Sigibert II.                                                 Frankenkönig
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602-   613 (nach 23.8.)
 

Ältester Sohn des Franken-Königs Theuderich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1884
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Sigibert II., merowingischer König
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* 601/02, + 613

Im letzten Akt des blutigen merowingischen Familiendramas besiegte Brunichilds Enkel, der frankoburgundische König Theuderich II., 612 seinen Bruder Theudebert II. von Austrasien und ließ ihn und seine Söhne töten; bereits im folgenden Jahr starb er selbst. Brunichild ließ seinen ältesten Sohn Sigibert II. zum König erheben, der sich nicht nur des vorrückenden Chlothar II. und der ihn unterstützenden Austrasier, sondern auch der wachsenden Opposition in Frankoburgund zu erwehren hatte. Der Versuch, im mainfränkischen Thüringen Verstärkung zu gewinnen, scheiterte (unter anderem am Verrat seines Hausmeiers Warnachar); das gegen Chlothar mobilisierte Heer löste sich kampflos auf. Sigibert II. und zwei seiner Brüder wurden gefangengenommen (der dritte entfloh). Chlothar ließ Brunichild und ihre Urenkel mit Ausnahme seines Patenkindes Merowech grausam töten.

Quellen:
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Fredegar IV, 21, 3942 (MGH SRM II)

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-561), AAMz 1952, Nr. 9, 692, 715 (= Ders., Spätantikes und frk. Gallien, I, 1976, 150,170) – Ders., Die Merowinger und das Frankenreich, 1993, 51f.


Ewig Eugen:
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„Die Merowinger“

Nach dem Tode seines Vaters handelte Brunichild rasch. Sie ließ ihren Urenkel Sigibert II., den ältesten Sohn Theuderichs, zum König erheben. Aber die Austrasier gingen zu Chlothar II. über. Die aristokratische Opposition regte sich bald sogar in den Reihen der Frankoburgunder. Das gegen Chlothar mobilisierte Heer löste sich ohne zu kämpfen in Chalon sur Marne auf. Brunichild wurde in Orbe (beim See von Neuchatel) vom frankoburgundischen Hausmeier festgenommen und Chlothar ausgeliefert. Die düstere dynastische Tragödie nahm ein schreckliches Ende. Chlothar ließ die alte Königin, der er die Schuld an allen seit 575 begangenen Bluttaten aufbürdete, in grausamer Weise vierteilen. Er verschonte von der Familie Theuderichs nur sein Patenkind Merowech.

Schneider Reinhard: Seite 137,222
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Kurz nach seines Bruders Tod starb Theuderich II. 613 (nach dem 23. August) bei einem Feldzug gegen Chlothar II. in Metz. Sein Heer löste sich auf und zog nach Hause, während Brunhilde mit vier Söhnen Theuderichs, ihren Urenkeln, in Metz blieb. Der sog. Fredegar gebraucht bei dieser Nachricht das Partizip (Mettis) resedens, was andeutet, daß Brunhilde versuchte, Theuderichs Hof und Erbe zu verwalten. Überraschenderweise bemühte sich die Königin, ihren ältesten Urenkel Sigibert in des Vaters Königsherrschaft einzusetzen, das heißt den ältesten Bruder einseitig zu bevorzugen. Ganz sicher stand hinter diesem Vorgehen die realere Einschätzung der Möglichkeiten, da Theuderichs Erbe kaum zu vierteln war. Andererseits hätte mindestens der Plan einer Teilung in Austrasien und Burgund auch nahegelegen. Immerhin aber gab es wiederholt und in der Folge weitere Ansätze zu einer erbrechtlichen Bevorzugung des Ältesten in der prinzipiell Gleichberechtigt gedachten Erbengemeinschaft der Söhne, Ansätze zu einer Bevorzugung, die offenbar weit über eine sogenannte organschaftsrechtliche Sonderrolle des ältesten Bruders in der Brüdergemeinschaft hinausging. Zweckmäßigkeit, politisches Kalkül und vorgeformter rechtlicher Ansatz werden folglich bei Brunhildes Versuch ineinandergreifende Motive gewesen sein. Mögliche Zweifel, ob Brunhildes Bemühen erfolgreich war (Sigybertum in regnum patris instituere nitens), lassen sich leicht zerstreuen. Sigibert II. wurde tatsächlich König (613, nach dem 23. August). Als solcher trat er auch wenig später an der Spitze seines Heeres dem ihn bedrändgenden Chlothar II. entgegen. Wenn also Brunhilde bei der Regelung der austrasischen Herrschaftsnachfolge für ihren Enkel Theuderich II. sich sowohl mit der Sohnesfolge Sigiberts II. als auch seiner alleinigen Bevorzugung durchzusetzen vermochte, die entscheidende Machtfrage aber ließ sich von der Königin nicht in zufriedenstellender Weise lösen. Auf Betreiben der austrasischen Großen kam Chlothar II. nach Austrasien und bezog sich in seinen Gesandtschaften an Brunhilde ganz eindeutig auf das Interesse der Großen.
Vergebens waren Brunhildes Hinweise auf den Erbanspruch ihrer Urenkel, denen Theuderich II. sein regnum hinterlassen hatte erfolglos auch ihr Angebot, sich selbst zurückzuziehen und den Urenkeln das väterliche Erbe zu überlassen - was gewiß eine Regentschaft durch Austrasiens und Burgunds Adel bedeutet hätte. Denn um beide alten regna ging es nach Theuderichs Tod, und beide übernahm Chlothar II., nachdem er Brunhilde und ihre Urenkel mit Ausnahme seines Patenkindes Merowech und des entkommenen Childerbert hatte umbringen lassen.
In Wettis Vita Galli wird berichtet, König Sigibert II. (+ 613) sei mit der Alamannen-Herzogs Tochter Fridiburga verlobt gewesen und habe ihr für die Hochzeit vestem regalem et coronam rüsten lassen.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 433,437, 439 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 51 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 51,117 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 98 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 32 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 221 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986, Seite 68,126 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 12 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 137,222 -
 
 
 
 
 


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