3. Sohn des Königs Ludwig
VIII. von Frankreich und der Blanka
von Kastilien, Tochter von König
Alfons VIII.
Robert I. der Tapfere erhielt 1236 die Grafschaft Artois mit Arras, Aire, St-Omer, Bepaume, Hesdin, St-Pol und Lens. Er stand gegen Flandern, unterstützte seinen Bruder Ludwig IX. den Heiligen, zog mit ihm nach Ägypten und fiel in der Schlacht bei Mansurah.
Le Goff Jacques: Seite 117,130,165,234,391,635-636
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"Ludwig der Heilige"
1237 wird Robert in
den Ritterstand erhoben und mit dem Artois betraut, 1241 ist Alfons
an
der Reihe, der das Poitou bekommt.
Es scheint jedoch, daß der Kaiser, von Ludwig
IX. weiterhin geschont, vorsichtig blieb. Im gleichen Jahr 1241
hatte Papst Gregor IX., von dem FRIEDRICH II.
1239
erneut exkommuniziert worden war, Ludwig IX.
für desen Bruder Robert von Artois die
Krone
des Römischen Reiches angeboten. Diese Geste, verbunden mit der
königlichen Obrigkeit in Deutschland, verhieß Robert
die Kaiserkrone.
Es folgt die Niederlage des ritterlichen Königs
und der furia der französischen Ritterschaft. Ungeachtet
des vorgesehenen Schlachtplans stürzt Robert
von Artois, der älteste Bruder des Königs, leichtsinnig
einer Schar Türken hinterdrein, die Tempelritter im Gefolge; doch
da seine Hetzjagd weit über jede Vorsicht geht, läßt er
sich in eine Falle locken und wird umgebracht.
Robert von Artois,
Opfer seines ritterlichen Übermuts und seines Leichtsinns, war am
9.
Februar 1250 in der Schlacht von Al Mansurah gefallen.
Da Ludwig eine besondere
Zuneigung für seine Brüder empfand, berührte ihn dieser
Verlust sehr. Aber es gab kein Nachfolgeproblem. Robert
hinterließ einen jungen Sohn, ebenfalls Robertgenannt,
der dem Vater nachfolgte und den Ludwig 1267
zum Ritter erhob. Da Robert
auf dem
Kreuzzug umgekommen war, versuchte der König, ihn als Märtyrer
anerkennen zu lassen, doch die römische Kurie stellte sich taub.
Die Inkarnation des hassenwerten Franzosen ist Ludwigs
nachgeborener Bruder Robert, Graf von Artois,
der seiner Großsprecherei Schimpf und Schande hinzufügte, war
er es doch, der seinem Bruder den Gehorsam verweigerte, der unbedacht zum
Angriff gegen die Sarazenen stürmte und dann, als er zurückgeschlagen
wurde, geflohen sein und das Scheitern des Kreuzzugs verursacht haben soll.
Robert war Ludwigs
Lieblingsbruder. Nur zwei Jahre auseinander, waren sie zusammen aufgewachsen
und Spielgefährten.wenn man so sagen darf.
Robert war ein glänzender Ritter. Mag sein, daß er
den König durch sein ritterliches Auftreten blendete, das ihn bei
allen Vorbehalten - weil es nicht maßvoll war und sogar ein wenig
überholt erschien - doch zugleich faszinierte. Robert
war aber auch ein mächtiger Fürst. Sein Vater hatte ihm die Grafschaft
Artois als Apanage zugedacht, und Ludwig setzte
ihn anläßlich seiner Ritterweihe in dieses Erbe ein. Die gleichzeitige
Vermählung mit Mathilde
von Brabant machte ihn zum Vetter Kaiser
FRIEDRICHS II. und Schwager sowohl des künftigen Herzogs
von Brabant als auch des Landgrafen von Thüringen und des Herzogs
von Bayern. Er wurde somit "eine gut ins Reichsgebiet eingeführte
Persönlichkeit." Ludwig IX. überließ
ihm ferner die Besitzungen Hesdin, Lens und Bapaume, erworben
im Tausch gegen andere Güter ihrer Mutter, und schenkte ihm die Burgherrschaft
von Poissy, seinem Geburtsort. Der englische Chronist Matthäus
von Paris, dem heiligen Ludwig wohlgesonnen,
findet für seinen Bruder kein freundliches Wort. Er wirft ihm schlechtes
Benehmen während des Kreuzzugs vor, Hochmut ggeenüber den anderen
kreuzfahrenden Rittern, insbesondere den Engländern, und Feigheit
auf dem Schlachtfeld. Er wurde nicht im Kampf, sondern auf der Flucht getötet.
