Wilhelm von Savoyen                                Bischof von Lüttich (1238-1239)
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    -3.10.1239 ermordet
     Viterbo

Jüngerer Sohn des Grafen Thomas I. von Savoyen und der Beatrix von Genf, Tochter von Graf Wilhelm I.

Thiele Andreas: Tafel 222
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

Wilhelm
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Wurde Dekan von Vienne, 1224/25 Bischof von Valence, obwohl auch weltlich-martialisch, 1235 Elekt von Lyon, aber päpstlich nicht bestätigt. Er ging 1237-1238 nach England und hoffte auf das Bistum Winchester. Durch die Vermittlung seines Bruders, Thomas II. von Flandern, wurde er 1238 als päpstlicher Kandidat Bischof von Lüttich. Wilhelm geriet in heftige Stiftswirren und wurde vergiftet.



Hellmann S.: Seite 126-132,143
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"Die Grafen von Savoyen" (1900)

Der dritte im Bunde war Wilhelm, erst Dekan von Vienne, dann seit 1225 Erwählter von Valence (an der Mündung der Isere in die Rhone), der allerdings selbst keine Forderungen erhob, jedoch mehrfach an Aimos und Peters Seite auftritt; für den ersteren vermittelte er 1233 den Frieden mit Landerich von Sitten und war in Peters Ehevertrag und der damit zusammenhängenden Erbfolgebestimmung seines Schwiegervaters neben Aimo zum Schiedsrichter in verschiedenen wichtigen Punkten ausersehen. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß Peters Verbindung mit Aimo von Faucigny durch Wilhelms Vermittlung zu Stande kam, da diesen mit Aimo ein gemeinsamer Gegensatz zu dem alten Feinde des Bistums Valence, dem Grafen Aimar von Valentinois verknüpfte.
Wir wissen nur, dass Wilhelm von Valence die Braut, seine Nichte Margarete von Provence, nach Sens begleitete, wo am 27. Mai 1234 die Hochzeit mit Ludwig dem Heiligen stattfand. Seine damalige Stellung zu seinem ältesten Bruder läßt immerhin wenigstens der Vermutung Raum, dass er auf eigene Faust und vielleicht sogar in einem gewissen Gegensatz zu Amadeus IV. handelte.
Heinrich III. von England bat am 22. Juni 1235 Amadeus und Wilhelm von Valence in gleichlautenden Schreiben, welche auf die traditionelle Freundschaft der Häuser PLANTAGENET und SAVOYEN hinzuweisen nicht verfehlten, ihren Einfluß bei ihrem Schwager Raimund Berengar IV. von Provence dahin geltend zu machen, dass Eleonore einstweilen nicht anderweitig verheiratet würde. Die Verhandlungen zogen sich dann noch den ganzen Sommer hin, bis am 10. Oktober Heinrich an Raimund Berengar, dessen Gemahlin und ihre beiden Brüder die Nachricht gelangen lassen konnte, dass er zur Heirat entschlossen sei. Die Braut begab sich dann in Begleitung Wilhelms, der abermals die Rolle des einflußreichen Oheims übernahm, nach England, wo im Januar 1236 die Hochzeit und Krönung stattfand, eine Verbindung, die für das savoyische Haus von der höchsten Bedeutung werden sollte, da der schwache König bald seinen Schwägern ungebührlichen Einfluß auf seine Person und die Geschäfte des Reiches einräumte.
Wilhelm erschien 1235 im kaiserlichen Hoflager. Wenige Jahre vorher hatte FRIEDRICH II. den erbitterten Gegner seines Stiftes, den Grafen von Valentinois, zur Bezahlung einer Entschädigungssumme von 8.000 Mark an das Bistum verurteilt. Jetzt vermochte Wilhelm nicht einmal die Erteilung der Ritterwürde an seinen Bruder Amadeus durchzusetzen, der durch ihn beim Kaiser nachsuchen ließ.
