Jakob II. der Gerechte                             König von Aragon (1291-1327)
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1267-3.11.1327
          Barcelona

Begraben: Santes Creus (seit 1410)
 

2. Sohn des Königs Peter III. der Große von Aragon und der Konstanze von Sizilien, Tochter von König Manfred
Urenkel Kaiser FRIEDRICHS II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 282
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Jakob II.‘der Gerechte‘, König der Krone Aragon
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* 1264, + 2. November 1327
         Barcelona

Begraben: Santes Creus (seit 1410)

2. Sohn Peters III. und der Konstanze von Sizilien

Seine 1291 mit Isabel von Kastilien (Tochter Sanchos IV.) geschlossene Ehe wurde wegen verweigerter päpstlichen Dispens sofort wieder gelöst, 2. Ehe seit 1295 mit Blanca, Tochter Karls II. von Anjou (5 Söhne und 5 Töchter); 3. Ehe seit 1315 mit Maria, Tochter Hugos III. von Zypern, 4. Ehe 1322 mit Elisenda von Montcada.

Die Königswürde von Sizilien, seit 1283 das Erbe seines Vaters, wurde ihm vom Papsttum bestritten. Die Wirren, in deren Verlauf er von seinem älteren Bruder Alfons III. 1291 die Krone Aragon übernahm und Sizilien an den jüngeren Bruder Friedrich II. abtrat, beendete 1285 sein Vertrag in Anagni mit Bonifaz VIII. und Karl II. von Salerno: für seinen Verzicht auf Sizilien erhielt er Korsika (konnte Genua nicht entrissen werden) und Sardinien (1326 eronbert) als päpstliche Lehen, Mallorca mußte er wieder in die Eigenständigkeit entlassen. Noch im Glauben, Sizilien und die Krone Aragon vereinigen zu können, vereinbarte Jakob II. 1291 mit Sancho IV. eine Aufteilung N-Afrikas in eine aragonesische und eine kastilische Einflußzone, intervenierte aber 1296 in den kastilischen Thronwirren zugunsten Alfons' de la Cerda, um 1304 dessen Rivalen Ferdinand IV. im Vertrag von Ariza anzuerkennen und die nördliche Hälfte des Königreiches Murcia (Alicante, Elche, Orihuela) zu erwerben. Unter Jakob II. erhielten die Cortes ihre endgültige Ausformung, ähnlich auch der Hof, und die Unteilbarkeit der aus mehreren Ländern bestehenden Krone Aragon wurde festgeschrieben.
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Jakob II. der Gerechte war stattlich, ansehnlich und kriegerisch wie der Vater, aber ein wesentlich besserer Feldherr und Stratege und mit einem unbeugsamen Rechtssinn versehen. Er wurde 1283 zum Thronfolger für Sizilien bestimmt und als Regent eingesetzt, folgte 1285 als König von Sizilien und setzte die Erbkriege gegen das Haus ANJOU, dem der Vater Sizilien abgenommen hatte, fort, wurde vom Papst, der formal der Lehnsherr war, gebannt, behauptete sich aber mit Hilfe seiner staufischen Mutter, die noch sehr großen Anhang hatte, und seines Admirals Roger di Lauria, der 1284 und 1287 in Seeschlachten bei Neapel siegte. Er griff nach Kalabrien über und wurde 1291 nach dem Tode seines kinderlosen Bruders Alfons III. König von Aragon-Valencia und bestellte seinen Bruder Friedrich zum Statthalter in Sizilien. Seitdem arbeitete er an einem Ausgleich mit dem Papst und dem Haus ANJOU, da er in die Zange zwischen Frankreich und Kastilien geriet. Im Frieden von Anagni 1295 wurde er aus dem Bann genommen, verzichtete dafür auf Sizilien und bekam dafür Sardinien und Korsika zugesprochen und ließ drei als Geiseln festgehaltene ANJOU-Prinzen frei. Bis 1301 bekämpfte er gemeinsam mit den ANJOU seinen Bruder Friedrich, den die Sizilianer inzwischen zum König gewählt hatten. 1304 erreichte er nach jahrelangen Kämpfen einen endgültigen Ausgleich mit Kastilien wegen des Königreiches Murcia, bekam davon noch Lorca, Elche und Alicante, Villena kam als aragonesisches Lehen an Prinz Johann Manuel von Kastilien-Pennafiel. Seitdem kämpfte er besonders um Sardinien und Korsika gegen Genua und Pisa, konnte letztlich aber nur Sardinien lehnsmäßig an Aragon binden, stritt daneben mit der Vetternlinie Mallorca und gewann deren Besitz weitestgehend dazu. Gegen die Übermacht des Adels stützte er sich auf die Geistlichkeit und den Bürgerstand, stärkte das Ansehen der Gerichte und sicherte durch das Gesetz von Tarragona 1319 die Vereinigung von Aragon, Valencia, Barcelona und Mallorca zum Königreich Aragon. Wie der französische König löste er den Templerorden auf und gründete ihn 1317 als Ritterorden von Montesa neu. Mit seinen Söhnen hatte er wiederholt Streit wegen Erb- und Kompetenzfragen.
 
