Einziger Sohn des Königs
Johann II. von Aragon aus seiner 2. Ehe mit der
Johanna Enriquez von Trastamara-Kastilien, Tochter von Graf
Friedrich I. von Melgar
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 358
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Ferdinand II. ‘der Katholische, König von Aragon
(F. V. als König von Kastilien)
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* 10. März 1452, + 25. Januar 1516
Sos (Aragon) Madrigalejo
(Kastilien)
Sohn Johanns II. von Aragon, aus dessen 2. Ehe mit Johanna Enriquez, Tochter des Admirals von Kastilien
Ferdinand II. wuchs
in den turbulentesten Regierungsjahren seines Vaters auf. Von Geburt an
Objekt politischer Interessen, erlebte Ferdinand
eine
bewegte Kindheit in steter Nähe seiner Eltern, wodurch er stark geprägt
wurde, lernte der eher gefühlsbetonte und zu Temperamentsausbrüchen
neigende Prinz in dieser Atmosphäre doch die eiserne Selbstbeherrschung
und das ränkereiche Taktieren, das ihn später kennzeichnete.
In der humanistischen Bildungstradition seiner Zeit erzogen, entwickelte
Ferdinand II. eine Vorliebe für
Musik, Geschichte und die Jagd. Aus politischen Gründen wurde er schon
früh mit Ämtern und Würden ausgestattet (unter anderem 1458
Herzog von Montblanc und Graf von Ribagorza [Katalonien], Graf von Augusta
und 1461 Herzog von Noto [Sizilien], 1461 Stellvertreter des Königs
in Katalonien). 1461 wurde Ferdinand
von
Aragon, 1462 von Katalonien, 1466 von Valencia als Thronerbe anerkannt,
nach dem Tod seines Stiefbruders Karl von Viana.
Mit 14 Jahren volljährig, übernahm Ferdinand
selbständig, aber in strikter Befolgung der Weisungen seines Vaters,
politische und militärische Aufgaben. Sein Vater erhob ihn 1468 zum
Mitkönig von Sizilien und betrieb entschlossen seines Eheschließung
mit der 1468 als Thronerbein anerkannten Isabella
von Kastilien. Verkleidet durch feindliches Gebiet nach Valladolid
gereits, heiratete Ferdinand am 18.
Oktober 1469 gegen den Willen König Heinrichs
IV. von Kastilien die Thronerbin. Trotz romantischer Ausschmückung
waren beide Partner dabei von sehr konkreten, situationsgebundenen Interessen
und wohl auch nur am Rande von einem spanischen Einheitsgedanken bestimmt.
Nach dem Tode Heinrichs IV. ließ
sich Isabella in Abwesenheit Ferdinands
zur Königin ausrufen und erst in der Concordia von Segovia vom 15.
Januar 1475 wurde Ferdinand als gleichberechtigter
Mitkönig und -regent in Kastilien anerkannt.
In der Regierung der Katholischen Könige wird die
Leistung Ferdinands II. vor allem in
den militärischen Unternehmungen (erfolgreiche persönliche Intervention
im kastilischen Erbfolekrieg und im Krieg gegen Granada) sowie in der Außenpolitik
faßbar. Auf seine Initiative vollzog Kastilien einen Wechsel in seiner
traditionellen Bündnispolitik und reihte sich in die von Aragon ausgehende
antifranzösische Bündnispolitik mit Burgund, dem Reich und England
ein. Ferdinands weitgespannte Bündnispolitik
zielte vor allem nachdem mit der Eroberung Granadas 1492 Kastiliens wichtigstes
außenpolitisches Problem gelöst war, auf Wiederherstellung im
westlichen Mittelmeer und in S-Italien, Eindämmung der Expansion des
Ormanischen Reiches, Bekämpfung des Islam in N-Afrika, Kontrolle bzw.
