Himiltrud                                                   Frankenkönigin
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    - nach 769 (um 780)
 

Begraben: Kloster Nivelles

Tochter des N.N.
 

Treffer Gerd: Seite 30
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                    Himiltrud - die Unbekannte

Friedelfrau KARLS DES GROSSEN (* 747; König: 768-814) Heirat 767

Keine zwei Jahre ist Himiltrud mit KARL verheiratet. Man nennt sie verschämt seine Jugendliebe. Weder ihr Geburtsdatum noch ihre genauer Herkunft sind überliefert. Man bezeichnet sie als Tochter eines Burgunder-Grafen und Enkelin mütterlicherseits Grimberts I., Graf von Paris. 767 heiratet sie den 25-jährigen KARL. Bertrada hat bei dieser Heirat zweifellos ihre Rolle gespielt. Himiltrud hat von KARL zwei Kinder, einen Sohn, Pippin den Buckligen, der aber aufgrund seiner Mißgestalt bei der Thronfolge keine Rolle spielen und Priester werden wird, und eine Tochter, Amaudru, die später einen Grafen von Paris heiratet. Beim Tode ihres Schwiegervaters am 24. September 768 wird KARL König und Himiltrud damit Königin - für nur gut ein Jahr. Ende 769 wird sie das Opfer der Friedenspolitik ihrer Schweigermutter Bertrada: KARL soll die langobardische Königstochter Desidearata heiraten.
In seinem Bemühen, den fränkisch-langobardischen Ehebund zu verhindern, bringt Papst Stephan III. vor, der fränkische König sei rechtmäßig verheiratet und somit sei eine Neuvermählung ausgeschlossen. Doch KARL kümmert dies nicht.
Aus dem königlichen Haushalt verwiesen, zieht sich Himiltrud in ein Kloster zurück, wo sie, sagt die Legende, ihre Tage beschließt, während ihr Gemahl seine politischen Vorhaben schmiedet


Konecny Silvia: Seite 65
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."