 
 
 

    1291
  1. oo Isabella von Kastilien-Leon, Tochter des Königs Sancho IV.
 - 1295 1283-   1328

        Senora de Guadalajara

  1.11.1295
  2. oo Blanka von Anjou, Tochter des Königs Karl II. von Neapel
                   -14.10.1310

    1315
  3. oo Marie von Lusignan, Tochter des Königs Hugo III. von Zypern
          um 1295/1300-   1322

 25.12.1321
  4. oo Elisenda de Moncada, Tochter des Grafen Peter
                -   1364
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Marie Nonne zu Sijena
         -

 1311
  oo Peter Infant von Kastilien und Regent
       1290-25.6.1319

  Elisabeth
  um 1296-25.3.1330
Montpellier Wien

11.5.1314
   oo FRIEDRICH DER SCHÖNE
       um 1289-13.1.1330

  Konstanze
  1300-19.8.1327

 2.4.1312
  oo 2. Johann Manuel II. Graf von Pennafiel
          5.5.1282-   1348

  Jakob Erbinfant von Aragon
  1296-   1334

  Johann Erzbischof von Tarragona
  1304-   1334

  Violanthe
        -

  1. oo N.N.
                    -

  2. oo Lope Graf de Luna
                 -   1360

  Alfons IV. der Gütige
  1299-24.1.1336

  Raimund Berengar Graf von Ampurias
  1308-   1364

  Peter Graf von Ribagorza
  1305-4.11.1381

Illegitim

  Napoleon Senor de Joyosa
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1189,1206 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

