Margarete von Burgund                              Kronprinzessin von Frankreich
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um 1292-30.4.1315 ermordet
              Chateau Gaillard

Begraben: Franziskanerkirche von Vernon
 

Tochter des Herzogs Robert II. von Burgund und der Agnes von Frankreich, Tochter von König Ludwig IX.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 237
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Margarete von Burgund, Gemahlin Ludwigs X. von Frankreich
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     + April 1315

Tochter Herzog Roberts II. von Burgund, mit dem französischen Thronfolger verlobt am 28. Februar 1300, verheiratet am 23. September 1305 zu Vernon.

Damit wurde sie auch Königin von Navarra. Sie gebar am 28. Janaur 1312 eine Tochter, Johanna II. von Navarra. Anfang 1314 wurden Margarete von Burgund und ihre Schwägerinnen, Johanna und Blanca, die mit den Söhnen Philipps IV., Karl und Philipp, vermählten Töchter des Pfalzgrafen Otto IV. von Burgund und der Gräfin Mahaut von Artois, unter Anklage des Ehebruchs gestellt und im Chateau-Gaillard eingekerkert. Margarete von Burgund und Blanca sollen mit ihrem Liebhabern, Philippe und Gautier d’Aunay, in flagranti ertappt worden sein. Diese gestanden auf der Folter ein schon dreijähriges Liebesverhältnis mit den Prinzessinnen. Margarete von Burgund starb in ihrem Verließ wohl an Lungenentzündung; ihr trauriges Schicksal gab Anlaß zur Sage von der Tour de Nesle, deren Widerhall sich in der berühmten Ballade Villons von den Damen der vergangenen Zeit und bei Alexandre Dumas (1832) findet.


Margarete von Burgund wurde von ihrem Mann im Kerker erdrosselt.

Treffer Gerd: Seite 165-167
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„Die französischen Königinnen“

                                              MARGARETE VON BURGUND -  Die erste Schwiegertochter
                                             * um 1292, + 14. August 1315
                                                                  Chateau-Gaillard
 

Erste Gemahlin Ludwigs X. des Zänkers (* 1289; König: 1314-1316)  - Heirat 23. September 1305, Vernon –

