Hermann II.                                               Erzbischof von Köln (1036-1056)
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um 995-11.2.1056
 

Begraben: Köln Hildebold-Dom

Jüngerer Sohn des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen und der Mathilde, Tochter von Kaiser OTTO II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2163
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Hermann II., Erzbischof von Köln 1036-1056
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     + 11. Februar 1056

Begraben: Köln Hildebold-Dom

Sohn Pfalzgraf Ezzos von Lothringen und der Mathilde, Tochter Kaiser OTTOS II.

Die Bedeutung des bereits unter KONRAD II. als Kaplan, italienischer Kanzler und Teilnehmer am letzten Italienzug einflußreichen Propstes und Archidiakons der Kölner Kirche kulminierte unter HEINRICH III., wie zahlreiche Interventionen des Erzbischofs und Erzkanzlers für Italien, sein Einsatz für Wazo als Bischof von Lüttich, die Weihe der kaiserlichen Stiftung St. Simon und Judas in Goslar, die Taufe (1051) und Krönung HEINRICHS IV. (1054) wie auch seine und seiner Familie Königstreue beim Aufstand des oberlothringischen Herzogs Gottfried der Bärtige (1044-1049) erweisen. Als Erzbischof erhielt er von Leo IX. anläßlich eines Besuchs in Köln 1049 gegebene Versprechen 1052 (V 7) urkundlich bestätigt: Die Privilegierungen (auch als Erzkanzler des apostolischen Stuhls), nach neueren Forschungen zweifellos eine echte Dokumentation der Rechtsstellung der Kölner Kirche, entschieden auch über den Vorrang im Reichsepiskopat, unter anderem gegen Trierer Primatsansprüche.

Quellen:
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F.W. Oediger, Reg. der Ebf.e v. Köln, 1954-1961, 225-242 - Ser. episcoporum ... V/I, cur. St. Weinfurter-O. Engels,, 1982, 24f. - Regesta Pontificum Romanorum, GP VII/I, auct. Th Schieffer, 1986, 55-60

Literatur:
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NDB VIII 635 - D. Lück, Die Kölner Ebf.e H II. und Anno II. als Erzkanzler der röm. Kirche, ADipl. 16, 1970, 1-50 - F.W. Oediger, Gesch. des Ebm.s Köln I, 1972, 111-114 - H. Wolter (Stud. und Vorarbeiten zur GP VI, 1976), 101-151 - U. Lewald, Die Ezzonen, RhVjbll 43, 1979, 120-168 - O. Engels (Fschr. J. Kard. Höffner, 1986), 78-80.


Althoff Gerd: Seite 292
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                                 B 7

 Lü:     9.2.  Herimannus aps                  + 1056     Köln

Hermann stammte aus der Familie der EZZONEN (vgl. Schnitger, Die deutschen Bischöfe aus den Königssippen, Seite 142f.) und ist als der bedeutendste Ratgeber HEINRICHS III. einzustufen. Er wurde 1036 von KONRAD II. auf den Kölner Erzstuhl erhoben. Mehrere enge Vertraute dieses Herrschers finden sich im Lüneburger Necrolog und dokumentieren den Ausgleich der BILLUNGER mit dem ersten SALIER; siehe dazu obern Seite 123.
Allgemein zu Hermann siehe Oediger, Regesten der Erzbischöfe von Köln, Nr. 770-837; NDB 8, Seite 635 und FW B 189 mit weiteren Hinweisen.


