Robert I. der Tapfere                                Graf von Artois (1236-1250)
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4.9.1216-8.2.1250 gefallen
              Mansurah (Ägypten)
 

3. Sohn des Königs Ludwig VIII. von Frankreich und der Blanka von Kastilien, Tochter von König Alfons VIII.
 

Robert I. der Tapfere erhielt 1236 die Grafschaft Artois mit Arras, Aire, St-Omer, Bepaume, Hesdin, St-Pol und Lens. Er stand gegen Flandern, unterstützte seinen Bruder Ludwig IX. den Heiligen, zog mit ihm nach Ägypten und fiel in der Schlacht bei Mansurah.

Le Goff Jacques: Seite 117,130,165,234,391,635-636
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"Ludwig der Heilige"

1237 wird Robert in den Ritterstand erhoben und mit dem Artois betraut, 1241 ist Alfons an der Reihe, der das Poitou bekommt.
Es scheint jedoch, daß der Kaiser, von Ludwig IX. weiterhin geschont, vorsichtig blieb. Im gleichen Jahr 1241 hatte Papst Gregor IX., von dem FRIEDRICH II. 1239 erneut exkommuniziert worden war, Ludwig IX. für desen Bruder Robert von Artois die Krone des Römischen Reiches angeboten. Diese Geste, verbunden mit der königlichen Obrigkeit in Deutschland, verhieß Robert die Kaiserkrone.
Es folgt die Niederlage des ritterlichen Königs und der furia der französischen Ritterschaft. Ungeachtet des vorgesehenen Schlachtplans stürzt Robert von Artois, der älteste Bruder des Königs, leichtsinnig einer Schar Türken hinterdrein, die Tempelritter im Gefolge; doch da seine Hetzjagd weit über jede Vorsicht geht, läßt er sich in eine Falle locken und wird umgebracht.
Robert von Artois, Opfer seines ritterlichen Übermuts und seines Leichtsinns, war am 9. Februar 1250 in der Schlacht von Al Mansurah gefallen.
Da Ludwig eine besondere Zuneigung für seine Brüder empfand, berührte ihn dieser Verlust sehr. Aber es gab kein Nachfolgeproblem. Robert hinterließ einen jungen Sohn, ebenfalls Robertgenannt, der dem Vater nachfolgte und den Ludwig 1267 zum Ritter erhob. Da Robert auf dem Kreuzzug umgekommen war, versuchte der König, ihn als Märtyrer anerkennen zu lassen, doch die römische Kurie stellte sich taub.
Die Inkarnation des hassenwerten Franzosen ist Ludwigs nachgeborener Bruder Robert, Graf von Artois, der seiner Großsprecherei Schimpf und Schande hinzufügte, war er es doch, der seinem Bruder den Gehorsam verweigerte, der unbedacht zum Angriff gegen die Sarazenen stürmte und dann, als er zurückgeschlagen wurde, geflohen sein und das Scheitern des Kreuzzugs verursacht haben soll.
Robert war Ludwigs Lieblingsbruder. Nur zwei Jahre auseinander, waren sie zusammen aufgewachsen und Spielgefährten.wenn man so sagen darf. Robert war ein glänzender Ritter. Mag sein, daß er den König durch sein ritterliches Auftreten blendete, das ihn bei allen Vorbehalten - weil es nicht maßvoll war und sogar ein wenig überholt erschien - doch zugleich faszinierte. Robert war aber auch ein mächtiger Fürst. Sein Vater hatte ihm die Grafschaft Artois als Apanage zugedacht, und Ludwig setzte ihn anläßlich seiner Ritterweihe in dieses Erbe ein. Die gleichzeitige Vermählung mit Mathilde von Brabant machte ihn zum Vetter Kaiser FRIEDRICHS II. und Schwager sowohl des künftigen Herzogs von Brabant als auch des Landgrafen von Thüringen und des Herzogs von Bayern. Er wurde somit "eine gut ins Reichsgebiet eingeführte Persönlichkeit." Ludwig IX. überließ ihm ferner die Besitzungen Hesdin, Lens und Bapaume, erworben im Tausch gegen andere Güter ihrer Mutter, und schenkte ihm die Burgherrschaft von Poissy, seinem Geburtsort. Der englische Chronist Matthäus von Paris, dem heiligen Ludwig wohlgesonnen, findet für seinen Bruder kein freundliches Wort. Er wirft ihm schlechtes Benehmen während des Kreuzzugs vor, Hochmut ggeenüber den anderen kreuzfahrenden Rittern, insbesondere den Engländern, und Feigheit auf dem Schlachtfeld. Er wurde nicht im Kampf, sondern auf der Flucht getötet. Jedenfalls scheint Robert durch seine Disziplinlosigkeit und sein unbedachtes Handeln tatsächlich das Desaster von Al Mansurah ausgelöst zu haben, indem er sich verfüht und unbesonnen auf das Heer der Muslime stürzte.