Jedenfalls scheint Robert durch seine
Disziplinlosigkeit und sein unbedachtes Handeln tatsächlich das Desaster
von Al Mansurah ausgelöst zu haben, indem er sich verfüht und
unbesonnen auf das Heer der Muslime stürzte.
Le Goff Jacques: Seite 633-641
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"Ludwig der Heilige"
Bleiben die Überlebenden - zunächst drei Brüder,
dann nur noch zwei: Robert, der älteste
geboren 1216, der 1250 in Ägypten in der Schlacht von Al Mansurah
fiel; Alfons, geboren 1220, der im
Jahr 1271 auf dem Rückweg vom Kreuzzug nach Tunis in Italien
sterben sollte; Karl, geboren 1226
- dieses Datum ist wahrscheinlicher als 1227 -, der 1266 König von
Neapel-Sizilien wurde und 1285 starb.
Wir müssen diese Brüder als Einheit betrachten.
Zunächst, weil sie dank einer Verfügung ihres Vaters die Gruppe
der Königssöhne von Frankreich bilden, die einen Teil des Kronlandes
als Apanage, eine Sonderform der Grundherrschaft, geerbt haben.
Der reale Bestand dieser Gruppe hat sich bei mehreren
wichtigen Gelegenheiten erwiesen. Im Vertrag von 1259 findet sich die Klausel,
daß seine Brüder dem König von England für den Grundbesitz,
den sie von Ludwig erhalten, keinen
Lehnseid zu leisten brauchen. Als Alfons und
Karl nach der Niederlage in Ägypten in die französische
Heimat zurückkehren, während Ludwig
im Heiligen Land bleibt, wird ihnen offiziell die Regentschaft übertragen.
An der Sonderstellung der Brüder haben auch deren
Frauen teil, denn bei manchen Gelegenheiten zeigt Ludwig
gern die Geschlossenheit der gesamten Königsfamilie. In diesem Sinne
sind sogar die Kreuzzüge für ihn ein Familienunternehmen. Im
Jahr 1248 bricht er mit seinen drei Brüdern und der Königin auf.
Als Ludwig IX. 1270 nach Tunis aufbricht,
folgen ihm sein Bruder Alfons mit Gemahlin
und seine drei ältesten Söhne, der Thronerbe
Philipp, Johann-Tristan
und Peter. Der andere Bruder, Karl
von Anjou, König von Neapel, folgt ihnen etwas später
nach.
Der König legt großen Wert auf die prunkvolle
Gestaltung der Ritterweihen seiner Brüder, die er, einhergehend mit
ihrer Volljährigkeit (20 Jahre) und der Einsetzung in ihre Apanagen,
um so aufwendiger feiern läßt. So beginnen die Brüder des
heiligen
Ludwigs, sich eines Standes zu rühmen, der später
ein regulärer Titel wird: "Königssöhne", genauer gesagt,
"Söhne des Königs von Frankreich", und manchmal abgekürzt
"Söhne von Frankreich".
Von einer strengen Mutter erzogen, für die eheliche
Untreue die ärgste der Todsünden war, genossen die vier Brüder
den Ruf absoluter Ehrenhaftigkeit. Karl von Anjou
schwor, seines Wissens hätten weder Robert
noch Alfons je eine Todsünde begangen,
und ihm selbst sagte man das gleiche nach.