Eine erste Verbindung ging KARL wohl noch zu Lebzeiten seines Vatres, vielleicht bald nach 763, mit einem adeligen Mädchen namens Himiltrud ein [Paulus Diaconus, Gesta episcopum Mettensium Seite 265: "Habuit tamen, ante legalem connubium ex Himiltrude nobili puella filius nomine Pippinum ..."; Annales Laurishamenses a. 792; Seite 35: "...Pippinus filius regis, ex concubina Himiltrude nomine genitus ..."; Der Papst hingegen faßte die Verbindung als Ehe auf, Codex Carolinus n. 45; Seite 561: "...copulatus estis (KARL und Karlmann) .. scilicet ex ipsa nobilissima Francorum gente, pulchrissimas coniuges ... nec vestras quoque modo coniuges audeatis dimittere."]. Pippin III. verlieh nämlich 763 seinen Söhnen einige Grafschaften, die die wirtschaftliche Grundlage für deren Verbindung gebildet haben könnten. Der Sohn Himiltruds, Pippin der Bucklige, scheint zunächst, wie erwähnt, als erbberechtigt gegolten zu haben. Erst die Taufe des jüngeren Bruders, Karlmann, der der Vollehe mit Hildegard entstammte, sollte wohl die Aberkennung des Erbanspruchs demonstrieren. Die Reaktion Pippins des Buckligen darauf erfolgte erst 792. Es ist durchaus möglich, daß er inzwischen neue Hoffnungen auf ein Erbteil fassen konnte. Vielleicht sah er erst bei der Verleihung der Grafschaft Maine an seinen Halbbruder Karl seine Erwartungen endgültig enttäuscht. Leider ist Pippins Aufstand nicht zu lokalisieren, und der Personenkreis seiner Anhänger weitgehend unbekannt. Angaben dieser Art könnten nämlich Hinweise auf die Sippe Himiltruds enthalten, denn Pippin suchte zweifellos bei seiner mütterlichern Verwandtschaft und deren regionalem Einflußgebiet Unterstützung. Ein politischer Gehalt der Verbindung KARLS DES GROSSEN mit Himiltrud ist allerdings nicht zu ermitteln. Ungewiß bleibt, ob KARL seine Verbindung mit Himiltrud löste oder weiter bestehen ließ, als er 770 die Tochter des Langobarden-Königs Desiderius heiratete. Jedenfalls scheint Himiltrud zu diesem Zeitpunkt noch gelebt zu haben. Vor wenigen Jahren wurde nämlich im Kloster Nivelle das Grab Himiltruds ausgehoben, das das Skelett einer etwa 40-jährigen Frau enthielt [Liebenswürdigerwiese ermöglichte mir Prof. Heinrich Fichtenau den Einblick in einen Briefwechsel, den er 1972 mit Monsier J.H. Gauze, dem Leiter des Musees Pre-romans in Nivelles über die Ausgrabungen eines früh-karolingischen Grabes im Kloster Sankt Gertrud in Nivelles führte. Dieses konnte als das Grab der Himiltrud identifiziert werden. Es enthielt das Skelett einer 35-40-jährigen Frau ]. Da kaum anzunehmen ist, daß KARL eine 10 bis 20 Jahre ältere Ehefrau hatte, muß Himiltrud erst lange nach 770 gestorben sein. Zu fragen wäre, ob sie sich anläßlich der langobardischen Heirat nach Nivell zurückzog, das ja mehreren Angehörigen der Königssippe zum Aufenthaltsort diente, oder ob sie in dem karolingischen "Hauskloster" nur ihre letzte Ruhestätte gefunden hat [Beziehungen der KAROLINGER zu Nivelle, das von Pippins I. Gemahlin Itta gegründet wurde, BM² I, sind des öfteren bezeugt. Alcuin, Epistolae n. 150; Seite 246 schreibt an die königliche Familie, die gearde in Nivelle weilt. Später war LOTHARS I. (Richtig ist: Lothar II.) Tochter Gisla dort Äbtissin, nachdem sie die ihr von KARL III. übertragene Abtei Fosse mit Nivelle vertauscht hatte, BM² 2046, 2048,1971, 20239.]. Die erstere Annahme fände eine gewisse Entsprechung in einem Brief, wo der Papst sich gegen eine Trennung KARLS von seiner ersten Gattin aussprach. Andererseits ist auch Polygamie nicht auszuschließen, zumal auch noch zwei andere Verbindungen KARLS, nämlich seine Ehe mit Hildegard und der Konkubinat mit der Mutter der Hruodhaid an eine solche denken lassen. In jedem Fall bedeutete KARLS Ehe mit der Langobardin, ob diese nun neben der Verbindung mit Himiltrud bestand oder Anlaß zu deren Lösung gab, eine Abkehr von Pippins III. Ehegesetzgebung. Auch daß Himiltrud nicht die königliche Würde KARLS teilte, wie dies nach dem Beispiel Bertradas an sich ja nahe gelegen wäre, bedeutete eine Abkehr vom Programm Pippins. Unsicher bleibt, ob dies der Fall war, weil dessen Bemühungen um die Durchsetzung christlicher Ehevorstellungen fest verwurzelte und auch zweckmäßigere "germanische" Ehegewohnheiten nicht verdrängen konnten, oder ob KARL sich aus einem konkreten Anlaß heraus wieder den älteren Vorstellugen zuwandte. Ein solcher könnte in der geringen Bedeutung der Sippe Himiltruds gesehen werden. Pippin III.hatte vielleicht, um seine eigene Stellung nicht zu gefährden, seinen Söhnen unbedeutendere Partnerinnen zur Seite gestellt. Karlmanns Verbindung scheint in vielem jener KARLS mit Himiltrud entsprochen zu haben [Auch von Gerberga wird keine Beteiligung an einer Erhebungszeremonie berichtet, vgl. BM² 115 d. Auch scheint sie keine bedeutende Verwandtschaft hinter sich gehabt zu haben, denn sie stand 771 offensichtlich völlig allein und floh zu Desiderius, BM² 142a.]. Beide Söhne könnten andere Verbindungen erstrebt und deshalb von einer Beteiligung Himiltruds und Gerbergas am Königtum abgesehen haben.
 
 
 
 

  768
  oo 1. KARL I. DER GROSSE König der Franken
           2.4.742/47-28.1.814
 
 
 
 

Kinder:

  Pippin der Bucklige
  770-   811
 
 
 
 

Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986, Seite 275 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 57 - Epperlein Siegfried: Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974, Seite 137 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 76,78,119,188,308 - Illig Heribert: Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1996, Seite 49 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 80 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 65-66 - Lebe Reinhard: Ein Königreich als Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1998, Seite 31 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 114 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 71,81 - Schmid, Karl: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1983, Seite 396,398 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 22,36,41 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996, Seite 28,30,36 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 63,157,253,257 -
 
 
 
 
 
 


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