Jakob II. von Bourbon                             6. Graf de la Marche (1393-1438)
----------------------------                            König von Sizilien
1370-24.9.1438
 

Ältester Sohn des Grafen Johann I. de la Marche und der Katharina von Vendome, Erb-Tochter von Graf Johann VI.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 287
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Jakob II. von Bourbon, seit 1393 Graf von der Marche
---------------------------- seit 1415 auch König von Sizilien
* um 1370, + 24. September 1438

Nahm unter dem Oberbefehl Graf Johanns von Nevers am Kreuzzug nach Nikopolis teil (1396), kam in türkische Gefangenschaft, aus der er freigelassen wurde, um das Lösegeld für die Mitgefangenen aufzutreiben. Im Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons diente er erst Burgundern, dann Aragnacs. Am 10. August 1415 heiratete er Johanna II., Königin von Neapel. Zunächst Graf von Tarent, führte er seit 1415 den Titel eines Königs von Sizilien (in den Quellen heißt er 'le‚ roi Jacques'). Er ließ den Geliebten der Königin, Pandolfello Alopo, enthaupten und den Constabular Sforza einkerkern. Das Vorgehen Jakobs II. und seiner französischen Höflinge führte zur Absetzuung und Gefangennahme des Königs durch den sizilischen Adel. Erst die Fürsprache des französischen Königs gab ihm Freiheit und Königtum wieder (Februar 1419). Jakob II. von Bourbon zog sich seit 1428 unter dem Einfluß der heiligen Coletta vom Hofleben zurück und lebte seit 1435 im Franziskanerkloster zu Besancon.


Jakob II. von Bourbon war ein stattlicher, schöner Mann wie seine Vorfahren, ritterlich, ehrgeizig, Typ des draufgängerischen Abenteurers, verschwenderisch-prunksüchtig, auch eitel, unbeherrscht und ruhmsüchtig. 1393 folgte er als 6. Graf de la Marche, von Vendome und Castres. Nach Erbstreit trat er nach dem Tode seiner Mutter Vendome an seinen Bruder Ludwig ab. 1396 zog er mit Johann Ohnefurcht von Burgund gegen die Osmanen, wurde in der Schlacht bei Nikopolis gefangengenommen und bis 1397 inhaftiert. 1397 wurde er Großkammerherr Frankreichs. Jakob abenteuerte zeitweise in England und unterstützte falsche Prätendenten und besetzte die Normannischen Inseln; er ging im französischen Bürgerkrieg zur burgundischen Partei über, stand damit im Gegensatz zur herzoglichen Vetternlinie und geriet durch Leichtsinn 1411-1412 in Gefangenschaft der königlichen Orleans-Partei; schloß sich dieser an, wurde Gouverneur von Languedoc und Mitglied im Staatsrat, wo er eine einflußreiche Stimme hatte. Er war zu konsequenter Arbeit nicht fähig, folgte dem Ruf nach Neapel, heiratete die hemmungslose Königin Johanna II. und wurde Titular-König von Neapel und Jerusalem. Er wollte nicht nur einflußloser Titular-König sein, hielt seine Frau etliche Zeit wie eine Gefangene und regierte zeitweise energisch selbst. Dabei stieß er jedoch bald auf den Widerstand des einheimischen Adels, zumal er wichtige Positionen mit Franzosen besetzte und die Adelsrechte einzuengen versuchte. Außerdem stieß seine arrogante Art und Weise, wie er die legitime Königin behandelte, vor den Kopf. Nach mehrjährigen dramatischen Palastintrigen wurde er gestürzt und als einflußloser Fürst von Tarent in der Provinz kaltgestellt. Er resignierte 1435 völlig und wurde Franziskaner zu Besancon.
 
 
 
 

  14.9.1406
  1. oo Beatrix von Evreux-Navarra, Tochter des Königs Karl III.
          1392- vor 1415                     Eventualerbin

    1415
  2. oo 2. Johanna II. Königin von Neapel
      x      25.6.1373-2.2.1435
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Isabella Nonne zu Besancon
  um 1408- nach 1445

  Marie Nonne zu Amiens
  1410- nach 1445

  Eleonore Gräfin de la Castres, 1462 Herzogin von Nemours
  um 1412- nach 21.8.1464

 1429
  oo Bernhard VIII. von Armagnac Herzog von Nemours
              -   1462

Illegitim

  Claudius "d'Alix" Bastard von Bourbon
          -

  starb als Franziskanernovize
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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