Ferdinand II.                                         König von Aragon (1479-1516)
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10.3.1452-23.1.1516
Soz        Madrigalejo
 

Einziger Sohn des Königs Johann II. von Aragon aus seiner 2. Ehe mit der Johanna Enriquez von Trastamara-Kastilien, Tochter von Graf Friedrich I. von Melgar
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 358
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Ferdinand II. ‘der Katholische, König von Aragon (F. V. als König von Kastilien)
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* 10. März 1452, + 25. Januar 1516
Sos (Aragon)      Madrigalejo (Kastilien)

Sohn Johanns II. von Aragon, aus dessen 2. Ehe mit Johanna Enriquez, Tochter des Admirals von Kastilien

Ferdinand II. wuchs in den turbulentesten Regierungsjahren seines Vaters auf. Von Geburt an Objekt politischer Interessen, erlebte Ferdinand eine bewegte Kindheit in steter Nähe seiner Eltern, wodurch er stark geprägt wurde, lernte der eher gefühlsbetonte und zu Temperamentsausbrüchen neigende Prinz in dieser Atmosphäre doch die eiserne Selbstbeherrschung und das ränkereiche Taktieren, das ihn später kennzeichnete. In der humanistischen Bildungstradition seiner Zeit erzogen, entwickelte Ferdinand II. eine Vorliebe für Musik, Geschichte und die Jagd. Aus politischen Gründen wurde er schon früh mit Ämtern und Würden ausgestattet (unter anderem 1458 Herzog von Montblanc und Graf von Ribagorza [Katalonien], Graf von Augusta und 1461 Herzog von Noto [Sizilien], 1461 Stellvertreter des Königs in Katalonien). 1461 wurde Ferdinand von Aragon, 1462 von Katalonien, 1466 von Valencia als Thronerbe anerkannt, nach dem Tod seines Stiefbruders Karl von Viana. Mit 14 Jahren volljährig, übernahm Ferdinand selbständig, aber in strikter Befolgung der Weisungen seines Vaters, politische und militärische Aufgaben. Sein Vater erhob ihn 1468 zum Mitkönig von Sizilien und betrieb entschlossen seines Eheschließung mit der 1468 als Thronerbein anerkannten Isabella von Kastilien. Verkleidet durch feindliches Gebiet nach Valladolid gereits, heiratete Ferdinand am 18. Oktober 1469 gegen den Willen König Heinrichs IV. von Kastilien die Thronerbin. Trotz romantischer Ausschmückung waren beide Partner dabei von sehr konkreten, situationsgebundenen Interessen und wohl auch nur am Rande von einem spanischen Einheitsgedanken bestimmt. Nach dem Tode Heinrichs IV. ließ sich Isabella in Abwesenheit Ferdinands zur Königin ausrufen und erst in der Concordia von Segovia vom 15. Januar 1475 wurde Ferdinand als gleichberechtigter Mitkönig und -regent in Kastilien anerkannt.
In der Regierung der Katholischen Könige wird die Leistung Ferdinands II. vor allem in den militärischen Unternehmungen (erfolgreiche persönliche Intervention im kastilischen Erbfolekrieg und im Krieg gegen Granada) sowie in der Außenpolitik faßbar. Auf seine Initiative vollzog Kastilien einen Wechsel in seiner traditionellen Bündnispolitik und reihte sich in die von Aragon ausgehende antifranzösische Bündnispolitik mit Burgund, dem Reich und England ein. Ferdinands weitgespannte Bündnispolitik zielte vor allem nachdem mit der Eroberung Granadas 1492 Kastiliens wichtigstes außenpolitisches Problem gelöst war, auf Wiederherstellung im westlichen Mittelmeer und in S-Italien, Eindämmung der Expansion des Ormanischen Reiches, Bekämpfung des Islam in N-Afrika, Kontrolle bzw. Erwerb Navarras und Neutralisierung Portugals durch enge dynastische Beziehungen, Ziel, die er mit Hilfe seines überlegenen diplomatischen Geschicks, dem Einsatz militärischer Mittel unter Nutzung der kastilischen Ressourcen und dynastischer Verbindungen großenteils erreichte (1490 Heirat der Tochter Isabella mit Alfons V. von Portugal und später mit dessen Nachfolger Manuel, 1496 Sohn Johann mit Margarete von Österreich und Tochter Johanna mit Philipp dem Schönen, den Kindern Kaiser MAXIMILIANS, 1509 Tochter Katharina mit Heinrich VIII.). Dynastische Wechselfälle führten freilich zu der unerwünschten habsburgischen Thronfolge, die Ferdinands außenpolitische Erfolge in Frage stellte.
In den Reichen Aragons folgte Ferdinand 1479 Johann II. nach, ohne daß Isabella dort Mitregentin werden konnte; hier erwies er sich auch als Meister der Innepolitik, gelang ihm doch schrittweise die innere Befriedung nach der langen Bürgerkriegsphase in Katalonien und vor allem 1486 im Schiedsspruch von Guadalupe die Beilegung des Konflikts zwischen den Payeses de Remensa, den grundholden Bauern, und ihren Herren.
Nach dem Tode Isabellas (+ 1504) traten für Ferdinand II. immer stärker die Thronfolgeprobleme in den Vordergrund. Von Isabella als Regent für die nicht regierungsfähige Tochter Johanna in Kastilien eingesetzt, mußte Ferdinand II. 1506 Kastilien seinem vom Adel unterstützten Schwiegersohn Philipp überlassen und sich nach Aragon zurückziehen. Nachdem Ferdinand diesen durch eine Einigung mit Frankreich und die Ehe mit Germaine de Foix diplomatisch ausmanövriert hatte, begab er sich nach Italien, wurde jedoch bald nach Philipps Tod wieder zum Regenten Kastiliens berufen (1507). Unter seiner und des Kardinals Cisneros Führung erwarb Kastilien in der Folgezeit mehrer Stützpunkte in N-Afrika, bevor Ferdinand II. 1512 die Eroberung Navarras und dessen Ausgliederung an Kastilien gelang. Die letzten Jahre Ferdinands II. waren überschattet von den Zwistigkeiten mit dem Brüsseler Hof seines Enkels KARL (V.), des Thronerben, und veranlaßten Ferdinand, ohne Erfolg mehrere alternative Thronfolgeprojekte zu betreiben und selbst die erneute Trennung Kastiliens und Aragns ins Auge zufassen. Ferdinand II., sicherlich einer der bedeutendsten Renaissancefürsten mediterraner Prägung, schuf durch seine Außenpolitik und seine auf Stärkung der königlichen Autorität gegenüber allen Partikulargewalten gerichtete Politik die Voraussetzung für Spaniens Aufstieg zur Weltmacht, auch wenn ihm selbst wohl nie mehr als eine führende Stellung im meriterran-südeuropäischen Bereich als Ziel vorgeschwebt haben dürfte. Solange jedoch eine wirklich umfassende Biographie dieser an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit wirkenden Persönlichkeit fehlt, wird seine Charakterisierung freilich Stückwerk bleiben.
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Ferdinand II. der Katholische war eine majestätische Erscheinung mit markanten Zügen, aber ohne sittliche Bedenken, berechnend und falsch und hemmungslos-opportunistisch. Er  war seit 1466 Mitregent von Aragon. Nach dem Tode Heinrichs IV. von Kastilien übernahmen Ferdinand und Isabella I. die Regierung in Kastilien, die sie durch die Schlacht bei Toro (1476) gegen portugiesische Einmischung verteidigten. Gegen den Widerstand Frankreichs und Portugals erfolgte mit dem Regierungsantritt Ferdinands in Aragon die dynastische Vereinigung Spaniens, wenn auch beide Königreiche vorläufig rechtlich selbständig blieben. Im Bunde mit Städten, Kirche und Kleinadel wurde die Macht der Granden gebrochen und das Königtum gefestigt. 1481 wurde in Aragon die Inquisition eingeführt. 1482 wurde der wichtigste spanische Ritterorden von Calatrava der Krone unterstellt. Mit der in der gleichen Zeit erfolgten Einverleibung der Orden von Alcantara und Santiago de Compastela verfügte das Königtum über ein schlagkräftiges Heer, mit dem die Reconquista abgeschlossen wurde (1492 Eroberung von Granada). Durch ein Konkordat mit dem Papst kam der spanische Episkopat unter königliche Kontrolle, während die Inquisition zum Machtinstrument des Staates wurde. Mit dem Vordringen in Amerika begann der Aufbau eines spanischen Kolonialreiches. 1492 wurde ein Edikt über die Austreibung der nichtchristlichen Juden erlassen, dem 1504 ein Edikt zur Vertreibung nichtchristlicher Moriscos aus Spanien erfolgte. Ferdinand eroberte von der Nichte bis 1512 ganz Navarra südlich der Pyrenäen dazu und durch den Sieg des Feldherrn Gonzalo de Cordova wurde ganz Neapel spanisch. Seit 1506 war er Regent für seinen ungeliebten Enkel KARL in Kastilien und heiratete nochmals, um durch mögliche Kinder dessen Nachfolge zu hintertreiben.
Nach dem Zeugnis des Chronisten Petrus Martyr Anglerius starb er an einer inneren Verätzung durch Aphrodisiaca.
 