Le Goff Jacques: Seite 633-641
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"Ludwig der Heilige"

Bleiben die Überlebenden - zunächst drei Brüder, dann nur noch zwei: Robert, der älteste geboren 1216, der 1250 in Ägypten in der Schlacht von Al Mansurah fiel; Alfons, geboren 1220, der im Jahr 1271 auf dem Rückweg vom Kreuzzug nach Tunis in Italien sterben sollte; Karl, geboren 1226 - dieses Datum ist wahrscheinlicher als 1227 -, der 1266 König von Neapel-Sizilien wurde und 1285 starb.
Wir müssen diese Brüder als Einheit betrachten. Zunächst, weil sie dank einer Verfügung ihres Vaters die Gruppe der Königssöhne von Frankreich bilden, die einen Teil des Kronlandes als Apanage, eine Sonderform der Grundherrschaft, geerbt haben.
Der reale Bestand dieser Gruppe hat sich bei mehreren wichtigen Gelegenheiten erwiesen. Im Vertrag von 1259 findet sich die Klausel, daß seine Brüder dem König von England für den Grundbesitz, den sie von Ludwig erhalten, keinen Lehnseid zu leisten brauchen. Als Alfons und Karl nach der Niederlage in Ägypten in die französische Heimat zurückkehren, während Ludwig im Heiligen Land bleibt, wird ihnen offiziell die Regentschaft übertragen.
An der Sonderstellung der Brüder haben auch deren Frauen teil, denn bei manchen Gelegenheiten zeigt Ludwig gern die Geschlossenheit der gesamten Königsfamilie. In diesem Sinne sind sogar die Kreuzzüge für ihn ein Familienunternehmen. Im Jahr 1248 bricht er mit seinen drei Brüdern und der Königin auf. Als Ludwig IX. 1270 nach Tunis aufbricht, folgen ihm sein Bruder Alfons mit Gemahlin und seine drei ältesten Söhne, der Thronerbe Philipp, Johann-Tristan und Peter. Der andere Bruder, Karl von Anjou, König von Neapel, folgt ihnen etwas später nach.
Der König legt großen Wert auf die prunkvolle Gestaltung der Ritterweihen seiner Brüder, die er, einhergehend mit ihrer Volljährigkeit (20 Jahre) und der Einsetzung in ihre Apanagen, um so aufwendiger feiern läßt. So beginnen die Brüder des heiligen Ludwigs, sich eines Standes zu rühmen, der später ein regulärer Titel wird: "Königssöhne", genauer gesagt, "Söhne des Königs von Frankreich", und manchmal abgekürzt "Söhne von Frankreich".
Von einer strengen Mutter erzogen, für die eheliche Untreue die ärgste der Todsünden war, genossen die vier Brüder den Ruf absoluter Ehrenhaftigkeit. Karl von Anjou schwor, seines Wissens hätten weder Robert noch Alfons je eine Todsünde begangen, und ihm selbst sagte man das gleiche nach.
Dennoch waren die Brüder in ihrem Wesen ebenso verschieden wie ihre Beziehungen zum König. Robert war Ludwigs Lieblingsbruder. Nur zwei Jahre auseinander, waren sie zusammen aufgewachsen und Spielgefährten, wenn man so sagen darf. Robert war ein glänzender Ritter. Mag sein, daß er den König durch sein ritterliches Auftreten blendete, das ihn bei allen Vorbehalten - weil es nicht maßvoll war und sogar ein wenig überholt erschien - doch zugleich faszinierte. Robert war aber auch ein mächtiger Fürst. Sein Vater hatte ihm die Grafschaft Artois als Apanage zugedacht, und Ludwig setzte ihn anläßlich seiner Ritterweihe in dieses Erbe ein. Die gleichzeitige Vermählung mit Mathilde von Brabant machte ihn zum Vetter Kaiser FRIEDRICHS II. und Schwager sowohl des künftigen Herzogs von Brabant als auch des Landgrafen von Thüringen und des Herzogs von Bayern. Er wurde somit "eine gut ins Reichsgebiet eingeführte Persönlichkeit". Ludwig IX. überließ ihm ferner die Besitzungen Hesdin, Lens und Bapaume, erworben im Tausach gegen andere Güter ihrer Mutter, und schenkte ihm die Burgherrschaft von Poissy, seinem Geburtsort.
