Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 585
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Metz
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B. BISTUM
Die ersten Bischöfe (Clemens, Patiens, Felix)
wirkten seit dem Ende des 3. Jh. in Metz;
ihre Abfolge ist ununterbrochen. Nach Amtsträgern aus dem Senatorenadel
treten seit dem Ende des 6. Jh. Bischöfe von fränkischer Herkunft
auf. Der Episkopat des heiligen Arnulf (617-639) leitet die glanzvolle
Periode der Metzer Bischofsgeschichte ein.
Chrodegang (742-766), der als päpstlicher Vikar und führenden
Persönlichkeit der fränkischen Kirchenreform wirkte, erhielt
als erster Metzer Prälat
das erzbischöfliche Pallium. Sein Nachfolger Angilram
(768-791) war Erzkapellan KARLS DES GROSSEN;
es folgte eine etwa 20-jährige Sedisvakanz.
Drogo (822-855),
der auch Erzbischof war, fungierte als Erzkapellan der Hofkapelle der Kaiser
LUDWIG und
LOTHAR und als
päpstlicher Vikar; vor allem aber führte er das Metzer
Skriptorium zu höchster Blüte. Bischof Adventius krönte
869 KARL DEN KAHLEN in der Kathedrale.
Bischof Wala fiel 822 bei der Abwehr der Normannen in der Schlacht
bei Remich. Letzter Bischof, der die Würde eines Erzbischofs innehatte,
war Robert. Adalbero I. (929-964), aus großer lothringischer
Familie, wurde von den Metzern gegenüber
König HEINRICH I. durchgesetzt;
er förderte die monastische Bewegung. Gleiches gilt für seinen
Nachfolger Theoderich I. (965-984), der von OTTO
I. und Brun von Köln
eingesetzt wurde. Unter Theoderich und seinem Nachfolger Adalbero
II. (984-1005) wurden die Besitzgrundlagen der bischöflichen Machtstellung
geschaffen. Der Komplex der entstehenden Territorialherrschaft umfasste
einen großen Teil der Diözese selbst, insbesondere das wegen
seiner Salzgewinnung ertragreiche Saulnois (von Vic bis Dieuze), reichte
aber in die Täler von Mosel und Meuthe hinein, mit Ausläufern
bis ins Elsass (Neuwiller, Maursmünster), in den Wormsgau, im Norden
bis vor die Tore von Lüttich und nach St-Truiden (St-Trond), erstreckte
sich im Westen auf Gebiete des Maastales (Dugny, Commercy) und bis in die
Champagne. Theoderich II. (1006-1047) beteiligte sich an einer Koalition
seiner Familie gegen HEINRICH II. und
erlitt zwei Belagerungen. Adalbero III. von Luxemburg (1047-1072)
folgte Hermann (1073-1090), ein Anhänger Gregors VII. Das Bistum
Metz war ein umkämpfter Schauplatz des Investiturstreits. Seit
dem 12. Jh. entstammten die Bischöfe in der Regel den Fürstenhäusern
von LOTHRINGEN und BAR; ihre politisch-territorialen Aktivitäten
beschränkten sich zunehmend auf Stadt und Diözesanbereich. Der
Kölner Jurist Bertram (1180-1212), von FRIEDRICH
BARBAROSSA eingesetzt, versuchte noch einmal, die bischöfliche
Position gegenüber den erstarkenden städtischen Kräften
zu retten. Konrad von Scharfenberg (1212-1224), der zugleich das
Bischofsamt von Speyer ausübte, war als Kanzler
FRIEDRICHS II. in erster Linie mit der Reichspolitik befasst.
Der letzte Bischof, der die Vasallen der Metzer
Kirche zur Einhaltung ihrer Lehenspflicht nötigte, war
Jakob von Lothringen (1239-1260). In der folgenden Zeit standen
die Bischöfe unter der Autorität der päpstlichen Kurie,
die ihr Besetzungsrecht wahrnahm, wenn auch die politische Position von
Metz immer wieder zu Interventionen der großen weltlichen
Macht führte. Bedeutende Prälaten des Spätmittelalters waren
Theoderich und Conrad Bayer von Boppard und Georg von
Baden.
Trotz starker territorialer Verluste infolge von Entfremdungen
des Kirchenguts durch adlige Lehnsleute eines reichen geistlichen Fürstentums.
