Arthur III.                                              Herzog der Bretagne (1457)
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24.8.1393-26.12.1457
Suscinio  Nantes

Begraben: Nantes, Kartause (von ihm gegründet)
 

2. Sohn des Herzogs Johann V. der Tapfere von der Bretagne aus seiner 3. Ehe mit der Johanna von Navarra, Tochter von König Karl II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1068
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Arthur III., Herzog der Bretagne 1457-1458
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* 24. August 1393, + 26. Dezember 1458
Schloß Suscinio

Begraben: Nantes, Kartause (von ihm gegründet)

Sohn Johanns IV. und der Johanna von Navarra

1. oo Margarete von Burgund

2. oo Johanna von Albret

3. oo Katharina von Luxemburg

keine legitimen Kinder

Arthur war Graf von Richmond, französischer Heerführer und Staatsmann, bekannt unter dem Namen "Connetable de Richmont". Von 1415 (Schlacht bei Azincourt) bis 1422 in englischer Gefangenschaft, trat er danach wie viele Bretonen in französische Dienste; König Karl VII., an einem Bündnis mit Arthurs Bruder Johann VI. interessiert, ernannte ihn 1425 zum Connetable. Ehrgeizig und energisch, erlangte er bald großen Einfluß am Hofe von Bourges: Trotz Rivalität zu La Tremoille und zeitweise Exils war er an der Einnahme von Beaugency durch Jeanne d'Arc und am Sieg von Patay beteiligt. Nach der Ermordung La Tremoilles durch einen Gefolgsmann Arthurs wurde der Connetable zum beherrschenden Ratgeber Karls VII. 1435 gelang ihm im Vertrag von Arras der Ausgleich zwischen Burgund und Frankreich. Am 13. April 1436 hielt er seinen feierlichen Einzug in das zurückeroberte Paris. Er verteidigte 1440 die königliche Sache gegen die Führer der Praguerie und nutzte den Waffenstillstand mit den Engländern, um die königlich Armee zu reorganisieren (Schaffung der compagnies d'ordonnances und der Francs Archers). Nach dem Wiederausbrechen der offenen Feindseligkeiten mit England (nach der Ermordung Gilles II. de Bretagne, des Bruders des bretonischen Herzogs Franz I. 1446, englische Einnahme von Fougeres 1449) machten sich der Connetable und seine bretonischen Streitkräfte mit Unterstützung von Dunois, den der König gesandt hatte, zu Herren der Halbinsel Cotentin und eroberten Fougeres zurück. Als neue englische Truppen in Cherbourg landeten, kam Arthur dem Grafen von Clermont zu Hilfe und besiegte das englische Heer am 15. April 1450 bei Formigny nahe Bayeux. Durch diesen Sieg eroberte Arthur dem französischen König die Normandie zurück, in der er zum Gouverneur eingesetzt wurde; dieser Erfolg bildete eine der entscheidenden Etappen des Hundertjährigen Krieges.
Da weder Herzog Franz I. noch sein Bruder Peter II. Söhne hinterließen, trat Arthur am 22. September 1457 die Nachfolge als Herzog der Bretagne an. Wie seine Vorgänger verteidigte er die Sonderstellung des Herzogtums. Er leistete dem König nur den einfachen Lehnseid und blieb Connetable. Auch widersetzte er sich der Forderung Karls VII., am Prozeß gegen seinen in Aufstände verwickelten Neffen, Herzog Johann II. von Alencon, teilzunehmen und erlangte dessen Begnadigung. Mit gleicher Energie stellte er sich den Kräften in der Bretagne entgegen, die nach Unabhängigkeit von seiner Autorität strebten (so der Bischof von Nantes). Er hinterließ das Herzogtum seinem Neffen Francois d'Etampes (Franz II.).


Arthur III. war kraftvoll, politisch klug, weitblickend und diplomatisch, wurde ein vielgerühmter, strahlender Held im Hundertjährigen Krieg. Er wurde 1393 Graf von Richmond, später Graf von Dreux, Montfort-d'Amaury und Goello, Seigneur de Neaufle-le-Chatel und de Parthenay, de l'Isle de Brehat, 1423 Mitregent von Frankreich, Herzog von Touraine und Connetable von Frankreich, wodurch er und die Familie ganz auf die französische Seite gezogen wurde. Er machte 1415 die Schlacht bei Azincourt mit, wurde gefangengenommen und blieb bis 1422 in englischer Haft. Er unterstützte zuerst die Partei der Orleans, dann die burgundische, wurde Gouverneur von Paris, Isle-de-France und der Normandie und vermittelte, nachdem er eine Zeit lang den Ränken der Höflinge weichen mußte, 1435 den Frieden von Arras. 1436 eroberte er Paris zurück und nach und nach die gesamte Normandie. Arthur stützte seinen kranken Neffen Peter und folgte ihm als Herzog und Pair von Frankreich. Er bestimmte die französische Politik bis zuletzt mit und starb hoch verehrt und gerühmt.

