Liutbert                                                     Erzbischof von Mainz (863-889)
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    -17.2.889
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2039
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Liutbert, Erzbischof von Mainz 863-889
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* ?, + 17. Februar 889

Der vielleicht zur Sippe der HATTONEN zu zählende Reichenauer Mönch wurde Abt in Herredien und auf Betreiben König Ludwigs des Deutschen am 30. November 863 Erzbischof von Mainz. 864 erhielt er von Nikolaus I. das Pallium. Hervorstechend im Wirken des wegen seiner Gelehrsamkeit Hochgeschätzten ist die synodale Initiative (u.a. 867 Konzil in Mainz, 868 in Worms, 877 in Mainz). An den Kölner Synoden von 871 und 873 nahm er aktiv teil. Liutbert war besorgt um die Klosterzucht und versicherte sich der päpstlichen Zustimmung in Kampf gegen Gottesurteile. Seine reichspolitische Bedeutung beruht auf der seit der Erhebung zum Erzbischof bis zu seinem Tod anhaltenden Vermittlung zwischen den ostfränkischen KAROLINGERN und KARL DEN KAHLEN gegen König Lothar II. Die Eingliederung Lothringens in das Ostreich durch den Vertrag von Meersen wurde von ihm maßgeblich gefördert. Entscheidend war seine Mitwirkung als einer der Leiter der Reichsversammlung in Tribur 887, auf der KARL III. abgesetzt und das Königtum ARNULFS VON KÄRNTEN grundgelegt wurde, unter anderem durch Liutberts Parteiwechsel. Für die verfassungsgeschichtliche Stellung von Mainz ist die erstmals am 25. September 870 nachweisbare Würde des Erzbischofs als Erzkaplan bedeutend. Kloster Herrieden tauschte er 887 mit König ARNULF gegen Ellwangen; neben dem Erzbistum behielt er die Abteien Weißenburg und Stablo, die ihm König Ludwig der Deutsche übertragen hatte.

Quellen und Literatur:
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Reg. zur Gesch. der Mainzer Ebf.e, bearb. J. F. Böhmer-C. Will, I, 1877, XXVIf., 73-83, Nr. 1-67 - J. Bärmann, Zur Entstehung des Mainzer Erzkanzleramtes, ZRGGermAbt 75, 1958, 1-92, bres. 34f., 54ff., 65, 68-72 - H. Keller, Zum Sturz Karls III., DA 22, 1966, 333-384 - H. Büttner, Ebf. L. v. Mainz und die Rechtsstellung der Kl. (Landschaft und Gesch. [Fschr. F. Petri, 1970]), 104-115 - G. Althoff, Über die von Ebf. L. auf die Reichenau übersandten Namen, FMASt 14, 1980, 219-242 - H. Büttner, Mittelrhein und Hessen ... hg. A. Gerlich 33, 1989 [H. Büttner: 1-50, bes. 16ff.; 83-88].