Am 4. November 1314 trifft König Philipp den Schönen, der sich nach dem Tod seiner Gemahlin Johanna von Navarra nicht wiederverheiratet hatte, während der Jagd ein Gehirnschlag. Er wird nach Fontainebleau gebracht, wo er wenige Tage später stirbt. Margarete ist die Frau seines Nachfolgers Ludwig X., des Zänkers. Nur ein paar Monate lang wird sie Königin sein - und diese noch dazu im Gefängnis verbringen. Seit Alexandre Dumas ist sie Beute der Literatur, die sich der Verquickung ihres Lebens mit Sinnlichkeit und Verbrechen bemächtigte. Margarete stammt über ihre Mutter Agnes von Ludwig dem Heiligen ab. Ihr Vater ist Robert II., Herzog von Burgund, ihr Bruder Hugues V. wird ihm nachfolgen.
Am 23. September 1305 - mit 13 Jahren - heiratet Margarete in Vernon den ältesten Sohn Philipps, den 16-jährigen Ludwig den Zänker. Margarete ist ein hübsches Mädchen, das schon viel Temperament beweist. Ihr Verlobter ist ein Heranwachsender von eher schwierigem Charakter, der mit zunehmenden Alter nur wenig Eigenschaften entwickelt, die einer lebenslustigen Frau Freude bereiten würden. Die Enttäuschung Margaretes über ihren Mann muß wohl sehr groß gewesen sein. Hätte sie sonst Schwiegertochter eines Monarchen wie Philipp des Schönen, künftige Königin, auf Liebschaften eingelassen?
Margaretes Liebhaber ist Gauthier d’Aulnay, der Buhle ihrer Schwägerin ist dessen Bruder Philipp. Die intimen Treffen finden im Nesle-Turm an der Seine statt. Ihre andere Schwägerin Johanna von Artois, die Gemahlin von Philipp von Poitiers, weiß Bescheid, nimmt aber selbst nicht an den Abenden teil. Die Geschichte begann wohl nach der Geburt der Tochter Margaretes, der kleinen Jeanne de France, 1311, dauerte also einige Jahre, ehe es im Frühjahr 1314 zum großen Eklat kommt. Eine zeitgenössische Chronik hält fest: „Die Königin Isabella von England, Tochter Philipps des Schönen hatte zwei sehr schöne Börsen, die eine an die Frau Ludwigs des Zänkers, die andere an die Frau Karls de la Marche verschenkt. Sie war sehr erstaunt, sei einige Zeit danach am Gürtel der beiden Kavaliere zu sehen. Sie schwieg, berichtete die Tatsache aber dem König, ihrem Vater, der seine Schwiegertöchter überwachen ließ.“ Die Geschichte mit den wertvoll bestickten Börsen scheint zwar recht unsinnig an einem Hof, an dem häufig Pfänder höfischer Liebe getauscht werden, dennoch wird die Bezichtigung Isabellas sehr ernst genommen. Von Maubuisson bei Pontoise aus befiehlt Philipp der Schöne die Verhaftung der Schuldigen. Die Angelegenheit erregt großes Aufsehen. Man stelle sich vor: drei Schwiegertöchter des Königs wegen Ehebruchs verhaftet! Es ist nicht auszuschließen, dass Philipp damit auch etwas vom eben erst beendeten, aufsehenerregenden Templerprozeß ablenken will.
Die Brüder d’Aulnay werden im April 1314 in Pontoise unter der Folter befragt, geben zu, dass ihr ehebrecherisches Verhalten seit drei Jahren dauert, werden abgeurteilt – aber mit unparteiischer Justiz hat dies nichts zu tun – und werden wegen Majestätsbeleidigung auf grausamste Art hingerichtet: in Pontoise auf dem Platz Martrai zieht man ihnen die Haut ab, kastriert, enthauptet und hängt sie schließlich an den Achseln auf.
Margarete wird zusammen mit Blanche in das Verlies der Burg Chateua-Gaillard, die einst Richard Löwenherz hat bauen lassen, verbracht. Man schert den Sünderinnen das Haar, steckt sie in härenes Gewand. Sie werden schlecht versorgt, in einem ungeheizten, nach allen Seiten offenen, zugigen Raum im Turmgipfel gefangengehalten. Margarete wird nicht müde, ihr Bereuen zu beteuern, „weniger niedergedrückt, wie eine Chronik berichtet, von ihrer Straafe als von dem Mißkredit, den sie auf die Ehre der edlen Damen allgemein geworfen hatte.“ Ihre Hoffnung aber nimmt ebenso rasch ab wie ihre Gesundheit. Die Enkelin Ludwigs des Heiligen wird gleichwohl ohne wärmendes Feuer, ohne medizinische Versorgung im Verlies gehalten. Diese Grausamkeit des Königs und seines Sohnes erklärt sich allenfalls aus der Unsicherheit, die durch den Ehebruch einer Königin in der königlichen Nachfolge hervorgerufen wird.
Als Philipp der Schöne stirbt, lebt ihre Hoffnung noch einmal auf. Jetzt ist sie Königin. Aber ihr Gemahl wünscht sich eine andere. Wie könnte der König von Frankreich je mit dieser Frau öffentlich auftreten, die ihn vor aller Welt zum Hahnrei gemacht hat? Am 14. August 1315 wird Margarete von Burgund in ihrem Verlies tot aufgefunden. Ob sie ermordet wurde oder einfach an den Folgend er Kerkerhaft gestorben ist, darüber geben die Quellen keine Auskunft. Margerete wird in der Franziskanerkirche von Vernon begraben. In den Tagen darauf heiratet Ludwig der Zänker Klementine von Ungarn. Aber auch ihm bleibt nicht einmal mehr ein Jahr beschieden.