Erwerb Navarras und Neutralisierung Portugals durch enge dynastische Beziehungen,
Ziel, die er mit Hilfe seines überlegenen diplomatischen Geschicks,
dem Einsatz militärischer Mittel unter Nutzung der kastilischen Ressourcen
und dynastischer Verbindungen großenteils erreichte (1490 Heirat
der Tochter Isabella mit Alfons
V. von Portugal und später mit dessen Nachfolger Manuel,
1496 Sohn Johann mit Margarete
von Österreich und Tochter Johanna
mit Philipp dem Schönen, den Kindern
Kaiser
MAXIMILIANS, 1509 Tochter Katharina
mit Heinrich VIII.). Dynastische Wechselfälle
führten freilich zu der unerwünschten habsburgischen
Thronfolge, die Ferdinands außenpolitische Erfolge in Frage stellte.
In den Reichen Aragons folgte Ferdinand
1479 Johann II. nach, ohne daß
Isabella
dort Mitregentin werden konnte; hier erwies er sich auch als Meister der
Innepolitik, gelang ihm doch schrittweise die innere Befriedung nach der
langen Bürgerkriegsphase in Katalonien und vor allem 1486 im Schiedsspruch
von Guadalupe die Beilegung des Konflikts zwischen den Payeses de Remensa,
den grundholden Bauern, und ihren Herren.
Nach dem Tode Isabellas (+ 1504)
traten für Ferdinand II. immer
stärker die Thronfolgeprobleme in den Vordergrund. Von Isabella
als
Regent für die nicht regierungsfähige Tochter
Johanna in Kastilien eingesetzt, mußte Ferdinand
II. 1506 Kastilien seinem vom Adel unterstützten Schwiegersohn
Philipp
überlassen und sich nach Aragon zurückziehen. Nachdem Ferdinand
diesen durch eine Einigung mit Frankreich und die Ehe mit Germaine
de Foix diplomatisch ausmanövriert hatte, begab er sich
nach Italien, wurde jedoch bald nach Philipps
Tod
wieder zum Regenten Kastiliens berufen (1507). Unter seiner und des Kardinals
Cisneros Führung erwarb Kastilien in der Folgezeit mehrer Stützpunkte
in N-Afrika, bevor Ferdinand II. 1512
die Eroberung Navarras und dessen Ausgliederung an Kastilien gelang. Die
letzten Jahre Ferdinands II. waren
überschattet von den Zwistigkeiten mit dem Brüsseler Hof seines
Enkels KARL (V.), des Thronerben, und
veranlaßten Ferdinand, ohne Erfolg
mehrere alternative Thronfolgeprojekte zu betreiben und selbst die erneute
Trennung Kastiliens und Aragns ins Auge zufassen. Ferdinand
II., sicherlich einer der bedeutendsten Renaissancefürsten
mediterraner Prägung, schuf durch seine Außenpolitik und seine
auf Stärkung der königlichen Autorität gegenüber allen
Partikulargewalten gerichtete Politik die Voraussetzung für Spaniens
Aufstieg zur Weltmacht, auch wenn ihm selbst wohl nie mehr als eine führende
Stellung im meriterran-südeuropäischen Bereich als Ziel vorgeschwebt
haben dürfte. Solange jedoch eine wirklich umfassende Biographie dieser
an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit wirkenden Persönlichkeit
fehlt, wird seine Charakterisierung freilich Stückwerk bleiben.
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Ferdinand II. der Katholische
war eine majestätische Erscheinung mit markanten Zügen, aber
ohne sittliche Bedenken, berechnend und falsch und hemmungslos-opportunistisch.
Er war seit 1466 Mitregent von Aragon. Nach dem Tode Heinrichs
IV. von Kastilien übernahmen Ferdinand
und
Isabella I. die Regierung in Kastilien,
die sie durch die Schlacht bei Toro (1476) gegen portugiesische Einmischung
verteidigten. Gegen den Widerstand Frankreichs und Portugals erfolgte mit
dem Regierungsantritt Ferdinands in
Aragon die dynastische Vereinigung Spaniens, wenn auch beide Königreiche
vorläufig rechtlich selbständig blieben. Im Bunde mit Städten,
Kirche und Kleinadel wurde die Macht der Granden gebrochen und das Königtum
gefestigt. 1481 wurde in Aragon die Inquisition eingeführt. 1482 wurde
der wichtigste spanische Ritterorden von Calatrava der Krone unterstellt.
