Bistum Speyer
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2095
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Speyer
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B. BISTUM UND HOCHSTIFT

I. GESCHICHTE

Abgesehen von dem 343 erwähnten Jesse beginnt die Reihe der Speyerer Bischöfe im frühen 7. Jh. Seine ersten geistigen und kulturellen Impulse hat das bis um 664/666 zum alemannischen, dann zum fränkischen Stammesgebiet gehörende Bistum (Patrozinium: Unserer lieben Frau und St. Stephan) offenbar von Metz her empfangen. Die Herausbildung des im Osten bis nach Backnang reichenden Diözesansprengels vollzog sich im 7. und 8. Jh. vor allem in Konkurrenz mit dem damals überlegenen Bistum Worms. Zur gleichen Zeit ist das im Entstehen begriffenen weltliche Herrschaftsgebiet mit Schenkungen und Privilegierungen seitens der merowingischen Könige im Speyergau zu fassen; die ersten Erwerbungen rechts des Rheins geschahen vielleicht schon in der frühen KAROLINGER-Zeit. Immunitätsrechte über die Stadt (969) und ihre Mark (989) wurden den Bischöfen durch OTTO I. und OTTO III. verliehen. Seit dem 8. Jh. erlebten Stadt und Bistum einen gravierenden Bedeutungsverlust, der erst mit der Entscheidung KONRADS II., sich in Speyer seine Grablege zu schaffen, und mit dem um 1025/29 begonnenen Dombau aufgefangen und ins Positive gewendet werden konnte. Unter HEINRICH III. und HEINRICH IV. erfolgte die großzügige Dotierung des nunmehr aufblühenden Bistums links (Grafschaft Lutramsforst, Deidesheim) und insbesondere rechts des Rheins (Grafschaft Forchheim, Bruchsal, Lußhardt, Rotenfels); folgerichtig sind die Speyerer Bischöfe im Investiturstreit als loyale Parteigänger HEINRICHS IV. hervorgetreten. Die bereits im späteren 10. Jh. gegründete Domschule erfreute sich in salischer und staufischer Zeit eines hohen Ansehens im Reich. Indes hat die weitere Entfaltung der bischöflichen Herrschaft seit ca. 1170 darunter gelitten, dass die STAUFER als Speyerer Hochstiftsvögte ihre eigenen Interessen verfolgten und bald auch der Konflikt mit der Bischofsstadt sich zuspitzte. Vom späteren 13. Jh. bis in den Ausgang des 14. Jh. erlebte das Bistum trotz einer Reihe territorialer Zugewinne wiederum eine kritische Periode, konnte sich aber schließlich mit neuer Residenz in Udenheim (heute Philippsburg) und eingebunden ins Satellitensystem der Kurpfalz neuerlich konsolidieren. Der von Bischof Johann Nix von Hoheneck (1459-1464) unternommene Versuch, das Hochstift aus der pfälzischen Umklammerung zu befreien, scheiterte 1462. Seinen Höhepunkt erlebte das enge Verhältnis zur Pfalz 1513-1529 mit dem Pontifikat des Pfalzgrafen Georg, sein Ende fand es bald darauf, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Reformation.

II. BISCHÖFE

Die Bischöfe waren bis um die Mitte des 8. Jh. in Personalunion Äbte der von Bischof Dragebodo gegründeten Partei Weißenburg. Während des hohen Mittelalters entstammten die dem altfreien Adel Schwabens und (Rhein-) Frankens; Bischof Johann (Kraichgau-Grafschaft, 1090-1104) war verwandt mit den Erzbischöfen von Köln und Magdeburg. Seit dem 13. Jh. rekrutierte sich der Speyerer Episkopat zunehmend aus dem Ministerialenadel der Nachbarschaft, Bischöfe aus altem Adel kommen aber noch im späten 14. Jh. vor. Vom Ende des 14. Jh. bis in die Mitte des 16. Jh. befand sich der Bischofsstuhl fest in der Hand einer kurpfälzischen Klientel aus Kreisen der Kraichgauer Ritterschaft; Matthias Ramung (1464-1478) stand der pfälzischen Kanzlei vor, war aber gleichwohl ein sehr energischer Oberhirte und Landesherr. Mehrfach bekleideten Speyerer Bischöfe das Amt eines königlichen Kanzlers: Ulrich von Dürrmenz (1161-1163), Konrad von Scharfenberg (1200-1224), Heinrich von Leiningen (1245-1272), Raban von Helmstatt (1396-1430/38); Gerhard von Ehrenberg (1336-1363), der bedeutendste Speyerer Bischof des 14. Jh., war ein entschiedener Parteigänger LUDWIGS DES BAYERN; Lambert von Born (1364-1371), davor Bischof von Brixen, danach Bischof von Straßburg und Bamberg) stand bei KARL IV. in hohem Ansehen.


