Odo IV.                                                    Herzog von Burgund (1315-1349)
-----------                                                  Pfalzgraf von Burgund (Freiburgund)
1295-3.4.1349                                          Graf von Artois, von Auxonne und Chalon-sur-Saone
        Sens                                                 Seigneur von Salins
 

Sohn des Herzogs Robert II. von Burgund und der Agnes von Frankreich, Tochter von König Ludwig IX.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1356
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Odo IV., Herzog von Burgund
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* 1295, + 3. April 1349
             Sens

Sohn Herzog Roberts II. und der Agnes von Frankreich

Odo IV. folgte 1315 seinem Bruder Hugo V. nach und verteidigte gegen König Philipp V. die Rechte seiner Nichte, der von der Thronfolge ausgeschlossenen Johanna, Tochter Ludwigs X. Philipp V. gab Odo IV. seine Tochter Johanna, mit Artois und Freigrafschaft Burgund als Mitgift, zur Frau (18. Juni 1318). Der Herzog stand loyal zu den französischen Königen, besonders Philipp VI., der mit Odos Schwester Jeanne de Bourgogne verheiratet war; doch nötigte Odo IV. den König, mit Robert von Artois, der das Erbe der Gemahlin Odos einforderte, zu brechen. Odo IV. führte zahlreiche Leute aus seiner Klientel (Noyers, Mildes de) in die Entourage des Königs ein, begleitete Philipp VI. nach Avignon und verteidigte das Artois gegen den König von England, der ihm Calais entriß (1347). Eine Liga von Baronen aus der Freigrafschaft, die von Johann von Chalon-Arlay angestiftet worden war und von König Eduard III. unterstützt wurde, macht Odo IV. die Herrschaft über die Frache-Comte streitig (1330-1331,1336-1337,1340-1347); dessen ungeachtet festigte sich die herzogliche Macht, dank des Ankaufs zahlreicher Burgen und der institutionellen Fortschritte. Odo IV. förderte die Münzprägung in Auxonne, das zum Imperium gehörte, wodurch sich der Herzog den königlichen Ordonanzen entziehen konnte. Sein Sohn Philipp, vermählt mit der Gräfin von Auvergne und Boulogne, starb vor ihm und hinterließ einen Sohn, Philipp von Rouvres, der das Herzogtum erbte.



Odo IV. folgte seinem Bruder Hugo V. in der Regierung. Er war 1316/21 Titular-König von Thessalonich, Titular-Fürst von Achai-Morea, Pfalzgraf von Burgund (Freiburgund), Graf von Artois, von Auxonne und Chalon-sur-Saone und Seigneur von Salins.Odo konnte die Ansprüche auf dem Balkan nie realisieren und gründete 1346 die Kartause von Beaune. Er wurde völlig zum französischen Parteigänger und unterstützte seinen Schwager im beginnenden Hundertjährigen Krieg gegen England. Odo starb an den Folgen eines Sturzes vom Pferd.

Ehlers Joachim: Seite 234-237
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"Die Kapetinger"

Konfliktträchtig war schon die Tatsache, daß Johanna, Ludwigs X. Tochter aus erster Ehe und Enkelin des 1306 verstorbenen Herzog Roberts II. von Burgund, mittlerweile am Hof ihres Onkels Odo IV. lebte. Als Enkelin der Gemahlin Philipps des Schönen hatte sie Erbansprüche sowohl auf das Königreich Navarra als auch auf die Grafschaft Champagne, so daß der regierende Herzog sich zu ihrem Anwalt machen konnte. Am 17. Juli schloß er mit Philipp von Poitiers einen Vertrag, der die Rechte Johannas und einer von der schwangeren Clementia möglicherweise zu erwartenden weiteren Tochter auf Navarra und Champagne anerkannte, Philipp aber bis zur Verheiratung Johannas und ihrer möglichen Schwester die Regentschaft des Königreichs und der Grafschaft garantierte.
Philipps Tochter Johanna wurde am 29. September 1316 mit Herzog Odo von Burgund verlobt.
Herzog Odo von Burgund, vornehmster Pair des Reiches und vom Reimser Ordo mit wichtigen liturgischen Funktionen bei der Krönung betraut, war nicht gekommen, weil er keine Zusage über die Rechte seiner Nichte Johanna erhalten hatte.
Um sich durch Ausgleich im Innern größeren Handlungsspielraum gegenüber England und Flandern zu verschaffen, schloß Philipp V. im Frühjahr 1318 ein Abkommen mit Odo IV. von Burgund. Es sah sie Heirat des Herzogs mit der ältesten Königs-Tochter Johanna vor und sicherte der Tochter Ludwigs X. die Champagne für den Fall zu, daß Philipp V. keinen männlichen Erben haben würde.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 238,256
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Schwierigkeiten ergaben sich sofort im Verhältnis zu Herzog Odo IV. von Burgund, an dessen Hof sich die Tochter Ludwigs X. aus der ersten Ehe, Johanna, befand, die als Enkelin der Frau Philipps des Schönen Erbansprüche auf das Königreich Navarra und die Grafschaft Champagne hatte, da in beiden Gebieten nicht wie im Königreich Frankreich ein die männlichen Nachkommen bevorzugendes Erbrecht galt. Bereits am 17. Juli wurde jedoch ein die Situation vorerst entspannender Vertrag zwischen dem Regenten und Herzog Odo geschlossen; darin wurden die Rechte Johannas und einer eventuell hinzukommenden Tochter aus der zweiten Ehe Ludwigs X. auf Navarra und die Champagne anerkannt, während sich Philipp bis zu einer Heirat der beiden Damen die Regentschaft vorbehielt.
Verhandlungen führten im Frühjahr 1318 zu einer Einigung mit Herzog Odo von Burgund: Johanna, der Tochter König Ludwigs X. und Margaretes von Burgund, wurde für den Fall, daß der neue König söhnelos starb, die Champagne zugesichert, während der Herzog die älteste Tochter Philipps V. zur Frau erhielt.
Als Johanna, Tochter der Mahaut von Artois und verstoßene Frau König Philipps V., bereits 1330 starb, fand deren gleichnamige, mit Herzog Odo von Burgund verheiratete Tochter die nachdrückliche Unterstützung ihres Gatten, während der König daran dachte, die Grafschaft Artois seiner Domäne einzugliedern. In einem Prozeß vor dem Pariser Parlement Ende 1330 legte der weiterhin nach dem Besitz des Artois strebende Robert von Beaumont zur Bekräftigung seiner Ansprüche Urkunden vor, die man jedoch schnell als Fälschungen erkannte, so daß er abgewiesen wurde. Daher setzte sich Johanna von Burgund durch, was zugleich dazu beitrug, daß seitdem der Einfluß Herzog Odos in der königlichen Regierung wuchs.
 
 
 
 

 18.6.1318
    oo Johanna II. von Frankreich, Tochter des Königs Philipp V.
        1308-   1347

       Erbin von Freiburgund und Artois
 
 
 
 

Kinder:

  Philipp
  10.11.1323-22.9.1346
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 234-237 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 205 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 231,238,254,256,264 -
 
 
 
 
 
 


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