Rudolf I. der Tapfere                              Graf von Vermandois-Valois (1102-1152)
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um 1085-14.10.1152
 

Ältester Sohn des Grafen Hugo I. der Große von Vermandois-Valois und der Adelheid von Vermandois-Valois, Erb-Tochter von Graf Heribert IV.; Enkel von König Heinrich I. von Frankreich
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1549
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Vermandois
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Unter den kapetingischen Grafen ragte der Sohn von Hugo und Adela, Raoul der Ältere, hervor (Graf seit 1117), der das Netz der gräflichen Kastellaneien enger knüpfte und so den Emanzipationsbestrebungen der adligen Herren Einhalt gebot. Die Herren von Nesle, welche 1141 die Anwartschaft auf die Erbfolge der Grafschaft Soissons erhielten, gewannen allerdings weitgehende Autonomie; dagegen mußten die Herren bzw. Kastellane von Guise, Peronne, Roye und Ham die lehnsrechtliche Kontrolle der kaptingischen Grafen anerkennen. Um 1150 legte Graf Raoul die Hand auf Ribemont, dessen Seigneur (zugleich Kastellan und Bannerherr von St-Quentin: 'signifer sancti Quintini') weitgehende Unabhängigkeit und einen Grafentitel in Ostrevant erreicht hatte. Ebenso konsolidierte Raoul seine Positionen an der Oise (Chauny, Thourotte, Lassigny). Als Vetter König Ludwigs VI. erhielt Raoul, nachdem die mächtige Familie GARLANDE am Hof in Ungnade gefallen war, das große Amt des Seneschalls (faktisch seit 1128, offiziell seit Ende 1131), das er (mit kurzen Unterbrechungen 1138 und 1139-1140, bedingt durch Raouls Opposition gegen König Ludwig VII.) lebenslang behielt. Als einer der einflußreichsten Herren am Hofe Ludwigs VII. sah sich Raoul zeitweise mit der Konkurrenz Sugers, 1141/42 bis 1148 mit der Gegnerschaft Graf Tedbalds von Champagne und des hl. Bernhard von Clairvaux konfrontiert (gegen das Bemühen Raouls um Wiederverheiratung mit Petronilla, der Schwester von Eleonore von Aquitanien, der damaligen Gemahlin Ludwigs VII.).

Brandenburg Erich: Tafel 6 Seite 13
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 2 a. Rudolf le Borgne, Graf von Vermandois 1120
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               * ca. 1085, + 1152 14. X.

Gemahlinnen: a) ca. 1120/25 Eleonore, Tochter Stephans II., Gräfin von Blois?)
                        oIo wegen Verwandtschaft 1142

                     b) 1142 Alix (Petronella), Tochter des Wilhelm VIII. Graf von Poitou (siehe XIII 82)
                                       + nach 1153 24. X.

                    c) 1152 Laurette, Tochter Dietrichs von Elsaß, Graf von Flandern (siehe XIII 337)
                                      + ca. 1175


Rudolf I. der Tapfere folgte 1102 als Graf von Vermandois-Valois, St. Quentin, Peronne, auch Graf von Crepy und Amiens, Seneschall von Frankreich und 1147 Regent von Frankreich zusammen mit Abt Suger von St. Denis für den königlichen Vetter Ludwig VII. Er war eine wichtige Stütze des Königs und führte die typischen Fehden seiner Zeit.

Ehlers Joachim: Seite 106,112,120
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"Die Kapetinger"

Im Jahre 1142 verstieß der königliche Seneschall Rudolf von Vermandois, als Enkel Heinrichs I. ein naher Verwandter Ludwigs VII., seine Gemahlin Eleonore, Nichte des Grafen Tedbald IV. von Blois-Champagne, um die Schwester der Königin zu heiraten, Petronilla/Alix von Aquitanien. Rudolfs Bruder Simon, Bischof von Noyon, erreichte die Zustimmung seiner Amtsbrüder in Laon und Senlis zur Auflösung der bestehenden Ehe, und die drei Prälaten verheirateten den Seneschall anschließend mit der offenbar attraktiven Dame aus dem Süden. Der in seiner Ehre schwer gekränkte Onkel Eleonores appellierte daraufhin an den Papst, dessen Legat die Bischöfe von Noyon, Laon und Senlis suspendierte, Rudolf von Vermandois aber in den Bann tat. Als der Graf von Blois-Champagne dem päpstlichen Kandidaten für das Erzbistum Bourges demonstrativ Exil und Unterstützung bot, griff der König Tedbald an. Der langwierige und nun zum Krieg eskalierte Konflikt konnte erst nach dem Tod Innozenzí (+ 1143) durch dessen Nachfolger Coelestin II. unter Vermittlung Sugers von St-Denis und Bernhards von Clairvaux im März dahingehend gelöst werden, dass der König die Champagne räumte und in Bourges nachgab, während sein Seneschall die Rekonzilation für den Zeitpunkt versprochen wurde, an dem er seine illegitimer Gemahlin entlassen würde. Das tat Rudolf nie und blieb bis 1147 exkommuniziert; in diesen Jahr endete seine erste Ehe durch den Tod Eleonores, der Nichte Tedbalds.