 
 
 

    1469
  1. oo Isabella I. Königin von Kastilien
          22.4.1451-26.11.1504

    1505
  2. oo Germaine von Foix-Etampes, Tochter des Grafen Johann IV.
          1488-15.10.1536     Nichte Ludwigs XII. von Frankreich
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Isabella
  2.10.1470-23.8.1498
                Toledo

  Sie starb im Kindbett.

 24.11.1490
  1. oo Alfons Erb-Infant von Portugal
          18.5.1475-13.7.1491

    1497
  2. oo 1. Manuel I. König von Portugal
              1.6.1469-13.12.1521

  Johann Infant
  28.6.1478-4.10.1497
  Burgos    Burgos

  Johanna die Wahnsinnige
  6.11.1479-13.4.1555

21.8.1496
   oo Philipp I. der Schöne König von Kastilien
        22.7.1478-25.9.1506

  Maria
  29.6.1482-7.3.1517

30.10.1500
    oo 2. Manuel I. König von Portugal
          31.5.1469-13.12.1521

  Katharina
  15.12.1485-7.1.1536

14.11.1501
 1. oo Arthur Prinz von Wales
         19.9.1486-2.4.1502

   3.6.1509
  2. oo Heinrich VIII. König von England
        28.6.1491-21.8.1547
 
 
 
 

Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 12, 18,23,30,34,37,40,42,44,48-52,54,59-66,68,75,83,87,93,96-100,102,105,107,113-118,120,125,153,158,164,195,197,198 - Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 17,110,268,299,305,308,336,346,363,367,371 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 11,13,17,19,21-26,29-32,34,59,90 - Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 40, 43,46-48,50 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 22, 24,26 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 21-324 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 448,453-456,458,460,465 - Seibt Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Der Goldmann Verlag 1992 Seite 17,41,47,49 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 9,14,37,54,58,231,263,270,276 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 17-259 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankereich. Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 15,20,27,29,42,81,83,107,109, 117,238 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. Verlag C. H. Beck München 1998 Seite 30,32 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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