Robert besaß zu Lebzeiten nicht immer den besten Ruf. Der englische Chronist Matthäus von Paris, dem heiligen Ludwig wohlgesonnen, findet für seinen Bruder kein freundliches Wort. Er wirft ihm schlechtes Benehmen während des Kreuzzugs vor, Hochmut gegenüber den anderen kreuzfahrenden Rittern, insbesondere den Engländern und Feigheit auf dem Schlachtfeld: Er wurde nicht im Kampf, sondern auf der Flucht getötet [Vgl. Chronica maiora, Band V Seite 280. In einer heftigen ideologischen Auseinandersetzung mit den Franzosen hält der Engländer Matthäus von Paris dem französischen Kreuzfahrer Robert von Artois das Beispiel eines tapferen jungen Ritters aus der englischen Königsfamilie entgegen: Wilhelm Langschwert, Graf von Salisbury, der ein wahrer Held gewesen und im Kampf gestorben sei. Matthäus zufolge müßte er, nicht Robert von Artois, als ein echter Märtyrer gelten, zumal mit Hilfe des großen englischen Heiligen, Edmund Rich oder von Abingdon.]. Jedenfall scheint Robert durch seine Disziplinlosigkeit und sein unbedachtes Handeln tatsächlich das Desaster von Al Mansurah ausgelöst zu haben, indem er sich verfrüht und unbesonnen auf das Heer der Muslime stürzte.
Aber davon wollte Ludwig nichts wissen. Bis zu seinem Tod - mit derselben Hartnäckigkeit, die auch sein Bruder Karl bewesien sollte - beharrte er darauf, in Robert einen Märtyrer zu sehen und vom Papst die Anerkennung seines Martyriums zu fordern. Vergeblich.
Alfons war der nächstjüngere Bruder. Er bekam das schönste Erbe. Gemäß dem letzten Willen seines Vaters, Ludwigs VIII., erhielt er bei der Ritterweihe im Jahr 1241 die Grafschaft Poitou und die auf dem Albigenserkreuzzug hinzugewonnene Auvergne, nachdem man ihn schon 1229 mit Johanna von Toulouse, der Tochter Graf Raimunds VII., verlobt hatte. Beim Tod des letzteren im Jahr 1249, während sich Alfons im Orient aufhielt, konnten Blanka von Kastilien und seine Stellvertreter ohne Schwierigkeit die große Domäne seines Schwiegervaters im Languedoc für ihn in Besitz nehmen. So wurde Alfons "der größte Feudalherr des Königreichs". Als auch er in die Gefangenschaft der Muslime geriet, legte Ludwig IX. größten Wert darauf, ihn alsbald loszukaufen, und so wurde er nach Bezahlung des Lösegeldes nur wenig später als sein königlicher Bruder auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr 1251 kehrte er mit dem jüngsten Bruder Karl nach Frankreich zurück, um sich den Regierungsgeschäften und seinen Gütern zu widmen. Doch kaum wieder in der Heimat, wurde er von Lähmung befallen. Mit allen Mitteln der damaligen Medizin behandelt und besonders dank der Heilkunst eines berühmten jüdischen Arztes trat eine Besserung ein, aber er blieb bis zum Lebensende stark behindert und lebte vor allem in Paris oder, häufiger, in der Umgebung von Paris. Unweit des Louvre ließ er sich ein Palais erbauen, das in Anspielung auf den hote riche, den "reichen Gast", unter dem Namen "Hotel d'Autriche" bekannt geworden ist.
