Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 991
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Trier
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B. ERZBISTUM
I. ERZBISCHÖFE
Anfänge einer christlichen Gemeinde sind für
das 2. Jh. anzunehmen. Die Bischofsliste, die als einzige im heutigen Deutschland
in vorkonstantinische Zeit zurückreicht, setzt mit Eucharius, Valerius
und Maternus in der 2. Hälfte des 3. Jh. ein. Der
Trierer
Stuhl
ist auf dem Konzil zu Arles 314 mit Bischof Agricius erstmals urkundlich
belegt. Im wurde einer mittelalterlichen Tradition zufolge ("Vita St. Agricii
er Helenae") von Helena ein Palast übertragen, aus dem der Trierer
Dom hervorging. Die hier zum Ausdruck kommende Nähe zum Kaiserhaus
sollte für das Selbstverständnis der mittelalterlichen Bischöfe
wichtig werden (Helena-/Kaisertradition). In den Auseinandersetzungen des
4. Jh. erlangte die Sedes Vorbildcharakter für die orthodoxe Glaubenspartei
im römischen Gesamtreich. Mit der Stellung der
Trierer Bischöfe im Episkopat sind die in ihrer Historizität
umstrittene, von Bischof Maximinus (330-347) präsidierte Kölner
Synode 346 wie auch die mittelalterlichen Zeugnisse für eine über
die römischen Provinzgrenzen ausgreifende Landmission an der Untermosel
vereinbar. Läßt sich bei Bischof Paulinus (347-358, 353 verbannt)
eine Emanzipation von den weltlichen Autoritäten erkennen, so gab
es in den vormals besonderen Beziehungen zu den kirchlichen (Martin von
Tours, Ambrosius, Papst) im Zuge der Auseinandersetzungen um den Priscillianismus
eine Entfremdung. Als Priscillian 358 in Trier
hingerichtet worden war, kam es zum Schisma, das nur durch Bischof Felix'
Resignation
(398) beendet werden konnte. In den Umwälzungen des 5. Jh. sind im
kirchlichen Leben außergewöhnliche Belege von Kontinuität
hervorzuheben: Die Sukzession der Bischöfe blieb ungebrochen; das
Ansehen der Sedes unbeschädigt. Es verwundert nicht, daß die
Restaurationen des 6. Jh. (missionarische Erfassung des Mittelrheins ["Vita
Goaris"]; Wiederbegründung des Bistums Köln) von Trier
bedeutsame Impulse erhielten. Die selbstbewußte Nähe
zu den
merowingischen Herrschern verband
noch
Bischof Nicetius (525/26-566) mit universalkirchlicher Aktion
und Geltung. Unter ihm wie unter dem 1. Träger eines germanischen
Namens auf der Trierer Kathedra, Magnerich
(566-586?), fand die bischöfliche Autorität auch weltlichen
Ausdruck (Nicetius-Burg) - beide sind als "Reichsbischöfe" zu apostrophieren.
Seit Bischof Modoalds (nach 614-vor 646/47) Klostergründung
St. Symphorian und Bischof Numerianus (646/47-vor 697/98) Hinwendung
zum Luxeuiler Mönchtum ist der bischöfliche Bezug zur monastischen
Ausprägung mittelalterlichen Kirchenlebens im Trierer
Sprengel greifbar. Eine Feudalisierung des Bischofsamtes war mit
der engen Anlehnung der "Bischofsdynastie" Basin, Liutwin,
Milo an
die Früh-KAROLINGER verbunden.
Bischof Milo (722/23-761/62) wurde gegen Bonifatius zum Exponenten
des reformfeindlichen fränkischen Episkopats. Die von KARL
DEMGROSSEN erzwungene Konzentration der bischöflichen Befugnisse
auf kirchliche Belange korrespondierte einer aurochthonen Traditionsbildung,
die die älteste im Rheinland verfaßte Bischofsvita ("Maximini
I") hervorbrachte. Von Erzbischof Hetti (814-847) an wurden die
Trierer Erzbischöfe wieder mit weltlich-politischen
Aufgaben betraut. Der Nachfolger Thietgaud (847-868) stand im Ehestreit
König Lothars II. auf seiten des
Königs und wurde 863 von Papst Nikolaus I. seines Amtes enthoben.
