Theuderich II.                                            Frankenkönig von Burgund (596-613)
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587- nach 23.8.613 ermordet
       Metz

Sohn des Franken-Königs Childebert II. und der Faileuba
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 687
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Theuderich II., merowingischer König
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* 587, + 612/13

Nach dem Tod Childeberts II. 596 führte zunächst dessen Mutter Brunichild die Regentschaft in Austroburgund; bei der anschließenden Teilung unter ihre Enkel Theuderich II. und Theudebert II. erhielt Theuderich II. Frankoburgund (Residenz: Chalon-sur-Saone), erweitert um Teile Austrasiens (Saintois, Elsaß, Thurgau); dieser Zugewinn schürte die Rivalität der Brüder. 600 besiegten sie noch gemeinsam den neustrischen König Chlothar II., der auf 12 Gaue beschränkt wurde; ein Zug gegen die Basken und die Errichtung eines Grenzherzogtums als Schutzwehr war ihre letzte gemeinsame Aktion. Nur knapp konnte 605 ein Bruderkrieg vermieden werden. Bei einem Treffen in der elsässischen Pfalz Selz 610 zwang der mit einem Heer erschienene Theudebert den Theuderich II. zur Rückgabe der austrasischen Gebiete, geriet aber 611 in einen Krige mit den (von Brunichild und Theuderich aufgehetzten?) Avaren. Darauf ging Theuderich II. zum Angriff über, erfocht zwei Siege bei Toul und Zülpich, zog in Köln ein und ließ den gefangenen Bruder und dessen Söhne töten. Vor dem Entscheidungskampf mit Chlothar II. "hauchte" der erst 25-jährige Theuderich II. "in seinen Sünden sein ungerechtes Leben aus und starb" (Lib. hist. Fr. 39).

Quellen:
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Fredeg. IV., 16-39 - Lib. hist. Fr. 37-39 (MGH SRM II) - Ionas, Vita Columbiani I, 18-29 (MGH SRG 37) -

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz, 1952, Nr. 9, 687-692 (= Ders., Spätantikes ud frk. Gallien, I, 1976, 145-150) - Ders., Die Merowinger und das Frankenreich, 1993², 48-52. -


Theuderich II. erbte 596 das Königreich Burgund unter der Vormundschaft seiner Großmutter Brunhilde. Er verlor das Elsaß an den Bruder, schloß 596 einen "Ewigen Frieden" mit den Langobarden und verzichtete auf Tribute. Ab 603 verfolgte Brunhilde von Burgund aus mit Eifer ihre Reichseinigungspläne gegen die Adelsinteressen. Er wurde durch die Ermordung seines Bruders 612 König von Austrasien und besiegte im gleichen Jahr bei Zülpich die Sachsen und Thüringer, die sich vom Tribut befreien wollten. Er verjagte Columban nach Italien und wurde 613 mit der gesamten Familie umgebracht. Die westgotische Prinzessin Herminberga, mit der er sich 606 vermählte, schickte er ein Jahr später unberührt, aber ihrer Schätze beraubt, ihrem Vater Witterich zurück.

Ewig Eugen:
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"Die Merowinger"

