Ratbod                                                      Bischof von Utrecht (899-917)
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vor 850-29.11.917
             Ootmarsum (Prov. Overijssel)

Begraben: Deventer, St. Lebuin
 

Sohn eines Lommatschgauer Grafen und einer Tochter des Grafen Gerulf des Älteren
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 386
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Radbod, Bischof von Utrecht 899-917
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     + 29. November 917
      Ootmarsum (Prov. Overijssel)

Begraben: Deventer, St. Lebuin

Aus vornehmer fränkischer Familie der Gegend von Namur, verwandt mit dem Friesen-Herzog Radbod (+ 719) und den 'HILDUINEN', Neffe des Erzbischofs Gunthar von Köln.
Zunächst in Köln unter der Obhut Gunthars erzogen, begab er sich nach dessen Absetzung (863) an die Hofschule KARLS DES KAHLEN, dessen Kapellan er wurde. Nach KARLS Tod (877) setzte er seine Studien wohl in St-Martin in Tours fort. 899 mit Zustimmung Kaiser ARNULFS zum Bischof von Utrecht gewählt und kurz danach geweiht, nahm er seinen Sitz nicht im von den Normannen zerstörten Utrecht, sondern (wie seine beiden Vorgänger) in Deventer. Auch nach dem Erwerb Lotharingiens durch den westfränkischen König Karl der Einfältige (911) erkannte er noch 914 den ostfränkischen König KONRAD I. an. 914/15 reiste er nach Rom, wo Johannes X. seinen Streit mit dem Grafen Meginhard schlichtete. Seinen Nachfolger Balderich hat Radbod selbst designiert. Literarisch sehr produktiv, verfasste er Werke religiösen und historischen Inhalts.

Quellen und Literatur:
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B. Ahlers, Die ältere Fassung der Vita R.i, 1976 - R. Grosse, Das Bm. Utrecht und seine Bf.e im 10. und frühen 11. Jh., 1987.


Jäckel Hugo: Seite 92
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"Die mittelfriesischen Grafen"

Als die Heimat Bischof Ratbods nennt die Vita den in dem Winkel zwischen Maas und Sambre liegenden Lommatschgau. Ein Graf dieses niederlothringischen Gaues wird sein Vater gewesen sein. Die Lommatschgauer Grafen walteten auch über den benachbarten Gauen und waren mit den mächtigsten Geschlechtern Lothringens, namentlich mit der Familie Reginars, verwandt. Mit dem späteren Bischof Stephan von Lüttich, einem Verwandten Matfrids und des westfränkischen Königs Karl des Einfältigen, zusammen besuchte Ratbod zu KARLS DES KAHLEN Zeit die westfränkische Hofschule, die damals von dem berühmten Manno geleitet wurde. Seine erste Ausbildung aber hatte Ratbod beim Bruder seiner Mutter, dem hoch gebildeten, in den Gedichten der Zeit gepriesenen Erzbischof Gunther von Köln (849-863) erhalten. Erst als dieser 863 abgesetzt wurde, begab er sich an den Hof KARLS DES KAHLEN. Ratbod ist also spätestens um 850 geboren. Da er nach einem mütterlichen Vorfahren genannt und für den geistlichen Stand bestimmt wurde, muss er ein jüngerer Sohn des Lommatschgauer Grafen gewesen sein. Dies nötigt uns, die Geburt seiner friesischen Mutter um das Jahr 830 hinaufzurücken. Bischof Ratbod wäre der Vetter des Grafen Waldger und der 839 genannte Gerulf der Großvater des Bischofs gewesen.
Wir hören von langwierigen Streitigkeiten Meginhards von Hamaland mit dem Utrechter Bischof Ratbod, der ja mütterlicherseits friesischer Abkunkt war. Der Streit verschärfte sich, als der unglückliche Bischof infolge der Verwüstung Utrechts durch die Normannen seinen Sitz nach Deventer, also mitten in Meginhards Grafschaft, verlegen musste, und nahm erst ein Ende, als Ratbod persönlich in Rom vor Johann X. (914-928) gegen die Angesandten Meginhards seine Sache führte und der Papst die Vermittlung zwischen dem Grafen und dem Bischof übernahm. Schon Dümmler hat den Streit zwischen Graf Meginhard und Bischof Ratbod mit der Ermordung Eberhards in Verbindung gebracht, sich aber über den Grund, warum der Utrechter Bischof Ratbod in den Streit zwischen Waldger und Meginhard hineingezogen wurde, nicht näher geäußert. Der Grund kann nur in der nahen Verwandtschaft Ratbods mit dem Mörder Eberhards gelegen haben, so dass sich Graf Meginhard, der die Ermordung seines Bruders an Waldgers Geschlecht zu rächen hatte, veranlasst fühlte, auch gegen Ratbod feindlich aufzutreten.