Dennoch waren die Brüder in ihrem Wesen ebenso verschieden
wie ihre Beziehungen zum König. Robert
war Ludwigs Lieblingsbruder. Nur zwei
Jahre auseinander, waren sie zusammen aufgewachsen und Spielgefährten,
wenn man so sagen darf. Robert war
ein glänzender Ritter. Mag sein, daß er den König durch
sein ritterliches Auftreten blendete, das ihn bei allen Vorbehalten - weil
es nicht maßvoll war und sogar ein wenig überholt erschien -
doch zugleich faszinierte. Robert war
aber auch ein mächtiger Fürst. Sein Vater hatte ihm die Grafschaft
Artois als Apanage zugedacht, und Ludwig setzte
ihn anläßlich seiner Ritterweihe in dieses Erbe ein. Die gleichzeitige
Vermählung mit Mathilde von Brabant machte ihn zum Vetter Kaiser
FRIEDRICHS II. und Schwager sowohl des künftigen Herzogs
von Brabant als auch des Landgrafen von Thüringen und des Herzogs
von Bayern. Er wurde somit "eine gut ins Reichsgebiet eingeführte
Persönlichkeit". Ludwig IX. überließ
ihm ferner die Besitzungen Hesdin, Lens und Bapaume, erworben im Tausach
gegen andere Güter ihrer Mutter, und schenkte ihm die Burgherrschaft
von Poissy, seinem Geburtsort.
Robert besaß
zu Lebzeiten nicht immer den besten Ruf. Der englische Chronist Matthäus
von Paris, dem heiligen Ludwig wohlgesonnen,
findet für seinen Bruder kein freundliches Wort. Er wirft ihm schlechtes
Benehmen während des Kreuzzugs vor, Hochmut gegenüber den anderen
kreuzfahrenden Rittern, insbesondere den Engländern und Feigheit auf
dem Schlachtfeld: Er wurde nicht im Kampf, sondern auf der Flucht getötet
[Vgl. Chronica maiora, Band V Seite 280. In einer heftigen ideologischen
Auseinandersetzung mit den Franzosen hält der Engländer Matthäus
von Paris dem französischen Kreuzfahrer Robert
von Artois das Beispiel eines tapferen jungen Ritters aus der
englischen Königsfamilie entgegen: Wilhelm
Langschwert, Graf von Salisbury, der ein wahrer Held gewesen
und im Kampf gestorben sei. Matthäus zufolge müßte er,
nicht Robert von Artois, als ein echter
Märtyrer gelten, zumal mit Hilfe des großen englischen Heiligen,
Edmund Rich oder von Abingdon.]. Jedenfall scheint Robert
durch seine Disziplinlosigkeit und sein unbedachtes Handeln
tatsächlich das Desaster von Al Mansurah ausgelöst zu haben,
indem er sich verfrüht und unbesonnen auf das Heer der Muslime stürzte.
Aber davon wollte Ludwig nichts
wissen. Bis zu seinem Tod - mit derselben Hartnäckigkeit, die auch
sein Bruder Karl bewesien sollte -
beharrte er darauf, in Robert einen
Märtyrer zu sehen und vom Papst die Anerkennung seines Martyriums
zu fordern. Vergeblich.
Alfons war der nächstjüngere
Bruder. Er bekam das schönste Erbe. Gemäß dem letzten Willen
seines Vaters, Ludwigs VIII., erhielt
er bei der Ritterweihe im Jahr 1241 die Grafschaft Poitou und die
auf dem Albigenserkreuzzug hinzugewonnene Auvergne, nachdem man
ihn schon 1229 mit Johanna von Toulouse, der Tochter Graf Raimunds
VII., verlobt hatte. Beim Tod des letzteren im Jahr 1249, während
sich Alfons im Orient aufhielt, konnten
Blanka von Kastilien und seine Stellvertreter
ohne Schwierigkeit die große Domäne seines Schwiegervaters im
Languedoc für ihn in Besitz nehmen. So wurde Alfons
"der größte Feudalherr des Königreichs". Als auch er in
die Gefangenschaft der Muslime geriet, legte Ludwig
IX. größten Wert darauf, ihn alsbald loszukaufen,
und so wurde er nach Bezahlung des Lösegeldes nur wenig später
als sein königlicher Bruder auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr
1251 kehrte er mit dem jüngsten Bruder Karl
nach Frankreich zurück, um sich den Regierungsgeschäften
und seinen Gütern zu widmen. Doch kaum wieder in der Heimat, wurde
er von Lähmung befallen. Mit allen Mitteln der damaligen Medizin behandelt
und besonders dank der Heilkunst eines berühmten jüdischen Arztes
trat eine Besserung ein, aber er blieb bis zum Lebensende stark behindert
und lebte vor allem in Paris oder, häufiger, in der Umgebung von Paris.
