Konstanze von Arles                                  Königin von Frankreich
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um 985/90-25.7.1032
                Melun

Begraben: St-Denis
 

Tochter des Grafen Wilhelm I. von Arles und der Adelheid von Anjou, Tochter von Graf Fulko II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1407
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Konstanze von Arles, französische Königin
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     + Juli 1034
      Melun

Begraben: St-Denis

Tochter Graf Wilhelms I. von der Provence und Adelheids von Anjou

Die 3. Gattin König Roberts II. (Heirat 1004/05) sorgte mit ihrem südfranzösischen Anhang am Hof für Aufsehen. Konstanze von Arles (Dhondt: “ce demon femelle“) griff vor und nach Roberts Tod erheblich in die Thronfolge ein, indem sie nach dem Tod des ersten Sohnes Hugo (1025) gegen Heinrich I. (1031-1060) die Kandidatur des dritten Sohnes Robert betrieb und dazu ein gefährliches Bündnis mit Graf Odo II. einging, das erst 1033 zusammenbrach.


Treffer Gerd: Seite 77-79
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                                  KONSTANZE VON ARLES - die vom Hof Verachtete
                                                             * um 984, + 25. Juli 1032
                                                                                Melun
 

Dritte Gemahlin Roberts II. des Frommen (* 971; König 996-1031) Heirat: 1003

Der König hat sich - zumindest formal - von Bertha trennen müssen; er ist immer noch ohne Kinder. So kann die junge Konstanze für Robert durchaus interessant sein, zumal ihr der Ruf großer Schönheit vorauseilt. Auch ihre Abstammung ist nicht uninteressant. Sie ist die 984 geborene Tochter des Grafen Wilhelm (Guillaume Taillefer) und der Adelheid von Anjou, die König Ludwig V. davongelaufen war. Ihrer Tochter hat sie zweifellos ihr lebhaftes Temperament vermacht. Diese königliche Abkunft macht sie für den Abkömmling der jungen KAPETINGER-Dynastie zweifellos interessant.
1003 folgt Konstanze mit achtzehn Jahren der ungeliebten Suzanne und der geliebten Bertha nach. Wie später Margarete von der Provence, die Gemahlin Ludwigs des Heiligen, und Alienor von Aquitanien, die Frau Ludwigs VII., ist sie eine Prinzessin des Midi, der sonnigen Gefilde. Die junge Frau führt aus dem Süden verfeinerte Sitten in den finster-strengen Pariser Cite-Palast ein. Sie kleidet sich, sagt man, gewagt, umgibt sich mit einer Lebenskunst, die die Troubadoure begeistert. Den einen erscheint sie schön, intelligent und lebhaft - erhgeizig, geizig, verbiestert den anderen. Der Hof ist gespalten, die Aussagen bezeugen es - in Anhänger der neuen und Parteigänger der alten Königin. In den nächsten Jahren kommt es zu einem ebenso ausdauernd ausgetragenen wie verborgen geführten Machtkampf zwischen den treuen Dienern Berthas und den lebhaften Provenzalen und Aquitanern Konstanzes. Man fragt sich, ob die Lebensweise der KAPETINGER nicht unvereinbar ist mit der, die die junge Frau bislang gekannt hat. Sicher ist: die junge Konstanze macht dem stillen Robert das Leben schwer.
Das Verhältnis, das Konstanze und Robert zueinander gewinnen, ist von Anfang an belastet. Es ist nicht nur der Unterschied in der Kultur. Es ist vor allem auch die Anwesenheit ihrer Vorgängerin Bertha, die die junge Königin launenhaft macht. Konstanze macht sich vor allem dadurch unbeliebt, daß sie sich in die königliche Politik einmischt und ihre provencaluischen Parteigänger protegiert. Sie gerät in Verdacht, als der Graf von Anjou vor den Augen des Königs den Grafen von Beauvais ermorden läßt, der die BLOIS-Partei der ANJOU-Partei vorzog. Darauf setzt Bertha ihre Hoffnungen, die sie in Rom vertreten will.
