Philipp I. von Heinsberg                            Erzbischof von Köln (1167-1191)
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1130-13.8.1191
          bei Neapel

Begraben: Köln, Dom (Gebeine)

Jüngerer Sohn des Grafen Goswin II. von Heinsberg und der Adelheid von Sommerschenburg, Tochter von Pfalzgraf Friedrich I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 2074
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Philipp I., Erzbischof von Köln 1167-1191
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     + 13. August 1191

Begraben: Köln, Dom (Gebeine)

Jüngster Sohn Goswins II. von Heinsberg und Valkenburg und Adelheids von Sommerschenburg

Ausbildung in den Stiftschulen von St. Andreas/Köln und Reims (Magister). Seiner engen Bindung an Rainald von Dassel verdankte er auch die Bestellung zum Leiter der Reichskanzlei (Januar 1167) und die Wahl zu dessen Nachfolger auf Wunsch FRIEDRICHS I. (Herbst 1167). Wegen seines großen diplomatischen Geschicks vertrauten ihm die staufischen Könige wichtige Missionen an: die Vermittlung im Streit zwischen Frankreich und England (1168), die Beendigung des Konflikts mit den Lombarden und den Papst (Anagni, Vertrag von 1176, Venedig, Frieden von 1177), den Abschluß eines englisch-staufischen Ehe- und politischen Bündnisses (1184), die Versöhnung zwischen Heinrich dem Löwen und HEINRICH VI. (1190) sowie die Sicherstellung von dessen Kaiserkrönung (1191). Andererseits stellte Philipp I. von Heinsberg die Weichen für die Ausbildung des Kölner Territoriums, durch Bau und Erwerb von Burgen und Landgütern, die Sicherung der westfälischen Grafschaften sowie die Erweiterung von erzbischöflichen Lehnshof und Ministerialität. Seine maßgebliche Beteiligung am Sturz Heinrichs des Löwen brachte seiner Kirche den ducatus Westfaliae et Angariae (April 1180) ein. Zur Durchsetzung seiner Kölner Landesherrschaft zwischen Maas und Weser veränderte er die lehnsrechtliche Basis seiner lothringischen und westfälischen Dukate durch eine landrechtliche Verankerung. Die Bestrebungen FRIEDRICHS I., der Kölner Machtballung durch einen Bündnisblock (Luxemburg, Namur, Hennegau) im Westen des Reiches entgegenzuwirken, trieben Philipp zeitweise (1184-1188) in Opposition zum Kaiser.

Quellen:
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F.W. Oefele, Reg. der Ebf.e v. Köln, I, 1954-1961, 162-286 - S. Weinfurter, Colonia (GAMS Ser. V/1), 1982, 38-40 - GP VII/1, 1986, 140-144

Literatur:
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DHGE XXIII, 842-845 - O. Engels, Die Stauferzeit (Rhein. Gesch. I/3, 1983), 225-237 - P. v. H. Ebf. und Reichskanzler (1167-1191), Stud. und Q., 1991 - S. Weinfurter, Ebf. P. v. Köln und der Sturz Heinrichs d. Löwen (Fschr. O. Engels, 1993), 455-481.


Philipp I. wurde Domdechant zu Köln, Dompropst zu Lüttich, 1167 Erzbischof von Köln, Erzkanzler für Italien als Nachfolger des Erzbischofs Rainald von Dassel. Er übernahm die nach Italien gerichtete Reichspolitik Kaiser FRIEDRICHS I. BARBAROSSA, zog mit ihm mehrmals nach Italien und machte 1176 die entscheidende Schlacht bei Legnano mit, durch die die kaiserliche Macht in Italien zusammenbrach. Er war ein bedeutender Territorialpolitiker, der im Kampf gegen Heinrich den Löwen von Sachsen-Bayern und Pfalzgraf Konrad bei Rhein den erzbischöflich-kölnischen Territorialstaat erst richtig begründete. Er machte den Reichskrieg gegen Heinrich den Löwen mit, gewann aus dessen Machtzusammenbruch das Herzogtum Westfalen (= Raum Werl-Arnsberg, Brilon, Soest, Medebach und Marsberg) mit bedeutenden Lehens- und Vogteirechten und trieb damit die erzbischöfliche Herrschaft bis an die Weser. Er baute Soest als östlichen Stützpunkt des Erzbistums aus, geriet zeitweise gegen BARBAROSSA, näherte sich Frankreich und schloß 1188 endgültig Frieden. Er vermittelte 1190 den welfisch-staufischen Frieden von Fulda, gewann unter anderem noch Linn, Dollendorf, Alten-Wied, Blankenberg, Wassenberg, Aremberg-Arberg, Alten-Ahr, Rheydt und Niedeggen. Hauptgegner der Erzbischöfe wurden in der Folgezeit die Grafen von Jülich und die von Berg, die das Erzbistum einklammerten. Er starb bei Neapel an einer Seuche.
 
 
 
 

Literatur:
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Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 200, 206,214,227,236,238 - Corsten, Severin/Gillessen, Leo: Philipp von Heinsberg 1167-1191. Erzbischof und Reichskanzler. Studien und Quellen Museumsschriften des Kreises Heinsberg 12, Heinsberg 1991 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 40,41,44, 45,46,51,60,68,69,83,86,87,102,108, 214 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 97,100,102,103,105,108,109 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 30,117, 120,124,127 A,134 A,136,145,185 A,186,190,193-195,197,259,312 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 118,120,123,172,188,191,193,195,200,202,207, 213,216,219,223,225 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 192,223,227,246,251,253,269,273,276,304,311,317 -