Unweit des Louvre ließ er sich ein Palais erbauen, das in Anspielung
auf den hote riche, den "reichen Gast", unter dem Namen "Hotel
d'Autriche" bekannt geworden ist.
Trotz allem verwaltete Alfons
seine Grundherrschaft aus der Ferne oftmals mit bemerkenswertem
Geschick. Manche haben in ihm sogar den fortschrittlichen Verwaltungstechniker
gesehen, dem der König in der Krondomäne und im Königreich
nachgeeifert habe. Aber dieser Eindruck entsteht vielleicht nur dadurch,
daß wir für Alfons' Domäne
und ihre Administration über ein unvergleichlich reicheres Quellenmaterial
verfügen. Die südfranzösischen Archive zeigen uns Alfons
an der Spitze zahreicher und, wie es scheint, sachkundiger Beamter, die
gute Arbeit leisten, die Münmzprägung und den Geldumlauf überwachen,
die Finanzen auf dem laufenden halten und für eine gerechte Ausübung
der Justiz sorgen. Es gelingt Alfons,
seine Autorität gegenüber den "drei Ordnungen" ohne größere
Konflikte zu wahren und günstige Bedingungen sowohl für die wirtschaftliche
Entwicklung als auch für die Verbreitung des im Süden Frankreichs
fest verwurzelten römischen Rechts zu schaffen. Er ist ein Königsbruder,
der keine "Geschichten" macht, ein Getreuer, der die Eingliederung S-Frankreichs
in das Königreich ohne Skandale, eher im Zuge einer parallelen Entwicklung
als durch Assimilation, vorantreibt.
Trotz seiner angegriffenen Gesundheit - seine Schwägerin,
Königin Margarete, hat sich in
einem Brief danach erkundigt - bricht er mit Ludwig
IX. nach Tunis auf. Seit langem von einem persönlichen
Kreuzzugseifer erfüllt, faßt Alfons
schon auf dem Rückweg in Italien das nächste derartige
Unternehmen ins Auge, vor allem daran ersichtlich, daß er von den
Genuesen Schiffe kauft. Er befindet sich in Ligurien, in Savona, als ihn
die letzte Krankheit erfaßt und er am 21. August 1271, ein Jahr nach
seinem Bruder stirbt. Seine Gemahlin folgte ihm einen Tag später in
den Tod. Die Ehe der beiden ist kinderlos geblieben. Sowohl kraft der Apanagenregelung
als auch nach Maßgabe des Pariser Vertrags von 1229 fallen ihre Besitzungen
direkt an die Krone zurück. Mit Hilfe seines Bruders Alfons
- aber auch unabhängig von ihm - hat Ludwig
IX. das okzitanische Frankreich ins Königreich eingegliedert.
Der jüngste Bruder, Karl,
zwölf oder dreizehn Jahre nach Ludwig geboren,
ist der leichtsinnigste von allen, aber nicht ohne Talente. Er gehört
eher der Geschichte Italiens denn der Geschichte Frankreichs an. Karl
wurde unmittelbar vor oder, wahrscheinlicher noch, kurz nach
dem Tod seines Vaters geboren. Ihm gegenüber hatte Ludwig
immer gemischte Empfindungen, teils nachsichtig und teils gereizt, vermutlich
ebenso aufgrund seines Verhaltens wie aufgrund seiner Stellung als jüngster
in der Reihe der Brüder. Diese psychologischen Hypothesen wage ich
nicht nur, weil die Quellen sie nahelegen, sondern auch, weil die menschlichen
Beziehungen und die Strategien der Dynastie in einer Königsfamilie
im 13. Jahrhundert eng miteinander verbunden sind. Im Jahre 1245, als Karl
19 Jahre alt war, unternahmen die Aragonier einen Vorstoß
in die Provence, die ihren Lehnsherrn Graf Raimund
Berengar V., dessen letzte Tochter der König von Aragon
für seinen Sohn begehrt, soeben verloren hat. Karl
wird nach Lyon geschickt, um gemeinsam mit dem dortigen Erzbischof, Philipp
von Savoyen - der ein Schwager des verstorbenen Grafen und Schwiegervaters
des heiligen Ludwig war und den der
König sicher bei einem Papstbesuch während des Lyoner Konzils
getroffen hat - ein kleines Heer gegen die Eindringlinge zu führen.
