.
Zwar hatten diese Maßnahmen nicht den gewünschten
Erfolg, da sich Peter III. durch geschickte
diplomatische und rechtliche Schachzüge zu wehren verstand, doch schwächten
sie seine Stellung im Innern derart, daß er zu großen Konzessionen
gegenüber Adel und Städten gezwungen war. Die Freiheiten und
Fueros des aragonesischen Adels mußte er im Privilegio General (3.
Oktober 1283) garantieren, die Forderungen der valencianischen und katalanischen
Stände auf den Cortes von Valencia (November 1283) und Barcelona (Dezember
1283) hinnehmen, die Rechte der Stadt Barcelona durch das Privileg Recognoverunt
proceres (11. Januar 1284) anerkennen und erweitern. Peter
III. konnte sein Stellung angesichts innerer Unruhen (Berenguer
Oller) und äußerer Bedrohung durch das von Mallorca unterstützte
Frankreich nur schwer konsolidieren. Der König starb, nicht ohne das
Königreich Sizilien testamentarisch der römischen Kirche restituiert
und dafür die Absolution erhalten zu haben.
II. ALS KÖNIG VON SIZILIEN
Das Engagements Peters
(Peter I. als König von Sizilien)
im sizilianischen Konflikt muß im historischen Kontext, ohne Anachronismen,
gesehen werden: Als König und Ritter, Erbe Jakobs
I. des Eroberers, war peter angezogen vond er Aussicht auf große
überseeische Unternehmungen, um so für seine Söhne neue
Königreiche zu begründen. Sizilien war das legitime Erbe seiner
Gemahlin Konstanze (oo 1262), zugleich das Musterbild eines starken Staates,
mit festverankerter Bürokratie und klarer monarchischer Ideologie,
dem verschwommenen Herrschaftskonzept des aragonesischen Königtums
weit überlegen. Persönliche Gegenerschaft zu Karl von Anjou (als
Grafen von Provence) bestärkte Peter III.
der Große in seinem Vorgehen; er nahm an seinem Hofe sizilianische
Verbannte auf, allerdings in zu geringer Zahl, um mit ihnen eine großangelegte
Verschwörung gegen die ANJOU-Herrschaft
durchzuführen.
Die seit April 1282 gegen Tunis durchgeführte Expedition
fiel zusamemn mit dem spontanen Ausbruch der Sizilianischen Vesper (30.
März 1282), die von Palermo aus ganz Sizilien erfaßte, doch
überging diese nationale Erhebung die Rechtsansprüche der Konstanze,
ließ vielmehr eine Konföderation der Städte entstehen und
suchte päpstliche Schutzherrschaft für Sizilien zu erreichen.
Am 28. Juni brach Peter III. aus seinem
für den Sizilienzug günstig gelegenen nordafrikanischen Stützpunkt
auf, um den Kommunen von Sizilien, deren Unterstützung von Papst Martin
IV. abgelehnt wordenw ar und die sich von einer angevinischen
Flottenexpedition gegen Messina bedroht sahen, die erwünschte Hilfe
zu bringen. In Trapani am 30. August gelandet, stellte sich der König
an die Spitze des antiangevinischen
Italien
und nahm den Titel eines Königs von Sizilien an. Er setzte bei den
Sizilianern die Zahlung einer Steuer und die Aufstellung eines Ritterheeres
(im Zuge allegemeiner Volksbewaffnung) durch, das seinen kampferprobten
Almogavares zur Seiten stehen sollte. Trotz einiger militärischer
Erfolge zur See und in Kalabrien wollte ihm eine echte Konsolidierung der
Macht nicht gelingen, zumal er weiterhin unter Geldmangel litt und auf
ein schlagkräftiges Lehnsaufgebot verzichten mußte (dieses hätte
sich nur durch den Aufbau eines neuen Lehnsverbandes schaffen lassen).
