Johanna von Evreux                                  Königin von Frankreich
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1310-4.3.1371
         Brie-Comte-Robert
 

Begraben: St-Denis, Minoritenkloster zu Paris (Leichnam), Maubisson (Eingeweide)
 

Tochter des Grafen Ludwig I. von Evreux-Navarra und der Margarete von Artois, Tochter von Seigneur Philipp de Conches
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 342
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Jeanne d’Evreux, Königin von Frankreich
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     + 4. März 1371
      Brie-Comte-Robert

Begraben: St-Denis, Minoritenkloster zu Paris (Leichnam), Maubisson (Eingeweide)

Tochter von Ludwig von Evreux und Margarete von Artois

  oo 5. Juli 1324 König Karl IV. der Schöne (als dessen 3. Ehefrau) mit päpstlichemDispens, Krönung Pfingsten (11. Mai) 1326

Von ihren drei Kindern ist Blanca (oo 1344 Philipp von Frankreich) zu erwähnen.
Königin bis 1328, lebte Jeanne d’Evreux anschließend von ihrem reichen Wittum im Wert von 16.000 livres tournois, bestehend aus Rentenlehen auf Chateau-Theirry und anderen Domänen in Valois und Brie (Bray-sur-Seine, Chantemerle, Chatillon-sur-Marne, Coulommiers, Crecy-en-Brie, Pont-sur-Seine, Sezanne), deren Schätzung allein von 1325 bis 1329 dauerte.
Jeanne d’Evreux war eine Kunstmäzenin hohen Ranges und stiftete Kapelle und Irfirmarium der Kartäuser zu Paris.


Treffer Gerd: Seite 178-179
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                              JOHANNA VON EVREUX - die Mutter von Töchtern
                                              * um 1307, + 4. März 1371
                                                                  Brie-Comte-Robert

Dritte Gemahlin Karls IV. des Schönen (* 1294; König: 1322-1328) Heirat 13. Juli 1325

Am 13. Juli 1325, ihrem Hochzeitstag, weiß die 18-jährige Prinzessin genau, was man von ihr erwartet: den Thronerben, der die KAPETINGER-Linie rettet. Die Heirat ist der Komplizenschaft Papst Johannes' XXII. zu verdanken, der in Sachen Blutsverwandtschaft beide Augen zudrückt. Johanna ist mit Karl nahe verwandt. Ihr Großvater ist König Philipp III., ihr Vater Ludwig Graf von Evreux, ein Kind aus dessen Ehe mit Maria von Brabant. Johannas Mutter Margarete ist eine ARTOIS. Daß Dispens erteilt wird, ist um so erstaunlicher, als der gleiche Papst Karls frühere Ehe mit Blache ja unter Berufung auf eine äußerst bestreitbare Blutsverwandtschaft (nämlich die Tatsache, daß die Mutter Blanches seine Patin war) annulliert hat.
Am 11. Mai 1326 wird Johanna in der Sainte-Chapelle zu Paris gesalbt. Sie bringt eine Tochter zur Welt, Johanna. Dann noch eine Tochter Maria. Eine neue Schwangerschaft läßt den Köig hoffen. Die Geburt selbst erlebt Karl nicht mehr. Am 1. Februar 1328 stirbt der König mit 34 Jahren, wohl in der Hoffnung, daß ein zweiter posthumer König seine Linie fortsetzen würde. Das Kind kommt am 1. April zur Welt. Es ist wieder eine Tochter. Sie wird auf den Namen Blanche getauft.
Karl hinterläßt also keinen männlichen Erben. Indem er Eduard III., seinen englischen Neffen zur Macht verholfen hat, hat er dem Hundertjährigen Krieg zwischen England und Franmkreich unwissentlich den Weg bereitet. Indem er den Grafen von Clermont zum Rang eines Herzogs von Bourbon erhoben hat, hat er unwissentlich den Aufstieg eines Geschlechts ferner Nachfolger vorbereitet.
Seit Hugues Capet - den Zeitgenossen mag dies wie der Anbruch der Zeit erscheinen - sind sich vierzehn Souveräne auf dem Thron gefolgt. Immer der Sohn dem Vater, bis auf die letzten zwei, die jeweils ihrem Bruder beerbt hatten.
Die Großen des Königreiches treffen in Vincennes zu einer Versammlung zusammen. Sie bestätigen Philipps V. Gesetz, das Frauen diskriminiert und sie von der Thronfolge ausschließt. Damit wischen sie nicht allein die Töchter des verstorbenen Königs beiseite, sondern auch die Ansprüche des englischen Königs Eduard III.; der ist zwar unbestreitbar ein Mann, aber seine Folge würde über eine Frau verlaufen, Isabella die Tochter Philipps des Schönen, die Schwester der letzten drei Könige. So weit hergeholt ist der Anspruch nicht: nach ihren drei Brüdern könnte nun - über sie - ihr Sohn den Thron beanspruchen. Aber Isabella ist eine Frau, und die Barone entscheiden mit einer Spitzfindigkeit, die zum Hundertjährigen Krieg führen wird: "Man kann nicht vererben, was man nicht besitzt. Da eine Frau nicht das Recht hat, den Thron zu besteigen, kann sie dieses Recht auch nicht vererben." So bleibt als möglicher Erbe Philipp von Evreux. Er ist der Sohn eines Stiefbruders Philipps des Schönen - Ehemann einer früher beiseitegeschobenen Prätendentin, Johannas, der Tochter Ludwigs X. und Margaretes von Burgund. Die Großen des Königreiches aber ziehen einen anderen Kandidaten vor: Philipp von Valois, einen Cousin des Königs. Er ist der Sohn des Bruders Karl von Philipp dem Schönen.
Philipp VI.wird in Reims gesalbt. Die Familie VALOIS hat nun die Krone. Unter den geänderten Umständen ist kein Platz mehr für Johanna von Evreux. Die neue königliche Familie hält sie vom Hof und der Macht fern. Johanna ergibt sich klug in ihr Schicksal. Vierzig Jahre hat sie noch vor sich, ohne je von sich reden zu machen. Sie stirbt mit 64 Jahren am 4. März 1371 in Brie-Comte-Robert. Und: Sie wird in Saint-Denis bestattet, in der Grablege der KAPETINGER. Ihr Herz aber bringt man ins Cordeliers-Kloster und ihre Eingeweide in die Abtei von Maubuisson.