Ehlers Joachim: Seite 105,109,111
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Dann erhob Ludwig das Banner, wandte sich an der Spitze eines kleinen Gefolges gegen den Feind und rief ganz Frankreich, tota Francia, auf, ihm in den Kampf zu folgen. Tatsächlich bestand das Heer, dessen sich Ludwig VI. für diesen Krieg versichern konnte, nicht wie üblich nur aus den Aufgeboten weltlicher und geistlicher Herren der Domäne; auch Herzog Hugo II. von Burgund, die Grafen Tedbald IV. von Blois, Hugo von der Champagne, Wilhelm II. von Nevers, Rudolf von Vermandois und Karl von Flandern waren mit ihren Kontingenten erschienen. Noch niemals hatte ein capetingischer Herrscher eine solche Streitmacht zusammenbringen können, und auf die bloße Nachricht hin hat der Kaiser seinen Feldzug abgebrochen.
Der Streit hatte sich 1142 daraus ergeben, dass der königliche Seneschall Rudolf von Vermandois seine Frau, eine Nichte Tedbalds, verstoßen hatte, um Petronilla von Poitou zu heiraten, die Schwester der Königin Eleonore. Auf einem Konzil in Lagny, also in der Champagne, wurde Rudolf mitsamt seiner als Konkubine geltenden zweiten Frau exkommuniziert, und Tedbald, der in der Verstoßung seiner Nichte einen vom König gebilligten persönlichen Affront erblickte, stellte sich im Streit des Papstes mit Ludwig VII. um die Besetzung des Erzbistums Bourges auf die Seite Innozenzí II.
Zusammen mit Erzbischof Samson von Reims und dem Seneschall Rudolf von Vermandois hatte Suger während des Kreuzzuges daheim die Regentschaft innegehabt.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 134,143,145
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

An die Stelle des gestürzten Seneschalls tritt ab 1128 vor allem Graf Radulf von Vermandois, der bei Livry schwer verwundete Vetter des Königs.
Als der königliche Seneschall Rudolf von Vermandois seine Gemahlin, die Nichte Tedbalds II. von der Champagne, verstieß und statt ihrer die Schwester der Königin heiratete, leitete ein päpstlicher Legat die in Lagny (also in der Grafschaft Champagne!) tagende Kirchenversammlung, auf der die erste Ehe des Seneschalls für gültig erklärt und das Vermandois mit dem Interdikt belegt wurde.
Sugers führende Stellung am Hof überdauerte den Tod Ludwigs VI. freilich nur kurze Zeit, denn bald traten Männer wie der Kanzler Cadurc und der Seneschall Rudolf von Vermandois in den Vordergrund.

Favier, Jean: Seite 110
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515"

Mit der Berufung eines so treu ergebenen und fähigen Heerführers wie dem Grafen Rudolf I. von Vermandois und eines so klugen und umsichtigen Verwaltungsfachmanns wie des Abtes Suger von Saint-Denis nach Garlanadas Sturz (1127) bewies der König eine glücklichere Hand. Ihren vereinten Anstrengungen gelang es, den Königshof, an dem die Aristokratie der Grafen, Bischöfe und Äbte bis dahin kaum vertreten war, in ein echtes Regierungsorgan umzuwandeln und einen Verwaltungsapparat aufzubauen, der die Macht der Krone bis zu einem gewissen Grad vom persönlichen Ansehen des Herrschers unabhängig machte.

Pernoud Regine: Seite 32
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"Königin der Troubadoure"

Bei der Rückkehr vom Feldzug brachte Eleonore ihre jüngere Schwester mit; in den Urkunden wird sie Petronilla - in der Verkleinerungsform auch Peronella -, zuweilen aber auch Aelith genannt. Sie war im heiratsfähigem Alter und hatte ein Auge auf Raoul de Vermandois, einen Vertrauten des Königs, geworfen. Dieser war schon Ratgeber des letzten Königs gewesen und von Ludwig gerade zum Seneschall ernannt worden. Ein gutaussehender Mann, der aber durchaus der Vater des jungen Mädchen hätte sein können; Petronilla war zu der Zeit, als die Sache spielte, also im Jahree 1141, höchstens 17 Jahre alt.
Ludwig VII. war nicht imstande, den flehentlichen Bitten von Eleonore zu widerstehen, die sich mit aller Kraft für ihre liebestolle Schwester einsetzte. Er überredete also drei Bischöfe seines Landes, die dann auch so entgegenkommend waren, festzustellen, daß Raouls erste Frau nach kanonischem Recht mit ihrem Mann zu nahe verwandt wäre; die Kirchengesetzte waren damals sehr streng. Damit konnte seine Ehe für ungültig erklärt werden; sie wurde aufgelöst, und Raoul ehelichte unverzüglich die triumphierende junge Petronella.
Wutentbrannt beklagte sich Thibaut von Champagne beim Papst; auf seinen Gütern in Lagny wurde in den ersten Monaten des Jahres 1142 ein Konzil abgehalten, bei dem der Legat des Papstes, Yves de Saint-Laurent, sowohl das jung verheiratete Paar wie die allzu gefälligen Bischöfe, die es zuammengebracht hatten, exkommunizierte.
 
 
 
 

   1120/25
  1. oo Eleonore von Blois, Tochter des Grafen Stephan II.
-  1142     -   1147

    1142
  2. oo Alix (Petronilla) von Poitou, Tochter des Herzogs Wilhelm X. von Aquitanien
 -  1151 1124- nach 1153

     1152
  3. oo 3. Laurette von Lothringen-Flandern, Tochter des Grafen Dietrich
              um 1125- um 1175 als Nonne
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Hugo II. der Mönch
  9.4.1127-4.11.1212

2. Ehe

  Rudolf II. der Aussätzige
  1145-17.6.1167

  Elisabeth (Mabile) Erbin von Vermandois-Valois
  1143-28.3.1183

 1159
  oo Philipp I. Graf von Flandern
      um 1136-1.7.1191
                    vor Akkon

3. Ehe

  Eleonore
  postuma Ende 1152- nach 1221
 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 Seite 210 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 6 Seite 13 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 106,112,120 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 105,109,111 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 134,143,145 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 110 - Pernoud Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. Diederichs Verlag München 1991 Seite 32-33
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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