Chlodwig (III.)                                           Frankenkönig
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Angeblicher Sohn des Franken-Königs Chlothar III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1869
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Chlodwig (III.), angeblicher MEROWINGER
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Nach der Ermordung Childerichs II. 675, der die merowingischen Teilreiche noch einmal für kurze Zeit vereinigt hatte, brach völlige Anarchie aus. Die Partei des Bischofs Leodegar von Autun bemächtigte sich des nach St-Denis verbannten Bruders Childerichs, Theuderich III., und setzte ihn wieder zum König im Westen ein. Dessen ehemaliger Hausmeier Ebroin entkam ebenfalls dem Kloster (Luxeuil), wich nach Austrien aus und proklamierte kurzerhand einen Knaben, einen angeblichen Sohn Chlothars III., unter dem Namen Chlodwig zum König. Durch Verbreitung der Falschmeldung vom Tod Theuderichs III. und gewaltsame Druckmittel verstärkte Ebroin seinen neustrischen Anhang und fiel ins Westreich ein. Derweil rief im Osten eine andere Gruppe um Wulfoald den während des 'Staatsstreichs' Grimoald nach Irland verbrachten Dagobert II. zurück. Nach seinem endgültigen Sieg im Westen (Gewinnung Theuderichs III.) Ließ Ebroin den "rex quem falsum fecit" (Passio Leudegarii I, 28) wieder fallen (noch 676) und beendete damit die Episode vom falschen Chlodwig, die in den Chroniken überhaupt nicht erwähnt wird.

Quellen:
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Passio Leudegarii ep. Augustodunensis I, 16-28 (MGH SRM V) -

Literatur:
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L. Dupraz, Contribution a l'hist. du regnum Francorum pendant le trouisieme quart du VII s. (656-680), 1948, 362-368 - E. Ewig, Die frk. Teilreiche im 7. Jh., TZ 22, 1953, 128f. (Ders., Spätantikes und frk. Gallien I, Francia-Beih. 371, 1976, 215f.) - J. Fischer, Der Hausmeier Ebroin, 1954, 146-157.


Schneider, Reinhard: Seite 167
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"Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter"

An Theuderichs III. Erhebung hatte sich Ebroin nicht beteiligt trotz anfänglicher simulierter Treue geegnüber seinem Favoriten von 673. Nachdem er Theuderichs Anhänger verlassen hatte, vollzog er den Bruch mit seinem erzwungenen Mönchtum, holte seine eigne Frau aus einem anderen Kloster und brachte in einem Handstreich den neustrisch-burgundischen Staatsschatz an sich, um eigene Anhänhger daraus zu entlohnen. Ebroins weiteres Vorgehen zeichnet sich durch ähnliche Planmäßigkeit aus: Bei den zahllosen Gewaltzügen durch fränkische Gebiete wurde ein kleiner Junge aufgegriffen, den die jetzt einsetzende Propaganda fälschlich als leiblichen Sohn Chlothars III. ausgab. Dieser puerolus Chlodwig (III.) wurde in die austrische Champagne mitgenommen und zum König erhoben. Für die Erhebung sammelten Ebroin und seine Anhänger eine große Menge. Die zahlenmäßige Größe der den König erhebenden Versammlung sollte ihre qualitative Schwäche überspielen und dem Erhebungsakt vollen konstitutiven Charakter verleihen. Wirksamer war die Gewaltanwendung, mit der die Unterwerfung unter des falschen Chlodwigs Königsherrschaft betrieben wurde.
Gewaltsam wie die Erhebung des falschen Chlodwig wurden auch der Herrschafstantritt und die Herrschaftsausübung praktiziert. Enteignungen und Totschlag verschafften den praecepta "in nomine sui regis" den erforderlichen Respekt und der von der Propaganda gelieferten These, Theuderich III. sei schon tot und Chlodwig (III.) Chlothars Sohn, den gewünschten Glauben. An diesem propagandistischen Aufwand, der von zahlreichen eidlichen Versicherungen gestützt werden mußte, zeigt sich unter anderem sehr deutlich, daß Chlodwigs (III.) Königtrum nicht als ein typisches Gegenkönigtum gegen Theuderich aufgefaßt werden sollte, wie ja überhaupt das das Phänomen des echten Gegenkönigtums in der merowingischen Geschichte eine Rarität darstellt.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 370 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 166,170,201 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter, Seite 165,167 -
 
 
 
 
 
 


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