Hermann II. wurde Erzkanzler für Italien und 1051 auch seines päpstlichen Schwagers Leo IX. Er wurde 1053 Vogt von Brauweiler, das er zusammen mit seinem Erbteil den Erzstift zuschlug. Er war eine Stütze der SALIER und der buchstäblich vornehmste aller deutschen Bischöfe. Mehrfach hat Kaiser HEINRICH III. den EZZONEN ganz ostentativ ausgezeichnet und vor dem Hintergrund gemeinsamer Abkunft von den OTTONEN mit den geistlichen Belangen seines Hauses befaßt. So kam ihm 1051 die Ehre zu, in Köln dem salischen Stammhalter HEINRICH IV. die Taufe zu spenden, wobei Abt Hugo von Cluny als Pate fungierte, und wenig später war es wiederum Hermann, der das Pfalzstift St. Simon und Juda zu Goslar, die Lieblingsgründung des Kaisers, einzuweihen hatte. Als er am 17. Juli 1054 in Aachen dem knapp 4-jährigen, aber bereits zum König gewählten HEINRICH IV. Salbung und Krönung erteilte, soll der Vater dies gegen Mainzer Einsprüche nicht nur mit der Lage Aachens in der Kölner Provinz, sondern auch mit Hermanns "erlauchter Herkunft" (claritas generis) gerechtfertigt haben.
Im Rheinland hatte das zur Folge, dass aus Ezzos Familie nur noch Erzbischof Hermann und seine Schwestern, nämlich die verwitwete Königin Richeza von Polen sowie 6 Äbtissinnen verschiedener Damenstifte und Nonnenklöster, übrig blieben; die herrschaftliche Position des Hauses schwächte sich in dem Maße, wie große Teile des Erbbesitzes an kirchliche Institutionen fielen. Insbesondere sorgte Hermann1051 für die Übereignung der Abtei Brauweiler an sein Kölner Erzstift und fügte ihr auch die strategisch wichtige Tomburg unweit der "Krönungsstraße" vom Mittelrhein nach Aachen hinzu. Beide Schenkungen, die durch eine Papsturkunde von 1052 eigens bekräftigt wurden, bildeten fortan eine wichtige Basis für das territoriale Ausgreifen der Kölner Erzbischöfe in die Voreifel.
Am folgenschwersten Vorgang der Regierung HEINRICHS III., dem Romzug von 1046/47 und der Durchsetzung des neuen Reformpapsttums, hatte Hermann von Köln trotz seines engen Verhältnisses zu dem SALIER keinen unmittelbaren Anteil, weil er, vermutlich aus Rücksicht auf die gespannte Lage in Lothringen, dem Unternehmen fern geblieben war. Gleichwohl ist seine Billigung dieser Entwicklung allein schon dadurch verbürgt, dass der in Sutri abgesetzte Gregor VI. nach Köln in Gewahrsam kam.

Trillmich Werner: Seite 362
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Da Erzbischof Pilgrims Nachfolger, der EZZONE Hermann, im Kölner Kapitel und in der königlichen Kapelle seit Jahren aufs engste mit ihm zusammengearbeitet hatte, konnte der neue Metropolit seine vielseitigen Amtsgeschäfte ohne Zeitverlust kontinuierlich fortsetzen.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 189,190,359
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien"

Wohl im Anschluß an den Ungarnfeldzug zog Erzbischof Hermann II. von Köln, der Erzkanzler für italienische Angelegenheiten, im Spätsommer des Jahres 1043 nach Rom. Dabei werden die Ehepläne des Königs Gegenstand seiner Verhandlungen mit dem Papst gewesen sein. Erzbischof Hermannwar mit den SALIERN verwandt und galt als einer der engsten Vertrauten HEINRICHS III.

Lewald Ursula: Seite 134
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"Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes"

Hermann, der jüngste Sohn, für den geistlichen Beruf erzogen, gehörte der Hofkapelle an und war bereits Archidiakon der Kölner Kirche und italienischer Kanzler, als er von KONRAD II. zum Erzbischof von Köln und zum Erzkanzler für Italien erhoben wurde. Seine claritas generis war dann auch später die Begründung dafür, dass HEINRICH III. seinen Sohn HEINRICH IV. nicht nur 1051 von Hermann taufen, sondern auch 1054 von ihm in Aachen krönen ließ. Das geschah freilich gegen den vergeblichen Widerspruch des Erzbischofs Liutpold von Mainz. Der Streit um das Krönungsrecht des Kölner, das diesem möglicherweise schon 1024 vom Papst verliehen, und von Leo IX. 1052 Erzbischof Hermann noch einmal bestätigt wurde, war damit endgültig zugunsten von Köln entschieden worden. Hermann "hat unter HEINRICH III. alle übrigen Bischöfe in den Schatten gestellt.... Er war ein enger, wenn nicht der engste Vertraute des Kaisers, ein Helfer, der ihm stets zur Verfügung stand"; nicht einmal zur Beerdigung des eigenen Bruders mochte der Kaiser ihn beurlauben, so unentbehrlich war er ihm.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 123,292 B 7 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 42,46,172, 285 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 1,5-9,405/Band III Seite 80,144,146,374,377,382,524 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 130,181 - Lewald Ursula: Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes. In: Rheinische Vierteljahresblätter 43,1979, Seite 134 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 362 -