Philipp                                                  Graf von Eu (1387-1397)
---------                                                 Seigneur von St-Valery und d'Ault
1358-16.6.1397
       Micalizo/Anatolien
 

3. Sohn des Grafen Johann ohne Land von Eu und der Isabella von Melun, Tochter des Vicomte Johann II.
 

Philipp folgte 1387 seinem in Apulien vergifteten Bruder Robert IV. in der Regierung, wurde Pair von Frankreich und 1392 Connetable von Frankreich. Er zog 1390 mit dem Herzog von Bourbon gegen Tunis, war 1391/92 im Heiligen Land und dort zeitweilig inhaftiert und half 1383 Bourbourg zu erobern. Philipp zog 1396 zusammen mit Johann Ohnefurcht von Burgund und anderen französischen Großen gegen die Osmanen, geriet in der Schlacht bei Nikopolis in Gefangenschaft und starb kurz vor seiner Freilassung.

Tuchmann Barbara: Seite 418,452,498,509
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"Der ferne Spiegel"

In den Kopien, die die Zerstörung des Klosters von 1808 überlebten, ist Coucy unter den Adligen im Gefolge des Königs zu erkennen, jeder ist durch sein Wappen gekennzeichnet: Ludwig von Orleans, der Herzog von Bourbon, Heinrich von Navarra, Olivier de Clisson, Philippe d'Eu, Henri de Bar und zuletzt Coucy als einziger mit abgewandtem Gesicht.
Da Coucy nicht zu überreden war, das Amt des Constable anzunehmen, gaben die Onkel die Position dem jungen Grafen d'Eu, angeblich, damit er reich genug werden konnte, um Berrys Tochter zu heiraten.
Die französischen Ritter, von denen mehr als die Hälfte ihr Pferd verloren hatten, kämpften sich in ihrer schweren Rüstung bis auf den Hügel hinauf, wo sie den zerschlagenen Rest der türkischen Armee vermuteten. Statt dessen sahen sie sich einer frischen Heeresgruppe von Sipahis gegenüber, die der Sultan in Reserve gehalten hatte. "Der Löwe in ihnen verwandelte sich in einen angstvollen Hasen", schreibt der Mönch von St. Denis unnachsichtig. Die Franzosen erkannten, daß das Ende gekommen war. Einige flohen den Hügel hinunter; der Rest kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung, "grimmiger als schäumdende Keiler und rasende Wölfe". D' Eus Schwertarm schnitt so tapfer, wie er geprahlt hatte, rechts und links alles nieder.
So wurden Coucy, Bar, d'Eu, Guy de Tremoille, Jacques de la Marche, der Graf von Nevers und einige andere, die hohes Lösegeld versprachen, verschont.
Gegen eine Anzahlung von 75.000 Dukaten wurden die Gefangenen am 24. Juni unter der Bedingung freigegeben, in Venedig zu bleiben, bis die ganze Summe gezahlt war. Noch ein weiterer Ritter unter ihnen erlebte diesen Tag nicht. In grausamer Gerechtigkeit starb der Graf von Eu neun Tage vor der Freilassung.

Hoensch, Jörg K.: Seite 80,83
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"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437."

Im Januar/Februar 1395 unterstellte ein Heer SIGISMUNDS jedoch den seit 1387 zur polnischen Vasallität übergewechselten, von den Osmanen stark bedrängten Hospodar der Moldau wieder der Autorität der Stephanskrone; ein Sommerfeldzug, bei dem ihn wahrscheinlich auch Philippe d'Artois, Comte d'Eu, mit einigen hundert französischen Herren unterstützten, verlief so erfolgreich, daß die gesamte Walachei befreit, Mircea wieder eingesetzt und Klein-Nikopolis zurückerobert werden konnte.
Am 6. April 1396 machte sich das französische Konteingent, mit dem aufgeblähten Troß an die 10.000 Mann zählend, unter dem Kommando des Grafen Johann Ohnefurcht (Jean de Nevers) von Paris aus auf den Weg und verbreitete durch Überfälle und Disziplinlosigkeit bereits im Reich Angst und Schrecken. Ihm gehörten mit Jean de Vienne, Admiral von Frankreich, Feldmarschall Jean la Maingre Boucicaut, Enguerrand de Coucy und dem Connetable Philipp d'Artois, Comte d'Eu, Vertreter des Hochadels und der wichtigsten Ämter an. Die vernichtende Niederlage in der Entscheidungsschlacht am 25./28. September 1396 war nicht allein von SIGISMUND zu verantworten, der die französischen Herren vergeblich beschworen hatte, doch den mit der türkischen Kampfweise besser vertrauten Ungarn den Vorrang zu lassen.
 
 
 
 

27.1.1392
  oo 2. Marie von Valois, Tochter des Herzogs Johann II. von Berry
          1367- 6.1434
                  Lyon
 
 
 
 

Kinder:

  Bonne (Bona) von Artois
  1396-17.9.1425

  20.6.1413
  1. oo Philipp von Burgund, Graf von Nevers
          1389-25.10.1415

 30.11.1424
  2. oo Philipp der Gute Herzog von Burgund
          13.6.1396-15.6.1467

  Katharina von Artois
  1397-   1418/22

 1416
  oo 1. Johann I. von Bourbon, Seigneur von Carency
          1378-   1457

  Karl von Artois Graf von Eu
  Anfang 1394-25.7.1472

  Philippe
  1395-23.12.1397
          Eu
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 80,83 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 418,452,498,509 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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