Anton von Bourbon                               Herzog von Vendome (1537-1562)
-------------------------                             König von Navarra (1555-1562)
22.4.1518-17.11.1562
               Les Andelys
 

Ältester Sohn des Grafen Karl von Vendome und der Franziska von Alencon, Tochter von Herzog Renatus
 

Lexikon der Renaissance: Seite 41
*********************
Anton von Navarra, eigentlich Anton von Bourbon, Herzog von Vendome
------------------------
* 22.4.1518, + 17.11.1562
La Fere         Andelys

Heiratete 1548 Johanna von Albret.
Nach dem Tode seines Schwiegervaters wurde er 1555 Titular-König von Navarra. Seine Unfähigkeit, schwierige politische  Entscheidungem zu treffen und die reformatorische Grundströmung imVolk parteipolitisch ins Kalkül zu ziehen, verliehen ihm das Profil einer fast tragikomischen Gestalt. Unter Heinrich II. in Ungnade gefallen, kokettierte er seit 1558 mit den Hugenoten, die eine Zeitlang tatsächlich ihre Hoffnungen auf ihn setzten. Nach der hugenottischen Verschwörung von Amboise (1560) von Franz II. nach Orleans zitiert, wurde er dort auf Betreiben der GUISE vom König wie ein noch zu überführender Staatsverbrecher behandelt und isoliert. Über den bevorstehenden Tod des erkrankten Franz II. wohlweislich im unklaren gehalten, wurde er das Opfer der Täuschungskünste Katharinas von Medici, die sich seiner Arglosigkeit bediente; statt als ranghöchster Prinz die Regentschaft für den zehnjährigen Karl IX. zu übernehmen, brachte sie ihn dazu, ihr zur ersten Stelle am Hofe zu verhelfen, indem er Katharina Regentin werden ließ und sich seklbst mit der Stellung eines Generalleutnants des Königreichs begnügte. Mit der Verschwommenheit seiner Vorstellungen war Anton von Bourbon der frühneuzeitlichen Diplomatie der Gesandten Philipps II. und des Papstes, die bei Anton für die GUISE eintraten, unterlegen. Mit vagen Versprechungen gelang diesen die Abspaltung Antons von den Hugenotten. Anton von Bourbon, der bis Anfang 1562 noch als Hugenottenförderer auftrat, wiewohl er insgeheim mit beiden Seiten verhandelte, übernahm nach dem Blutbad von Vassy (1562) den Befehl über die Regierungstruppen in den nun ausbrechenden Hugenottenkriegen, spielte aber auf Grund seines widersprüchlichen Verhaltens nur eine Schattenrolle. Bei der Belagerung von Rouen wurde er tödlich erwundet.


Bertelsmann Lexikon Geschichte: Seite 52
***************************
Anton von Bourbon, König von Navarra 1555-1562
-------------------------
* 22.4.1518, + 17.11.1562
La Fere-en-Tardenois Andelys

Gatte der Johanna d'Albret, der Erbin Navarras; Vater Heinrichs IV. von Frankreich.

Anton von Bourbon war zuerst Führer der Hugenotten, wurde aber 1561 wieder Katholik und fiel als Heerführer gegen die Hugenotten.


Anton von Bourbon folgte seinem Vater 1537 im gesamten Erbe, war wohl von höfischer Eleganz, besaß aber kaum etwas von den charakterlichen und geistigen Fähigkeiten des Vaters und war schwach und wankelmütig. 1550 wurde er Herzog von Alencon, 1555 König von Navarra, Fürst von Bearn, Herzog d'Albret, Graf von Foix und damit Herr von Andorra, Graf von Armagnac, Perigord, Bigorre und Fezensac, Vicomte von Limoges, Gouverneur von Pikardie, Gouverneur und Admiral von Guyenne, französischer General-Leutnant und Erster Prinz von Frankreich. Er kämpfte gegen Spanien mit, ging durch seine Frau aber zu den Hugenotten über und wurde 1557 deren Haupt. 1558-1560 inhaftiert, näherte er sich der Regentin Katharina von Medici, die ihn gegen die GUISEN ausspielen wollte, ging aber 1562 doch zu den GUISEN über, ließ sich damit seinem bedeutenden Bruder Ludwig von Conde entfremden und wurde wieder katholisch. Anton fiel in den beginnenden Hugenottenkriegen bei Andelys.
Seine Geliebte war die Herzogin von Chatellerault.
 