Trotz allem verwaltete Alfons seine Grundherrschaft aus der Ferne oftmals mit bemerkenswertem Geschick. Manche haben in ihm sogar den fortschrittlichen Verwaltungstechniker gesehen, dem der König in der Krondomäne und im Königreich nachgeeifert habe. Aber dieser Eindruck entsteht vielleicht nur dadurch, daß wir für Alfons' Domäne und ihre Administration über ein unvergleichlich reicheres Quellenmaterial verfügen. Die südfranzösischen Archive zeigen uns Alfons an der Spitze zahreicher und, wie es scheint, sachkundiger Beamter, die gute Arbeit leisten, die Münmzprägung und den Geldumlauf überwachen, die Finanzen auf dem laufenden halten und für eine gerechte Ausübung der Justiz sorgen. Es gelingt Alfons, seine Autorität gegenüber den "drei Ordnungen" ohne größere Konflikte zu wahren und günstige Bedingungen sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch für die Verbreitung des im Süden Frankreichs fest verwurzelten römischen Rechts zu schaffen. Er ist ein Königsbruder, der keine "Geschichten" macht, ein Getreuer, der die Eingliederung S-Frankreichs in das Königreich ohne Skandale, eher im Zuge einer parallelen Entwicklung als durch Assimilation, vorantreibt.
Trotz seiner angegriffenen Gesundheit - seine Schwägerin, Königin Margarete, hat sich in einem Brief danach erkundigt - bricht er mit Ludwig IX. nach Tunis auf. Seit langem von einem persönlichen Kreuzzugseifer erfüllt, faßt Alfons schon auf dem Rückweg in Italien das nächste derartige Unternehmen ins Auge, vor allem daran ersichtlich, daß er von den Genuesen Schiffe kauft. Er befindet sich in Ligurien, in Savona, als ihn die letzte Krankheit erfaßt und er am 21. August 1271, ein Jahr nach seinem Bruder stirbt. Seine Gemahlin folgte ihm einen Tag später in den Tod. Die Ehe der beiden ist kinderlos geblieben. Sowohl kraft der Apanagenregelung als auch nach Maßgabe des Pariser Vertrags von 1229 fallen ihre Besitzungen direkt an die Krone zurück. Mit Hilfe seines Bruders Alfons - aber auch unabhängig von ihm - hat Ludwig IX. das okzitanische Frankreich ins Königreich eingegliedert.
Der jüngste Bruder, Karl, zwölf oder dreizehn Jahre nach Ludwig geboren, ist der leichtsinnigste von allen, aber nicht ohne Talente. Er gehört eher der Geschichte Italiens denn der Geschichte Frankreichs an. Karl wurde unmittelbar vor oder, wahrscheinlicher noch, kurz nach dem Tod seines Vaters geboren. Ihm gegenüber hatte Ludwig immer gemischte Empfindungen, teils nachsichtig und teils gereizt, vermutlich ebenso aufgrund seines Verhaltens wie aufgrund seiner Stellung als jüngster in der Reihe der Brüder. Diese psychologischen Hypothesen wage ich nicht nur, weil die Quellen sie nahelegen, sondern auch, weil die menschlichen Beziehungen und die Strategien der Dynastie in einer Königsfamilie im 13. Jahrhundert eng miteinander verbunden sind. Im Jahre 1245, als Karl 19 Jahre alt war, unternahmen die Aragonier einen Vorstoß in die Provence, die ihren Lehnsherrn Graf Raimund Berengar V., dessen letzte Tochter der König von Aragon für seinen Sohn begehrt, soeben verloren hat. Karl wird nach Lyon geschickt, um gemeinsam mit dem dortigen Erzbischof, Philipp von Savoyen - der ein Schwager des verstorbenen Grafen und Schwiegervaters des heiligen Ludwig war und den der König sicher bei einem Papstbesuch während des Lyoner Konzils getroffen hat - ein kleines Heer gegen die Eindringlinge zu führen. Die Aragonier ziehen sich zurück, und Karl bekommt die Hand der begehrten Prinzessin Beatrix, der jüngsten Tochter des Grafen von Provence, mit der er sich 1246 vermählt. Sie ist die Schwester von Königin Margarete, der Gemahlin Ludwigs. Im gleichen Jahr, in dem dieser ihn in seine Apanagen Anjou und Maine einsetzt, wird Karl der neue Graf von der Provence.
