Konrad Kurzbold                                     Graf im Nieder-Lahngau
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ca 885/90-30.6.948
 

Sohn des 902 gefallenen KONRADINERS Eberhard von Niederlahngau
 

Konrad Kurzbold war klein und von großer Kampfestüchtigkeit, weshalb er auch "neuer David" genannt wurde. Am 10.2.910 wurde ihm in Frankfurt auf Verwendung des Erzbischofs Hatto und des Grafen Konrad der Königshof Brechen verliehen zur Ausstattung der Kirche, die er zu Limburg an der Lahn in seiner Grafschaft bauen wollte. Er stand treu zu den OTTONEN und gemeinsam mit seinem Vetter Udo von der Wetterau schlug er im Auftrage Hermanns von Schwaben am 2.10.939 die aufständischen Herzöge Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen bei Andernach vernichtend. Konrad gründete das Stift Limburg an der Lahn und legte den Grundstein zum Dom.
Er hinterließ keine Erben.

Althoff Gerd: Seite 403
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen"

                                              G 75

Lü:    5.7.    Conradus com    + 948? Konrad 'Kurzbold'

Als Todestag Konrads 'Kurzbolds' bezeugen die Fuldaer Totenannalen die 2. Kalenden des Juli (30.6.).
In den von ihm gegründeten Stift Limburg wurde seine Memorie in der 1. Juliwoche feierlich begangen; vgl. Struck, Die Stiftsgründungen der Konradiner, S. 37.
Es liegt also nahe, den Merseburger Eintrag auf den KONRADINER zu beziehen. Konrad war ein Vertrauter HEINRICHS I. und unter OTTOS DEM GROSSEN maßgeblich an der Niederschlagung des Aufstandes der Herzöge Giselbert und Eberhard beteiligt; vgl. Köpke-Dümmler, Otto der Große, S. 92 und 170 mit Anm. 3; FW G 64 mit weiteren Hinweisen.
Der Identifizierungsvorschlag Dümmlers (S. 255) bezieht sich auf einen am 26.4.982 verstorbenen, sonst unbekannten Grafen dieses Namens; vgl. FW G 65.



Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Seite 92,100,170
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"Kaiser Otto der Große"

Bei dem Strauß um Belecke (Gefangennahme des Königsbruders Heinrich) fiel Gebhard, Udos Sohn, ein Neffe des Herzogs Hermann von Schwaben, wodurch letzterer, gleichfalls schon schwankend, zum Heile für OTTO zu um so festerer Anhänglichkeit an die königliche Sache vermocht ward. Ebenso natürlich Graf Udo von der Wetterau und vom Rheingau selbst, und beider Vetter Graf Konrad vom Nieder-Lahngau, genannt Kurzbold, dem wir schon im vorhergehenden Jahre in dem Rate des Königs begegnen.
Bei Andernach hatten die beiden Herzoge den Rhein überschritten, zunächst wohl um die Gaue ihrer Gegner, Konrads und Udos, den Nieder-Lahngau, Rheingau und die Wetterau, zu verwüsten, doch sollen sie sogar den frevelhaften Plan gehegt haben, den König selbst gefangen zu nehmen. Mit einer kleinen Schar zogen die Grafen Udo und Konrad, Eberhards Vettern, den Spuren der Plünderer nach. Von einem Priester erfuhren sie, dass die Herzoge das Heer mit der reichen Beute bereits über den Rhein gesandt hätten, sie selbst aber nähmen im Kreise weniger Begleiter noch diesseits des Stromes ein Mahl ein. Udo und Konrad eilten in fliegender Hast dem bezeichneten Orte zu und fanden ihre Feinde, wie eine spätere Sage will, bei dem Brettspiele. Nach hartnäckigem Kampfe erlag Eberhard dem Schwerte, von vielen Wunden durchbohrt, sein Gefolge wurde teils niedergehauen, teils gefangengenommen. Giselbert warf sich mit seinen Begleitern in einen Kahn, der unter der allzu schweren Last der Fliehenden umschlug und sie alle in die Fluten versenkte. Nach einer anderen Erzählung stürzte sich Giselbert mit seinem Rosse in den Strom und ertrank fortgerissen von dem Strudel der Wellen.
Einen schmerzlichen Verlust, der sich dem Konrads anschloß, brachte ihm dasselbe durch den Tod des Grafen Udo von der Wetterau, seines Freundes, eines der Männer, deren ausharrender Treue er vornehmlich den schwer errungenen Sieg des Jahres 939 zu verdanken hatte. Einen besonderen Beweis seiner Gunst gewährte ihm der König durch die Erlaubnis, seine Lehen und Grafschaften unter seine Söhne zu teilen, als ob es erbliche Eigengüter gewesen wären.