Jakob II. (1291-1327), ein von Hillgarth als "crowned beaureaucrat" charakterisierter, gewiefter Taktiker, zeigte nicht die Absicht, das Königreich Sizilien von der Krone Aragon abzuspalten, sondern setzte seinen Bruder lediglich als Vizekönig ein. Mit Sancho IV. von Kastilien traf er die Übereinkunft von Monteagudo (29. November 1291) und schloß den Kompromiß von Soria (1. Dezember 1291), in denen er die Infanten de la Cerda fallenließ, eine Eheschließung mit der kastilischen Infantin Isabella anstrebte und dafür die zeitweilige Zurückhaltung der Krone Kastilien gegenüber französischen und päpstlichem Drängen erkaufte, während der kastilische König vor allem die Einnahme der Meerenge von Gibraltar und die Eroberung Marokkos im Auge hatte. Indes schwächten die Auseinandersetzungen mit einflußreichen Gruppen innerhalb der aragonesischen Adelsunion die Position Jakobs II. beträchtlich. Als sich weder der kastilische König bereitfand, die enge politische Verbindung zu Frankreich wirklich aufzugeben, noch der aragonesische König ernsthaft daran dachte, auf seine Machtbasis Sizlien endgültig zu verzichten, spitzte sich die Lage nach 1293 weiter zu.
Erst das Eingreifen des neuen Papstes Bonifaz VIII. führte zu einer dauerhaften Lösung durch den Vertrag von Anagni vom 24. Juni 1295, der zwischen der Kurie, Jakob II. von Aragon, Philipp IV. von Frankreich und Karl II. von Anjou-Neapel geschlossen wurde. Die einzelnen Vertragspunkte knüpften weitgehend an die Vereinbarungen von Brignolles-Tarascon an, doch waren die Entschädigungen für die Krone Aragon ungleich größer. Jakob II., der anstelle der kastilischen Infantin Blanche von Anjou, die Tochter Karls II. von Anjou-Neapel, heiratete, verzichtete auf Sizilien zugunsten der päpstlichen Verfügungsgewalt, versprach sogar Hilfestellung bei der Rückgewinnung, stimmte der Übereignung des Königreiches Mallorca an Jakob II. durch das Papsttum zu, erreichte andererseits die Aufhebung der Kirchenstrafen sowie der Übertragung seines Reiches an Karl II. von Valois. Abschließensd erhielt er von Bonifaz VIII. die Zusage, mit den Königreichen Korsika und Sardinien investiert zu werden.
Es war klar, dass Jakob II. angesichts der Konmflikte mit Adel und Städten in seinen Kernlanden von seiner ursprünglichen Konzeption hatte Abstand nehmen und wieder auf jene Linie einschwenken müssen, die sein Großvater Jakob I. bei seinem Lebensende vorgezeichnet hatte. An die Stelle einer realpolitisch nicht durchzusetzenden mittelmeerischen Großreichbildung, deren Zentrum die Kernländer der Krone Aragon gewesen wären, rückte wieder die losere, aber dennoch  einen gewissen Zusammenhalt gewährende Konstruktion des Hauses BARCELONA und seiner Nebenlinien, in der diesem eine rechtlich nicht näher definierte, aber bei Bedarf aktivierbare Hegemonialstellung zukam. Ein ähnliches Verhältnis zueinander fanden Frankreich und die angevinischen Reichsbildungen.
Der Entwicklung innerhalb der Krone Aragon kam zudem sehr zustatten, dass mit den Cortes von 1301 die politische Kraft der Adelsunion gebrochen werden konnte. Dies machte es möglich, 1309 auf den Cortes von Tarragona ein Privilegio le Union zu erlassen, durch das die Ausübung der Herrschaftsgewalt in den Königreichen Aragon und Valencia sowie in der Grafschaft Barcelona nunmehr untrennbar in einer Hand vereint wurde: jeden König von Aragon kam zwingend auch die Königsgewalt in Valencia und die Grafengewalt in Barcelona zu. Damit war eine neue Stufe der inneren Machtsfestigung in der Krone Aragon erreicht und allen Versuchen, die Föderation auseinanderzureißen, ein verfassungsrechtlicher Riegel vorgeschoben. Dass die Cortes der einzelnen Reiche nach wie vor getrennt waren und es weiterhin blieben, fiel zukünftig genausowenig ins Gewicht wie die 1318 erfolgte Gründung des Erzbistums Zaragoza als eigener Metropole für Aragon, da die Gefahr einer Abspaltung endgültig gebannt war und durch eine kirchenpolitische Abgrenzung nicht mehr gefördert werden konnte.
Am 25. März 1296 wurde Friedrich III., der mittlerweile auch in Kalabrien Fuß gefaßt hatte, in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Am 4. April 1297 empfing Jakob II. in Rom durch Papst Bonifaz VIII. die Investitur mit den Königreichen Korsika und Sardinien gegen das Versprechen, einen jährlichen Zins zu zahlen und dem Papsttum Waffenhilfe in Unteritalien und bei der Rückeroberung Siziliens zu leisten. 1298 wurde Jakob II. von Mallorca sein Königreich zurückgegeben, allerdings in Lehnsabhängigkeit von der Krone Aragon. Die Versuche hingegen, das Königreich Sizilien (Trinacria) wieder seinem päpstlichen Lehnsherrn und damit den ANJOU zu restituieren, wurden von Jakob II. eher halbherzig durchgeführt, so dass zuletzt der Friede von Caltabellotta (1302), der Friedrich III. die Insel auf Lebenszeit beließ und nur Kalabrien der angevinischen Macht erneut übereignete, allen Seiten annehmbar erschein.
