Franz I.                                                      Herzog der Bretagne (1442-1450)
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11.5.1414-17.7.1450
 

Ältester Sohn des Herzogs Johann VI. der Weise von Bretagne und der Johanna von Frankreich, Tochter von König Karl VI. dem Wahnsinnigen
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 798
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Franz (Francois) I., Herzog von Bretagne 1442-1450
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* 14. Mai 1414, + 18. Juli 1450
Vannes           Nantes

Ältester Sohn von Herzog Johann V. und Johanna von Frankreich

1. oo Yolande von Anjou

2. oo Isabella (Ysabeau) von Schottland

2 Töchter:
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Marguerite
Marie

Die Zeitgenossen rühmen die Schönheit des Herzogs, seine Vorliebe für höfische Feste und Turniere sowie seine Ritterlichkeit und seinen kriegerischen Charakter; neue Historiker sehen in ihm dagegen die anachronistische Gestalt eines große Feudalherrn, der, ohne bedeutende persönliche Fähigkeiten, vorbehaltlos die französische Sache gegen die Engländer verfocht und dem insbesonders die Ermordung seines pro-englischen Bruders Gilles angelastet wurde.
Die Wirklichkeit ist komplexer. Franz‘ Regierung ist geprägt durch eine Periode des Friedens und relativen Wohlstands vor den Auseinandersetzungen mit Frankreich; getrübt allerdings bereits durch Kriegswirren (an der Peripherie) und eine Verstärkung des auf der Landbevölkerung lastenden Steuerdrucks. Franz I. förderte das Rittertum (Stiftung des Ährenordens/Ordre de l'Epi), aber auch Städtewesen und Handel, der jedoch bereits Krisensymptome zeigte. Bemühungen um eine Universitätsgründung für Nantes bleiben
erfolglos. An das konkurriende Haus PENTHIEVRE wurde eine Annäherung vollzogen (1448).
Im Unterschied zu seinem Vater setzte Franz I. im rechten Augenblick auf die französische Karte, brach nach dem englischen Überfall auf Fougeres (1449) mit England und unterstützte fortan in loyaler Weise Karl VII., der seinerseits in kluger Mäßigung bereits im März 1445 zu Chinon auf den ligischen Lehnseid des Herzogs verzichtet hatte. Als Gefolgmann Frankreichs beteiligte sich Franz I. in der letzten Phase des Hundertjährigen Krieges an der Rückeroberung des Cotentin. - Nach Franz' Tod wurden seine Töchter in Anwendung des Vertrags von Guerande zugunsten des Bruders des Verstorbenen, Peter II., ausgeschlossen.


Franz I. folgte 1442 als Herzog der Bretagne, Graf von Montfort und von Richmond, Seigneur de Neaufle-le-Chatel und Pair von Frankreich. Stattlich wie die Brüder, aber ohne bedeutende Fähigkeiten ging er ganz auf die französische Seite über, weshalb er seinen Bruder Gilles II., der englischer Kronfeldherr war, nach einem gezinkten Prozeß ermorden ließ. Franz neigte ebenfalls zu Schwermut und starb kurz nach dem Brudermord daran.
 
 
 
 

    1431
  1. oo Jolanthe von Anjou, Tochter des Herzogs Ludwig II.
          3.8.1412-17.7.1440

 30.10.1441
  2. oo Isabella Stuart, Tochter des Königs Jakob I. von Schottland
          1426-   1494/99
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Rainald
        - jung

2. Ehe

  Margarete
  um 1443-22.9.1469

13.11.1455
    oo Franz II. Herzog von der Bretagne
        23.6.1435-9.9.1488

  Marie
  um 1444-   1506/11

8.3.1461
  oo Johann II. Vicomte de Rohan und de Leon
             -   1516
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 339 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 408 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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