 
 
 

 1548
  oo 2. Johanna III. d'Albret-Navarra, Tochter des Königs Heinrich II.
          7.1.1528-8.6.1572
 
 
 
 

Kinder:

  Heinrich Herzog von Beaumont
  21.9.1551-20.8.1553

  Heinrich IV. König von Frankreich
  14.12.1553-14.5.1610

  Ludwig Karl Graf von Marle
  19.2.1555- 9./10.1557

  Magdalene
  11.4.1556-25.4.1556

  Katharina
  7.2.1559-13.2.1604

 30.1.1599
    oo Heinrich II. Herzog von Lothringen-Bar
         8.11.1563-31.7.1624

Illegitim

  Karl Erzbischof von Rouen (1594-1610)
  1554-   1610
 
 
 

Literatur:
-----------
Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 92,94,96,100,103,110,123,125,143,146 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 53,60,65,69,74,78-84,87-90,92,94-98,100,105,109,112,116 - Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 7,9-13,15,20-34,55, 68,74,81,136,465 -
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Mahoney Irene: Seite 53,78,87,105,112-116
*************
"Katharina de Medici"

Anton von Bourbon, Erste Prinz von Geblüt, und seine Gattin Jeanne d'Albret unterstützten seit 1555 in Navarra ganz offen die Häresie. Drei Jahre später wurde Anton von Calvin selbst ermuntert, die Führung der "Religion" zu übernehmen. Anton, obgleich begabt mit Charme und Enthusiasmus, sollte sich während der nächsten Jahre als ausgesprochen unbeständig erweisen. Eitel, ehrgeizig, überspannt, den Kopf ständig voller widersprüchlicher Pläne, wollte er seine königliche Herkunft dafür nutzen, sich eine mächtige Stellung bei Hofe zu sichern. Er wollte der gläubige Führer der Hugenotten (als welche die französischen Protestanten bekannt geworden sind) werden. Er wollte sein Schicksal in die Waagschale werfen mit den GUISEN und ein Königreich in Italien gewinnen. In Wirklichkeit aber unternahm er gar nichts. In seine eigenen grandiosen Tagträume vernarrt, merkte er nicht, wie häufig er nicht derjenige war, der schob, sondern derjenige, welcher geschoben wurde.
Sobald Anne de Montmorency klargeworden war, dass König Heinrichs II. Tod unmittelbar bevorstand, hatte er, der sich einen Gewaltstreich der GUISEN abzuwehren bemühte, eine Botschaft an Anton gesandt, worin er ihn bat, eiligst an den Hof nach Paris zu kommen. Es war, so sollte man meinen, der Augenblick, auf den der König von Navarra bereits sein ganzes Leben lang gewartet hatte: am Hof zu weilen - und zwar nicht einfach als armer Verwandter, sondern als Regent von Frankreich -, den jungen König von seinem Rat abhängig zu wissen, am Sitz der Macht sich aufzuhalten, zu dirigieren, zu befehlen.
Anton, der sich früher seiner tatsächlichen Bedeutung zuwider etwas einbildete, schien jetzt unfähig, seine wirklichen Möglichkeiten zu erkennen. Vielleicht war es das Gewicht dieses plötzlichen und unerwarteten Ansehens sowohl als auch die Furcht vor Verrat, die Anton zögern ließen. Was auch immer die Ursache gewesen sein mag, seine Reise von Bearn aus nach Norden verlief langsam, und zu dem Zeitpunkt, da er am Hof eintraf, war es für jedermann offensichtlich, dass er zu spät gekommen war. Seine Unentschiedenheit hatte den GUISEN zu der Zeitspanne verholfen, die sie brauchten. Als er am 18. August in St. Germain-en-Laye eintraf, saßen sie schon sicher im Sattel. Auf ihre Anordnungen hin war die Palastgarde verdoppelt worden, um den jungen König vor jeder Zudringlichkeit zu bewahren. Die Tatsache, dass Anton mit einer imponierenden Begleitung gekommen war, entsprang einem Fehlurteil, denn es rief nicht Bewunderung, sondern weitere Feindseligkeit wach. Anstelle fürstlichen Willkommens