Angesichts der Unzufriedenheit seiner Untertanen, denen er die Abschaffung
von Steuern und Feudallasten und die Aufrechterhaltung der Krondomäne
versprochen hatte, akzeptierte er als Konfliktlösung einen persönlichen
Zweikampf mit Karl von Anjou und kehrte 1283 nach Katalonien zurück;
Sizilien überließ er Konstanze
und den Infanten Jakob, Friedrich
und Violante.
Der Zweikampf von Bordeaux, dem das gesamte ritterliche
Europa erwartungsvoll entgegensah, endete in einer zynischen Farce. Während
sich Peter in Katalonien mit dem Aragon-Kreuzzug Frankreichs (1285) konfrontiert
sah, waren es die aus 'Lateinern' und 'Katalanen' bestehenden Flottenbesatzungen
des Admirals Roger de Lluria (Lauria), welche die Verteidigung Siziliens
sicherten, Malta eroberten und Razzien entlang der neapolitanischen Küste
durchführten (Gefangennahme des Erb-Prinzen
Karl [II.] von Anjou ,1284). Die ersten Zerwürfnisse zwischen
dem König und den Protagonisten der Vesper traten seit 1283 auf (Verhaftung
von Palmerio Abbate); sie verschärften sich mit dem Aufstand und der
Hinrichtung des Großjustitiars Alaimo de Lentini.
Peter III. der Große
hat von 1283 bis zu seinem Tode (10. November 1285) Sizilien als unabhängigen
Staat wiederhergestellt; das Königreich wurde teil des Erbes seines
zweiten Sohnes, Jakob. Diese Entwicklung
war von einem grundsätzlichen politischen problem überschattet:
Die gemeinsame Frontstellung gegenüber Papsttum und ANJOU
machte die Solidarität zwischen den Herrschern in Barcelona und Palermo
zur Lebensfrage, doch waren die Sizilianer, anch wie vor irritiert durch
dei Festsetzung der Katalanen und Aragonsen auf ihrer Insel, keineswegs
geneigt, ihre 'libertas' für die Interessen der gesamtaragonesische
Monarchei aufs Spiel zu setzen; ebensowenig verzichteten sie auf ihr radikales
und militantes Ghibellinentum, das durch einen betonten Chiliasmus (dem
sich auch ein teil des eingewanderten katalanisch-aragonesischen Adels
anschloß) seine besondere Färbung erhielt. Peter
III. konnte wzar die sizilianische Aufstandsbewegung ausnutzen
und der französsichen hegemonie im Mittelmeerraum einem schweren Schlag
versetzen, doch blieb die von ihm geschaffene Situation prekaär: Das
aragonessiche Königreich Sizilien blieb auf die Insel (und einige
ungesicherte Eroberungen in Kalabrien) beschränkt.
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Peter III. der Große war
von imposanter, kraftvoller Gestalt, politisch klug und verschlagen, sehr
gebildet, mutig, unermüdlich, ganz Pragmatiker, rücksichtslos
bei der Durchsetzung seiner Interessen (ermordete seinen Halbbruder Ferdinand
Sanchez und plante zeitweise die Absetzung des Vaters, der mit
seinen ständig neuen Erbteilungsplänen für viel Unruhe sorgte).