Die Aragonier ziehen sich zurück, und Karl
bekommt die Hand der begehrten Prinzessin
Beatrix, der jüngsten Tochter des Grafen von Provence,
mit der er sich 1246 vermählt. Sie ist die Schwester von Königin
Margarete, der Gemahlin Ludwigs.
Im gleichen Jahr, in dem dieser ihn in seine Apanagen Anjou und Maine einsetzt,
wird Karl der neue Graf von der Provence.
Während Alfons
das Erbe seines Schwiegervaters mühelos in Besitz nehmen kann, stößt
Karl von Anjou auf Widerstand. Die Grundherren und die Städte
der Provence revoltieren gegen ihn und schüren die Erhebung in seiner
Abwesenheit während des Kreuzzugs, auf dem er Ludwig
zur Seite steht. Bei seiner Rückkehr kann Karl
die Aufstände nur mühsam in Schach halten, indem er sie der Kontrolle
eines viguier, eines gräflichen Stellvertreters, unterwirft.
So verfährt er 1251 in Arles und in Avignon, 1256 in Tarascon und
1257 schließlich in Marseille, wo es dennoch zu einer weiteren Revolte
kommt.
Die Geschichte S-Italiens nach dem Tod FRIEDRICHS
II., des Römischen Kaisers und Königs von Neapel und
Sizilien, ist außerordentlich komplex. Die aufeinanderfolgenden Päpste,
die sich ein Vorrecht auf das Königreich Sizilien zugute halten, wollen
es einem christlichen Fürsten ihrer Wahl verleihen und nicht Manfred,
dem unehelichen Sohn FRIEDRICHS II.,
überlassen, der das italienische Erbe seines Vaters an sich gezogen
hat. Auch Karl von Anjou wird als Kandidat
in Erwägung gezogen. Im Mai 1263 beschließt Ludwig
IX., der seinen Bruder bisher davon abgehalten hat, den neuerlichen
Vorschlag des Papstes anzunehmen, und Karl,
der die Entscheidung seines Bruders sowohl aus politischen als auch aus
moralischen Gründen abgewartet hat, läßt den Papst wissen,
daß er einverstanden sei.
Unter dem Namen Clemens IV. wird im Jahr 1264 Guy Foulcois
Papst, ein ehemaliger Ratgeber Ludwigs IX.,
der die Dinge vorantreibt. Der König von Frankreich nimmt die Sache
für seinen Bruder in die Hand. Am 28. Juni 1265 belehnt der Papst
Karl von Anjou in Rom mit der Krone
von Sizilien.
Ludwig versucht,
alle Bedingungen für einen jener Kriege zu schaffen, die er für
verwerflich hält, weil sie Quellen der Sünde sind, und von denen
er Abstand nimmt, solange nicht alle friedlichen Mittel ausgeschöpft
sind. Er unterstreicht, daß die Verfügung des Papstes in seiner
Eigenschaft als Lehnsherr des Königreichs Sizilien dem Feudalrecht
entspricht. Mehr noch als Manfreds Angriffe
gegen den Heiligen Stuhl rechtfertigt sein Bündnis mit den Muslimen
den Kreuzzugscharakter des Krieges, der ihm erklärt wird. Dem Sohn
des Kaisers wird ein letztes Angebot gemacht, das ihn noch retten könnte:
ein gemeinsamer Feldzug mit dem aus Konstantinopel vertriebenen lateinischen
Kaiser gegen den byzantinischen, der seine Metropole zurückerobert
hat. Ludwig IX. denkt offensichtlich
an die Vorteile eines mit dem Rest der Christenheit verbündeten Sizilien
als strategische Basis für Unternehmungen in Richtung Konstantinopel
oder des bedrohten Heiligen Landes. Aber Manfred
lehnt ab.
Daraufhin gibt Ludwig
seinem Bruder die Erlaubnis, loszuschlagen. Karl
von Anjou erobert sein Königreich im Handstreich, am 26.