Johanna von Evreux war die Cousine ihres Gatten.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 245-250
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Karls des Schönen Gemahlin Maria brachte zwar im März 1324 auf der beschwerlichen Rückreise von einem Aufenthalt der königlichen Familie in Toulouse vorzeitig einen Sohn zur Welt; aber dieser starb ebenso wie die Königin selbst wenige Tage nach der Geburt. Bereits am 5. Juli 1324 verheiratete sich Karl der Schöne erneut, mit Johanna, der Tochter des Grafen Ludwig von Evreux, deren Bruder Philipp mit der gleichnamigen Tochter König Ludwigs X. vermählt war.
Während der Verhandlungen im Frühjahr 1325 erwartete Königin Johanna ihr erstes Kind. Da man am französischen Königshof dringend auf einen Thronfolger wartete, wurden Astronomen bemüht, die wunschgemäß die baldige Geburt eines Sohnes prognostizierten. "Aber" - so heißt es in den königsnahen Grandes Chroniques - "Gott ordnet die Dinge, wie es ihm gefällt". Kurz vor Pfingsten wurde ein Tochter geboren.
Wenige Wochen später, am 1. Februar 1328, starb Karl IV. in Vincennes im Alter von nur 32 Jahren. Er hinterließ eine Witwe, die erneut schwanger war. Würde sie einen Sohn zur Welt bringen, dann wäre dessen Thronfolge völlig selbstverständlich. Andernfalls aber müßten sich beträchtliche Probleme ergeben, da diesmal kein weiterer Bruder vorhanden war, der einen nahen Erbanspruch hätte geltend machen können. Das kapetingische Königshaus war in direkter männlicher Linie vom Aussterben bedroht.

Ehlers Joachim: Seite 239,245
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"Die Kapetinger"

Im März 1324 starb Königin Maria von Frankreich, kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes, der nur wenige Tage lebte. Die Eile, mit der Karl IV. schon am 5. Juli 1324 mit Johanna von Evreux seine dritte Ehe einging, zeigt die bedrängende Sorge um den direkten Erben. Der König wurde durch seine Heirat zum Schwager des Grafen Philipp von Evreux, der seinerseits Ludwigs X. Tochter Johanna zur Frau genommen hatte.
Zunächst aber war Philipp von Valois eine lange Regentschaft selbst für den Fall sicher, daß die Witwe Karls IV. einen Sohn zur Welt bringen würde, denn bis zum Mündigkeitstermin mußte dieser vertreten werden. Gebar Johanna von Evreux aber eine Tochter, würde Philipp sogleich König werden. Das geschah am 1. April 1328, als die Königin-Witwe mit einer Tochter niederkam.
 
 
 
 

5.7.1325
  oo 3. Karl IV. der Schöne König von Frankreich
          1295-1.2.1328
 
 
 
 

Kinder:

  Johanna
  vor 11.5.1326- vor 16.1.1327

  Marie
  1327-6.10.1341

  Blanka
  1.4.1328-7.2.1392

 18.1.1344
    oo Philipp Graf von Orleans
    x  1.7.1336-1.9.1375
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 239,245 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 231,246,248,251 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 178-179 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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