Mit der in der gleichen Zeit erfolgten Einverleibung der Orden von Alcantara
und Santiago de Compastela verfügte das Königtum über ein
schlagkräftiges Heer, mit dem die Reconquista abgeschlossen wurde
(1492 Eroberung von Granada). Durch ein Konkordat mit dem Papst kam der
spanische Episkopat unter königliche Kontrolle, während die Inquisition
zum Machtinstrument des Staates wurde. Mit dem Vordringen in Amerika begann
der Aufbau eines spanischen Kolonialreiches. 1492 wurde ein Edikt über
die Austreibung der nichtchristlichen Juden erlassen, dem 1504 ein Edikt
zur Vertreibung nichtchristlicher Moriscos aus Spanien erfolgte. Ferdinand
eroberte von der Nichte bis 1512 ganz Navarra südlich der Pyrenäen
dazu und durch den Sieg des Feldherrn Gonzalo de Cordova wurde ganz Neapel
spanisch. Seit 1506 war er Regent für seinen ungeliebten Enkel KARL
in Kastilien und heiratete nochmals, um durch mögliche Kinder dessen
Nachfolge zu hintertreiben.
Nach dem Zeugnis des Chronisten Petrus Martyr Anglerius
starb er an einer inneren Verätzung durch Aphrodisiaca.
1469
1. oo Isabella I. Königin von Kastilien
22.4.1451-26.11.1504
1505
2. oo Germaine von Foix-Etampes, Tochter des Grafen
Johann IV.
1488-15.10.1536 Nichte Ludwigs XII. von Frankreich
Kinder:
1. Ehe
Isabella
2.10.1470-23.8.1498
Toledo
Sie starb im Kindbett.
24.11.1490
1. oo Alfons Erb-Infant von Portugal
18.5.1475-13.7.1491
1497
2. oo 1. Manuel I. König von Portugal
1.6.1469-13.12.1521
Johann Infant
28.6.1478-4.10.1497
Burgos Burgos
Johanna die Wahnsinnige
6.11.1479-13.4.1555
21.8.1496
oo Philipp I. der Schöne König
von Kastilien
22.7.1478-25.9.1506
Maria
29.6.1482-7.3.1517
30.10.1500
oo 2. Manuel I. König von Portugal
31.5.1469-13.12.1521
Katharina
15.12.1485-7.1.1536
14.11.1501
1. oo Arthur Prinz von Wales
19.9.1486-2.4.1502
3.6.1509
2. oo Heinrich VIII. König von England
28.6.1491-21.8.1547
Literatur:
-----------
Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 12, 18,23,30,34,37,40,42,44,48-52,54,59-66,68,75,83,87,93,96-100,102,105,107,113-118,120,125,153,158,164,195,197,198
- Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg
1996 Seite 17,110,268,299,305,308,336,346,363,367,371 - Giardini
Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München
1994 Seite 11,13,17,19,21-26,29-32,34,59,90 - Hartmann P.C.: Französische
Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870.
Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 40, 43,46-48,50 - Leicht
Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht.
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 - Panzer Marita A.: Englands
Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet
Regensburg 2001 Seite 22, 24,26 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella:
Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 21-324 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern.
Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 448,453-456,458,460,465 -
Seibt
Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Der Goldmann Verlag
1992 Seite 17,41,47,49 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein
Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln
1998 Seite 9,14,37,54,58,231,263,270,276 - Tamussino Ursula: Margarete
von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien
Köln 1995 Seite 17-259 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankereich.
Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite
15,20,27,29,42,81,83,107,109, 117,238 - Wende Peter: Englische Könige
und Königinnen. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. Verlag C. H. Beck
München 1998 Seite 30,32 -