Daß Robert 1008 mit Bertha nach Rom reist, ist sicher nicht angetan, das eheliche Verhältnis zu bessern. Darum rankt sich schließlich auch eine Legende. Konstanze, die sich mit ihrem kleinen Sohn Hugues im Schloß Theil, unweit von Sens, aufhält und fürchten muß, aus der Gesellschaft des Königs vertrieben zu werden, durchleidet ihren ganzen Gram. Eines Nachts, als sie im Schlaf finstere Alpträume quälen, erscheint ihr in einer Glorie von Licht die Gestalt eines weißhaarigen Mannes im Priesterkleid mit Bischofsstab. Auf ihre Frage antwortet er: "Ich heiße Savinien." Und er fügt an: "Konstanze sei standhaft, denn heute ist Gott Dir gewogen und Du wirst von großer Traurigkeit befreit." Am nächsten Morgen fragt Konstanze die Priester ihrer Entourage nach einem Bischof dieses Namens. Nur der Geistliche Thierry, der im Kloster Saint-Pierre von Sens erzogen wurde, und der anch der Rückkehr des Königs Bischof von Orleans werden wird, kann ihr antworten. Savinien, erklärt er der Königin, sei der erste Bischof von Sens gewesen und den Märtyrertod gestorben. Konstanze betet an seinem Grab, und in der Nacht erscheint ein Bote, der die Rückkehr des Königs ankündigt. Die Auflösung ihrer Ehe haben dieser und Bertha in Rom nicht erreicht. Ob damit Konstanzes "große Traurigkeit" ihr Ende fand, läßt sich nicht sagen. Offenbar war ihr Leben mit Robert ein Wechselbad von Anziehung und Zurückweisung, Verzauberung und Widerstand.
Sicher ist, daß sie dem König fünf Kinder schenkte. Hugues, der Älteste, wird 1017 zum Mit-König ernannt (aber vor seinem Vater sterben). In diesem fatalen Jahr 1008 kommt Heinrich zur Welt (der der nächste König sein wird). Ihm folgt 1011 Robert Ohneland, Herzog von Burgund, Stammvater des ersten KAPETINGER Burgunderhauses, das einst über Portugal regieren wird. Dann Odo und Aelis, die Richard II., Herzog der Normandie und nach ihm Baudouin V., Graf von Flandern, heiraten wird. Aber: Konstanze fühlt, daß sie an diesem Hof immer die "verachtetete Königin" bleiben wird, die nur wegen des Papstes Dogmentreue "nicht-Verjagte", die Rivalin ihrer eigenen Vorgängerin. Sie kann erst aufatmen, wenn Bertha stirbt. Konstanze flieht in die Rolle als Mutter. In einer regierenden Famiklie führt das fast zwangsläufig in ein Wespennest von Ehrgeiz und Intrigen. Konstanze schürt die Feindseligkeit ihrer Söhne gegen ihren Vater (auch hier wierd eine Parallele zu Alienor von Aquitanien deutlich! Als ihr Mann, nachdem der erste Sohn Hugues gestorben ist, den älteren Heinrich 1027 krönen läßt, unterstützt sie den jüngeren Robert, ihren Lieblingssohn. Am Tag der Krönung Heinrichs verläßt sie wütend den Palast.
Welchen Anteil hat Konstanze an der religiösen Grausamkeit, die die letzten Jahre Roberts verdüstern? Seine "Frömmigkeit" verleitet ihn, einen ersten Vorläufer späterer religiöser Bluttaten zu verschaffen: 1022 läßt er vierzehn Häretiketr, Manichäer in Orleans verbrennen. Konstanze selbst läßt einen der Getreuen des Hofes blenden, ehe man ihn auf den Scheiterhaufen führt.
Im Jahre 1024 wird Robert II. die italienische Krone angetragen. Er lehnt ab. In die ultramontanen Angelegenheiten will er keinesfalls verwickelt werden. Er hat Schwieirgkweiten genug in seinem Königreich und mit seinen mutwilligen Baronen. Er hat weder die Willenskraft noch die Mittel, die Anarchie zu mindern, die unter seiner Herrschaft den Gipfel erreicht, zumal am Hofe selbst die internen Streitigkeiten zwischen den Adelsfraktionen um die Häuser BLOIS-CHARTRES und ANJOU die beziehungen des Königs zu seiner Umgebung unterminieren, woran die Königin ihren Anteil hat.
1030 dann hetzt sie die Söhne erneut gegen den Vater auf. Am 20. Juli im Jahr darauf stirbt ihr Gemahl. Heinrich besteigt den Thron und muß sogleich gegen eine von seiner Mutter angezettelte Revolte ankämpfen. Konstanze stirbt ein Jahr nach ihrem Ehemann am 25. Juli 1032. Sie wird an seiner Seite begraben: die erst französische Königin, die in der traditionellen Königskirche zu Saint-Denis bestattet wird.