Bedeutsam sollte für das Erzbistum seine Lage an der Nahtstelle zwischen
dem ostfränkischen und dem westfränkischen Reich werden. Die
Kirchenprovinz wurde durch die politischen Teilungen von 870 (Vertrag von
Meerssen) und 880 (Vertrag von Ribemont) zerschnitten, der metropolitane
Vorrang bestritten. Im 895 begründeten "regnum Lotharicum"
König
Zwentibolds bekleidete Erzbischof Radbod (883-915) die
Stellung des Erzkanzlers. Die "lotharingische Phase" wurde nach der Normannenkatastrophe
von 882 wesentlich für den Wiederaufstieg und die mittelalterliche
Entwicklung des Erzbistums. Die Anbindung Lotharingiens an das ostfränkische
Reich (923/25) trug Erzbischof Ruotger (915-931) entscheidend mit.
Die Ottonischen Herrscher bestätigten
und forcierten die angelegten Tendenzen des durchweg von engen Vertrauten
geleiteten Erzbistums. Erwies sich Erzbischof Ludolf (993-1008) noch als
Stütze des auch in Lothringen umstrittenen
Königs HEINRICH II., so führte die des Königs
Interessen ignorierende Wahl Adalberos von Luxemburg zur verheerenden
"großen Trierer Bistumsfehde" (1008-1017),
an deren Ende die Reorganisationen Erzbischof Poppos (1016-1047)
standen. Diesem gelang, gestützt auf die Schenkung der Königspfalz
Koblenz 1018, die Festigung der erzbischöflichen Stellung gegenüber
dem in der Moselfehde erstarkten Adel. Sieht man von Erzbischof Egilbert
(1079-1101) ab, so waren die Erzbischöfe der Zeit der kirchlichen
Reform und des Investiturstreites geachtete Vermittler mit eigenem Profil.
Die besonderen Beziehungen zum Papsttum zeigten sich 1049, als Erzbischof
Eberhard (1047-1066) zum Berichterstatter über den Fortgang der
Reform erhoben wurde. Sie fanden 1120 mit der Exemtion von der Autorität
aller nicht a latere gesandten Legaten durch Papst Gelasius II. ihre Bestätigung,
was auch eine Befreiung von Eingriffsmöglichkeiten des Mainzer Erzbischofs
bedeutete. Auf seiten des Königtums verdeutlicht die Bestellung Erzbischof
Brunos von Lauffen (1101-1124) zum "vicedomnus regiae curiae" unter
HEINRICH
V. den Einfluß der Trierer
Kathedra. Preis der Verpflichtung auf Reichs- und Kirchenpolitik war für
das Erzbistum eine erstarkte Stellung "partikularer" Gewalten (Burggraf/LUXEMBURGER)
und Ambitionen "äußerer" Mächte (Erzbischof Anno II. von
Köln/Pfalzgraf). Erzbischof Adalbero (1131-1152) gelang es,
diese Entwicklung umzukehren. Die Erhebung des Trierer
Pontifex zum Legaten für die Kirchenprovinzen Trier,
Köln, Mainz, Magdeburg, Salzburg und Bremen 1137 bestätigte auch
für den kirchlichen Bereich das wieder gefestigte Ansehen. Adalbero
bewies noch einmal mit der Wahl KONRADS III.
1138 unter seiner Agide reichspolitisches Gewicht, bevor Trier
unter den STAUFERN hinter Köln
und Mainz zurücktrat. Als sich Erzbischof Hillin (1152-1169)
1165 dem Gegen-Papst Paschalis III. zuwandte, wurde der
Trierer Stuhl an die staufische
Kirchenpolitik gebunden. Im Bistumsstreit 1183-1189 stand er schließlich
im Focus der Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst. Erst Erzbischof
Johann I. (1189-1212) gelang in Ansätzen eine Emanzipation und
Reorganisation, die jedoch noch nicht aus dem Schatten der reichspolitischen
Antagonisten herausführten. Erzbischof Arnold II. von Isenburg
(1242-1259) wandte sich von der staufischen
Partei ab. Die schwere Krise, die für das Erzstift mit dem Kampf Erzbischof
Dieters von Nassau (1300-1307) gegen König
ALBRECHT I. heraufzog, brachte strukturelle Änderungen
hervor, die für die innere Entwicklung bestimmend bleiben sollten.