Theudebert und Theuderich, die beiden Söhne Childeberts II., standen beim Tod des Vaters im Alter von 10 und 9 Jahren. Theuderich war von Bischof Veranus von Chalon sur Saone aus der Taufe gehoben worden. So dürfte schon zu Lebzeiten König Gunthrams Theuderich zum Nachfolger im frankoburgundischen Teilreich bestimmt worden sein. Die Großmutter Brunichild scheint jedoch zunächst die Regentschaft für beide unmündige Enkel geführt zu haben. Vordringliche Aufgabe der Regierung war die Abwehr der Awaren, die nach dem Aufstand der Warnen in Thüringen eingefallen waren. Der Feldzug verlief nicht glücklich, und die Regentin mußte den Abzug der Eindringlinge erkaufen. Die Autorität Brunichilds war geschwächt, und so wurde wohl im Zusammenhang mit diesem Mißerfolg die vorprogrammierte Reichsteilung vollzogen. Der Hof Theuderichs II. wurde in der burgundischen Stadt Chalon sur Saone eingerichtet, die unter Gunthram Orleans als vornehmste Königsstadt des frankoburgundischen Reiches abgelöst hatte. Man beachtete im großen und ganzen die traditionellen Grenzen der beiden Teilreiche. Das moselländische Saintois, das  Elsaß und der Thurgau (Zürich) wurden indessen vom austrasischen Reich abgelöst und Theuderich II. zugeteilt. Die Großmutter Brunichild residierte zunächst in Metz, siedelte aber dann zu dem von ihr bevorzugten Enkel Theuderich über.
Die Feindschaft gegenüber der neustrischen Linie stärkte in dem ersten Jahren die Solidarität der Höfe von Metz und Chalon. Die neustrischen Franken hatten die mit dem Herrscherwechsel in Austroburgund verbundene erste Verwirrung genutzt, um die einst Chilperich unterstehenden civitates nördlich der Loire, darunter Paris, zu besetzen. Das Blatt wandte sich jedoch nach dem Tod der Königin-Mutter Fredegund im Jahr 597. Die Enkel Brunichilds errangen im Jahr 600 einen entscheidende Sieg über den nur wenig älteren Chlothar II. bei Dormelles (südlich von Montereau). Das Reich Chlothars wurde nach dieser neustrischen Niederlage reduziert auf einige Gaue um Rouen, Beauvais und Amiens.
Die Könige von Metz und Chalon zogen anschließend zu Feld gegen die Basken, die in die Novempopulana (die künftige Gascogne) eingefallen waren. Sie richteten 602 ein Grenzherzogtum  zwischen Garonne und Pyrenäen ein. Dies war ihre letzte gemeinsame Aktion.
Die Zuteilung des Saintois, des Elsasses und des Thurgaus an Theuderich II. scheint die Hauptursache der nun immer deutlicher werdende Rivalität zwischen den Enkeln Brunichilds gewesen zu sein. In einem 604 neu ausbrechenden Konflikt zwischen Theuderich II. und Chlothar II. blieb Theudebert neutral. Ein Krieg zwischen den beiden Brüdern wurde 605 nur mit knapper Not verhindert. Theudebert sah sich nach Verbündeten um. Er nahm Verbindung zu Chlothar, zu den Langobarden und den Westgoten auf, die Theuderich 607 durch den Bruch seiner Verlobung mit einer gotischen Prinzessin brüskiert hatte. 610 trafen sich die Brüder zu einer Konferenz in der elsässischen Pfalz Selz. Theudebert war mit einem Heer erschienen und forderte von Theuderich ultimativ die Rückgabe der umstrittenen Gebiete. Der frankoburgundische König sah sich zur Herausgabe gezwungen, wartete aber nur auf eine Gelegenheit, die Sache wiederaufzunehmen. 611 wurde Theudebert in einen neuen Krieg mit den Awaren verwickelt, die angeblich von Brunichild und Theuderich gegen ihn aufgehetzt worden waren. Theuderich versicherte sich der Neutralität Chlothars und ging 612 zur Offensive über. Er schlug die Austrasier zuerst bei Toul, dann bei Zülpich. Die Frankoburgunder hielten nach diesen Siegen Einzug in Köln. Theudebert II. und seine Söhne gerieten in Gefangenschaft und wurden getötet. Chlothar verlangte nun den Preis für seine Neutralität, wurde aber abgewiesen. In diesem Augenblick nahm das Familiendrama eine unerwartete Wendung: auf der Höhe seines Triumphes starb der siegreiche Theuderich zu Metz im Alter von 25 Jahren.