Ehlers Joachim: Seite 307,313,324-327
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Im Früjhahr 1425 hatte Karl einen Bruder Herzog Johanns V. von der Bretagne als Connetable in seine Dienste egnommen, Arthur von Richemont, seit Oktober 1423 Schwager Philipps des Guten. Richemonts Frontwechsel dürfte auf die Vermittlung Jolandes von Aragon bei Johann V. zurückzuführen sein, dessen Tochter Isabella im Oktober 1424 Ludwig III. von Anjou geheiratet hattte. Im Juli des folgenden Jahres begann Karl dann jene Vertrauten zu entlassen, die am Attentat von Montereau beteiligt gewesen waren. Mochten diese Entlassungen zunächst nur Wünsche Herzog Johanns und Voraussetzungen für den Aufstieg Richemonts am Hof von Bourges gewesen sein, so lag in ihnen doch auch eine Geste gegenüber Burgund. Hier schien Bewegung in bisher starre Linien zu kommen, und Richemont wiederum führte Karl im Juli 1427 Georges de La Tremouille zu, einst glücklicher Ehemann der Witwe Herzog Johanns von Berry, nun durch ihre nachgelassenen Güter reich geworden. Weil La Tremouilles Bruder Johann auf burgundischer Seite stand, wollten Richemont und seine Protektorin Jolande von Aragon auf diesem Wege eine Brücke zu Philipp dem Guten schlagen, und Karl verschloß ihren Bemühungen nicht. Er übertrug La Tremouille das Herzogtum Berry, aber der ganze Plan scheiterte am Ende daran, daß Johann V. im September 1427 einen Vertrag mit Heinrich V. schloß, der die Bretagne wieder fest an den englischen König band und auf Bourges gerichtete Initiativen beendete. Nun konnte Georges de La Tremouille den Connetable als unzuverlässiges Element stürzen und mit ihm eine ganze Hofpartei zu Fall bringen.
Jolande von Aragon hatte Jeanne nicht nur geprüft, sondern sie erreichte mit ihrer Hilfe auch die Aussöhnung zwischen Karl und Jolandes Schützling Richemont, der sich in Jeannes Heereasabteilung am 19. Juni 1429 bei Patay ausgezeichnet hatte.
Plünderungszüge La Hires in der Ile-de-France enthüllten auch dort die Schwäche Bedfords, aber Uneinigkeit im Lager Karls VII. behinderte vorderhand den durchschlagenden Erfolg, weil der Dauerkonflikt zwischen Richemont und La Tremouille immer wieder Fehde- und Kriegshandlungen  in der Auvergne, im Anjou, im östlichen Grenzgebiet der Bretagne nach sich zog. Danach mußte Bedford wichtige Vorhaben abbrechen, so die Belagerung von Lagny am 10. August 1432, und er trug unbeabsichtigt zum Sturz La Tremouilles bei, indem er Herzog Johanns V. von der Bretagne und seinem Bruder Richemont ein Bündnis anbot. Auf diese Nachricht nämlich erklärte La Tremouille seinen Frieden mit Richemont und erregte durch solche schnell und ganz selbständig vollzogene Wendung das Mißtrauen der ANJOUS, die ihn im Juni 1433 auf Schloß Chinon überraschend verhaften ließen. Nur gegen hohes Lösegeld und das Versprechen, dem Hof künftig fernzubleiben, kam er wieder frei. Für den Beraterkreis Karls VII. bedeutete es zweifellos eine Stabilisierung, daß nunmehr Jolande von Aragon, Karl von Anjou und Richemont die unbestrittene Vormachtstellung innehatten.
Das militärische Vorgehen gegen die Hauptstadt wurde Richemont übertragen, der im Frühjahr 1436 die Einschließung begann und durch einen Bürgeraufstand unterstützt wurde. Am 13. April sah sich die kleine englische Garnision außer Gefecht gesetzt, den Truppen des Königs öffneten sich die Tore.

Favier, Jean: Seite 396,401
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515"

Die Günstlinge, darunter vor allem Arthur von Richemont, der Bruder des Herzogs der Bretagne, und Georg von La Tremouille, lösten einander in kurzer Folge ab, was eine konsequente Politik vereitelte.
Nach langem Schwanken war Arthur von Richemont schließlich ins Lager des VALOIS übergewechselt.
Nachdem Richemont im April 1436 ohne einen Schwertstreich in Paris eingezogen war - die Bürger hatten die Porte St. Jacques geöffnet -, erhielten die Getreuen Karls VII. Posten im Parlement, am Rechnungshof und im Chatelet.
 
 
 
 

 10.10.1423
  1. oo 2. Margarete von Burgund, Tochter des Herzogs Johann Ohnefurcht
     x        1393-2.2.1441

        1. oo Ludwig von Guyenne Dauphine von Frankreich
                22.1.1396-18.12.1415

  29.8.1442
  2. oo Johanna d'Albret, Tochter des Grafen Karl III. von Dreux
     x    ca. 1420-20.9.1444

         Erbin

   2.7.1445
  3. oo 2. Katharina von Luxemburg-St. Pol, Tochter des Grafen Peter I.
     x       um 1430-   1476
 
 
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 179,183 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 307,311,313,317,324-327,329,334,339 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 396,398,401,408,452 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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