Wilhelm hatte es sich mittlerweile angelegen sein lassen, aus seinen verwandtschaftlichen Beziehungen zum englischen und französischen Hof Nutzen zu ziehen. Im Jahre 1237 erschien er zum großen Mißvergnügen der Engländer bei Heinrich III., der ihn zu seinem ersten Ratgeber machte und ihn mit Schätzen überhäufte; er und seine Günstlinge, von denen besonders Peter von Aigueblanche, der 1240 Bischof von Hereford wurden, eine Rolle spielte, und später in noch höherem Maße sein Bruder Thomas, erregten durch ihre Skrupellosigkeit, mit welcher sie das königliche Vertrauen für sich ausnützen, den Haß der ohnehin durch die Bevorzugung Fremder in ihrem Nationalstolz gekränkten Engländer. Der Aufenthalt Wilhelms in England war nur durch einen Besuch bei seiner Nichte in Frankreich unterbrochen, der, wenn man der boshaften Versicherung des Matthaeus von Paris Glauben schenken darf, durch Ludwig den Heiligen eine Abkürzung erfuhr, worauf Wilhelm, nachdem er in der Heimat seine von Heinrich III. erbettelten Schätze in Sicherheit gebracht hatte, abermals nach England zurückkehrte. Versuche des Königs, ihm das Bistum Winchester zu verschaffen, scheiterten einstweilen am Widerstand der dortigen Klostergeistlichkeit. Ersatz schien sich ihm nunmehr in Lüttich zu bieten. Wilhelm war bei der Kurie zweifelsohne gut angeschrieben; schon im Jahre 1236 hatte ihm Gregor IX. für sein von schwerer Schuldenlast gedrücktes Stift, die ihn übrigens nicht abgehalten hatte, Amadeus IV. ein Darlehen von 1.100 Pfund zu gewähren, eine in den Erzbistümern Lyon und Vienne und dem Legationsbezirk des Bischofs von Tournai zu erhebende Beisteuer von 10.000 Pfund bewilligt. Allein trotz der empfehlenden Briefe des Kardinaldiakon Otto von S. Nikolaus, scheint Wilhelm bei der am 25. Juni vorgenommenen Bischofswahl in Lüttich nur auf eine Minorität gebracht zu haben. Wilhelm ist zunächst mit einer von König HEINRICH FRIEDRICH II. zur Verfügung gestellten englischen Hilfsschar zum kaiserlichen Heere abgegangen, in dessen Reihen er sich vor Brescia so tapfer hervortat. FRIEDRICH entschied sich in Brescia für den ebenfalls eingetroffenen und gewählten Propst Otto von Aachen und verlieh ihm die Regalien. Indessen war Wilhelm mit dem Kaiser nach der Aufhebung der Belagerung von Brescia nach Cremona gegangen, wo ihm dieser, um ihn für den Verlust von Lüttich zu entschädigen, ein Privileg FRIEDRICHS I. für sein Bistum Valence bestätigte und erweiterte. Allein Wilhelm ließ sich damit nicht abfinden, verließ das Hoflager und begab sich nach Rom, um dort persönlich seine Sache zu betreiben. In dieser Zeit bedeutete dieser Schritt einen Bruch mit dem Kaiser. Am 29. Mai zeigte Gregor IX. dem Kapitel von Lüttich an, daß er Wilhelm bestätigt habe. Nach einer Angabe des Matthaeus von Paris hätte der Papst ihm auch das Bistum Winchester übertragen und überhaupt daran gedacht, ihn in dem gegen den Kaiser bevorstehenden Kriege zu seinem Feldobersten zu machen, wozu ihn persönliche Anlagen und verwandtschaftliche Verbindungen hervorragend befähigt hätten. Allein dieser Plan, wenn er überhaupt bestand, kam nicht zur Ausführung; auf er Rückreise von Rom, die er in Begleitung des Erzbischofs Konrad von Köln angetreten hatte, starb Wilhelm am 1. November 1239 plötzlich in Viterbo, wie anfänglich vermutet wurde, an Gift, bis der englische Magister Laurentius, auf den der Verdacht gefallen war, seine Unschuld bewies.