Basine                                                        Nonne in der Abtei Poitiers ab 580
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Tochter des Franken-Königs Chilperich I. von Neustrien aus seiner 1. Ehe mit der Audovera
 

Ennen Edith: Seite 53-55
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"Frauen im Mittelalter"

Nach dem Tod der Radegundis brach in ihrem Kloster Hader und Zwietracht aus. Zwei merowingische Prinzessinnen, Chrodechildis, eine Tochter Chariberts, und Basina, eine Tochter Chilperichs, waren in das Heiligkreuzkloster eingetreten, Basina unfreiwillig. Zur Nonne waren beide ungeeignet; vor allem Chrodechilde in ihrer ungezügelten barbarischen Wildheit, durchdrungen vom Stolz auf ihr MEROWINGER-Blut. Sie entfesselte nach dem Tod der Radegundis einen wahren Aufruhr gegen die Äbtissin Leubowera, die aus adligem, aber nicht aus königlichem Geschlecht war. Sie verführte ihre Cousine Basina und 40 Nonnen mitzumachen; sie mußten ihr schwören, Leubowera zu vertreiben. Chrodechilde und ihr Anhang zogen aus dem Kloster Ste. Croix aus nach St. Hilaire, sie widersetzten sich gewalttätig bischöflicher Vorladung und allen Zurechtweisungen. Der Streit schwelte lange, bis es zur Eskalation kam. Gregor hat die Schlußphase wieder farbenreich geschildert (X. Buch, Kap. 15,16): "Das Ärgernis aber, das in dem Kloster zu Poitiers aus der Saat des Teufels erwachsen war, erhob sich täglich zu größerem Übel; denn nachdem Chrdechilde... Mörder, Giftmischer, Hurer, Landflüchtige und Verbrecher anderer Art um sich gesammelt hatte und zum Aufruhr bereit saß, gab sie jenen Leuten Befehl, bei Nacht in das Kloster einzubrechen und die Äbtissin mit Gewalt fortzuschleppen. Diese hörte aber den herankommenden Aufruhr und verlangte, man solle sie zu der Lade des heiligen Kreuzes tragen - denn sie litt an Gichtschmerzen -, damit sie durch dessen Beistand geschützt würde. Als aber die Männer einbrachen, zündeten sie eine Kerze an und liefen mit ihren Waffen überall in dem Kloster umher und suchten die Äbtissin. Da sie aber in die Kapelle kamen, fanden sie sie vor dem Schrein des heiligen Kreuzes am Boden liegen. Und einer von ihnen, der noch schlimmer war als die übrigen, machte sich schon bereit, die Greueltat zu begehen, um die Äbtissin mit einem Schwerte zu zerhauen, als eina anderer ihn, ich glaube mit Beistand der göttlichen Vorsehung, mit seiner Klinge durchbohrte. Da das Blut hervorströmte und er zu Boden stürzte, konnte er den Vorsatz nicht ausführen, den er in seinem verruchten Sinne gefaßt hatte. Inzwischen bedeckten die Pröpstin Justina" - sie war eine Nichte Gregors; seine Informationen stammen also direkt aus dem Kloster, kommen aber von einer Partei - "und die andern Schwestern die Äbtissin mit der Decke des Altares, der vor dem jeiligen Kreuz stand, und löschten die Kerze aus. Aber jene kamen mit gezückten Schwertern und lanzen, zerrissen ihr das Kleid, zerfleischten den Nonnen beinahe die Hände und ergriffen die Pröpstin, da es dunkel war, anstelel der Äbtissin ..." Schließlich brachte diese Räuberhorde die Äbtissin - die Pröpstin ließen sie los, als sie ihren Irrtum erkannten - in Haft und plünderten das Kloster aus. Der Aufstand griff weiter um sich, so daß der König schließlich eine Bischofskonferenz einberief, die diese Untaten durch kirchenrechtliche Strafen abstellen sollte. Es nahm übrigens auch der Bischof Eberegisel von Köln daran teil, so