Seine etwa 200 großen Burgen fungierten als Mittelpunkte der in prevotes
gegliederten Verwaltung. Hauptzentren des Bistums waren im Süden Chaligny
und Epinal im Moseltal, Ramberviller und Moyen im Tal der Martagne, Deneuve
und Senones-Salm im Meurthetal, die Region von Vic im Saulnois sowie die
Umgebung der Bischofsstadt selbst. 1552 kam das Bistum
Metz unter die Herrschaft des Königreiches Frankreich und bildete
den Kern der ab 1648 als "Trois-Eveches" bezeichneten Territorialeinheit
des Ancien Regime.
Metz suchten die miteinander
rivalisierenden Linien des MITTELMOSEL-Geschlechts als Eigenbistum
zu behandeln. 984 usurpierte es Adalbero II. (984-1005), ein Bruder
Herzog Dietrichs von Bar, obwohl ihm durch Wahl Verdun zufallen sollte.
Seinen als Nachfolger vorgesehenen, unmündigen Neffen verdrängte
Dietrich II. von Luxemburg (1005-1046). Die theologischen Fähigkeiten
der baufreudigen Adelsbischöfe waren gering, doch zeigten sie sich
mönchischen Reformen aufgeschlossen. Außer ihrer Residenz und
der Grafschaft Metz gehörten ihnen große Teile des unteren Saargaus
mit Saarbrücken, Völklingen, Sierck sowie Forsten zwischen der
Seille, Nied und Mosel.
| Sigibald | 708- 740? |
| Chrodegang | 742- 766 |
| Angilram | 768- 791 |
| Gondulf + 824 | 819-07.09.822 |
| Drogo | 823-08.11.855 |
| Adventius | 858-31.08.875 |
| Wala | 876-12.04.882 |
| Robert I. | 883-02.01.916 |
| Wigerich | 917-19.02.927 |
| Benno + 940 | 927- 929 |
| Adalbero I. von Bar | 929-26.04.964 |
| Dietrich I. | 964-07.09.984 |
| Adalbero II. von Ober-Lothringen | 984-14.12.1005 |
| Dietrich II. von Luxemburg | 1006-30.04.1047 |
| Adalbero III. von Luxemburg | 1047-13.11.1072 |
| Hermann | 1073-04.05.1090 |
| Bruno von Calw | 1088-1089 |
| Burkhard | 1090 |
| Poppo von Burgund | 1090-1103 |
| Adalbero IV. | 1090-1117 |
| Theotger | 1118-29.04.1120 |
| Stephan von Bar | 1120-29.12.1163 |
| Dietrich III. von Bar | 1164-08.08.1171 |
| Friedrich von Pluyvoise + 1179 | 1171-1173 |
| Dietrich IV. von Lothringen | 1173-1179 |
| Bertram | 1180-06.04.1212 |
| Konrad I. von Scharfeneck | 1212-12.12.1224 |
| Johann I. von Aspremont | 1224-10.12.1238 |
| Jakob von Lothringen | 1239-24.10.1260 |
| Philipp von Lothringen-Florenges + 1297 | 1261-1264 |
| Wilhelm von Traisnel | 1264-04.01.1269 |
| Lorenz von Leistenberg | 1270-1279 |
| Johann II. von Flandern | 1280-31.10.1282 |
| Burkhard von Avesnes-Hennegau | 1282-29.11.1296 |
| Gerhard von Rehlingen | 1297-30.06.1302 |
| Reginald von Bar | 1302-1316 |
| Heinrich I. Dauphin von Viennois | 1316-24.11.1324 |
| Ludwig I. von Poitiers-Valentinois | 1325-1327 |
| Ademar von Monteil | 1327-12.05.1361 |
| Johann III. von Vienne | 1361-1365 |
| Dietrich V. Bayer von Boppard | 1365-18.01.1384 |
| Peter von Luxemburg | 1384-02.07.1387 |
| Rudolf von Coucy + 1424 | 1388-1415 |
| Konrad II. Bayer von Boppard | 1416-20.04.1459 |
| Georg von Baden | 1459-11.10.1484 |
| Heinrich II. von Lothringen-Vaudemont | 1484-28.10.1505 |
| Johann IV. von Lothringen | 1505-19.05.1550 |
| Karl I. von Lothringen-Guise | 1550-18.05.1551 |
| Robert II. von Lenoncourt + 1562 | 1551-25.09.1553 |
| Franz von Beauguerre de Peguillon + 1591 | 1555-1568 |
| Ludwig II. von Lothringen-Guise | 1568-28.03.1578 |
| Karl II. von Lothringen | 1578-24.11.1607 |
| Annas von Perusse d'Escars | 1608-19.04.1612 |
| Heinrich III. von Verneuil + 28.5.1682 | 1612-1652 |