Mit Erzbischof Balduin (1307-1354) erlangte das Erzstift in der
Reichspolitik wieder gestalterische Kraft. Im 15. Jh. begannen mit Erzbischof
Otto von Ziegenhain (1418-1430) kirchliche Reformen (unter Johannes
Rode [+ 1439]; 1422 Generalversammlung der Benediktiner der Kirchenprovinz
Trier
und Köln). Der Versuch einer Reform des Domkapitels (Provinzialsynode
von 1423) scheiterte vorerst. Die das Erzstift wirtschaftlich erschöpfende
Manderscheider Fehde änderte zwar die Rahmenbedingungen erzbischöflicher
Politik, doch gelang es Jakob I. von Sierck (1439-1456) und Johann
II. von Baden (1456-1503), die erzbischöfliche Autorität
zu konsolidieren.
Jakob I. bereitete die Gründung der Universität
(Privileg Papst Nikolaus' V. 1454) vor. Seine äußere Politik
spiegelt den Niedergang der zentralen Gewalt. Der Gefahr der Armagnaken
begegnete er durch Verhandlungen, die in ein förmliches Bündnis
mit König Karl VII. von Frankreich
(1444) mündeten. Seit 1441 Kanzler
Kaiser
FRIEDRICHS III., ging er, die Neutralität im Papstschisma
(1439) brechend, 1445 zum Gegen-Papst Felix V. über und trug zur Verlängerung
der Spaltung bei. Johann II. erwies sich mit der Universitätsgründung
1473 und der zum Teil mit Gewalt fortgeführten Reform als tatkräftiger
Landes- und Kirchenherr.
Die Erzbischöfe von Trier
spielten nach dem Anschluß Lothringens eine zentrale Rolle
bei der Integration dieses Reichsteiles. Als Metropolit der mit den Bistümern
Metz, Toul und Verdun und dem Erzbistum selbst ganz Oberlothringen umfassenden
Kirchenprovinz, aber auch als Erzkanzler für ganz Lothringen in der
Hofkapelle HEINRICHS I. nahm der Trierer
Erzbischof von Anfang an einen Rang in der Reichskirche ein, der in seinem
Verhältnis zum Königtum 936 im Rangstreit der Erzbischöfe
von Trier, Köln und Mainz um das Krönungsrecht für
OTTO
I., aber auch später kirchenpolitisch in den Bemühungen
um die Erlangung des Primats, in Galliam et Germaniam wiederum konkurrierend
mit Köln und Mainz sich manifestierte. Darüber hinaus hat der
Trierer Erzstuhl
aber auch durch seine alten Beziehungen zum Westfrankenreich,
dessen Erzkanzler für Lothringen noch Erzbischof Ruotger unter Karl
dem Einfältigen gewesen war, Bedeutung für das ostfränkisch-deutsche
Königtum gehabt.
| Eucherius | 50- 73 |
| Valerius | 73- 88 |
| Maternus | 88- 128 |
| Auspicius | 129 |
| Celsus | ?- 142 |
| Felix I. | 142 |
| Mansuetus | um 164 |
| Clemens + 190 | 173 |
| Moses | um 190 |
| Martin I. | um 202 |
| Anastasius | um 211 |
| Andreas | um 227 |
| Rusticus I. | um 235 |
| Auctor I. | um 237 |
| Moritz I. + 244 | 243 |
| Fortunatus | um 247 |
| Cassianus | um 257 |
| Marcus I. + 273 | 262 |
| Ravitus | 273- 282 |
| Marcellus | 282- 287 |
| Severinus | 287- 308 |
| Florentius | 308- 309 |
| Martin II. | 309- 310 |
| Maximinus | 310- 322 |
| Valentin | 322- 327 |
| Agritius + 335 | 314 |
| Maximinus II. | 335- 352 |
| Paulinus | 353- 358 |
| Bononus | 359- 365 |
| Britonius | 365- 384 |
| Felix II. | 384- 398 |
| Moritz II. | 398- 407 |
| Leontius | 407- 409 |
| Auctor | 409- 427 |
| Severus | 428- 455 |