Konstanze von Arles war eine arrogante, intrigante, zänkische Frau, die etliche Palastrevolutionen provozierte und die Söhne gegen den Vater aufhetzte. Diese Ehe verkörperte insofern einen großen Kontrast, indem sie das gebildetere, leichtlebigere Provenzalische vertrat, das mit Verachtung auf das schwerfälligere, ungeschliffenere N-Frankreich blickte.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 87-98
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Erst die 3. Gemahlin, Constanze, die Tochter des Grafen Wilhelm von Arles, die Robert 1004 heiratete, schenkte ihrem Gatten die ersehnten männlichen Nachkommen: Hugo, Heinrich, Robert, Odo und darüber hinaus noch zwei Töchter, Hadwig und Adela.
Im Gegensatz zu ihrem Mann hatte Constanze nach dem Tode ihres ältesten Sohnes Hugo eine Krönung von Robert, dem späteren burgundischen Herzog, befürwortet. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen, da Odo II. von Blois im Verein mit Wilhelm V. von Aquitanien nach anfänglichem Zögern den königlichen Nachfolgeplan unterstützte. Es war nicht das erste Mal, dass der Hof in zwei Parteien zerfiel. Helgauds Biographie läßt noch etwas von der haßerfüllten Atmosphäre erkennen, die damals am Hofe geherrscht haben muß. Er hat uns Constanze als eine ausgesprochen zänkische, ruhmsüchtige und geldversessene Ehefrau beschrieben, die ihrem Namen "die Beständige" wenig Ehre machte. Freilich hatte die Königin auch allen Grund, mit ihrem Mann 'unzufrieden' zu sein. Denn dieser war - zusammen mit seiner Exfrau Bertha - vermutlich um das Jahr 1010 nach Rom gereist. Vielleicht machte er sich Hoffnungen auf einen päpstlichen Dispens. Dieser hätte es ihm dann ermöglicht, nach einer Scheidung von Constanze wieder rechtmäßig mit Bertha zusammenzuleben. Da seine zweite Ehefrau aber, wie bereits angedeutet, sehr eng, das heißt im 3. kanonischen Grad mit ihm verwandt war, was nach kirchlicher Auffassung eine Ehe ausschloß, muß Roberts Plan als illusionär bezeichnet werden. Gleichzeitig war es aber auch gefährlich, hätte Robert II. doch die Thronfolge seines damals schon geborenen SohnesHugo in Frage gestellt. In dieser schwierigen Situation griff ein Heiliger ein: Sankt Savinianus, der erste Erzbischof von Sens, schlug sich auf die Seite der Königin. Constanze hatte schon befürchtet, "aus dem königlichen Bett vertrieben zu werden". Doch der König kehrte mit leeren Händen aus Rom zurück. "Seit dieser Zeit begann er, seine Frau Constanze zu lieben", meinte wenigstens ein zeitgenössischer Chronist.

Mexandeau Louis: Seite 138-140
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"Die Kapetinger"

