Bistum
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 914
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Münster
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I. BISTUM

Nach der Bischofsweihe Liudgers (805) wurden die räumlich getrennten Zentren seiner Mission, das Friesland und das Münsterland, zu einem selbständigen Bistum innerhalb des Kölner Metropolitanverbandes vereinigt. Schon vor dem 10. Jh. war ein umfassendes Pfarrsystem ausgebildet. Die ersten Bischöfe (Gerfrid, Altfrid) wahrten eine enge Verbindung zum liudgerianischen Hauskloster Werden. Ein Gegengewicht zum Bischof bildeten die von Adliger und königlicher Seite dotierten Kanonissenstifte Verden (um 838), Freckenhorst (um 856), Metelen und Borghorst (968). Bischof Dodo (+ 993) kam aus der Hofkapelle OTTOS I.; seine Nachfolger spielten unter SALIERN und STAUFERN eine wichtige Rolle in der Reichspolitik. Hermann I. empfing König HEINRICH III. 1040 und nahm an der Bischofsweihe Suitgers (Clemens II.) in Münster teil; Burchard ("der Rote") unterstützte HEINRICH V.; Hermann II. stand in Diensten FRIEDRICHS I. und HEINRICHS VI. und übte nach Heinrichs des Löwen Sturz als erster Bischof landesherrlicher Rechte aus.
Zwischen Rhein und Weser ansässige Adelshäuser stellten den Großteil der Bischöfe des 13. und 14. Jh. Sie bemühten sich um den Ausbau der Landesherrschaft zwischen Ems und Hünte, erwarben die Grafschaft Ravensberg und die Exklave Vechta (1252), eroberten Cloppenburg (1393) und bereiteten dadurch die Neugliederung der Diözese und die Teilung des Bistums in Hoch- und Niederstift (1559). Im 14. Jh. hatten sich die drei Landstände (Kapitel, Ritter, Städte), deren hauptsächlicher Tagungsort der Larbrock war, formiert; der auf Städteförderung durch Weichbildrechtsverleihung (vor allem Ahlen, Beckum, Telgte) beruhende Landesausbau fand unter Ludwig von Hessen seinen Abschluss. Der Botbarmachung des stiftischen Adels im 13. Jh. standen die Emanzipation des Landesvororters und die Rechte des Kapitels entgegen, so dass der Landesherr ab ca. 1250 die südliche Münster gelegene Burg Wolbeck zu seinem Vorzugssitz wählte. Die gegenseitigen Ansprüche der Landesstände wurden besonders im ersten Landesprivileg von 1309 geregelt. Die "Münstersche Stiftsfehde" (1450-1458) rückte Stadt und Bistum ins Zentrum mitteleuropäischer Konflikte. Hinter den Kandidaten Walram von Moers standen sein Bruder Erzbischof Dietrich von Köln sowie Jülich, Saarwerden, Bentheim, Lippe und der Papst; hinter dem Konkurrenten Erich von Hoya dessen Bruder "Junkher Johann", zahlreiche münstersche Ratmannen und Stiftsstände sowie Braunschweig-Lüneburg und Schaumburg. Im "Lamberti-Aufruhr" (17. September 1453) erzwang die Hoya-Partei einen Ratswechsel zugunsten zünftischer und bürgerlicher Repräsentation. Trotz der blutigen, für Moers erfolgreichen Schlacht von Varlar (18. Juli 1454) wurde die Fehde zugunsten eines  Kompromißkandidaten, des WITTELSBACHERS Johann von Simmern-Zweibrücken, entschieden. Der von Nikolaus von Kues vermittelte Vertrag von Kranenburg (23. Oktober 1457) beendete gleichermaßen die Großraumpläne der Häuser MOERS und HOYA stärkte die Position Kleves und dessen Einfluss auf Xanten und bestätigte eine Einflussnahme der Kurie auf Kurköln und Westfalen.


Trillmich Werner: Seite 67
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Die 804 errichteten, nicht sehr wohlhabenden Suffraganbistümer Münster, Osnabrück und Minden umfassten politische Randgebiete, in denen Adelsbesitz überwog. Sie erhielten selten Privilegien und Zuwendungen vom Reich. Kulturell tat sich keine der bischöflichen Schulen hervor.
Münster umfasste westfälische Gaue nördlich der Lippe von der lothringischen Grenze bis an den Oberlauf der Ems, dazu als Exklave die friesischen Marschengaue östlich der Lauwers. Die Klöster Nottula und Freckenhorst unterstanden adliger Herrschaft. Metelen und Borghorst gelangten unter den Schutz des Reiches. Vreden leitete seit 1014 die Äbtissin Adelheid von Quedlinburg, eine Schwester OTTOS III. Das Bistum verfügte außer dem Domstift nur über Liesborn. In ottonischer Zeit wurde die Bischofswürde zur Festigung des königlichen Einflusses ostfälischen Hofkapellanen anvertraut. Auf Dietrich von Arnsburg (1011-1022), den Vetter des Geschichtsschreibers Thietmar von Merseburg, folgte dessen Bruder Siegfried von Walbeck, der Abt des Klosters Berge.
 