Er erhielt seinen Beinamen schon zu Lebzeiten für die Bravour, mit
der er sich gegen seine mächtigen Gegner behauptete, nahm 1269/70
am gescheiterten Kreuzzug seines Vaters teil und fuhr ihm, der nur bis
Aigues Mortes kam, nach Akkon voraus. Er folgte 1276 seinem Vater als König
von Aragon-Valencia, Graf von Barcelona, Gerona, Osona, Besalu, Ribagorza
und Sorbrarbe und geriet mit seinem Bruder Jakob,
dem der Vater Mallorca und Roussillon zugeteilt hatte, in Streit und zwang
ihn 1279 in ein lehensartiges Verhältnis, was die Todfeindschaft beider
Linien begründete. Jakob hatte
sich unter anderem auch zum Exponenten unzufriedener aragonesischer Vasallen
gemacht, die Peter in der Schlacht
bei Belaguer niederwarf. Peter hatte als Kronprinz mit gegen die Mauren
gekämpft, wandte sich als König nach der Eroberung von Montesa
1277 ganz dem Mittelmeerraum zu, was auch durch seine Ehe, die an der Kurie
großen Unwillen hervorrief, bedingt war. Zuerst wurde er sogar von
Papst Nikolaus III. in seinem Kampf gegen ANJOU-Sizilien
bestärkt, da dieser sich zu stark durch den ANJOU
bedroht fühlte, dessen Nachfolger Martin IV. war aber ganz franzosenfreundlich
und stellte sich gegen Aaragon. Peter
verbündete sich mit Kastilien, Byzanz und Venedig und eroberte 1282
von Tunis aus Sizilien, wo sich großer Haß gegen die französische
Herrschaft angestaut hatte, der sich am 30.3.1282 in der "Sizilianischen
Vesper" entlud. Er schaffte in Sizilien alle unbeliebten Maßnahmen
der ANJOUS ab, führte eine gute
Verwaltung ein und schuf damit die Basis für die Stabilität der
Herrschaft seiner Familie. Er wurde 1283 gebannt, außerdem sprach
ihm der Papst das Königreich Aragon, das auch formales Papstlehen
war, ab und dem französischen Prinzen Karl von Anjou zu, was zum Krieg
gegen Frankreich führte. Wegen seiner horrenden Geldforderungen für
seine Kriege geriet er mit den Ständen hart aneinander, die Peters
Zwangslage ausnutzten und ihm 1283 das "Privileg de la Union" abrangen,
sozusagen die Magna Charta Aragons. 1285 mußte er dem Königreich
Valencia einen eigenen Gerichtshof zugestehen und verteidigte sich 1284/85
mit Guerillataktik geschickt gegen Frankreich, eroberte Gerona zurück,
siegte zweimal über französische Flotten bei Barcelona und San
Felice. Der Gegensatz erwuchs auch aus der Erbfrage Navarra, dessen Thronerbin
er eigentlich für seinen Sohn in Aussicht genommen hatte, die aber
den französischen Thronfolger heiratete. Er verjagte viele Mauren,
was zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage führte, stritt
bis zuletzt mit dem Adel und war ein Gönner der Troubadoure.
13.6.1262
oo Konstanze von Sizilien, Erbtochter des
Königs Manfred
1249-
1300/01
Kinder:
Alfons III. der Prächtige
1265-18.6.1291
Jakob II. König von Sizilien
1267-3.11.1327
Friedrich II. König von Sizilien
1271-25.6.1337
Peter
1275- 1296
vor
Mayorga
Er zog 1296 zugunsten der Linie de la Cerda gegen Leon und starb an einer Seuche.
