Ruotbert                                                    Erzbischof von Trier (931-956)
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um 900-19.5.956
             Köln

Begraben: Trier, Liebfrauenkirche
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1104
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Ruotbert, Erzbischof von Trier seit 931
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     + 19. Mai 956

Begraben: Trier, wahrscheinlich Liebfrauenkirche

Dass Ruotbert aus sächsischem Adel stamme und Bruder Mathildes (oo HEINRICH I.) sei, wird in der jüngeren Forschung bezweifelt. Hlawitschka vermutet eher lothringische Herkunft. Bereits Erzkanzler für Lothringen unter HEINRICH I., erscheint er 937-953 als Erzkanzler/Erzkapellan OTTOS I. Dominant war seine Rolle im Streit um das Erzbistum Reims (946-948) zugunsten Erzbischofs Artoldus (vertrieben 940). In diesem Kontext stehen die Restitution von St. Servatius/Maastricht (946) und die Bestätigung der Herrschaftsrechte (947) durch OTTO I., mit dem er 951 nach Italien zog. Ruotberts zielstrebige Politik im Westen stand in Konkurrenz zu Konrad dem Roten, der ihn 944 beim König verleumdete, und zu Brun, der ihn ab 940 de facto aus der Kanzlei verdrängte. Auf beider Betreiben verwehrte ihm OTTO I. 953 den herrschaftlichen Zugriff auf das Kloster St. Maximin vor Trier. 952 urkundet er für einen sachkundig organisierten Neubruch (Weinbau). Ruotbert vollendete die Reformansätze Ruotgers in St. Maximin; er pflegte Kontakte mit Rather von Verona und Flodoard von Reims. Auf dem Kölner Hoftag 956 wurde er Opfer einer Pestwelle.

Literatur:
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ADB XXIX, 294-296 - E.-D. Hehl, Ebf. R. v. Trier (Fschr. A. Becker, 1987), 55-68 - E. Hlawitschka, Kontroverses aus dem Umfeld von Kg. Heinrichs I. Gemahlin Mathilde (ebd), 33-54 - A. Finck v. Finckenstein, Bf.. und Reich, 1989 [Q. und Lit.] - E. Gierlich, Die Grabstätten der rhein. Bf.e vor 1200, 1990.


Ruotbert war der Bruder von Karls des Einfältigen erster Gemahlin Frederuna und Vatersbruder des Bischofs Ansfrid von Utrecht (995-1010). Irrtümlich wurde er in der älteren Forschung als Bruder der Königin Mathilde angesehen.

Finckenstein Finck von: Seite 48,106
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"Bischof und Reich"

Im Erzbistum Trier wurde gleich zu Beginn des Betrachtungsraumes mit Erzbischof Rotbert vielleicht schon ein Sachse erhoben. Th. Raach hat diesen Erzbischof vor seiner Erhebung als Abt des in Franken in der Diözese Speyer gelegenen Klosters Klingenmünster identifiziert. Danach scheint er in das Domstift Trier aufgenommen worden zu sein, wo ihn S. Haider zu 924 in der Kapelle Erzbischof Ruotgers (915-930) als Kanzler nachwies, bis er dann selbst dort zum Erzbischof aufstieg.
König HEINRICH I. müssen also innen- und außenpolitische Gründe veranlaßt haben, nach dem Tode Erzbischof Ruotgers zu Beginn des Jahres 931 Rotbert, auf den Erzstuhl zu erheben, der auch durch seine Zugehörigkeit zur engsten Umgebung seines Vorgängers in Trier als dessen Kanzler ideale Voraussetzungen für dieses Amt besaß. Die näheren Umstände der Wahl und Erhebung dieses Erzbischofs, der vor seiner Promotion möglicherweise Abt im Kloster Klingenmünster im fränkischen Bistum Speyer gewesen ist, sind unbekannt. In Reichsangelegenheiten ist er wiederholt nachweisbar. Unter HEINRICH I. noch als archicancellarius für Lothringen bezeugt, trat Rotbert nach dem Regierungsantritt OTTOS I. zwischen 937 und 952 auch als archicapellanus neben die Erzkapelläne Herold von Salzburg, Wichfried von Köln und Hildebert bzw. Friedrich von Mainz, bis im Zusammenhang mit der Ernennung Bruns, des späteren Erzbischofs von Köln, zum Erzkapellan dieses Amt wieder in einer Hand vereinigt wurde.
Rotberts persönliche Beteiligung an den für die Entstehung und Einheit des Deutschen Reiches, aber ebenso auch für die Entwicklung der Königserhebung desselben so bedeutungsvollen Vorgängen bei der Krönung OTTOS I. am 7. August 936 in Aachen, die Widukind von Corvey in seiner Darstellung des Rangstreites der Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln um das Königsrecht andeutet, wird von Thietmar von Merseburg direkt als Assistenz bei der Krönung, überliefert. Obwohl auch Rotbert später am 1. Italienzug OTTOS I. teilgenommen hat, war doch seine reichspolitische Tätigkeit eindeutig auf Lothringen und das Verhältnis des Reiches zum Westfrankenreich konzentriert. So intervenierte er 949 beim König für Prüm, und 952 für St. Vannes im Suffraganbistum Verdun, gewann auch das dem Erzstift lange entfremdete Kloster St. Servatius im Bistum Lüttich zurück. Bei St. Maximin in Trier selber gelang ihm das wegen des Widerstandes Bruns von Köln und Konrads des Roten nicht, ein Umstand, der für die Wirkung des Klosters auf weite Teile des Reiches von großer Bedeutung wurde. Er begegnet auf den Synoden anläßlich des Streites um den Reimser Erzstuhl (946-948), nachdem er sich im Jahre 944 in unbekanntem Zusammenhang gegen eine von Konrad den Roten erhobene Beschuldigung auf infidelitas vor dem König zu rechtfertigen hatte, was bezeichnend für die schwierige Situation eines damaligen Trierer Erzbischofs ist. Diesem politischen Handlungsraum entsprachen kulturelle Beziehungen zu Bischof Rather von Lüttich und zum Reimser Kanoniker Flodoard, die Rotbert als ein Mitglied der geistigen Erneuerung der ottonischen Zeit ausweisen.
Rotbert starb am 19. Mai 956 an einer Seuche während eines Hoftages in Köln.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 209,306 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band II, Seite 270,274 - Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 - Hlawitschka, Eduard: Kontroverses aus dem Umfeld von König Heinrichs I. Gemahlin Mathilde, in Festschrift für Alfons Becker, Sigmaringen 1987, Seite 33-54 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 -
Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989 Seite 126,153,198,263 -