Ehlers Joachim: Seite 235
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"Die französischen Könige"

Margarete, eine Tochter des 1306 verstorbenen Herzogs Robert von Burgund, war im letzten Regierungsjahr Philipps IV. ebenso wie die Frau Philipps von Poitiers wegen Ehebruchs im Chateau Gaillard eingekerkert worden, wo sie im Frühjahr 1315 starb.

Mexandeau Louis: Seite 496
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"Die Kapetinger"

Anfang 1314 erschütterte ein beträchtlicher Skandal den Hof von Frankreich, den später Romanschreiber ausschlachten sollten. Auf Grund von vielleicht verleumderischen Bezichtigungen, die möglicherweise das Werk der bösartigen Königin Isabella waren, wurden zwei der drei Schwiegertöchter des Königs des Ehebruchs beschuldigt. Philipp hätte eine Affäre vertuschen können, die seine Söhne lächerlich machte. Aber die hohe Vorstellung, die er von seinem Amt hatte, seine Bindung an den monarchischen, dynastischen und religiösen Gedanken, sein Wille, die Übeltäter bis in die eigene Familie zu verfolgen, bewirkten, daß seine drei Schwiegertöchter, Margarete, die Gattin Ludwigs des Eigensinnigen, Johanna, mit Philipp dem Langen verheiratet, und Blanka, die Schwester Johannas und Frau Karls von Marche, verhaftet wurden. Man gab bekannt, daß Margarete und Blanka des flagranten Delikts  der verbotenen Beziehungen mit zwei Rittern der königlichen Hofhaltung, Philipp und Walter von Aunay, überführt seien. Was Johanna betrifft, so beschränkte sie sich darauf, das Verbrechen zu leugnen. Die zwei Liebhaber wurden auf grausamste Weise sher bald hingerichtet. Von den zwei Prinzessinnen starb Margarete sehr bald an den Härten des Gefängnisdaseins, Blanka traf das Los einer langen Gefangenschaft, die durch erzwungene Scheidung und Eintritt in ein Kloster endete. Waren sie schuldig? Die Lösung dieser Frage muß Rätselliebhabern überlassen bleiben. Bezeichnend ist, daß der häusliche Skandal und die Hinrichtung der Oberhäupter des Templerordens zur gleichen Zeit stattfanden. Sie bezeugen die Zerrüttung in diesem letzten Jahr der Regierung, wo sich die Monarchie in zahllosen Schwierigkeiten befand.
 

Verwandtschaft zu Ludwig X. dem Zänker
 

                                                           Ludwig IX. der Heilige
                                                     25.4.1215-25.8.1270
 
 

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                        Philipp III. der Kühne                                        Agnes von Frankreich
                         3.2.1345-5.10.1385                                              1260-   1321

                                                                                                  oo Robert II. Herzog von Burgund
                                                                                                     um 1248-9.10.1305

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                     Philipp IV. der Schöne                                            Margarete von Burgund
                     1268-29.11.1314                                                      1292-30.4.1315
 

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                      Ludwig X. der Zänker ------------------------------- oo -----
                   4.10.1289-5.6.1316


23.9.1305
  oo 1. Ludwig X. Hutin (der Zänker) König von Frankreich
           4.10.1289-5.6.1316
 
 
 
 

Kinder:

  Johanna II. Erbin von Champagne-Navarra
  28.1.1311-6.10.1349

 9.10.1329
    oo Philipp III. Graf von Evreux
        1301-16.9.1343
 
 
 
 

Literatur:
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Dufour: Weltgeschichte der Prostution von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Eichborn GmbH & Co. Verlag KG, Frankfurt am Main 1995 Band I Seite 174-176 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 223,232 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 231,235,239 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 165-167 -
 
 
 
 
 
 
 


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