oo Wilhelmine de Moncada
- 1309
Isabella die Heilige (Elisabeth)
1271-4.6.1336
24.6.1282
oo Diniz I. König von Portugal
9.10.1261-7.1.1325
Jolanthe (Violante)
-
1302
1297
oo Robert Graf von Anjou
1277-19.1.1343
Illegitim
Sancho Kastellan von Amposta
-
1341
Peter
-
oo Konstanze Mendez Pelita de Silva
-
Ferdinand Senor de Albarracin
-
Beatrix
-
oo Raimund de Cardona Senor de Tora
-
Jakob Perez
- nach
1285
Feldherr des Vaters, siegte 1282 in der Seeschlacht bei Nicotera und eroberte 1283 Reggio di Calabria
Therese
-
oo Artal de Alagon Sennor de Sastago
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Literatur:
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Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen
Verlag Düsseldorf 1989, Seite 7, 338,342 - Lehmann, Johannes:
Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom
Verlag Bindlach 1991, Seite 350,360 - Vones Ludwig: Geschichte der
Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“:
Schon bei der feierlichen Krönung Peters
III. el Gran (1276-1285) in Zaragoza wurde deutlich, wie sehr
der neue König den ursprünglichen machtpolitischen Rahmen seines
Vaters ungeschmälert ausfüllen wollte, denn einen Tag vor der
Zeremonie ließ er offiziell verkünden, er folge als primogenitus
des Regis Aragonum Maioricarum et Valencie, comitis Barchinonae er Urgelli,
et domini Montispesculani nach und erhalte als solcher Salbung, Weihe und
Krone. Stillschweigend wurde damit eine fortdauernde Zuordnung Mallorcas
zur Krone Aragon vorausgesetzt, die am 19. Janura 1279 im Vertrag von Montpellier
verwirklicht wurde, als Peter seinen
Bruder zwang, ihm den Lehnseid zu leisten. Damit setzte er sich eindeutig
über die Bestimmungen eines weiteren Testaments hinweg, das Jakob
I. in Montpellier verfaßt und in dem er seinen beiden
Söhnen die vorbestimmten Reiche nun auf erbrechtlicher Grundlage als
frei verfügbares Eigen übertragen hatte, ohne für Mallorca
eine Lehensabhängigkeit zu postulieren. Entsprechend hatte sich Jakob
II. von Mallorca (1276-1311) im September 1276 bereits zum König
gekrönt. Die Auffassung Peters III.,
die gewiß noch durch die Verwicklung Jakobs
II. in einen katalanischen Adelsaufstand im Jahre 1277/78 verstärkt
wurde, ging demgegenüber anscheinend auf die Nachfolgeregelung von
1262 zurück, deutete allerdings die lehnsrechtliche Bindung im Sinne
einer einseitigen Überordnung.
Alvaro Santamaria bezeichnet die Übereinkunft von
1279 als das Ende der kurzen, nur drei Jahre dauernden Unabhängigkeit
der Krone Mallorca. Für Peter III.
erwies sie sich im Verein mit anderen Maßnahmen gegen die Anrainermächte
des Mittelmeers sowie einem Hilfsabkommen mit dem von der angevinischen
Ostpolitik
bedrohten byzantinischen Kaiser Michael VIII.
Palaiologos als eine wichtige Voraussetzung, um das sizilianische
Erbe seiner Gattin aus dem Herrschaftsbereich Karls von Anjou herauszulösen.
Für ihn scheint wieder jene Spielart des Hausdenken, die eine endgültige
Besitztrennung nicht dulden konnte und die politischen Interessen der Nebenlinien
den Zielen des Hauses BARCELONA subsumierte,
bestimmend geworden zu sein, nachdem die Konzeption seines Großvaters,
die päpstliche Schutznahme als herrschaftssichernde Klammer zu nutzen,
durch die Ausrichtung der Kurie auf Frankreich und das Haus Anjou gescheitert
war.
Vordergründig durch die wirkungsvolle Unterstützung
eines Volksaufstandes auf Sizilien gegen die überharte Bedrückung
durch Karl von Anjou und seine Verwalter,
die sogenannte Sizilianische Vesper, in Wirklichkeit durch die erfolgreiche
Durchführung einer von langer Hand im Verein mit sizilianischen Magnaten
vorbereiteten Verschwörung, die durch die verfrüht losgebrochene
Rebellion fast gescheitert wäre, gelang es Peter
III. 1282 die Insel endlich in seine Gewalt zu bringen und für
seine Krone in Besitz zu nehmen. Die Reaktionen auf das aragonesische Vorgehen
waren erwartet heftig, zeigten jedoch auf lange Sicht wenig greifbare Ergebnisse.
