Jüngere Tochter des Kaisers
LOTHAR I. und der Irmingard
von Tours, Tochter von Graf Hugo
Werner Karl Ferdinand: Seite 449
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr
1000 (1.-8. Generation)"
IV. Generation
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Brandenburg bezeichnet Bertha
versehentlich als Kind der Konkubine
Doda. Sie ist jedoch als eine der (älteren) Töchter der
Kaiserin
Ermengard sicher bezeugt.
Vgl. die durch Flodoard, MG SS 13, 547 (siehe MG Epp.
8,4) überlieferte Korrespondenz Hincmars von Reims mit der Kaiserin
über ihre Tochter
Bertha, die
nach 843 (postquam in hoc regnum illa devenrat) und vor diesem Brief
(auf 846/47 datiert) die westfränkische Abtei Avenay in Hincmars Diözese
erhalten hatte und in bitteren Zwist mit ihrem Bischof geriet (vgl. auch
ebd. 548 Hincmars Brief an Bertha selbst).
Aus einem dritten Brief Hincmars, ebd. 549, an Theutberga,
die verstoßene Gattin Lothars
II., die 864 Avenay von KARL DEM
KAHLEN erhalten hatte (Ann. Bert., ed. Grat 116), geht hervor,
daß vor 864
KARLS Gattin, die
Königin
Ermentrude, die Abtei innehatte und mit Hincmar zusammen neu
geordnet hat. Bertha
hat also Avenay
nach Auseinandersetzungen mit ihrem Diözesan, der ihr mit dem König
gedroht hatte, verloren. Ein Diplom ihres Vaters von 852 V 7 (BM²
1151), in den sie in Sachen eines im heutigen Belgien gelegenen Besitzes
für einen Kleriker und Arzt interveniert, könnte darauf schließen
lassen, daß sie zu diesem Zeitpunkt das W-Reich schon verlassen hatte.
(Brandenburg und andere sahen in dieser Urkunde einen Beleg für
Berthas Äbtissinnenwürde in Avenay. Sie wird jedoch
nur abbatissa genannt, es bleibt offen, von welcher Abtei). Ich
möchte demgegenüber die Vermutung äußern,
Bertha
habe als Ersatz für Avenay, wo sie mit Hincmar nicht auskam, von KARL
DEM KAHLEN eine andere westfränkische Hausabtei der
KAROLINGER
erhalten: Faremoutiers. Daraus würde sich die besondere Dankbarkeit
erklären, mit der nach KARLS Tod
die Äbtissin von Faremoutiers, Bertrada,
bezeichnet als nobilissima propinqua des Kaisers, dessen Andenken
durch ihre Kongregation begehen ließ (Nekrologfragment aus Faremoutiers,
ed. Ph.Lauer, Les Annales de Flodoard, 1905,167). Bertrada/Bertha,
die 859 in einem Diplom KARLS DES KAHLEN
als venerabilis abbatissa ex Fara monasterio auftritt (Tessier nr.
12), war dort Nachfolgerin der 852 III 24 verstorbenen
KAROLINGERIN Ruothild (siehe
II,14), erhielt die Abtei
also, nach unserer Vermutung, ungefähr zu dieser Zeit, als sie (vorübergehend)
am Hofe ihres Vaters weilte. Daß die Prinzessin aus dem Mittelreich
eine westfränkische Abtei, zunächst in Avenay, erhielt, hängt
damit zusammen, daß die Kaiserin Ermengard
Vorbesitzerin von Avenay gewesen sein dürfte, weshalb sie sich auch,
wie wir aus Hincmars zitiertem Brief erfahren, über dessen Belästigungen
gegenüber der Abtei Avenay beschwert und von ihm aufgefordert wird,
ihnen missus zur Nachprüfung der Vorgänge zu schicken. Trifft
unsere Identifizierung der Bertha von Avenay
mit Bertrada von Farmoutiers nicht
zu, dann ist die letztere eine bisher nicht berücksichtigte, genealogisch
noch nicht eingeordnete KAROLINGERIN
(Tessier 3, 276 Spalte 2, der die Nekrolog-Notiz nicht zu kennen scheint,
enthält sich jeder Identifizierung, Lauer a.a.O. spricht ohne Beleg
oder Erläuterung von einer "niece" KARLS
DES KAHLEN). - Daß Bertha,
bevor sie nach Avenay ging, verlobt war, wissen wir aus einem Gedicht des
Sedulis Scotus an sie, MG Poet. lat. 3,228,nr. 78: ...Terrenum sponsum
caelesti nunc capit aula. Daß sie jedoch Gemahl und einen jungen
Sohn verloren habe, und eie T. Bobila behielt, ist ein seltsames Deutungsversehen
des Hg. Dümmler (vgl. ebd. Register 767; Spalte 2), der das Gedicht
nr. 79 als an Bertha gerichtet auffaßt,
während es in Wahrheit an eine Bobila gerichtet ist, die Gatten und
Sohn verlor und dann Nonne wurde. Brandenburg zitiert nur die zutreffenden
Gedichte des Sedullus an Bertha ließ
sich also durch die "falschen KAROLINGER"
im Register nicht täuschen vor denen hiermit gewarnt ist. Dagegen
kann sponsus auch poetisch Umschreibung für einen jungverstorbenen
Gemahl Berthas bedeuten. Vielleicht
bezieht sich die Hochzeit einer Tochter LOTHARS
I. zu Worms im Herbst 841 (Ann. Fuld. 841, ed. Kurze 32) auf
Bertha.
Berta, die Tochter
LOTHARS
I., dürfte als erste mit der Leitung eines Klosters betreut
worden sein. Sie erhielt die Abtei Avenay, die zwar im W-Reich lag, jedoch
zum Königsgut LOTHARS I. gehörte.
Möglicherweise hatte dessen Gattin Ermentrud
[Richtig: Ermengard, Irmgard] diesen Besitz
in die Ehe eingebracht. So kam Betrta
also die Aufgabe zu, die Interessen LOTHARS I.
in einem anderem Teilreich zu wahren. Berta
scheiterte dabei zwar am Widerstand Hinkmars, sie erhielt jedoch in der
westfränkischen Abtei Faremoutiers eine angemessen Entschädigung,
als sei sich in Avenay nicht halten konnte.
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 551 -
Konecny
Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische
Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie
vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien
1976, Seite 152 -