Holtzmann Robert: Seite 117,123,130
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"

Aber es ging nicht alles so, wie die Empörer wollten. Es war dem Herzog Eberhard von Franken gelungen, auch ein jüngeres Mitglied seines Hauses auf seine Seite zu ziehen, Gebhard, einen Sohn des rheinfränkischen Grafen Udo (der ein Bruder Hermanns von Schwaben und mithin ein Vetter Eberhards war). Dieser Gebhard ist im Kampf um Belecke gefallen, und das schien den anderen KONRADINERN, Hermann, Udound ihrem Vetter Konrad Kurzbold, ein Gottesgericht, so daß sie um so fester auf der Seite des Königs aushielten.
Gegen die Feinde schickte der König den treuen Herzog Hermann mit schwäbischen Truppen nach Norden, und zwei Grafen dieses Hauses, Hermanns Bruder Udo und sein Vetter Konrad Kurzbold, Vettern auch des Franken-Herzogs, haben am 2. Oktober 939 den entscheidenden Sieg am Rhein, gegenüber von Andernach, davon getragen. Eberhard und Giselbert waren bereits über den Strom gekommen, ihr Heer war am Beutemachen, ein großer Teil der Truppen schaffte den Raub auf das andere Ufer, da wurden die Herzöge von den beiden Grafen überrascht und völlig geschlagen. Eberhard ist im Kampf gefallen, Giselbert auf der Flucht im Rhein ertrunken. Diese Schlacht hat den König gerettet. Und Widukind betonte später in seinem Geschichtswerk: die Trennung der KONRADINER von der Sache Eberhards sei nach Gottes alles bedenkender Anordnung geschehen. Konrad Kurzbold wurde ein Held der Sage. Viel wird von ihm gesungen und gesagt, so berichtet ein Jahrhundert später der Mönch Ekkehard IV. von St. Gallen, einen slawischen Prahlhans von riesigem Wuchse hat der kleine Mann einmal als ein neuer David niedergestreckt, und einen Löwen, der sich einst auf ihn und den König stürzen wollte, hat er sofort allein getötet, noch ehe der König Zeit hatte, das Schwert zu ziehen, gegen Weiber und Äpfel aber empfand er von natur einen solchen Widerwillen, daß er nirgends bleiben wollte, wo er etwas von ihnen fand.

Limburg an der Lahn (Stadtführer)
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Wohl 821 wurde der Niederlahngau erstmals urkundlich erwähnt. Sitz dieser Grafschaft war Limburg. Für 832 ist der Regent des Niederlahngaus, Graf Gebhard aus dem Geschlecht der KONRADINER zum ersten Mal gesichert. Wie sein Urenkel später, Graf Konrad Kurzbold, gehörte Gebhard zu den kaisertreuen Reichsgrafen. Von Konrad Kurzbold hören wir zuerst 910, als König Ludwig das Kind ihm den Fronhof Brechen mit allem Zubehör schenkte und gestattete, diese Schenkung für die Kirche zu verwenden, die Konrad "in monte quodem Lintburk vocato", also auf dem Berg namens Lintburk erbauen wollte. 936 bestieg OTTO I. den Kaiserthron, drei Jahre später kam es zu einem Aufstand der Herzöge Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen. Er konnte in der Schlacht bei Andernach mit Unterstützung Konrad Kurzbolds niedergeschlagen werden. Als Gegenleistung für die Hilfe erhielt Konrad am 20. August 940 von OTTO I. ein Gut für das "in loco Lintburc" erbaute Georgenstift. Ob mit dem Wort "loco" = Ort ausgesagt ist, daß bei der Burg nun eine kleine Siedlung bestand, läßt sich nicht genau nachweisen.
Im Jahre 948 starb Konrad Kurzbold. Mit seinem Bruder (?) und Nachfolger Eberhard erlosch 966 das Geschlecht der KONRADINER.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 49,85 - Barth Rüdiger E.: Der Herzog in Lotharingien im 10. Jahrhundert. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990 Seite 114 Anm. 47,170 - Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes  Nolte OHG Saarbrücken 1969 Seite 51 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 117,123 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 129 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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