Papst Martin IV. exkommunizierte Peter III. und
belegte die Insel mit dem Interdikt, ohne die Verfestigung des Herrschaftsaufbaus,
die durch die Bildung einer die Führer des kommunalen Aufstandes integrierenden
Familiarenschicht erreicht wurde, verhindern zu können. Als sich die
Maßnahmen des Papstes weiterhin als stumpfe Waffen erwiesen, ging
man an der Kurie einen Schritt weiter, entband die Untertanen des Königs
von Aragon von ihrer Treuebindung und bot den aragonesischen Thron einem
Sohn des französischen Königs an. Währenddessen sah sich
Peter III. mit einer Herausforderung Karls
von Anjou zum Zweikampf konfrontiert, eine Aktion, die in Bordeaux
stattfinden sollte, schließlich im Sande verlief und von beiden Seiten
mehr auf propagandistische Wirkung angelegt schien.
Der eigentliche Schwachpunkt der aragonesischen Machtstellung
lag in den Kernlanden selbst, wo Peter III.
vor allem den bodenständigen aragonesischen Adel kaum für die
Mittelmeerpolitik begeistern konnte. Deshalb hatte er seine Heerfahrt nach
Sizilien mit einem kreuzzugsähnlichen Unternehmen gegen Tunis koppeln
müssen, wobei natürlich auch der Aspekt, einen Brückenkopf
für den Sprung auf die Insel gewinnen zu können, eine große
Rolle gespielt haben dürfte. Darüber hinaus scheint der zunehmende
Einsatz jüdischer Finanzleute in der königlichen Verwaltung
seit den Tagen Jakobs I. bei Adel und
Städten gesteigertes Mißtrauen ausgelöstt zu haben.
Die Zwangslage, in der sich der König mittlerweile
befand, ermöglichte es dem aragonessichen Adel im Verein mit den Städtevertretern,
auf einer Versammlung in Zaragoza (Oktober 1283) die seit langem erhobenen
Forderungen nach offizieller Anerkennung ihrer besonderen Rechte zu formulieren
und Peter III. zu verpflichten, dies
in Form eines Privilegio General anzuerkennen sowie einer regelmäßigen
Einberufung der Cortes zuzustimmen. In ähnlicher Weise mußte
der König die katalanischen Ständevertreter zufriedenstellen,
ohne jedoch zur Ausstellung eines vergleichbaren Privilegs gezwungen zu
sein. Erst dann konnte er eine wirksame Landesverteidigung einleiten, was
immer dringender wurde, obwohl andererseits der Sohn Karls
von Anjou durch den Admiral Roger von Lauria gefangengenommen
worden war. Denn in der Zwischenzeit hatte Philipp
III. von Frankreich das päpstliche Angebot zugunsten seines
Sohnes Karl von Valois angenommen und
einen Kreuzzug gegen Aragon eingeleitet, um die Thronansprüche wahrzunehmen.
Dabei fiel ihm die Unterstützung durch Jakob
II. von Mallorca zu, der die Möglichkeit erblickte, seine
verlorene Unabhängigkeit wiederherzustellen.
Das Schicksalsjahr 1285 sah wichtige Ereignisse
und Entscheidungen: am 7. Januar starb Karl von
Anjou, am 28. März Martin IV.; in Barcelona wurde ein Aufstand
der Unterschicht gegen das Stadtregiment unter Führung des Popularen
Berenguer Oller blutig unterdrückt; ein französisches Kreuzfahrerheer
überquerte die Pyrenäen und eroberte am 7. September Girona,
ohne einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen, mußte statt dessen
nach der Vernichtung seiner Versorgungsflotte einen verlustreichen Rückzug
nach Perpignan antreten; am 5. Oktober starb Philipp
III.; am 11. November erfolgte der Tod Peters
III. in Villafranca, nachdem er zuvor auf dem Totenbett der
römischen Kirche das Königreich Sizilien testamentarisch restituiert
und dafür die Absolution empfangen hatte.