Sohn des Grafen Hugo im Einrichgau aus dem Hause
der KONRADINER und der Tietswindis,
Tochter von NN ; Bruder des Erzbischofs Heribert von Köln
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2087
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Heinrich I., Bischof von Würzburg
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+ 14. November 1018
Aus edelfreien rheinfränkischen Geschlecht, das neuerdings mit den KONRADINERN identifiziert wird.
Bruder:
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Erzbischof Heribert von Köln
Neffen:
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Heribert und Gezemann, Bischöfe von Eichstätt
Wohl von König OTTO III. ernannt, begleitete er diesen auf seinem Zug nach Rom, wo er vielleicht am 24. Mai 996 zum Bischof geweiht wurde. Nach OTTOS III. Tod wirkte er für die Wahl HEINRICHS II. zum König. Das gute Verhältnis zwischen beiden wurde getrübt durch die Gründung des Bistums Bamberg 1007. Nach Beilegung des Konfliktes nahm Heinrich I. an HEINRICHS Romzug (1013/14) und Kaiserkrönung teil. Durch reiche Schenkungen erhielt der Bischof von ihm nicht nur Grund und Boden, sondern auch wichtige Hoheitsrechte, mit denen er die Fundamente für das Würzburger Territorium legte. In der Stadt Würzburg, deren Ummauerung ihm zugeschrieben wird, gründete er die Kollegiatstifte Haug (um 1000) und St. Stephan (um 1024; später Abtei). Die eigenkirchlichen Rechte über die Klöster innerhalb des Bistums, in denen er die Gorzer Reform förderte, festigte er mit Hilfe kaiserlicher Bestätigungen. Heinrich I. gilt als einer der bedeutendsten Würzburger Bischöfe.
Literatur:
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NDB VIII, 404f. - P. Schöffel, Herbipolis Sacra,
1948 - A. Wendehorst, Das Bm. Würzburg I (GS NF I), 1962, 74-88 -
H. Müller, Heribert, Kanzler Ottos III. ..., 197, 41-97 - W. Schich,
Würzburg im MA, 1977
Görich Knut: Seite 134-136
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"Otto III."
Zum Nachfolger des Würzburger Bischofs Bernward wurde
995 Heriberts Bruder
Heinrich erhoben,
nachdem
OTTO III. zunächst Heribert
selbst
für das Amt vorgesehen, dieser sich jedoch für
Heinrich
eingesetzt hatte. Heribert von Köln und die Bischöfe von
Konstanz, Worms und Würzburg sowie Abt Erkanbald von Fulda unterstützten
den Kaiser innerhalb weniger Jahre mehrfach im Süden. Dieser besonderen
Belastung entsprach auch eine besondere Förderung:
Heinrich von Würzburg
erhielt umfangreiche Schenkungen,
darunter die Grafschaften Waldsassen und Rangau. Auf dem Januar-Konzil
999 in Rom waren von den deutschen Bischöfen nur Lambert von Konstanz
und der von OTTO III. hochgeschätzte
Bischof
Heinrich I. von Würzburg
anwesend.
Heinrich von Würzburg,
vor seiner Erhebung zum Bischof Mitglied der Hofkapelle, gehörte zu
den Bischöfen, die mit ihrem Aufgebot in Anmarsch waren und sich in
der Nähe von Lucca befanden, als sie dort kurz nach dem 24. Januar
1002 die Nachricht vom Tod OTTOS III.
erhielten.
Finckenstein von Finck: Seite 154-156
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"Bischof und Reich"
Von wünschenswerter Durchschaubarkeit ist dann aber
die Herkunft von Bischof Heinrich I. (995/96-1018),
den die Vita Erzbischof Heriberts von Köln des italienischen
Kanzlers OTTOS II. als dessen Bruder
ausweist. Vater dieses Brüderpaares war Hugo in dicta urbe
Germaniae (Worms) multo celebris nomine, wahrscheinlich also ein Franke.
Die Mutter Tietswindis stammte alto Alemanniae... a sanguine. Ein
Bruder der Bischöfe war Gezemannus, wahrscheinlich Graf im Werngau,
ein weiterer der marchio Reginmarus und Neffen vielleicht die als cognati
Heriberts
genannten Bischöfe Heribert und Gezemann von Eichstätt.
Über den Werdegang Bischof
Heinrichs ist nichts bekannt, immerhin möglich, daß
er wie sein Bruder
Heribert im lothringischen Kloster Gorze und
bei Bischof Hildebald von Worms seine Ausbildung erhielt. Wahrscheinlich
ist auch seine Zugehörigkeit zur Hofkapelle, da schon eine Urkunde
vom September 996, also zu Beginn seiner Amtszeit, von seinem frequens
et devotum servitium für den König spricht.