wartete eine Reihe von Demütigungen auf ihn. Keine angemessene Suite war vorbereitet worden. Franz, der sich auf der Jagd befand, hatte keine Anordnungen für seine Bewillkommnung hinterlassen. Katharina setzte, als er schließlich bei ihr vorgelassen wurde, ihr Gespräch mit dem Kardinal und dem Herzog von Guise fort und nahm kaum Notiz von seiner Anwesenheit. Doch Anton bewahrte trotz des offensichtlichen Affronts sein freundliches Lächeln, begrüßte alte Freunde, umarmte die GUISEN und erging sich in seinen üblichen widersprüchlichen Reden, Erklärungen und Versprechungen.
Anton schien unfähig, zu begreifen, dass sein Bestreben, seine Vorstellungen auf dem Kompromißweg durchzusetzen, um sich einzuschmeicheln, sich zum eigenen Nachteil auswirken mußten. Die Hugenotten begannen bald, den Glauben an ihn zu verlieren: Seine Wege waren für ihre Redlichkeit zu gewunden. Am Hof erging es Anton nicht besser. Nicht länger eine gefährliche Bedrohung für die an der Macht befindlichen, war er jetzt zu einer lästigen Figur zusammengeschrumpft, auch schien er es mit seiner Abreise nicht eilig zu haben. Schließlich war ihm gegen Ende des Jahres die Mission anvertraut worden, Elisabeth von Valois ihrem spanischen Gemahl zuzuführen. Es war für alle offenkundig, was diesen Wunsch ausgelöst hatte. "Man wünschte, ihn aus dem Wege zu räumen". schrieb der italienische Historiker Enrico Davila. Anton indessen nahm diesen Auftrag mit Bereitwilligkeit an, da er hoffte, seine Mission würde ihn Philipp von Spanien von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten lassen, mit dem er eine erfolgreiche Regelung betreffend des strittigen Territorium Navarra auszuhandelm gedachte.
Aber Anton, der sich gewöhnlich durch Schmeicheleien beeindruckt zeigte, rührte sich nicht aus Bearn fort. Er konnte es auch kaum wagen, denn im Sommer 1560 waren die Prinzen von Geblüt in ein Komplott verwickelt, das sie beinahe ihr Leben gekostet hätte. Im September erschien ihr jüngerer Bruder, Karl, Kardinal von Bourbon, um sie zur Rückkehr an den Hof zu überreden, wo sie sich rechtfertigen sollten. Offenbar hielten sie den zwingenden Befehl, an den Hof zu kommen, für eine Falle, doch das Versäumnis, den königlichen Weisungen zu gehorchen, würde sie zu Rebellen gegenüber der Krone machen. Anton, geradezu bis zur Lächerlichkeit unentschlossen, befand sich in einem Dilemma, dessen Lösung selbst einem weit entschloseneren Mann Schwierigkeiten bereitet hätte.
In der Abenddämmerung des 30. Oktober zog Anton, der sich zur Versöhnung mit dem Hof entschlossen hatte, mit seinem widerstrebenden Bruder Conde in Orleans ein und wurde von der Königin-Mutter erwartet. Nach einem kühlen Empfang voller Demütigungen wurde Conde ohne weitere Diskussion in Gewahrsam genommen, dem Anton gerade noch entging.
Mach dem Tode König Franz' II. ließ er sich von der Königin-Mutter auf deren Seite ziehen. Anton jedoch wollte als Erster Prinz von Geblüt vorsichtig behandelt werden. Er näherte sich damals dem 45. Lebensjahr. Trotz seines ergrauenden Bartes war er noch ein stattlicher Mann, schlank, kräftig, von jener Anmut, die seinem Bruder fehlte. "Er ist sehr höflich gegenüber jedermann", schreibt Michieli, "ohne Pomp oder Protzerei; er ist sehr frei in seinen Sitten, was sehr französisch ist. Seine Großzügigkeit ist derart, dass er dauernd in Schulden steckt." Es war das Porträt eines Mannes, dem das Lächeln der Götter hold war, aber es gab trotz seiner Gaben in seinem Innersten eine schwache Stelle. Er war ein launenhafter und unbeständiger Mann, dessen