Robert widerstand lange, denn er wollte Bertha behalten. Widerwillig nur entließ er die geliebte Frau und wählte sich eine dritte Gattin, Konstanze von Toulouse, Tochter des Grafen von Arles. Durch diese Wahl sollte er für den Rest seines Lebens für die fünf Jahre Eheglück büßen. Für ihn begann die Hölle auf Erden. Konstanze war eine "ehrgeizige, habgierige und zänkische" Frau, bei der es der sanfte Robert, der von nun an nur im geheimen wohltätig sein konnte, schwer haben sollte. Der Königspalast wurde der Turnierplatz für Auseinandersetzungen, durch die sich das häusliche Drama noch zuspitzte. Zwei Parteien prallten darin aufeinander. Die der Diener, die Bertha treu geblieben waren, und die der neuen Königin, die in ihrem Gefolge eine Menge von Provenzalen und Aquitaniern mitgebracht hatte, die durch ihre singende Sprache, ihre leichten Sitten und ihre kühnen Ideen die Menschen des Nordens befremdeten. Ärgernis auf der einen Seite, Verachtung auf der anderen, nichts zeigt deutlicher, welcher Abgrund den Norden Frankreichs von der anderen, fremden, exotischen und der Häresie verfallenden Francia trennte. Hingezogensein und Abneigung, Verzauberung und Widerstreben, das muß die Haltung Roberts gegenüber seiner herrischen Gattin gewesen sein. Nach der Ermordung seines Günstlings zog er zusammen mit Bertha nach Rom, um vom Papst die Ungültigkeitserklärung seiner Ehe mit Konstanze zu erreichen, die in dem Verdacht stand, an der Beseitigung von Roberts Günstling beteiligt gewesen zu sein; nach dem Fehlschlagen seines Unternehmens kehrte er zu seiner Gattin zurück oder entsagte; die Geburt von drei Kindern besiegelte dann die Versöhnung.
Hugo starb übrigens eines frühen Todes, und der zweite Sohn, Heinrich, wurde im Jahre 1026 gekrönt, zum großen Verdruß seiner Mutter, die ihren Jüngsten, Robert, lieber als König gesehen hätte. Trotz schrecklicher häuslicher Szenen und obwohl am Tag der Königsweihe Konstanze unter Türenschlagen den Palast verlassen hatte, hielt der König stand, ein Beweis dafür, daß dieser Monarch nicht ganz so schwach war, wie man gesagt hat.

Ehlers Joachim: Seite 42,49-51
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"Die Kapetinger"

Obwohl Robert kurz darauf (wohl 1003) Constanze heiratete, Tochter des Grafen Wilhelm I. von der Provence und über ihre Mutter mit denm Haus ANJOU verwandt, suchte er immer aufs Neue nach Möglichkeiten, Bertha wiederzugewinnen und machte selbst nach der Geburt seiner Söhne Hugo (wohl 1007) und Heinrich (1009/10) noch einmal den unsinnigen Versuch, vom Papst die Zustimmung zu einer legalen Verbindung mit Bertha zu gewinnen, was die Trennung von Constanze vorausgesetzt hätte.
Die Frage, wer dem verstorbenen Hugo als Mit-König folgen sollte, hatte einen Konflikt ausgelöst, der nicht nur die Königsfamilie, sondern auch große Teile des Hochadels in verschiedene Lager trieb, die sich erbittert bekämpften. Während die Königin Constanze ihren dritten Sohn Robert favorisierte, setzte der König die Weihe Heinrichs durch, des Zweitältesten, der aber schnell ein Bündnis mit Odo von Blois-Chartres-Champagne gegen den Vater einging. Nur der Unterstützung durch die Erzbischöfe von Reims, Sens, Tours und Bourges hatte der König es zu danken, daß er sich bis zu seinem Tode halten konnte.
Dennoch hatte Heinrich I. zunächst mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil seine Mutter Constanze ihre Versuche zugunsten des jüngeren Bruders Robert nicht aufgab und damit dem Adel Gelegenheit bot, durch die Entscheidung zwischen den Brüdern sein Recht auf Mitsprache bei der Königserhebung nachträglich geltend zu machen.
 
 
 
 

 1002
  oo 3. Robert II. der Fromme König von Frankreich
          20.7.972-20.7.1031
 
 
 
 

Kinder:
3. Ehe

  Hugo Kronprinz, Mit-König seit 9. Juni 1017
  1007-17.9.1025

  Heinrich I.
  1008-4.8.1060

  Robert I. der Alte Herzog von Burgund
  1011-21.3.1076

  Odo
        -   1056

  Adelheid (Adele)
  1014-8.1.1079

     1027
  1.  oo Richard III. Herzog von der Normandie
                  -6.8.1027

    1028
  2. oo Balduin V. Insulanus Graf von Flandern
           um 1012-1.9.1067

  Hadwig
          - nach 1063

 um 1016
  oo Rainald I. Graf von Nevers
             -   1040
 
 
 
 

Literatur:
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Douglas David C: Wilhelm der Eroberer Herzog der Normandie. Diederichs Verlag München 1994 Seite 38 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 42,49-51- Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 87,94-98,100,102 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 73-74 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 246,248-249,628 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 138-140 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 77-79 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 220 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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