 
 
Liudger   791-26.03.809 
Gerfrid   809-12.09.839 
Altfrid   839-22.04.849 
Luitbert   849-27.04.871 
Hodulf (Berthold)   872-22.03.875 
Wolfhelm   875-07.07.900 
Nidhard   900?-26.05.922 
Rumold   922?-19.06.941 
Hildebold   942?-17.11.967 
Liudolf (Dodo)   967-15.12.993 
Suitger (Sweder)   993-19.11.1011 
Dietrich I.  1011-23.01.1022 
Siegfried von Walbeck  1022-27.11.1032 
Hermann I.  1032-22.07.1042 
Rudbert von Greven  1042-16.11.1063 
Friedrich I. von Wettin  1064-18.04.1084 
Erfo  1085-09.11.1097 
Burkhard von Holte  1097-19.03.1118 
Dietrich II. von Zütphen  1118-28.02.1127 
Ekbert  1127-09.01.1132 
Werner  1132-01.12.1151 
Friedrich II. von Ahr  1152-31.12.1168 
Ludwig I. von Tecklenburg  1169-23.12.1173
Hermann II. von Katzenellenbogen  1174-09.06.1203 
Otto I. von Wildeshausen  1203-06.03.1218 
Dietrich III. von Isenburg  1218-18.07.1226 
Ludolf von Holte  1226-10.06.1247 
Otto II. zur Lippe  1247-21.06.1259 
Wilhelm I. von Holte  1259-27.12.1260 
Gerhard von der Mark  1261-11.08.1272 
Sedisvakanz  1272-1275 
Eberhard von Diest  1275-05.04.1301 
Otto III. von Rietberg  1301-18.10.1306 
Konrad I. von Berg  1306-1310 
Ludwig II. von Hessen  1310-18.08.1357
Adolf von der Mark  1357-02.06.1363 
Johann I. von Virneburg  1363-08.09.1364 
Florenz von Wewelinghofen  1364-07.11.1379
Johann II. Potho von Pothenstein  1379-29.01.1381
Heidenreich Wolf von Lüdinghausen  1381-09.04.1392
Otto IV. Graf von Hoya  1392-03.10.1424 
Heinrich I. von Mörs  1424-02.06.1450 
Walram von Mörs  1450-03.10.1456 
Johann von Hoya               Verweser  1450-23.10.1457 
Johann III. von Pfalz-Simmern  1457-1466 
Heinrich II. von Schwarzburg  1466-24.12.1496 
Konrad II. von Rietburg  1497-09.07.1508 
Erich I. von Sachsen-Lauenburg  1508-22.10.1522
Friedrich III. von Wied       + 1551  1522-22.03.1532 
Erich II. von Braunschweig-Grubenhagen  26.03.-14.05.1532 
Franz von Waldeck  1532-15.07.1553 
Wilhelm II. von Ketteler  1553-02.12.1557 
Bernhard von Räsfeld  1557-25.10.1566 
Johann IV. von Hoya  1566-05.04.1574 
Johann Wilhelm von Jülich-Kleve    + 1609  1574-08.05.1585 
Ernst von Bayern  1585-17.02.1612 
Ferdinand I. von Bayern  1612-13.09.1650 
Bernhard Christoph von Galen  1650-19.09.1678 
Ferdinand II. von Fürstenberg  1678-26.06.1683 
Maximilian Heinrich von Bayern  1683-03.06.1688
Friedrich Christian von Plettenberg-Leyhausen  1688-05.05.1706 
Franz Arnold Joseph Wolf von Metternich zu Gracht  1706-25.12.1718 
Clemens August von Bayern  1719-06.02.1761 
Maximilian Friedrich zu Königseck-Rothenfels  1761-15.04.1784 
Maximilian von Österreich  1784-27.07.1801 
Friedrich Wilhelm von Westphalen  Verweser  1784-1789 
Sedisvakanz  1801-1817 
Ferdinand von Lüningk  1817-1825 
Kaspar Maximilian von Droste-Vischering  1826-1846 
Georg Kellermann  1846-1847 
Johann Georg Müller  1847-1870 
Johann Bernhard Brinkmann  1870-1889
Hermann Dingelstad  1890-