Der Vita Heriberts zufolge soll der König
für das durch den Tod Bernwards vakant gewordene Bistum zunächst
seinen italienischen Kanzler Heribert als Bischof ausersehen haben.
Dieser habe jedoch abgelehnt und die Wahl auf seinen jüngeren Bruder
Heinrich
gelenkt.
Bischof Heinrich I.,
den Wendehorst sicher zurecht zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bischöfen
Würzburgs rechnet, hat in der Reichspolitik OTTOS
III. und HEINRICHS II. eine
sehr wesentliche Rolle gespielt, ist also nicht durch Verwandtschaft, sondern
durch Königsdienst ein Mann größter Königsnähe
gewesen. Nach Ausweis der Quellen hat der Bischof mehrfach, sowohl in Deutschland
als auch in Italien, mehrere Monate in der Umgebung OTTOS
III. geweilt, weshalb er zusammen mit seinem Bruder Heribert
zu den Anhängern der Reichs- und Rompolitik gerechnet wird.
Auch zu HEINRICH II. ist
der Bischof, im Gegensatz zu Heribert, sogleich in nahe Beziehung
getreten, die wahrscheinlich schon aus dessen Zeit als Herzog von Bayern
herrührte, daHeinrichfür
den Kaplan des Herzogs Tagino, den späteren Erzbischof von Magdeburg
interveniert und umgekehrt der Bayern-Herzog dreimal zugunsten des Würzburger
Bischofs interveniert hatte. Dieses Vertrauensverhältnis des Bischofs
zu HEINRICH II. erfuhr dann eine Trübung
durch die Gründung Bambergs 1007, die zunächst zwar Würzburger
Interessen nur auf geistlichem Gebiet berührte, der Ausdehnung des
Bistums nach Osten jedoch für immer ein Ende setzte und für Bischof
Heinrich mit der persönlichen Enttäuschung in seiner
von HEINRICH II. zunächst genährten
Erwartung auf Erhebung zum Erzbischof und Metropoliten Bambergs verbunden
war. Erst nach längeren Vermittlungsbemühungen Heriberts von
Köln und des Halberstädter Bischofs Arnold gelang eine Versöhnung
zwischen König und Bischof, die dann bis zum Tode des letzteren am
14.
November 1018 Bestand hatte. Den inneren Ausbau und der wirtschaftlichen
Stärkung des Bistums sind diese Beziehungen seines Bischofs sehr zugute
gekommen. Das Bistum Würzburg erhielt in dieser Zeit reiche Schenkungen
nicht nur an Landbesitz, sondern auch an Grafschaften und Wildbannverleihungen.
Außer diesen Beziehungen zur Reichsspitze lassen sich aber auch persönliche
und freundschaftliche Kontakte Heinrichs I. zu
den Bischöfen Arnold von Halberstadt, Burchard von Worms und Meingaud
von Eichstätt und den Erzbischöfen Willigis von Mainz, Tagino
von Magdeburg und seinem Bruder Heribert von Köln nachweisen.
Hiervon spricht ausdrücklich ein Vermittlungsbrief Arnolds von Halberstadt
anlässlich der Auseinandersetzungen um die Gründung Bambergs.
Bischof Heinrichs besonderes Verhältnis zu Megingaud von Eichstätt
schildert anektodenhaft der Anonymus Haserensis.
Diese Beziehung zu den bedeutendsten Mitgliedern des
Reichsepiskopats in sämtlichen Stammesprovinzen außer Schwaben
und zum König, die Herkunft, sowie die Teilnahme an der Reichspolitik
im Reichsdienst charakterisieren Heinrich von
Würzburg als sowohl typischen wie auch hervorragenden Reichsbischof
dieser Zeit, dessen Interventionen auf seine einflussreiche Stellung am
Hofe, wie auf jeweils persönlich enge Beziehungen zu den Empfängern
schließen lassen. Sein Tod beraubte das Reich sicher einer jener
columnae, deren Verlust sein Amtsbruder Thietmar in den letzten Sätzen
seiner Chronik als Unglücksfall für HEINRICH
II. 1018 beklagt: Namque cooperatores maxima parte, pro dolor
cecidere...
Literatur:
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Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus
et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 96,134,136-138,142-145,159,166,
170 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit.
Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 323,336,353,361, 366,370,409-411,420
- Schneidmüller, Bernd/Weinfurter
Stefan/Hg.): Otto III. – Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1997, Seite 12,13A,119 - Schulze Hans K.: Das Reich
und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler
Verlag, Seite 292,298,321 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr
vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 166,232,274,276, 278,382,424 -
Weinfurter,
Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich
Puset Regensburg 1999, Seite 38,68, 85,161,165,190,235,255-258,261 -