| Cyrillus | 455- 457 |
| Himerius | 457- 458 |
| Evemerus | 458- 461 |
| Marcus II. | 461- 465 |
| Volusianus | 465- 469 |
| Miletius | 469- 476 |
| Modestus | 476- 479 |
| Maximianus | 479- 499 |
| Fibicius | 500- 526 |
| Aprunculus | 526- 527 |
| Nicetus | 527- 566 |
| Rusticus II. | 566- 573 |
| Magnerich | 573- 596 |
| Gundwich | 596- 600 |
| Sibald | 600- 626 |
| Modoald | 626- 645 |
| Numerianus | 645- 665 |
| Hildulf + 707 | 665- 671 |
| Basinus + 706 | 671- 697 |
| Liutwin | 697- 718 |
| Milo | 718- 758 |
| Wermad | 758- 791 |
| Richbod | 791- 804 |
| Wazo | 804- 809 |
| Amalhar | 809- 814 |
| Hetti | 814- 847 |
| Thietgaud | 847- 868 |
| Bertulf | 869- 883 |
| Radbod | 883- 915 |
| Ruotger | 915- 930 |
| Ruotbert | 930- 956 |
| Heinrich I. | 956- 964 |
| Dietrich I. | 965- 977 |
| Egbert von Holland | 977- 993 |
| Liudolf | 994-1008 |
| Adalbero von Luxemburg | 1008 |
| Maingaud | 1008-1016 |
| Poppo von Babenberg | 1017-1047 |
| Eberhard von der Pfalz | 1047-1066 |
| Kuno I. von Pfullingen | 1066 |
| Udo von Nellenburg | 1066-1078 |
| Engelbert von Rothenburg | 1079-1101 |
| Bruno von Laufen | 1102-1124 |
| Gottfried | 1124-1127 |
| Meginher von Vianden | 1127-1130 |
| Sedisvakanz | 1130-1132 |
| Adalbero von Montreuil | 1132-1152 |
| Hittin von Fallenmaigne | 1152-1169 |
| Arnold I. von Valancourt | 1169-1183 |
| Vollmar | 1183-1189 |
| Rudolf von Wied | 1183-1189 |
| Johann I. | 1190-1212 |
| Dietrich II. von Wied | 1212-1242 |
| Arnold II. von Isenburg | 1242-1259 |
| Heinrich II. von Vinstingen | 1260-1286 |
| Sedisvakanz | 1286-1288 |
| Boemund I. von Warnsberg | 1288-1299 |
| Dieter von Nassau um 1250- 23.11.1307 | 1299-1307 |
| Balduin von Luxemburg | 1307-1354 |
| Boemund II. von Saarbrücken um 1290-10.2.1367 | 1354-1362 |
| Kuno II. von Falkenstein | 1362-1388 |
| Werner von Falkenstein | 1388-1418 |
| Otto von Ziegenhain | 1418-1430 |
| Jakob I. von Sirk | 1430-1436 |
| Ulrich von Manderscheid | 1430-1436 |
| Rhabanus von Helmstädt | 1430-1439 |
| Jakob I. von Sirk | 1439-1456 |
| Johann II. von Baden | 1456-1503 |
| Jakob II. von Baden | 1503-1511 |
| Richard von Greiffenklau zu Vollraths | 1511-1531 |
| Johann III. von Metzenhausen | 1531-1540 |
| Johann IV. Ludwig von Hagen | 1540-1547 |
| Johann V. von Isenburg | 1547-1556 |
| Johann von der Leyen | 1556-1567 |
| Jakob III. von Eltz | 1567-1581 |
| Johann VII. von Schönburg | 1581-1599 |
| Lothar von Metternich | 1599-1623 |
| Philipp Christoph von Sötern | 1623-1652 |
| Karl Kaspar von der Leyen | 1652-1676 |
| Johann Hugo von Orsbeck | 1676-1711 |
| Karl Joseph von Lothringen | 1711-1715 |
| Franz Ludwig von Neuburg | 1716-1729 |
| Franz Georg von Schönborn | 1729-1756 |
| Johann Philipp von Waldersdorf | 1756-1768 |
| Clemens Wenzel von Sachsen 1739-27.7.1812 | 1768-1802 |
| BISCHÖFE | |
| Karl Manney | 1802-1816 |
| Sedisvakanz | 1816-1824 |
| Joseph von Hommer | 1824-1836 |
| Sedisvakanz | 1836-1842 |
| Wilhelm Arnold | 1842-1864 |
| Leopold Pelldram | 1864-1867 |
| Matthias Eberhard | 1867-1876 |
| Michael Felix Korum | 1881- |