Trillmich Werner: Seite 37
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Die auf römische Anfänge zurückgehenden Diözesen Worms und Speyer verfügten zwischen Rhein und Haardt nur über bescheidenen Grundbesitz, doch dürften ihnen die blühenden Kaufmanns- und Judengemeinden ihrer Residenzen erhebliche Einkünfte verschafft haben.
Die südlich an Worms angrenzende Diözese Speyer reichte bis ans Elsass und im Kraichgau bis zur schwäbischen Grenze. Die SALIER überließen dem Bischof Teile der eigenen Königspfalz samt der Verfügungsgewalt über den Kaufmannsort neben der Domburg. Beide umschloss seit 969 eine gemeinsame Mauer. HEINRICH II. bestätigte dem Hochstift Markt, Zoll und Münze. Speyerer Marktrecht erlangten auch Selz und Marbach. Aus der Domschule ging Bischof Walther (1004-1027) hervor, zu dessen literarischen Arbeiten eine lebendige Schilderung des damaligen Lehrbetriebs gehört. An den gelehrten Arbeiten der Wormser beteiligte er sich lebhaft.
 
 
 
 
Atanasius   610- 650 
Principius   650- 659 
Dragbodo   659- 700 
Otto   700- 709 
Siegwin I.   709- 725 
Luido   725- 743 
David   743- 760 
Basinus   760- 775 
Siegwin II.   775- 802 
Otto I.   802- 810 
Fraido   810- 814 
Benedict   814- 828 
Hertinus (Bertin)   828- 845 
Gebhard I.   845-04.12.880 
Gottdank   880- 898 
Eginhard (Einhard) I.   898-29.06.913 
Amalrich   913-07.05. 943 
Reginhard I.   943-13.10.959 
Gottfried I.   950-16.05.960 
Otgar   960-13.06.970 
Balderich   970-15.04.987 
Ruprecht   987-10.07.1004 
Walter  1004-03.12.1031 
Siegfried I.  1031-1032 
Reinher (Reginher)  1032-20.01.1033 
Reginhard II. von Dillingen  1033-13.10.1039 
Siegbodo I.  1039-16.02.1051 
Arnold I. von Falkenberg  1051-16.03.1056 
Konrad I.  1056-05.10.1060 
Eginhard II. von Katzenellenbogen  1060-23.02.1067 
Heinrich I. von Scharfeneck  1067-18.01.1073 
Rüdiger von Hußmann  1073-23.02.1090 
Johann I. von Kraichgau  1090-26.10.1104 
Gebhard II. Graf von Urach    + 1110  1105-1107 
Bruno Graf von Saarbrücken  1107-19.10.1123 
Arnold II. Graf von Leiningen  1124-02.10.1126 
Siegfried II. Graf von Wolfsölden  1127-03.08.1146 
Günther Graf von Henneberg  1146-16.08.1161 
Ulrich I. von Dürmenz  1161-26.12.1163 
Gottfried II.  1164-1167 
Rabodo Graf von Lobdaburg  1167-05.12.1176 
Konrad II.  1176-26.02.1178 
Ulrich II. von Rechberg  1178-28.06.1187 
Otto II. Graf von Henneberg  1187-03.03.1200 
Konrad III. von Scharfenberg  1200-24.02.1224
Beringer von Entringen  1224-29.11.1232 
Konrad IV. von Dahn  1233-24.12.1236 
Konrad V. Graf von Eberstein  1237-27.05.1245 
Heinrich II. Graf von Leiningen  1245-26.02.1272 
Friedrich von Bolanden  1272-28.01.1302 
Siegbodo II. von Lichtenberg  1302-12.01.1314
Emicho Graf von Leiningen  1314-20.04.1328 
Berthold Graf von Bucheck       1328 
Walram Graf von Veldenz  1328-28.08.1336 
Gerhard von Ehrenberg  1336-28.12.1363 
Lambert von Brun  1364-07.09.1371 
Adolf Graf von Nassau  1372-06.07.1390 
Nikolaus  1390-07.01.1396 
Rhabanus  1396-04.01.1438 
Reinhard  1438-19.03.1456 
Siegfried III. von Venningen  1456-02.09.1459 
Johann II. Rix von Hoheneck  1459-08.08.1464 
Matthias  1464-01.08.1478 
Ludwig  1478-24.08.1504 
Philipp I. von Rosenberg  1504-03.02.1513 
Georg Pfalzgraf bei Rhein  1513-27.09.1529 
Philipp II. von Flörsheim  1529-14.08.1552 
Rudolf von Frankenstein  1552-21.06.1560 
Marquard von Hartstein  1560-07.12.1581 
Eberhard von Dienheim  1581-10.10.1610 
Philipp Christoph von Sötern  1610-07.02.1652 
Lothar Friedrich von Metternich  1652-03.06.1675 
Johann Hugo von Orsbeck  1675-06.01.1711 
Heinrich Hartrard von Rollingem  1711-30.11.1719
Damian Hugo Graf von Schönburg  1719-20.08.1743 
Franz Christoph von Hutten zu Stolzenberg  1743-20.04.1770 
Damian August Philipp Graf von Limburg-Styrum  1770-26.02.1797 
Philipp Franz Wilderich Graf von Waldersdorf  1797-22.11.1802 
Sedisvakanz  1803-1818 
Matthäus von Candelle  1818-1826 
Johann Martin von Maul  1826-1835 
Peter Richarz  1835-1836
Johann von Geißel             + 1864  1836-1842 
Nikolaus Weiß  1842-1869 
Konrad Reither  1870-1871 
Daniel Bonifacius Haneberg  1872-1876 
Joseph Georg Ehrler  1878-1905