Während Alfons das Erbe seines Schwiegervaters mühelos in Besitz nehmen kann, stößt Karl von Anjou auf Widerstand. Die Grundherren und die Städte der Provence revoltieren gegen ihn und schüren die Erhebung in seiner Abwesenheit während des Kreuzzugs, auf dem er Ludwig zur Seite steht. Bei seiner Rückkehr kann Karl die Aufstände nur mühsam in Schach halten, indem er sie der Kontrolle eines viguier, eines gräflichen Stellvertreters, unterwirft. So verfährt er 1251 in Arles und in Avignon, 1256 in Tarascon und 1257 schließlich in Marseille, wo es dennoch zu einer weiteren Revolte kommt.
Die Geschichte S-Italiens nach dem Tod FRIEDRICHS II., des Römischen Kaisers und Königs von Neapel und Sizilien, ist außerordentlich komplex. Die aufeinanderfolgenden Päpste, die sich ein Vorrecht auf das Königreich Sizilien zugute halten, wollen es einem christlichen Fürsten ihrer Wahl verleihen und nicht Manfred, dem unehelichen Sohn FRIEDRICHS II., überlassen, der das italienische Erbe seines Vaters an sich gezogen hat. Auch Karl von Anjou wird als Kandidat in Erwägung gezogen. Im Mai 1263 beschließt Ludwig IX., der seinen Bruder bisher davon abgehalten hat, den neuerlichen Vorschlag des Papstes anzunehmen, und Karl, der die Entscheidung seines Bruders sowohl aus politischen als auch aus moralischen Gründen abgewartet hat, läßt den Papst wissen, daß er einverstanden sei.
Unter dem Namen Clemens IV. wird im Jahr 1264 Guy Foulcois Papst, ein ehemaliger Ratgeber Ludwigs IX., der die Dinge vorantreibt. Der König von Frankreich nimmt die Sache für seinen Bruder in die Hand. Am 28. Juni 1265 belehnt der Papst Karl von Anjou in Rom mit der Krone von Sizilien.
Ludwig versucht, alle Bedingungen für einen jener Kriege zu schaffen, die er für verwerflich hält, weil sie Quellen der Sünde sind, und von denen er Abstand nimmt, solange nicht alle friedlichen Mittel ausgeschöpft sind. Er unterstreicht, daß die Verfügung des Papstes in seiner Eigenschaft als Lehnsherr des Königreichs Sizilien dem Feudalrecht entspricht. Mehr noch als Manfreds Angriffe gegen den Heiligen Stuhl rechtfertigt sein Bündnis mit den Muslimen den Kreuzzugscharakter des Krieges, der ihm erklärt wird. Dem Sohn des Kaisers wird ein letztes Angebot gemacht, das ihn noch retten könnte: ein gemeinsamer Feldzug mit dem aus Konstantinopel vertriebenen lateinischen Kaiser gegen den byzantinischen, der seine Metropole zurückerobert hat. Ludwig IX. denkt offensichtlich an die Vorteile eines mit dem Rest der Christenheit verbündeten Sizilien als strategische Basis für Unternehmungen in Richtung Konstantinopel oder des bedrohten Heiligen Landes. Aber Manfred lehnt ab.
Daraufhin gibt Ludwig seinem Bruder die Erlaubnis, loszuschlagen. Karl von Anjou erobert sein Königreich im Handstreich, am 26. Februar 1266 in der Schlacht bei Benevent, wo Manfred ums Leben kommt. Doch es dauert nicht lange, da setzt sich der 15-jährige Konradin, Sohn KONRADS IV. und Enkelsohn FRIEDRICHS II., mit einem Heer nach Italien in Marsch. Bei Tagliacozzo tritt ihm Karl entgegen, und am 22. August 1269 wird Konradin vernichtend geschlagen. So faßt die französische Dynastie der ANJOU in Neapel Fuß.