Schneider Reinhard: Seite 131,133-138
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Weitere drei Jahre nach Guntrams Tod schon starb 596 (nach dem 28. März und vor Juli 596) Childebert II. Sein Reich bzw. seines Reiche Austrasien und Burgund fielen an seine Söhne. Der ältere von beiden war Theudebert II., der nach Angaben des Liber Historiae Francorum einer kirchlich nicht anerkannten Verbindung entstammte, weshalb seine Großmutter den "legitim" geborenen Halbbruder Theuderich II. bevorzugt habe. Für Gregor von Tours war diese Herkunftsfrage kaum interessant, statt dessen berichtet er, wie groß Childeberts Freude einst gewesen war, als ihm dieser Sohn offenbar in Trier geboren und duch den dortigen Bischof Magnerich getauft wurde. In Theudebert II. hatte man zunächst Childeberts Nachfolger gesehen. Theuderich II. war ein gutes Jahr jünger, ein Sohn der Königin Faileuba. Jetzt erhielt er nach des Vaters Tod das um einige Gebiete erweiterte Königreich Burgund, während Theudeberts Anteil Austrasien war.
Unberührt von diesen Erwägungen ist allerdings die Frage, ob und in welcher Weise über die unmündigen Söhne Childeberts, die jetzigen Könige von Austrasien und Burgund, eine Regentschaft ausgeübt wurde. Faktische Bedeutung kam gewiß ihrer Großmutter Brunhilde zu, formell scheint sie nicht zur Regentin bestellt worden zu sein. Brunhildes Einfluß wird sich aber auf Theuderich beschränkt haben, den sie recht einseitig begünstigt zu haben scheint. Im Gegensatz zur Erhebung manch anderer minderjähriger Könige ist auch über eine Regentschaft des Adels bzw. einzelner Adliger nichts überliefert, de facto wird der Einfluß der burgundischen und austrasischen Großen einer Regentschaft ganz zweifellos entsprochen haben. Die mindestens rechtstheoretisch interessante Frage, ob die Teilung des Childebert-Reiches sich im Rahmen der brüderlichen Erbengemeinschaft gehalten habe, ob also eine samtherrschaftliche Komponente auf brüdergemeinschaftlicher Basis zu erkennen ist, läßt sich relativ leicht verneinen. Das ergeben die bereits angeführte Erhebung Theudeberts in Austrasien schon zu Lebzeiten Childeberts II. und die starke politische Selbständigkeit dieses Königreiches. Für die spätere Phase der Beziehungen zwischen beiden Brüdern muß erwähnt werden, daß sich ihr Streit vornehmlich an beiderseitigen Grenzforderungen entzündet zu haben scheint, was gewiß auf scharfe und frühzeitige Grenzziehungen ohne übergreifende Samtherrschaftsaspekte schließen läßt.
Nach langem Einvernehmen beider königlichen Brüder kam es nämlich 611 zu einem Bündnis Chlothars II. mit Theuderich, der gegen seinen Bruder Theudebert den Krieg mit der Behauptung propagierte, Theudebert sei kein Sohn Childeberts. Im Verlauf der beabsichtigten kriegerischen Auseinandersetzungen wurde Theudebert bei Zülpich und Toul geschlagen und fiel in die Hand seines Bruders Theuderich. Da Brunhilde ihren Enkel endgültig hatte fallen lassen, wurde der besiegte Theudebert seiner königlichen Gewänder, seines Pferdes und königlichen Sattelzeuges beraubt, was seinen Herrschaftsverlust sinnfällig dokumentierte.Theudebert wurde geschoren, in ein Kloster gesteckt und bald darauf umgebracht [Bei Beginn des Bruderzwistes soll Jonas Theudebert II. geraten, auf eine Königsherrschaft zu verzichten und in ein Kloster zu gehen.]. Weil Theuderich auch des Bruders noch ganz kleinen Sohn Merowech umbringen ließ, stand seinem Königtum in Austrasien nichts mehr im Wege, was die Quellen auch lakonisch vermerken. Wie Theuderichs förmliche Bestellung als König in seines Bruders Reich vollzog, ist unbekannt. Aus dem Liber historiae Francorum verlautet immerhin, daß die Bevölkerung der terra Riboariense sich Theuderichs schreckenbringender Gewalt unterwarf und um Schonung für Land und Leute bat. Ist der Bericht auch zum Teil verwirrt und nicht in allen Zügen glaubhaft, so dürften diejenigen Angaben im wesentlichen korrekt sein, die von Unterwerfung des populus, der Auslieferung von Theudeberts Schätzen an Theuderich und von Huldigungseiden der Franci seniores (in der Kölner St. Gereons-Basilika) wissen.
Kurze Zeit nach seines Bruders Tod starb Theuderich II. 613 (nach dem 23. August) bei einem Feldzug gegen Chlothar II. in Metz. Sein Heer löste sich auf und zog nach Hause, während Brunhilde mit vier Söhnen Theuderichs, ihren Urenkeln, in Metz blieb.
 
 
 
 

  606
  oo Herminaberga, Tochter des Westgoten-Königs Witterich
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Kinder:

  Childebert
  603-   613 ermordet

  Corvus
         -   613 ermordet
        (Säugling)

  Sigibert II. König von Austrasien (613)
  602-   613 ermordet

  Merowech
  607-   613 ermordet
       (Kleinkind)
 
 
 
 

Literatur:
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Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 273 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 135,420,429,430,433 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 51 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 48,50-52,93,96,101,104,112, 119,122,124,126,140,174 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 96, 158 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 221 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hirsemann Stuttgart 1986, Seite 62,66,70,87,126 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 110,125,131,133-138,220 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 344,357 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 12 -
 
 
 
 


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