Begierden einander widersprachenn. Katharina von Medici verkündete im königlichen Rat, dass sie die Regentschaft für ihren Sohn Karl IX. übernehmen werde. Anton sollte der Erste Berater und vielleich Generalleutnant der königlichen Streitkräfte sein. Entgegen ihrem ursprünglichen Versprechen, die Macht der Regentschaft mit ihm zu teilen, nahm sie das königliche Siegel an sich, was deutlich machte, dass Anton ihr beistehen, niemals aber die Oberhand über sie gewinnen würde. Er gab seine Zustimmung und zwar mit jener überschwenglichen Beflissenheit, die jene zum Verzweifeln brachte, welche auf seine Führerschaft zählten. Im Anschluß daran versöhnte er sich sowohl mit Montmorency und den GUISEN, die für das Todesurteil gegen seinen Bruder verantwortlich waren. Er hatte freilich nicht die Absicht, seine gegenwärtige Stellung aufs Spiel zu setzen, nur um eine Religion zu unterstützen, der er sich nur locker verbunden fühlte. Anton, der als Erster Prinz von Geblüt zu allererst das Recht besaß, sich Katharinas Regentschaft zu widersetzen, beharrte bei seiner passiven Anerkennung und Katharinas Regentschaft wurde am 21. Dezember verkündet. In der Folgezeit zeigte er sich sowohl arrogant als auch störrisch und brachte mit seiner Unbeständigkeit seine Umgebung zur Verzweiflung.
Anton von Bourbon, eitel und hohlköpfig wie er war, hielt sich für die zentrale Figur in Frankreich. Nach welcher Seite hin er auch immer sich neigte, folgten die Waagschalen, und mit dem neuen Jahr kam ein neuer Kurs. Die GUISEN, die sich bewußt waren, wie seine Anwesenheit ihre Sache fördern könnte, begannen um Antons Gunst zu buhlen. Was für die meisten Männer im soliden Gewicht echter Besitztümer lag, sah Anton schon im Getuschel von Versprechungen: ihn brachte schon leeres Musikgeklingel zum Tanzen. Die "Musik" der GUISEN war, wenn auch schwach, im höchsten Maß verführerisch. Sie gaben zu verstehen, dass Philipp geneigt wäre, das Gebiet, das jetzt Spanisch-Navarra bildete, herauszugeben, oder dass ein Königreich wie Sardinien oder Tunesien für Anton erworben werden könnte. Es fehlte auch nicht an Andeutungen, dass sich eine Annullierung seiner Ehe mit der erklärten Hugenottin Jeanne d'Albret in die Wege leiten ließe zugunsten einer Ehe mit der Göttin unter den Prinzessinnen, der Witwe Maria Stuart, der Nichte der GUISEN. Das waren Träume, die herrlich glitzerten, und Anton hielt sie irrtümlicherweise für Gold. Zu Beginn des Jahres 1562 hatte er alle Bande zu den Hugenotten zerschnitten und sein Geschick mit dem des Triumvirats verbunden. "Der König von Navarra ist jetzt ganz und gar spanisch", schrieb Trockmorton voller Abneigung an die englische Königin.
Unter den Führern, die bei der Belagerung von Rouen verletzt worden waren, befand sich Anton von Navarra, den eine Kugel an der Schulter getroffen hatte. Obgleich Antons Wunde anfangs leicht schien, waren die Ärzte nicht imstande, die Infektion unter Kontrolle zu halten, und einen Monat später lag Anton im Sterben. Bei einem Mann, der wiederholt zwischen zwei Religionen hin und her geschwankt hatte, war es schwierig, den richtigen Ritus für die Beisetzung zu wählen. Einige Zeitgenossen berichteten, dass er gegen sein Ende einen hugenottischen Arzt gebeten habe, ihm aus dem Evangelien vorzulesen; andere wiederum sagten, ein Mönch habe sich bereit gehalten, ihn im römischen Glauben zu bestärken. Nabonne erklärte zynisch, beide hätten mitgewirkt - einer hätte immer lauter gebetet als der andere, während Antons ruheloser Geist sich bald dem einen, bald dem anderen zuwandte.