Karl sieht seinen Bruder schon sehr bald, anläßlich des fatalen Kreuzzuges nach Tunis im Jahr 1270 wieder. Es wurde behauptet, als Herr über Sizilien habe Karl dem König von Frankreich gedrängt, in Tunis zu landen. Ich glaube nicht, daß diese Hypothese richtig ist. Ich habe eher den Eindruck, daß Karl, der schon immer kaiserliche Ambitionen hegte, in Gedanken vor allem mit der Rückeroberung von Konstantinopekl beschäftigt war, das die Griechen den Lateinern wieder abgenommen hatten. Ich frage mich im Gegenteil, ob es nicht Ludwig war, der eigentlich seinen Bruder zur Eroberung des Königreichs von Neapel-Sizilien getrieben hat, um es als Stützpunkt für den Aufbruch seiner Flotte zu benutzen: Der Gedanke daran beschäftigt ihn, seit er einen neuen Kreuzzug ins Auge gefaßt hat.
Karl nimmt aus Verbundenheit selbstverständlich auch an diesem Kreuzzug teil. Als er in Tunis landet, hat Ludwig seinen letzten Atemzug getan. Tränenüberströmt wirft er sich zu Füßen des Leichnams auf den Boden. Dann faßt er sich, übernimmt die Rolle des Heerführers, beschließt das Ende der Feindseligkeiten und handelt mit den Muslimen einen ehrenhaften Rückzug aus. Er versucht von seinem Neffen, Philipp III., dem neuen König von Frankreich, die sterblichen Überreste und späteren Reliquien seines Bruders zu bekommen, erhält aber nur die Eingeweide, die er in einem Sarg in die Kirche von Monreale bei Palermo überführt. Im Zusammenhang mit Ludwig IX. finden wir Karl von Anjou erst 1282 bei seiner Zeugenaussage im Kanonisationsprozeß zur Heiligsprechung seines Bruders wieder.
Manchmal hatder Bruder Ludwigs Zorn erregt. Während der sechs Tage, die der König im Anschluß an seine ägyptische Gefangenschaft auf dem Schiff nach Akkon verbrachte, beklagte er sich bei Joinville über seinen Bruder und ärgerte sich über ihn, der sich,  kaum auf freiem Fuß, dem Würfelspiel hingab. Karl war derjenige, der den heiligen König auch sonst in Rage bringen konnte: so in der wichtigen und ohnehin verworrenen Affäre der flandrischen Erbfolge. Ein wahrhaft unbequemer Bruder, in der Tat.
 
 
 
 
 
 

14.6.1237
  oo 1. Mathilde von Brabant, Tochter des Herzogs Heinrich II.
          1224-29.9.1288

     16.1.1255
     2. oo Guido II. von Chatillon, Graf von St-Pol
                    -12.2.1289
 
 
 
 

Kinder:

  Robert II. der Fromme
  17.9.1250-11.7.1302

  Blanka
  um 1248-2.5.1302

    1269
  1. oo Heinrich I. König von Navarra
          um 1240-22.7.1274

    1276
  2. oo Edmund von Crouchback Graf von Lancaster
          1245-5.6.1296
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 161,170 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 149,253 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 176,179,184,187 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 203,207 - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 26,30,108,111 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 65,74,91,103,112,117,124-125,130,141,161,165,234,337,384,391,403,405,410,419,466,500, 516,574,627,633,635-636,642,738,764,774,804,893 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 85, 103,124,173,179,190,193,198,237,264,274,279,288,295,321 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1034,1041,1043-1045 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 182,218 -
 
 
 
 
 
 
 


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