Nach Caltabellotta hatte Jakob II. vorerst die Hände frei, um auf der Iberischen Halbinsel die Gebietsgewinne, die er infolge der inneren Schwierigkeiten Kastiliens nach dem Tode Sanchos IV. (+ 1295) insbesondere im Königreich Murcia gemacht hatte, durch den Schiedsspruch von Torrellas (8. August 1304) und die Übereinkunft von Elche (19. Mai 1305) endgültig zu sichern und so unter anderem Alicante, Elche und Orihuela dem Königreich Valencia zu inkorporieren. Weitere Pläne, die im Verein mit Kastilien auf Granada und Almeria zielten, schlugen fehl, doch sollte er in späteren Jahren die bedrohten Grenzgebiete durch eine gezielte Heiratspolitik absichern. Dem Druck, den Kastilien unter Ferdinand IV. erneut auf Valencia und Aragon ausübte, begegnete er mit der Schaffung einer grenznahen Zone, die vom Heiratsgut seiner Töchter Konstanze, Gattin des kastilischen Adelsführers Juan Manuel, und Maria, Gattin des Infanten Peter von Kastilien, durchsetzt und damit als aufgelockerte Rechtssphäre neutralisiert war.
Die Eroberung Sardiniens hingegen, an der das Papsttum nun nicht mehr interessiert war, nahm Jakob II.mit großer Energuie in Angriff und konnte dabei außer auf einen mallorquinischen Vasallen einzig auf die Hilfe des landansässigen Adelsgeschlechts der Giudici di Arborea rechnen. Die Insel, die zur Interessensphäre von Genua und Pisa gehörte, konnte 1323/24 nach einem Sieg über die pisanischen Streitkräfte endgültig eingenommen und trotz verschiedener Aufstände gehalten werden.
Mit der Eroberung Sardiniens gelang es Jakob II. nicht nur, die Wirtschaftskraft der Insel, die über bedeutende Getreide-, Salz- und Silbervorräte verfügte, der Krone Aragon nutzbar zu machen, sondern er konnte nun auch einen im Ernstfall aktivierbaren Stützpunkt zwischen den Balearen und Sizilien sein Eigen nennen. Im Verein mit der aragonesischen Einflußnahme auf Tunis reichten die politischen Fühler des Hofes von Barcelona bis vor die Küsten von Sizilien und Unteritalien, so dass auf eine kostspielige Wahrnehmung der Herrschaftsrechte über Korsika verzichtet werden konnte und dennoch eine unausgesprochene Oberhoheit über den westlichen Mittelmeerraum sichergestellt war. Man sollte in diesem Zusammenhang die Ansicht des katalanischen Chronisten Roman Muntaner, der trotz aller Sonderwege eine gewisse Gleichrichtung der Grundinteressen der Krone Aragon mit den Königreichenh Mallorca und Sizilien vermutete und einen stillschweigenden Konsens postulierte, nicht einfach beiseite schieben, wenn auch die Reiche gewiß keine politische Einheit darstellten. Dass das Königshaus ARAGON bzw. das Haus BARCELONA gemäß zeitgenössischen Aussagen als einheitsbildende Kraft aufgefaßt werden konnte, scheint durchaus ein Schlüssel für die politische Konzeption zu sein. Ob man angesichts dieser Vorstellungen folgern kann, "die Sizilienpolitik dieses Königs (Peters III.) und seiner Nachfolger (sei) einem Gleichgewichtssystem konform" geblieben, muß fraglich erscheinen.
Während Jakob II.sich mit Sardinien begnügte, benutzte Friedrich III. von Trinacria jene katalanischen und argonesischen Söldnertruppen, die Almogavares, die nach Caltabellotta ohne direkte Aufgabe dastanden, um auch im östlichen Mittelmeerraum Fuß zu fassen. Als Katalanische Kompagnie zogen sie auf ein Hilfeersuchen des byzantinischen Kaisers Andronikos II. Palaiologos nach Osten und konterkarierten im Kampf gegen die Türken zuerst auf eigene Rechnung den allgegenwärtigen Einfluß der Genuesen. Angeführt von erfahrenen, aber auch zumeist geschäftlich scharf kalkulierenden Berufssöldnern wie Roger de Flor, Bernat de Rocafort und Berengar d'Entenza, die Roger Sablonier der Reihe nach als "wagemutige(n) Kriegsunternehmer", "Strauchritter von Format" und "machthungrige(n) Hochadlige(n)"charakterisierte, kämpften sie mit wechselndem Erfolg, bis der Infant Ferdinand von Mallorca, der für den mitziehenden Muntaner der "casa dreta d'Aragon" entstammte, mit dem Versuch scheiterte, eine Lehnsbindung an Sizilien herzustellen. Schließlich unterstellte sich die Kompagnie nach Jahren gewinnsuchenden Umherschweifen, dem man durchaus den Charakter eines Kreuzzuges gegen die Griechen geben wollte, 1312 dennoch der Oberhoheit Friedrichs III. Dieser hatte seinen Sohn Manfred zusammen mit einem fähigen Generalvikar entsandt und ließ das Herzogtum Athen übernehmen, das bis 1387 Bestand haben sollte und zu dem 1319 noch das Herzogtum Neopatras hinzutrat. Von einer geplanten aragonesisch-sizilianischen O-Politik kann in diesem Zusammenhang allerdings keine Rede sein. Und wenn man berücksichtigt, dass Jakob II. der Kompagnie 1307 gar zum Anschluß an Karl von Valois geraten hatte, dann muß das begrenzte Engagement Friedrichs III. eher als realpolitische Maßnahme gedeutet werden, die den konkreten Interessen Siziliens gerecht wurde. Der Anspruch Jakobs II. als Haupt des Hauses BARCELONA erschöpfte sich jedenfalls in einem Hegemonialdenken für den westlichen Mittelmeerraum.
 
 
 
 
 
 
 
 


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