Februar 1266 in der Schlacht bei Benevent, wo Manfred
ums Leben kommt. Doch es dauert nicht lange, da setzt sich der
15-jährige Konradin, Sohn KONRADS
IV. und Enkelsohn FRIEDRICHS II.,
mit einem Heer nach Italien in Marsch. Bei Tagliacozzo tritt ihm Karl
entgegen, und am 22. August 1269 wird Konradin
vernichtend geschlagen. So faßt die französische
Dynastie der ANJOU in Neapel Fuß.
Karl sieht seinen
Bruder schon sehr bald, anläßlich des fatalen Kreuzzuges nach
Tunis im Jahr 1270 wieder. Es wurde behauptet, als Herr über Sizilien
habe Karl dem König von Frankreich
gedrängt, in Tunis zu landen. Ich glaube nicht, daß diese Hypothese
richtig ist. Ich habe eher den Eindruck, daß Karl,
der schon immer kaiserliche Ambitionen hegte, in Gedanken vor allem mit
der Rückeroberung von Konstantinopekl beschäftigt war, das die
Griechen den Lateinern wieder abgenommen hatten. Ich frage mich im Gegenteil,
ob es nicht Ludwig war, der eigentlich
seinen Bruder zur Eroberung des Königreichs von Neapel-Sizilien getrieben
hat, um es als Stützpunkt für den Aufbruch seiner Flotte zu benutzen:
Der Gedanke daran beschäftigt ihn, seit er einen neuen Kreuzzug ins
Auge gefaßt hat.
Karl nimmt aus Verbundenheit
selbstverständlich auch an diesem Kreuzzug teil. Als er in Tunis landet,
hat Ludwig seinen letzten Atemzug getan.
Tränenüberströmt wirft er sich zu Füßen des Leichnams
auf den Boden. Dann faßt er sich, übernimmt die Rolle des Heerführers,
beschließt das Ende der Feindseligkeiten und handelt mit den Muslimen
einen ehrenhaften Rückzug aus. Er versucht von seinem Neffen, Philipp
III., dem neuen König von Frankreich, die sterblichen Überreste
und späteren Reliquien seines Bruders zu bekommen, erhält aber
nur die Eingeweide, die er in einem Sarg in die Kirche von Monreale bei
Palermo überführt. Im Zusammenhang mit Ludwig
IX. finden wir Karl von Anjou
erst 1282 bei seiner Zeugenaussage im Kanonisationsprozeß zur Heiligsprechung
seines Bruders wieder.
Manchmal hatder Bruder Ludwigs
Zorn erregt. Während der sechs Tage, die der König im Anschluß
an seine ägyptische Gefangenschaft auf dem Schiff nach Akkon verbrachte,
beklagte er sich bei Joinville über seinen Bruder und ärgerte
sich über ihn, der sich, kaum auf freiem Fuß, dem Würfelspiel
hingab. Karl war derjenige, der den
heiligen König auch sonst in Rage bringen konnte: so in der wichtigen
und ohnehin verworrenen Affäre der flandrischen Erbfolge. Ein wahrhaft
unbequemer Bruder, in der Tat.
14.6.1237
oo 1. Mathilde von Brabant, Tochter des Herzogs
Heinrich II.
1224-29.9.1288
16.1.1255
2. oo Guido II. von Chatillon,
Graf von St-Pol
-12.2.1289
Kinder:
Robert II. der Fromme
17.9.1250-11.7.1302
Blanka
um 1248-2.5.1302
1269
1. oo Heinrich I. König von Navarra
um 1240-22.7.1274
1276
2. oo Edmund von Crouchback Graf von Lancaster
1245-5.6.1296
Literatur:
-----------
Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 161,170 - Ehlers Joachim:
Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 149,253
- Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 176,179,184,187
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 203,207 - Herde Peter:
Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz
1979 Seite 26,30,108,111 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige,
Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 65,74,91,103,112,117,124-125,130,141,161,165,234,337,384,391,403,405,410,419,466,500,
516,574,627,633,635-636,642,738,764,774,804,893 - Pernoud Regine:
Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich.
Diederichs Verlag München 1991 Seite 85, 103,124,173,179,190,193,198,237,264,274,279,288,295,321
-
Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe
in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1034,1041,1043-1045
-
Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag
München 1995 Seite 182,218 -