weite Kreise zog diese Geschichte. Die Bischöfe verlangten zunächst, daß der Aufruhr durch den zuständigen Amtsträger des Königs, den Grafen Macco von Poitiers, unterdrückt würde. Chrodechilde trat den Leuten des Grafen mit dem Kreuz des Herrn, "dessen Wunderkraft sie früher verachtet hatte", entgegen mit den Worten: "Braucht, ich erfordere euch, keine Gewalt gegen mich, die ich eine Königin bin, eines Königs Tochter und die Base eines anderen Königs; tut es nicht, es möchte sonst einst die Zeit kommen, da ich mich an euch räche." Der Aufstand wurde aber mit roher Gewalt unterdrückt. Die Äbtissin wurde vor dem bischöflichen Gericht unter anderen Anklagen, die sie zurückweisen konnte, vorgeworfen, sie habe am Brett mit Würfeln gespielt, weltliche Personen hätten mit ihr geschmaust, ja es sei sogar eine Verlobung in dem Kloster gefeiert worden; ferner habe sie sich unterstanden, ihrer Nichte von einer schwerseidenen Altardecke Kleider machen zu lassen, die goldenen Blättchen, welche am Saume der Decke gewesen seien, abzuschneiden, auch habe sie dieser Nichte aus Prunksucht eine mit Gold verzierte Kopfbinde anfertigen lassen ... Die Äbtissin antwortete in Bezug auf das Brettspiel, wenn sie bei Lebzeiten der heiligen Radegunde gespielt habe, so treffe sie deshalb geringere Schuld, auch verböten weder die Regel noch die Kirchengesetze ausdrücklich das Spiel. Aber auf den Befehl der Bischöfe hin versprach sie, willig und reuig die Buße zu leisten, die ihr auferlegt würde. Was die Schmausereien beträfe, sagte sie, so habe sie keine neue Sitte im Kloster eingeführt, sondern es so gehalten, wie es zu Zeiten der heiligen Radegunde üblich gewesen, sie habe christlich gesinnten gläubigen Personen geweihtes Brot verabreicht, die sogenannten Eulogien, daß sie selbst mit ihnen jemals geschmaust habe, könne man ihr nicht nachweisen. Wegen der angeführten Verlobung gab sie an, sie habe in Gegenwart des Bischofs, der Geistlichkeit und angesehner Leute den Brautschatz für ihre Nichte, die eine Waise sei, empfangen - das bedeutet, daß sie als "Muntwalt" der Nichte tätig geworden ist - erklärte aber, wenn dies ein Vergehen sei, so wolle sie vor allen um Verzeihung bitten; aber ein Gelage habe sie auch dabei im Kloster nicht angestellt. "...wegen der Altardecke ... stellte sie eine Nonne von edler Geburt als Zeugin, daß diese ihr einen schwerseidenen Überhang, den sie von ihren Eltern mitgebracht, zum Geschenk gegeben habe, davon habe sie ein Stück abgeschnitten, um es nach ihrem Belieben zu verwenden; von dem übrigen habe sie, soviel dazu erforderlich ewesens ei, als Decke zum würdigen Schmuck des Altares verwendet, den Rest aber ... ihrer Nichte als Purpurbesatz an das Kleid gemacht; wegen der goldenen Blättchen der mit Gold verzeirten Stirnbinde stellte sie den Grafen von Poitiers als Zeugen, daß sie durch ihn von dem Bräutigam der Nichte 20 Goldgulden empfangen habe, davon habe sie dies bestritten ..." Daraufhin wurde sie mit einer väterlichen Ermahnung bedacht. Das Gericht der Bischöfe schloß hingegen Chrodechilde und Basina aus der Kirchengemeinschaft aus. Basina bereute, Chrodechilde blieb uneinsichtig; auf Bitten des Königs wurden sie aber wieder in die Kirchenmgemeinschaft aufgenommen, Basina kehrte ins Kloster zurück, Chrodechilde wurde ein ihr seinerzeit vom König geschenkter Hof zum Aufenthalt angewiesen.
 
 
 
 
 
 
 
 


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